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Ein Zugüberfall für Zwei

Von: Dirk
10. April 2026 um 14:29
Lesezeit: 3 Minuten

Manchmal braucht es für einen guten Plan nur zwei Dinge: einen cleveren Kopf – und einen Komplizen. Genau darum geht es in „The Glasgow Train Robbery“ von Salt & Pepper Games. Das kooperative Brettspiel für zwei Personen lief kürzlich auf Gamefound – und der Coup ist gelungen: Die Kampagne konnte über 40.000 Euro einsammeln und mehr als 400 Unterstützer überzeugen.

Für mich persönlich war das übrigens ein eher ungewöhnlicher Klick auf den „Back“-Button. Crowdfunding funktioniert für mich inzwischen nur noch in sehr engen Grenzen. Zu viele Projekte, zu lange Wartezeiten, zu viele Deluxe-Varianten. „The Glasgow Train Robbery“ gehörte aber zu den wenigen Kampagnen der letzten Zeit, die ich tatsächlich unterstützt habe. Aber das Thema, das Artwork und der Fakt, dass es ein kooperatives Spiel für zwei ist, hat mich einfach überzeugt mal wieder ein Projekt zu unterstützen. Davon abgesehen mag ich die Spiel von Salt and Pepper Games sehr. Auch deren letztes Spiel Onoda hatte ich bereits unterstützt und der Verlag ist u.a. auch für diese besonders ausgefallenen Solo-Spiele (u.a. Conservas) bekannt. Aber auch Spiele für zwei sind eine Spezialität des Verlages.

Warum genau ich auf Crowdfunding nicht mehr so gut zu sprechen bin, darüber habe ich übrigens auch ausführlich mit Uli Blennemann von Spielworxx gesprochen – im „Beyond the Table“-Podcast. In der Episode geht es unter anderem darum, warum Crowdfunding für viele Spieler inzwischen schwieriger geworden ist und welche Projekte trotzdem noch überzeugen können.

Der historische Hintergrund

Die Vorlage für das Spiel ist übrigens einer der berühmtesten Kriminalfälle Großbritanniens. In den frühen Morgenstunden des 8. August 1963 stoppte eine Bande einen Postzug auf der Strecke von Glasgow nach London. Mithilfe manipulierten Signals wurde der Zug an einer abgelegenen Stelle zum Halten gebracht, die Crew überwältigt und gezielt der Geldtransport-Waggon geplündert.

Die Beute betrug rund 2,6 Millionen Pfund, damals eine astronomische Summe. Das entspricht heutzutage in etwa einem Gegenwert von etwa 80 Millionen Euro. Doch obwohl der Coup zunächst perfekt verlief und ohne einen einzigen Schuss abzugeben, verrieten sich einige der Täter später selbst – unter anderem durch Fingerabdrücke, die sie beim Spielen von Monopoly in ihrem Versteck hinterließen. Klingt wie ein schlechter Witz ist aber wahr. Und einer der bekanntesten Gauner Großbritanniens hatte seine Finger im Spiel (im wahrsten Sinne des Wortes) – Ronald Biggs. Dem gelang nach seiner Inhaftierung die Flucht und er lebte 35 Jahre im Ausland, u.a. lange Zeit in Brasilien. Doch 2001 kehrte er zurück nach Großbritannien, wo er 2013 auch starb. Natürlich gibt es zig Dokumentationen zu dem Überfall und einige Verfilmungen, die vom Raub inspiriert wurden oder diesen zum Vorbild hatten. Hervorzuheben ist aus deutsche Sicht der Film Die Gentlemen bitten zur Kasse mit Horst Tappert und Kurt Conradi, der unter dem Namen Arthur Finegan Ronald Biggs verkörperte.

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Ein Zugüberfall für genau zwei Personen

Diese Geschichte bildet die Grundlage für „The Glasgow Train Robbery“, ein kooperatives Spiel speziell für zwei Personen. Dabei übernehmen beide Spielende unterschiedliche Rollen innerhalb der Bande:

  • Coordinator – das strategische Gehirn im Safehouse, das den Plan organisiert und Ressourcen verteilt
  • Operator – der Mensch draußen an den Gleisen, der den Plan tatsächlich umsetzt

Besonders spannend: Kommunikation ist stark eingeschränkt. Spieler dürfen nur über bestimmte Aktionen ein paar Worte austauschen – ansonsten müssen Bewegungen, Karten und Entscheidungen als Hinweise interpretiert werden. Ein bisschen Gedankenlesen gehört also zum perfekten Coup. 

