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Crime Maps - Das goldene Vermächtnis


Die Spieleautorin Sonja Klein hat sich auf Krimispiele spezialisiert und so erscheint auch ihr neuer Titel Crime Maps - Das Goldene Vermächtnis im auf das Genre Krimi spezialisierten Gmeiner-Verlag. Bei dem vorliegenden Spiel machen wir uns auf die Suche nach dem Goldschatz des legendären Piraten Klaus Störtebeker. 1-4 Personen können sich auf die Suche begeben und im Rahmen dieses Deduktionspieles kooperativ gegen das Spiel spielen. Los geht die Handlung im Museum für Hamburgische Geschichte. Hier wurde der Schädel des berühhmten Piraten sowie ein historischer Stadtplan gestohlen. Mit diesen beiden Hinweise machen wir uns auf die zehn Etappen währende Suche.
 

 
Crime Maps ist ein rein kartenbasiertes Spiel. Dies bedeutet, dass wir außer Karten keinerlei Spielmaterial haben. Insgesamt haben wir zehn Rätsel zu lösen. Jedes dieser Rätsel wird mit Hilfe einer Fallkarte, einer Rätselkarte und einer Fallkarte gelöst. Waren wir erfolgreich, so erhalten wir ein neues Set dieser drei Karten mit einem weiteren Rätsel. Auf der Fall-Karte wird dabei immer das Rätsel vorgestellt und ein wenig Flavour reingegeben. Weiterhin finden wir auf der Fallkarte auch Fragen welche wir beantworten sollen. Hinweise hierzu finden wir auf der Rätselkarte sowie der Landkarte. Letztere ist in Koordinaten unterteilt. Alle Antworten auf die Fragen lassen sich jeweils auf der Landkarte verorten und in Koordinaten umwandeln. Diese Koordinaten haben wir sodann mit einer Navigationskarte abzugleichen. Diese begleitet uns durch das Spiel und übersetzt die Koordinaten in Ziffernwerte. Die Addition aller Ziffernwerte des Falles ergibt in Summe die Nummer der nächsten Fallkarte. Habt ihr auf diesem Weg die richtige Fallkarte gefunden, so geht es mit einem weiteren Rätseln weiter. Nach zehn erfolgreichen Rätseln hat man das Spiel dann zu Ende gebracht und Störtebekers Schatz wohlmöglich gefunden.
 
 

 
Kommt man mal nicht mit einem Rätsel klar, so kann man zur Tipp oder Lösungskarten greifen und sich damit ein wenig helfen lassen. Am Ende führt jeder dieser Karten, welche man nutzt, aber zu Punktabzug. Der Spielerfolg bemisst sich nämlich durch die Anzahl der genutzten Hilfekarten. Nutzt man keine, so hat man einen perfekten Sieg errungen. Neben dieser quantitiven Einordnung spielt beim Spielerfolg bei so einem Spiel natürlich vor allem das Spielerlebnis rein. Meines Ermessens ist dies auch wichtiger, als der errungene Punktwert. Positiv habe ich bei Crime Maps die inhaltliche Einbettung empfunden. Dies gilt für die Geschichte, wie auch die Anknüpfung an reale Orte, Gegenstände und geschichtliche Ereignisse. Der Titel spielt sich allerdings total gradlinig. Es gibt kein Sidetracking. Die Geschichte muss in der vorgegeben Reihenfolge gelöst werden. De Anspruch der Rätsel empfand ich persönlich als sehr moderat und gut lösbar. Zur Einordnung: Ich spiele aber wirklich viele Sachen in diesem Feld. Wichtig finde ich bei Spielen dieser Art immer, dass die Rätsel immer gut nachvollziehbar sind, auch wenn man selbst mal nicht drauf kommt. Dies ist bei Crime Maps meinem Empfinden nach auf jeden Fall gegeben. Manchmal sucht man ein wenig länger auf der Landkarte bis man zur Lösung kommt aber ich hatte nie das Gefühl, dass ein Rätsel zu arg konstruiert war. Die grafische Gestaltung von Crime Maps würde ich als zweckdienlich beschreiben wollen. Sie tut nicht weh, haut aber wahrlich nicht vom Hocker. Will sagen der Titel ist eher mit einfachen Mitteln imgesetzt mit einem Ergebnis, welches man auch schon vor etlichen Jahren hätte so umsetzen können. Das ist sicher nicht State of the Art aber trotzdem total in Ordnung. Empfehlen würde ich Crime Maps eher Einsteigern in das Deduktionsgenre oder Menschen, welche eher moderate Rätsel bevorzugen. Besonders für Menschen, welche etwas mit lokalem Bezug zu Orten in Norddeutschland spielen oder verschenken wollen, könnte der Titel gut passen. Der Verlag empfiehlt das Spiel ab 14 Jahren. Meines Ermessens kommt in der Geschichte aber nichts vor, was so aufregend wäre, dass man den Titel nicht auch schon mit Kindern ab 10 Jahren spielen könnte. Das Spiel kommt in kompakter Box und bietet den Spielenden etwa 90-120 Minuten Spielspaß. Ein erneutes Spielen wird keine Freude machen. Man kennt dann ja alle Lösungen. Da sich das Material aber auch nicht abnutzt, kann man Crime Maps nach der Lösung des Falles wunderbar weiterverschenken.
 
