Normale Ansicht

City of Six Moons: Warum dieses Spiel ohne Anleitung ein obsessiver Kult-Hit wurde

Regeln in Alien-Sprache: Ist City of Six Moons das radikalste Brettspiel-Experiment aller Zeiten?

City of Six Moons: Vier Monate, drei Phasen, null Gewissheit — die Nachbetrachtung eines Experiments. Als City of Six Moons im Sommer 2024 erschien, klang die Prämisse nach einem Gimmick: ein Solospiel, dessen Regelbuch komplett in einer außerirdischen Symbolsprache verfasst ist. Die Designerin Amabel Holland (Hollandspiele) weigerte sich, Regelfragen zu beantworten. Zwei Jahre später wissen wir: Es war kein Gimmick. Es war eines der radikalsten Spielexperimente des Jahrzehnts — und es hat eine kleine, obsessive Fangemeinde gefunden.

Video – Brettspiel News vom 12. Juni 2026

12. Juni 2026 um 21:30

Hier sind die Brettspiel News. Ich habe ein paar Infos in den verschiedenen Clustern zusammengetragen.  Heute wieder einiges dabei für jeden.  VIDEO Inhalt ■ in eigener Sache■ News (Netto, Digital Neu)■ Crowdfunding (8 Dragons, Altera, Concordia, Shackleton Base Erweiterung)■ Ticker (The Danes, Harmonies – Im Klang der Wildnis, Food Truck Fury, Great Heights, Last Lemming, […]

Thunder Road Vendetta: Maximum Chrome wieder vorbestellbar

12. Juni 2026 um 20:56

Frosted Games öffnet die Vorbestellung für Maximum Chrome erneut

Thunder Road Vendetta: Maximum Chrome wieder vorbestellbar

Wer die große Box zu Thunder Road Vendetta verpasst hat, bekommt eine zweite Chance: Frosted Games hat die zwischenzeitlich ausverkaufte Maximum-Chrome-Ausgabe wieder vorbestellbar gemacht. Es handelt sich laut Frosted Games um die dritte Auflage. Der Verlag rechnet mit der Auslieferung im vierten Quartal 2026 und dämpft die Erwartungen selbst: Rechtzeitig zur SPIEL in Essen 2026 werde die Box wahrscheinlich nicht eintreffen. Im Frosted-Shop steht die Ausgabe für 139,95 Euro.

Die Big Box läuft im Direktvertrieb über Frosted Games. In den regulären Handel geht Maximum Chrome nicht, wer die Sammelausgabe will, bestellt also direkt beim Verlag.

Worum es geht: chaotisches Auto-Rennen mit Schussduellen

Thunder Road Vendetta ist ein reines Mehrspieler-Spiel für zwei bis fünf Personen. Einen Solo-Modus gibt es nicht; auch in der Wertung der BGG-Community schneidet die Einzelpartie schlecht ab, am besten läuft das Spiel zu dritt oder zu viert. Eine Partie dauert 45 bis 75 Minuten.

Gespielt wird auf einem Rastersystem. Würfel steuern beides: die Bewegung der eigenen Fahrzeuge und die Schüsse auf gegnerische Wagen. Statt fester Augenzahlen werten die Spielenden Würfelsymbole aus (Die Icon Resolution), klassisches „Roll and Move" trifft hier auf Beschuss und Rempeleien. Geschrottete Autos fliegen aus der Partie (Spielerelimination), das letzte fahrende Fahrzeug gewinnt. Das Spielgefühl ist entsprechend ruppig und direkt, die Mechanik gehört zur „Take That"-Familie. Mit einer Komplexität von 2,25 von 5 auf BoardGameGeek bleibt der Titel trotz Kampf und Chaos im zugänglichen Bereich.

Hinter dem Spiel steht der US-Verlag Restoration Games als Design-Partner, Frosted Games verantwortet die deutsche Ausgabe. Das Autorenteam umfasst Dave Chalker, Noah Cohen, Rob Daviau, Justin D. Jacobson, Brett Myers und Brian Neff. Die Illustrationen stammen von Marie Bergeron und Garrett Kaida. Der Verlag gibt die deutsche Ausgabe ab 12 Jahren frei.

Was in der Box steckt

Maximum Chrome bündelt das Grundspiel und alle Erweiterungen in einer foliengeprägten Box. Inhaltlich lassen sich zwei Ebenen unterscheiden.

Spielerisch erweitern den Grundkasten die Module „Fetter Truck & Die Wilden 5", „Blech Blut und Höllenglut", „Schraubbude" und „Nachladen". Dazu kommt die nur in dieser Ausgabe enthaltene Mini-Erweiterung „Deutsche Ingenieurskunst": Sie ersetzt die Bewegungs- und Schusswürfel durch ein Kartenset und bietet damit eine alternative Steuerung für alle, die weniger Würfelglück und mehr Planung wollen.

Auf der Ausstattungsseite legt die Sammelausgabe nach: ein exklusiver Crew-Leader (Em Berco), ein konsolidiertes Regelheft, das die Regeln aller Inhalte an einer Stelle zusammenfasst, sowie ein passgenaues Custom-Insert in der hochwertig geprägten Box.

Einordnung

Für DACH-Sammlerinnen und -Sammler ist der Schritt relevant, weil die deutsche Big Box lange nicht erhältlich war und nicht über den Handel läuft. Wer Thunder Road Vendetta in der Vollausstattung haben will, hat mit der dritten Auflage erneut die Gelegenheit dazu, sollte aber die Verlagsprognose im Blick behalten: Liefertermin frühestens viertes Quartal 2026, der Messetermin in Essen ist nach Verlagsangabe wahrscheinlich zu früh.

Die Kampagnen-Preview für Die Dänen von Uwe Rosenberg & Gernot Köpke bei Feuerland Spiele ist auf Gamefound online gegangen

Newsbild Auf Gamefound ist die Kampagnen-Preview für das Spiel Die Dänen von Uwe Rosenberg und Gernot Köpke, welches bei Feuerland Spiele erscheinen soll, online gegangen. Im Jahr 825 brach eine Gruppe von Wikingern zu einer Reise auf, die weit länger dauern sollte als erwartet. Im epischen Worker-Placement-Spiel Die Dänen erkunden die Spielenden neue Gebiete und treiben Handel. Zudem widmen sie sich alltäglichen Aufgaben wie der Tierzucht, dem Sammeln von Gütern und der Jagd, um sich ein stetiges Einkommen und Siegpunkte zu sichern. Am Ende gewinnt die Person mit den meisten Siegpunkten. Die Spielenden beginnen mit einer kleinen Gruppe von Wikingern, doch mit jeder Runde wachsen ihre Mannschaft und ihre Möglichkeiten. Gleichzeitig steigen jedoch auch die Ansprüche ihrer Gemeinschaft an Nahrung und Abgaben. Die Kampagne wird noch in diesem Jahr starten. Das Spiel selbst, welches eine Weiterentwicklung von Ein Fest für Odin ist, wird jedoch erst 2027 erscheinen.

Oh my socks

12. Juni 2026 um 16:00

Helvetiq, 2025
Autoren: Antoine Bauza & Théo Rivière
2–5 Spieler:innen, ab 6 Jahre, 15 Minuten

Eine Socke liegt schon brav im passenden Stapel, die nächste wandert durch die Runde und plötzlich stellt sich diese kleine, gemeine Frage: Wollt ihr wirklich noch eine davon haben? In „Oh my socks!“ geht es um ein vertrautes Haushaltsdrama im Kartenformat. Socken verschwinden, tauchen doppelt auf, landen bei den falschen Leuten und sollen am Ende möglichst ordentlich sortiert sein. Das Spiel nimmt diese einfache Idee und macht daraus einen sehr zugänglichen Absacker. Ihr sammelt Socken in eurer Auslage, aber nicht jede zusätzliche Karte ist automatisch gut. Entscheidend ist, dass am Ende gerade Mengen gleicher Socken zählen. Zwei sind schön, vier sind besser, drei oder fünf können dagegen ärgerlich sein. Genau daraus entsteht der Reiz. Das Thema ist nicht bloß Dekoration, sondern erklärt sofort, warum einzelne Socken nerven und Paare erfreuen.

