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Propolis

Brettspiel Propolis: Unsere Rezension auf Brettspieleust.de
Molly Johnson, Robert Melvin, Shawn Stankewich
Alderac, Ravensburger
1-4
10+ Jahre
45 Min.
Unsere Wertung:
„Wer glaubt, bei diesem Thema handele es sich um ein seichtes Bienchen-und-Blümchen-Spiel, wird bereits nach wenigen Zügen eines Besseren belehrt. Propolis versteckt unter seiner charmanten Optik ein überraschend taktisches Kräftemessen um Mehrheiten, Ressourcen und den Ausbau der eigenen Kolonie.“

Darum geht’s beim Brettspiel Propolis

Mit Propolis nehmen uns die Autoren Molly Johnson, Robert Melvin und Shawn Stankewich mit in die Welt rivalisierender mittelalterlicher Bienenstaaten. Der Titel von Alderac Entertainment Group (AEG), in Deutschland lokalisiert von Ravensburger/Alea, richtet sich an ein bis vier Personen ab zehn Jahren und verbindet Worker-Placement, Engine-Building und Area-Control zu einem Gesamtpaket. Ziel ist es, die eigene Kolonie zum angesehensten Volk zu entwickeln und die Gunst der Königin zu gewinnen.

Dafür entsenden wir unsere Arbeiterinnen in verschiedene Landschaften, sammeln Ressourcen und erweitern ihre Wabe um neue Strukturen (=Gebäudekarten). Mit jedem errichteten Gebäude wächst die eigene Kolonie weiter, bis schließlich ein prächtiger Palast für die Königin entstehen kann. Hinter dem freundlichen, etwas aufgesetzt wirkenden Thema verbirgt sich dabei ein Spiel, das von knappen Entscheidungen und Konkurrenzdruck lebt.

Aufbau und Spielablauf

Der Ablauf einer Partie in Propolis ist klar strukturiert. Wer am Zug ist, entscheidet sich für genau eine von fünf möglichen Aktionen. Arbeiterinnen können eingesetzt, bereits platzierte Figuren (Beeple!) befestigt, zurückgerufen oder neue Waben- beziehungsweise Palastteile gebaut werden. Trotz dieser überschaubaren Auswahl entsteht schnell eine Vielzahl taktischer Überlegungen.

Besonders interessant ist das Zusammenspiel zwischen Ressourcengewinnung und Gebietskontrolle. Bereits das Platzieren von Arbeiterinnen auf dem Ressourcen-Tableau bringt sofort Rohstoffe wie Pollen, Nektar oder Wachs ein. Noch wichtiger wird jedoch das anschließende Befestigen der Beeple. Dabei werden die Figuren auf die Seite gelegt und zählen später doppelt für die Mehrheitenwertung der jeweiligen Landschaftsreihe. Dadurch entsteht ständig die Frage, ob man lieber weitere Ressourcen sammelt oder seine Position für kommende Wertungen absichert.

Platzieren von Arbeiterinnen auf dem Ressourcen-Tableau bringt sofort Rohstoffe.
Strukturkarten im offenen Markt: erweitern unsere Wabe um neue Gebäude.

Viel Interaktion am Spieltisch

Wie eng die einzelnen Mechanismen miteinander verzahnt sind, zeigt sich in einer typischen Spielsituation. Drei Arbeiterinnen werden auf einer Wiesenkarte eingesetzt und liefern sofort zwei Einheiten Wachs sowie einen zusätzlichen Nektar. Gleichzeitig wird damit das letzte freie Feld einer Landschaftsreihe besetzt. Als Belohnung gibt es einen Joker-Rohstoff, außerdem wird unmittelbar die Mehrheitenwertung ausgelöst. Wer hier die meisten befestigten Einheiten besitzt, gewinnt die Kontrolle über die Reihe, nimmt seine Figuren zurück auf die Hand und kann dadurch deutlich flexibler planen als die Konkurrenz, deren Arbeiter vorerst auf dem Spielfeld verbleiben.

Diese Wertungen sorgen für eine bemerkenswert hohe Interaktion. Kaum eine Entscheidung betrifft nur die eigene Kolonie. Jeder Zug kann Einfluss darauf haben, wann eine Reihe gewertet wird, welche Landschaften verschwinden oder welche Chancen den Mitspielern offenstehen. Dadurch bleibt die Konkurrenz jederzeit präsent und die Auslage wird ständig neu bewertet.

Fragen und Antworten

Wie funktioniert die Mehrheitenwertung beim Brettspiel Propolis?

Eine Mehrheitenwertung wird ausgelöst, sobald in einer Reihe von Landschaftskarten kein einziges Feld mehr komplett frei ist. Bei der Auswertung zählt jede normale Arbeiterbiene als ein Punkt, während jede auf der Seite liegende Biene als zwei Punkte für die Mehrheit gewertet wird.

Welche Funktion hat der Palast der Königin im Spiel?

Der Palast der Königin ist eine spezielle Strukturkarte, von der jede Person maximal ein Exemplar errichten darf. Sie erfordert das Vorhandensein bestimmter permanenter Ressourcen in der eigenen Auslage, bringt am Spielende wertvolle Siegpunkte und fungiert als Joker-Symbol für alle Gildenwertungen.

Wie wird das Spielende von Propolis ausgelöst?

Das Spielende wird eingeleitet, sobald ein Spieler oder eine Spielerin insgesamt zehn Strukturkarten (inklusive der Startkarte und eines eventuellen Palasts) in der eigenen Auslage errichtet hat. Die laufende Runde wird dann noch so zu Ende gespielt, dass alle Beteiligten gleich viele Züge absolviert haben.

Mein Fazit nach vielen Testrunden

Propolis richtet sich vor allem an erfahrene Familienspieler:innen. Die Symbolik ist übersichtlich und der Einstieg gelingt relativ problemlos, doch die langfristige Planung verlangt durchaus Weitsicht. Neue Wabenstrukturen gewähren Rabatte, zusätzliche Ressourcen oder neue Möglichkeiten zur Punktewertung (erinnert an das Spiel Splendor). Wer diese Effekte geschickt kombiniert, baut sich im Laufe der Partie eine immer effizientere Engine auf.

Schade ist allerdings, dass das Bienenthema hinter dem gelungenen Mechanikmix weitgehend zurücktritt. Abgesehen von den liebevoll gestalteten Beeple-Figuren fühlt sich das Geschehen oft überraschend abstrakt an. Beim Blick auf das Ressourcentableau und den offenen Markt mit Strukturkarten dreht sich vieles eher um Farben und Buchstaben als um das Leben und Wirken eines Bienenvolks. Und warum eigentlich im Mittelalter?

Brettspiel Propolis: Unsere Rezension auf Brettspieleust.de
Königinnenpalast-Karte.
Ressourcen-Tableau für jeden Spieler/jede Spielerin.

Wer vor allem über das Thema Zugang zu einem Brettspiel findet, könnte deshalb Schwierigkeiten haben, sich in Propolis hineinzufinden. Die spielerischen Abläufe sind stark von Optimierung und Effizienz geprägt und weniger von thematischen Erlebnissen.

Auch beim Wiederspielwert bleiben für mich Fragezeichen. Zwar sorgen die zahlreichen doppelseitigen Landschafts- und Strukturkarten für unterschiedliche Ausgangssituationen. In der Praxis entwickeln sich die Partien jedoch oft in ähnliche Richtungen, sodass sich das taktische Grundgefühl nur begrenzt verändert.

Propolis verbindet mehrere beliebte Mechanismen zu einem kompakten und zugleich anspruchsvollen Spielerlebnis. Hinter der farbenfrohen Comic-Optik verbirgt sich ein eng verzahntes System, in dem Ressourcenmanagement, Mehrheitenwertungen und der Ausbau der eigenen Kolonie konsequent ineinandergreifen. Wer genau diese Art von Optimierungsspiel sucht, findet hier eine interessante Herausforderung.

Pro & Contra

Was mir gut gefällt:

  • guter Mechaniken-Mix aus Worker Placement, Gebietskontrolle und Engine Builder
  • kompakte Spielschachtel mit schönes Material
  • inkl. Solomodus

Was ich weniger mag:

  • Aufgesetztes Thema
  • Deutlich länger als auf der Spielschachtel angegeben
  • Buchstaben der Gildenkarten schwer lesbar

Hinweis: Wertungen vergeben wir im Bereich 0 bis 4 Sternen. Spiele mit 0-1,5 Sternen sind sind schlecht, mit 2 bis 2,5 Sternen durchschnittlich. Ab 3 Sternen beginnen die empfehlenswerten Spiele. Nur außergewöhnliche Titel erhalten 4 Sterne („Four-Star Game“).

