❌

Normale Ansicht

Nature

Von: Oli
30. September 2026 um 07:44

Mit Nature hat sich HABA endlich mal wieder getraut, ein Spiel zu veröffentlichen, dass nicht reines Kinder-/Familienspiel ist, sondern sich in (seichte) Kennersphären begiebt. Natürlich ist das hier noch weit vom ausgewachsenen Expertenspiel entfernt, aber am unteren Ende des Kennerspielbereichs bewegt sich Nature dann doch. Und das finde ich grundsätzlich erst einmal ziemlich gut.

Das Spiel selbst dreht sich schlicht und ergreifend um den Kampf ums Überleben. Über insgesamt vier Runden baut man sich verschiedene Spezies auf und stattet diese mit Eigenschaften aus. Dazu stehen Karten zur Verfügung, die besondere Fähigkeiten bzw. Merkmale mit sich bringen (z.B. schnell sein oder Hörner zur Abwehr von Fressfeinden). Jede Spezies kann dabei mit bis zu drei Karten ausgestattet werden. Das Ziel ist natürlich, möglich

st gut an die Umwelt (also die Mitspielenden) angepasst zu sein und vor allem genügend Nahrung zu bekommen. Denn am Ende der Runde wird gefressen – und wer nicht genug Nahrung abbekommt, verliert Population oder stirbt eben aus. Ganz wie im echten Leben also. Nur dass hier niemand wirklich verhungert und die verlorenen Populationen einfach wieder ins eigene Ökosystem zurückwandern.

Interessant wird es dadurch, dass eine Spezies in jeder Runde entweder als Pflanzenfresser oder als Fleischfresser eingesetzt werden kann. Als Pflanzenfresser ist man auf die vorhandene Nahrung angewiesen, während ein Fleischfresser die Spezies der Mitspielenden als Nahrungsquelle nutzen kann. Dafür muss die Beute natürlich auch tatsächlich "fressbar" sein. So entsteht ein durchaus nettes kleines Wettrüsten: Baue ich eine möglichst große Population auf oder investiere ich lieber in Eigenschaften, die meine Tiere schützen oder ihnen bei der Nahrungssuche helfen?


Das Schöne daran ist, dass Nature dabei gar nicht versucht, aus diesen eigentlich einfachen Regeln ein riesiges Strategiespiel zu machen. Die einzelnen Entscheidungen sind überschaubar, aber es gibt durchaus etwas zu taktieren. Welche Spezies möchte ich weiterentwickeln? Wann ist der Zeitpunkt gekommen, aus dem Pflanzenfresser vielleicht doch einen Fleischfresser zu machen? Und welche Merkmale brauche ich eigentlich wirklich? Vieles davon ergibt sich erst während der Partie.

Allerdings liegt genau hier für mich auch das Problem. Das Kartenset des Grundspiels ist doch recht überschaubar. Dadurch sind die Möglichkeiten zwar schnell verstanden, aber eben auch schnell gesehen. Nach einigen Partien wiederholen sich die Entwicklungen doch recht häufig. Man hat dann nicht mehr das Gefühl, eine völlig neue Tierwelt zu erschaffen, sondern kennt die kleinen Tricks, mit denen man seine Spezies einigermaßen erfolgreich durch die vier Runden bekommt.

Das ist insofern schade, weil Nature eigentlich eine schöne Grundlage für deutlich mehr bietet. Das Spiel wird daher nicht umsonst als "Spielsystem" beworben und es gibt bereits verschiedene Erweiterungsmodule, die neue Eigenschaften, Mechaniken und sogar ganze Themenwelten hinzufügen. Und ich kann durchaus nachvollziehen, dass dadurch deutlich mehr Abwechslung entsteht. Nur habe ich bei einem Grundspiel eben auch gerne schon im eigentlichen Spiel ausreichend Fleisch am Knochen. Und genau das fehlt mir hier ein wenig.


Dabei macht Nature durchaus Spaß. Die Regeln sind zugänglich, das Thema funktioniert und auf dem Tisch sieht das Ganze mit den verschiedenen Tieren und Populationen auch schön aus. Gerade für Familien, die aus dem klassischen Familienspielbereich langsam in Richtung etwas anspruchsvollerer Spiele unterwegs sind, kann ich mir Nature richtig gut vorstellen. Hier gibt es schon echte Entscheidungen, ein wenig Interaktion und genügend Möglichkeiten, sich gegenseitig in die Suppe zu spucken, ohne dass daraus gleich ein abendfüllendes Regelstudium wird.

Für mich als Vielspieler ist es allerdings auf Dauer etwas zu wenig. Ich hatte Spaß mit Nature und würde eine Partie auch jederzeit wieder mitspielen. Aber ich habe eben auch nicht das Bedürfnis, mir jetzt mehrere Erweiterungen zu kaufen, nur damit aus einem netten Spiel ein Spiel wird, das mich dauerhaft beschäftigt.