Ihr zieht Karten, entscheidet euch für eine davon und gebt eine andere weiter. Das klingt zunächst harmlos, entwickelt aber schnell kleine Spitzen. Denn ihr schaut nicht nur auf eure eigene Auslage, sondern auch auf die der Mitspieler:innen. Wer braucht gerade dringend noch eine bestimmte Socke? Wem würdet ihr mit dieser Karte ein Paar schenken? Und wem könnt ihr vielleicht eine Socke zuschieben, die aus einem wertvollen Zweier plötzlich einen wertlosen Dreier macht? Gerade zu viert entsteht dadurch ein schöner Fluss. Die Züge sind kurz, niemand wartet lange und trotzdem passiert am Tisch genug, um aufmerksam zu bleiben. Das Spiel lebt von diesen kleinen Momenten, in denen eine scheinbar harmlose Karte plötzlich Bedeutung bekommt. Manchmal nehmt ihr die sichere Karte für euch selbst. Manchmal ist es reizvoller, jemand anderem eine unbequeme Socke weiterzugeben. Und manchmal hofft ihr einfach, dass die nächste Karte eure Auslage wieder geradebiegt. Glück spielt natürlich mit. Ihr könnt nicht kontrollieren, welche Karten kommen und wann die Partie endet. Trotzdem fühlt sich das Spiel nicht beliebig an, weil die Entscheidungen am Tisch Gewicht haben. Wer nur auf sich schaut, verschenkt Möglichkeiten. Wer dagegen beobachtet, welche Muster bei den anderen liegen, kann mit einfachen Mitteln kleine Wendungen auslösen. Das ist kein großes Taktikfeuerwerk, aber für ein kurzes Kartenspiel genau die richtige Menge an Entscheidung.

„Oh my socks!“ überzeugt vor allem dadurch, dass es sofort verständlich ist und trotzdem nicht völlig von allein läuft. Die Regeln sind schnell erklärt, die Partie kommt ohne Anlaufzeit in Gang, und nach wenigen Zügen ist klar, worauf ihr achten müsst. Das macht das Spiel besonders stark für Runden, die etwas Leichtes für zwischendurch suchen, aber keine reine Glücksnummer auf den Tisch legen wollen. Am besten funktioniert das Spiel, wenn ihr Lust habt, euch gegenseitig im Blick zu behalten. Die Interaktion ist freundlich gemein, aber nicht zerstörerisch. Ihr könnt anderen eine unpassende Socke zuschieben, doch der Schaden bleibt klein genug, dass daraus eher Gelächter als Frust entsteht. Zu viert trägt diese Dynamik sehr gut, weil genug Karten durch die Runde wandern und die Entscheidungen nicht nur aus Selbstoptimierung bestehen. Die Downtime bleibt gering, der Spielfluss ist angenehm flott. Die Schwäche liegt in der Natur des Spiels. Wer viel strategische Tiefe, langfristige Planung oder starke Kontrolle sucht, wird hier nicht lange verweilen. Auch der Wiederspielreiz lebt weniger von neuen Entdeckungen als von der lockeren Tischstimmung. Das ist kein Spiel, das einen Abend allein trägt. Es ist eines, das zwischen zwei größeren Spielen, nach dem Essen oder als schneller Einstieg sehr gut funktioniert. Das Material ist solide, die Gestaltung freundlich und klar genug, um die Sockenmuster gut auseinanderzuhalten. Besonders sympathisch bleibt die kleine Helvetiq-Schachtel, die wenig Platz braucht und genau zu dieser Art Spiel passt. Haptisch wirkt das Ganze unaufgeregt, aber ordentlich. Es ist kein Materialfest, aber es erfüllt seinen Zweck und unterstützt den schnellen, unkomplizierten Charakter. Unterm Strich ist „Oh my socks!“ ein schöner Absacker mit einem gut greifbaren Kniff. Wenn ihr kurze Kartenspiele mögt, bei denen ihr nicht nur eure eigene Auslage sortiert, sondern auch mit einem Auge auf die anderen schaut, werdet ihr hier viel Freude haben. Für Familien, Gelegenheitsspieler und lockere Runden ist das Spiel eine klare Empfehlung für zwischendurch. Wer dagegen Tiefe und große Spannungsbögen sucht, sollte die Socken lieber im Schrank lassen.

Wine & Cheese: Kennerspiel-Duell für genau zwei Personen

12. Juni 2026 um 14:40
Wine & Cheese: Kennerspiel-Duell für genau zwei Personen

Mit „Wine & Cheese” bringt Deep Print Games ein Kennerspiel für genau zwei Personen an den Tisch, das den Erfolg an eine ungewöhnliche Bedingung knüpft: Am Ende zählt pro Hof nur die Ware, die weniger eingebracht hat. Autor Scott Almes baut damit den Grundgedanken seines Vorgängers „Beer & Bread” weiter aus, diesmal anspruchsvoller und rund um Wein- und Käseproduktion im Burgund.

Spieleranzahlgenau 2 Personen
Spielzeit45 bis 75 Minuten
Alterab 12 Jahren
AutorScott Almes
IllustrationMichael Menzel, Alexander Jung
VerlagDeep Print Games
Vertriebexklusiv über Pegasus Spiele
ReiheFor-2-Reihe von Deep Print Games
UVP29,99 Euro
Erschienen27. Mai 2026

Worum es geht

„Wine & Cheese” versetzt die beiden Spielenden auf benachbarte Höfe im Burgund. Jeder Hof stellt zweierlei her: Wein und Käse. Über zwei Spieljahre hinweg sammeln Sie Zutaten, lassen Ihre Waren reifen und verkaufen sie zum richtigen Zeitpunkt. Jedes Jahr gliedert sich in die vier Jahreszeiten Frühling, Sommer, Herbst und Winter, und jede Jahreszeit hat ihre eigene Phase im Ablauf.

Die Mechanik

Das Herzstück ist ein paarweises Einsetzen der Arbeitskräfte. Im Frühling entsenden Sie Ihre Arbeiter paarweise auf die Parzellen, im Herbst holen Sie sie von dort zurück. Die Parzellen sind geteilt, beide Höfe greifen also auf dieselben Felder zu. Wer wann welches Paar setzt, entscheidet darüber, welche Zutaten und Aktionen Ihnen offenstehen und welche Sie der Gegenseite überlassen.

Danach zählt das Timing. Wein und Käse durchlaufen einen Reifeprozess, bevor sie ihren vollen Wert erreichen. Verkaufen Sie zu früh, verschenken Sie Ertrag; warten Sie zu lange, blockieren die Waren Ihren Hof. Über die Spieljahre verwalten Sie zudem Ihre Handkarten und erfüllen Verträge, die festlegen, welche Lieferungen sich besonders lohnen.

Mechanisch verbindet „Wine & Cheese” damit Worker Placement mit Hand- und Kartenmanagement. BoardGameGeek führt das Spiel mit einer mittleren Komplexität von 3,0 und ordnet es als reines Spiel für zwei Personen ein. Einen Solo-Modus gibt es nicht.

Der Clou: nur die schwächere Ware zählt

Den eigentlichen Kniff liefert die Endwertung. Nach den zwei Jahren ermittelt jeder Hof seine Einnahmen getrennt für Wein und für Käse. Gewertet wird aber nur die Warenart, die weniger eingebracht hat. Wer den Wein vernachlässigt, um den Käse zu maximieren, verschenkt am Ende seine Stärke. Der Reiz liegt also nicht im Spezialisieren, sondern im Gleichgewicht: Beide Standbeine müssen mithalten, sonst zählt nur das schwächere.

