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Normale Ansicht

Forgeflame

Von: Roy
02. Oktober 2026 um 08:15

 


Forgeflame – allein der Name, das Cover und vor allem die wirklich tollen Miniaturen versprechen schon ein großes Fantasy-Abenteuer. Tief hinein in die Mine, Erze abbauen, Kobolde bekämpfen und am Ende mächtige Artefakte schmieden. Klingt doch eigentlich nach genau dem Stoff, aus dem epische Spieleabende gemacht sind, oder? Bei mir wollte dieser Funke allerdings nicht so richtig überspringen.

In Forgeflame übernehmen wir jeweils eine Gruppe aus drei unterschiedlichen Abenteurern und machen uns auf den Weg in die Tiefen der Mine. Dabei sammeln wir Erze, erkunden die verschiedenen Bereiche, kümmern uns um herumstreunende Kobolde und versuchen schließlich, aus unseren gesammelten Rohstoffen wertvolle Artefakte zu schmieden. Dafür spielt jeder Spieler Karten aus seinem persönlichen Deck aus, wobei die verschiedenen Charaktere über eigene Fähigkeiten verfügen. Nach einigen ausgespielten Karten wird das Deck durch stärkere Karten erweitert – ein klassischer Deckbuilding-Mechanismus also.


Das eigentliche Ziel ist dabei ziemlich schnell erklärt: Wir benötigen bestimmte Kombinationen aus Erzen, bringen diese zur zentralen Schmiede und fertigen daraus Artefakte. Wer zuerst die entsprechende Anzahl an Artefakten geschmiedet hat beziehungsweise am Ende die meisten Punkte sammeln konnte, gewinnt das Spiel. Je nach Spielerzahl verändert sich dabei auch das Spielprinzip etwas – zu viert wird beispielsweise in zwei Teams gespielt.

Das klingt jetzt vielleicht etwas trocken und genau hier liegt für mich auch das Problem von Forgeflame. Denn eigentlich steckt in dem Spiel unglaublich viel Potenzial. Die Miniaturen sind wirklich gelungen, die Grafik gefällt mir ausgesprochen gut und auch das Material kann überzeugen. Besonders schön finde ich die Idee, dass die gesammelten Erzbrocken tatsächlich an den Figuren befestigt und von diesen durch die Mine getragen werden. Das sieht auf dem Tisch einfach klasse aus.


Auch die unterschiedlichen Charaktere bringen etwas Abwechslung ins Spiel. Jeder verfügt über eigene Fähigkeiten und dadurch entstehen durchaus interessante Kombinationen. Trotzdem hatte ich während meiner Partien immer wieder das Gefühl, im Grunde doch ständig dasselbe zu tun: Bewegen, Erz sammeln, zur Schmiede bringen, Artefakt herstellen. Dann wieder von vorne.

Und genau das wurde mir auf Dauer etwas zu repetitiv.

Das Spiel macht dabei gar nicht wirklich viel falsch. Die Regeln funktionieren, die verschiedenen Charaktere bringen unterschiedliche Möglichkeiten mit und auch die Kobolde sowie die weiteren Elemente sorgen für ein wenig Abwechslung. Es gibt also durchaus einiges zu entdecken. Nur hatte ich angesichts der Optik und des gesamten Auftritts von Forgeflame einfach etwas anderes erwartet.

Ich hatte irgendwie auf ein großes Abenteuer gehofft. Auf mehr Entscheidungen, mehr Überraschungen, vielleicht etwas mehr Interaktion und das Gefühl, wirklich gemeinsam durch eine gefährliche Mine zu ziehen. Stattdessen ist es letztendlich vor allem ein Spiel darum, die benötigten Rohstoffe zusammenzubekommen, um die eigenen Ziele zu erfüllen.

Und das ist mir persönlich dann einfach etwas zu wenig.


