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Age of Innovation: Erweiterung „Zukunft und Vergangenheit" für Ende 2026 angekündigt

11. Mai 2026 um 22:49
Age of Innovation: Erweiterung „Zukunft und Vergangenheit" für Ende 2026 angekündigt

Feuerland Spiele bringt die deutsche Version der Erweiterung Age of Innovation: Zukunft und Vergangenheit auf den Markt. Als Veröffentlichungsfenster nennt der Verlag das vierte Quartal 2026, ein konkretes Datum steht noch nicht fest. Die Erweiterung baut auf dem 2023 erschienenen Expertenspiel von Helge Ostertag auf, das in der Welt von Terra Mystica angesiedelt ist.

Zeitreisende als zentrale neue Mechanik

Mit der Erweiterung kommen Zeitreisende ins Spiel und eröffnen damit zwei taktische Optionen. Schickst du sie in die Zukunft, bereiten sie neues Land für dich vor und kehren als Sachkundige mit zusätzlichem Wissen zurück. Setzt du sie dagegen in der Vergangenheit ein, drehen sie eine bereits getätigte Aktion zurück und du kannst die Aktion in derselben Runde ein zweites Mal nutzen.

Hinzu kommen fünf neue Kompetenzen, von denen nicht alle gleichzeitig auf das Tableau passen. In manchen Partien musst du also auf eine eigentlich vertraute Fähigkeit verzichten und deinen Plan entsprechend anpassen. Sechs neue Gemeinschaften erweitern die Auswahl an spielbaren Fraktionen, jeweils mit eigenen Fähigkeiten. Dazu liefert die Box je drei neue Buchaktionen, Palastplättchen, Rundenboni und Erfindungsplättchen sowie einen neuen Stadtmarker.

Age of Innovation: Erweiterung „Zukunft und Vergangenheit" für Ende 2026 angekündigt
Das 2023 erschienene Grundspiel Age of Innovation bildet die Basis für die neue Erweiterung (Quelle: BoardGameGeek).

Das Hauptspiel als Grundlage

Age of Innovation ist 2023 als eigenständiges Spiel in der Terra-Mystica-Reihe erschienen. Es richtet sich an 1 bis 5 Personen ab 14 Jahren, die Spieldauer liegt je nach Besetzung zwischen 40 und 200 Minuten. Du übernimmst eine von zwölf Gemeinschaften, terraformst die Landschaft, errichtest Gebäude und verbindest sie zu Städten. Nähe zu anderen Fraktionen schränkt deine Expansion ein, bringt zugleich aber spürbare Vorteile.

Auf BoardGameGeek erreicht der Titel eine Durchschnittsbewertung von 8,45 von 10 Punkten bei über 8.400 abgegebenen Stimmen und steht damit auf Platz 56 der Gesamtrangliste sowie Platz 30 der Strategy Games. Die Community ordnet das Spiel mit einer Komplexität von 4,27 von 5 klar im Expertensegment ein. Die Erweiterung „Zukunft und Vergangenheit" knüpft an dieses Profil an und ergänzt das Grundspiel um die Zeitreise-Mechanik, neue Fraktionen und zusätzliches Material.

Hero Story: Polarisierend atmosphärisches Stichspiel

Von: ravn
28. April 2026 um 22:09

Die Ursprünge dieser bisher von mir völlig übersehenen Neuheit aus dem Winter 2025 liegen bei den Autoren Jamey Stegmaier und Pete Wissinger. Seit Februar 2026 gibt es die deutschsprachige Lokalisation von Feuerland Spiele und zwei Monate später habe ich das Kartenspiel auf der Spiel DOCH! in Dortmund entdeckt und bei meiner Anspiel-Session abgefeiert. Aber nicht jeder war in meinem Umfeld begeistert, als ich es danach auf den Tisch bringen wollte.

Die Spiel DOCH! 2026 in Dortmund hat mir mal wieder ausführliche Gelegenheiten geboten, all das für mich zu entdecken, was ich die Monate davor schlicht verpasst hatte. So auch die deutschsprachige Version von Origin Story aus dem Hause Stonemaier Games. Anscheinend war ich mit Vantage ausreichend ausgelastet, sodass ich die ganzen Ankündigungen und sogar das Entwickler-Tagebuch von Jamey Stegmaier seit Oktober 2025 übersehen konnte. Erstaunlich, aber so war die Überraschung umso größer, als ich Hero Story bei Feuerland Spiele sah. Das Kartenspiel an sich ist gleich geblieben, der Titel wurde allerdings angepasst und natürlich die Kartentexte mitsamt Anleitung übersetzt. Das Thema Sprachhürde ist hier also keines. Der Einstieg gelingt umso leichter. Und noch leichter wird es für Euch, wenn Ihr die Spielerklärung lauscht, die ich direkt vom Feuerland Spiele Messestand bei meiner Erstpartie mitschneiden konnte:

Richtig gehört, Hero Story ist ein recht gradliniges Stichspiel, bei dem Bedienzwang herrscht und Ihr für gewonnene Stiche Punkte bekommt. So geht das über fünf Runden, in denen wir normalerweise unsere acht Handkarten ausspielen. Nur normal ist bei Hero Story schon mal gar nichts, denn schließlich geht es um Superhelden und Superschurken. Für welche Seite Ihr Euch Runde für Runde entscheidet, das ist Euch mit Blick auf Eure Kartenhand überlassen. Wollt Ihr Eure böse Gesinnung ausleben, solltet Ihr möglichst Stiche vermeiden, um die vier Bonuspunkte einzusammeln. Ihr seid eben als Held noch ganz am Anfang Eurer Geschichte und könnt Euch noch nicht so recht für eine Seite entscheiden.