Mein Fazit: Nature funktioniert. Und zwar ziemlich gut. Es ist hübsch, zugänglich und bringt eine angenehme Portion Strategie auf den Tisch, ohne Familien direkt mit einem Regelmonster zu erschlagen. Für Familien, die etwas mehr wollen als das klassische Familienspiel, dürfte das sogar ziemlich genau der richtige Schritt sein. Mir persönlich fehlt dagegen etwas die Vielfalt und damit auch der langfristige Reiz. Aber Spaß macht das Ganze trotzdem und ich finde es wirklich gut, dass der Verlag im Kern versucht, die eigene Hauptzielgruppe nun etwas länger zu begleiten.

________________________________________________________________



Nature von Dominic Crapuchettes
Erschienen bei HABA
Für 1 - 4 Spielende in 30 bis 45 Minuten ab 10 Jahren
sämtliche Bilder sind von uns selbst erstellt oder vom jeweiligen Pressematerial des Verlages (hier HABA)
*es handelt sich um einen Affiliate-Link. Für Euch entstehen keine zusätzlichen Kosten, wir erhalten eine kleine Provision.

All-Star Draft

Von: Daniel
10. Juni 2026 um 08:55

Die Eishockey-Teams von Eisbären über Adler bis Elche sind zurück! All-Star Draft wurde schon vor einiger Zeit von Angelika besprochen, die das Spiel damals empfahl für „Spieler, die thematische Kartenspiele mögen. Als Einstiegsspiel in den Draft Mechanismus. Für Eishockeyfans.“ Auch ich habe All-Star Draft schon vor einiger Zeit kennen- und mögen gelernt und mich daher gefreut, als ich von einer Second Edition gehört habe. Das abstrakte Drafting-Spiel rund um Hockey-Teams bleibt seinem Kern treu: wir wählen Karten aus, formen daraus Mannschaften und versuchen am Ende in den Playoffs die Nerven zu behalten.

Spielablauf: Draften, Teams bilden, Popularität sammeln

In der regulären Saison werden im klassischen Drafting-Modus Karten ausgewählt und zu Teams zusammen gestellt. Deren Stärke ergibt sich aus der Anzahl gleicher Attribute. Symbol, Nummer oder Tierart. Eine Rangliste gibt Aufschluss darüber, welche Kombination wie viel Wert ist. Die Teams treten in drei Runden in einer Arena für unterschiedlich hohe Punktzahlen gegeneinander an, und je nach Platzierung gibt es Supporter-Punkte, die am Ende über den Sieg in All-Star Draft entscheiden.


Nach drei Saisonrunden folgt das eigentliche Highlight: die Playoffs. Hier werden aus allen gesammelten Karten neue Teams gebildet, schwächere Teams scheiden Runde für Runde aus und am Ende bleibt nur eine Mannschaft übrig.

Für zwei Personen bietet die neue Edition drei Spiel-Modi. Ein klassisches Drafting, nur eben zu zweit bietet der Traditions-Modus. Im Duell-Modus hingegen wählen wir auch Karten für unser Gegenüber aus. Beim Freien Markt-Modus schließlich gibt es eine offene Auslage, aus der gewählt wird. Dieser letzte Modus ist auch mein Favorit zu zweit.

Kompakter und moderner

Die neue Edition überzeugt zunächst durch ihre deutlich kleinere Schachtel. Sie passt besser zum Spielumfang und ins Regal, auch wenn ich den überdimensionierten Playoff-Pokal der alten Version ein wenig vermisse. Das Spiel wirkt insgesamt aufgeräumter. Das beiliegende Promo-Pack mit den Eulen, die ein Joker-Symbol mit sich bringen, ist eine charmante Ergänzung und fügt sich gut ins System ein, ohne es unnötig aufzublähen.


Das Drafting funktioniert weiterhin sehr gut und auch die Zwei-Personen-Variante kann überzeugen, insbesondere der Markt-Modus. Der Playoff-Teil bleibt aber das Herzstück von All-Star Draft: Das direkte Ausscheiden, das gezielte Austauschen von zwei bis vier Karten zwischen den Runden , das nervöse Hoffen beim „Shootout“, all das sorgt für Spannung.

Verpasste Chancen beim Material

So gelungen die spielerische Seite ist und so überzeugend die grafische Darstellung umgesetzt ist, so ernüchternd fällt ein Blick auf das Material aus. Die Karten wirken eher von einfacher Qualität, die winzigen Pappmarker als Punktezähler wirken in einem Spiel, das sich so sehr über Wertungen definiert, etwas lieblos. Hier hätten kleine Holzklötzchen oder zumindest stabilere Marker dem Ganzen mehr Wertigkeit verliehen. Insgesamt fühlt sich die Produktion hübsch, aber ganz und gar nicht hochwertig an. Gerade weil das Spiel mit seinem Turniercharakter und der klaren Struktur durchaus episch wirken kann, hätte ich mir hier etwas mehr Liebe zum Detail in dieser zweiten Edition gewünscht.