Gerade weil Forgeflame optisch so viel verspricht, fällt dieser Unterschied bei mir besonders stark auf. Wenn ein Spiel durchschnittlich aussieht und durchschnittlich spielt, erwartet man vielleicht auch nicht mehr. Hier hatte ich aber ständig das Gefühl: „Da müsste doch eigentlich noch mehr kommen!“

Trotzdem möchte ich Forgeflame keinesfalls schlechtreden. Wer ein zugängliches Fantasy-Spiel mit tollem Material, hübschen Miniaturen und einem überschaubaren Deckbuilding-Anteil sucht, kann hier durchaus seinen Spaß haben. Auch die unterschiedlichen Charaktere sorgen dafür, dass nicht jede Partie komplett gleich abläuft.

Bei mir hat der große Funke allerdings gefehlt. Forgeflame sieht fantastisch aus und macht spielerisch auch nichts wirklich falsch – nur das Spielerlebnis konnte bei mir nicht mit der tollen Optik mithalten.

Vielleicht lag es also gar nicht am Spiel selbst, sondern schlicht an meiner Erwartungshaltung. Ich hatte mir von dieser Schmiede einfach etwas mehr Feuer erhofft.


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Forgeflame von Quentin Vernet & Marc Vernet
Erschienen bei Grimspire / Lord Raccoon Games
Für 2-4 Spieler in ca. 60 Minuten ab 10 Jahren
sämtliche Bilder sind von uns selbst erstellt oder vom jeweiligen Pressematerial des Verlages (hier Grimspire / Lord Raccoon Games).

Clank! Digital: Die Brettspiel-App jetzt vollständig auf Deutsch

09. August 2026 um 09:12
Clank! Digital: Die Brettspiel-App jetzt vollständig auf Deutsch

Clank! gehört zu den beliebtesten Deckbauspielen der letzten zehn Jahre. Seit Oktober 2024 gibt es das Spiel auch als vollständige App, und das mit einem klaren Vorteil für die DACH-Region: Clank! Digital ist komplett auf Deutsch lokalisiert, Benutzeroberfläche, Sprachausgabe und Untertitel inklusive.

Was steckt hinter Clank!?

Clank!: A Deck-Building Adventure erschien 2016, entworfen von Paul Dennen und verlegt von Dire Wolf und Renegade Game Studios. Das Brettspiel funktioniert auf zwei Ebenen. Erstens baut jede Spielerin ihr eigenes Kartendeck auf: Mit Karten kauft man neue Karten, schlägt Monster und bewegt sich durch den Dungeon. Zweitens ist da der namensgebende Clank. Wer in der Drachenhöhle zu laut herumstolpert, erzeugt Lärm-Marker, die in einen Beutel wandern. Je öfter der Drache zuschlägt, desto gefährlicher wird der eigene Lärm. Das ist Push-your-luck auf Kartenebene: Man will tief in die Höhle, das wertvollste Artefakt schnappen und rechtzeitig heraus, bevor der Drache zuschlägt. Wer stirbt, scheidet aus; wer mit einem Artefakt entkommen ist und die meisten Punkte hat, gewinnt. Das Grundspiel für 2 bis 4 Spielende dauert 30 bis 60 Minuten und ist ab 12 Jahren empfohlen.

Die digitale Umsetzung: Plattformen und Modi

Clank! Digital wurde von Dire Wolf Digital entwickelt und am 21. Oktober 2024 plattformübergreifend veröffentlicht, nach einem Early-Access-Zeitraum ab Juli 2024. Das Spiel läuft auf Steam (Windows und macOS), iOS und Android. Crossplay ist über alle drei Plattformen hinweg möglich.

Die digitale Version bietet mehrere Spielmodi: Solo gegen KI mit anpassbaren Partien, Online-Mehrspieler mit offenem oder privatem Matchmaking und Crossplay, Pass & Play für bis zu vier Personen an einem Gerät, 13 Challenge-Szenarien mit Sonderregeln sowie rotierende Heist-Ranglisten gegen die globale Community. Solo-Spielende bekommen damit einen echten Modus, den das Brettspiel selbst ohne Erweiterung nicht bietet.