Und schon sind wir mittendrin im Thema und das ist die Besonderheit von Hero Story. Denn die komplette Aufmachung von Hero Story atmet das Herzblut eines Comic-Nerds. Schon bei der Auswahl der einzigartigen fünf Charaktere im Spiel. Jeder hat sein eigenes Spieler-Tableau mit großformatigem Cover und den illustrierten Ablagefeldern für Eure Storykarten auf der aufgeklappten Innenseite. Von Spielrunde zu Spielrunde schreibt Ihr so Eure Geschichte aus einer Zufallsauswahl von besonderen Fähigkeiten fort. Wer wollte nicht schon immer mal unsichtbar sein oder eine verbündete Jägerin an seiner Seite zu wissen? Hero Story macht das alles möglich und das in einem Stichspiel.

Natürlich kommt in der Mitte des Spiels in Runde 3 ein besonderes Ereignis ins Spiel, das für alle Mitstreiter gilt und 18 verschiedene wie überraschende Story-Wendungen bietet. Körpertausch gefällig? Die letzte Spielrunde lässt Euch dann abschließend Eure bisher geheime Superidentität enthüllen. Als was wollt Ihr in die Geschichte eingehen? Ihr bestimmt es aus der erneut zufälligen Auswahl von zwei Karten selbst, die bisher auf der Rückseite für Euch den Rundenablauf dargestellt haben. So etwas nenne ich schön durchdacht und genau an diesen vielen Kleinigkeiten merke ich, dass mir Hero Story außergewöhnlich gut gefällt. So gut, dass ich es mir direkt auf der Messe gekauft habe. Für 25 Euro konnte ich an der kleinen Schachtel nicht vorbeigehen.

Für mich eines meiner Spiel DOCH! 2026 Messehöhepunkte. Nur sieht das nicht jeder so und das ist auch völlig in Ordnung für mich. In meinem spielerischen Umfeld wurde es schon auf der Spielefreizeit in Bad Holzhausen gespielt. Selbsterklärt anhand der Anleitung und eventuell in Details falsch gespielt. Zumindest kam es dort unter Stichspiel-Liebhabern nicht an. Eine weitere Mitspielerin, die es in einer wohl ungünstigeren Runde am Sonntagmorgen in Dortmund kennengelernt hat, war ebenfalls nicht begeistert. Lag es an der Spielrunde, am Spiel selbst oder dem eigenen Geschmack? Hero Story scheint zu polarisieren. Ich selbst hatte es bei meinem Messerundgang am zunächst vollbesetzten Tisch als „ok, doch nur ein Stichspiel im Superhelden-Thema“ fast schon abgetan. Zum Glück ergab sich kurz vor Messeschluss noch die Chance, es selbst spielen zu können. So können sich Meinungen ändern. Deshalb spielt es selbst und bildet Euch Eure eigene Meinung.

Noch ein letztes Wort zur Spieleschachtel. Die ist ungewöhnlich kompakt. Finde ich eigentlich gut, weil Luft in der Schachtel braucht wirklich niemand und meine Spielesammlung auf der Suche nach einem Regalplatz schon mal gar nicht. Allerdings müsst Ihr es Euch deshalb abschminken, alle Karten sleeven zu wollen. Ich selbst habe nur die eigentlichen Spielkarten, die dauernd in Benutzung sind, in matte Kartenhülle von Gamegenic gepackt. Fühlte sich für mich besser an, auch weil ich damit einfacher mischen kann. Die anderen Karten mischt Ihr hingegen nur ein einziges Mal vor der Partie, zieht die vom Stapel und legt die auf Euer Tableau ab. Das sollte auch ohne Kartenhüllen klappen. Aber abgenutzt sahen die bespielten Karten auf der Messe auch nicht wirklich aus. Ist also eher eine Kopfsache von mir und keine Notwendigkeit für Euch.

So wirklich gar nichts habe ich Euch bisher zum Solomodus erzählt, denn dazu kann ich Euch an dieser Stelle schlicht nur die blanke Theorie sagen: Das Spielmaterial bringt eine eigene Solo-Spielregel unter dem Markenzeichen „Automa“ mit, diverse Solo- und Extrakarten und eine eigene Spielhilfe. Mit acht Seiten genauso umfangreich wie das Grundspiel für 2 bis 5 Spieler. Da steckt eine Menge Spiel in dieser kleinen Schachtel. Klingt zu gut? Eventuell ja, aber lasst den Hypetrain lieber an Euch vorbeituckern und spielt Hero Story selbst an. Schon am ersten Maiwochende 2026 habt Ihr dazu die Gelegenheit auf dem SpieleWahnsinn in Herne.

Board Game Arena: Neue Spiele vom 14. bis 20. April 2026

20. April 2026 um 14:34
Board Game Arena: Neue Spiele vom 14. bis 20. April 2026

Board Game Arena hat in der vergangenen Woche zwei neue Titel ins Programm aufgenommen. Mit Pickomino kommt ein Würfelspiel-Klassiker von Reiner Knizia auf die Plattform. La Famiglia: The Great Mafia War bringt dagegen ein komplexes Teamspiel rund um den sizilianischen Machtkampf der 1980er-Jahre an den digitalen Tisch.

Pickomino – Würfelklassiker von Reiner Knizia

Pickomino stammt von Designer Reiner Knizia und erscheint im Original bei Zoch Verlag. Im deutschsprachigen Raum ist das Spiel auch unter dem Namen „Heckmeck am Bratwurmeck" bekannt. Es wurde 2005 erstmals veröffentlicht und stand auf der Empfehlungsliste zum Spiel des Jahres.

