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Wildwuchs

10. April 2026 um 16:00

Kosmos, 2025
Autor:innen: Kasper Lapp
2-5 Spieler:innen, ab 10 Jahre, 30 Minuten

Ihr nehmt euch eine Blume, setzt einen Samen ein und auf einmal wächst nicht nur eure Wiese, sondern auch die der anderen mit. Genau dieses gemeinsame Aufblühen macht „Wildwuchs“ sofort greifbar. Das Thema ist eine bunte Wildblumenwiese, die im Lauf der Partie tatsächlich vor euch entsteht, weil fertige Blumen in kleine 3D-Aufsteller gesteckt werden. Statt abstrakter Punktejagd schaut ihr am Ende auf ein Beet, das sichtbar voller, höher und farbiger geworden ist. Autor Kasper Lapp und Illustrator Fachri Maulana verbinden ein zugängliches Naturthema mit einem sehr einladenden Look. Dazu kommen echte Pflanzenarten und passende Insektenmotive, was dem Ganzen mehr Charakter gibt als ein bloß dekoratives Blumenmotiv. Für ein Familienspiel ist das überraschend einprägsam.

Im Kern ist dieses Spiel angenehm klar. In eurem Zug nehmt ihr eine ausliegende Blume und legt sie vor euch ab. Entscheidend ist dann nicht die gezogene Blume selbst, sondern das frei gewordene Farbfeld auf dem Plan. Diese Farbe löst Wachstum bei allen aus, die entsprechende Blumen besitzen. Danach kommen die Effekte ins Spiel. Bienen beschleunigen einzelne Blumen, Ameisen bündeln Wachstum auf einer Pflanze, Schmetterlinge helfen den höchsten, Raupen den niedrigsten Blumen und andere Symbole sorgen für Zusatzblumen oder kleine Kettenreaktionen. Das Schöne daran ist, dass fast immer etwas passiert und ihr ständig mitdenkt, auch wenn jemand anderes am Zug ist. Die Regelseite bleibt überschaubar, aber in der Partie entstehen überraschend viele kleine Abwägungen. Nehmt ihr jetzt die Farbe, die euch sofort hilft, oder öffnet ihr damit einer anderen Person eine noch bessere Vorlage?

Was bei „Wildwuchs“ besonders überzeugt, ist der Spielfluss. Die Wartezeit bleibt niedrig, weil alle am Wachstum beteiligt sind und die Züge schnell bleiben. Das Spiel ist damit klar im Bereich Familienspiel, mit genug taktischer Würze für erfahrene Runden, aber ohne die Hürde eines schweren Kennerspiels. Die Spannung entsteht weniger aus großer Konfrontation als aus wachen Blicken auf die Auslage und aus dem richtigen Moment für kleine Kombos. Wer sehr direkte Gemeinheiten, maximale Planungskontrolle oder lange Grübelzüge sucht, wird hier eher nicht fündig. Manches hängt vom Nachziehen und von der aktuellen Auslage ab und genau darin liegt auch eine kleine Reibung.
Für strategische Perfektionist:innen kann das bisweilen zu locker sein. Beim Material hinterlässt „Wildwuchs“ einen starken Eindruck. Die Blumenformen sind auffällig, die Farben freundlich, die Symbolik nach kurzer Eingewöhnung gut lesbar und die 3D-Wiesen geben dem Tisch echte Präsenz. Holzsteine für Samen und Insekten passen haptisch gut zum Thema. Dass die Blumen und Aufsteller aus Pappe bestehen, ist völlig üblich, nur bei häufigem Spielen mit jüngeren Händen dürfte man ein wenig auf Knicke achten. Insgesamt wirkt das aber liebevoll produziert und erfreulich charaktervoll. Wenn ihr kurze, interaktive Aufbauspiele mit schöner Tischwirkung mögt, werdet ihr hier viel Freude haben. Für Gruppen, die entspanntes Tüfteln mit ständiger Beteiligung suchen, ist dieses Spiel besonders geeignet.

Linie 1

27. März 2026 um 16:00

Goldsieber Spiele, 1995
Autor: Stefan Dorra
2-5 Spieler:innen, ab 10 Jahre, 45-60 Minuten

Ihr sitzt vor einem leeren Stadtplan, habt eure geheimen Zielhaltestellen auf der Hand und versucht, mitten im entstehenden Straßenbahnnetz genau die eine Verbindung zu schaffen, die nur für euch perfekt ist. Genau daraus zieht „Linie 1“ bis heute seinen Reiz. Dabei tüftelt ihr nicht an getrennten Strecken, sondern an einem gemeinsamen Netz, das alle nutzen und zugleich gegeneinander verbiegen. Das Thema ist angenehm greifbar, weil jede Partie wie ein kleines Verkehrsprojekt mit versteckten Absichten wirkt. Statt großer Simulation bekommt ihr ein Familienspiel, in dem Planen, Beobachten und leichtes Täuschen zusammenkommen.

Der Ablauf teilt sich in zwei deutlich verschiedene Hälften. Zuerst legt ihr reihum Schienenplättchen in ein gemeinsames Netz, ergänzt Lücken, tauscht passende Teile aus und versucht, eure eigene Route unauffällig fertigzubauen. Das ist der stärkere Teil des Spiels, weil hier ständig kleine Fragen im Raum stehen. Baue ich an meiner Strecke weiter, blockiere ich euch an einer wichtigen Stelle oder tarne ich meine Absicht noch eine Runde länger? Sobald jemand die eigene Verbindung vollendet, beginnt für diese Person schon die Einweihungsfahrt, während andere noch bauen. Genau das bringt Abwechslung, kann aber auch kippen, weil Nachzügler:innen in Phase eins spürbar ins Hintertreffen geraten. Die zweite Phase lebt dann vom Abfahren der Strecke und war in der Erstauflage stark vom einzelnen Würfel geprägt. Spätere Ausgaben haben das mit drei Symbolwürfeln variabler gestaltet, was die Schlussphase merklich auflockert.

Was „Linie 1“ gut kann, ist Spannung aus verdeckten Zielen und einem gemeinsam verbauten Plan zu ziehen. Wenn plötzlich klar wird, warum jemand seit drei Zügen um genau dieselbe Kreuzung kreist, entstehen schöne Aha Momente. Die Interaktion bleibt aber recht schmal und äußert sich oft vor allem im Ärgern, Blockieren und späteren Flicken der eigenen Strecke. Dazu kommt eine spürbare Downtime, gerade wenn viele am Tisch sitzen. Die Einweihungsfahrt der 1995er Ausgabe kann sich ziehen und wirkt gegenüber der Bauphase deutlich zufälliger. Beim Material merkt ihr dem Spiel sein Alter an. Der Inhalt ist funktional, aber weder besonders üppig noch hochwertig und die große Schachtel wirkt für das wenige Material ziemlich überdimensioniert. Die Gestaltung der Erstauflage ist übersichtlich und charismatisch 90er, haptisch jedoch eher zweckmäßig. Gerade digital auf Board Game Arena funktioniert das alles heute erstaunlich gut. Das ist eine eigene Einordnung, aber aus meiner Sicht federt die Umsetzung Wartezeiten und Verwaltungsaufwand deutlich ab. Für Familien und Gelegenheitsspieler:innen mit Freude an Streckenbau und gegenseitigem Stören ist „Linie 1“ weiterhin interessant. Wer flüssige Abläufe, starke Materialanmutung oder viel Einfluss bis zum Schluss sucht, wird eher reserviert bleiben. Wenn ihr alte Goldsieber Titel mit Ecken und Kanten mögt, werdet ihr hier durchaus Freude haben.

