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Normale Ansicht

Granfondo


 
Viel Kettenfett, wenig Spielfreude. Wenn die Leidenschaft für den Radsport auf den Spieltisch trifft

Mit Granfondo: Tempo, Taktik, Kettenfett schickt uns Autor Ralf Vanpey auf die Rennstrecke. In seinem bei Runner Games erschienenen Erstlingswerk übernehmen wir die Kontrolle über ein dreiköpfiges Radsportteam und versuchen, unsere Fahrer möglichst erfolgreich ins Ziel zu bringen. Dabei geht es nicht nur um Geschwindigkeit, sondern auch um Ausdauer, Windschatten, taktische Absprachen und die richtige Positionierung im Fahrerfeld.

Schon nach kurzer Zeit entsteht der Eindruck, dass hier ein leidenschaftlicher Radsportfan versucht hat, möglichst viele Facetten seines Hobbys in ein Brettspiel zu übertragen. Das ist zunächst einmal durchaus sympathisch. Statt den Rennsport auf ein einfaches Wettrennen zu reduzieren, möchte Granfondo auch dessen taktische Feinheiten abbilden.

Genau darin liegt allerdings auch das größte Problem. Denn während die Leidenschaft für den Radsport an vielen Stellen deutlich zu erkennen ist, fehlt es dem Spiel aus meiner Sicht an der notwendigen Konzentration auf das Wesentliche. Was auf dem Papier nach einer besonders authentischen Rennsimulation klingt, entpuppt sich am Spieltisch als ein vergleichsweise umständliches Rennspiel, das trotz seiner zahlreichen Ideen nur selten echte Begeisterung auslösen kann.


 
Drei Fahrer, viele Möglichkeiten

Anders als bei Flamme Rouge, dem wohl bekanntesten modernen Vertreter dieses Genres, kontrollieren wir in Granfondo gleich drei Fahrer. Neben dem Sprinter und dem Rouleur gehört auch ein ausgewiesener Bergfahrer zum Team. Alle drei besitzen eigene Kartendecks und können durch individuelle Fähigkeiten unterschiedliche Stärken ausspielen.

Die Fortbewegung erfolgt über Bewegungskarten, die zunächst verdeckt ausgewählt und anschließend entsprechend der aktuellen Rennposition aufgedeckt werden. Dabei müssen wir nicht nur die Geschwindigkeit unserer Fahrer berücksichtigen, sondern auch ihre Ausdauer, die jeweiligen Streckenabschnitte und die Positionen der Konkurrenz.

Eine interessante Besonderheit ist, dass nicht ausgespielte Karten auf der Hand bleiben. Dadurch lässt sich die eigene Strategie vergleichsweise gut vorbereiten. Starke Karten können für einen späteren Sprint zurückgehalten werden, während schwächere Karten möglicherweise ausreichen, um im Windschatten der Konkurrenz mitzuhalten. Zusätzlich können mehrere Karten kombiniert werden, um besonders kraftvolle Aktionen auszuführen. Das eröffnet weitere taktische Möglichkeiten, verlangt aber auch eine entsprechende Planung.

Grundsätzlich sind das durchaus interessante Ansätze. Allerdings fühlt sich die gleichzeitige Verwaltung von drei Fahrern für mich eher fummelig als bereichernd an. Ständig müssen mehrere Kartenhände, Fahrerpositionen und individuelle Werte berücksichtigt werden. Der zusätzliche Bergfahrer sorgt zwar für mehr thematische Tiefe, macht den eigentlichen Spielablauf aber nicht zwangsläufig spannender.


 
Mehr Regeln bedeuten nicht automatisch mehr Spieltiefe

Ein zentraler Bestandteil von Granfondo ist das Performance-System. Die Leistungsfähigkeit eines Fahrers beeinflusst unter anderem, wie viele Karten ihm zur Verfügung stehen. Bestimmte Aktionen, Streckenabschnitte und Belastungen reduzieren diese Performance, während andere Effekte dabei helfen, sie wieder aufzubauen. Auch die Symbole auf den Bewegungskarten spielen eine Rolle. Durch passende Kombinationen lassen sich zusätzliche Vorteile erzielen und die eigene Leistungsfähigkeit verbessern.