Das Spielprinzip ist schnell erklärt: Reihum würfeln die Spielenden mit acht Würfeln und legen nach jedem Wurf mindestens einen Wert zur Seite. Ziel ist es, mit der Summe der gewürfelten Augen Wurmportionen vom Grill zu ergattern. Wer das Risiko zu weit treibt und leer ausgeht, verliert das zuletzt gewonnene Plättchen. Andere Spielende dürfen zudem Plättchen voneinander stehlen.

Das Spiel ist für 2–7 Personen ausgelegt und dauert rund 20 Minuten. Die Komplexität liegt bei 1,16 von 5 auf der BGG-Skala. Auf BoardGameGeek erreicht der Titel eine Bewertung von 6,60 aus 10 Punkten bei über 12.700 abgegebenen Stimmen. Das Spiel lässt sich ohne Premium-Abo spielen.

La Famiglia: The Great Mafia War – Teamkampf um Sizilien

La Famiglia: The Great Mafia War von Designer Maximilian Maria Thiel erscheint bei Boardgame Atelier, die deutsche Ausgabe kommt von Feuerland Spiele. Das Spiel versetzt zwei Teams in das Sizilien der 1980er-Jahre, wo sechs verschiedene Mafia-Familien um die Vorherrschaft ringen.

Jede Runde gliedert sich in eine Planungs- und eine Kampfphase. In der Planungsphase entwickeln die Teams ihre Fähigkeiten und bringen Kämpfer sowie verdeckte Befehle auf das Spielfeld. In der Kampfphase werden die Befehle aufgedeckt und ausgeführt. Durch asymmetrische Fähigkeiten und einen variablen Spielaufbau verläuft keine Partie wie die andere.

Die Basis des Spiels ist auf exakt vier Personen im 2-gegen-2-Modus ausgelegt. Auf Board Game Arena lässt es sich dank der integrierten Erweiterung auch zu zweit und zu dritt spielen. Eine Partie dauert laut BoardGameGeek 120–180 Minuten.

Die Komplexität liegt bei 4,00 von 5 auf der BGG-Skala. Mit einer Bewertung von 8,00 aus 10 Punkten bei über 1.800 Stimmen gehört La Famiglia zu den am besten bewerteten Neuerscheinungen auf der Plattform. Das Spiel lässt sich ohne Premium-Abo spielen.

Board Game Arena: Neue Spiele in KW 14 (2026)

08. April 2026 um 10:13
Board Game Arena: Neue Spiele in KW 14 (2026)

Board Game Arena hat in der vergangenen Woche zwei neue Titel ins Programm aufgenommen. Mit Scythe kommt ein moderner Klassiker des Strategiegenres auf die Plattform. Charuma bringt dagegen ein kompaktes Stichspiel mit ungewöhnlichem Bietmechanismus an den digitalen Tisch.

Scythe – Strategie im alternativen Europa der 1920er

Scythe von Designer Jamey Stegmaier erscheint bei Stonemaier Games und gehört seit seiner Erstveröffentlichung 2016 zu den bekanntesten Strategiespielen weltweit. Auf BoardGameGeek belegt der Titel Platz 26 im Gesamtranking und erreicht eine Bewertung von 8,10 aus 10 Punkten bei über 92.000 abgegebenen Stimmen. Das Komplexitätsgewicht liegt bei 3,45 von 5.

Das Spiel versetzt 1–5 Personen in ein alternatives Europa der 1920er-Jahre, in dem gefallene Reiche um Ressourcen und Territorien konkurrieren. Im Kern verbindet Scythe Engine-Building, Ressourcenmanagement und Gebietskontrolle. Jede Fraktion startet mit eigenen Fähigkeiten und einer individuellen Position auf der Karte. Trotz der militärischen Optik liegt der Schwerpunkt auf wirtschaftlicher Effizienz und dem geschickten Ausbau des eigenen Tableaus.

Eine Partie dauert laut BoardGameGeek rund 115 Minuten, auf Board Game Arena liegt der Durchschnitt bei etwa 58 Minuten. Für die Illustrationen zeichnet Jakub Różalski verantwortlich, dessen Dieselpunk-Ästhetik maßgeblich zur Bekanntheit des Spiels beigetragen hat. Im deutschsprachigen Raum ist das physische Spiel über Feuerland Spiele erhältlich. Für diesen Titel wird ein Premium-Abo benötigt.

Charuma – Stichspiel mit Bietphase

Charuma stammt von Designer Takashi Saito und erscheint beim Verlag Darucat. Das Kartenspiel für 2–5 Personen kombiniert klassisches Stichspiel mit einer vorgeschalteten Auktionsphase. Vor jeder Runde bieten die Spielenden mit ihren eigenen Siegpunkten auf offen ausliegende Karten und bestimmen so selbst, mit welcher Hand sie in die Stichphase gehen.

Das Deck besteht aus nur zwei Farben mit Werten von 1 bis 10, jeweils doppelt vorhanden. Besondere Regeln sorgen für taktische Tiefe: Wird eine identische Karte gespielt, schlägt die zuletzt gespielte die erste. Treffen Ass und 10 derselben Farbe aufeinander, gewinnt das Ass. Paare können erzwungen werden, was weitere Entscheidungen verlangt.

Eine Partie dauert laut BoardGameGeek zwischen 20 und 45 Minuten. Auf der Plattform wurde Charuma bislang 47 Mal bewertet und kommt auf einen Durchschnitt von 6,00 Punkten. Die Illustrationen stammen von Simon Caruso. Das Spiel lässt sich ohne Premium-Abo spielen.

Sag Servus: Mein Abschied von Vantage ist längst überfällig

Von: ravn
19. Februar 2026 um 20:27

Keine Panik, dieser Abschied ist kein Abgesang, sondern nur auf Zeit und bis zur lokalisierten Special Edition von Feuerland, die wie bisher geplant im Sommer 2026 stattfinden soll. Bleiben bis dahin drei offene Fragen, die ich hier in ungefilterter Selbstreflexion mit Euch klären möchte. Lasst uns nochmal über Vantage palavern.