Wine & Cheese: Kennerspiel-Duell für genau zwei Personen
Die Eckdaten zu Wine & Cheese auf einen Blick. Grafik: Würfelreich; Daten: BoardGameGeek, Pegasus Spiele.

Autor, Illustration und Einordnung

„Wine & Cheese” stammt von Scott Almes, der bereits den Vorgänger „Beer & Bread” entworfen hat. Beide Titel gehören zur For-2-Reihe von Deep Print Games, die sich ausschließlich an Paare und Duell-Runden richtet. Im Vergleich zu „Beer & Bread” fällt „Wine & Cheese” anspruchsvoller aus: Der Balance-Zwang in der Wertung, das Timing des Reifeprozesses und die zu erfüllenden Verträge verlangen vorausschauendes Planen über beide Spieljahre.

Die Illustrationen stammen von Michael Menzel und Alexander Jung. Verlegt wird das Spiel von Deep Print Games, der Vertrieb im Handel läuft exklusiv über Pegasus Spiele. Erst kürzlich hat Deep Print Games den Klassiker Cuba als Cubaneo neu aufgelegt; wer das Verlagsprogramm verfolgt, findet weitere Titel von Deep Print Games im Überblick. Für ein anderes anspruchsvolles Duell zu zweit lohnt zudem der Blick auf das Kennerspiel-Duell Compile. Seit dem 27. Mai 2026 steht „Wine & Cheese” zur UVP von 29,99 Euro im Sortiment. In der Schachtel stecken ein Spielplan, 60 Karten, 95 Holzteile, vier Aufbewahrungsschachteln, ein Wertungsblock und die Anleitung.

Quellen

Cozy Stickerville – Ein Dorf, das bleibt (Rezension)

12. Juni 2026 um 09:00

Cozy StickervilleEin Dorf, das Sticker für Sticker wächst, Bewohner*innen mit eigenen Geschichten und zehn Jahre voller kleiner Entscheidungen: Cozy Stickerville ist für das Spiel des Jahres 2026 nominiert und stellt uns dabei vor eine ehrliche Frage: Muss ein Brettspiel eigentlich ein Spiel sein?

Dieser Beitrag wurde von Tim Billen geschrieben

Top 10 Spiele für den Mallorca-Sommerurlaub

Von: Peer
12. Juni 2026 um 08:31

Top 10 Spiele für MallorcaOk, es muss natürlich nicht Mallorca sein, es gibt auch viele andere schöne Orte für den Sommerurlaub. Wir waren letztes Jahr zum Beispiel auf Kreta in Griechenland und das war auch toll. Was aber immer dabei sein muss sind kleine Brettspiele und Kartenspiele, denn was gibt es schöneres als nach einem Strandtag noch was zu […]

Der Beitrag Top 10 Spiele für den Mallorca-Sommerurlaub erschien zuerst auf Abenteuer Brettspiele.

TIANXIA - T-Party mit ungebetenen Gästen

12. Juni 2026 um 08:00

Das sind doch die gleichen wie in Mulan!“, stellte meine Mitspielerin Sonja nach der Regelerklärung fest und bewies historische Sattelfestigkeit auf Disney-Niveau. „Die“, das sind die Reiternomaden der Xiongnu, die in Tianxia über die Chinesische Mauer drängen, während wir im Hinterland am Reich bauen. Krieg ist immer gleich und verlustreich, und deshalb sollten trotz des kompetitiven…

Quelle

Similo: Wassertiere

Von: Roy
12. Juni 2026 um 07:55


Kaum zu glauben, aber wahr: Wir haben bisher keine Rezension zum Deduktionsspiel „Similo“ auf unserer Homepage. Da es mittlerweile jedoch zahlreiche Versionen davon gibt, haben wir uns gedacht, dass wir das nun endlich nachholen sollten. Ursprünglich stammt das Spiel von Horrible Guild, in Deutschland wird es von HeidelBÄR Games vertrieben. In dieser Rezension konzentrieren wir uns auf eine der neueren Versionen: „Wassertiere“. Ich kann euch aber schon sagen: Es gibt auch Varianten zu Tieren, Wildtieren, Märchenfiguren, historischen Figuren, mythischen Wesen und und und …

Als Autoren werden Martino Chiacchiera, Hjalmar Hach und Pierluca Zizzi genannt. Bis zu 8 Spieler können mitmachen, eine Partie dauert ca. 10–15 Minuten.


Bei Similo gibt es stets einen Tippgeber, der sich eine Karte zieht, die es von den Ratenden zu erraten gilt. Dafür zieht der Tippgeber elf weitere Karten und mischt diese zusammen mit der gesuchten Karte, bevor er sie in einem 3×4-Raster auslegt. Innerhalb von fünf Runden müssen die anderen Spieler nun die gesuchte Karte herausfinden.

In jeder Runde wählt der Tippgeber eine Karte aus seiner Hand (aus den nicht verwendeten Karten) und legt sie zur Auslage. Wird sie hochkant gelegt, bedeutet das, dass diese Karte eine Gemeinsamkeit mit der gesuchten Karte hat. Wird sie quer gelegt, bedeutet das das Gegenteil.

In der ersten Runde müssen die Ratenden eine Karte ausschließen, nach der zweiten Runde zwei Karten, dann drei und in der vierten Runde sogar vier – bis am Ende nur noch zwei Karten übrig bleiben. Mit dem fünften und letzten Tipp soll dann idealerweise die richtige Karte gefunden werden, womit das Spiel gewonnen ist. Sollte allerdings irgendwann die gesuchte Karte selbst aus dem Spiel entfernt werden, verlieren alle sofort.


Auf den Bildern seht ihr die „Wassertiere“-Version, aber der spielerische Ablauf ist bei allen Versionen identisch. Die verschiedenen Ausgaben lassen sich sogar kombinieren, was sich gerade bei „Wassertiere“ mit den normalen Tieren oder Wildtieren anbietet.

Similo ist inzwischen fast schon ein Klassiker unter den Deduktionsspielen und hat sich einen festen Platz in den Herzen vieler Brettspieler erobert – insbesondere auch durch die zahlreichen Versionen, die zuletzt zur SPIEL in Essen erschienen sind. Die Regeln sind schnell erklärt, bieten aber dennoch eine schöne Knobelaufgabe, bei der man schnell in Diskussionen darüber gerät, was sich der Tippgeber bei seinen Hinweisen gedacht hat. Schön ist außerdem, dass auf den Karten kleine Hinweise abgedruckt sind, die zusätzliche Anregungen für Eigenschaften liefern.

Die Schachtel ist angenehm klein und lässt sich daher problemlos auf Reisen mitnehmen. Dadurch kommt das Spiel auch unterwegs gut auf den Tisch und sorgt für unterhaltsame Runden zwischendurch. Ich finde: Similo passt definitiv in jede Spielesammlung.

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Similo: Wassertiere von Martino Chiacchiera, Hjalmar Hach und Pierluca Zizzi
Erschienen bei Heidelbär Games
Für 2 bis 8 Spieler in ca. 10-15 Minuten ab 7 Jahren
sämtliche Bilder sind von uns selbst erstellt oder vom jeweiligen Pressematerial des Verlages (hier Heidelbär Games)

Kino trifft Brettspiel: Der Tag der Wahrheit spielerisch erleben

Von: ravn
12. Juni 2026 um 00:38

Was wäre, wenn Ihr herausfinden würdet, dass Ihr nicht allein seid? Angenommen jemand könnte Euch das beweisen. Hättet Ihr Angst? Das fragt Euch Altmeister Steven Spielberg in seinem Science-Fiction-Thriller und gibt Euch mehr Fragen als Antworten. Mehr als ein Gedankenspiel auf der Kinoleinwand? In meiner spoilerfreien Analyse bin ich auf der Suche nach meiner von Vorfreude überfrachteten Meinung und gebe Euch zudem Brettspiel-Tipps mit, in denen Ihr das Filmerlebnis spielerisch weitererleben könnt.