Was zunächst nach einer spannenden zusätzlichen Entscheidungsebene klingt, entpuppte sich in unseren Partien allerdings als wenig anspruchsvoll. Das Abwägen der Symbole fiel häufig erstaunlich leicht und die Fahrer erreichten vergleichsweise schnell wieder ihre volle Leistungsfähigkeit. Dadurch verlor das System für uns einen großen Teil seines vermeintlichen taktischen Reizes. Das Problem ist dabei weniger, dass die Mechanik grundsätzlich nicht funktioniert. Vielmehr steht der zusätzliche Verwaltungsaufwand in keinem überzeugenden Verhältnis zu den Entscheidungen, die daraus entstehen.

Gerade im direkten Vergleich mit Flamme Rouge wird deutlich, wie elegant sich Erschöpfung und Kräftehaushalt auch mit deutlich weniger Regeln darstellen lassen.


 
Der Belgische Kreisel als interessante Idee

Zu den spannendsten Ergänzungen gehört zweifellos der Belgische Kreisel. Dabei können sich mehrere Fahrer zu einer Gruppe zusammenschließen und durch abgestimmte Führungswechsel gemeinsam effizienter vorankommen. Thematisch ist das hervorragend getroffen. Schließlich gehören solche taktischen Kooperationen zum Radsport, und auch im Brettspiel entstehen dadurch interessante Situationen. Plötzlich arbeiten Fahrer unterschiedlicher Teams zusammen, obwohl sie letztlich gegeneinander antreten. Die Zusammenarbeit kann sich für alle Beteiligten lohnen, gleichzeitig stellt sich aber immer die Frage, wann man sich aus der Gruppe löst und einen eigenen Angriff startet.

Gerade dieser Mechanismus besitzt durchaus Potenzial. Er sorgt für Kommunikation, kurzfristige Allianzen und zusätzliche Interaktion zwischen den Spielern. Allerdings steht auch hier wieder die Frage im Raum, ob der zusätzliche Regelaufwand den spielerischen Mehrwert rechtfertigt. Der Belgische Kreisel ist zweifellos eine der originelleren Ideen von Granfondo, fügt sich für mich aber in ein Gesamtbild ein, das ohnehin schon mit zu vielen Sonderregeln und Detailmechanismen beschäftigt ist. Manchmal wäre weniger tatsächlich mehr gewesen.

Wenn der Berg zur Geduldsprobe wird

Natürlich dürfen bei einem Radsportspiel auch die unterschiedlichen Streckenprofile nicht fehlen. Granfondo bietet verschiedene Rennstrecken mit flachen Abschnitten, Anstiegen und Abfahrten. Gerade die Bergpassagen sollen durch Geschwindigkeitsbegrenzungen und die unterschiedlichen Fähigkeiten der Fahrer zusätzliche taktische Herausforderungen schaffen. In der Theorie klingt das sinnvoll. Der Bergfahrer soll schließlich genau dort seine Stärken ausspielen können, wo Sprinter und Rouleur an ihre Grenzen kommen.

In der Praxis empfand ich die Bergfahrten allerdings als ausgesprochen langweilig. Die vorgegebenen Beschränkungen nehmen den Spielern einen großen Teil ihrer Handlungsmöglichkeiten und sorgen dafür, dass sich die entsprechenden Abschnitte eher nach einer mechanischen Pflichtübung als nach einem spannenden Kampf um Positionen anfühlen.

Natürlich lässt sich argumentieren, dass gerade diese Einschränkungen den realen Radsport authentisch abbilden. Für mich ist das allerdings kein ausreichendes Argument, wenn darunter der Spielspaß leidet. Ein gutes Rennspiel sollte auch dann spannend bleiben, wenn es bergauf geht. Bei Granfondo hatte ich dagegen häufig das Gefühl, einfach nur auf den nächsten interessanteren Streckenabschnitt zu warten.