 

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Crime Maps - Das goldene Vermächtnis

Autor: Sonja Klein

Erschienen bei Gmeiner-Verlag

Für 1-4 Personen ab 14 Jahren.

Spieldauer etwa 90-120 Minuten

 

Sämtliche Bilder sind von uns selbst erstellt oder vom jeweiligen Pressematerial des Verlages (Gmeiner-Verlag)

 

Fall 4: Kleingarten - Mord in Deutschland

27. Februar 2026 um 00:30


Offenlegung: Ich bin wirklich ein riesiger Fan von Krimispielen und Escape-Games. Bei Unlock! und Exit habe ich fast das komplette Programm gespielt und bei Hidden Games und Konsorten bin ich auch nicht weit davon weg. Umso überraschter war ich, als ich merkte, dass der Verlag Krimi Games bereits ein großes Portfolio an Krimispielen hat und ich trotzdem noch nichts von dem Verlag mitbekommen hatte. Zusätzlich wurden Spiele der Serie Fallakten wohl bereits 215.000 mal verkauft. Eine für den Spielmarkt nicht unbedeutende Reihe also. Ein wenig überraschend angesichts dieser hohen Verkaufszahlen: Auf Boardgamegeek findet der Verlag quasi nicht statt. Nur zwei ältere Titel sind, ohne AutorInnennennung, gelistet. Die Testimonials auf der Verlagsseite lesen sich zusätzlich durchgehend begeistert. Folglich bin ich mit großer Vorfreude in die Testsession zu Fall 4: Kleingarten - Mord in Deutschland gestartet. 

Wie der Name schon andeutet, handelt es sich bei dem Titel um den vierten Fall aus der Reihe Fallakten, welche laut aktuellem Stand sechs Fälle umfasst. Das besondere bei der Reihe: Die Fälle sind inspiriert durch reale Verbrechen. Weiterhin ist Co-Autor Timothy Gläßel Jurist und bringt wohl seine Expertise ein. Die Fälle stehen aber unabhängig voneinander und lassen sich problemlos ohne Kenntnis der anderen Fälle spielen.

 


Von der Ausgangslage her, erwartet uns bei Fall 4 Kleingarten altbekanntes: Ein Verbrechen ist geschehen. Die örtliche Polizei stochert im Dunkeln und bittet uns um Hilfe, auf dass wir den Fall lösen. Hierfür bekommen wir jede Menge mit der Tat in Verbindung stehende Dokumente gestellt, welche wir auszuwerten haben. Wie bei den Mitbewerben kommen diese im klassischen DinA4 Pappkarton/-umschlag. Das kennt man ja von Hidden Games und den meisten anderen Anbietern. Gespielt werden kann Fall 4 Kleingarten solo und mit bis zu 8 Spielenden ab 14 Jahren. Der Verlag gibt eine Spielzeit von 90-180 Minuten an. Zu dritt (alle erfahrene Krimispieler) haben wir 180 Minuten gebraucht um zur Lösung zu gelangen.

 


Kooperativ machen wir uns bei Fall 4 Kleingarten an die Lösung des Falles und entleeren dafür erst einmal den Umschlag. Hierin finden wir allerlei Papier, welches wir zu sichten haben. Neben einem DinA4-Blatt mit der Anleitung und einem QR-Code sind dies alle möglichen Druckerzeugnisse: Ein Poster, ein Büchlein ein paar Karten und vor allem viele A4-A6-Blätter. Auf ihnen abgedruckt: Flyer, Ermittlungsberichte, Emails, Quittungen, Social-Media-Screenshots und vieles mehr. Die Informationen, welche wir dem ganzen Papierkram entnehmen können müssen wir zusammenpuzzeln, um der Lösung des Falles näher zu kommen. In Fall 4 ist dies die Frage warum es in der Schrebergarten-Kolonie Waldstedt zu einem Mord gekommen ist. Neben den beigelegten Informationsquellen gibt es auch noch digitale Hinweise, welche wir verfolgen können. So sind Internetseiten angelegt worden, welche man ansurfen kann und weiterhin kann man auch eine Telefonnummer anrufen. Viele weitere Hinweise finden sich auf dem Polizeiserver. Hier ist ein 3D-Modell des Tatortes abgelegt, wie auch Audiodateien zu Verhören und einiges mehr. Weiterhin kann man hier auch noch drei Zeugen selbst befragen und in die Enge treiben. Man spricht bzw. schreibt dabei mit Chatbots. Eingestimmt auf den Fall wird man ebenfalls mit einer Audiodatei, mit welcher der Kommisar uns begrüßt und für den Fall briefed. Das Abschließen des Falles erfolgt ebenfalls im Internet. Auf der Fallseite von Fall 4 Kleingarten klickt man sich dazu im Multiple-Choice-Verfahren durch angebotene Fragestellungen und Lösungsmöglichkeiten. Bei falscher Antwort kommt man nicht weiter und muss sich für etwas anderes entscheiden.