Preis, Sprache und Umfang

Clank! Digital kostet auf Steam regulär 20,99 Euro (Preise auf iOS und Android können abweichen). Der reguläre Preis gilt dauerhaft; Sonderangebote laufen zeitlich begrenzt und sollten vor dem Kauf auf der jeweiligen Store-Seite geprüft werden. Als DLC gibt es zwei kostenpflichtige Erweiterungen: Clank! Sunken Treasures und Clank! The Mummy's Curse, beide bekannte Zusätze aus der physischen Spielreihe.

Die deutsche Lokalisierung ist vollständig: Menüs, Regeltext, Sprachausgabe und Untertitel sind auf Deutsch verfügbar, auf allen drei Plattformen.

Zu Monetarisierung oder bekannten technischen Problemen des Spiels macht Dire Wolf Digital in der offiziellen Kommunikation keine expliziten Aussagen. Nutzerbewertungen auf Steam können hier als Zusatzquelle dienen, bevor man kauft.

Für wen lohnt die App?

Wer Clank! vom Tisch kennt und das Spiel auch unterwegs oder mit Freunden auf anderen Plattformen spielen möchte, bekommt eine solide digitale Umsetzung. Der Crossplay-Ansatz macht Clank! Digital besonders dann interessant, wenn die eigene Spielgruppe auf verschiedene Geräte verteilt ist. Solo-Spielende profitieren von einem vollwertigen KI-Modus, den das physische Grundspiel nicht mitbringt. Neueinsteiger ohne Kenntnis des Brettspiels finden in Clank! Digital einen zugänglichen Einstieg in Deckbau und Dungeon-Crawling, die Lernkurve ist moderat.

Der reguläre Preis von 20,99 Euro auf Steam ist fair für den gebotenen Umfang. Die beiden DLCs sind optional; das Grundspiel ist vollständig spielbar.

Undaunted 2200: Kallisto

Von: Oli
31. Juli 2026 um 07:53

Als im Jahre 2008 das Spiel Pandemic (damals noch Pandemie) erschien, hätte wohl niemand gedacht, dass sich hier nicht einfach nur ein Spiel, sondern ein ganzes Spielsystem entwickelt, dass unzählige Ableger nach sich zog und aktuell in dem wirklich genialen „Schicksal der Gemeinschaft“ gipfelt. Ähnlich dürfte es bei dem 11 Jahre später erschienen Undaunted der Fall sein – auch wenn es hiervon bisher deutlich weniger Ableger gibt und die Reihe deutlich weniger Aufmerksamkeit genießt, als die erstgenannte. Das mag vermutlich auch am bisherigen Setting des Zweiten Weltkriegs liegen, vielleicht aber auch daran, dass man hier nicht kooperativ sondern ganz klassisch konfrontativ spielt und es bisher auch keinen Solomodus gab. Vielleicht. Kallisto strengt sich jedenfalls an, diese Punkte zu ändern.

Auf meinen Spieleesstisch hat es die Reihe bisher auch nicht geschafft. Mit dem Start ins Weltall, kam mit Undaunted 2200: Kallisto nun aber doch endlich mal ein Ableger zu mir und hatte es anfangs trotzdem ein wenig schwer. Nach dem Eintrudeln zog ich die Folie ab und stellte fest, dass in der großen Box tatsächlich außer den großen Spielplänen, ein paar Standees (mit Inlay!?) und ein paar Karten und Token eigentlich gar nicht viel drin ist. Im Kopf die Rezensionen der Vorgänger, dass das Undaunted-System ja eigentlich simpel ist, schlug ich die Anleitung auf und…war erstmal etwas ernüchtert. Ich kann gar nicht sagen warum, aber ich konnte irgendwie keinen Zugang zum Spiel finden. Nicht falsch verstehen, die Anleitung ist nicht schlecht – aber es wirkte eher wie die Anleitung zu einem Tabletop als zu einem Brettspiel und vermittelte mir kein „Gefühl“ für das Spiel – was ich normalerweise beim Lesen einer Anleitung bekomme.