Kommen wir direkt und ohne Umschweife zum Kern des Themas. Denn genauso unvorbereitet wirft Euch der aktuelle Kinofilm „Disclosure Day – Der Tag der Wahrheit“ mitten rein ins Geschehen. Mit familienfreundlich präsentierter Action geht es los und wir müssen uns erstmal zurechtfinden. Keine Exposition und kein Erkläronkel aus dem Off und einführende Texttafeln gibt es hier auch nicht. Erst nach und nach erschließt sich Euch, um was es hier geht und so fügen sich nach und nach Infobrocken zusammen.

Hier geht es anscheinend um Aliens, so könntet Ihr meinen, wenn Ihr vorab die Trailersequenzen gesehen habt. Die haben bei mir eine enorme Vorfreude aufgebaut, die so übersteigert kaum erfüllt werden konnte. So war es dann auch, denn nach 145 Minuten fand ich mich emotional erschöpft in meinem IMAX-Kinosessel wieder und wusste nicht so recht, was ich hier gesehen hatte. Keine Panik, ich verrate hier nichts, denn der Spannungsaufbau dauert weit über zwei Stunden und was mit dem Tag der Wahrheit wirklich gemeint ist, das solltet Ihr bitte selbst erleben. Muss es zwingend ein IMAX-Saal mit übergroßer Leinwand sein und einer Soundanlage, die Euch wegblasen kann? Ich glaube nein, denn Steven Spielberg brillierte für mich eher als Geschichtenerzähler. Einer, der stellenweise altmodisch bis naiv wirkt, ganz fest an das Gute glaubt und uns mit auf seine Was-wäre-wenn-Reise nimmt.

Die bewegten Bilder wirkten dabei auf mich zwar perfekt inszeniert, aber in Summe eher unspektakulär. In den letzten Kinojahren haben wir eben schon vieles gesehen. Die Freigabe ab 12 Jahren setzt zudem enge Grenzen dafür, was gezeigt und was nur angedeutet werden kann. Das hier ist und kann kein John Wick sein, auch wenn durchaus viel geballert wird. Aber in Szene gesetzte Wirkungstreffer seht Ihr nicht. Und auch sonst hat sich in meinem eigenen Kopfkino viel mehr an Möglichkeiten abgespielt, als ich schließlich auf der Leinwand gesehen habe. Leider hinkt das CGI trotz eines Budgets von 115 Millionen Dollar etwas hinterher und gleitete für mich mehrmals in das berüchtigte Uncanny Valley ab. Oder sollte das etwa ein bewusst eingesetztes Stilmittel gewesen sein?

Die Filmmusik hat John Williams beigesteuert, wobei die mir größtenteils leider nicht im Gedächtnis geblieben ist. Zumindest in den ersten 90 Filmminuten könnte ich jetzt keine ikonischen Melodien nachsummen. Später trumpft dann der durchaus melancholische Score umso mehr auf und unterstreicht die Stimmung, bis durchaus so manche Träne forciert wird. Auf der emotionalen Ebene fand ich den Film wirklich stark und bewegend, wobei es eher die allgemeine Situation war und weniger mein Mitleiden mit den Hauptdarstellern, die mir arg unnahbar blieben. Eventuell auch, weil wir so wenig über die erfahren und sich der Film auch nicht mit deren Hintergrundgeschichten aufhält.

Nach dem Abspann sitzen zu bleiben, das lohnt sich nur, wenn Ihr Euer Filmerlebnis musikalisch mit John Williams ausklingen lassen und eventuell die ein oder andere Träne trocknen wollt. Zusatzszenen oder eine finale Botschaft gibt es hingegen nicht. Da ist Steven Spielberg ganz klassisch unterwegs. Ich für mich, muss mir „Disclosure Day – Der Tag der Wahrheit“ zwingend ein zweites Mal anschauen, gerne in der Originalversion. Nur um zu sehen, wie die so wirkt im Vergleich und ich auf all das achten kann, was mir in meiner Erwartungshaltung, was alles da noch kommen wird, untergegangen ist.

Das waren 145 Minuten, die für mich keine einzige Minute langweilig waren. Allerdings wurden einige Themen nur angerissen und in der Konsequenz offen gelassen. Wer auf handfeste und eindeutige Antworten drängt, der könnte sogar enttäuscht sein. Manche Stimmen meinen sogar, dass der Film zugunsten des Handlungsverlaufs die Logik verliert und auf ein Finale zusteuert, das aus der Zeit gefallen wirkt. Für mich eine klare Empfehlung im Science-Fiction-Genre, auch wenn ich einen ganz anderen Film als von mir erwartet bekommen habe. Vergleiche möchte ich hier ganz bewusst nicht ziehen, weil die könnten Euch schon viel zu viel verraten. Der Märchenerzähler Steven Spielberg hat für mich nichts von seiner Faszination verloren, die ich schon in meinen Kindertagen mit einem seiner ganz großen Werke auf der Kinoleinwand erleben konnte. Der hier ist aber wesentlich erwachsener erzählt und deshalb auch weniger ein Film für die ganze Familie, sondern eher ein Genre-Standpunkt.

Wenn Ihr mir bis hierhin gefolgt seid, dann muss ich nun auch noch den Bogen zu Brettspielen schaffen, der nicht gekünstelt konstruiert ist. Keine Sorge, wird mir gelingen, denn mit 1ers Contacts habe ich einen Geheimtipp in der Hinterhand. Die lokalisierte Version wird im Laufe des Jahres unter dem Titel „1. Kontakt“ bei Strohmann Games veröffentlicht und dann hoffentlich auch redaktionell so überarbeitet, dass weniger Fragen durch FAQ und eigene Auslegung zu klären sind. Genre, Thematik und auch die Stimmung des Kinofilms sind durchaus vergleichbar, wenn auch keineswegs durchweg deckungsgleich.

Das 1vsX-Deduktionsspiel Mind MGMT scheint mal so gar nichts mit „Disclosure Day – Der Tag der Wahrheit“ gemeinsam zu haben. Wenn Ihr den Kinofilm gesehen habt, werdet Ihr wohl anders denken, selbst wenn das Genre nur indirekt passen will. Hier und da ist nicht alles so, wie es zunächst wirkt, und auf einer Ebene tiefer werdet Ihr sicher noch mehr Gemeinsamkeiten entdecken. Spielerisch im Vergleich zu 1ers Contacts komplexere Kost, die zudem fast schon zu viele Erweiterungsmodule mitbringt. Durch die gleichnamigen Mind MGMT Graphic Novels von Matt Kindt, bekommt so manches im Spiel erst einen Sinn, was ansonsten auf den ersten Blick nur kurios wirkt, aber fest in der tiefgründigen Welt logisch verankert ist. Wenn Ihr die Deluxe-Version bekommen könnt, dann schlagt da bitte zu. Lohnt sich.

So oder so, ich wünsche Euch viel Vergnügen im Kino und sowie auch oder bei meinen thematischen Brettspiel-Empfehlungen.

Compile + Aux 1: Faszinierende Grundidee, verschenktes Potenzial

11. Juni 2026 um 23:12

Nach mehreren Partien Compile, inzwischen auch gegen mich selbst, bleibt bei mir ein starker Eindruck zurück. Nicht mehr ganz so euphorisch wie nach der ersten Partie, aber immer noch beeindruckt von der Grundidee. Gleichzeitig ist dieser Eindruck inzwischen deutlich differenzierter geworden: Compile ist ein kleines, cleveres Kartenspiel mit spannender Struktur, aber auch mit erstaunlich viel verschenktem Potenzial.

Schnell erklärt, aber nicht optimal zugänglich

Compile ist im Kern kein schweres Spiel. Die Regeln sind schnell vermittelt, die Züge laufen zügig ab, und nach kurzer Zeit versteht man, was das Spiel von einem will. Trotzdem stolpert man gerade in den ersten zwei bis drei Partien immer wieder über eine Frage: Warum unterscheiden sich die drei Effektboxen jeder Karte optisch praktisch nur durch ihre Position?