 


Das mitgelieferte Papiermaterial ist meiner Einschätzung nach ansprechend gestaltet und wirkt immersiv. Es macht Spaß die Sachen zu durchforsten und nach Hinweisen zu suchen. Verantwortlich für die Gestaltung zeigt sich Stephanie Friedl, welche die Spiele der Reihe gemeinsam mit ihrem Mann entwickelt. Die Sprecher wirken in ihren Rollen meiner Meinung nach ebenfalls überzeugend. Etwas weniger positiv sehe ich den Einsatz der Chat-Bots. Prinzipiell finde ich es eigentlich eine tolle Idee, welche das Spiel interaktiver macht und viel mehr Antwortmöglichkeiten zulässt, als wenn die AutorInnen diese selbst texten müssten. In der Praxis sind wir aber in die Situation geraten, dass die Bots vielfach auf unsere Einlassungen nicht so recht reagiert haben. Es wirkt so, als ob sie auf ein Schlagwort geeicht sind und vor allem viel Druck brauchen. Wir hatten jedenfalls stets das nötige Wissen bzw. die Lösung und haben auch versucht mit den Bots darüber ins Gespräch zu kommen. Lange sind wir aber nicht weitergekommen. Dies war schon ein wenig frustrierend. Vor allem, weil man dann ja irgendwann denkt, dass man komplett auf der falschen Spur ist. Ebenfalls nicht gut gelöst fand ich die Umsetzung des 3D-Modells des Tatorts. In diesem konnte man sich dem Tatort genauer ansehen und einzelen Beweisstücke anzoomen. Wir hatten zwei Endgeräte im Einsatz: Ein iPhone 16 Pro und ein Android Tablet. Auf dem iPhone war das ganze äußerst beschwerlich und Bilder der Beweisstücke haben sich zumeist gar nicht geöffnet. Etwas besser war es auf dem Android Tablet aber auch da war die Begehung des Tatorts wahrlich kein Fest der Freude. Ungünstig gelöst finde ich auch die Auflösung des Falles. Die Ermittlungsleistung wird nicht in Hinblick auf Zeit oder Versuche eingeordnet. Egal ob man über das Hilfesystem Hinweise nimmt, ewig lang braucht oder sich der Wahl der Lösung einfach durchklickt: Es kommt alles aufs Gleiche raus. Das Erfolgserlebnis kann man nur aus dem Weg dahin ziehen und dem Gefühl es geschafft zu haben. Die Rätsel und die Geschichte an sich sind dabei nachvollziehbar. Etwas mühsam ist eine Aufgabe bei der mal sehr viel rechnen muss. Viele wirkliche Rätsel bietet der Fall allerdings nicht Es geht vielmehr darum die Informationenen zu sammeln, auszuwertem miteinander in Bezug zu setzen und abzugleichen und so dann ein Bild zu bekommen. Im Grund bringt man damit die meiste Zeit bei Fall 4 Kleingarten zu.

 


Mir persönlich geht es mit dem Fall so, dass ich nicht bereue ihn gespielt zu haben. Wir waren gut beschäftigt und hatte durchaus auch Spaß daran. Aus der Erfahrung mit den Konkurrenzprodukte heraus, welche ich bereits kenne, kann ich aber sagen: Da geht noch mehr. Dies würde ich vor allem in Bezug auf die Rätsel so sehen aber auch in Bezug auf das Spielmaterial. Es ist viel okay gestaltetes Papiermaterial dabei aber eben auch nicht mehr. Da findet man anderenorts schon immer mal wieder lustige Gimmicks. Die Box enthielt aber einen Papiergegenstand mit einer Idee, welche ich so noch nicht wahrgenommen habe. Tolle Idee, wobei meine Befürchtung ist, dass es sehr abseits der Denkpfade ist. Wir haben es erst bemerkt, als wir uns nach Abschluss noch einmal alles angeschaut haben und in die Lösung geschaut haben. Im Großen und Ganzen würde ich von Fall 4: Kleingarten - Mord in Deutschland also nicht abraten, eine begeisterte Empfehlung ist es aber auch nicht. Eventuell lohnt es sich in diesem Fall dann eher auf die Testimonals auf der Krimi Games Webseite oder bei Amazon zu hören: Hier sind die Bewertungen fast durchgehend exzellent.

 


 

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Fall 4: Kleingarten - Mord in Deutschland

Autor: Stephanie Friedl, Timothy Friedl

Erschienen bei Krimi Games

Für 1-8 Spieler*innen ab 14 Jahren.

Spieldauer etwa 180 Minuten



Sämtliche Bilder sind von uns selbst erstellt oder vom jeweiligen Pressematerial des Verlages (Krimi Games)

Take Time – Nehmt euch Zeit (Kurzcheck)

13. Februar 2026 um 09:00

Artikelbild Take TimeDie Stunde hat geschlagen! Bei Take Time dreht sich alles um Uhren. Gemeinsam versuchen zwei bis vier Spielende, die Rätsel der insgesamt 40 verschiedenen Uhren zu lösen. Damit das nicht zu einfach wird, gibt es allerdings zahlreiche Hindernisse, die zusammen überwunden werden müssen.

Dieser Beitrag wurde von Maximilian Lentes geschrieben

Back Tales: Verschollen unterm Eis

06. Februar 2026 um 16:00

Ravensburger, 2025
Autoren: Jules Messaud, Anthony Perone
1–6 Spieler:innen, ab 10 Jahre, 60 Minuten

Mit „Back Tales: Verschollen unterm Eis“ entführt euch ein narrativ geprägtes, kooperatives Kartenspiel in eine packende Geschichte voller Geheimnisse und Entscheidungen. Ihr schlüpft gemeinsam in die Rolle von Sophie, die sich auf einer alpinen Rettungsmission befindet, um ihren verschwundenen Bruder zu finden. Die Suche führt euch auf den schneebedeckten Gipfel des Mont Blanc, wo sich Hinweise auf ein lange verschollenes Schatzgeheimnis verbergen. Die Atmosphäre ist dicht und erzählerisch, die Illustrationen unterstützen das Gefühl, als würdet ihr gemeinsam einem spannenden Mystery-Roman folgen, bei dem jede Entscheidung den Verlauf beeinflussen kann. Dieses erzählerische Element hebt das Spiel klar von klassischen Familienspielen ab, ohne dabei zu komplex zu werden.