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Kavango

Kavango Brettspiel-Test: Lies unsere Rezension zum Naturschutz-Spiel.
Matt Brown, Zara Reid
Mazaza Games, Schmidt Spiele
1-4(5)
10 Jahre
60 Min.
Unsere Wertung:
Besonders gefallen haben mir bei Kavango die flüssigen simultanen Züge, die vielen kleinen Kombinationen beim Ausspielen der Tiere und die ständige Abwägung zwischen kurzfristigen Punkten und langfristigem Naturschutz. Dazu kommt eine fantastische Gestaltung mit liebevoll illustrierten Karten, die dem Spiel viel Atmosphäre verleihen.

Darum geht’s beim Brettspiel Kavango

Mit Kavango schicken uns die Autoren Matt Brown und Zara Reid mitten hinein in die afrikanische Savanne – und zwar nicht als Safari-Touristen, sondern als Naturschutz-Expertinnen und -Experten. Das wunderschön illustrierte Brettspiel dreht sich um den Aufbau eines funktionierenden Ökosystems in der Kavango-Region, einem Schutzgebiet, das sich über fünf afrikanische Länder erstreckt und unter anderem Heimat für rund die Hälfte aller afrikanischen Elefanten ist.

Hinweis: Die Abbildungen zeigen die englischsprachige Originalausgabe (inkl. Kickstarter-Deluxe-Komponenten), die sich ggf. von der deutschen Retail-Version unterscheiden.

Aufbau und Spielablauf

Eure Aufgabe: Über drei Spielrunden hinweg erschafft ihr ein möglichst erfolgreiches Naturreservat. Ihr siedelt Tiere an, erfüllt Forschungsaufgaben und investiert Geld in Habitat-, Wildtier- und Klimaschutz. Gewonnen hat am Ende die Person mit den meisten Punkten – und die gibt es vor allem für clevere Kombinationen aus Artenvielfalt, Schutzmaßnahmen und effizientem Ressourcenmanagement.

Die Tierkarten zeigen links unten die Bedingungen, die in eurem Reservat erfüllt sein müssen.
Der Frosch durfte „einziehen“, da wir zuvor die passende Anzahl Wirbellose gesammelt hatten.

Karten draften statt würfeln

Das Herzstück von Kavango ist ein angenehm flotter Drafting-Mechanismus. Jede Partie läuft über drei Runden mit jeweils zehn Zügen. Alle spielen gleichzeitig: Jede Person wählt eine Karte aus der aktuellen Hand, legt sie verdeckt ab und reicht den Rest weiter. Dadurch entsteht kaum Downtime, selbst mit vier Personen bleibt das Spiel erstaunlich dynamisch.

Die Karten bilden dabei Schritt für Schritt euer eigenes Ökosystem. Zunächst braucht ihr die Grundlagen: Gräser, Bäume, Fische oder Wirbellose aus Deck A. Diese Produzenten lassen sich immer problemlos ausspielen und bilden die Basis für spätere Tiere.

Richtig spannend wird es dann mit den Tierkarten aus den Decks B und C. Jedes Tier hat bestimmte Anforderungen – sowohl beim Nahrungsbedarf als auch beim Schutzstatus eures Reservats. Eine Impala braucht zum Beispiel Gras, mehrere Bäume und eine gewisse Wildtier-Schutzstufe, bevor sie dauerhaft bei euch einziehen darf. Fehlen noch Voraussetzungen, landet das Tier zunächst in der Auffangstation und wartet dort auf bessere Bedingungen. Das sorgt regelmäßig für schöne kleine Komboketten, wenn plötzlich mehrere Tiere gleichzeitig ins Reservat nachrücken dürfen.

Clever planen statt einfach sammeln

Was Kavango besonders gelungen macht, ist die Verzahnung seiner Mechaniken. Tiere bringen nicht einfach nur Punkte – sie beeinflussen Forschungsaufgaben, ermöglichen neue Nahrungsketten und eröffnen weitere Strategien.

Die Forschungsaufgaben sorgen dabei für den wirtschaftlichen Motor des Spiels. In jeder Runde liegen neue Ziele aus, etwa bestimmte Mengen an Bäumen, Fischfressern oder spezialisierten Tierarten. Wer die Bedingungen erfüllt, kassiert Geld (ein Cube = 1 Mio. Dollar) und Siegpunkte. Das verdiente Budget investiert ihr anschließend in verschiedene Schutzmaßnahmen.

Kavango Brettspiel-Test: Lies unsere Rezension zum Naturschutz-Spiel.
Forschungskarten der Originalversion: Vort allem hier generiert ihr Einkommen.

Vor allem der gemeinsame Klimaschutz ist ein cleverer Kniff: Investitionen helfen nämlich allen am Tisch, nicht nur euch selbst. Dadurch entsteht ein interessanter Mix aus Kooperation und Konkurrenz. Einerseits wollt ihr profitieren, andererseits möchtet ihr natürlich nicht ständig für die Mitspielenden mitzahlen.

Zugänglich, aber überraschend taktisch

Trotz seines ernsten Themas bleibt Kavango zugänglich. Die Grundregeln sind schnell verstanden, weil das Spiel viele Dinge logisch aus seinem Thema ableitet. Gleichzeitig steckt erstaunlich viel strategische Tiefe darin.

Für zusätzliche Varianz sorgen die Spezialistenkarten. Jede Rolle bringt eigene Fähigkeiten mit – manche erleichtern den Zugang zu Geld, andere helfen beim Ausspielen schwieriger Tiere oder beim langfristigen Planen. Die Charaktere besitzen unterschiedliche Komplexitätsstufen, wodurch sich das Spiel gut an Gelegenheitsspieler oder erfahrene Vielspielerinnen anpassen lässt. Aber Achtung: Manche Spezialkarten sind deutlich stärker als andere, was im Spielverlauf durchaus zu einem Ungleichgewicht führen kann.

Den eigenen Habitatschutz ausbauen: Dadurch siedeln sich später „wertvollere“ Tierarten an.

Auch der Solo-Modus wirkt erfreulich durchdacht. Der automatische Gegner spielt sich anders als ein normaler Mitspieler, erzeugt aber trotzdem Druck und interessante Entscheidungen. Für ein modernes Eurogame ist das definitiv ein Pluspunkt.

Fragen und Antworten

Wie komplex ist Kavango wirklich?

Auf den ersten Blick wirkt Kavango recht umfangreich, vor allem wegen der vielen Symbole und Kartenarten. Nach ein bis zwei Spielzügen greift das System aber erstaunlich intuitiv. Wer schon einmal ein Drafting- oder Engine-Building-Spiel gespielt hat, findet sich schnell zurecht. Die eigentliche Stärke liegt eher in der strategischen Tiefe als in komplizierten Regeln.

Für wen eignet sich das Spiel besonders?

Kavango richtet sich an Spielerinnen und Spieler, die ruhige Strategiespiele mit langfristiger Planung mögen. Besonders Fans von Natur- und Tier-Themen kommen hier voll auf ihre Kosten. Wer dagegen direkte Konfrontation oder viel Chaos am Spieltisch sucht, wird vermutlich weniger angesprochen.

Ist Kavango für bis zu vier oder fünf Personen?

Es kommt darauf an, welche Version du spielst. In der englischsprachigen Originalversion von Mazaza Games können bis zu fünf Personen mitspielen. Leider ist die deutsche Version, die von Schmidt Spiele lokalisiert wurde, nur für maximal vier Personen geeignet. Warum das verändert wurde, bleibt fraglich.

Mein Fazit nach vielen Testrunden

Kavango ist eines dieser Brettspiele, bei denen Thema und Mechanik wirklich zusammenpassen. Der Aufbau eines funktionierenden Ökosystems fühlt sich nie aufgesetzt an, sondern ergibt spielerisch Sinn. Gleichzeitig schafft das Spiel den Spagat zwischen entspannter Atmosphäre und anspruchsvollen Entscheidungen.

Besonders gefallen haben mir die flüssigen simultanen Züge, die vielen kleinen Kombos beim Ausspielen der Tiere und die ständige Abwägung zwischen kurzfristigen Punkten und langfristigem Naturschutz. Dazu kommt eine fantastische Gestaltung mit liebevoll illustrierten Karten, die dem Spiel enorm viel Atmosphäre verleihen.

Wer strategische Drafting-Spiele mit Naturthema mag, sollte sich Kavango definitiv ansehen. Fans von Arche Nova dürften hier ebenfalls auf ihre Kosten kommen – auch wenn Kavango eher an der unteren Grenze von Kennerspielen angesiedelt ist.

Kurz gesagt: Ein wunderschön produziertes Strategiespiel mit cleveren Ideen, spannenden Entscheidungen und einer angenehm positiven Botschaft über Natur- und Klimaschutz.