Flip 7 – Voll fies!

20. März 2026 um 16:00

Kosmos, 2025
Autor:innen: Eric Olsen und Alyssa Swatek
3–28 Spieler:innen, ab 8 Jahre, 20 Minuten

Die Runde ist angespannt, alle schauen auf eure Karten. Ihr habt schon einiges gesammelt, ein weiterer Zug könnte euch deutlich nach vorne bringen. Doch genau hier liegt die Gemeinheit von „Flip 7 – Voll fies!“. Ihr wisst, dass ein einziger falscher „Flip“ alles zerstören kann. Und trotzdem juckt es euch in den Fingern. Dieses Spiel greift die Grundidee des Vorgängers „Flip 7“ auf, dreht die Schraube aber spürbar an. Statt euch vor allem mit eurem eigenen Risiko zu konfrontieren, mischt euch diese Version aktiv ineinander ein. Neue Kartentypen sorgen dafür, dass ihr euch nicht mehr nur selbst im Blick behalten müsst, sondern ständig auch die Mitspieler:innen. Das Spielgefühl verschiebt sich dadurch von einem eher solitären Abwägen hin zu einem kleinen Schlagabtausch am Tisch.

Der Ablauf bleibt vertraut. Ihr deckt Karten auf, sammelt Punkte und entscheidet euch immer wieder, ob ihr aussteigt oder weiterzieht. Doch die neuen Karten bringen frischen Wind in genau diese Entscheidungen. Einige Karten greifen direkt in fremde Auslagen ein. Ihr könnt Mitspieler:innen zwingen, zusätzliche Risiken einzugehen, ihre sichere Position zu verlassen oder ihnen gezielt eine unangenehme Karte zuschieben. Andere Effekte drehen an euren eigenen Möglichkeiten, etwa indem ihr besser planen könnt oder kurzfristig mehr Kontrolle bekommt. Dadurch entstehen deutlich mehr Situationen, in denen ihr nicht nur euer Glück kalkuliert, sondern aktiv Chancen nutzt, um andere auszubremsen. Gerade dieser Unterschied zum Grundspiel wird schnell spürbar. Während ihr im Original oft für euch selbst entscheidet, entsteht hier ein ständiges Hin und Her. Ihr überlegt nicht nur, ob ihr noch eine Karte nehmt, sondern auch, wer gerade gefährlich nah am Sieg ist und wie ihr das verhindern könnt. Typisch ist eine Szene, in der jemand scheinbar sicher aussteigen will und plötzlich durch eine Effektkarte wieder ins Risiko gedrängt wird. Oder ihr nutzt genau den richtigen Moment, um eine führende Person aus dem Tritt zu bringen. Diese Eingriffe machen die Partie unberechenbarer, aber auch deutlich lebendiger.

„Flip 7 – Voll fies!“ punktet vor allem mit diesen neuen Karten und ihren Auswirkungen. Sie verändern das Spiel nicht nur oberflächlich, sondern geben ihm eine andere Dynamik. Die Spannung entsteht nicht mehr allein aus dem eigenen Risiko, sondern aus der Interaktion am Tisch. Ihr seid ständig aufmerksam, reagiert auf die anderen und nutzt Gelegenheiten, wenn sie sich bieten. Die Mechanismen wirken dabei erstaunlich rund. Trotz der zusätzlichen Effekte bleibt das Spiel schnell und zugänglich. Die neuen Karten sind leicht verständlich, entfalten aber genug Wirkung, um jede Partie anders verlaufen zu lassen. Besonders gelungen ist, dass sie gezielt Spannung erzeugen, ohne das Spiel unnötig zu verkomplizieren. Das Material überzeugt mit solider Qualität. Die Karten sind gut lesbar, die Symbole verständlich, und die Gestaltung unterstützt den schnellen Spielfluss. Im Vergleich zum Vorgänger wirkt alles etwas lebendiger, ohne unübersichtlich zu werden. Natürlich bringt die stärkere Interaktion auch mehr Reibung. Wer lieber in Ruhe vor sich hin spielt, könnte die gezielten Eingriffe als störend empfinden. Auch der Glücksfaktor bleibt präsent, wird durch die neuen Karten aber eher verstärkt als abgeschwächt. Am Tisch entsteht eine deutlich intensivere Stimmung als im Original. Es wird mehr geredet, mehr gelacht und auch mehr gestichelt. Gerade die Momente, in denen jemand kurz vor dem sicheren Punktestand noch einmal ins Risiko gezwungen wird, sorgen für Emotionen und Gesprächsstoff. Für Familien, Gelegenheitsspieler:innen und gesellige Runden ist dieses Spiel eine sehr gute Wahl. Besonders Gruppen, die Interaktion und kleine Gemeinheiten mögen, werden hier auf ihre Kosten kommen. Wer das ruhigere Grundspiel bevorzugt, sollte wissen, dass diese Version deutlich konfrontativer ist. Wenn ihr schnelle Kartenspiele mit direkter Einflussnahme mögt, werdet ihr hier viel Freude haben. Für Gruppen, die sich gerne gegenseitig herausfordern und dabei lachen können, ist dieses Spiel besonders geeignet.

Massenweise Monster

13. März 2026 um 16:00

Lookout Spiele, Asmodee, 2026
Autor: Michael Luu
2-5 Spieler:innen, ab 10 Jahre, 20 Minuten

Stellt euch vor, tief unter der Erde ist es den Monstern langweilig geworden. In einer verlassenen Mine beschließen sie deshalb, etwas Unterhaltung zu schaffen. Eine gruselige Geisterbahn soll her, mit wilden Kurven, knarrenden Strecken und möglichst vielen schaurigen Kreaturen entlang der Strecke. Genau hier setzt „Massenweise Monster“ an. In diesem charmant illustrierten Legespiel helft ihr einer bunten Monstertruppe dabei, eine möglichst beeindruckende Geisterbahn durch den Stollen zu bauen. Auf euren persönlichen Spielplänen entsteht Stück für Stück eine Strecke, auf der sich unterschiedlichste Kreaturen tummeln. Skelette, Fledermäuse, Schleime und viele weitere Wesen haben dabei alle ihre eigenen Vorlieben. Manche mögen Gesellschaft, andere fühlen sich lieber allein wohl. Eure Aufgabe besteht darin, ihre Wünsche möglichst geschickt unter einen Hut zu bringen. Das Thema wirkt bewusst verspielt und leicht schräg. Statt düsterer Horroratmosphäre erwartet euch eine humorvolle Monsterwelt mit niedlichen Illustrationen. Dadurch wirkt das Spiel sofort zugänglich und lädt auch weniger erfahrene Spieler:innen ein, sich an das Puzzle zu wagen.

