Undaunted 2200: Kallisto
Als im Jahre 2008 das Spiel Pandemic (damals noch Pandemie) erschien, hätte wohl niemand gedacht, dass sich hier nicht einfach nur ein Spiel, sondern ein ganzes Spielsystem entwickelt, dass unzählige Ableger nach sich zog und aktuell in dem wirklich genialen „Schicksal der Gemeinschaft“ gipfelt. Ähnlich dürfte es bei dem 11 Jahre später erschienen Undaunted der Fall sein – auch wenn es hiervon bisher deutlich weniger Ableger gibt und die Reihe deutlich weniger Aufmerksamkeit genießt, als die erstgenannte. Das mag vermutlich auch am bisherigen Setting des Zweiten Weltkriegs liegen, vielleicht aber auch daran, dass man hier nicht kooperativ sondern ganz klassisch konfrontativ spielt und es bisher auch keinen Solomodus gab. Vielleicht. Kallisto strengt sich jedenfalls an, diese Punkte zu ändern.
Gleichzeitig reizte mich das Spiel dann aber doch. Und so las ich die Anleitung bestimmt noch zwei Mal und stellte immer noch fest, dass ich das niemandem erklären kann. Und das, obwohl der eigentliche Spielablauf auf eine Seite der Anleitung passt. Also spielte ich eine Partie gegen mich selbst – und schon nach zwei Zügen fiel der Groschen und mir wurde klar, was mir die Anleitung eigentlich sagen will. Und ja, man kann das Spiel eben nicht richtig erklären, wenn man nicht auf Höhenunterschiede und Sichtlinien und Reichweiten eingeht – aber eigentlich ist es am Ende deutlich einfacher, als es in der Anleitung auf den ersten Blick wirkt. Dann folgten Partien gegen echte Menschen und auch Solo-Partien und - ohne zu viel vom Fazit vorweg nehmen zu wollen – verstehe ich nun, warum die Undaunted-Reihe durchaus viele Fans hat. Für alle, die ebenfalls noch nie ein Undaunted auf dem Tisch hatten, mal ein wirklich kurzer Regelabriss, ohne auf die Besonderheiten von Brücken etc. einzugehen. Wer das System kennt, überspringt die nächsten zwei Absätze gerne.
Im Kern spielen wir Schach mit vorgegebenen Startszenarien und in Kombination mit einem Deckbuilder: Jede Seite besitzt unterschiedliche Einheiten, die wie im jeweiligen Szenario beschrieben auf dem jeweiligen Spielplan (jedes Szenario hat einen eigenen!) aufgestellt werden. Für jeden Einheitentyp haben wir bereits Karten in unserem Startdeck sowie in unserer persönlichen Marktauslage (beides ebenfalls vom Szenario vorgegeben). Auf den Karten steht neben dem zugehörigen Einheitentyp immer auch die Aktionsmöglichkeiten, die dieser Typ mit dieser Karte ausführen kann. Es gibt insgesamt 12 verschiedene Aktionsmöglichkeiten im Spiel und jeder Einheitentyp kann davon grundsätzlich immer nur eine bestimmte Auswahl – diese wird nochmal durch die Karten beschränkt, da auf einer Karte in der Regel nur 2 bis max. 4 mögliche Aktionen stehen. Zu diesen Aktionen gehören Bewegen, Erkunden (ich darf mich nur in erkundete Gebiete bewegen!), Karten „kaufen“ oder eben Angreifen. Spiele ich eine Karte aus, muss ich sagen auf welche konkrete Einheit dieses Typs ich mich auf dem Spielfeld beziehe (mitunter hat man von einem Einheitentyp mehrere Einheiten auf dem Feld) und welche der abgedruckten Aktionen sie ausführen soll. Denn ich kann immer nur eine der Aktionen ausführen und lege die Karte dann vor mir aus und mein Gegenüber ist dann an der Reihe. So spielen wir Karte um Karte von unserer Hand, bis beide Seiten nicht mehr können oder wollen. Die restlichen Handkarten werden abgeworfen und es beginnt eine neue Runde. Gespielt wird, bis eine Seite die Siegbedingung des Szenarios erfüllt hat. In der Regel ist diese, eine bestimmte Anzahl an Regionen zu besetzen und/oder eine bestimmte Anzahl feindlicher Einheiten zu eliminieren.
Zusammenfassend ist Undaunted 2200: Kallisto in meinen Augen ein wirklich gutes Spiel, dass mir unfassbar viel Spaß macht und das ich immer gerne auf den Tisch bekomme. Förderlich ist hier auch die knackige Spielzeit, da es sich locker in 45 Minuten spielen lässt, sofern beide Seiten die Regeln kennen. Die größte Hürde beim Einstieg ist tatsächlich das Kennen und Auseinanderhalten der 12 unterschiedlichen Aktionsmöglichkeiten. Diese spielen sich aber nach 2-3 Partien gut ein. Auch der Solomodus ist wirklich gut durchdacht und funktioniert bestens. Lediglich den 4-Spielenden-Modus habe ich nicht getestet, da ich hierin ehrlicherweise keinen Mehrwert gesehen habe und das Spiel auch außerhalb des direkten Duells und des Solomodus nicht sehe. Zu viert hat jede/r am Tisch nur eine Hälfte einer Seite unter Kontrolle mit einem halben Markt – und in Summe vom Anschein her auch nur den halben Spaß, da man gar nicht so gut taktieren und auch bluffen kann, wie im direkten Duell. Davon abgesehen bin ich nun auf den schon in den Startlöchern stehenden Nachfolger gespannt und freu mich auf die „Revolution“.
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