Pro & Contra

Was mir gut gefällt:

  • Tolles Naturschutzthema
  • Karten und Boards sind optisches Highlight auf jedem Spieltisch
  • Cleverer Drafting-Modus

Was ich weniger mag:

  • kein gutes Balancing bei den Spezialisten: Investorin ist z.B. deutlich stärker als andere Karten
  • das eigene Board hat (im Grundspiel) keinerlei Funktion, was das Ablegen von Karten in den Reihen oder Spalten angeht.

Hinweis: Wertungen vergeben wir im Bereich 0 bis 4 Sternen. Spiele mit 0-1,5 Sternen sind sind schlecht, mit 2 bis 2,5 Sternen durchschnittlich. Ab 3 Sternen beginnen die empfehlenswerten Spiele. Nur außergewöhnliche Titel erhalten 4 Sterne („Four-Star Game“).

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Railroad Tiles

Bei Railroad Tiles begebt ihr euch auf eine strategische Planungsreise, bei der ihr durch das geschickte Legen von Plättchen ein Schienen- und Straßennetz errichtet. Wir haben uns das Spiel für euch genauer angesehen und berichten von unseren Eindrücken.

Railroad Tiles

Willkommen in der Welt der Weichensteller und Städteplanerinnen! Heute entführt uns Railroad Tiles (Horrible Guild) in das bekannte Universum der beliebten „Railroad Ink“-Reihe, tauscht jedoch die Würfel gegen haptisch viel ansprechendere Plättchen aus. Ziel des Spiels ist es, in acht Runden ein möglichst effizientes Verkehrsnetz aus Straßen und Schienen zu erschaffen. Dabei versuchen wir, durch Platzierung von Zügen, Autos und Fahrgästen die höchste Punktzahl zu erreichen, während wir gleichzeitig darauf achten, möglichst wenige offene Enden bei unseren Wegen zu hinterlassen.

Railroad Tiles – so wird es gespielt:

In der Tischmitte liegt die gemeinsame Bahnhof-Tafel, welche die Zugfolge und den allgemeinen Markt regelt. Zu Beginn jeder Runde werden dort Strecken-Plättchen in mehreren Spalten ausgelegt, die das Angebot für bis zu vier Personen bilden. Wir stehen jede Runde vor der Entscheidung, welche dieser Spalten am besten zu unserem persönlichen Streckenplan passt. Wer sich zuerst für eine Spalte entscheidet, sichert sich nicht nur die begehrten Wegstücke, sondern bestimmt damit auch die Zugfolge für die kommende Runde. Dieser dynamische Markt sorgt für eine angenehme Interaktion, da man stets ein Auge auf die Pläne der Konkurrenz werfen muss, um die passenden Anschlüsse nicht weggeschnappt zu bekommen.

Sobald wir unsere Plättchen aus dem Markt gewählt haben, geht es an den individuellen Ausbau unseres Netzwerks auf der eigenen Spielfläche. Wir erweitern unsere Wege, wobei die goldene Regel gilt: Schiene muss an Schiene und Straße an Straße grenzen. Wir platzieren ein Kurvenstück geschickt so, dass es eine Verbindung zu einem Wohngebiet herstellt, während wir zeitgleich eine gerade Strecke nutzen, um eine neue Station zu gründen. In diese Stationen setzen wir Fahrgast-Figuren ein, während wir Züge auf die Schienen und Autos auf die Straßen schicken, sobald die entsprechenden Symbole auf den Plättchen erscheinen. Diese Figuren sind am Ende wertvolle Siegpunkte wert, sofern die Wege lang genug sind.

Plättchenwahl aus dem gemeinsamen Markt.

Timing ist gefragt – bei den Anzeiger-Markern

Die taktische Tiefe von Railroad Tiles (dt. Ausgabe bei Heidelbär Games) entfaltet sich durch das nötige Timing beim Einsatz der Anzeiger-Marker auf der Bahnhof-Tafel. Jede der acht Runden wird durch einen neuen Marker definiert, der festlegt, welche Figurentypen – ob Züge, Autos oder Fahrgäste – in diesem Moment überhaupt aktiviert werden können. Wir müssen also genau vorausplanen: Ein Plättchen mit einem Auto-Symbol bringt uns nur dann eine physische Figur für die spätere Wertung ein, wenn in dieser Runde auch der entsprechende Auto-Anzeiger aktiv ist.

Wer darüber hinaus eine zusätzliche strategische Ebene sucht, greift zu den optionalen Aufgaben-Plättchen, die das Spiel um eine spannende Langzeitkomponente erweitern. Diese fungieren als spezifische Zielvorgaben und belohnen uns am Spielende mit satten Bonuspunkten, sofern wir die geforderten Bedingungen in unserem Schienennetz erfüllen konnten. Dieses Zusammenspiel aus der kurzfristigen Entscheidung, wann welcher Figurentyp platziert wird, und der Jagd nach den Bedingungen der Aufgaben-Plättchen macht den Reiz von Railroad Tiles aus.

Anzeigenmarker definieren für jede Runde die einzusetzenden Meeples.
Erst mit den Aufgaben-Karten wird die eigene Auslage schön komplex.

Am Ende der achten Runde folgt die Abrechnung, bei der jede Figur in unserem Netzwerk Punkte generiert, abhängig von der Komplexität der Strecke, auf der sie steht. Wir zählen die Punkte für unsere erfüllten Aufgabenkarten zusammen und addieren die Boni der Rundenanzeiger. Achtung: Jedes offene Streckenende, das nicht fachgerecht abgeschlossen wurde, führt zu Punktabzug. Wer es schafft, ein geschlossenes System aus weit verzweigten Gleisen und fließendem Straßenverkehr zu errichten, wird am Ende als Sieger:in hervorgehen.

Railroad Tiles: Fazit und Wertung

Mit der Railroad-Ink-Reihe sind wir nie richtig warm geworden. Trotz eingängiger Regeln blieb uns das krakelige Einzeichnen von Straßen und Schienen auf den kleinen Tableaus immer etwas fremd, und was die anderen am Tisch machten, spielte sich gefühlt zu sehr nebeneinander ab.

Dass das Spielprinzip mit Railroad Tiles als Plättchenlegespiel weitergedacht werden sollte, machte uns dagegen sofort neugierig. Wir mögen solche puzzlelastigen Legespiele sehr, und schon die ersten Previews mit ihrem charmanten Artwork hatten uns angesprochen. Beim Kickstarter hielten wir uns dennoch zurück – nicht zuletzt, weil uns die große Collector’s Edition mit ihren vielen Beuteln und Tütchen ohne echtes Inlay eher abschreckte als überzeugte.

Nun hatten wir Gelegenheit, das Basisspiel und mehrere Erweiterungen ausführlich zu testen. Und tatsächlich überrascht Railroad Tiles mit mehr spielerischer Substanz, als das leichte Familienspiel zunächst vermuten lässt. Hinter dem zugänglichen Drafting- und Puzzle-Prinzip stecken immer wieder reizvolle Entscheidungen: früh in der Zugreihenfolge dran sein oder lieber mehr Plättchen nehmen, kompakt für die Schlusswertung bauen oder andere Punktechancen verfolgen, kurzfristige Möglichkeiten nutzen oder langfristig auf bestimmte Wertungen spielen. Besonders gelungen wirkt dabei, wie ausgewogen die verschiedenen Wege zum Punkten erscheinen – unterschiedliche Strategien können zum Erfolg führen.

Holzmarker in Railroad Tiles: Personen, Autos, Züge, Sterne.

Befriedigendes Puzzlegefühl

Trotz überschaubarer Komplexität erzeugt das Spiel ein sehr befriedigendes Puzzlegefühl, unterstützt durch die liebevolle Gestaltung mit Landschaften und Meeples. Die Interaktion bleibt bewusst zurückhaltend und konzentriert sich vor allem auf Markt und Zugreihenfolge, doch gerade als entspanntes Zwei-Personen-Spiel oder Solospiel funktioniert das ausgesprochen gut. Der Solomodus wirkt zudem nicht wie ein nachgereichter Zusatz, sondern sinnvoll integriert und wird elegant über das wechselseitige Entfernen von Plättchen aus dem gemeinsamen Markt gesteuert.

Besonders positiv fanden wir, dass Railroad Tiles nicht nur charmant aussieht, sondern tatsächlich interessante taktische Überlegungen bietet, ohne unnötig komplex oder verkopft zu werden. Das Spiel bleibt zugänglich, bietet aber genug kleine Dilemmata und Timing-Fragen, um über reine Wohlfühl-Puzzlei hinauszugehen. Wer leichte bis mittelschwere Tile-Laying-Spiele mag, bekommt hier ein rundes Gesamtpaket mit überraschend viel Raffinesse.