In einer Partie baut jede Person auf ihrem eigenen Tableau eine kleine Geisterbahn aus neun Plättchen. Diese werden nach und nach in mehreren Runden ausgewählt und in ein Raster gelegt. Jedes Plättchen zeigt Gleisstücke und eine Auswahl an Monstern. Ziel ist es, eine möglichst punktreiche Kombination zu erschaffen. Der Kniff liegt in der Auswahl der Plättchen. Die Teile werden nach und nach aufgedeckt. Ihr könnt sie sofort nehmen oder erst einmal warten und hoffen, dass etwas Besseres auftaucht. Dadurch entsteht ein kleines taktisches Abwägen. Greift ihr jetzt zu oder riskiert ihr, dass euch jemand anderes das passende Teil wegschnappt? Beim Einbauen der Plättchen dreht sich vieles um die unterschiedlichen Monsterarten. Einige bringen Punkte, wenn sie in Gruppen auftreten, andere möchten nicht direkt neben ihresgleichen liegen. Wieder andere profitieren von bestimmten Streckenformen oder von Symbolen auf den Plättchen. Gleichzeitig soll eure Geisterbahn möglichst sinnvoll verbunden sein, denn auch durchgehende Strecken und Türen am Rand bringen Punkte. Am Ende der Partie zählt ihr eine ganze Reihe verschiedener Wertungen zusammen. Wer die Monsterwünsche am besten erfüllt und gleichzeitig eine clevere Streckenführung gebaut hat, gewinnt.

„Massenweise Monster“ fühlt sich am Tisch wie ein lockeres Denkspiel an, das sich schnell erklärt und zügig spielt. Eine Partie dauert meist rund zwanzig Minuten und bleibt dadurch angenehm kurz. Die Entscheidungen sind trotzdem überraschend spannend, weil ihr ständig abwägen müsst, ob ihr ein gutes Plättchen sofort nehmt oder auf eine bessere Gelegenheit hofft. Besonders gefällt die Vielfalt der Monsterwertungen. Jedes Wesen bringt eine andere kleine Aufgabe mit. Dadurch entsteht ein Puzzle, bei dem ihr mehrere Ziele gleichzeitig verfolgen müsst. Trotz der einfachen Grundregeln entsteht so ein angenehmes Maß an Grübelei. Die Interaktion bleibt allerdings eher indirekt. Ihr beobachtet zwar, welche Plättchen die anderen gebrauchen könnten, aber echte direkte Eingriffe gibt es kaum. Wer stark auf gegenseitiges Ärgern oder taktische Konfrontation steht, könnte das Spiel deshalb etwas ruhig finden. Sehr gelungen ist die Gestaltung. Die Illustrationen sind bunt, freundlich und voller kleiner Details. Die Monster wirken eher knuffig als gruselig, was gut zur lockeren Atmosphäre passt. Die Plättchen sind stabil und liegen angenehm in der Hand. Insgesamt macht das Material einen langlebigen Eindruck. Durch die kurze Spieldauer und die einfachen Regeln eignet sich das Spiel besonders gut für Familien, Gelegenheitsspieler:innen und Runden, die ein schnelles Denkspiel für zwischendurch suchen. Auch als Einstieg in Legespiele funktioniert es hervorragend. Vielspieler:innen könnten sich hingegen etwas mehr strategische Tiefe wünschen. Am Tisch entsteht meist eine Mischung aus konzentriertem Puzzeln und kleinen Momenten der Schadenfreude, wenn jemandem genau das perfekte Plättchen vor der Nase weggenommen wird. Wenn ihr kurze, zugängliche Denkspiele mögt und Spaß daran habt, ein kleines Monsterchaos möglichst effizient zu ordnen, werdet ihr mit „Massenweise Monster“ viel Freude haben.

Back Tales: Verschollen unterm Eis

06. Februar 2026 um 16:00

Ravensburger, 2025
Autoren: Jules Messaud, Anthony Perone
1–6 Spieler:innen, ab 10 Jahre, 60 Minuten

Mit „Back Tales: Verschollen unterm Eis“ entführt euch ein narrativ geprägtes, kooperatives Kartenspiel in eine packende Geschichte voller Geheimnisse und Entscheidungen. Ihr schlüpft gemeinsam in die Rolle von Sophie, die sich auf einer alpinen Rettungsmission befindet, um ihren verschwundenen Bruder zu finden. Die Suche führt euch auf den schneebedeckten Gipfel des Mont Blanc, wo sich Hinweise auf ein lange verschollenes Schatzgeheimnis verbergen. Die Atmosphäre ist dicht und erzählerisch, die Illustrationen unterstützen das Gefühl, als würdet ihr gemeinsam einem spannenden Mystery-Roman folgen, bei dem jede Entscheidung den Verlauf beeinflussen kann. Dieses erzählerische Element hebt das Spiel klar von klassischen Familienspielen ab, ohne dabei zu komplex zu werden.

In einer Partie von „Back Tales: Verschollen unterm Eis“ arbeitet ihr euch durch einen Kartensatz mit über 120 Szenenkarten, die die Geschichte Schritt für Schritt entfalten. Jeder Spielerzug besteht darin, Entscheidungen zu treffen und passende Aktionskarten auf bestimmte Bereiche einer Panoramakarte zu legen. Diese Aktionskarten besitzen Fenster und Aussparungen, durch die ihr nach dem Umdrehen neue Informationen oder Konsequenzen einsehen könnt. Auf diese Weise interagiert ihr mit Personen, untersucht Orte und nutzt Gegenstände, um in der Erzählung voranzukommen. Eure Entscheidungen sind nicht nur kosmetisch: Sie öffnen neue Pfade im Narrativ und können zu unterschiedlichen Enden führen. So entsteht ein gewisser „Point-and-Click-Adventure“-Effekt, der gemeinsam am Tisch erkundet wird. Trotz narrativer Tiefe bleibt das Regelwerk überschaubar, der Spielablauf geschmeidig und für Neulinge gut zugänglich.

Im Spiel überzeugt vor allem die dichte Erzählstruktur und das Gefühl, Teil einer Geschichte zu sein. Die Mechanik mit den speziellen Karten sorgt für ein eigenes Spielerlebnis und lässt euch Entscheidungen tatsächlich spüren. Die Illustrationen und das Material wirken solide und hochwertig, die Karten lassen sich gut handhaben und tragen zur Immersion bei. Die Interaktion zwischen den Spieler:innen entsteht durch gemeinsame Entscheidungsfindung, was das Spiel zu einem angenehmen Erlebnis für Gruppen ab zwei Personen macht, aber auch Solo-Partien nicht ausschließt. Die Spieldauer von rund einer Stunde wirkt angemessen und lässt Raum für intensives Erleben ohne unnötige Längen. Kritikpunkte finden sich im narrativen Aufbau, der stellenweise etwas konstruiert wirkt und darin, dass die erzählerische Tiefe manchen ambitionierten Spieler:innen vielleicht nicht genug Rätsel- oder Taktikanteil bietet. Die Wiederspielbarkeit ist durch die variablen Pfade zwar gegeben, aber nicht extrem hoch, da manche Szenen schnell bekannt sind. Insgesamt eignet sich dieses Spiel hervorragend für Familienrunden, Gelegenheitsspieler:innen und alle, die Lust auf eine atmosphärische, kooperative Geschichte haben. Als Einstieg in narrative Spiele für eure Sammlung ist es sehr empfehlenswert, für Vielspieler:innen mit Fokus auf komplexe Mechanismen aber eher ein netter Ausflug als dauerhafter Favorit.