 
Die Spielregel braucht dringend einen Mechaniker

Ein besonders großer Kritikpunkt ist für mich die redaktionelle Aufbereitung der Spielregeln. Obwohl die grundlegenden Abläufe nicht übermäßig kompliziert sind, stießen wir während unserer Partien immer wieder auf Situationen, in denen die Regeln keine ausreichend präzise Antwort lieferten. Häufig fanden wir die passende Regelstelle nicht oder konnten nicht eindeutig nachvollziehen, wie eine bestimmte Situation abgehandelt werden sollte. Irgendwann entschieden wir uns deshalb mehrfach dafür, eine Regel so auszulegen, wie sie vermutlich gemeint war, um den Spielfluss nicht ständig unterbrechen zu müssen. Das sollte bei einem modernen Brettspiel eigentlich nicht notwendig sein.

Gerade wenn ein Spiel mit zahlreichen Sonderfällen, unterschiedlichen Fahrerfähigkeiten und optionalen Modulen arbeitet, ist eine sorgfältige redaktionelle Bearbeitung besonders wichtig. Schließlich müssen die Regeln nicht nur die einzelnen Mechanismen erklären, sondern auch deren Zusammenspiel eindeutig abdecken. Hier wirkt Granfondo für mich leider nicht ausreichend ausgereift. Man merkt zwar, dass sich der Autor intensiv mit den Mechanismen beschäftigt hat, doch eine konsequente redaktionelle Überarbeitung hätte dem Spiel ausgesprochen gutgetan.

Besonders ärgerlich ist dabei, dass der eigentliche Spielfluss immer wieder unterbrochen wird, obwohl gerade ein Rennspiel von Tempo und Dynamik leben sollte.

Zwischen KI-Grafik und liebloser Rennstrecke

Auch optisch hinterlässt Granfondo einen zwiespältigen Eindruck. Bei der Gestaltung wurden unter anderem KI-generierte Illustrationen eingesetzt. Grundsätzlich habe ich damit kein Problem. Für mich ist nicht entscheidend, mit welchen Werkzeugen eine Illustration entstanden ist, sondern ob das Ergebnis zum Spiel passt und eine ansprechende Atmosphäre erzeugt. Leider gelingt das hier nur bedingt. Insbesondere die Fahrerillustrationen wirken auf mich ausgesprochen generisch und austauschbar. Es fehlt ihnen an Persönlichkeit und Wiedererkennungswert, wodurch sie kaum dazu beitragen, dass man eine besondere Verbindung zu seinem Team aufbaut.

Einen fast schon merkwürdigen Gegensatz dazu bildet der Spielplan. Während die Fahrer vergleichsweise glatt und künstlich wirken, präsentiert sich die Rennstrecke in einer völlig anderen grafischen Richtung. Das Gesamtbild empfinde ich als wenig harmonisch und stellenweise regelrecht lieblos.

Natürlich lässt sich über Geschmack bekanntlich hervorragend streiten. Was dem einen gefällt, wirkt auf den anderen wenig ansprechend. Für mich gehört Granfondo allerdings definitiv nicht zu den Spielen, die ich aufgrund ihrer optischen Präsentation gerne auf den Tisch bringe.

Positiv hervorzuheben ist immerhin die Materialqualität. Die zahlreichen Fahrertableaus, Karten und Holzfiguren sorgen für eine umfangreiche Ausstattung. An der Menge und grundsätzlichen Verarbeitung des Materials liegt es also nicht.


 
Flamme Rouge zeigt, wie es besser geht

Der Vergleich mit Flamme Rouge drängt sich bei Granfondo geradezu auf. Beide Spiele lassen uns mehrere Radfahrer über eine Rennstrecke bewegen, ihre Kräfte einteilen und den richtigen Moment für einen Angriff finden. Dabei verfolgt Granfondo einen deutlich simulationslastigeren Ansatz. Zusätzliche Fahrerrollen, individuelle Fähigkeiten, Performance-Werte, Kartenkombinationen, Positionskämpfe und der Belgische Kreisel sollen den taktischen Möglichkeiten des Radsports mehr Raum geben.

Das ist grundsätzlich ein nachvollziehbarer Ansatz. Allerdings entsteht dadurch nicht automatisch das bessere Brettspiel. Flamme Rouge schafft es mit vergleichsweise wenigen Regeln, genau das Gefühl zu vermitteln, das ich von einem Radrennspiel erwarte: taktische Entscheidungen, einen spannenden Rennverlauf, das richtige Timing und einen möglichst dramatischen Zielsprint. Granfondo versucht vieles davon detaillierter abzubilden, verliert dabei aber einen großen Teil seiner Eleganz.