Zu den Erweiterungen lässt sich insgesamt sagen: nett, aber keineswegs Pflicht. Das Grundspiel bringt bereits alles mit, was den Reiz ausmacht, während viele Erweiterungen eher Variationen und neue Akzente setzen als das System grundlegend erweitern. Gerade deshalb erscheint uns die Standardausgabe als die rundeste Empfehlung – auch mit Blick auf Preis und Umfang. Railroad Tiles erreichte Platz 4 auf unserer Jahresliste 2025.

Die Welt der Erweiterungen

Das Basisspiel von Railroad Tiles lässt sich durch insgesamt acht verschiedene Erweiterungen modular ergänzen. Jede dieser Erweiterungen bringt neue Plättchen, Figuren und spezielle Regeln mit sich, wobei pro Partie jeweils genau eine Erweiterung mit dem Grundspiel kombiniert wird. Hier ist eine Übersicht der verfügbaren Module:

Brücken errichten, durch Grachten schippern: die Kanal-Erweiterung.

Railroad Tiles: Canals Expansion

In dieser Erweiterung dreht sich alles um das Element Wasser und die Errichtung eines funktionalen Kanalnetzes. Wir platzieren neue Kanal-Plättchen, die parallel zu unseren Straßen und Schienen verlaufen können und mithilfe von Schleusen verbunden werden. Die Herausforderung für uns besteht darin, möglichst lange, ununterbrochene Wasserwege zu schaffen, um zusätzliche Punkte durch die Schifffahrt zu generieren.

Railroad Tiles: Monuments Expansion

Die Monument-Erweiterung bringt Bauwerke ins Spiel, die unser Netzwerk optisch und punktetechnisch aufwerten. Wir haben die Aufgabe, spezielle Monument-Plättchen so in unsere Landschaft zu integrieren, dass sie von möglichst vielen Verkehrswegen umschlossen oder passiert werden.

Stromleitungen verlegen, Windräder bauen: die Energy-Erweiterung.

Railroad Tiles: Energy Expansion

Die Modernisierung hält Einzug mit der Energy-Erweiterung, bei der wir uns um die Stromversorgung unseres stetig wachsenden Gebiets kümmern müssen. Wir verlegen Stromleitungen und verbinden Kraftwerke mit den Städten und Stationen unseres Netzwerks, um die Energieeffizienz zu steigern. Der Fokus liegt für uns darauf, geschlossene Stromkreise zu bilden und möglichst viele Verbraucher an das Netz anzuschließen.

Railroad Tiles: Forest Expansion

Mit der Wald-Erweiterung kehrt die Natur in unsere Infrastrukturplanung ein, indem wir dichte Waldgebiete zwischen unseren Wegen wachsen lassen. Die Spielerinnen und Spieler versuchen, zusammenhängende Waldflächen zu bilden, die an ihre Strecken grenzen, um ökologische Bonuspunkte zu sammeln. Dabei müssen wir darauf achten, dass die Wälder nicht wahllos verstreut sind, sondern durch geschickte Plättchenwahl zu großen, punktstarken Gebieten zusammenwachsen.

Railroad Tiles: Countryside Expansion

In der Countryside-Erweiterung widmen wir uns der ländlichen Erschließung und dem Aufbau von Bauernhöfen und Feldern entlang unserer Schienen. Wir erhalten Punkte für das Umschließen von Agrarflächen mit unseren Verkehrswegen und für die Anbindung entlegener Gehöfte an das Hauptnetzwerk.

Railroad Tiles: Desert Expansion

In der Wüsten-Erweiterung stehen wir vor der Herausforderung, trotz extremer Hitze und karger Landschaften ein funktionierendes Verkehrsnetz zu errichten. Wir platzieren Wüsten-Plättchen, die Oasen und Dünen enthalten, und müssen versuchen, diese Gebiete sinnvoll zu überbrücken oder zu nutzen.

Railroad Tiles: World Expansion

Die World-Erweiterung ist ein buntes Paket aus verschiedenen neuen Aufgaben und Spezial-Figuren, die das Spielgeschehen noch abwechslungsreicher gestalten. Wir begegnen hier neuen Elementen wie Zirkuswagen, Rennwagen oder sogar Polizeiautos, die jeweils ganz eigene Bedingungen für ihre Wertung mitbringen. Unsere Aufgabe ist es, die speziellen Anforderungen dieser Welt-Plättchen zu erfüllen, indem wir beispielsweise bestimmte Figurenkonstellationen schaffen oder thematische Nachbarschaften auf unserer Spielfläche errichten.

Railroad Tiles: Lake Expansion

Die See-Erweiterung führt große Wasserflächen ein, die unser Netzwerk zunächst unterbrechen, aber durch den Einsatz von Fähren zu neuen Möglichkeiten führen. Wir platzieren See-Plättchen und nutzen Fähr-Figuren, um Straßen und Schienen über das Wasser hinweg miteinander zu verknüpfen. Unsere Aufgabe ist es, die Seen nicht als Hindernis, sondern als logistisches Drehkreuz zu nutzen.


Railroad Tiles – auf einen Blick

Title

Positive Überraschung: Railroad Tiles ist ein charmantes, cleveres Wohlfühlspiel mit mehr spielerischer Tiefe, als man ihm zunächst zutraut, und aus unserer Sicht eines der stärkeren leichteren Plättchenlegespiele der letzten Zeit. Für Leute mit Freude an entspanntem Tüfteln, kleinen taktischen Entscheidungen und liebevoll gestaltetem Material.

Autoren: Hjalmar Hach, Lorenzo Silva | 2025 | Horrible Guild, Heidelbär | 1-4 Personen | ab 8 Jahren | bis 30 Minuten

Hinweis: Wertungen vergeben wir im Bereich 0 bis 4 Sternen. Spiele mit 0-1,5 Sternen sind sind schlecht, mit 2 bis 2,5 Sternen durchschnittlich. Ab 3 Sternen beginnen die empfehlenswerten Spiele. Nur außergewöhnliche Titel erhalten 4 Sterne („Four-Star Game“).


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Project Skyline

Bei Project Skyline baut ihr Hochhäuser und konkurriert um die besten Standorte, während ihr euer Kartendeck gezielt erweitert. Wir haben uns das Spiel genauer angesehen und berichten von unseren Eindrücken.

Project Skyline

Mit Project Skyline dreht sich alles um den Bau moderner Hochhäuser in bekannten Metropolen. Die Spieler schlüpfen in die Rolle von Bauunternehmen, die ihre Projekte möglichst gewinnbringend umsetzen wollen. Dabei geht es nicht allein darum, möglichst viele Gebäude zu errichten, sondern gezielt die attraktivsten Stadtbereiche zu nutzen und die Nähe zu Monumenten auszuspielen. Wer es schafft, sein Kartendeck sinnvoll zu entwickeln und gleichzeitig die Dynamik auf dem Spielplan im Blick zu behalten, kann sich am Ende die meisten Einnahmen sichern. 

Project Skyline: So wird es gespielt

Im Zentrum des Spiels steht ein Deckbau-Mechanismus, der mit einem räumlichen Bauprinzip kombiniert wird. Zu Beginn verfügen alle über ein identisches Kartenset, das grundlegende Aktionen ermöglicht. Im Verlauf erweitern die Spieler dieses Deck durch neue Karten aus dem Basis- und Upgrade-Markt. Diese Karten bestimmen, welche Bauaktionen möglich sind, etwa das Errichten von Etagen in bestimmten Stadtgebieten oder das Platzieren von Gebäuden in der Nähe besonderer Felder. Gleichzeitig eröffnen sie zusätzliche Optionen wie das Verschieben bereits gebauter Strukturen oder das Generieren von Geld.

Der Spielplan zeigt eine Stadt, die in verschiedene Zonen unterteilt ist. Wohn-, Industrie-, Geschäfts- und Erholungsgebiete bringen unterschiedliche Anforderungen und Möglichkeiten mit sich. In jeder Runde ziehen die Spieler Karten von ihrem persönlichen Deck und entscheiden, wie sie diese einsetzen. So kann etwa eine Karte genutzt werden, um mehrere Etagen in einem Geschäftsviertel zu errichten, während eine andere gezielt das Bauen neben einem Monument erlaubt. Diese Monumente spielen eine zentrale Rolle, da sie zusätzliche Vorteile gewähren und damit bestimmte Bauplätze besonders attraktiv machen.