Gleichzeitig reizte mich das Spiel dann aber doch. Und so las ich die Anleitung bestimmt noch zwei Mal und stellte immer noch fest, dass ich das niemandem erklären kann. Und das, obwohl der eigentliche Spielablauf auf eine Seite der Anleitung passt. Also spielte ich eine Partie gegen mich selbst – und schon nach zwei Zügen fiel der Groschen und mir wurde klar, was mir die Anleitung eigentlich sagen will. Und ja, man kann das Spiel eben nicht richtig erklären, wenn man nicht auf Höhenunterschiede und Sichtlinien und Reichweiten eingeht – aber eigentlich ist es am Ende deutlich einfacher, als es in der Anleitung auf den ersten Blick wirkt. Dann folgten Partien gegen echte Menschen und auch Solo-Partien und - ohne zu viel vom Fazit vorweg nehmen zu wollen – verstehe ich nun, warum die Undaunted-Reihe durchaus viele Fans hat. Für alle, die ebenfalls noch nie ein Undaunted auf dem Tisch hatten, mal ein wirklich kurzer Regelabriss, ohne auf die Besonderheiten von Brücken etc. einzugehen. Wer das System kennt, überspringt die nächsten zwei Absätze gerne.


Im Kern spielen wir Schach mit vorgegebenen Startszenarien und in Kombination mit einem Deckbuilder: Jede Seite besitzt unterschiedliche Einheiten, die wie im jeweiligen Szenario beschrieben auf dem jeweiligen Spielplan (jedes Szenario hat einen eigenen!) aufgestellt werden. Für jeden Einheitentyp haben wir bereits Karten in unserem Startdeck sowie in unserer persönlichen Marktauslage (beides ebenfalls vom Szenario vorgegeben). Auf den Karten steht neben dem zugehörigen Einheitentyp immer auch die Aktionsmöglichkeiten, die dieser Typ mit dieser Karte ausführen kann. Es gibt insgesamt 12 verschiedene Aktionsmöglichkeiten im Spiel und jeder Einheitentyp kann davon grundsätzlich immer nur eine bestimmte Auswahl – diese wird nochmal durch die Karten beschränkt, da auf einer Karte in der Regel nur 2 bis max. 4 mögliche Aktionen stehen. Zu diesen Aktionen gehören Bewegen, Erkunden (ich darf mich nur in erkundete Gebiete bewegen!), Karten „kaufen“ oder eben Angreifen. Spiele ich eine Karte aus, muss ich sagen auf welche konkrete Einheit dieses Typs ich mich auf dem Spielfeld beziehe (mitunter hat man von einem Einheitentyp mehrere Einheiten auf dem Feld) und welche der abgedruckten Aktionen sie ausführen soll. Denn ich kann immer nur eine der Aktionen ausführen und lege die Karte dann vor mir aus. Habe ich keine Karten mehr oder kann bzw. möchte nicht mehr spielen, ist mein Gegenüber an der Reihe. Danach werden die restlichen Handkarten abgeworfen und es beginnt eine neue Runde. Gespielt wird, bis eine Seite die Siegbedingung des Szenarios erfüllt hat. In der Regel ist diese, eine bestimmte Anzahl an Regionen zu besetzen und/oder eine bestimmte Anzahl feindlicher Einheiten zu eliminieren.

Und so bewegen wir unsere Einheiten - die meisten davon in der Form von einfachen Token – was ich hier tatsächlich eine sehr gute Designentscheidung finde, da (unbemalte) Miniaturen die Übersicht zerstört hätten - auf dem Plan, lassen sie kämpfen und versuchen mit ganz viel Strategie und Taktik das Ziel zu erfüllen. Und Möglichkeiten zum Taktieren gibt es viele. Besiegte Einheiten kommen nämlich nicht zurück ins Spiel. Habe ich also meinem Gegenüber alle Einheiten eines Typs zerstört, muss er oder sie sämtliche Karten dieses Typs entsorgen – hat also weniger Karten im Deck. Gleichzeitig gibt es „Müllkarten“, die das eigene Deck blockieren und die zwar auch mit einer Aktion aussortiert werden können – aber eben nur von bestimmten Einheitentypen. Geschickt angestellt ist es also möglich, das Gegenüber faktisch handlungsunfähig zu machen. Das ist aber nur ein Beispiel für die vielen Möglichkeiten, die das System bietet.