Ich habe fertig

23. Januar 2026 um 16:00

Pegasus Spiele, 2024
Autor: Marco Teubner
2–5 Spieler:innen, ab 8 Jahre, 5–20 Minuten

„Ich habe fertig“ ist ein ungewöhnliches, humorvolles Kartenspiel, das ganz bewusst mit klassischen Mechanismen bricht und stattdessen auf Chaos und spontane Wendungen setzt. Thematisch gibt es keine ausgearbeitete Welt oder komplexe Hintergrundgeschichte, sondern ihr findet euch direkt in einem kurzweiligen Wettlauf wieder: Ziel ist es, die drei Karten mit den Worten „ICH“, „HABE“ und „FERTIG“ vor euch auszulegen und damit den Satz „ICH HABE FERTIG“ zu vervollständigen. Dieser Name ist Programm und verleiht dem Spiel eine absurde, ironische Stimmung, die besonders dann zur Geltung kommt, wenn eure Gegner:innen alles daran setzen, euch daran zu hindern. Das Artwork trägt ebenfalls stark zur Stimmung bei. Statt einer einheitlichen Illustration hat dieses Spiel über 70 Karten, die von rund 30 verschiedenen Künstler:innen gestaltet wurden, so dass jede Karte ihre eigene visuelle Geschichte erzählt und zum Schmunzeln oder Stirnrunzeln einlädt. Die Atmosphäre ist locker, witzig und ein wenig anarchisch, ideal für alle, die sich nicht von tiefen taktischen Systemen einschüchtern lassen, sondern einfach eine kurzweilige Runde mit unerwarteten Momenten suchen.

Der Ablauf in „Ich habe fertig“ ist denkbar unkompliziert: Ihr beginnt mit einem gemischten Stapel aus allen Karten. In eurem Zug stehen euch genau zwei Aktionen zur Verfügung. Entweder zieht ihr eine neue Karte, um euren Vorrat zu vergrößern, oder ihr spielt eine Karte aus eurer Hand aus und führt die darauf stehende Aktion aus. Ganz simpel und doch überraschend wirkungsvoll ist es, dass fast jede Karte eine spezielle Wirkung hat, die das Spielgeschehen durcheinanderwirbelt. Manche Karten lassen euch zum Beispiel alle Handkarten mischen und neu verteilen, andere zwingen euch dazu, Karten an Mitspielende abzugeben oder gar schon ausgespielte Karten wieder zu entfernen. Dadurch ergibt sich eine Dynamik, in der Planung nur eine untergeordnete Rolle spielt. Vielmehr bestimmt der zufällige Kartenziehstapel, wie sehr ihr eure Mitspieler:innen ausbremsen, unterstützen oder schlicht überraschen könnt. Runden sind kurz, oft in wenigen Minuten vorbei, und es entsteht ein ständiger Wechsel zwischen Glück, Ärger und Gelächter.

Beim Spielerlebnis überzeugt „Ich habe fertig“ vor allem durch seine zugängliche Spielweise und den hohen Unterhaltungswert. Die kurzen Partien sorgen dafür, dass ihr das Spiel immer wieder auf den Tisch bringen könnt, ohne dass es sich zieht, und die vielen unterschiedlichen Karteneffekte garantieren, dass keine Runde der nächsten gleicht. Die Interaktion ist hoch, allerdings mehr im Sinne von chaotischer Beeinflussung als durch strategisches Gegeneinander. Ein klarer Vorteil liegt in der leichten Erlernbarkeit der Regeln, die selbst für Gelegenheitsspieler:innen oder Familien mit jüngeren Mitspielenden sofort verständlich sind. Genau hier liegt aber auch ein Punkt, an dem es hakt. Wer tiefere strategische Entscheidungen, langfristige Planung oder ernsthaften Wettbewerb sucht, wird bei diesem Spiel schnell an seine Grenzen stoßen. Nach einigen Partien hat man viele der Karten schon gesehen und der Überraschungseffekt lässt nach. Das Material ist schlicht, die Gestaltung der Karten reizvoll und vielfältig, ohne aber den Anspruch zu erheben, ein hochwertiges Premiumprodukt zu sein. Die Verarbeitung wirkt solide genug für viele Spieleabende, allerdings ist die Attraktivität eher von der humorvollen Illustration als von Haptik oder Detailreichtum geprägt. Insgesamt eignet sich dieses Spiel besonders als Party- oder Familienspiel für zwischendurch und als lockere Absacker-Runde nach längeren Sessions. Für Vielspieler:innen mit Hang zu anspruchsvollen Kennerspielen ist es eher weniger geeignet. Abschließend lässt sich sagen, dass „Ich habe fertig“ dort glänzt, wo es sein will: als kurzweiliges, fröhliches Kartenspiel mit Überraschungseffekten und viel Interaktion für gesellige Abende. Wer sich darauf einlässt, wird oft lachen und selten vor Langeweile gähnen.

Hitster: Music Bingo

02. Januar 2026 um 16:00

Jumbo, 2024
Autor: Marcus Carleson
2–10 Spieler:innen, ab 16 Jahre, 30 Minuten

Musik verbindet, weckt Erinnerungen und sorgt fast automatisch für gute Laune. Genau darauf baut dieses Spiel auf. Ihr bewegt euch thematisch mitten in eine fröhliche Karaoke- und Tanzflächenatmosphäre, in der bekannte Songs, spontane Mitsingmomente und kollektives Rätselraten im Mittelpunkt stehen. Statt klassischem Musikquiz oder reinem Bingo verbindet dieses Spiel beide Welten und schafft damit einen Rahmen, der sofort zugänglich ist. Die Stimmung ist locker, laut und gesellig, oft begleitet von Gelächter, Diskussionen über Erscheinungsjahre und dem einen Ohrwurm, der den ganzen Abend bleibt. Besonders reizvoll ist dabei, dass musikalisches Vorwissen hilft, aber nicht zwingend nötig ist. Auch wer einfach nur Spaß an Musik und gemeinsamen Momenten hat, fühlt sich hier schnell abgeholt.