In einer Partie von „Back Tales: Verschollen unterm Eis“ arbeitet ihr euch durch einen Kartensatz mit über 120 Szenenkarten, die die Geschichte Schritt für Schritt entfalten. Jeder Spielerzug besteht darin, Entscheidungen zu treffen und passende Aktionskarten auf bestimmte Bereiche einer Panoramakarte zu legen. Diese Aktionskarten besitzen Fenster und Aussparungen, durch die ihr nach dem Umdrehen neue Informationen oder Konsequenzen einsehen könnt. Auf diese Weise interagiert ihr mit Personen, untersucht Orte und nutzt Gegenstände, um in der Erzählung voranzukommen. Eure Entscheidungen sind nicht nur kosmetisch: Sie öffnen neue Pfade im Narrativ und können zu unterschiedlichen Enden führen. So entsteht ein gewisser „Point-and-Click-Adventure“-Effekt, der gemeinsam am Tisch erkundet wird. Trotz narrativer Tiefe bleibt das Regelwerk überschaubar, der Spielablauf geschmeidig und für Neulinge gut zugänglich.

Im Spiel überzeugt vor allem die dichte Erzählstruktur und das Gefühl, Teil einer Geschichte zu sein. Die Mechanik mit den speziellen Karten sorgt für ein eigenes Spielerlebnis und lässt euch Entscheidungen tatsächlich spüren. Die Illustrationen und das Material wirken solide und hochwertig, die Karten lassen sich gut handhaben und tragen zur Immersion bei. Die Interaktion zwischen den Spieler:innen entsteht durch gemeinsame Entscheidungsfindung, was das Spiel zu einem angenehmen Erlebnis für Gruppen ab zwei Personen macht, aber auch Solo-Partien nicht ausschließt. Die Spieldauer von rund einer Stunde wirkt angemessen und lässt Raum für intensives Erleben ohne unnötige Längen. Kritikpunkte finden sich im narrativen Aufbau, der stellenweise etwas konstruiert wirkt und darin, dass die erzählerische Tiefe manchen ambitionierten Spieler:innen vielleicht nicht genug Rätsel- oder Taktikanteil bietet. Die Wiederspielbarkeit ist durch die variablen Pfade zwar gegeben, aber nicht extrem hoch, da manche Szenen schnell bekannt sind. Insgesamt eignet sich dieses Spiel hervorragend für Familienrunden, Gelegenheitsspieler:innen und alle, die Lust auf eine atmosphärische, kooperative Geschichte haben. Als Einstieg in narrative Spiele für eure Sammlung ist es sehr empfehlenswert, für Vielspieler:innen mit Fokus auf komplexe Mechanismen aber eher ein netter Ausflug als dauerhafter Favorit.

1ers Contacts: Von der Messe-Überraschung ins Vergessen?

Von: ravn
18. Januar 2026 um 16:14

Kann sich Spielegeschichte wiederholen? Auf der weltgrößten Publikumsmesse für Brettspiele in seiner Originalversion vorgestellt, dann nur begrenzt verfügbar und zudem mit Detailmängeln behaftet, die mir erst nach der Neuheiten-Euphorie aufgefallen sind. Ich hoffe auf eine redaktionelle Überarbeitung in der lokalisierten Version, die beim Fast-Namensvetter First Contact versäumt wurde. Ereilt 1ers Contacts ein vergleichbares Schicksal?

Da gab es 2018 auf der SPIEL in Essen die eine Messeüberraschung in Form von First Contact, die für mich damals alles an Neuheiten überstrahlte. Autor Damir Khusnatdinov hatte die Idee von Codenames weiterentwickelt und in ein thematisches Szenario rund um altägyptische Gelehrte in Kontakt mit einer rätselhaften Alienrasse gegossen. Es ging um Kommunikation und Verständnis mittels einer gemeinsamen Sprache, die wir im Spielverlauf erst noch entwickeln mussten. Erinnerte mich extrem an den Kinofilm Arrival. Im Übereifer bezeichnete ich First Contacts damals als den kommenden Codenames-Killer. Allerdings mit einem Fragezeichen hinter dieser Aussage versehen.

Diese Fragezeichen wurden schließlich zur Realität. Ein Jahr später, als der erste Hype um First Contacts längst vorbei war, veröffentlichte Huch eine deutschsprachige Version. Redaktionell und grafisch nur wenig überarbeitet. Grundsätzlich blieb alles wie von der Originalversion gewohnt und die zeigte in meinen Spielpartien nach der SPIEL 2018 leider etliche Ecken und Kanten, die ich in der Messe-Euphorie der kurzen Anspielsession mit dem Autor nicht bemerkt hatte. Meine Hoffnung war deshalb, dass eine erfahrene Redaktion sich dem Spiel annimmt, alle wesentlichen Stellen nochmals hinterfragt und optimiert. Das ist leider nicht passiert und seitdem habe ich das Spiel auch nicht mehr auf irgendeinem Spieltisch gesehen. Meine Originalversion hatte ich derzeit längst verkauft. Codenames wird hingegen in meinen Runden weiterhin gespielt.