Der Abenteuersandkasten im Kartenspielformat aus dem Hause Stonemaier Games hat sich für mich persönlich auf mehreren Ebenen gelohnt. Erstens konnte ich mit der englischsprachigen Version die Grenzen meines Wortschatzes kennenlernen und neue Begriffswelten erkunden. Wer bitteschön kennt schon das Verb „hone„? In meinen längst vergangenen Business-Meetingsessions im Kreise von internationalen Nicht-Muttersprachlern kam das nicht vor und auch in diversen YouTube-Videos der wissenschaftlichen Welt wurde das ebenso wenig benutzt. Dabei bedeutet „hone“ einfach nur etwas verbessern oder verfeinern, feinschleifen, vervollkommnen.

Aha, verstanden und direkt wieder vergessen, weil ich gerne nur Worte nutze, die meine Gegenüber auch verstehen können. Sprache ist für mich vor allem ein Kommunikationsmittel. Mit der lokalisierten Vantage-Version von Feuerland brauche ich mir darüber aber zum Glück keine Gedanken zu machen. Denn Bettspielen ist für mich vor allem ein entspanntes Hobby, das gerne ohne unnötige Hürden auskommt.

Die zweite lohnende Ebene war die Entdeckung einer neuen Spielwelt. Eine Welt, in der es schlicht kein Scheitern gibt, dafür aber alles vorbestimmt ist. Eine Welt, die ich auf Schienen durchlaufe und mich damit begnüge, die Weichen zu stellen, wohin ich jeweils abbiegen möchte. Und das alles in einem Takt, der keinen Stillstand duldet und damit Entscheidungen forciert – entweder das oder jenes, aber fast immer nie beides. Also genau das, was mir in der jeweiligen Situation am wichtigsten erscheint. Gut, wenn ich in Zukunft auch die ganzen Nuancen verstehe und auch die, welche ich nie hinterfragt hätte – in eigener Selbstüberschätzung. Wie soll ich auch was hinterfragen, wenn ich nicht weiß, dass es etwas zu hinterfragen gibt? Mit der Feuerland-Ausgabe kann ich mich bald aufs Wesentliche fokussieren. Gut so.

Die dritte Ebene der Belohnung, das wart Ihr liebe Leserinnen und Leser. Mit meinen Erzählungen von und über Vantage sind ganz viele von Euch neu zu diesem kleinen Tagebuch der entspannten Brettspiele dazugekommen. So zumindest sagt es meine Serverstatistik, die mal eben einen Sprung um den Faktor 10 gemacht hat, der schwankend bis zum heutigen Tage anhält. Da ich hier nichts monetarisiert habe und nur ganz selten mal erwähne, dass Ihr (ja, Du bist gemeint, sofern Du Dich angesprochen fühlst!) mich freiwillig unterstützen könnt, ist das alles aber nur reine Bauchpinselei fürs eigene Ego, gelesen zu werden. Wenn ich Euch damit eine oder gerne auch mehrere Freuden machen konnte, dann umso besser. Brettspieltag als Webseite und Sprachrohr ist mein privilegiertes Hobby und Ausgleich zugleich. Das reicht mir, denn manches muss einfach verschriftlicht werden.

Aber eigentlich sollte es doch um drei offene Fragen rund um die deutschsprachige Vantage Special Edition von Feuerland gehen. Genau und deshalb greife ich die hier ohne weitere Umschweife auf:

Wird es die Vantage-App auch für die lokalisierte Version von Feuerland Spiele geben?

Seit Ende August 2025 gibt es Vantage ausschließlich auf Englisch von Stonemaier Games. Weitere Sprachversionen sind erst für 2026 angekündigt. Da folgen dann auch Versionen in Spanisch, Ungarisch und Niederländisch. Das ist aber alles noch Zukunftsmusik bei den einzelnen länderspezifischen Verlagen, die diese Lokalisationen übernehmen. Eine offizielle Aussage, ob es dazu überhaupt und wann auch lokalisierte App-Versionen geben wird, die gibt es nicht.

Die Vantage App ist auch kein eigenes Produkt von Stonemaier Games, sondern gehört der Firma Rulepop, die dafür eine Produkt-Partnerschaft eingegangen ist. Feuerland Spiele müsste wohl ebenfalls eine solche Partnerschaft eingehen, denn eine eigene App-Entwicklung wird laut meiner Nachfrage am Messestand der SPIEL 2025 in Essen nicht angestrebt,

Wer also ganz sicher und weiterhin, wie 31 % der Vantage-Nutzer laut aktueller Stonemaier Games Umfrage, die Vantage-App nutzen möchte, der muss wohl oder übel bei der englischsprachigen Originalausgabe bleiben. Wir sprechen bei der App zudem auch nicht von einer einmaligen Übersetzung, denn die App wird weiterhin gepflegt und überarbeitet. So wurde am 26. Dezember 2025 die offizielle Errata eingepflegt und am 22. Januar 2026 gab es minimale Anpassungen der Storybuch-Einträge. Dieser Aufwand käme dann auch auf eine Übersetzung zu, wobei die aktuelle Version einen Stand erreicht hat, mit der ich bisher zufrieden war.

Was bleibt, das sind Spekulationen. Wir können uns da nur überraschen lassen. Ich freunde mich allerdings schon mal damit an, zurück zum Papier zu kehren, damit ich mich nicht selbst aus einer unbegründeten Erwartungshaltung enttäuschen werde. Denn versprochen hat uns bisher niemand etwas. Das solltet Ihr bedenken, wenn Ihr an die Vantage-App denkt.