Der Plan in fünf Schritten

Der Überfall selbst läuft über mehrere Plan-Karten, die die echten Schritte des historischen Coups widerspiegeln:

  1. Signale manipulieren
  2. den Zug stoppen und die Crew überwältigen
  3. die Lok bewegen
  4. das Geld umladen
  5. mit dem Fluchtfahrzeug verschwinden

Währenddessen tickt ständig die Uhr: Jede Aktion kostet Zeit und der Zug bewegt sich unaufhaltsam Richtung London. Gleichzeitig sorgen unerwartete Ereignisse und mögliche Spuren – etwa Fingerabdrücke – dafür, dass der perfekt geplante Coup schneller eskalieren kann als gedacht.

Stretch Goals und Extras

Die Gamefound-Kampagne brachte auch einige zusätzliche Inhalte. Freigeschaltete Stretch Goals erweitern das Spiel unter anderem um zusätzliche Karten und Varianten, die neue Herausforderungen in den Ablauf des Überfalls bringen und für mehr Wiederspielwert sorgen.

Zugüberfall zum Mitnehmen

Neben dem klaren Fokus auf zwei Spieler punktet das Spiel auch mit seiner kompakten Box. Damit eignet sich „The Glasgow Train Robbery“ perfekt für unterwegs – egal ob im Urlaub, im Café oder (stilgerecht) im Zug.

Das Spiel befindet sich bereits in Produktion (Crowdfunding mal wieder „nur“ Marketing) und sollte dann auch pünktlich eintreffen, sofern es keine Komplikationen bei der Verschiffung gibt. Aus Sicherheitsgründen hat man von einem Versand per Zug abgesehen… 🙂 Einen Late Pledge wird es somit wohl nicht geben, aber ich bin mir sicher, dass man das Spiel zeitnah erwerben kann.

Scroll. Klick. Wikinger. 

Von: Dirk
10. Februar 2026 um 13:07
Lesezeit: 2 Minuten

Manchmal stolpert man einfach über Dinge, bei denen man sofort hängen bleibt. Genau so ging es mir mit The Danes (Die Dänen). Entdeckt habe ich das Projekt ganz klassisch in der Hotness-Liste von BoardGameGeek. Eigentlich wollte ich was nachschauen und zack: plötzlich tief drin in Wikinger-Plänen von Feuerland und in den Forendiskussionen.

Was ursprünglich wohl als Erweiterung oder Ergänzung für Ein Fest für Odin gedacht war, ist inzwischen zu einem eigenständigen Schwergewicht herangewachsen (angeblich mit Gloomhaven-großer Box!). Hinter dem Projekt stehen unter anderem Uwe Rosenberg aber wohl vornehmlich Gernot Köpke, der auch auf BGG sehr aktiv ist. Veröffentlicht wird das Ganze dann bei Feuerland Spiele. Die Kombination von Namen lässt viele Strategiefans hellhörig werden.

Vom Add-on zum Mammutprojekt

Beim Lesen der Foren wird schnell klar: Bei The Danes erwartet uns wohl ein großformatiges Worker-Placement-Spiel mit Fokus auf Aufbau, Erkundung, Ressourcenmanagement und langfristiger Planung. Der Umfang soll deutlich über dem liegen, was man sonst von klassischen Eurogames kennt – inklusive sehr großer Box und reichlich Material.

Besonders spannend fand ich die Community-Stimmung:
Ein Teil der Spieler ist sofort Feuer und Flamme („endlich wieder Wikinger“), andere bleiben vorsichtig und wollen erst Regeln und Gameplay sehen, bevor sie sich festlegen. Denn wirklich viel sieht man noch nicht. Einigkeit herrscht aber in einem Punkt: Das Projekt wirkt ambitioniert – und alles andere als klein gedacht. Und so hat sich auch der Zeitplan gleich mal verschoben.

Crowdfunding in Sicht

Aktuell deutet vieles auf eine Crowdfunding-Kampagne im Laufe von 2026 hin. Die letzte Info ließ den Start in Q2 2026 möglich erscheinen, mit dem Ziel der Auslieferung bis Q1 2027. Eigentlich sollte das Spiel bereits in 2026 erscheinen, war wohl aber zu ambitioniert. Auch spannend dürfte die Preisgestaltung werden. Bei einem Spiel dieses Umfangs und mit so viel Material werden wir bei den aktuellen Produktionskosten und Logistikaufwänden definitiv die 100 Euro Grenze knacken – vermutlich sogar die 120. Alles andere wäre überraschend günstig. Konkrete Details zu Mechaniken und zum finalen Umfang oder zur Ausstattung sind noch rar, aber genau das macht den Reiz gerade aus: The Danes fühlt sich für mich wie eines der Spiele an, die man nicht aktiv gesucht hat – die einen aber trotzdem irgendwie sofort in den Bann ziehen. Man merkt allerdings beim Betrachten der Bilder, dass es eine gewisse Nähe zu Ein Fest für Odin gibt. Allerdings alles in XXL. Eine Abbildung zeigt verschiedene kleine Boxen, die in der Box enthalten sind. Das Ganze noch gehalten von Legosteinen – Prototypen at its best…