Was blieb, das war meine leichte Enttäuschung über First Contact, denn das Grundprinzip finde ich weiterhin toll. Nur die Umsetzung, wegen der den Spielablauf aushebelnden Zufallstreffer und auch im Handling mit den zu drehenden Karten, hatte ihre Schwächen. Diese und weitere Schwächen hat auch der Autor Damir Khusnatdinov erkannt und unter dem Titel „First Contact: The Second Coming“ eine überarbeitete Version geplant. Im Zuge von Corona wurde das Projekt pausiert, aber im Herbst 2021 wieder aufgenommen. Ein Jahr später dann das bisher letzte Lebenszeichen von dem Spiel: „The project is still ‚on pause‘ … We hope, project will return with new features soon.“

Das ist nun mehr als drei Jahre her. Die Zukunft einer generalüberholten Neuauflage von First Contact ist mehr als ungewiss. Dabei klang das alles doch mehr als gut: „We tried to pay attention to all questions and suggestions from players in First Contact original game. So this time we made gameplay more diverse and deep, managed to solve the problem of active involvement of all players in each round, and in the end our game is more competitive now.“ Derweil sind First Contact und auch The Second Coming längst vergessen, sofern die überhaupt wirklich Beachtung fanden.

Sprung zurück in die Gegenwart zu einem ganz anderen Spiel mit zufällig ähnlichem Namen. Mit 1ers Contacts hat Autor Michael Munoz auf der SPIEL 2025 in Essen ebenfalls einen Überraschungserfolg gelandet. Das Hidden-Movement-Spiel war aus dem Nichts plötzlich auf Platz 1 der Fairplay-Scoutliste emporgestiegen. Ansonsten hätte ich es in der Neuheitenflut völlig übersehen. Vor Ort anspielt, eine Menge Spaß mit einer bunt zusammengewürfelten Runde etlicher Nationen erlebt und spontan in der Deluxe-Version mit Plexiglas-Suchrahmen als Add-on-Element gekauft. Das liegt nun auch schon wieder drei Monate zurück.

Derweil konnte ich 1ers Contacts in vier verschiedenen Spielrunden erleben. Sofern meine Mitspieler das 1vsX-Spielprinzip mit Deduktionselementen der gemeinsamen Spurensuche und Treibjagd möchten, kam es in Summe mittelmäßig bis gut an. Wirkliche Euphorie habe ich hingegen nur in einzelnen Spielmomenten gespürt. Das Spiel trägt leider bleischwer und lähmend und meiner Meinung nach zu unrecht die plakative Einordnung als Scotland Yard Klone. Das erzeugt allzu oft Bilder und Erinnerungen im Kopf, die zu einer ablehnenden Grundhaltung führen, bevor 1ers Contacts überhaupt selbst gespielt wurde. Zudem mag nicht jeder kooperative Spiele und Deduktion wird oftmals als anstrengend empfunden.

Dazu kommt, dass es einem 1ers Contacts nach meinen bisherigen Spielerfahrungen und Erklärungen nicht wirklich einfach macht. Die Anleitung ist eher geschwätzig als konkret und konfus anstatt übersichtlich geordnet. Einige Details sind nur in den Beispielen erwähnt und grundlegende Informationen fehlen völlig. Wie sollen die „Detection Tokens“ verwendet werden? Steht dort nicht, wo ich mindestens eine Empfehlung erwartet hätte. Wie wird der Spielausgang bewertet, wenn keine Seite ihr Spielzeit erreicht hat? Ein Unentschieden kennt das Regelwerk nicht. Alles scheint aus einer wissenden Perspektive beschrieben zu sein, sodass viele Fragen schlicht offen bleiben und von der Spielrunde selbst geregelt werden müssen. Nicht jede Runde kommt damit zurecht, wie selbst erlebt.

Es geht mit meiner Kritik leider noch weiter: Die beiliegenden Szenarien in ihren Umschlägen mit Klebepunkt (zum Glück rückstandslos lösbar) unterscheiden nicht wirklich zwischen atmosphärischer Hintergrundgeschichte und spielmechanischen Details. Etliches ist arg vage und schlicht ungenau gehalten, was wohl auch der Übersetzung vom französischen Original in die englische Version geschuldet ist. Inzwischen gibt es eine offizielle FAQ auf Boardgamegeek und der Autor Michael Munoz ist sehr bemüht, die vielen Regel- und Verständnisfragen zu beantworten. Wer sich da selbst mit einiges an Eigeninitiative durchbeißen möchte, dem kann ich die Erstauflage in der Deluxe-Version direkt vom Verlag Explor8 empfehlen. Die bietet doppelt so viele Szenarien und Agenten wie die normal im Handel erhältliche Version. Ansonsten wartet auf eine lokalisierte Ausgabe, die dann hoffentlich auch redaktionell überarbeitet ist, sofern sich ein Verlag diesem Spiel annimmt.

Nach der SPIEL 2025 hatte ich gefragt: Eventuell das beste Spiel der Messe? Derweil meine ich mit etwas Abstand, dass 1ers Contacts durchaus besonders und spielenswert ist in der richtigen Spielrunde, die das eigentlich flotte Vergnügen nicht durch eine über-analytische Spielweise zerdenkt. Zum Prädikat „bestes Spiel der Messe“ fehlt im Detailblick aber noch einiges an redaktioneller Arbeit, um den Spieleinstieg zu glätten und das richtige Spielverständnis zu ermöglichen. Sozusagen ein Rohdiamant, dem professionelle Schleifarbeit der unschön abstehenden Ecken und Kanten guttun würde.

