Tenby
Bei Tenby gestaltet ihr eure eigene malerische Küstenstadt in Wales, indem ihr durch geschicktes Karten-Drafting bunte Häuserreihen und Piers errichtet. Wir haben uns dieses stimmungsvolle Erstlingswerk genauer angesehen.

Das Brettspiel Tenby entführt uns an die malerische Küste von Pembrokeshire, wo die bunten Häuserreihen und das maritime Flair den Takt vorgeben. Der Autor Benjie Talbott hat mit diesem Titel eine persönliche Hommage an seine Heimatstadt geschaffen, die er nicht nur erdacht, sondern auch selbst illustriert hat.
Tenby: So wird es gespielt
Gespielt wird über genau zehn Runden, die immer nach demselben Ablauf strukturiert sind.
Jede Runde beginnt mit der Nachtphase. In dieser Phase wählen die Spieler aus mehreren ausliegenden Tageskarten eine aus. Diese Karten bestimmen sowohl die Aktionen, die ein Spieler in dieser Runde ausführen darf, als auch die Reihenfolge, in der die Spieler anschließend am Zug sind. Die Auswahl erfolgt der Reihe nach, wobei die aktuelle Position auf den Nachtkarten vorgibt, wer zuerst wählen darf. Da jede Tageskarte nur einmal vergeben werden kann, entsteht hier bereits eine wichtige taktische Entscheidung: Will man sich früh eine bestimmte Aktion sichern oder lieber später im Zug sein, um vielleicht eine bessere Kombination auszunutzen?
In der anschließenden Tagesphase werden die gewählten Aktionen ausgeführt. Die Spieler sind nun in der Reihenfolge ihrer Tageskarten an der Reihe und führen jeweils alle Aktionen ihrer Karte vollständig aus. Typische Aktionen bestehen darin, neue Gebäude in Form von Terrassenkarten zu nehmen, Piers zu bauen, besondere Sehenswürdigkeiten zu integrieren oder neue Bewohnerkarten zu erhalten, die am Spielende zusätzliche Punkte bringen können. Zusätzlich gibt es eine Art Währung in Form von Rettungsringen, mit denen sich weitere Aktionen kaufen oder flexible Anpassungen vornehmen lassen.


Straßen bilden, Muster erfüllen
Das zentrale Element des Spiels ist dabei der Aufbau der eigenen Stadt. Die erhaltenen Karten werden direkt in die eigene Auslage gelegt und bilden Straßen, die sich nach und nach erweitern. Neue Karten dürfen nur an den Enden bestehender Straßen angelegt oder als neue Straße begonnen werden, und die Kanten der Karten müssen dabei immer zueinander passen. So entsteht ein räumliches Puzzle, bei dem es nicht nur darauf ankommt, möglichst viele Karten zu sammeln, sondern sie auch sinnvoll anzuordnen. Viele Karten bringen ihre Punkte nämlich erst durch bestimmte Kombinationen mit benachbarten Karten oder über eine bestimmte Reichweite innerhalb einer Straße. Gleichzeitig stellen die Bewohnerkarten zusätzliche Anforderungen, etwa bestimmte Merkmale oder Muster innerhalb einer Straße zu erfüllen.
Nachdem alle Spieler:innen ihre Aktionen ausgeführt haben, folgt die Aufräumphase. Übrig gebliebene Karten im Markt werden entfernt und durch neue ersetzt, sodass sich die Auslage jede Runde verändert. Eine nicht gewählte Tageskarte bleibt liegen und wird mit einem Bonus in Form eines Rettungsrings attraktiver gemacht. Außerdem werden die Spielerfiguren wieder auf die Nachtkarten zurückgesetzt, wodurch die Reihenfolge für die nächste Runde neu bestimmt wird. Dann beginnt der Ablauf von vorne.
Nach der zehnten Runde endet das Spiel sofort. Anschließend werden alle Städte gewertet. Dabei zählen sowohl die Punkte der gelegten Karten als auch die erfüllten Bedingungen der Bewohnerkarten. Wer insgesamt die meisten Punkte erzielt, gewinnt.