Gerade weil die Position so wichtig ist, hätte hier eine klarere grafische Differenzierung enorm geholfen. Die obere Box wird nie überdeckt. Die mittlere Box wird immer dann relevant, wenn sie sichtbar wird. Das sind funktionale Unterschiede, die sich geradezu für Icons, Rahmen oder andere visuelle Marker angeboten hätten.

Das Spiel ist dadurch nicht unzugänglich oder überfordernd. Aber der Einstieg hätte spürbar eleganter sein können. Compile versteckt seine eigentliche Einfachheit ein wenig hinter einer unnötig spröden Usability.

Ein Thema, das kaum trägt

Thematisch bleibt Compile seltsam vage. Wir sind KIs, wir kompilieren irgendetwas, und daraus entsteht dann offenbar Erkenntnis, Bewusstsein oder Zugriff auf eine Welt. Aber warum wir das tun, was genau passiert ist und was wir eigentlich betrachten, bleibt weitgehend offen.

Die Illustrationen helfen dabei nur bedingt. Sie bewegen sich irgendwo zwischen Earthborne Rangers, leichtem Warhammer-40K-Anklang und Dixit-artiger Traumdeutung. Manche Karten suggerieren eine verlassene Welt nach dem Verschwinden der Menschheit. Andere wirken eher wie visuelle Assoziationen aus dem Unbewussten.

Mechanisch ist das nicht entscheidend. Compile funktioniert auch als abstraktes Duell. Aber gerade weil die Grundidee so stark ist, wäre es schön gewesen, diesem mechanischen Gerippe mehr Fleisch auf die Rippen zu setzen. Die Vorstellung, dass zwei KIs Fragmente einer Welt zusammensetzen, um daraus etwas zu lernen, ist großartig. Das Spiel nutzt diese Idee aber nur punktuell.

Die versteckte Genialität liegt nicht dort, wo man sie erwartet

Interessant ist, dass Compile seine Cleverness nicht unbedingt an den Stellen zeigt, an denen man sie zuerst vermutet. Die Protokolle tragen thematische Titel wie etwa Metall, Geist, Gleichgültigkeit oder Seuche. Man würde erwarten, dass diese Begriffe sehr klare mechanische Identitäten erzeugen. Das tun sie aber nur teilweise.

Ob ein Protokoll nun Metall oder Geist heißt, sagt zunächst erstaunlich wenig darüber aus, wie es sich tatsächlich spielt. Auch mechanisch sind die Unterschiede nicht immer so trennscharf, wie man es erwarten würde. Natürlich gibt es Ausnahmen: Seuche sticht beispielsweise deutlich hervor. Insgesamt aber sind die Überschneidungen zwischen ähnlichen oder „benachbarten“ Protokollen recht groß.

Auf den ersten Blick kann das wie vorgegaukelte Varianz wirken. Man bekommt viele Protokolle, aber nicht jedes fühlt sich sofort wie ein klar eigener Charakter an. Gleichzeitig ist genau das vielleicht auch Teil der langfristigen Spannung. Denn Compile erinnert hier ein wenig an den Deckbau im Star Wars LCG: Auch dort konnte man zunächst den Eindruck haben, dass sich manches stärker ähnelt, als es sollte. Der Reiz entsteht dann aber daraus, mit diesen Gemeinsamkeiten bewusst umzugehen.

Bei Compile liegt ein großer Teil der strategischen Tiefe nicht nur in einzelnen Protokollen, sondern in deren Kombination. Das Drafting, das Zusammenspiel der Effekte und die Frage, welche Überlappungen man bewusst nutzt, werden nach mehreren Partien interessanter, als sie anfangs wirken.

Aux 1 erweitert eher die Möglichkeiten als das Gefühl

Die erste Erweiterung Aux 1 fügt sich dabei nahtlos in dieses Bild ein. Sie vergrößert den Raum an Kombinationen und verstärkt damit genau den Teil, der Compile langfristig trägt: das Ausprobieren, Kombinieren und Entdecken von Synergien zwischen Protokollen.

Gleichzeitig löst Aux 1 aber nicht die grundlegenden Schwächen des Spiels. Wer sich mehr thematische Erdung, klarere Protokollidentitäten oder bessere visuelle Führung erhofft, bekommt diese nicht plötzlich nachgeliefert. Aux 1 erweitert Compile vor allem quantitativ und strategisch, nicht atmosphärisch oder ergonomisch.

Das ist nicht schlimm, denn mehr Protokolle bedeuten in diesem System tatsächlich mehr interessante Paarungen. Aber die Erweiterung macht auch deutlicher, dass Compile sein größtes Potenzial nicht vollständig ausschöpft.

Die M-Kurve der Wahrnehmung

Meine Einschätzung von Compile hat inzwischen eine Art M-Kurve durchlaufen.

Zuerst wirkt das Spiel komplexer, als es eigentlich ist. Die Kartenstruktur, die drei Effektbereiche und die vielen Protokollnamen erzeugen den Eindruck eines größeren Systems. Dann erkennt man die Überschneidungen zwischen den Protokollen und wird etwas unterkühlt. Dazu passt auch die sehr seichte, fast beiläufige Einbindung des Themas.

Nach weiteren Partien kippt dieser Eindruck aber wieder. Man entdeckt den Reiz dieser Überschneidungen. Man erkennt, dass Varianz nicht nur dadurch entsteht, dass jedes Protokoll maximal anders ist, sondern auch dadurch, wie ähnliche Werkzeuge in unterschiedlichen Kombinationen funktionieren. Gerade im Drafting und in der Protokollauswahl steckt mehr Spiel, als es zunächst scheint.

Fazit

Compile ist ein faszinierendes kleines Kartenspiel, das mich trotz klarer Schwächen weiterhin beschäftigt. Die Grundidee ist stark, der Ablauf elegant, und die Kombination der Protokolle entwickelt nach mehreren Partien einen echten Sog. Gleichzeitig bleibt der Eindruck, dass hier mehr möglich gewesen wäre: mehr thematische Verankerung, klarere visuelle Führung, stärkere Identitäten der einzelnen Protokolle.

Aux 1 erweitert diesen Kern sinnvoll, ohne ihn grundsätzlich zu verändern. Wer Compile wegen seiner Kombinationsmöglichkeiten mag, bekommt mehr davon. Wer auf eine thematischere oder zugänglichere Version gehofft hat, wird diese Erweiterung eher nicht als Korrektur empfinden.

Am Ende bleibt ein Spiel, das nicht ganz so genial ist, wie es nach der ersten Partie wirken kann, aber auch deutlich spannender, als es nach der ersten Ernüchterung scheint. Compile ist nicht perfekt. Aber es ist interessant. Und manchmal ist genau das langlebiger als ein makelloser Ersteindruck.

Top-Test

Erfahre mehr über das Wertungssystem im Toptest.

1. Thema

Das Thema ist in einem Satz erklärt: Wir sind KIs und kompilieren Protokolle. Warum? Weiß niemand. Was ist geschehen? Wo sind wir? Wann sind wir? Warum heißen die Protokolle meist wie Objekte in der freien Natur (wandeln wir etwa auf einer unbelebten Erde?), dann aber wieder wie menschliche Gefühle? Da wäre sehr viel drin gewesen, was nicht ausgeschöpft wird. Die paar Anreize, die das Spiel dann bietet, reißt es mit dem Hintern durch grafische Einordnung anderer Protokolle wieder ein. Darüber hinaus wird auf den Karten der deutschen Version immer von „der anderen Person“ statt Spieler, Gegner oder KI gesprochen, was das Thema dann vollends killt.

2. Material

Für so ein kleines Spiel schlägt Compile voll zu: Die Kartenqualität ist so gut, dass ich sie zuerst für Plastikkarten gehalten habe. Jede Karte hat eine Folienprägung, die Box ist sowohl unordinär als auch ansehnlich und darüber hinaus sogar praktisch – sie fasst alle Karten des Grundspiels und „seiner“ Erweiterung in gesleevten Karten.