Zusammenfassend ist Undaunted 2200: Kallisto in meinen Augen ein wirklich gutes Spiel, dass mir unfassbar viel Spaß macht und das ich immer gerne auf den Tisch bekomme. Förderlich ist hier auch die knackige Spielzeit, da es sich locker in 45 Minuten spielen lässt, sofern beide Seiten die Regeln kennen. Die größte Hürde beim Einstieg ist tatsächlich das Kennen und Auseinanderhalten der 12 unterschiedlichen Aktionsmöglichkeiten. Diese spielen sich aber nach 2-3 Partien gut ein. Auch der Solomodus ist wirklich gut durchdacht und funktioniert bestens. Lediglich den 4-Spielenden-Modus habe ich nicht getestet, da ich hierin ehrlicherweise keinen Mehrwert gesehen habe und das Spiel auch außerhalb des direkten Duells und des Solomodus nicht sehe. Zu viert hat jede/r am Tisch nur eine Hälfte einer Seite unter Kontrolle mit einem halben Markt – und in Summe vom Anschein her auch nur den halben Spaß, da man gar nicht so gut taktieren und auch bluffen kann, wie im direkten Duell. Davon abgesehen bin ich nun auf den schon in den Startlöchern stehenden Nachfolger gespannt und freu mich auf die „Revolution“.

 

 

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Undaunted 2200: Kallisto von Trevor Benjamin und David Thompson
Erschienen bei Grimspire
Für 1 - 4 Spielende in 45 bis 60 Minuten ab 14 Jahren
sämtliche Bilder sind von uns selbst erstellt oder vom jeweiligen Pressematerial des Verlages (hier Grimspire)
*es handelt sich um einen Affiliate-Link. Für Euch entstehen keine zusätzlichen Kosten, wir erhalten eine kleine Provision.

Dirt & Dust

Von: Roy
08. Juli 2026 um 08:17


Dirt & Dust ist ein Rennspiel ohne Rennen. Macht das Sinn? Findet es selbst heraus. In diesem Kennerspiel aus der Feder von Petr Čáslava können sich 1–4 Spieler ab 14 Jahren am Feintuning des Rallyesports versuchen und sollten dafür gut 90 Minuten einplanen. Das Cover verspricht in gewisser Weise Action und auch das Material auf der Rückseite zeigt uns Straßen, Cockpits, aber auch Karten und Würfel. Warum ist es also ein Rennspiel ohne Rennen?

Nun ja, der Rallyesport ist größtenteils ein Zeitrennen. Das heißt, es geht nicht im direkten Kampf auf der Straße um Platz 1 oder 2, sondern darum, den Kurs in der bestmöglichen Zeit zu absolvieren – ohne dass andere Fahrer dabei stören können. Hier stehen das fahrerische Können des Fahrers und seines Beifahrers im Mittelpunkt. Und genau DAS wird in Dirt & Dust simuliert.


Fast alle Aktionen, die wir nun beschreiben werden, können von allen Spielern simultan durchgeführt werden. Lediglich beim Kauf neuer Karten kann es vorkommen, dass eine Reihenfolge eingehalten werden muss. Das ist in meinen Partien allerdings bisher noch nicht vorgekommen. Nun habt ihr bereits gelesen, dass man Karten kaufen kann – Dirt & Dust ist also in gewisser Weise auch ein Deckbuilding-Spiel, noch mehr aber ein Tableau-Building-Spiel, dessen Karten mithilfe von Würfeln aktiviert werden.

In der Tischmitte liegt ein Kurs aus, der meist aus zehn Karten besteht, von denen sechs offen in einer vorgegebenen Reihenfolge ausliegen. Jede Karte stellt dabei einen Streckenabschnitt dar, den man möglichst gut planen sollte, um Punkte zu erhalten, sobald dieser Abschnitt gewertet wird.


Wann ist ein Abschnitt an der Reihe? Am Ende jeder Runde verlässt die unterste Karte den Kurs. Liegt darauf einer meiner Stoppuhrmarker, erhalte ich – abhängig von der Position meines Auto-Meeples auf meinem Tableau – Punkte. Liegt dort kein Marker, gibt es in diesem Moment natürlich auch keine Punkte.