Allerdings droht das Spiel vorab in der Vergessenheit zu versinken, denn unter 1st Contact werdet Ihr es nicht finden. Ihr müsst schon nach dem französischen Originalnamen 1ers Contacts suchen. Erleidet es ein vergleichbares Schicksal wie sein Fast-Namensvetter First Contact? Ich hoffe nicht, denn es wäre schade um die Spielerfahrung, die Ihr Euch nicht entgehen lassen solltet.

Terrorscape

Von: Roy
22. Dezember 2025 um 00:30

Düster, spannend und erbarmungslos – in Terrorscape werden die Spieler in eine bedrohliche Villa geworfen, in der sie sich vor einem furchteinflößenden Killer verstecken müssen. Der besondere Reiz liegt in der Asymmetrie: Einer jagt, die anderen verstecken sich, und niemand weiß genau, wo der andere gerade ist. Zwei bis vier Spieler können sich ins Abenteuer stürzen, wobei bis zu drei Überlebende gemeinsam gegen einen Killer antreten. Eine Partie dauert etwa 30 bis 60 Minuten. Die empfohlene Altersgrenze liegt offiziell bei 14 Jahren, wobei sich je nach Gruppe auch eher eine Empfehlung ab 16 Jahren anbieten würde – denn das Thema ist nichts für Zartbesaitete.

Bereits beim ersten Anblick überzeugt Terrorscape durch seine eindrucksvolle Tischpräsenz. Zwischen den Spielenden steht eine dreidimensionale Pappvilla als Sichtschutz mit integriertem Würfelturm und Ablageflächen. Diese ungewöhnliche Kulisse zieht sofort in ihren Bann und schafft eine passende Atmosphäre für das Spielgeschehen.


Spielerisch ist Terrorscape überraschend zugänglich. Die Spieler übernehmen die Rolle von Reisenden, die in einem schweren Gewitter Schutz suchen und sich plötzlich mit einem Killer konfrontiert sehen. Die Überlebenden spielen kooperativ, entweder jeder einen einzelnen Charakter oder ein Spieler mehrere. Es gilt, gemeinsam die Villa zu verlassen – entweder durch die Reparatur eines Funkgeräts oder durch das Auffinden von fünf Schlüsseln, die die Vordertür entsperren. Ist man besonders aufmerksam, lässt sich unter Umständen sogar ein Hinterausgang entdecken.

Jede Figur führt in ihrem Zug eine Aktion aus. Man kann sich bewegen, Angstmarker ablegen, Spezialaktionen ausführen, Blockaden entfernen, das Funkgerät reparieren oder nach Schlüsseln suchen. Einige dieser Aktionen verursachen Lärm – dies ist die entscheidende Information für den Killer-Spieler, um mögliche Aufenthaltsorte der Überlebenden einzugrenzen. Wird beispielsweise im Wohnzimmer eine laute Aktion ausgeführt, erhält der Killer die entsprechende Information, ohne zu wissen, wer dort aktiv war.


Nach jeder Runde zieht ein ausgewählter Überlebender zwei Karten vom Entdeckungsdeck und darf einen Gegenstand behalten. Diese Objekte können situationsbedingt sehr nützlich sein und bilden einen zusätzlichen Anreiz zum Erkunden.

Der Killer wiederum agiert über ein individuelles Kartendeck, das zu einem von drei enthaltenen Killertypen gehört: Der Schlächter ist brutal, laut und blockiert Wege. Der Mörder agiert schleichend und kann sich verdeckt bewegen. Der Geist setzt auf psychologischen Terror und bringt seine Opfer durch Angst zur Strecke. Jeder dieser Killer spielt sich grundlegend anders, was die Wiederspielbarkeit erhöht und unterschiedliche taktische Herangehensweisen ermöglicht.

Im Spielzug des Killers kommen verschiedene Kartentypen zum Einsatz. Zunächst können schnelle gelbe Fähigkeiten aktiviert werden, danach eine blaue Fähigkeit oder alternativ zwei normale Aktionen – meist Bewegung und Suche. Wird niemand gefunden, kann abschließend noch eine langsame grüne Fähigkeit ausgespielt werden. Ein zentraler Bestandteil ist die Suche nach den Überlebenden. Sobald sich der Killer in einem Raum befindet und die Aktion „Suchen“ ausführt, muss er erfragen, ob sich jemand dort aufhält. Ist das der Fall, kommt es zur Auseinandersetzung. Dabei entscheidet ein direkter Vergleich von Angriff und Verteidigung über das Ergebnis. Gelingt dem Killer ein Treffer, wird die Zielperson verletzt. Zwei Verletzungen bedeuten den sofortigen Tod – und mit dem Tod eines einzigen Überlebenden endet das Spiel zugunsten des Killers.


Die Kartenmechanik hat zusätzlich taktische Tiefe. Manche Karten müssen durch das Abwerfen anderer Karten „bezahlt“ werden. Wird das Nachziehdeck leer, wird der Ablagestapel gemischt, zugleich steigt jedoch der Level des Killers. Dadurch wird dieser mächtiger und kann unter Umständen neue, stärkere Karten seinem Repertoire hinzufügen.