Während sich die eigene Skyline langsam entwickelt, entsteht auf dem Spielplan eine spürbare Konkurrenzsituation. Da die verfügbaren Bauflächen begrenzt sind, müssen die Spieler abwägen, ob sie früh bestimmte Positionen sichern oder zunächst ihr Deck verbessern wollen. Wer sich auf eine Strategie festlegt, muss gleichzeitig flexibel bleiben, denn die Kartenhand variiert von Runde zu Runde. Die Entscheidung, ob man direkt baut oder zunächst in neue Karten investiert, beeinflusst den weiteren Spielverlauf deutlich.

Ein typischer Spielzug kann darin bestehen, mehrere Karten zu kombinieren, um gezielt in einem lukrativen Gebiet zu bauen und gleichzeitig einen Bonus durch ein angrenzendes Monument zu erhalten. In einer späteren Runde kann eine Upgrade-Karte dann genutzt werden, um ein bereits gebautes Stockwerk an eine bessere Position zu versetzen und dadurch zusätzliche Einnahmen zu erzielen. Solche Wechselwirkungen zwischen Karten und Spielplan prägen das Spielgefühl und sorgen dafür, dass sich jede Partie anders entwickelt.

Das Spiel endet, sobald bestimmte Bedingungen erreicht sind, und die Spieler werten ihre Einnahmen aus. Entscheidend ist dabei nicht nur die Anzahl der errichteten Gebäude, sondern auch deren Platzierung und die Nutzung von Synergien. Project Skyline verbindet damit klassische Deckbau-Elemente mit einem taktischen Aufbau auf dem Spielplan, bei dem Timing und Position eine zentrale Rolle spielen.

(c) Piatnik

Project Skyline: Fazit und Wertung

Ja, auf den ersten Blick erinnert die vertikale Bauweise von „Project Skyline“ etwas an Tower Up. Die hochwachsenden Kunststoffgebäude sehen ähnlich aus, spielerisch geht das Ganze aber in eine andere Richtung.

Und das ist gut so!

Thematisch dreht sich alles um den Immobilienmarkt von New York oder Tokio, mit einem feinen Deckbau-Mechanismus: Mit einem Starter-Set aus acht Karten entwickelt ihr Stadtviertel, baut Gebäude Etage für Etage und versucht, möglichst wertvolle Immobilien zu schaffen. Entscheidend ist dabei nicht nur die Höhe, sondern vor allem die Lage – besonders in der Nähe von bekannten Wahrzeichen.

Sehr gelungen ist die Idee, wie man im Spielverlauf das eigene Kartendeck verbessert, wenn man neue Karten erwirbt oder bestehende aufwertet, um stärkere Kombinationen zu nutzen. In jedem Spielzug zieht man zwar immer nur vier vom eigenen Nachziehstapel. Doch auch die besten Karten kommen regelmäßig wieder auf die Hand und können strategische Vorteile bieten.

Da Bauplätze auf dem gemeinsamen Spielfeld schnell knapp werden, lohnt sich immer auch ein Blick auf die Konkurrenz. Mit rund 60 Minuten Spielzeit bietet „Project Skyline“ ein taktisches Städtebauspiel, das deutlich mehr bietet als nur hübsche Wolkenkratzer. Immer noch auf Familienspiele-Niveau, aber herausfordernd und eher ab 12 Jahren aufwärts zu empfehlen.


Project Skyline – auf einen Blick

Title


Project Skyline ist der Erstling von Autor Florian Maas und kombiniert gekonnt Deckbau-Elemente mit
Flächenmanagement. Ohne Dinge zu verkomplizieren, haben bis zu vier Spieler Gelegenheit, sich strategisch auf einem gemeinsam Spielfeld zu messen. Macht Spaß!

Autor: Florian Maas | 2026 | Piatnik | 2 bis 4 Personen | ab 12 Jahren | bis 60 Minuten

Hinweis: Wertungen vergeben wir im Bereich 0 bis 4 Sternen. Spiele mit 0-1,5 Sternen sind sind schlecht, mit 2 bis 2,5 Sternen durchschnittlich. Ab 3 Sternen beginnen die empfehlenswerten Spiele. Nur außergewöhnliche Titel erhalten 4 Sterne („Four-Star Game“).


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Waldland

In Waldland wetteifern ein bis vier Spielende darum, ein möglichst ertragreiches Wald‑Ökosystem des pazifischen Nordwestens aufzubauen.

Waldland

Waldland braucht vor allem Platz auf dem Spieltisch: Da wächst auf den Tableaus von bis zu vier Spieler:innen ein kompletter Wald heran. Bäume entstehen aus Pappteilen, zahlreiche Tierkarten siedeln sich im Laufe einer Partie an, Wald- und Wetterkarten beeinflussen das Ökosystem. Waldland von Autor Tim Eisner ist ein Brettspiel, das Drafting, Push‑Your‑Luck und Tableau‑Aufbau miteinander kombiniert.

Waldland – so wird es gespielt:

Eine Partie dauert genau drei Jahreszeiten, die jeweils eine Spielrunde darstellen. Alle starten mit einem eigenen Waldplan, auf dem später die Bäume wachsen.

Ein Zug besteht aus bis zu drei Phasen:

  1. Tiere anlocken: Zu Beginn eines Zuges können wir gesammelte Nahrung ausgeben, um Tiere aus einer offenen Auslage in ihren Wald zu erhalten. Diese Tiere bringen unterschiedliche Effekte: Manche liefern sofortige Fähigkeiten, andere Punkte während der Saison oder erst am Spielende.
  2. Karten wählen (Push‑Your‑Luck): In der Tischmitte liegen drei verdeckte Kartenstapel. Zunächst schaut man sich den ersten Stapel geheim an. Man kann ihn komplett nehmen – oder zurücklegen. Legt man ihn zurück, wird blind eine zusätzliche Karte darauf gelegt. Der Stapel wird damit für die nächste Person interessanter. Anschließend darf man den zweiten Stapel prüfen und ebenso entscheiden. Wer alle drei Stapel ablehnt, zieht stattdessen blind eine Karte vom Nachziehstapel.
  3. Karten in den Wald legen: Nimmt man einen Stapel, müssen alle enthaltenen Karten in den eigenen Wald integriert werden. Wurzeln, Stämme und Baumkronen lassen physische 3D‑Bäume entstehen. Wird eine Baumkrone gesetzt, ist der Baum abgeschlossen und bringt sofort Punkte. Die Höhe des Baumes multipliziert sich dabei mit dem Wert der Krone. Außerdem können fertiggestellte Bäume Ökosystem‑Plättchen freischalten. Pflanzen‑, Wetter‑ oder Gefahrenkarten werden daneben im eigenen Tableau gesammelt.
  • Errichtet ein gesundes und ausgewogenes Ökosystem
  • Lasst möglichst hohe Bäume wachsen, sammelt Pflanzen, vermehrt euren Tierbestand, sorgt für passendes Wetter und wehrt Bedrohungen ab
  • Wer hat nach 3 Saisons das beste Ökosystem und ergattert die meisten Punkte?

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3D-Pappbäumchen wachsen heran, bringen Punkte und spielen Bonusplättchen frei.
Tierkarten-Auslage: Die Bananen-Schnecke „kostet“ drei Nahrung.

Am Ende jeder Jahreszeit folgt eine umfangreiche Zwischenwertung. Tiere bringen Punkte, Gefahren wie Feuer oder Krankheiten werden abgehandelt und Pflanzen‑ sowie Wettersets gewertet. Zusätzlich erhält der höchste Baum mit Baumkrone aus dieser Runde eine Prämie. Danach werden fast alle Waldkarten abgeworfen – nur Tiere und Ökosystem‑Plättchen bleiben bestehen.

Unterschiede zum ursprünglichen Kartenspiel „Baumkronen“

Waldland ist ein eigenständiges Spiel und erweitert das ursprüngliche Baumkronen (Unser Test im Dez. 2021) deutlich. Das Original war für zwei Personen ausgelegt, während hier reguläre Regeln für ein bis vier Spielende enthalten sind.

Der sichtbarste Unterschied ist die Darstellung des Waldes. Im ursprünglichen Spiel bestanden die Bäume lediglich aus Karten, die man übereinander gefächert auslegte, um die Höhe des Baums zu dokumentieren. In Waldland werden stattdessen echte 3D‑Bäume aus Pappteilen gebaut, die auf einem eigenen Waldplan wachsen.

Auch mechanisch gibt es Erweiterungen. Die Ressource Nahrung erlaubt es, Tiere gezielt aus einer Auslage zu kaufen. Außerdem kommen Ökosystem‑Plättchen hinzu, die durch bestimmte Baumkonstellationen freigeschaltet werden. Am Spielende können zusätzlich Tierketten entstehen, wenn Symbole verschiedener Tierkarten miteinander verbunden werden.