Es gilt also, die einzelnen Abschnitte möglichst gut vorzubereiten. Dafür besitzt jeder Spieler zwei Tableaus. Das erste wurde bereits angesprochen: Hier befindet sich unser Auto und es wird dargestellt, wie nah wir uns an der Ideallinie befinden. Dabei können wir nach links oder rechts ausscheren. Gleichzeitig zeigt das Tableau an, ob wir gerade Vollgas geben (obere Reihe) oder eher vorsichtig und bremsend unterwegs sind (untere Reihe). Je nach Position erhalten wir bei einer Wertung Punkte. Sind wir jedoch zu weit außen, gibt es keine Punkte – dafür freuen sich die Zuschauer über die riskante Fahrweise und wir erhalten stattdessen Beliebtheitspunkte. Zu Beginn jeder Runde bekommt nämlich der Spieler mit der höchsten Beliebtheit einen zusätzlichen Würfel. Und Würfel bedeuten bei Dirt & Dust nun einmal Aktionen.

Schauen wir nun auf das zweite Tableau. Dort finden wir sechs Slots, in die Karten gelegt werden können. Jeder Slot ist einem bestimmten Würfelwert zugeordnet. In einer Runde kann ich nun in beliebiger Reihenfolge Karten ausspielen, Würfel einsetzen, Karten in den entsprechenden Slots aktivieren oder neue Karten aus der Auslage kaufen.


Die Aktionen auf den Karten sind dabei äußerst vielseitig und teilweise ebenfalls von der Position des Wagens abhängig. Zur Bewältigung der Streckenabschnitte sammelt man beispielsweise Grip, den man anschließend ausgibt, um einen Abschnitt zu markieren. Mit Schraubenschlüsseln lassen sich neue Karten kaufen. Da diese Ressourcen ständig benötigt werden, besitzt das Cockpit-Tableau praktische Drehräder zur Verwaltung.

Außerdem können Karten einmalig nutzbare Booster-Würfel liefern. Das Problem dabei: Irgendwann sind alle Slots belegt. Am Ende jeder Runde rutschen sämtliche Karten einen Slot nach rechts, sodass nur die äußerste Karte aus dem Tableau verschwindet. Dadurch entstehen eventuell Karten-Würfel-Kombinationen, die gar nicht mehr zu meiner Planung oder meinen Würfeln passen. Glücklicherweise gibt es Karten, mit denen sich Kartenpositionen tauschen oder Slots wieder freiräumen lassen.

Wichtig ist außerdem, dass ich bei jedem erfolgreich absolvierten Streckenabschnitt SOFORT nach links oder rechts abdrifte – unabhängig davon, an welcher Position sich dieser Abschnitt befindet. Für kommende Wertungen sollte das unbedingt mit eingeplant werden. Darüber hinaus bieten manche Streckenabschnitte zusätzliche Sonderaktionen.


Einen letzten Punkt möchte ich ebenfalls nicht unerwähnt lassen: Es kann passieren, dass wir Schaden nehmen – freiwillig oder unfreiwillig. Dies wird durch Schadenswürfel dargestellt, die dauerhaft unserem Würfelpool hinzugefügt werden (bis zu drei Stück). Auf diesen befinden sich überwiegend Schadenssymbole und lediglich etwas Beliebtheit. Für jeden Schaden steigen wir auf einem kleinen Schadens-Track auf. Sobald dessen Ende erreicht ist, erhält unser Wagen einen dauerhaften Schaden. Der erste Schaden beeinträchtigt beispielsweise die Lenkung: Immer wenn ich nach links oder rechts drifte, muss ich mich ein weiteres Feld in diese Richtung bewegen. Nach acht dauerhaften Schäden ist mein Auto schließlich ein Totalschaden und ich scheide aus dem Spiel aus.

Das Spiel endet, sobald alle Streckenabschnitte das Board verlassen haben. Durch gemeisterte Streckenabschnitte und gekaufte Karten konnten bis dahin Punkte gesammelt werden. Wer am Ende die meisten Punkte besitzt, gewinnt das Spiel und hat damit wohl die beste Linie gefunden.