3. Optik

Die Grafiken sind super, die einzelnen Karten eines Protokolls sind quasi Puzzlestücke, mit deren Hilfe wir das Gesamtbild aufdecken – thematisch, mechanisch und optisch. Mich holt die Grafik auf jeden Fall ab, auch wenn sie hier und da etwas generisch wirkt und mit der gefühlten thematischen Einbettung bricht.

4. Setup

Einfacher geht es kaum: Der Aufbau ist als Drafting quasi schon Bestandteil des Spiels. Dann mischt jeder 18 Karten, zieht 5 Handkarten und los gehts. Das ist noch schneller erledigt als z.B. Radlands aufzubauen.

5. Spieleranzahl

Das Spiel ist für 2 Spieler gedacht und genau so funktioniert es auch super. Es ist ja auch mal positiv, wenn ein Spiel nicht mehr vorgaukelt zu sein, als es eigentlich ist.

6. Zugänglichkeit

Zwar kommt das Spiel mit nur 2 Seiten Anleitung inkl. Aufbau aus, aber dennoch hätte man hier und da den Einstieg erleichtern können. Beispielsweise haben die 3 Bereiche jeder Karte eine immer gleiche und fest definierte Funktion – sehen aber optisch total identisch aus. Es ist zwar keine Wissenschaft zu verinnerlichen welcher Block an welcher Position für was steht. Aber man hätte es mit 2-3 Icons auch viel einfacher gestalten können.

7. Spieltiefe

Die Überschneidung der einzelnen Protokolle (und ihrer 6 Handkarten) ist größer als man sich anfangs wünscht – was schade ist. Dann aber sollte man erkennen, dass das Lernen dieser Überschneidungen und deren Einfluss auf das Drafting zu Spielbeginn definitiv ein fester und nicht zu verachtender Teil des Spiels sind. Zumindest hier hilft, dass die Protokolle für diese Auswahlphase eine kurze Beschreibung aufgedruckt haben. Es ist aber definitiv ein Spiel, das mit einer hohen Anzahl an Partien spannender wird und dass ein paar tolle und nicht häufig gesehene Entscheidungen mitbringt: Effekte können jederzeit von anderen Effekten unterbrochen bzw. pausiert werden. Ich kann sehr häufig die Seite meines Gegners beeinflussen. Karten verdeckt zu spielen ist ein großer Bestandteil. Das sieht man nicht häufig!

8. Spieldauer

Von 10 Minuten bis zu einer halben Stunde habe ich schon alles gesehen. Pegasus gibt das Spiel mit 20 bis 40 Minuten an. Das würde ich je nach Zielgruppe und Erfahrung unterschreiben, aber man sollte schon in Kauf nehmen, dass eine Partie auch mal wesentlich schneller enden kann. Ausschlaggebend ist dann sicherlich auch der Erfahrungsunterschied der beiden „Personen“.

9. Downtime

Es ist ein Zweispieler-Spiel, in der jede Seite 18 Karten besitzt, die größtenteils nur 1-3 Ein-Satz-Effekte bieten. Downtime ist nahezu nicht existent.

10. Preis

Pegasus verkauft das Spiel für 19,99 €, was für das Material und die Regeltiefe sehr günstig ist. Ich hätte lieber ein Compile als zwei Unos/Wizzards/you name it.

Ergebnis

Mit 42/50 Punkten ergattert Compile einen hervorragenden Punktestand und damit das Prädikat „Emfpehlenswert“!

Skellig Games bringt dieses Jahr das Spiel Go West von Stefan Freund heraus

Newsbild Der Verlag Skellig Games bringt in diesem Jahr das Spiel Go West von Autor Stefan Freund heraus. In Go West schlüpfen die Spielenden in die Rolle von Siedler*innen im Wilden Westen und errichten auf einem gemeinsamen Spielplan Farmen, Minen, Städte sowie Produktionsgebäude. Durch geschicktes Drafting und strategisches Platzieren der Plättchen erschaffen sie mächtige Kombinationen und wertvolle Gebiete - doch mit jeder Runde wird der Platz knapper. Verschiedene Gebäudetypen, Aufträge und Synergien sorgen für ein hochinteraktives Spielerlebnis voller taktischer Entscheidungen und Wettbewerb. Erscheinen soll das Spiel im Herbst, vermutlich rund um die SPIEL 2026 im Oktober in Essen

ESCAPETOUR 2026 – ZURÜCK IM BENE-GLÜCK

Manche Menschen planen ihren Urlaub nach Stränden, Sehenswürdigkeiten oder kulinarischen Highlights. Wir planen nach TERPECA-Rankings. Nachdem uns Belgien und die Niederlande bereits 2024 mit einigen der besten Escape-Room-Erlebnisse überhaupt begeistert hatten, war schnell klar: Da fehlen noch einige Kreuze. Also machten sich die EXITROOMMATES ein zweites Mal auf den Weg in die Benelux-Länder.

Der Anlass war derselbe wie beim ersten Besuch: Räume erleben, die von Escape-Room-Enthusiasten aus aller Welt zu den besten ihrer Art gewählt wurden. Jahr für Jahr tauchen zahlreiche belgische und niederländische Anbieter weit oben im TERPECA-Ranking auf. Kein Zufall, wie wir schon damals feststellen konnten. Hier wird nicht einfach ein Raum gebaut – hier werden Welten erschaffen.

Auf unserer Reise erwarteten uns beeindruckende Kulissen, kreative Spielideen und Geschichten, die weit über das klassische „Schlüssel finden und Schloss öffnen“ hinausgehen. Einige der Räume gehörten zu den bekanntesten Europas, andere standen vielleicht weniger im Rampenlicht, konnten aber dennoch nachhaltig Eindruck hinterlassen.

Welche Abenteuer wir erlebt haben, welche Erwartungen erfüllt wurden und welche Räume uns besonders in Erinnerung geblieben sind, erfahrt ihr in diesem Reisebericht.

Ich berichte chronologisch:


1) Botanist Manor – Escape Rush (80 Min.)

Schon der Wartebereich beeindruckt: Er erinnert an einen stilvollen Gentlemen’s Club und macht Lust auf das, was folgt. Auch der Einstieg in den Raum ist bereits ein Erlebnis für sich.
Die Geschichte versetzt uns mithilfe einer neuartigen Technologie eine Woche vor das Verschwinden einer Journalistin. Mehr sollte man darüber eigentlich nicht wissen. Leider trägt die Story den Raum nur bedingt und wird teilweise recht wirr erzählt.
Dafür entschädigt Botanist Manor mit einer Vielzahl beeindruckender Kulissen, die sich deutlich voneinander unterscheiden und immer wieder für Staunen sorgen. Die Rätsel sind solide und passend eingebunden, stehen aber klar im Dienst der Inszenierung. Mit einem stärkeren Fokus auf die Erzählung hätte der Raum für mich sogar noch höher punkten können.

Meine Bewertung: 8,5 von 10


2) Tokyo Lab – Escape Rush (70 Min.)

Auch unser zweiter Besuch bei Escape Rush beginnt ähnlich eindrucksvoll. Wie schon bei Botanist Manor steht die Atmosphäre klar im Vordergrund, während die Geschichte eher Beiwerk bleibt. Verschiedene Ideen werden miteinander vermischt, ohne immer ein stimmiges Gesamtbild zu ergeben.
Was Escape Rush jedoch hervorragend beherrscht, ist die Gestaltung seiner Welten. Besonders die Tokio-Kulisse innerhalb der aus mehreren Abschnitten bestehenden Erfahrung hat es mir angetan. Einige Rätsel wirken etwas konstruiert, doch hier zählt vor allem der Spaß am Entdecken. Wer bereits vor Ort ist, kann Tokyo Lab problemlos direkt im Anschluss spielen.