Fazit: Bewährtes Drafting mit frischem Schliff

Mir gefällt die neue Edition von All-Star Draft sehr gut. Sie ist kompakter, zugänglicher und behält den spannenden Kern aus Saison und Playoffs bei. Das Drafting-System trägt weiterhin, der Markt-Modus im Zwei-Personen-Spiel ist eine schöne Ergänzung, und die Gestaltung wirkt ansprechend. Ein paar verpasste Chancen beim Material bleiben, doch spielerisch lohnt es sich absolut, dieses Drafting-Spiel noch einmal in die Hand zu nehmen. Die Playoffs sind eröffnet und die Neuauflage ist ein schöner Grund, wieder aufs Eis zu gehen.
 ____________________________________________________________________

All-Star Draft von Marco Schaub
Erschienen bei Palladis Games / Suncore Games
Für 2-6 Spielende in ca. 45 Minuten ab 10 Jahren

sämtliche Bilder sind von uns selbst erstellt oder vom jeweiligen Pressematerial des Verlages (hier Palladis Games/Suncore Games)

Formidabel!



Ein Marktbummel kann harmlos beginnen: ein Schaf hier, eine Tomate da, vielleicht noch eine Gurke und etwas Weizen. Und ehe man sich versieht, steckt man mitten in einer Kette aus Tauschgeschäften, Aufträgen und Sonderaktionen, aus der man so schnell nicht mehr herauskommt. Formidabel! bringt dieses Spielgefühl auf den Tisch. Immer ein Deal mehr, und noch einen, und noch einen.

Spielablauf: Tauschen, erfüllen, loswerden

In Formidabel! versuchen wir, über Tauschgeschäfte unsere 20 Auftragskarten möglichst schnell loszuwerden. Die Karten zeigen Aufträge, die bestimmte Kombinationen von Waren oder Aktionen verlangen. Erfüllen wir einen Auftrag, kommen wir unserem Ziel einen Schritt näher. Sollten unsere Handkarten keinen Tausch hergeben, liegen öffentliche Aufträge aus, mit denen wir uns vielleicht in eine bessere Position tauschen können. Egal welche Aufträge wir aber schließlich erfüllen, nach 3 Karten ist Schluss für eine Runde und der nächste Spielende ist am Zug.


Zusätzlich erhalten wir über ein zentrales Aktionsfeld in jeder Runde eine Warensorte oder dürfen eine unserer Handelskarten auf die Hand nehmen, um sie in einer der nächsten Runden zu erfüllen. Dazu können wir bereits erfüllte Handelskarten abwerfen, um Extra-Aktionen auszulösen.

Süß, clever und manchmal chaotisch

Formidabel! punktet zunächst mit seinem süßen Manga-Artwork, das dem Spiel eine leichte, freundliche Note verleiht. Das passt gut zum Thema und macht Lust, sich auf den Markt zu stürzen. Spielerisch entfaltet sich schnell ein gewisser Suchtfaktor: Ein gelungener Tausch führt zum nächsten, dann noch ein Auftrag, noch eine Extra-Aktion, bis ich wirklich das Maximum aus den Tauschgeschäften herausgeholt habe für eine Runde. Wenn alles aufgeht, fühlt sich das richtig gut an.


Zu simpel, zu komplex: beides zugleich?

Gleichzeitig ist Formidabel! ein Spiel der Gegensätze. Einige Kartenfähigkeiten sind extrem banal (tausche ein Schaf gegen eine Tomate und eine Gurke), andere wiederum so speziell, dass sie sich selbst nach mehreren Partien nicht intuitiv erschließen und einen Blick in die Anleitung erfordern. Insgesamt kann es aber eine ziemlich zufällige Angelegenheit werden, wer welche Karten im Stapel hat. Mit diesem hohen Glücksanteil muss man leben können, ob das nach 20 Karten wirklich spielentscheidend ist oder doch die beste Tausch-Taktik gewinnt, sei einmal dahingestellt.


Fazit: Cleveres Tauschen mit Geschmackssache-Garantie

Formidabel! polarisiert. Meiner Frau waren es zu viele Symbole, sie war bei der Erklärung schon raus. Anderen Mitspielenden war es zu zufällig oder zu wenig interaktiv. Mir persönlich hat es gut gefallen: Wenn eine Tauschkette aufgeht, fühlt man sich clever und belohnt. Ich kann aber jede Kritik daran gut nachvollziehen. Formidabel! ist kein Spiel für alle, sondern eines, das man unbedingt ausprobieren sollte, bevor man es sich in den Warenkorb legt oder auf dem Markt gegen ein Schaf und drei Gurken eintauscht.
 ____________________________________________________________________

Formidabel! von Friedemann Friese
Erschienen bei 2F-Spiele
Für 1-4 Spielende in ca. 30-45 Minuten ab 10 Jahren

sämtliche Bilder sind von uns selbst erstellt oder vom jeweiligen Pressematerial des Verlages (hier 2F-Spiele)

❌