Die zusätzlichen Mechanismen mögen für ausgesprochene Radsportliebhaber reizvoll sein. Für mich führen sie jedoch vor allem dazu, dass sich ein eigentlich recht unkompliziertes Spielprinzip unnötig aufgebläht anfühlt. Besonders deutlich wird das bei längeren Rennen. Während Flamme Rouge seine Dynamik über weite Strecken aufrechterhält, zieht sich Granfondo zunehmend in die Länge. Die Verwaltung der drei Fahrer und das Berücksichtigen zahlreicher Sonderregeln bremsen genau das aus, was ein Rennspiel eigentlich auszeichnen sollte: Geschwindigkeit. Am Ende macht Granfondo zwar mehr, aber eben nicht unbedingt etwas besser.

Viel Leidenschaft, wenig Spielspaß

Bei aller Kritik möchte ich Granfondo eines nicht absprechen: Die Leidenschaft für den Radsport ist an zahlreichen Stellen deutlich zu erkennen. Der Autor hat sich erkennbar Gedanken darüber gemacht, wie sich taktische Elemente eines echten Radrennens spielerisch umsetzen lassen. Unterschiedliche Fahrerrollen, Windschatten, Kräftehaushalt und der Belgische Kreisel sind keine willkürlich hinzugefügten Mechanismen, sondern sollen ein möglichst authentisches Renngefühl erzeugen.

Auch der modulare Aufbau ist grundsätzlich eine gute Idee. Spieler können mit einfacheren Regeln beginnen und später weitere Elemente ergänzen. Dadurch lässt sich der gewünschte Detailgrad zumindest teilweise selbst bestimmen.

Allerdings ergibt sich daraus für mich ein weiteres Problem. Beschränkt man sich auf die grundlegenden Regeln, bietet Granfondo gegenüber seiner Konkurrenz zu wenig Eigenständigkeit. Nimmt man dagegen die zusätzlichen Module hinzu, wird das Spiel zwar umfangreicher, aber gleichzeitig auch schwerfälliger.

Damit befindet sich Granfondo in einer schwierigen Situation. Es möchte einerseits ein zugängliches Rennspiel sein, andererseits möglichst viele Feinheiten des echten Radsports abbilden. Für mich gelingt dieser Spagat leider nicht.


 
Fazit – Auf der Strecke geblieben

Granfondo: Tempo, Taktik, Kettenfett ist ein Spiel, bei dem man die Begeisterung seines Autors für den Radsport an jeder Ecke spürt. Zahlreiche Mechanismen versuchen, das Geschehen eines echten Radrennens möglichst detailliert auf den Spieltisch zu übertragen. Gerade der Belgische Kreisel und die unterschiedlichen Fahrerrollen sind dabei durchaus interessante Ideen. Leider ergibt sich daraus für mich kein überzeugendes Gesamtpaket.

Die Verwaltung von drei Fahrern ist unnötig fummelig, das Performance-System bietet weniger interessante Entscheidungen als zunächst vermutet und die Bergpassagen fühlen sich durch ihre Beschränkungen ausgesprochen zäh an. Hinzu kommen eine aus meiner Sicht wenig gelungene optische Gestaltung und vor allem eine Spielregel, der es an der notwendigen redaktionellen Sorgfalt fehlt.

Das größte Problem bleibt allerdings der Spielspaß. Trotz der zusätzlichen Mechanismen schafft es Granfondo nicht, mich wirklich in seinen Bann zu ziehen. Statt eines dynamischen Rennverlaufs entsteht häufig ein eher umständliches Abarbeiten verschiedener Regeln und Sonderfälle. Gerade im Vergleich mit Flamme Rouge wird deutlich, dass mehr Realismus und zusätzliche taktische Möglichkeiten nicht automatisch zu einem besseren Spiel führen. Dort wird das gleiche grundlegende Renngefühl mit deutlich weniger Aufwand und einer wesentlich eleganteren Mechanik erzeugt.