Wann genau ist das Auslieferungsdatum der lokalisierte Vantage.Version von Feuerland Spiele geplant?

Mitte Januar 2026 berichtete das Feuerland-Team an alle Vorbesteller der Special-Edition, dass nach langer Übersetzungsarbeit die Produktion nach erneuter Prüfung der Druckdateien starten wird. Im Mai 2026 sollen die Spiele fertig produziert sein. Im Sommer werden die dann im Lager von Feuerland erwartet und dann verschickt. Seitdem gibt es keine weiteren offiziellen Aussagen, die dem widersprechen.

Ich für mich rechne damit, auf der SPIEL DOCH! in Dortmund, die vom 24. bis 26. April 2026 in der Westfalenhalle 4 stattfinden wird, ein deutschsprachiges Vorabexemplar am Messestand von Feuerland anschauen zu können. Merkt Euch die Standnummer B-26 vor. Wer nicht so lange warten will, macht sich selbst einen Eindruck von der Qualität der Übersetzung. Die lokalisierte Spielregel gibt es längst zum Download.

Rechnen wir von Mai aus ein wenig weiter, so dauert die Standard-Seefracht per Container aus China rund 30 bis 50 Tage. Dazu kommen noch die Zollabfertigung und der Einzelversand zu den Vorbestellern. Damit wird August realistisch und wir sind mitten im Sommer 2026 angekommen. Also genau dann, was uns Feuerland mit „im Sommer“ versprochen hat. Verzögerungen sind aber immer möglich. Und auch da setze ich mich nicht selbst unter übersteigerten Erwartungsdruck.

Bleibt die allerletzte Frage: Wer möchte mir meine noch größtenteils ungespielte englischsprachige „All in Deluxe“ Vantage Version abkaufen?

In meinen Spielberichten hier könnt Ihr einfachst nachzählen, wie oft das Spiel bei mir auf den Tisch gekommen ist. Zu wenig, muss die Antwort leider lauten, denn Vantage ist eben speziell und in seiner Fremdsprache noch spezieller für einige potenzielle Mitspieler. Das letzte Mal hatte ich Vantage im Herbst letzten Jahres gespielt. Jede weitere Partie hätte mit zudem der Möglichkeit beraubt, die lokalisierte Version zu entdecken. So zumindest rede ich es mir ein und blicke zu den ganz vielen anderen Brettspielen, die nach ihrer ersten Euphoriephase schlicht von anderen Neuheiten verdrängt worden sind.

Aber Vantage darf ja seinen zweiten Frühling (wenn auch im Sommer 2026) erleben, diesmal dann auf Deutsch. Nur spätestens bis dahin benötige ich keine zwei Vantage Spiele. Macht mir ein faires Angebot für das Grundspiel mit allem Deluxe-Zubehör – einfach per E-Mail an verkauf@brettspieltag.de

Und damit schließe ich den Vorhang vor Vantage und sage Servus zur Stonemaier Games Ausgabe. Wir sehen uns in einer anderen Sprache wieder, wenn es dann Sommer ist. Bis dahin, hoffentlich bald!

Scroll. Klick. Wikinger. 

Von: Dirk
10. Februar 2026 um 13:07
Lesezeit: 2 Minuten

Manchmal stolpert man einfach über Dinge, bei denen man sofort hängen bleibt. Genau so ging es mir mit The Danes (Die Dänen). Entdeckt habe ich das Projekt ganz klassisch in der Hotness-Liste von BoardGameGeek. Eigentlich wollte ich was nachschauen und zack: plötzlich tief drin in Wikinger-Plänen von Feuerland und in den Forendiskussionen.

Was ursprünglich wohl als Erweiterung oder Ergänzung für Ein Fest für Odin gedacht war, ist inzwischen zu einem eigenständigen Schwergewicht herangewachsen (angeblich mit Gloomhaven-großer Box!). Hinter dem Projekt stehen unter anderem Uwe Rosenberg aber wohl vornehmlich Gernot Köpke, der auch auf BGG sehr aktiv ist. Veröffentlicht wird das Ganze dann bei Feuerland Spiele. Die Kombination von Namen lässt viele Strategiefans hellhörig werden.

Vom Add-on zum Mammutprojekt

Beim Lesen der Foren wird schnell klar: Bei The Danes erwartet uns wohl ein großformatiges Worker-Placement-Spiel mit Fokus auf Aufbau, Erkundung, Ressourcenmanagement und langfristiger Planung. Der Umfang soll deutlich über dem liegen, was man sonst von klassischen Eurogames kennt – inklusive sehr großer Box und reichlich Material.

Besonders spannend fand ich die Community-Stimmung:
Ein Teil der Spieler ist sofort Feuer und Flamme („endlich wieder Wikinger“), andere bleiben vorsichtig und wollen erst Regeln und Gameplay sehen, bevor sie sich festlegen. Denn wirklich viel sieht man noch nicht. Einigkeit herrscht aber in einem Punkt: Das Projekt wirkt ambitioniert – und alles andere als klein gedacht. Und so hat sich auch der Zeitplan gleich mal verschoben.