Waldland: Fazit und Wertung

Waldland ist ein mechanisch durchdachtes Brettspiel, das Set‑Collection, Tableau‑Building und einen Push‑Your‑Luck‑Mechanismus sinnvoll miteinander kombiniert. Mehrere Strategien können zum Erfolg führen – etwa über Pflanzen‑Sets, hohe Bäume oder Tierketten. Ein besonderer Kniff ist, dass die Waldkarten am Ende jeder Jahreszeit weitgehend abgeräumt werden, die einmal angelockten Tiere aber bei uns bleiben. Dadurch müssen sich Spielende einerseits wieder auf neue Karten einstellen, andererseits „starke“ Tierkarten und deren Effekte in folgenden Runden weiternutzen.

Wer Baumkronen noch nicht kannte, wird für den Einstieg ein Weilchen brauchen. Die Anleitung ist recht lang, aber gut strukturiert. Die vielen Arten, um zu punkten, sollte man vor der ersten Partie einigermaßen verstanden haben, um sich nicht komplett zu verrennen. Für ein thematisch ruhiges Naturspiel verlangt Waldrand den Spielenden einiges an Überblick ab. Nahrung verwalten, Tierfähigkeiten nutzen, Gefahren berücksichtigen und gleichzeitig Bäume aufbauen – all das läuft parallel. Zudem benötigt das Spiel viel Platz auf dem Tisch. Der nahezu komplette Neustart der Auslage nach jeder Jahreszeit kann außerdem den Eindruck von Wiederholung erzeugen. Durch das Kartenziehen und den Push‑Your‑Luck‑Mechanismus spielt auch Glück eine gewisse Rolle, etwa wenn bestimmte Symbole für Sets benötigt werden.

Die Präsentation trägt viel zur Wirkung des Spiels bei. Die wachsenden 3D‑Bäume machen den Fortschritt im eigenen Wald sichtbar, und die Illustrationen von Vincent Dutrait unterstützen das Naturthema. Hinzu kommt eine komplett plastikfreie Produktion, die gut zum Thema passt.

Waldland sieht gut aus und überzeugt mit hochwertigem, nachhaltigen Material. Wer mit dem Platzbedarf auf dem Spieltisch, der längeren Einarbeitungszeit und einer Spieldauer von 60 bis 90 Minuten kein Problem hat, erhält ein spannendes Spiel mit mehreren strategischen Wegen. Spielende, die meist zu zweit spielen und es etwas zügiger mögen, sollten eher zum Vorgänger Baumkronen greifen.

Waldbrandgefahr: Hast du zwei dieser Karten in deiner Auslage, musst du zwei andere Karten vor der Wertung entfernen!


Waldland – auf einen Blick

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In Waldland bauen Spielende über drei Jahreszeiten ein eigenes Wald‑Ökosystem auf. Karten‑Drafting, Tierkombinationen und wachsende 3D‑Bäume bestimmen das taktische Spielgeschehen.

Autor: Tim Eisner | 2025 | Piatnik | 1-4 Personen | ab 10 Jahren | bis 90 Minuten

Hinweis: Wertungen vergeben wir im Bereich 0 bis 4 Sternen. Spiele mit 0-1,5 Sternen sind sind schlecht, mit 2 bis 2,5 Sternen durchschnittlich. Ab 3 Sternen beginnen die empfehlenswerten Spiele. Nur außergewöhnliche Titel erhalten 4 Sterne („Four-Star Game“).


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Tippi Toppi – Hoch hinaus

Bei Tippi Toppi – Hoch hinaus versucht ihr gemeinsam, Aufgaben mit farbigen Zahlenplättchen zu erfüllen und baut dabei in mehreren Ebenen in die Höhe.

Tippi Toppi Hoch hinaus

Tippi Toppi Hoch hinausso wird es gespielt:

Mit dem kooperativen Tippi Toppi – Hoch hinaus knüpft Schmidt Spiele an das Kartenspiel Tippi Toppi (2018) an und entwickelt dessen Idee weiter. Diesmal werden die Aufgaben jedoch nicht erfüllt, indem ihr Karten auf vier Stapeln verteilt, sondern mit Plättchen, die ihr auf einem Spielplan auslegt – und sogar übereinander stapelt. Das Ziel bleibt dabei ähnlich: Die Spielerinnen und Spieler versuchen gemeinsam, alle ausliegenden Aufgaben zu erfüllen, bevor ihnen die Möglichkeiten ausgehen. 

Schon beim Aufbau wird deutlich, dass Tippi Toppi – Hoch hinaus stärker auf räumliches Denken setzt. In der Tischmitte liegt der Spielplan, daneben werden mehrere offene Aufgaben ausgelegt, während weitere Aufgaben verdeckt bereitliegen und im Verlauf der Partie hinzukommen können. Jeder Spieler erhält eine Hand aus drei Plättchen, die zwei Felder mit Zahlen und Farben zeigen. Diese Informationen bleiben geheim, sodass man zwar gemeinsam plant, aber nie genau weiß, welche Möglichkeiten die anderen gerade haben. 

Der Ablauf einer Runde ist schnell erklärt: Wer am Zug ist, legt eines seiner Plättchen auf den Spielplan. Dabei dürfen Plättchen nicht nur nebeneinander, sondern auch auf bereits ausliegende Plättchen gelegt werden. Auf diese Weise wächst nach und nach eine kleine Landschaft aus farbigen Zahlenfeldern. Die Höhe spielt für viele Aufgaben eine wichtige Rolle. Manche verlangen etwa eine bestimmte Anzahl an Feldern einer Farbe, andere achten auf Zahlenkombinationen oder darauf, dass bestimmte Felder auf unterschiedlichen Höhen liegen. 

  • Das beliebte Kartenspiel in einer neuen Dimension. Gemeinsam legt ihr eure Plättchen, um die abwechslungsreichen Aufgaben zu erfüllen. Doch der Platz wird schnell knapp.
  • 3D-Bau sorgt für Spannung.
  • Für 1 bis 4 Spieler, ab 8 Jahren
  • Spieldauer ca 30 Minuten

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Während die Struktur auf dem Spielplan immer komplexer wird, entsteht ein typisches kooperatives Puzzle-Gefühl. Die Spieler überlegen gemeinsam, welche Aufgabe als nächstes erreichbar erscheint und wie sich die vorhandenen Plättchen sinnvoll einsetzen lassen. Gleichzeitig bleibt ein Unsicherheitsfaktor bestehen, weil niemand seine Plättchen offen zeigen darf. Man beschreibt also Möglichkeiten, deutet Optionen an und versucht einzuschätzen, ob ein Mitspieler vielleicht genau das passende Teil besitzt, um eine Aufgabe abzuschließen.

Im Spielverlauf können mehrere Aufgaben gleichzeitig erfüllt werden, wenn die aktuelle Auslage die geforderten Bedingungen erfüllt. Neue Aufgaben rücken dann vom Nachzehstapel nach und verändern das Puzzle sofort wieder. Dadurch steigt der Druck auf die Gruppe, denn die Anforderungen variieren zufällig und unplanbar, während gleichzeitig die verfügbaren Plättchen allmählich weniger werden.

Tippi Toppi – Hoch hinaus: Fazit und Wertung

Wer das ursprüngliche Tippi Toppi im Regal stehen hat, erkennt viele Grundideen wieder. Auch dort versuchten die Spieler gemeinsam, Aufgaben zu erfüllen, während sie Karten auf verschiedene Stapel spielen, die nach Farben oder Zahlen kombiniert werden müssen. In Tippi Toppi – Hoch hinaus wirkt dieses Prinzip deutlich greifbarer. Statt abstrakter Kartenstapel entsteht auf dem Tisch ein wachsendes Gebilde aus Plättchen, das sich in mehrere Ebenen ausdehnt. Dadurch verändert sich nicht nur die Optik des Spiels, sondern auch das Spielgefühl: Die räumliche Komponente eröffnet zusätzliche Möglichkeiten und sorgt dafür, dass jede Partie ein wenig anders aussieht.

Im Laufe einer Runde entsteht so ein gemeinsames Denkspiel, bei dem Planung, Kommunikation und Improvisation zusammenkommen. Mal gelingt es der Gruppe, mehrere Aufgaben hintereinander zu erfüllen und das Spielfeld optimal zu nutzen. In anderen Momenten merkt man, dass ein unbedacht gelegtes Plättchen plötzlich wichtige Optionen verbaut hat. Gerade dieser Wechsel zwischen Planung und spontanen Lösungen prägt das Spielerlebnis.

Tippi Toppi – Hoch hinaus bleibt dabei zugänglich und schnell erklärt, bietet aber durch die unterschiedlichen Aufgaben und die variable Höhe der Plättchen eine vielseitige Knobelaufgabe. Wer kooperative Denkspiele mag, bei denen Kommunikation und gemeinsames Tüfteln im Mittelpunkt stehen, findet hier eine Weiterentwicklung der ursprünglichen Idee.