Zu Beginn wird die zentrale Discokugel vorbereitet, was beim ersten Mal etwas Fingerspitzengefühl erfordert. Danach läuft der Ablauf angenehm flüssig. Eine:r dreht die Kugel, die dann eine der Kategorien anzeigt. Mal müsst ihr das Jahrzehnt kennen, mal den Interpreten. Der zweiseitige Spielplan hat dabei unterschiedliche Schwierigkeitsstufen. Gespielt wird dann wie beim klassischen „Hitster“. Songs werden über eine App abgespielt, meist in kurzen Sequenzen, und ihr entscheidet gemeinsam oder gegeneinander, wie gut ihr die Titel erkennt und richtig zuordnet. Die Verbindung zum Bingo entsteht durch das Abstreichen passender Felder, während ihr versucht, Reihen oder bestimmte Muster zu vervollständigen. Entscheidungen sind schnell getroffen, Downtime entsteht praktisch nicht und jede Runde fühlt sich leicht anders an, abhängig davon, wer gerade musikalisch glänzt oder überrascht wird. Schön ist, dass sich dieses Spiel problemlos mit Karten aus anderen Sets kombinieren lässt, wodurch sich Abwechslung und Schwierigkeitsgrad flexibel an eure Runde anpassen lassen.

Als Partyspiel überzeugt „Hitster: Music Bingo“ vor allem durch seine perfekte Spieldauer. Eine Partie zieht sich nicht, sondern endet genau dann, wenn die Energie am Tisch ihren Höhepunkt erreicht. Die Interaktion ist hoch, weil ihr ständig reagiert, mitratet und euch gegenseitig kommentiert. Positiv fällt auch die Materialqualität auf, die stabil wirkt und dem häufigen Einsatz standhält. Optisch ist alles klar gestaltet und gut lesbar. Weniger gelungen ist, dass keine gedruckte Spielregel beiliegt, was gerade für Neulinge irritierend sein kann, auch wenn die Online-Regel schnell gefunden ist. Die App ist zentral für das Erlebnis, zeigt aktuell aber noch kleinere Schwächen, etwa wenn einzelne Modi nicht zuverlässig die vorgesehenen Musikausschnitte abspielen. Das kann den Spielfluss kurz stören, wird aber durch den allgemeinen Spaßfaktor meist aufgefangen. Insgesamt eignet sich dieses Spiel hervorragend für Familienrunden, Freundeskreise und Partys, weniger jedoch für Gruppen, die strategische Tiefe suchen. Wenn ihr Musik liebt, unkomplizierte Unterhaltung schätzt und gerne gemeinsam lacht, bekommt ihr hier ein sehr rundes Gesamtpaket.

7 Wonders Dice

26. Dezember 2025 um 16:00

Repos Production, Asmodee, 2025
Autor: Antoine Bauza
2–7 Spieler:innen, ab 10 Jahre, 25 Minuten

In diesem Roll-and-Write-Spiel nehmt ihr Platz im antiken Reich einer großen Stadt und steuert deren Entwicklung in einem kompakten, dynamischen Würfelformat. Ihr seid Baumeister:innen, Händler:innen und Denker:innen zugleich und versucht, eure Stadt effizient weiterzubringen, indem ihr Ressourcen nutzt, Handel treibt, wissenschaftliche Fortschritte erzielt und eure Grenze gegen die benachbarten Städte stärkt. Das Spiel verlagert das bekannte Thema des klassischen Zivilisationsaufbaus in eine kompakte, würfellastige Welt. Jeder von euch hat sein eigenes Tableau, das eine der sieben antiken Städte repräsentiert. Jedes Tableau ist dabei ein wenig anders und sorgt so von Beginn an für Abwechslung und Identifikation. Diese thematische Klammer gibt dem Spiel eine sehr klare Richtung und macht Lust darauf, immer wieder zu sehen, wie sich eure Stadt unter eurem Diktat entwickelt und ob ihr am Ende die meisten Punkte sammeln könnt.

In jeder Runde werft ihr gemeinsam eine Auswahl von Würfeln in eine zentrale Box, das Forum, und schaut, welche Ergebnisse sich bieten. Diese Würfel repräsentieren unterschiedliche Aktionen und Ressourcen, die ihr für euren Aufbruch nutzen könnt. Simultan wählt jede:r von euch einen Würfel aus und entscheidet, wie er auf dem eigenen Tableau sinnvoll eingesetzt wird. Das kann bedeuten, dass ihr ein Gebäude errichtet, Rohstoffe produziert, Handel betreibt oder euren Beitrag an Wissenschaft steigert. Der Clou liegt darin, dass ihr eure Wahl gut überlegen müsst, denn jede Würfelfarbe steht für etwas anderes und die Anzahl der Würfel ist begrenzt. Wenn alle ihre Entscheidungen getroffen und umgesetzt haben, geht es direkt in die nächste Runde ohne Wartezeiten. So entsteht eine flotte Dynamik, bei der man permanent in Bewegung bleibt und immer neue Entscheidungen treffen muss. Bestimmte Boni und Spezialeffekte können im Laufe des Spiels freigeschaltet werden und erlauben komplexere Kombinationen, sobald ihr euren Fortschritt im Blick behaltet. Die Partie endet, wenn jemand drei Bereiche seines Stadtableaus vollständig ausgefüllt hat und dann wird abgerechnet, wer die blühendste Zivilisation vorweisen kann.

„7 Wonders Dice“ sticht besonders durch seine Zugänglichkeit und Geschwindigkeit hervor. Die Regeln sind rasch erklärt und selbst Gruppen mit unterschiedlichen Erfahrungshintergründen finden sehr schnell ins Spiel. Durch die gleichzeitigen Züge gibt es kaum Downtime, was vor allem bei größeren Runden ein großer Pluspunkt ist. Für Familien mit älteren Kindern eignet sich das Spiel deshalb sehr gut, da es strategische Tiefe und planerische Entscheidungen bietet, ohne langwierige Partien zu erzwingen. Materialtechnisch punktet das Spiel mit abwischbaren Tableaus und Stiften, was praktisch und nachhaltig ist. Die vielen Symbole und Zahlen können allerdings schnell unübersichtlich wirken. Die Illustrationen sind ansprechend und die Darstellung der Städte hebt die Identität der Tableaus schön hervor. Die Spieler:innen-Interaktion bleibt im Kern eher indirekt über Vergleiche mit Nachbarstädten. Für Vielspieler:innen, die tiefgreifende strategische Komplexität suchen, könnte es etwas zu leicht und glückslastig erscheinen, da Würfelergebnisse natürlich auch ein Moment des Zufalls sind. Trotzdem erzeugt das Spiel eine spürbare Spannung, weil jede Würfelauswahl unmittelbare Konsequenzen hat und das Tempo hoch bleibt. Insgesamt bietet dieses Spiel ein gelungenes, kurzweiliges Erlebnis, das sich besonders für lockere Spieleabende oder als Einstieg in strategischere Spiele eignet.