Wer ein möglichst detailliertes Radsportspiel sucht und Freude daran hat, zahlreiche taktische Feinheiten zu berücksichtigen, könnte mit Granfondo durchaus glücklich werden. Für mich persönlich überwiegen jedoch die Schwächen. Wer ein schnelles, spannendes und taktisches Radrennspiel sucht, sollte deshalb lieber zu Flamme Rouge greifen. Das macht weniger, aber eben vieles besser.
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Granfondo von Ralf Vanpey
Erschienen bei Runners Games
Für 1 bis 4 Spieler in ca. 60 Minuten ab 10 Jahren

sämtliche Bilder sind von uns selbst erstellt oder vom jeweiligen Pressematerial des Verlages (hier Runners Games)
*es handelt sich um einen Affiliate Link. Für Euch entstehen dabei keine Kosten, wir erhalten jedoch eine kleine Provision

Mole Racing

Von: ferengi
26. Oktober 2026 um 09:05

Wie lang ist mein Arm?

Auf einer Rennstrecke mit Hindernissen lenken wir mit Augenmasken unseren Maulwurf bis ins Ziel. Und dabei ist die Augenmaske das eigentliche Hindernis im Spiel. Wir gucken uns die Strecke an, setzen zwei Finger zur Navigation auf unser Renntier, setzen die Maske auf und fahren los. Schnell verliert man das Gefühl für die Länge der Geraden, wann eine Kurve kommt oder ein Hindernis / Gegner im Weg steht.

Fahren wir irgendwo gegen, rufen die anderen „Crash“, man nimmt die Maske ab, erhält einen Crash-Chip und muss dann die nächste Runde aussetzen. Also kann es taktisch klüger sein, nach einer kurzen Strecke zu pausieren und dort dann nächste Runde weiter zu fahren.

Vorteilhaft ist es, einen Treibstoff-Chip zu treffen, da man mit ihm noch einmal weiterfahren oder auch einen Crash-Chip ablegen kann.

Gleich geht es los …
Nun wird es nicht einfach
Glückliche Stubenzocker beim Rennspiel

Fazit:

Wer seine Armlänge, Beweglichkeit und Streckenführung gut abschätzen kann, hat sicher Vorteile. Aber mit viel Übung kommt man da schon rein und wir wurden mit jeder Runde immer besser.
Für Kinder sicher auch sehr gut geeignet, um räumliches Vorstellungsvermögen zu trainieren. Das junge Entwicklerteam bietet auf ihren Websteiten sogar einen Track-Builder an, sehr vorbildlich. Nett gemacht, aber für mich war eine Spielerunde ausreichend.

Stubenscore: 7,0 / 10


MOLE RACING
BoardGameGeek

Brettspiel (getestet)

Turbo-Flitzpiepen 2000

31. August 2026 um 16:02
Takashi Ishida, Richard Garfield
CMYK, Asmodee
2-6 Personen
8+ Jahre
45 Min.
Unsere Wertung:
Turbo-Flitzpiepen 2000 funktioniert deshalb so hervorragend, weil es gar nicht erst versucht, fair zu sein, sondern die reine Freude an absurden Kettenreaktionen feiert. Genau dieser kontrollierte Kontrollverlust macht aus einem simplen Würfelrennen ein echtes Highlight für (fast) jede Runde.

Darum geht’s beim Brettspiel Turbo-Flitzpiepen 2000

In Turbo-Flitzpiepen 2000 übernehmen die Spielerinnen und Spieler die Rolle von Trainern, die ihr Team durch ein Turnier führen. Über vier Runden hinweg treten die Läufer in verschiedenen Rennen gegeneinander an, immer mit dem gleichen Ziel vor Augen: möglichst viele Siegpunkte durch vordere Platzierungen zu sammeln. Das Spiel verbindet dabei das Grundprinzip eines klassischen Laufspiels mit einer Vielzahl an Spezialfähigkeiten, die den scheinbar geradlinigen Rennverlauf permanent durcheinanderwirbeln. Schnelligkeit allein reicht selten aus, denn oft entscheidet das richtige Timing über Erfolg oder Stillstand auf der Strecke.