Meine Bewertung: 8,5 von 10


3) White House – Escape Rush (60 Min.)

Spontan ließen wir uns durch einen Rabatt zu einem dritten Raum überreden. Diesmal verschlägt uns die Zeitmaschine in einen geheimen Keller des Weißen Hauses.
Die Story bleibt auch hier eher oberflächlich, dafür überzeugen die Rätsel durch ihre Stimmigkeit und einige clevere Ideen. Besonders die Nachbildung des Weißen Hauses ist sehr gelungen. Gleichzeitig merkt man dem Raum an, dass er zu den älteren Werken des Anbieters gehört.

Meine Bewertung: 8,5 von 10


4) The Crimson Recipe – Escape Room Schijndel (80 Min.)

Das erste große Highlight unserer Reise.
Von außen wirkt das Gebäude eher unscheinbar. Doch sobald sich die Türen öffnen, taucht man in eine völlig andere Welt ein. Wir nehmen zunächst in einer rustikalen Kneipe Platz, genießen einen Drink und werden anschließend durch ein Tor in ein Dorf geführt.
Professionell produzierte Audiosequenzen ziehen uns immer tiefer in eine tragische Geschichte hinein, die wir Stück für Stück miterleben. Kleine Läden, passende Gerüche und zahlreiche liebevolle Details sorgen für eine außergewöhnliche Atmosphäre. Die Rätsel fügen sich hervorragend ein – abgesehen von einer etwas unnötigen Fleißaufgabe.
Am Ende waren wir emotional vollkommen in die Geschichte hineingezogen. Genau so funktioniert immersives Storytelling.

Meine Bewertung: 9,5 von 10


5) Into the Darkverse – DarkPark Escape Room Delft (60 Min.)

Der erste Raum unserer Reise, der als „Active Horror“ eingestuft wird. Gleichzeitig entfernt er sich deutlich vom klassischen Escape-Room-Konzept.
Die Grundidee lautet: Stell dich deiner Angst. Und das oft ganz allein.
Für mich als bekennenden Angsthasen war das überraschend gut dosiert. Der Raum setzt weniger auf plötzliche Schockmomente und gibt mir Erholungsphasen. Besonders der erste Raum beeindruckt mit einer hochwertigen Gestaltung. Die folgenden Bereiche können dieses Niveau zwar nicht halten, dennoch bleibt das Erlebnis einzigartig.
Einige raffinierte Kniffe erzeugen eine nahezu perfekte Illusion. Und das Nachgespräch am Ende hilft dabei, wieder in die Realität zurückzufinden.

Meine Bewertung: 9,5 von 10


6) Midnite – Outer Ground (75 Min.)

In einem Kino findet um Mitternacht eine besondere Vorstellung statt, die von einem Geist heimgesucht wird.
Die Kulisse ist hervorragend umgesetzt und vermittelt tatsächlich das Gefühl, sich in einem echten Kino zu befinden. Weniger gelungen fand ich, dass man mehrfach dieselben Bereiche durchläuft. Zudem bleiben sowohl die Geschichte als auch die Rätsel hinter den Möglichkeiten des Settings zurück.

Meine Bewertung: 7,5 von 10


7) The Non-Believers – Your Escape (120 Min.)

Die Übergänge zwischen den einzelnen Bereichen sind schlicht beeindruckend. Hochwertige Hörspielelemente begleiten uns durch eine Geschichte, die klar im Mittelpunkt steht.
Leider gibt es ein längeres Rätsel, das unter ungünstigen Lichtverhältnissen leidet. Zudem funktionierte bei unserem Besuch ein Spielelement nicht wie vorgesehen. Vielleicht macht sich hier langsam das Alter des Raumes bemerkbar.
Trotzdem hat mich die Geschichte am Ende völlig gepackt. Die behandelten Themen wirken noch lange nach.

Meine Bewertung: 9 von 10


8) Corpse Inc. II – Experience Center Baarn (90 Min.)

Wir dringen wir durch ein Fenster in ein vermeintlich verlassenes Gebäude ein.
Grundsätzlich bin ich kein großer Fan von Räumen, die bewusst auf eine heruntergekommene „Müllhalden-Optik“ setzen, selbst wenn dies thematisch passend sein mag. Auch hier werden wir wieder durch dunkle Bereiche geführt und von einem Schauspieler verfolgt. Die Story bleibt dabei eher im Hintergrund, die Rätsel erfüllen ihren Zweck, hinterlassen aber keinen bleibenden Eindruck.

Meine Bewertung: 7,5 von 10


9) The Dome – Escape Rooms Bunschoten (60 Min.)

The Dome spielten wir bereits zum zweiten Mal, da zwei Mitglieder unserer Gruppe den Raum noch nicht kannten. Erfreulicherweise wurden einige Rätsel überarbeitet – und zwar zum Besseren. Auch das Hilfesystem wirkt heute deutlich durchdachter. Dadurch konnte ich mich stärker mit dem Konzept anfreunden als bei meinem ersten Besuch.
Trotzdem fühlt sich der Raum für mich eher wie eine Aneinanderreihung von Aufgaben an. Zudem sind manche Wow-Effekte inzwischen nicht mehr ganz so einzigartig wie noch vor einigen Jahren. Die knappe Zeitvorgabe sorgte zusätzlich für unnötigen Stress.

Meine Bewertung: 8 von 10


10) I Can Hear You – Entered (120 Min.)

Erneut erwartet uns ein Horrorraum, in dem Verfolgungsjagden und Storyelemente miteinander kombiniert werden. Besonders hervorzuheben ist, dass der Raum bewusst auf ein Hilfesystem verzichtet. Das kann allerdings zusätzlichen Druck erzeugen. Ich war mehr als überrascht, dass wir erfolgreich waren. Wie schon bei anderen Horror-Räumen stört mich etwas die bewusst chaotische und vermüllte Umgebung. Gleichzeitig ist die Größe der Spielfläche beeindruckend – schließlich bespielt man ein komplettes Haus.

Meine Bewertung: 8 von 10


11) Demise of the Gricers – Entered (200 Min.)

Mad Max trifft auf Fallout.
Dieser Raum sprengt Grenzen – und zwar im besten Sinne. Mehrere Schauspielerinnen und Schauspieler tragen eine cineastische Geschichte, die sich über eine gigantische Spielfläche entfaltet. Wir übernehmen Missionen und Nebenmissionen, treffen Entscheidungen und erleben teilweise völlig unterschiedliche Szenen. Durch eine intelligente Grundidee wird in der komplexen Spielwelt eine Freiheit suggeriert. Beeindruckend. Auch die technische Elemente sind einzigartig. Ein Gesamterlebnis, das ich so noch nie erlebt habe und das mir noch lange in Erinnerung bleiben wird.

Meine Bewertung: 10 von 10


12) Monster Mashers – Tales of Torchdale (150 Min.)

Who are you gonna call? Monster Mashers!
Ein Geist niedriger Stufe treibt sein Unwesen in einer verlassenen Arcade-Halle. Schon der Einstieg ist sensationell und gehört zu den besten, die ich jemals in einem Escape Room erlebt habe.
Immer dann, wenn der Raum auf Humor und Spaß setzt, spielt er seine größten Stärken aus. Leider erreicht nicht jeder Abschnitt dieses Niveau. Manche Rätsel wirken etwas losgelöst von der Geschichte, die eigentlich erzählt werden soll.
Trotzdem bleibt Monster Mashers ein außergewöhnliches Erlebnis mit vielen großartigen Momenten.

Meine Bewertung: 9 von 10


Fazit

Ich will zurück.
Obwohl dies bereits unsere zweite Benelux-Tour war, stehen noch zahlreiche Räume auf unserer Wunschliste. Viele davon befinden sich in den TERPECA Top 100 – und jedes Jahr kommen neue hinzu.Zum Glück ist das kein Problem. Denn wenn die nächste Reise ansteht, bin ich sofort wieder dabei.