Crowdfunding in Sicht

Aktuell deutet vieles auf eine Crowdfunding-Kampagne im Laufe von 2026 hin. Die letzte Info ließ den Start in Q2 2026 möglich erscheinen, mit dem Ziel der Auslieferung bis Q1 2027. Eigentlich sollte das Spiel bereits in 2026 erscheinen, war wohl aber zu ambitioniert. Auch spannend dürfte die Preisgestaltung werden. Bei einem Spiel dieses Umfangs und mit so viel Material werden wir bei den aktuellen Produktionskosten und Logistikaufwänden definitiv die 100 Euro Grenze knacken – vermutlich sogar die 120. Alles andere wäre überraschend günstig. Konkrete Details zu Mechaniken und zum finalen Umfang oder zur Ausstattung sind noch rar, aber genau das macht den Reiz gerade aus: The Danes fühlt sich für mich wie eines der Spiele an, die man nicht aktiv gesucht hat – die einen aber trotzdem irgendwie sofort in den Bann ziehen. Man merkt allerdings beim Betrachten der Bilder, dass es eine gewisse Nähe zu Ein Fest für Odin gibt. Allerdings alles in XXL. Eine Abbildung zeigt verschiedene kleine Boxen, die in der Box enthalten sind. Das Ganze noch gehalten von Legosteinen – Prototypen at its best…

Mein Fazit

Ein klassischer Fall für die Kategorie „Nicht gesucht, trotzdem gefunden“:
The Danes ist mir zufällig über den Weg gelaufen und hat sich innerhalb weniger Minuten von einem unbekannten Eintrag in der BGG-Hotness zu einem Projekt entwickelt, das ich definitiv weiter beobachten werde, auch wenn ich etwas „Angst“ vor dem Umfang des Spiels habe. Und man muss auch erstmal abwarten, inwiefern sich The Danes (Die Dänen) von Ein Fest für Odin unterscheidet.

Wer sich selbst nochmal durchfräsen will, sollte in die Foren bei BGG eintauchen… 


Bildnachweis: Boardgamegeek / Feuerland (https://boardgamegeek.com/image/9012269/the-danes)

Total Regal

19. September 2025 um 16:00

Feuerland Spiele, 2023
Autoren: Matthew Dunstan & Phil Walker-Harding
2–4 Spieler:innen, ab 8 Jahre, 25-35 Minuten

In „Total Regal“ tretet ihr gegeneinander an, um das schönste und cleverste Regal zu gestalten. Was im Alltag nach Aufräumen klingt, wird hier zu einem charmanten Wettstreit: Wer sortiert die farbigen Gegenstände so, dass sie am meisten Punkte bringen? Das Thema hebt sich angenehm von klassischen Fantasy- oder Handelsszenarien ab und wirkt sofort zugänglich. Ihr habt nicht das Gefühl, in einer trockenen Punkteschlacht zu sitzen, sondern spielt ein leichtfüßiges Puzzle, das optisch wie inhaltlich einladend wirkt. Die Idee, Ordnung und Dekoration als spielerisches Thema zu inszenieren, ist originell und sorgt schon vor der ersten Partie für ein Schmunzeln.

Das Spiel läuft über mehrere Runden, in denen ihr abwechselnd Plättchen aus einer offenen Auslage nehmt und in euer persönliches Regal einbaut. Jede Platzierung will gut überlegt sein, denn gleiche Symbole nebeneinander bringen Punkte, zu viele Lücken oder ungeschickte Kombinationen kosten euch dagegen Chancen. Zusätzlich gibt es Aufgabenkarten, die entweder allen oder nur euch selbst bekannt sind und euch zu besonderen Anordnungen anregen. Dadurch entsteht eine Mischung aus taktischem Knobeln und leichter Interaktion, weil ihr genau hinschaut, was die anderen vielleicht gerade sammeln. Die Züge sind schnell, das Spieltempo bleibt flüssig, und ihr erlebt eine angenehme Mischung aus Planung und spontaner Reaktion. Dank verschiedener Aufgaben verläuft keine Partie exakt gleich, ohne dass die Regeln dadurch komplizierter werden.

„Total Regal“ punktet mit einfacher Zugänglichkeit und einer ansprechenden Gestaltung. Die Plättchen sind stabil, die Illustrationen freundlich, das Gesamtbild am Ende einer Partie ist farbenfroh und macht Lust auf ein Wiedersehen. Gelegenheitsspieler:innen und Familien werden hier schnell ihren Spaß finden, da die Regeln in wenigen Minuten erklärt sind und die Runden nicht länger als eine halbe Stunde dauern. Für Vielspieler:innen bietet das Spiel allerdings nur begrenzte Tiefe, da die Strategien überschaubar bleiben und sich ein gewisser Wiederholungseffekt einstellt. Als Familienspiel oder als lockerer Absacker nach einem Kennerspielabend funktioniert es hervorragend. Unser Fazit: „Total Regal“ ist ein liebevoll gestaltetes, leichtes Puzzle, das seine Stärken in Charme, Tempo und Einfachheit hat. Perfekt, wenn ihr ein unkompliziertes, aber dennoch cleveres Spiel für viele Runden sucht.

Scythe im Test

23. September 2024 um 22:27

Scythe ist ein strategisches Brettspiel, das in einer alternativen Vergangenheit in den 1920er Jahren spielt. In einer vom Ersten Weltkrieg geprägten Welt kämpfen verschiedene Fraktionen um Macht, Ressourcen und Kontrolle über Osteuropa. Mit seinem Mix aus Strategie, Ressourcenmanagement und asymmetrischen Fraktionen hat sich Scythe schnell als moderner Klassiker etabliert. Dank der drei Erweiterungen – „Invasoren aus der Ferne“, „Kolosse der Lüfte“ und „Aufstieg der Fenris“ – bleibt das Spiel auch langfristig spannend und bietet vielfältige neue Herausforderungen.

Um was geht es in Scythe?

In Scythe übernehmen die Spieler die Führung über verschiedene Fraktionen in einer alternativen Vergangenheit, die stark von den Ereignissen des Ersten Weltkriegs und den technischen Innovationen dieser Zeit geprägt ist. Das Spiel ist im fiktiven Osteuropa angesiedelt, wo gigantische Mechs das Schlachtfeld dominieren und wertvolle Ressourcen in der Region „Die Fabrik“ gewonnen werden können. Die Spieler wetteifern um die Kontrolle über das Land, indem sie Gebiete erobern, Ressourcen abbauen, militärische Stärke aufbauen und wirtschaftliche Vorteile ausnutzen.