Castle Combo

19. Dezember 2025 um 16:00

Kosmos, 2025
Autor: Grégory Grard, Mathieu Roussel
2–5 Spieler:innen, ab 10 Jahre, 25 Minuten

In diesem Kartenspiel betretet ihr eine lebendige mittelalterliche Welt zwischen Schlossmauern und der belebten Dorfstraße, in der es gilt, einen bunt gemischten Hofstaat zusammenzustellen, der euch Ruhm und Punkte einbringt. Ihr schlüpft dabei in die Rolle von konkurrierenden Anwerber:innen, die aus zwei auf dem Tisch ausliegenden Märkten jeweils Charaktere rekrutieren, vom einfachen Dorfbewohner bis hin zum adligen Schlossgast. Mit einem Augenzwinkern und einer charmanten Illustration wird die Spielwelt lebendig, ohne dabei in ein tiefes thematisches Narrativ zu verfallen. Stattdessen schafft das Setting einen stimmungsvollen Hintergrund für ein cleveres Optimierungs- und Kombinationsspiel, in dem ihr mit eurem kleinen Kartendepot ein 3×3-Raster gestaltet, um strategisch passende Kombinationen zu erzeugen und sie Punkte einbringen zu lassen. Dieses Spiel ist dabei nicht wild episch, sondern gemütlich, kurzweilig und lädt zum Wiederholen ein, wenn ihr Lust auf kleine Denksportaufgaben habt.

Zu Beginn mischt ihr zwei separate Stapel mit Karten, die jeweils das Schloss und das Dorf repräsentieren, und legt drei Karten aus jedem Bereich offen auf den Tisch. Jeder von euch startet mit einer kleinen Menge Gold und Schlüsseln, die ihr braucht, um Karten zu kaufen oder den Zugang zu bestimmten Märkten zu beeinflussen. In neun kurzen Runden wählt ihr reihum jeweils eine Karte aus dem offenen Angebot aus, bezahlt den entsprechenden Preis und fügt sie eurem persönlichen Raster hinzu. Jede Karte bringt nicht nur Punkte am Ende, sondern löst beim Nehmen auch sofort Effekte aus oder beeinflusst, wie günstig oder sinnvoll andere Karten für euch werden. Die Herausforderung besteht darin, eure neun Karten so zu kombinieren, dass sie sich gegenseitig verstärken und möglichst viele Punkte erzeugen. Zusätzlich hat ein Marker Einfluss darauf, aus welchem Markt ihr wählen dürft, und eure Schlüssel könnt ihr nutzen, um diese Reihenfolge zu verändern und so eure Chancen zu verbessern. Insgesamt fühlt sich eine Partie wie ein Puzzle an, bei dem ihr mit jeder Karte vor Augen habt, wie sie in eurem Tableau wirkt und welche künftigen Möglichkeiten sie eröffnet oder verbaut.

„Castle Combo“ überzeugt vor allem durch seine beeindruckende Dichte an Entscheidungen in einem sehr kompakten Format. Die Regeln sind schnell erklärt und auch Neulinge haben den Ablauf meist in einer Partie verinnerlicht. Gleichzeitig bietet das Spiel genug strategischen Tiefgang, um euch dazu zu bringen, über eure Auswahl und Positionierungen nachzudenken, ohne dabei zu überfordern. Die Interaktion zwischen euch passiert vor allem über das Mitwählen aus dem offenen Markt und das Abschätzen, welche Optionen anderen Spieler:innen offenstehen. Besonders gelungen ist auch die Art und Weise, wie sich aus simplen Mechanismen ein befriedigender Planungsprozess ergibt, der selbst nach mehreren Partien nicht langweilig wird. Ein möglicher Kritikpunkt ist, dass Glück im Ziehen der Karten und in den offenen Angeboten eine spürbare Rolle spielt und manchmal eure Pläne durcheinanderbringen kann. Besonders Vielspieler:innen, die nach komplexen Herausforderungen suchen, könnten das Spiel etwas zu leichtgewichtig finden. Die Materialqualität ist insgesamt solide und die Karten sowie Marker wirken langlebig und gut gestaltete Symbole machen das Spiel auch sprachneutral spielbar. Die Illustrationen tragen zu einer einladenden Atmosphäre bei, ohne dabei ablenkend zu sein. Für Familien und Gelegenheitsspieler:innen, aber auch als munteres Spiel zwischen längeren Partien in einer Kennerrunde, ist dieses Spiel eine sehr gute Wahl. Insgesamt ist der Wiederspielreiz hoch, da jede Partie in kurzer Zeit andere Entscheidungen und Kombinationen erfordert.

Meister Makatsu

14. November 2025 um 16:00

Amigo Spiele, 2025
Autor: Reiner Knizia
2–6 Spieler:innen, ab 8 Jahre, 30 Minuten

In „Meister Makatsu“ schlüpft ihr in die Rolle ehrgeiziger Ninjas, die in ihren Dojos trainieren und jedes Jahr um die Gunst des strengen Lehrmeisters Makatsu wetteifern. Über drei Tage hinweg zeigt ihr euer Können, wobei nicht Kraft, sondern kluge Entscheidungen und ein gutes Gefühl für den richtigen Moment zählen. Wer zu hoch spielt, zieht den Unmut des Meisters auf sich und sammelt Minuspunkte. Die Mischung aus fernöstlichem Flair und spielerischem Wettstreit schafft eine humorvolle Atmosphäre, die euch sofort in eine leicht überdrehte Ninja Show hineinzieht.

Zu Beginn besitzt ihr alle dasselbe Kartendeck mit 24 Karten, die in drei Farben und drei Wertstufen auftreten. Jede Runde zieht ihr vier Karten, spielt zwei offen aus und legt zwei verdeckt zur Seite. Anschließend vergleicht ihr in jeder Farbe eure Werte. Wer die höchsten Zahlen gelegt hat, erhält Minuspunkte in Form von Chips. Die Lila Karten bestimmen außerdem, wer die Meister Marke bekommt und damit die nächste Runde beginnt. Mit jeder Spielrunde steigen die Minuspunkte an, was das Risiko spürbar erhöht. Das Spielgefühl ist flott und zugleich überraschend knifflig. Ihr entscheidet ständig, wann ihr hohe Karten abwerfen wollt und wann ihr sie lieber aufbewahrt. Die verdeckt gesetzten Karten geben dem nächsten Durchgang einen individuellen Rhythmus und schaffen einen kleinen, aber feinen Planungseffekt.

„Meister Makatsu“ verbindet einen schnellen Zugang mit einem angenehmen Maß an taktischer Tiefe. Gelegenheitsspieler:innen finden einen unkomplizierten Einstieg und Vielspieler:innen entdecken reizvolle Entscheidungen. Das Material ist stabil und funktional, die Illustrationen wirken freundlich und stimmig. In größeren Gruppen entsteht ein lebendiger Wettstreit, während Partien zu zweit etwas an Spannung verlieren. Insgesamt überzeugt das Spiel als leichtes Familienspiel mit kompetitiver Note. Es eignet sich besonders für Runden, die ein kompaktes Kartenspiel suchen, das sich flott erklärt und immer wieder aufs Neue kleine Überraschungen bereithält. Wer nach intensiver Strategie oder großen Themenwelten sucht, wird weniger abgeholt. Für alle anderen ist es ein unterhaltsamer, runder Titel mit genug Würze für viele Partien.