Aufbau und Spielablauf

Bevor es überhaupt an den Start geht, steht die Zusammenstellung des eigenen Teams im Mittelpunkt. In einer Rekrutierungsphase draften die Spieler aus insgesamt 36 Charakterkarten ihre Läufer aus. Jeder dieser Athleten bringt eine individuelle Fähigkeit mit, die später im Rennen für ganz unterschiedliche Effekte sorgt. Schon hier entsteht ein erstes Kräftemessen, denn jede Figur ist nur einmal im Spiel vertreten.

Sind alle Teams zusammengestellt, folgen vier Rennen auf dem doppelseitigen Spielplan. Vor jedem Rennen wählen die Spieler genau einen Athleten aus ihrem Kader aus, der an den Start geht. Da eingesetzte Charaktere in der Regel für spätere Rennen nicht mehr zur Verfügung stehen, wird Planung über mehrere Runden hinweg wichtig. Die Strecken selbst unterscheiden sich spürbar: Während die „Mild Mile“ einen eher überschaubaren Kurs bietet, sorgen die „Wild Wilds“ mit besonderen Feldern und Effekten für zusätzliche Unruhe im Feld. Welche Fähigkeit auf welcher Strecke ihr volles Potenzial entfaltet, zeigt sich oft erst im Spiel.

Gruppenbild mit (schrägen) Athleten: Am Anfang hat man beim Draften die Qual der Wahl.
Turbo-Flitzpiepen 2000 (wir haben die Originalversion „Magical Athlete“ getestet)

Würfelglück und Spezialkräfte

Der eigentliche Rennablauf ist schnell erklärt. Die Spieler würfeln reihum und ziehen ihre Figur entsprechend vor. Doch kaum ist der Würfel gefallen, greifen die Charakterfähigkeiten ein und verändern das Geschehen. Manche Athleten fungieren als bewegliche Hindernisse und zwingen andere dazu, ihren Lauf vorzeitig zu beenden. Andere ignorieren Blockaden, überspringen Felder oder profitieren von der Position ihrer Mitspieler. So kann es passieren, dass ein hoher Würfelwurf wenig bringt, während eine gut platzierte Fähigkeit das gesamte Feld neu ordnet.

Diese ständige Wechselwirkung zwischen Würfelglück und Spezialkräften macht den Reiz von Turbo-Flitzpiepen 2000 aus. Die Spieler beobachten aufmerksam, welche Läufer bereits eingesetzt wurden und welche noch im Hintergrund warten. Ein sicher geglaubter Vorsprung kann durch eine einzelne Aktion schrumpfen oder ganz verschwinden, während vermeintliche Außenseiter plötzlich nach vorne katapultiert werden. Der wichtigste Einflussfaktor bleibt dabei die Auswahl des passenden Athleten zum richtigen Zeitpunkt.

Ein paar Spezialfelder auf der Strecke sorgen für zusätzliches Chaos.
Die Ziellinie vor Augen: An seiner Stelle würde ich aber nicht zu früh lachen…

Regelseitig bleibt das Spiel zugänglich. Die Fähigkeiten sind klar auf den Karten beschrieben, sodass auch weniger erfahrene Spieler schnell den Überblick behalten. Durch die große Auswahl an Figuren und die unterschiedlichen Strecken verläuft kaum eine Partie wie die andere. Der Glücksanteil durch das Würfeln sorgt zusätzlich dafür, dass die Spannung bis zum letzten Rennen erhalten bleibt.

Fragen und Antworten

Wie lange dauert eine Partie Turbo-Flitzpiepen 2000?

Eine komplette Partie über vier Läufe dauert in der Regel etwa 30 bis 45 Minuten und spielt sich durch die kurzen Züge sehr flott herunter.

Für welche Spielgruppen eignet sich Turbo-Flitzpiepen 2000?

Das Spiel richtet sich an Familien sowie lockere Runden ab drei Personen, die Freude an direktem Ärgerpotenzial, witzigen Sonderfähigkeiten und hohem Tempo haben.

Welche der 36 Figuren ist am stärksten?