Ergänzend zum Basisspiel bietet Terrorscape auch einige Varianten, die das Spielgefühl verändern. Eigenschaftskarten können einmalig aktiviert werden und verleihen beiden Seiten Sonderfähigkeiten. In der Variante „Getrennte Wege“ spielt jeder Überlebende für sich und gewinnt alleine. Noch taktischer wird es mit den Überlebensplänen: Erfüllen Überlebende bestimmte Aufgaben, dürfen sie neue Fähigkeiten freischalten – oder sogar den Killer zur Strecke bringen. Diese Varianten lassen sich auch miteinander kombinieren.

Terrorscape bringt viel Atmosphäre an den Tisch, aber nicht alles ist perfekt. Trotz stimmungsvoller Ausstattung und durchdachter Spielmechanik waren nicht alle Partien gleichermaßen spannend. Gerade beim Spielen mit dem Schlächter empfand ich es als schwierig, als Killer effektiv zum Ziel zu kommen – es sei denn, man hatte schlichtweg Glück bei der Ortung der Überlebenden. Manche Partien wirken unausgewogen, was gerade zu Beginn problematisch sein kann, wenn man als Killer die möglichen Gegenstände und Aktionen der Überlebenden (noch) nicht kennt.


Dann kann es frustrierend sein, wenn die Gegenseite Dinge tun oder erreichen kann, die sich aus Perspektive des Killers nur schwer nachvollziehen lassen.

Trotz dieser Kritikpunkte hatte ich immer wieder Lust auf weitere Runden. Die Abwechslung durch verschiedene Killer, die Sondervarianten und die unterschiedlichen Fähigkeiten der Überlebenden sorgen für langfristige Motivation. Wer noch mehr Tiefe sucht, bekommt mittlerweile auch Erweiterungen – ein zweiter Teil ist ebenfalls angekündigt.

Das Spielmaterial ist insgesamt gelungen, die Ausstattung unterstreicht die thematische Immersion. Eine große Ausnahme bildet allerdings der beigelegte Würfelturm. Die Idee, ihn in das große 3D-Element einzubauen, ist hervorragend. Die Umsetzung hingegen ist misslungen. Häufig bleiben Würfel stecken und kommen nicht heraus – was Schütteln, Klopfen oder Nachwürfeln nötig macht. Im schlimmsten Fall muss der Turm aus dem Sichtschirm entfernt werden, um die Würfel zu befreien. Für ein Spiel mit dieser Ausstattung ist das schlicht eine Fehlkonstruktion. Ich persönlich nutze künftig einen Würfelteller.

Terrorscape ist kein Spiel, das regelmäßig auf den Tisch muss – aber eines, das in unregelmäßigen Abständen immer wieder Spaß macht, sobald man bereit ist, sich erneut in die düstere Villa zu wagen. Die Regeln sind eingängig genug, um nach einer längeren Pause schnell wieder ins Spiel zu finden. Dank Atmosphäre, stimmiger Gestaltung und abwechslungsreichem Gameplay wird es seinen festen Platz in meinem Regal behalten – auch wenn es kein durchweg perfektes Spiel ist. Das Potenzial und die erzählerische Kraft sind dennoch groß.

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Terrorscape von Jeffrey CCH
Erschienen bei Grimspire
Für 2-4 Spieler in ca. 30-45 Minuten ab 14 Jahren
sämtliche Bilder sind von uns selbst erstellt oder vom jeweiligen Pressematerial des Verlages (hier Grimspire)

Orapa

Von: Daniel
12. Dezember 2025 um 00:30


In der Orapa-Mine im Norden Botswanas liegt eines der größten Diamantenvorkommen der Welt. Ein geheimnisvoller Ort tief unter der Erde, voller reflektierender Kanten, toter Winkel und versteckter Edelsteine. Genau hier ist das (vollkommen abstrakte) Orapa angesiedelt, ein Zwei-Personen-Deduktionsspiel, das wie eine Mischung aus Schiffeversenken, Logikrätsel und Farbcode-Entschlüsselung funktioniert.

Spielablauf: Echos im Untergrund

In Orapa haben die beiden Spielenden ein eigenes Minentableau, auf dem geheim fünf verschiedenfarbige Edelsteine platziert werden, ähnliche wie bei Schiffeversenken. Ziel ist es, die exakte Form und Position der Edelsteine im Tableau des Gegenübers zu rekonstruieren.


Dazu stehen zwei Aktionen zur Verfügung. Bei einem direkten Scan nenne ich ein einzelnes Feld (z. B. C4) und erfahre die dort sichtbare Farbe, wenn dort ein Edelstein liegt. Mit einem Schallwellenscan hingegen sende ich eine Welle von einem der Randpunkt ins gegnerische Raster. Die Welle wird von Edelsteinen reflektiert oder umgelenkt, je nach Auftreffwinkel, und tritt an einer anderen Stelle in einer bestimmten Farbe wieder aus. Diese Rückmeldung notiere ich auf meinem Forschungsbogen.


Farben entstehen durch die Reflexion an einem oder mehreren Edelsteinen, die in weiß, gelb, blau und rot vorhanden sind und dann auch in deren Mischungen, also z.B. orange, grün, hellblau oder auch schwarz reflektiert werden können. Wer glaubt, das gesamte Muster erkannt zu haben, kann einen Lösungsversuch wagen. Stimmen alle Edelsteinpositionen, ist das Spiel gewonnen.