Viva Catrina

07. November 2025 um 16:00

The Flying Games, 2025
Autoren: Fred Boulle, Grégory Grard
2–6 Spieler:innen, ab 8 Jahre, 30 Minuten

Mit „Viva Catrina“ erlebt ihr ein leuchtendes Spektakel, das den mexikanischen Día de los Muertos in ein fröhliches Brettspiel verwandelt. Ihr schlüpft in die Rolle von Festorganisator:innen, die ihr eigenes kleines Dorf mit Leben, Musik und Farben füllen. Wo sonst Skelette und Gräber dominieren, herrscht hier pure Lebensfreude: Schmetterlinge flattern über die Straßen, Ballons steigen auf, Alebrijes (bunte tierähnliche Fantasiefiguren) auf Podeste gesetzt und Besucher:innen strömen zu den Feierlichkeiten. Das Spiel schafft es, das Thema mit Leichtigkeit und Respekt zugleich zu transportieren. Diese Mischung aus kulturellem Flair, positiver Energie und farbenprächtiger Gestaltung hebt sich angenehm von der Masse der Spielethemen ab. Schon beim Öffnen der Schachtel spürt man, dass „Viva Catrina“ ein Spiel ist, das zelebriert, statt zu belehren und das macht seinen besonderen Charme aus.

In „Viva Catrina“ baut ihr Schritt für Schritt euer eigenes Dorf auf. Jede:r von euch erhält zu Beginn ein Startplättchen und wählt in jedem Zug ein neues Plättchen aus der gemeinsamen Auslage. Diese Plättchen zeigen Wege, Besucher:innen, Ballons, Schmetterlinge und Sockel für Alebrijes. Ziel ist es, durch geschicktes Anlegen ein möglichst harmonisches Dorf zu erschaffen, in dem die verschiedenen Elemente clever miteinander verbunden sind. Besucher:innen wollen erreichbar sein, Ballons sollen zusammenhängende Wege zieren, und Schmetterlinge bringen euch Punkte, wenn sie richtig platziert werden. Dabei gilt es, vorausschauend zu planen, aber auch spontan zu reagieren, wenn andere euch ein begehrtes Plättchen wegschnappen. Das Spielgefühl ist angenehm taktisch, ohne zu verkopft zu sein. Ihr puzzelt, vergleicht, lacht und freut euch, wenn euer Dorf Form annimmt. In kleiner Runde spielt es sich flüssig und konzentriert, in größerer Runde entsteht ein lebendiges Fest voller Farben und fröhlicher Konkurrenz. Dank kurzer Spielzeit bleibt „Viva Catrina“ ein idealer Begleiter für Familienabende oder den Einstieg in einen längeren Spieleabend.

„Viva Catrina“ überzeugt in vielerlei Hinsicht. Besonders stark ist die Präsentation: Die Illustrationen sind liebevoll, die Farben leuchten satt und das Material fühlt sich hochwertig an. Dicke Plättchen, klare Symbole und eine stimmige Gesamtgestaltung machen das Spiel zu einem haptischen und visuellen Erlebnis. Mechanisch ist es kein revolutionäres, aber ein sehr rundes Werk. Der Plättchenlege-Mechanismus ist sofort verständlich und entfaltet durch die Kombination der verschiedenen Symbole eine angenehme taktische Tiefe. Das Spiel bleibt stets zugänglich, ohne banal zu werden. Auch wenn die Interaktion auf das Wegschnappen passender Plättchen beschränkt ist, entsteht durch das gemeinsame Bauen und Vergleichen eine positive Gruppendynamik. Besonders Familien und Gelegenheitsspieler:innen werden an diesem Spiel ihre Freude haben. Vielspieler:innen finden hier ein leichtes, aber thematisch starkes Pausenspiel, das auf sympathische Weise zeigt, wie schön es sein kann, ein Fest des Lebens gemeinsam zu feiern. „Viva Catrina“ ist farbenfroh, warmherzig und spielerisch durchdacht. Ein Spiel, das man nicht nur spielt, sondern genießt.

Taco Loco

03. Oktober 2025 um 16:00

Helvetiq, 2025
Autor: Treo Game Designers
2–5 Spieler:innen, ab 7 Jahre, 15 Minuten

Bei „Taco Loco“ dreht sich alles um einen wilden Taco-Wettstreit. Stellt euch vor, ihr sitzt an einem langen Tisch voller Zutaten, und jede Karte, die ihr spielt, würzt euren eigenen Taco. Doch Vorsicht: Ein echter Taco darf nicht überladen sein. Genau darum geht es in diesem kleinen Kartenspiel. Ihr versucht, Zutaten so zu kombinieren, dass der Wert eures Stapels exakt bei elf liegt. Klingt simpel, aber genau darin steckt die Würze. Denn wer übertreibt, muss den ganzen Stapel selbst schlucken. Das Thema ist herrlich leichtfüßig, ein Stück kulinarischer Spaß am Spieltisch. Es ist kein episches Abenteuer, sondern ein kurzer Ausflug in eine bunte Taco-Welt, die sofort ein Schmunzeln ins Gesicht zaubert. Gerade in Zeiten, in denen viele Spiele ernst und komplex daherkommen, wirkt dieser Ansatz erfrischend verspielt.

Jede Person startet mit drei Handkarten, die Zutaten oder Spezialeffekte zeigen. Zutatenkarten tragen Zahlenwerte, die den aktuellen Taco-Stapel wachsen lassen. Spezialkarten bringen überraschende Wendungen, sie setzen den Stapel etwa direkt auf null oder schieben ihn sofort auf elf. Ziel ist es, den eigenen Stapel so zu steuern, dass er genau die Summe elf erreicht. Gelingt das, darf man den Stapel bei jemand anderem ablegen. Wer jedoch über das Limit hinausgeht, muss den ganzen Stapel selbst nehmen. Reihum wird gespielt, Karte für Karte, stets gefolgt von einem Nachziehen. Eine Partie dauert kaum länger als fünfzehn Minuten und bleibt damit immer knackig. Das Spielgefühl ist geprägt von Spannung und Lachen. Ihr schwankt zwischen dem Mut, eine riskante Karte zu legen, und der Vorsicht, keine Kartenbombe zu kassieren. Der Ablauf ist dabei so eingängig, dass selbst Kinder nach kurzer Erklärung sofort mitmischen können. Und weil jede Runde neue Karten bringt, bleibt das Spiel unberechenbar und lebendig.