Tenby: Fazit und Wertung
Beim ersten Blick auf Tenby (Mighty Boards) fällt sofort auf, wie zugänglich das Regelwerk gestaltet ist. Für ein Erstlingswerk ist das bemerkenswert: Die Mechaniken greifen sauber ineinander, werden Schritt für Schritt logisch eingeführt und durch die stimmungsvollen Illustrationen des Autors anschaulich begleitet. Dadurch gelingt der Einstieg erstaunlich mühelos, selbst für Spieler, die mit solchen Legespielen bislang wenig Berührung hatten. Gleichzeitig zeigt sich schnell, dass unter der Oberfläche mehr steckt, als es zunächst scheint.
Besonders gelungen ist die Skalierung. Je nach Spielerzahl verändert sich die Dynamik der Kartenauswahl spürbar, ohne dass das Spiel an Struktur verliert. Zu zweit entsteht ein eher kontrolliertes Puzzle, während in größeren Runden der Konkurrenzdruck auf die ausliegenden Karten deutlich steigt. Dass darüber hinaus ein Solomodus enthalten ist, rundet das Gesamtpaket sinnvoll ab. Hier tritt man nicht einfach nur gegen den eigenen Punktestand an, sondern muss sich mit einem System auseinandersetzen, das gezielt in den eigenen Aufbau eingreift. Das macht Tenby auch abseits klassischer Spielrunden interessant.

Spielerisch fordernd
Auch produktionstechnisch hinterlässt das Spiel einen sehr guten Eindruck. Das ursprünglich über Kickstarter finanzierte Projekt überzeugt mit wertigem Material und einer klaren gestalterischen Linie. Die Karten sind detailreich illustriert und transportieren den Charme der walisischen Küste ausgesprochen stimmungsvoll. Diese visuelle Leichtigkeit darf allerdings nicht darüber hinwegtäuschen, dass Tenby spielerisch durchaus fordert. Wer seine Stadt wirklich effizient entwickeln möchte, muss vorausschauend planen, Synergien erkennen und den richtigen Moment für bestimmte Entscheidungen abpassen.
Unterm Strich ist Tenby eine gelungene Verbindung aus taktischem Legespiel und atmosphärischem Setting. Die Regeln sind schnell verinnerlicht, doch die Vielzahl an Karten und Kombinationen sorgt langfristig für Abwechslung. Der Fokus liegt klar auf der eigenen Auslage, was für eine angenehm ruhige, fast schon meditative Spielatmosphäre sorgt. Gleichzeitig bietet das Spiel genügend Tiefe, um auch erfahrene Spieler bei der Optimierung ihrer Stadt zu fordern. Damit empfiehlt sich Tenby sowohl für Familien als auch für Kenner, die ein zugängliches, aber nicht triviales Aufbauspiel suchen.
Anekdote am Rande, die nicht untergehen darf: Benjie Talbott hat nicht nur das Spiel erfunden und illustriert, sondern auch gleich den passenden Soundtrack zu Tenby komponiert. Wow!
Tenby – auf einen Blick
Tenby ist ein ruhiges, durchdachtes Aufbauspiel, das mit klaren Abläufen, sinnvoll verzahnten Mechanismen und einer stimmigen Gestaltung langfristig trägt. Was für ein fulminanter Erstling von Autor Benjie Talbott, der hoffentlich auch bald auf Deutsch lokalisiert wird.
Autor: Benjie Talbott | 2026 | Mighty Boards | 1 bis 5 Personen | ab 10 Jahren | bis 60 Minuten
Hinweis: Wertungen vergeben wir im Bereich 0 bis 4 Sternen. Spiele mit 0-1,5 Sternen sind sind schlecht, mit 2 bis 2,5 Sternen durchschnittlich. Ab 3 Sternen beginnen die empfehlenswerten Spiele. Nur außergewöhnliche Titel erhalten 4 Sterne („Four-Star Game“).
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