Das zentrale Ziel in Scythe ist es, als erste Fraktion eine bestimmte Anzahl von Erfolgen zu erzielen. Diese können durch den Aufbau von Gebäuden, das Erobern von Gebieten, das Entwickeln von Technologien, den Aufbau von Militärmacht oder das Absolvieren von Kämpfen erreicht werden. Doch das Spiel belohnt nicht nur kriegerische Erfolge, sondern auch ökonomisches Geschick und strategische Planung. Jeder Zug erfordert gut durchdachte Entscheidungen – welche Aktion wird gewählt, welche Ressourcen werden genutzt und wie reagiert man auf die Züge der Gegner?

Was Scythe besonders fesselnd macht, ist der nahtlose Übergang zwischen friedlichem Aufbau und militärischer Eroberung. Spieler müssen geschickt zwischen Wirtschaft und Krieg abwägen, um erfolgreich zu sein. Trotz der thematischen Schwere bleibt das Spiel durch seine klare Struktur und das intuitive Design zugänglich und spannend.

Die 1. Erweiterung: Invasoren aus der Ferne

Die erste Erweiterung, Invasoren aus der Ferne, fügt zwei neue Fraktionen hinzu: die Togawa-Shogunate und das Albion-Königreich. Jede dieser Fraktionen bringt ihre eigenen asymmetrischen Fähigkeiten und Mechaniken ins Spiel, was die strategischen Möglichkeiten erweitert. Diese Fraktionen sind nicht nur optisch und thematisch einzigartig, sondern verändern auch das Spielgeschehen, da sie mit neuen Taktiken und Spielstilen eingeführt werden. „Invasoren aus der Ferne“ verleiht Scythe somit nicht nur mehr Vielfalt, sondern auch eine noch größere strategische Tiefe und Flexibilität. Fans des Grundspiels werden die neuen Herausforderungen und Möglichkeiten zu schätzen wissen.

Die 2. Erweiterung: Kolosse der Lüfte

Mit der zweiten Erweiterung, Kolosse der Lüfte, werden gewaltige Luftschiffe in die Welt von Scythe eingeführt. Diese mächtigen Einheiten bieten den Spielern neue Bewegungs- und Kampfoptionen. Die Luftschiffe sind flexibel einsetzbar und können Truppen schnell über das Spielfeld transportieren, was die taktischen Möglichkeiten noch erweitert. Zudem bringt die Erweiterung neue Auftragskarten ins Spiel, die für zusätzliche strategische Entscheidungen sorgen. „Kolosse der Lüfte“ fügt somit eine neue Dimension der Mobilität und des strategischen Kampfes hinzu, die das Spielgeschehen dynamischer und noch spannender macht.

Die 3. Erweiterung: Aufstieg der Fenris

Aufstieg der Fenris, die dritte Erweiterung, bringt eine völlig neue Spielweise in Scythe: eine Kampagne. Diese Erweiterung besteht aus acht Episoden, die miteinander verbunden sind und eine epische (zurücksetzbare) Geschichte erzählen, die den Spielern die Möglichkeit gibt, ihre Fraktion weiterzuentwickeln und anzupassen. Was diese Erweiterung besonders spannend macht, ist die Möglichkeit, geheime Module und neue Regeln nach und nach freizuschalten, was den Wiederspielwert enorm erhöht. Darüber hinaus können die neuen Module auch außerhalb der Kampagne verwendet werden, um das reguläre Spiel zu erweitern. „Aufstieg der Fenris“ bietet somit nicht nur eine narrative Tiefe, sondern auch vielfältige Anpassungsoptionen für zukünftige Partien.

Fazit zu Scythe

Scythe ist ein Meisterwerk der strategischen Brettspiele, das durch seine asymmetrischen Fraktionen, tiefgründigen Mechaniken und seine spannenden Erweiterungen überzeugt. Egal, ob man sich auf wirtschaftlichen Aufbau oder militärische Eroberung konzentriert, das Spiel bietet unzählige Möglichkeiten und Herausforderungen. Dank der Erweiterungen bleibt es langfristig spannend und abwechslungsreich.

Kein Spiel ist für Jedermann. Ob Scythe etwas für euch ist, entscheidet allein ihr.


Top-Test

Erfahre mehr über das Wertungssystem im Toptest.

1. Thema

Scythe strotzt vor Thema – nicht nur optisch! Alles an diesem Spiel entspricht dem Geist der Zeichnungen von Jakub Rozalski. Scythe fühlt sich in allem sehr thematisch an, bis… ja bis man seine Mechs ins Wasser bewegt um einen Fluss zu überqueren. Denn dann haut einem das Spiel eine Balancing-Regel um die Ohren wie einen sprichwörtlichen Zaunpfahl: Die Mechs können je nach Fraktion, zu der sie gehören, das Wasser nur an bestimmten Terraintypen verlassen. Beispielsweise ist es einem bestimmten Mech nicht gestattet von Wasser aus ein Grasland zu betreten, aber mit Bäumen oder Gebirgen gibt es keine Probleme. Eine Regel, die unthematischer nicht sein könnte. Zum Glück fällt dieses „Problem“ im Gamedesign mit den Kolossen der Lüfte vollends vom Tisch und die ansonsten perfekt inszenierte Welt rettet hier die Wertung.