Bei Turbo-Flitzpiepen 2000 hat jede Figur ihre eigenen Stärken und Schwächen. Doch wie groß sind die Unterschiede wirklich? Mit einer eigens programmierten Web-App habe ich 10 Millionen (!) simulierte Rennen ausgewertet. Die Computersimulation berücksichtigte alle Sonderfähigkeiten und spielte komplette Partien mit sechs Teilnehmenden nach. Die Ergebnisse zeigen, welche Charaktere statistisch besonders erfolgreich sind. Trotzdem gilt: Am Spieltisch sorgen Würfelglück, Mitspieleraktionen und das allgemeine Chaos von Turbo-Flitzpiepen 2000 weiterhin für Überraschungen. Die Liste versteht sich daher als Orientierung – nicht als endgültiges Urteil.
Zur vollständigen Auswertung

Mein Fazit nach vielen Testrunden

Turbo-Flitzpiepen 2000 bietet damit eine Mischung aus Planung, direkter Interaktion und chaotischen Rennmomenten. Im Mittelpunkt steht weniger die perfekte Strategie als das gemeinsame Erlebnis am Tisch, bei dem sich Vorteil und Rückschlag oft abwechseln. Wer Freude an lebhaften Wettläufen hat und mit unvorhersehbaren Wendungen umgehen kann, findet hier ein kurzweiliges Spiel für gemischte Gruppen.

Im Fazit zeigt sich, warum Turbo-Flitzpiepen 2000 so gut funktioniert. Das Spiel nimmt das ganz ursprüngliche Prinzip des Laufspiels mit Würfeln und hohem Glücksanteil und verwandelt es durch die unterschiedlichen Fähigkeiten der Figuren in ein überraschend spannendes Erlebnis, ein wenig wie ein Tag auf der Rennbahn. Statt Pferden gehen hier Charaktere mit ganz eigenen Eigenheiten an den Start, ohne dass man den Ausgang wirklich kontrollieren könnte. Genau darin liegt der Reiz: Die Spieler müssen nicht jeden Zug zerdenken, keine Ressourcen sammeln, keine Karten sortieren oder Effekte optimieren. Man würfelt, beobachtet, was passiert, und lässt sich von den Wendungen des Rennens mitreißen.

Designer Richard Garfield hat das mehr als 20 Jahre alte Original Magical Athlete vor allem optisch auf Stand gebracht – und wie: Die bedruckten Holzfiguren sehen einfach klasse aus, quietschbunt und individuell. Kein Vergleich zu den Pappaufstellern aus der 2003er-Version von Takashi Ishida.

Pro & Contra

Was mir gut gefällt:

  • 36 einzigartige Läufer mit völlig unterschiedlichen Fähigkeiten
  • Kaum Wartezeiten durch schnelle Züge
  • sensationelles Artwork (Spielfeld, Figuren, selbst die Anleitung!)

Was ich weniger mag:

  • Hoher Glücksfaktor durch den Würfelwurf und teils unausgewogene Kombinationen
  • Man braucht eine große Spielrunde, damit es richtig rockt

Hinweis: Wertungen vergeben wir im Bereich 0 bis 4 Sternen. Spiele mit 0-1,5 Sternen sind sind schlecht, mit 2 bis 2,5 Sternen durchschnittlich. Ab 3 Sternen beginnen die empfehlenswerten Spiele. Nur außergewöhnliche Titel erhalten 4 Sterne („Four-Star Game“).

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Dungeon Kart

Von: Andreas
05. August 2026 um 07:05


„Mario Kart als Brettspiel“ – ein Versprechen, das sofort Bilder im Kopf erzeugt. Bananenschalen, Chaos, Schadenfreude. Dungeon Kart tritt genau mit diesem Anspruch an. Die spannende Frage: Reicht das wirklich für ein gutes Brettspiel – oder bleibt es bei einer charmanten Idee?

Spielgefühl & Mechaniken

Dungeon Kart ist im Kern ein Rennspiel, bei dem sich alles um Bewegungspunkte, Geschwindigkeitsmanagement und Positionierung dreht. Statt einfach Gas zu geben, reguliert man sein Tempo über ein Gang-System, das bestimmt, wie viele Aktionspunkte pro Runde zur Verfügung stehen. Das sorgt für ein überraschend taktisches Grundgerüst. Die Strecke selbst besteht aus Hexfeldern mit unterschiedlichen Kosten – Kurven, Hindernisse und Kollisionen wollen gut geplant sein. Wer hier einfach „drauflosrast“, landet schnell an der Wand oder im falschen Winkel.