Mein Fazit

Ein klassischer Fall für die Kategorie „Nicht gesucht, trotzdem gefunden“:
The Danes ist mir zufällig über den Weg gelaufen und hat sich innerhalb weniger Minuten von einem unbekannten Eintrag in der BGG-Hotness zu einem Projekt entwickelt, das ich definitiv weiter beobachten werde, auch wenn ich etwas „Angst“ vor dem Umfang des Spiels habe. Und man muss auch erstmal abwarten, inwiefern sich The Danes (Die Dänen) von Ein Fest für Odin unterscheidet.

Wer sich selbst nochmal durchfräsen will, sollte in die Foren bei BGG eintauchen… 


Bildnachweis: Boardgamegeek / Feuerland (https://boardgamegeek.com/image/9012269/the-danes)

Rückruf bei Asmodee Deutschland – und irgendwie fühlt sich das neu an

Von: Dirk
04. Februar 2026 um 12:27
Lesezeit: < 1 Minute

Man stolpert ja über vieles, wenn man sich länger in der Brettspielszene bewegt. Regelunklarheiten, Produktionsfehler, fehlende Karten – alles schon erlebt.

Aktuell ruft Asmodee ein Zubehör-Set zurück, weil in einem mitgelieferten Stoffbeutel zu hohe Formaldehyd-Werte festgestellt wurden. Kein Detailproblem, kein „wir legen euch Ersatzkarten bei“, sondern ein klarer Fall von: Bitte nicht mehr benutzen.

Und ja – im Spielzeugbereich kennt man solche Meldungen durchaus. Puppen, Plüschtiere oder Billigimporte mit problematischen Chemikalien tauchen regelmäßig in Rückruflisten auf.

Aber bei modernen Brettspielen, die sich längst als hochwertiges Hobbyprodukt verstehen? Das fühlt sich tatsächlich wie eine kleine Premiere an.

Aber ein echter sicherheitsrelevanter Rückruf eines großen Brettspielverlags? Das ist mir in dieser Form bisher nicht untergekommen.

Was ich Asmodee dabei zugutehalte: Der Rückruf wird offen kommuniziert, mit klaren Anweisungen für Käuferinnen und Käufer. Genau so muss das laufen. Transparenz ist in solchen Fällen wichtiger als jede PR-Glanzpolitur.

Trotzdem bleibt ein schaler Beigeschmack. Gerade weil viele von uns Spiele nicht nur sammeln, sondern regelmäßig mit Familie, Kindern oder Freunden auf den Tisch bringen. Da erwartet man irgendwie, dass Materialien vorher sauber geprüft werden. Hat das bisher entsprechend konsequent stattgefunden oder eher nicht? Vielleicht werden Brettspiele in der Hinsicht auch einfach anders geprüft als Spielzeuge für kleine Kinder. Zumindest bisher.

Das betroffene und potenziell gefährliche Zubehör (Quelle: Asmodee)

Unterm Strich:
Kein Grund für Panik – aber definitiv ein Moment, der zeigt, dass auch unsere geliebte Brettspielwelt nicht völlig frei von klassischen Konsumgüterproblemen ist.

Falls ihr betroffen seid: Prüft euer Set und folgt den offiziellen Rückrufhinweisen.

Und wir nehmen das hier mal als Eintrag ins kollektive Gedächtnis der Szene auf:
Spielzeug kennt Rückrufe – Brettspiele jetzt offenbar auch.

Nicht gesucht, trotzdem gefunden

Von: Dirk
30. Januar 2026 um 07:17
Lesezeit: 3 Minuten

Manchmal ist Veränderung nötig. Deshalb hinterfrage ich regelmäßig was ich tue – mitunter sehr selbstkritisch. Und das gilt auch für meinen Blog. Vor allem, da er dieses Jahr zehn Jahre alt wird. Ja echt! Seit zehn Jahren berichte ich nun schon in verschiedenen Medien über Brettspiele. Unglaublich! (Notiz: Rückblick Folge für den Podcast einplanen… 😉 )

Früher hatte ich viele Kategorien und Unterkategorien. Damit räume ich jetzt auf. Klassische News wird es hier nicht mehr geben. Das machen andere besser und aktueller. Zum Beispiel Christoph mit dem Team der Brettspielbox oder die Cliquenabendler oder viele viele andere. Stattdessen informiere ich euch über spannende Entdeckungen und interessante Crowdfundings – falls es letztere noch gibt. „Nicht gesucht, trotzdem gefunden“ (kurz: „NGTG“) ersetzt die bisherigen News und ist der Ort für all diese spannenden Entdeckungen.