„Taco Loco“ überzeugt vor allem durch seine Einfachheit und seine Spielfreude. Das Regelwerk ist in wenigen Minuten verstanden, die Einstiegshürde praktisch nicht vorhanden. Genau deshalb eignet es sich hervorragend als Aufwärmer oder Absacker. Besonders gelungen ist die Mischung aus Glück und kleinen taktischen Entscheidungen. Wann lohnt es sich, eine Spezialkarte einzusetzen? Wann geht ihr bewusst das Risiko ein, um den Taco-Stapel loszuwerden? Solche Momente sorgen für lebendige Tischrunden. Die Materialqualität ist ordentlich, die Karten sind stabil und mit farbenfrohen Illustrationen versehen, die das mexikanische Flair freundlich unterstreichen. Kein Luxusprodukt, aber absolut zweckmäßig und langlebig. Kritik verdient allenfalls die hohe Glückslastigkeit, die in manchen Runden für Frust sorgen kann, wenn man wiederholt Pech zieht. Für Vielspieler:innen, die tiefe Strategien erwarten, wird es sicher zu leichtgewichtig sein. Doch für Familien, Gelegenheitsspieler:innen und gesellige Abende ist es genau richtig. Mein Fazit: Taco Loco ist kein Gourmetmenü, sondern ein Snack. Aber was für einer. Schnell, würzig und mit einem guten Schuss Spaß.

Mischwald Dartmoor

26. September 2025 um 16:00

Lookout Spiele, 2025
Autor: Kosch
2–5 Spieler:innen, ab 10 Jahre, 60 Minuten

Taucht ein in die geheimnisvolle Landschaft des Dartmoor Nationalparks im Südwesten Englands. Ihr wandert durch neblige Moore, Heidelandschaften und kleine Bäche, um ein ausgewogenes Ökosystem zu erschaffen. In „Mischwald: Dartmoor“ seid ihr Naturgestalter:innen: Jede Entscheidung, welche Tiere und Pflanzen ihr in eure Landschaft integriert, beeinflusst das Gleichgewicht eures Waldes. Die liebevoll illustrierten Karten von vermitteln die Weite und Ruhe der Natur und ziehen euch sofort in diese friedliche, gleichzeitig dynamische Spielwelt. Das Spiel nimmt das klassische Set-Collection-Prinzip auf und verleiht ihm durch die neue Dartmoor-Umgebung einen frischen, atmosphärischen Charakter. Wer sich für Naturthemen begeistert, wird hier sofort Lust bekommen, seinen eigenen Wald wachsen zu lassen.

Der Ablauf ist eingängig: In jeder Runde zieht ihr Karten und legt sie in eure Landschaft, um Tiere, Pflanzen oder spezielle Geländefelder zu platzieren. Die neuen Geländekarten bringen eine zusätzliche taktische Ebene: Sie eröffnen Lebensräume, Futterstellen oder Bonusaktionen, die kluge Planung belohnen. Die reduzierte Anzahl an Baumsymbolen sorgt für übersichtliche Entscheidungen und beschleunigt den Einstieg, ohne dass die strategische Tiefe verloren geht. Jede Partie fühlt sich lebendig an, weil sich die Landschaft ständig verändert und ihr flexibel auf die Züge der Mitspieler:innen reagieren müsst. Durch die Kombination aus Set-Collection und räumlicher Planung entsteht ein ruhiger, aber spannender Spielfluss, bei dem jede Entscheidung spürbare Auswirkungen hat. Variationen in der Kartenkombination sorgen dafür, dass keine Partie der anderen gleicht.

„Mischwald: Dartmoor“ überzeugt durch die gelungene Verbindung von Naturthema und taktischem Spielspaß. Die Geländekarten erweitern die Möglichkeiten, ohne den Spielfluss zu verkomplizieren, und die Illustrationen tragen maßgeblich zur stimmungsvollen Atmosphäre bei. Die Materialqualität ist hochwertig: stabile Karten, schöne Haptik und langlebige Spielkomponenten lassen das Spiel auch nach vielen Partien gut in Schuss bleiben. Für Familien und Gelegenheitsspieler:innen bietet das Spiel einen einsteigerfreundlichen Zugang zu taktischen Set-Collection-Spielen. Vielspieler:innen genießen die strategischen Entscheidungen und die Variabilität. Die Spieldauer von etwa 60 Minuten ist angemessen, kann aber bei voller Besetzung etwas länger ausfallen. Insgesamt ist „Mischwald: Dartmoor“ ein atmosphärisches, taktisch reizvolles Spiel, das sowohl Naturfreund:innen als auch Strateg:innen Freude bereitet.

Link City

05. September 2025 um 16:00

Bandjo, Asmodee, 2024
Autor: Émilien Alquier
2–6 Spieler:innen, ab 8 Jahre, 30 Minuten

Ihr übernehmt gemeinsam die Rolle einer Stadtverwaltung und versucht, in sechs Runden aus kleinen Ortstafeln eine zusammenhängende, stimmige Stadt zu bauen. Jede Runde ist ein anderer Spieler Bürgermeister: diese Person legt drei Bauplätze fest und denkt sich für jeden Platz eine passende Ortsblättchen aus. Die anderen diskutieren offen und versuchen, dieselben Entscheidungen zu treffen. Wer die besten gedanklichen Verknüpfungen findet, hilft der ganzen Stadt zum Wachstum. Das Thema ist simpel, aber charmant: gemeinsames Assoziieren bildet das Fundament, und aus banalen Einzelteilen entsteht eine skurrile, oft sehr persönliche Stadtlandschaft. 

Die Partien dauern kurz, etwa 25–35 Minuten. Pro Runde markiert der Bürgermeister drei Stellen, nennt gedanklich die gewünschten Orte und legt verdeckt drei Blättchen. Die Mitspielenden beraten frei, schlagen vor und einigen sich auf drei Orte, die sie platzieren würden. Stimmen die Plätze mit denen des Bürgermeisters überein, gibt es Punkte für Verbindungen und Bonusziele. Das Spiel ist leicht zu erlernen: wenige Komponenten, klare Rundenschritte und ein hohes Maß an sozialer Interaktion. Varianten wie eine strengere Punktewertung oder heimliche Abstimmungen können die Spannung erhöhen, doch die Kernmechanik bleibt ein offenes, kooperatives Assoziationsspiel, das mehr Gespräch als Regelschliff verlangt. Das Spielgefühl ist kommunikativ, manchmal urkomisch und abhängig von eurer gemeinsamen Wortwahl und kulturellen Referenzen.

Was überzeugt: „Link City“ ist zugänglich, fördert Teamplay und sorgt für viele Aha- und Lachmomente. Gerade für Familienabende oder gemischte Runden ist die Hürde niedrig und die Beteiligung hoch. Was weniger überzeugt: Die optische Wirkung der fertigen Stadt bleibt vergleichsweise unspektakulär, und gelegentlich wirkt die Punktewertung etwas mechanisch gegenüber der eigentlich kommunikativen Idee. Materialien sind solide: Blättchen und kleine Hütchen sind funktional, aber nicht luxuriös; das Spiel richtet sich klar an leichte bis mittelstarke Spielrunden, nicht an Expert:innen. Für euch ist „Link City“ passend, wenn ihr Gespräche, kreative Assoziationen und kooperative Momente schätzt. Wenn ihr hingegen komplexe Taktik oder tiefe Solostrategie sucht, ist das Spiel nicht das Richtige. Insgesamt ein sympathisches, gut geschnittenes Party-/Familienspiel mit kleinem Makel bei der visuellen Inszenierung, das man gern öfter auf den Tisch bringt.

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