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Tippi Toppi Hoch hinaus

Ein kleiner Wermutstropfen betrifft allerdings das Material. Die Qualität der funktionalen Spielkomponenten ist eher durchschnittlich. Auch die Schachtel fällt deutlich größer aus, als es der Inhalt eigentlich erfordern würde. Im Karton bleibt spürbar viel Luft, sodass sich der Eindruck aufdrängt, dass das Spiel problemlos auch in einer deutlich kleineren Verpackung Platz gefunden hätte – ein Trend, der zurzeit bei vielen aktuellen Veröffentlichungen zu beobachten ist.

Ein weiterer Kritikpunkt betrifft die Gestaltung der Plättchen: Für Spielerinnen und Spieler mit Farbfehlsichtigkeit gibt es keinerlei Unterstützung. Die Farben Orange, Grün, Pink und Lila sind ausschließlich über die Farbe selbst zu erkennen – zusätzliche Symbole oder Markierungen fehlen, sodass sich die Felder nicht über alternative Merkmale unterscheiden lassen. Gerade bei einem Spiel, das stark auf Farbkombinationen basiert, fällt dieser fehlende Hinweis auf Farbfehlsichtigkeit besonders ins Gewicht.


Tippi Toppi Hoch hinaus – auf einen Blick

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Tippi Toppi – Hoch hinaus überträgt die kooperative Aufgabenidee des Vorgängers in ein räumliches Plättchenspiel, bei dem gemeinsames Planen und geschicktes Stapeln im Mittelpunkt stehen.

Autor: Lars Ehresmann | 2026 | Schmidt Spiele | 1 bis 4 Personen | ab 8 Jahren | bis 30 Minuten

Hinweis: Wertungen vergeben wir im Bereich 0 bis 4 Sternen. Spiele mit 0-1,5 Sternen sind sind schlecht, mit 2 bis 2,5 Sternen durchschnittlich. Ab 3 Sternen beginnen die empfehlenswerten Spiele. Nur außergewöhnliche Titel erhalten 4 Sterne („Four-Star Game“).


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Kilia

15. Dezember 2025 um 11:01

In Kilia sind zwei bis vier Personen aufstrebende Reeder, die sich in der Hafenmetropole Kiel einen Namen machen wollen. Sie weiten ihr Handelsnetz aus, bauen Schiffe, erlernen neue Fähigkeiten und sichern die Gunst einflussreicher Persönlichkeiten in der Stadt.

Kilia Brettspiel im Test auf Brettspielelust
Kilia

Schon thematisch holt uns Kilia (Huch) ab: Es geht nicht um große Seeschlachten, sondern um Handel, Einfluss und Infrastruktur rund um den (historischen) Schleswig-Holsteinischen Canal – den Vorgänger des Nord-Ostsee-Kanals. Man startet klein, baut Schritt für Schritt sein Tableau aus, organisiert Warenströme – und merkt, wie aus einzelnen Zügen zunehmend verkettete Aktionen werden (können). Die Mehrzweckkarten in diesem historischen Strategiespiel von Lars Ehresmann können vielseitig eingesetzt werden – die Kunst liegt darin, sie im passenden Moment für den größten Vorteil zu nutzen.

Kilia: So wird es gespielt

Der Kern des Brettspiels ist ein offenes Drafting aus einer Auslage: In deinem Zug nimmst du genau eine Aktionskarte vom Ratstableau. Welche Karten du „kostenlos“ wählen darfst, hängt von deinen Schlüsselsymbolen ab – zu Beginn ist die Auswahl sehr eingeschränkt, später öffnet sie sich durch Ausbau und damit wachsenden Einfluss. Karten, die mehr Schlüssel verlangen als du hast, kannst du trotzdem nehmen, zahlst dann aber die vollen Münzkosten, die an der Karte stehen. Zusätzlich gibt es eine kleine, aber wichtige Stellschraube: Noch bevor du in deinem Zug eine Karte nimmst, darfst du für fünf Münzen die komplette Aktionsauslage einmal „tauschen“ (sprich: neu mischen und auslegen) – gut, wenn die sichtbaren Optionen gerade gar nicht passen.

Und genau hier greift die Aussage von Autor Lars Ehresmann, der im Interview mit Brettspielelust betont: „Zunächst habe ich nach einem Kernmechanismus gesucht.“ Dieser Mechanismus trägt Kilia tatsächlich, weil die Karten eben nicht nur Aktionen sind, sondern Mehrzweck-Werkzeuge. Jede Karte kann auf unterschiedliche Weise genutzt werden: Du kannst sie als Händler mit der Rückseite nach oben auf deinen Marktplatz legen, du kannst einen deiner vier Kernbereiche ausbauen (die Karte wandert dafür unter das eigene Double-Layer-Tableau), oder du nutzt sie als Auslöser, um Fähigkeiten bzw. Packhäuser zu erhalten – je nachdem, wo du sie einsetzt. Das sorgt dafür, dass ein und dieselbe Karte in völlig unterschiedlichen Situationen passend sein kann: Mal willst du kurzfristig Waren, mal langfristig bessere Auswahl, mal Engine-Bausteine für die Schlusswertung.

Besonders gelungen ist der Marktplatz: Händlerkarten werden in einem kleinen Raster platziert, aber nicht beliebig – oben braucht es eine „stabile Basis“ aus zwei benachbarten Händlern darunter. Legst du einen Händler auf ein leeres Feld, bekommst du einmalig den dort abgebildeten Bonus (z. B. Münzen, Jokerware, eine Sprotten-Karte oder sogar einen neuen Auftrag). Überdeckst du dagegen einen Händler, gibt es diesen Bonus nicht noch einmal. Gleichzeitig sind Händler keine passiven Symbole, sondern aktive Lieferanten: Du kannst sie im Zug gegen Münzen aktivieren, um genau die Ware zu finanzieren, die du gerade brauchst – in der unteren Reihe einmal pro Zug, weiter oben öfter. Das ist elegant, weil es Planung belohnt, ohne dich in eine Sackgasse laufen zu lassen.

Hingucker: Die Schiffe fahren durch den kanal

Die vier Ausbaubereiche geben der eigenen Reederei ein klares Profil: Schloss bringt Einfluss (mehr Schlüssel, bessere Draft-Auswahl) und neue Aufträge; die Universität öffnet dauerhafte Fähigkeiten (z. B. Extraaktionen, Umwandlungen, Endspielpunkte für bestimmte Waren); die Werft verbessert dein Schiff; und das Packhaus lässt dich zusätzliche Packhäuser am Kanal errichten. Ausbauen kostet Waren in aufsteigender Staffel (die erste Karte 1 Ware, die zweite 2 usw.), was das Timing spannend macht: Frühe Ausbauten sind billig, späte Ausbauten teuer – und genau deshalb fühlt sich Kilia in der Anfangsphase flott an und bleibt später trotzdem straff, statt in endloses Kleinklein zu kippen.

Ein echter Hingucker – und mehr als nur Gimmick – ist die gemeinsame Einkommensphase am Rundenende: In der Ratsphase tuckern die Schiffe durch den Kanal. Dafür schiebst du dein Schiff (als Lochplatte) den Kanal auf deinem Tableau entlang; an jedem Packhaus erhältst du die Waren und Münzen, die durch die „Fenster“ sichtbar sind. Mit jeder Werftverbesserung wird das Schiff größer bzw. anders geschnitten – dein Einkommen wächst also buchstäblich mit dem Ausbau. 

  • 🚢 Entdecke KILIA, ein SPANNENDES KENNERSPIEL, in dem du als aufstrebender Reeder in der Hafenmetropole Kiel dein Handelsimperium aufbaust!
  • 🛠 Dieses HISTORISCHE STRATEGIESPIEL kombiniert geschicktes RESOURCE MANAGEMENT mit packendem Gameplay, während du Waren handelst und Schiffe baust.
  • 🎲 Ideal für 2 bis 4 Spieler ab 14 Jahren, bietet dieses Spiel sowohl strategische Tiefe als auch spannende Interaktionen für alle Beteiligten.
  • 📜 KURZANLEITUNG: 1. Baue deine Flotte und erweitere dein Handelsnetz | 2. Erlerne neue Fähigkeiten und erfülle Aufträge | 3. Setze Wertungsmarker für den Sieg!
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Aufträge sind die zweite große Schiene neben Ausbauten und Markt: Du hältst aktive Aufträge offen ausliegen, kannst in deinem Zug mehrere erfüllen (vor oder nach der Kartenaktion) und bekommst sofort Belohnungen; die erfüllten Karten werden verdeckt gesammelt und bringen am Ende Punkte. Zusätzlich gibt es das Rennen um Errungenschaften – das ist der wichtigste Interaktionspunkt, denn hier kann man sich gegenseitig die besseren Wertungsfelder „wegpunkten“, wenn man zu spät dran ist.