Und auch bei den Artikeln kürze ich: Weniger lange Texte und Regelerklärungen, mehr Spielgefühl und Spielerfahrung. So hoffe ich, neben dem Podcast wieder häufiger zum Schreiben zu kommen.

Und es gibt noch eine komplett neue Kategorie: Schachtelgeschichten. Diese Geschichten öffnen die Welten von Brettspielen wie eine geöffnete Spieleschachtel: Hier drängen nicht nur Figuren und Karten, sondern ganze Geschichten, Momente und Entscheidungen aus der Schachtel hinaus. Mal düster, mal melancholisch, mal leise, mal bedrohlich, mal fröhlich – jede Geschichte erzählt einen Ausschnitt aus dem Leben in der Spielwelt, bevor du selbst die Würfel wirfst. Jede Geschichte greift die Stimmung der Welt des Spiels auf und ist in wenigen Minuten gelesen. Details gibt es dann demnächst noch mal hier.

Eine Spieleschachtel aus der Charakter, Orte und Gegstände wie in einer Explosion rausfliegen. KI-generierte Illustration, erstellt für wuerfelmagier.de
Die Schachtelgeschichten lassen Brettspiele lebendig werden.

In Zukunft gibt es im Blog also nur noch diese Rubriken:

  • Reviews: Hier findet ihr alle Arten von Rezensionen – ob kurze Ersteindrücke, ausführliche Besprechungen oder auch Hinweise auf Podcastfolgen. Die Kategorien bleiben schlank, die Details gebe ich über Tags an.
  • Meinung: In dieser Rubrik teile ich meine Ansichten zu verschiedenen Themen rund um Brettspiele – von der Industrie bis zu Community-Diskussionen. Und vielleicht gibt es ja auch mal Gastbeiträge…wer weiß.
  • Nicht gesucht, trotzdem gefunden: Spannende Entdeckungen aus der Brettspielwelt, Crowdfunding-Projekte, Zubehör oder interessante Varianten auf BoardGameGeek. Alles, was in keine andere Kategorie passt.
  • Podcast: Jede neue Podcast-Folge wird hier angekündigt, und ihr könnt sie direkt auf der Website hören – oder noch besser, direkt abonnieren!
  • Schachtelgeschichten: Jeden Monat mindestens eine neue Geschichte aus einer Brettspielwelt. Kein Review, nur Story und ein kleines Fazit zum Spiel.
  • Interviews: Diese Kategorie bleibt, auch wenn die meisten Interviews im Podcast stattfinden. Gelegentlich werde ich sie als Transkript veröffentlichen, für alle, die lieber lesen.

Ich hoffe, dass ich so wieder mehr schreibe und nicht nur über den Podcast oder Gastauftritte in anderen Medien über das beste Hobby der Welt informiere.

Ein Thema, das mich auch noch beschäftigt, ist Social Media. Im Jahr 2016 waren Facebook und Twitter die beiden Hauptkanäle. Da hat man sich getroffen, da wurde diskutiert und dem Hobby gefrönt. Heute sieht es ganz anders aus: Twitter ist irgendwie kaputt, Instagram wächst stetig und „neue“ Plattformen wie Threads, Bluesky und Mastodon tauchten auch noch auf. Auch WhatsApp und Discord spielen eine größere Rolle. Ich werde mich zukünftig weiter auf die Meta-Plattformen (Instagram und Facebook) konzentrieren, schaue aber, ob andere Plattformen auch sinnvoll sind. Bluesky gefällt mir beispielsweise aktuell ganz gut. Außerdem findet ihr mich auf dem Discord Server des Beeple Netzwerks.

Mich interessiert in dem Kontext auch, wo ihr so in Social Media unterwegs seid – und wer bis hierhin gelesen hat 🙂 Schreibt mir doch mal einen Kommentar unter den Blog. Mal sehen, wer das noch hinkriegt… 😀 Ansonsten auch gerne irgendwo anders kontaktieren.

Die Änderungen im Blog setze ich im Laufe der nächsten Wochen um. Alles andere wird sich weisen… Und zum 10jährigen kommt bestimmt auch noch was… 😉


Bildcredits: KI-generierte Illustration, erstellt für wuerfelmagier.de

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