Kompakt, herausfordernd, belohnend

Der große Reiz von Orapa liegt in der Kombination aus einfachen Regeln und komplexem Denkprozess. Das Grundprinzip ist schnell erklärt und trotzdem fühlt man sich in den ersten Zügen leicht überfordert. Was sagt mir ein grüner Austritt in E mit Start in A aus? Sie muss das gelbe und das blaue Teil getroffen haben, aber wie sie liegen und ich mir das notieren soll, keine Ahnung!

Mit der Zeit aber wächst die Sicherheit und damit auch der Reiz. Die eigene Logik füllt sich mit Linien und Farben. Wenn sich dann endlich ein Muster erschließt und damit auch andere Scans plötzlich Sinn ergeben, fühlt sich das extrem belohnend an. Sehr hilfreich ist dabei auch die Farbtabelle auf dem Sichtschirm, die alle Mischfarben und ihre Komponenten zeigt.


Kleines Manko bei der Vorstellungskraft

Ein zusätzlicher Satz der Edelsteinformen zum physischen Herumschieben auf dem eigenen Block hätte jedoch enorm geholfen. Die Edelsteine haben unterschiedliche Winkel und Flächen, und gerade in der Schlussphase wäre es hilfreich, taktil mit Formen zu arbeiten, statt sich alles rein visuell vorstellen und einzeichnen zu müssen.

Die zwei optionalen Edelsteine bieten zusätzliches Potenzial für Fortgeschrittene und erhöhen die Komplexität auf Wunsch spürbar. Der schwarze Körper absorbiert Schall und der transparente Stein reflektiert, aber färbt nicht. Für mich reicht da aber das Grundspiel vollkommen aus für ein befriedigendes Spielerlebnis.

Fazit: logische Deduktion in Reinform

Orapa ist ein ungewöhnliches und extrem fokussiertes Zweipersonenspiel, das zu meinen Highlights des Jahrgangs gehört. Wer sich auf das Gehirnjogging einlässt, erlebt einen echten Diamanten.
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Orapa von Junghee Choi und Wanjin Gill
Erschienen bei Nice Game Publishing
Für 2(-5) Spielende in ca. 20 Minuten ab 8 Jahren

sämtliche Bilder sind von uns selbst erstellt oder vom jeweiligen Pressematerial des Verlages (hier Nice Game Publishing)

Orapa

31. Oktober 2025 um 16:00

Nice Game Publishing, Playte, 2025
Autoren: Junghee Choi, Wanjin Gill
2–4 Spieler:innen, ab 8 Jahre, 20 Minuten

Tief unter der Erde liegen Edelsteine verborgen und ihr seid das Team, das sie finden soll. In „Orapa“ schlüpft ihr in die Rolle von Teams in einer Diamantenmine: Eine Person legt heimlich Formen in eine Mine, die anderen müssen durch geschicktes Fragen und Kombinieren herausfinden, wo welche Steine liegen. Das Thema ist keine hochdramatische Expedition, sondern ein charmantes Puzzle-Setting. Ihr fühlt euch wie Expert:innen, die mittels Ultraschall nach Mustern suchen. Der Name verweist auf die reale Orapa Mine in Botswana, eine der größten Diamantenminen der Welt. „Orapa“ verbindet klares Deduktionsdenken mit einer leicht humorvollen Werkstatt-Atmosphäre, die Familien und Gelegenheitsspieler:innen schnell abholt.

„Orapa“ ist ein schnelles Deduktionsspiel, leicht gelernt und schnell gespielt. Eine Runde läuft so: Eine Spielleitung platziert heimlich Tangram-ähnliche Teile auf einem Raster. Die anderen stellen reihum Fragen, kombinieren Hinweise und versuchen, die Positionen korrekt zu rekonstruieren. Der Ablauf ist einfach zu erfassen, die Regeln kompakt, zugleich verlangt das Spiel präzises räumliches Vorstellungsvermögen und logisches Ausschließen. Es gibt Varianten für verschiedene Spielerzahlen und Schwierigkeitsgrade, sodass ihr sowohl kurze Duelle als auch längere Gruppenpartien spielen könnt. Insgesamt fühlt sich „Orapa“ wie ein intelligentes Knobelspiel an: kurz, konzentriert und mit befriedigenden Aha-Momenten, wenn eine Kombination plötzlich Sinn ergibt.

„Orapa“ überzeugt mit klarer Idee und schnell greifbaren Mechaniken. Die Deduktion steht im Vordergrund. Glück spielt kaum eine Rolle, was strategisch orientierte Spieler:innen freut, Gelegenheitsspieler:innen aber manchmal abschrecken kann, wenn sie weniger räumlich begabt sind. Material und Verarbeitung sind ordentlich: stabile Pappteile und ein praktisches Ablagebrett sorgen für Langlebigkeit und sauberen Spielablauf. Die Illustrationen sind funktional und stimmig, ohne übertriebenen Schnickschnack. Für Familien und Kennerspieler:innen, die kürzere, fordernde Spiele mögen, ist „Orapa“ eine lohnende Ergänzung. Wer reinen Party-Spaß ohne Denkarbeit sucht oder sehr große Gruppen unterhalten will, lässt es lieber im Regal liegen. Ein schlankes, clever konstruiertes Deduktionsspiel mit hohem Wiederspielwert für Spieler:innen, die Freude an logischen Herausforderungen haben.

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