Und genau hier zeigt sich schon der erste große Unterschied zu Mario Kart: Während das Videospiel von Tempo, Reflexen und Flow lebt, zwingt dich Dungeon Kart zum Vorausdenken. Jede Bewegung ist eine kleine Optimierungsaufgabe.



Chaos, Items und Interaktion

Natürlich wäre es kein Mario-Kart-inspiriertes Spiel ohne Items. Und ja: Feuerbälle, Bomben und fiese Effekte sind am Start. Auch das bekannte „Rubberbanding“-Prinzip – also Aufholmechaniken für zurückliegende Spieler – findet sich hier wieder. Das sorgt für genau die Momente, die man sich wünscht: Führender Spieler kurz vor dem Ziel? Zack, Chaoskarte. Rennen wieder offen. ABER – und das ist entscheidend: Das Chaos fühlt sich deutlich kontrollierter an als beim Videospiel. Items sind weniger spontan und oft planbarer. Der „Ich wurde gerade komplett unfair zerstört“-Moment, der Mario Kart so ikonisch macht, tritt hier seltener auf.



Tempo & Dynamik

Hier liegt vermutlich der größte Knackpunkt des Spiels. Dungeon Kart fühlt sich… langsamer an. Deutlich langsamer. Wo Mario Kart für schnelle, hektische Rennen steht, ist Dungeon Kart eher ein „Denker-Rennen“. Selbst einfache Partien können überraschend lange dauern – teilweise deutlich über das, was man von einem Fun-Racer erwarten würde. Das führt zu einem interessanten Zwiespalt: Strategisch: überraschend tief; Emotional: weniger Adrenalin, mehr Planung. Oder anders gesagt: Dungeon Kart ist eher „Schach mit Karts“ als „Party mit Schildkrötenpanzern“.

Atmosphäre & Präsentation

Thematisch macht das Spiel vieles richtig. Die Boss-Monster-Welt bringt einen charmanten Retro-Look mit, der klar an klassische Videospiele erinnert. Die Strecken, Effekte und das allgemeine „Durcheinander“ transportieren das Gefühl eines Fun-Racers durchaus solide. Gerade in größeren Runden kommt echtes Party-Feeling auf.



Vergleich zu Mario Kart

Der Vergleich ist unvermeidlich – und auch gewollt. Was Dungeon Kart gut trifft: Items & Schadenfreude, Aufholmechaniken (Rubberbanding), Spielerinteraktion und Chaos, Leicht zugängliches Grundkonzept.

Wo es sich unterscheidet: Deutlich mehr Planung statt Reflexe, Weniger Tempo, mehr Kontrolle, Längere Spielzeit, Chaos ist gezähmter und berechenbarer

Oder ganz ehrlich formuliert: Dungeon Kart simuliert das Gefühl von Mario Kart, ersetzt es aber nicht. Selbst Fans sagen sinngemäß: „macht Spaß, aber ist nicht ganz Mario Kart“ 

Fazit

Dungeon Kart ist ein spannender Hybrid: Es nimmt die DNA von Mario Kart und übersetzt sie in ein taktisches Brettspielerlebnis. Das funktioniert überraschend gut – aber eben anders, als man es erwartet. Wer ein schnelles, chaotisches Partyspiel sucht, wird hier möglicherweise ausgebremst. Wer jedoch Lust auf ein interaktives Rennspiel mit Planungsfaktor hat, bekommt ein ungewöhnliches und durchaus reizvolles Gesamtpaket. Dungeon Kart ist kein Mario Kart für den Tisch. Es ist die Brettspiel-Interpretation davon – und genau darin liegt seine Stärke… und seine größte Schwäche zugleich.
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Dungeon Kart von Michael Xuereb
Erschienen bei Brotherwise Games
Für 2 bis 8 Spieler in ca. 60 Minuten ab 8 Jahren

sämtliche Bilder sind von uns selbst erstellt oder vom jeweiligen Pressematerial des Verlages (hier Brotherwise Games)
*es handelt sich um einen Affiliate Link. Für Euch entstehen dabei keine Kosten, wir erhalten jedoch eine kleine Provision

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