Zu den feineren Stellschrauben gehören die „Kieler Sprotten“: Einmal erhalten, können sie später entweder als flexible Soforthilfe (Münze oder beliebige Ware) dienen – oder als Ersatzkarte für einen Ausbau, inklusive der anschließenden Verbesserungsauswahl mit größerer Flexibilität. Gerade wenn dir in der offenen Auslage das passende Puzzleteil fehlt, ist das ein willkommenes Mitigationswerkzeug. Überhaupt ist die Regelqualität sehr hoch: Die Abläufe sind klar, Symbolik ist weitgehend sprachneutral, und die Struktur führt sauber von Zug über Ausbauten bis zur Ratsphase.

Das Spielende ist variabel und wird ausgelöst, sobald jemand den vierten Wertungsmarker setzt; danach folgt nur noch eine letzte Runde, in der die Schiffe am Ende nicht mehr fahren. Gewertet werden Errungenschaften, Punkte für Ausbauten im eigenen Farbbereich, erfüllte Aufträge sowie (falls freigeschaltet) Endspielpunkte über Fähigkeiten für Waren – mit einem engen Tie-Break über verbliebene Waren und Münzen.

Kilia: Fazit und Wertung

Unterm Strich ist Kilia ein angenehm klassisches, dabei aber sehr modernes Euro-Design: starkes Multi-Use-Kartenspiel, sichtbar wachsende Engine, belohnende Kettenzüge (vor allem über Universitäts-Extraaktionen) und ein haptisch wie visuell stimmiger Tischauftritt. Gleichzeitig sollte man wissen, worauf man sich einlässt: Die Partie kann sich über weite Strecken solitär anfühlen, weil man primär am eigenen Tableau optimiert – echte Reibung entsteht vor allem im Wettrennen um Errungenschaften und durch das „Wegdraften“ passender Karten. Dazu kommt ein gewisser Glücksfaktor über die offene Kartenauslage; das ist durch Auslagentausch, Sprotten und Händler zwar abgemildert, aber nicht völlig eliminiert. Und wer extrem sauberes Materialhandling erwartet, wird beim wiederholten Unter-das-Tableau-Schieben mehrerer Karten irgendwann ein klein wenig Fummelei bemerken.

Wenn man hingegen ein zügig spielbares Aufbauspiel sucht, das ohne große Überraschungen auskommt, aber dauerhaft gute Entscheidungen einfordert, liefert Kilia sehr zuverlässig ab: ein Spiel, das im Kern von einer starken mechanischen Idee getragen wird – und dessen historisches Kiel-Thema nicht aufgesetzt wirkt, sondern die Mechanismen angenehm erdet. Hier versteht man auch Ehresmanns Anspruch an Tempo und Spielfluss, wenn er sagt, ihm sei „keine Downtime“ beim offenen Drafting wichtig: Pro Zug nur eine Karte wählen, aber am Rundenende ein gemeinsamer, schneller „Payoff“-Moment für alle. Glückwunsch zu einem gelungenen Erstling, von einem Autor, der selbst aus Kiel stammt!


Kilia – auf einen Blick

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Kilia überzeugt als modernes, angenehm zügiges Euro-Spiel mit starkem Multi-Use-Kartenpuzzle und cleverem Schifffahrts-Einkommen – mit eher geringer Interaktion und etwas Auslagen-Glück als Kehrseite.

Autor: Lars Ehresmann | 2025 | Huch | 2 bis 4 Personen | ab 14 Jahren | bis 90 Minuten

Hinweis: Wertungen vergeben wir im Bereich 0 bis 4 Sternen. Spiele mit 0-1,5 Sternen sind sind schlecht, mit 2 bis 2,5 Sternen durchschnittlich. Ab 3 Sternen beginnen die empfehlenswerten Spiele. Nur außergewöhnliche Titel erhalten 4 Sterne („Four-Star Game“).


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Big Sur

12. Dezember 2025 um 10:49

Big Sur

In Big Sur baust du deine eigene Traumstraße entlang der kalifornischen Küste. Bei diesem zugänglichen Kartenspiel von 25th Century Games übernehmen die Spielerinnen und Spieler die Rolle von Straßenplanern, die versuchen, das schönste Teilstück dieser weltberühmten Küstenstraße zu gestalten. Ziel ist es, durch clevere Kombinationen von Karten am Ende die meisten Punkte zu erzielen.

Der Spielverlauf ist schnell erklärt: Alle bauen in ihrer eigenen Auslage – also auf ihrem persönlichen Highway – eine Kette von Straßenkarten, die jeweils unterschiedliche Landschaftssymbole (z. B. Berge, Meer, Wald) zeigen und unterschiedlich viele Meilen lang sind. Immer wenn eine Serie aus mindestens drei gleichen Landschaftstypen aneinanderliegt, entsteht ein sogenannter „Streckenabschnitt“. Diese Abschnitte bringen Punkte, je nachdem, wie lang sie am Ende sind. Zusätzlich können spezielle Landmarken-Karten erworben und an passenden Stellen platziert werden, um Boni zu erzielen oder Spielregeln zu beeinflussen – etwa indem man Ressourcen von Mitspielenden nutzt oder Punkte für bestimmte Kombinationen bekommt .

Der Clou: Um neue Karten auszuspielen, müssen andere Karten als Bezahlung abgelegt werden. Jede Karte zeigt dabei auch ein oder mehrere Materialien, die als „Währung“ dienen. So entsteht nach und nach ein kleines Engine-Building-System, in dem man Ressourcen klug einsetzt und effizient nutzt. Die Herausforderung dabei ist, die richtigen Karten zur richtigen Zeit zu spielen – und zwar an einem der beiden Enden des eigenen Highway-Streifens. Wer strategisch denkt, plant nicht nur die nächste Karte, sondern auch die Kombinationsmöglichkeiten mehrerer Karten im Voraus.

Interaktionen eher gering

Auch wenn jeder für sich spielt und die Interaktion eher gering ist, kommen durch einzelne Effekte doch interessante Verbindungen zustande. So ermöglichen bestimmte Landmarken den Zugriff auf Ressourcen in den Ablagestapeln der anderen – was ein bisschen Taktik ins sonst recht solitäre Geschehen bringt. Wer allerdings gern gemeinsam tüftelt oder konfrontativ spielt, wird hier eher nicht fündig.

Das Spielgefühl ist ruhig, überlegt und eher belohnend. Der Fokus liegt eindeutig auf dem Aufbau einer eigenen Auslage, was besonders Spieler anspricht, die gern puzzeln, optimieren und mit Ressourcen wirtschaften. Das Spieltempo bleibt angenehm, kann aber in späteren Zügen etwas ins Stocken geraten, wenn man viele Optionen abwägt. Gerade dann wünscht man sich manchmal eine kleine Hilfe, um den Überblick zu behalten – etwa über bereits genutzte Ressourcen.

Was Big Sur vor allem auszeichnet, ist seine stimmige Gestaltung. Die Karten sind mit liebevollen Illustrationen versehen, die die Schönheit der Pazifikküste einfangen. Palmen, Felsen, Strände – all das findet sich auf den kleinen Kartenausschnitten wieder und erzeugt ein stimmungsvolles Gesamtbild.

Kleinere Kritikpunkte gibt es auch: Die Ikonografie ist nicht immer intuitiv, verdeckte Karten in der Hand lassen sich schlecht überblicken. Dennoch überwiegt der positive Eindruck. Denn Big Sur ist ein schnell aufgebautes Kartenspiel mit ansprechendem Thema und klarer Engine-Building-Mechanik. Wer Tableau-Aufbau und Ressourcenmanagement mag, wird hier definitiv auf seine Kosten kommen – ideal für eine entspannte Runde mit bis zu vier Personen.


Big Sur: Auf einen Blick

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Big Sur ist ein Kartenspiel mit ruhigem Spielfluss, reizvollen Thema und einem zugänglichen Engine-Building-Element – besonders für Fans von Tableau-Aufbau und optisch ansprechenden Spielen empfehlenswert.

Autor: Mondo Davis | 25th Century Games | 2025 | 2 bis 4 Personen | ab 10 Jahren | bis 30 Minuten


Hinweis: Wertungen vergeben wir im Bereich 0 bis 4 Sternen. Spiele mit 0-1,5 Sternen sind sind schlecht, mit 2 bis 2,5 Sternen durchschnittlich. Ab 3 Sternen beginnen die empfehlenswerten Spiele. Nur außergewöhnliche Titel erhalten 4 Sterne („Four-Star Game“).

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