2. Material

Scythe ist eines der Spiele, die man mit Unmengen an Material aufwerten und verbessern kann. Beschränkt man sich nur auf das originale Material von Stonemaier Games / Feuerland Spiele und die lizensierten Produkte von Meeple Source, kann man dennoch ganz schnell bei über 800 € landen. Sagte mir zumindest… ein Freund! Und das ist eigentlich gar nicht nötig, da das Spiel im Originalzustand schon tolle Holz- und Kunststoffteile dabei hat, hervorragende Kartenqualität und einen Karton so stabil, dass man damit umziehen könnte.

3. Optik

Laut einem Interview kam der Designer Jamey Stegmaier erst durch die fantastischen Artworks von Jakub Rozalski auf die Idee zu Scythe. Und das sieht man dem Spiel an. Alles hier wirkt wie aus einem Guss und versprüht diesen merkwürdig interessanten Vibe von Historie und dennoch fortschrittlicher und uns fremder Technologie. Hervorragend!

4. Setup

Zwar ist Scythe ein großes Spiel, doch das Spielbrett gibt einem lauter Hinweise, wo was zu platzieren ist. Dazu wählt jeder Spieler eine Fraktion sowie eine Ausrichtung und bekommt das Holzmaterial der Farbe, die er (wie angegeben) auf seinem Board platziert. Abgesehen von Ressourcen, Zielkarten und ein paar Kleinigkeiten war es das auch schon. Für ein Spiel dieser Größe und taktischen Tiefe geht das beeindruckend leicht von der Hand!

5. Spieleranzahl

Das Grundspiel ist spielbar mit bis zu 5 Spielern. Durch die Invasion Invasoren aus der Ferne kommen die Möglichkeiten für einen 6. & 7. Spieler dazu. Aus meiner Sicht wird das aber etwas übertrieben sein, denn mehr als 5 Spieler wären mir persönlich zu viel für einen runden Spielablauf – daher gibt es einen Punkt Abzug. Die hohe Punktzahl ist hier – da ich das Gesamtpaket Scythe bewerte – tatsächlich dem modularen Spielplan geschuldet: Erst dieser bringt die nötigen Veränderungen mit sich, um auch bei weniger als 4 Spielern schnell Grenzen zu schaffen und diese knisternde Spannnung zwischen Frieden und militärischer Abschreckung zu provozieren. Der modulare Spielplan ist für mich bei unter 4 Spielern ein MUSS!

6. Zugänglichkeit

Auch hier gibt es eine hohe Punktzahl, denn das Spiel ist sehr einfach gesteuert: Jedes Tableau besteht aus 8 Aktionen, von denen jeweils 2 (von Fraktion zu Fraktion unterschiedlich) gruppiert sind. Ich muss mich jede Runde für eine andere Paarung entscheiden, wobei schon nur noch 3 zur Auswahl stehen. Die obere Aktion bringt mir meist Einkommen, die untere eine Möglichkeit diese Ressourcen auszugeben. Scythe ist im Grundsatz ein leicht zugängliches Spiel, dessen so rundes Bild allerdings durch seine Sonderregeln für Bewegung, Transport und Kampf etwas kränkelt. Nichts, was man sich nicht merken könnte, jedoch definitiv der trägste Regelabschnitt bei Scythe.

7. Spieltiefe

Das Spiel ist an sich recht euro-mäßig gesteuert, obwohl es so nach Kriegsspiel aussieht. Und das gibt dem Spiel seine enorme Tiefe. Scythe glänzt erst dann, wenn Spieler Grenzen zu einander aufbauen. Denn Krieg zu führen ist in Scythe immer schlecht. Er kostet Ansehen und das ist im Endeffekt der Multiplikator für unsere Siegpunkte. Man sollte sich also ganz genau überlegen, wo man eine offene Konfrontation hochkochen lässt und wo man es bei der Abschreckung belässt. Dieses Gefühl ist schon ziemlich gut eingefangen.

8. Spieldauer

Lässt man mögliche Konflikte außer Acht, kann jede Kombination aus Nations- und Spielertableau das Spielende nach derselben Anzahl optimaler Züge erreichen – gut, zwei Kombinationsmöglichkeiten benötigen rechnerisch weniger Runden und sind daher auch offiziell „gebannt“. Jedoch muss man auf dieses Niveau auch erstmal kommen. Scythe ist ein Wettrennen zum Erreichen der Ziele und wenn die Piloten schlafen bzw. nicht wissen, wie sie schnell zum Ziel kommen, dann kann sich auch eine Partie Scythe ziehen. Gerade mit höheren Spielerzahlen kann das ermüdend werden.

9. Downtime

Abgesehen von Kämpfen – die aber sowieso für jeden Spieler interessant sind und schnell ausgeführt werden – gibt es recht schnelle Züge: Eine Kombination auswählen, oben generieren, unten zahlen, der nächste Bitte. So gut, so vereinfacht. Dennoch ist und bleibt Scythe eine sehr thematische Karosse auf einem Euro-Motor. Und der erlaubt und benötigt manchmal etwas Gehirnschmalz. Gerade in den gehobeneren Spielerzahlen und im letzten Drittel des Spiels kann die Downtime dann schon ansteigen.

10. Preis

Mit rund 65 € ist das Grundspiel von Scythe ein echter Kracher! Und selbst mit jeglichem Erweiterungs-Content landet man ohne zusätzliches Blingbling bei nicht einmal 175 € Neupreis. Das ist eine Kampfansage an so viele moderne Kickstarter, die vermutlich in Puncto Qualität mit Scythe nicht mithalten können. Volle Punktzahl!

Ergebnis

Mit 44/50 Punkten ergattert Scythe einen hervorragenden Punktestand und damit das Prädikat „Ausgezeichnet“!

Dieses Spiel ist von der Webseite Boardgamefan.de ausgezeichnet worden.
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