Dirt & Dust ist ein sehr spezielles Spiel, denn es verzichtet bewusst fast vollständig auf Interaktion. Die einzige Situation, in der sich die Spieler tatsächlich in die Quere kommen können, ist der Kauf einer Karte, von der nur noch ein Exemplar vorhanden ist. In diesem Fall hat der Spieler mit der höheren Beliebtheit Vorrang. Alles andere spielt sich solitär ab und verlangt auch ein gewisses Vertrauen in die Mitspieler, denn jeder tüftelt gleichzeitig mit seinen Karten und Würfeln an seinem eigenen Tableau. Für Einsteiger kann man die ersten Runden natürlich gemeinsam durchgehen, spätestens ab der zweiten oder dritten Runde arbeitet aber jeder simultan vor sich hin.

Für ein Gesellschaftsspiel fühlt sich das zunächst wirklich ungewöhnlich an. Thematisch ergibt das durchaus Sinn – beim Rallyesport fährt schließlich ebenfalls jeder allein gegen die Zeit. Trotzdem sitzt man zu viert am Tisch und jeder beschäftigt sich ausschließlich mit seinem eigenen Puzzle. Das wirkt zunächst etwas befremdlich. Jeder tüftelt vor sich hin und irgendwann heißt es nur noch: „So, ich bin fertig – ihr auch?“ Anschließend wird der aktuelle Streckenabschnitt gewertet und geschaut, wer Punkte erzielt hat.


Gleichzeitig macht das Ganze aber auch wirklich großen Spaß. Dirt & Dust fühlt sich wie ein Puzzle- oder Räftselspiel an, bei dem man sich jedes Mal freut, wenn der eigene Plan aufgeht. Wenn Karten, Würfel und Fahrzeugpositionen perfekt ineinandergreifen, laufen die Gehirnwindungen auf Hochtouren, um aus den vorhandenen Möglichkeiten das Maximum herauszuholen und gleichzeitig Karten für zukünftige Runden zu erwerben.

Jeder Spieler verfügt zudem über ein eigenes Kartendeck mit individuellem Fahrernamen und unterschiedlichen Schwerpunkten. Diese Fähigkeiten gilt es natürlich bestmöglich auszunutzen. So gibt es beispielsweise Fahrer, die bewusst Schaden in Kauf nehmen, diesen aber auch besonders gut wieder reparieren können.

Mit vier unterschiedlichen Strecken sowie einem Qualifying als Einstieg ist zudem für genügend Abwechslung gesorgt. Die Anleitung ist gut geschrieben, die Optik gefällt mir ebenfalls und auch die Materialqualität weiß zu überzeugen. Eigentlich also lauter Argumente für ein richtig gutes Spiel – und das ist Dirt & Dust tatsächlich auch. Der einzige Wermutstropfen ist die sehr solitäre Spielweise. Das muss man mögen und sollte man vor dem Kauf unbedingt berücksichtigen. Wer sich daran jedoch nicht stört, wird mit einem außergewöhnlichen Spielerlebnis belohnt – insbesondere dann, wenn man einmal ein Rennspiel der etwas anderen Art sucht.

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Dirt & Dust von Petr Ceslava
Erschienen bei Albi
Für 1-4 Spieler in ca. 60-90 Minuten ab 14 Jahren
sämtliche Bilder sind von uns selbst erstellt oder vom jeweiligen Pressematerial des Verlages (hier Albi)

CfM040 Limitierte Brücken

Von: Tobias
29. April 2026 um 06:43
CfM040-Limitierte_Brücken

CfM040-Limitierte_BrückenFolge 40 regt hoffentlich ein wenig zum Nachdenken an. Zumindest uns hat das Interview mit Cosima Werner ebenso die Antennen hochfahren lassen wie die Beschäftigung mit dem Spiel LIMIT von Alexandre Poyé (erschienen bei Ludonaute bzw. bei Spielworxx). Zusätzlich sprechen wir noch intensiver über SKYBRIDGE von Michael Rieneck und Franz Vohwinkel (erschienen bei Deep Print […]

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