Altera auf Gamefound: Euro-Spiel mit Würfelbeutel

11. Juni 2026 um 10:35
Altera auf Gamefound: Euro-Spiel mit Würfelbeutel

Auf Gamefound läuft seit dem 9. Juni 2026 die Kampagne zu Altera, einem kompetitiven Euro-Spiel von IV Studio, den Machern von Tend und Moonrakers. Statt auf dem Schlachtfeld tragen die Spielenden ihre Konflikte beim jährlichen „Ascension Festival” aus: mit Würfeln aus dem eigenen Beutel, entsandten Emissären und dem Ringen um Reputation in drei Gilden.

Eckdaten

PunktAngabe
TitelAltera
Studio/VerlagIV Studio (Nashville, USA; IV Workshop LLC)
DesignerMax Anderson, Zac Dixon, Austin Harrison, Toby Sarnelle
Spielerzahl1 bis 4 (Grundspiel), 5 bis 6 mit Erweiterung
Spielzeitrund 90 Minuten (laut BGG 60 bis 120)
Alterab 14 Jahren
MechanikenWürfelbeutel-Building (Bag-Building), Würfeln, gleichzeitige Aktionswahl, Worker Placement
Spiellänge7 Runden
Komplexität (BGG)3,0 von 5
PlattformGamefound
Laufzeit9. bis 29. Juni 2026
BGGID 469367, Erscheinung 2027

Worum es geht

Altera spielt in einer namensgebenden Bergstadt, in der die großen Fraktionen ihre Konflikte nicht im Krieg lösen, sondern beim jährlichen Ascension Festival. Der Leitgedanke der Welt: Ehrgeiz, Einfallsreichtum und Zusammenhalt formen eine bessere Zukunft als jede Schlacht. Aus dieser Prämisse zieht das Spiel sein Thema, ein kompetitives Wettstreiten um Ansehen statt um Territorien.

So spielt sich Altera: Bag-Building und Worker Placement

Altera ist ein Euro-Spiel mit Würfelbeutel-Building. Über sieben Runden ziehen die Spielenden ihre Würfel aus dem eigenen Beutel und würfeln sie aus. Anschließend entsenden sie Emissäre: Die Würfelergebnisse bestimmen, welche Aktionen verfügbar sind, und der Einsatzort des Emissärs legt fest, bei welcher der drei Gilden Reputation anfällt. Würfelpool und Placement greifen so ineinander, ohne dass eines das andere vollständig aussticht.

Am Ende jeder Runde erhält in jeder Gilde diejenige Person Prestige, die dort die meiste Reputation gesammelt hat. Danach rutscht sie ans Ende der jeweiligen Gilden-Leiste und macht so Platz für die Konkurrenz. Dieser Mechanismus hält den Wettlauf offen: Ein Vorsprung in einer Gilde wird sofort wieder zurückgesetzt. Ziel ist es, über die sieben Runden genug Prestige zu sammeln, um in den High Council aufzusteigen.

Ob der Kern des Spiels stärker im direkten Mehrheitenwettlauf oder im parallelen Engine-Aufbau liegt, lässt sich vor Erscheinen des Spiels noch nicht abschließend sagen. Das wesentliche Unterscheidungsmerkmal gegenüber reinen Worker-Placement-Titeln ist die gleichzeitige Aktionswahl: Alle Spielenden handeln parallel, was Wartezeiten minimiert und die Mehrheitenkonfrontation verdichtet. Laut Verlag verändern sich zudem die Spezialfähigkeiten von Partie zu Partie, was für wechselnde Ausgangslagen sorgt. BGG ordnet Altera mit einem Gewicht von 3,0 von 5 im mittleren Kennerspiel-Bereich ein.

Spielerzahl und Solo

Das Grundspiel ist auf 1 bis 4 Spielende ausgelegt. Die Kampagne nennt 1 als Mindestspielerzahl; ein Solo-Modus ist also enthalten. Welches Format dieser annimmt (Automa, eigenständiger Modus oder anderes), ist auf der Kampagnenseite noch nicht ausgeführt. Auf BGG ist das Spiel mit 2 bis 6 Spielenden gelistet; die Solo-Angabe stammt von der Kampagne. Wer zu fünft oder sechst spielen möchte, benötigt die separat erhältliche „5-6 Player Expansion”. Wie stark sich die Spielerfahrung bei zwei, vier oder sechs Personen unterscheidet, ist vor Erscheinen des Spiels noch nicht einschätzbar.

Spielzeit

Gamefound gibt eine Partiedauer von rund 90 Minuten an. Die BGG-Seite nennt einen weiteren Korridor von 60 bis 120 Minuten, was sich gut mit Spieleranzahl und Erfahrungsgrad erklären lässt.

IV Studio: die Macher hinter Altera

Hinter Altera steht IV Studio aus Nashville (juristisch IV Workshop LLC). Das Team hat zuvor unter anderem Tend, Moonrakers, Veiled Fate, Mythic Mischief und Brink veröffentlicht. Ursprünglich war IV Studio ein Animationsstudio mit Kunden wie Amazon, Oracle, Netflix, Nike, Bad Robot und Cartoon Network. Mit Altera tritt das Studio in ein mechanisch schichtenreicheres Gebiet ein als mit früheren Titeln: Bag-Building und gleichzeitige Aktionswahl stehen neben dem gewohnten Production-Anspruch. Als Designer nennt BGG ein Quartett: Max Anderson, Zac Dixon, Austin Harrison und Toby Sarnelle. Zac Dixon ist Mitgründer des Studios und war bereits an Moonrakers und Veiled Fate beteiligt.

Pledges und Add-ons

Klassische, stufenweise freigeschaltete Stretch Goals setzt die Kampagne nicht ein. Die drei beworbenen Upgrades, eine Neopren-Spielmatte, Holz-Upgrades und Shard-Upgrades, sind als kostenlose Add-ons bereits in jedem Pledge enthalten. Die Stufen unterscheiden sich vor allem über die Komponenten; spielerisch relevant ist allein die 5-6-Spieler-Erweiterung. Alle Preise in US-Dollar (Kampagnenpreis / spätere UVP):

  • Altera (Grundspiel, 1 bis 4 Spielende): 69,99 / 79,99. Vollständiges Spiel inklusive der drei Gratis-Add-ons.
  • Altera + 5-6 Player: 99,99 / 124,99. Ergänzt das Material für 5 bis 6 Spielende, die einzige Stufe mit spielerischem Mehrwert.
  • Altera + Metal + Dice Trays: 124,99 / 149,99. Metallmünzen und vier Würfeltabletts, eine reine Material-Aufwertung.
  • Altera + 5-6P + Metal + Dice Trays: 159,99 / 214,99. Kombination aus Erweiterung und Material-Upgrades.
  • Altera All-in: 239,99 / 304,99. Alles aus den anderen Stufen plus sechs Wood Villa Boards.

Einzeln erhältliche Add-ons: Metallmünzen (29,99), Würfeltabletts Grundspiel (39,99), Würfeltabletts 5-6 Spieler (19,99), zwei Wood Villa Boards (29,99) und Kartenhüllen (15,00). Als Zahlungsoptionen bietet Gamefound eine Ratenzahlung („Stretch Pay”) sowie das abgesicherte „Stable Pledge” an. Zur Pledge-Struktur der Concordia Special Edition bietet sich ein Vergleich an, wer einordnen möchte, wie diese Art von Kampagne typischerweise aufgebaut ist.

DACH-Relevanz und deutsche Ausgabe

Bislang ist nur eine englischsprachige Ausgabe für 2027 angekündigt, herausgegeben von IV Studio. Eine deutsche Lokalisierung ist nicht bekannt. Wer mitmachen möchte, bestellt über Gamefound und importiert das Spiel in den DACH-Raum. Da Altera mit Karten und wechselnden Spezialfähigkeiten arbeitet, ist von englischsprachigen Textkomponenten auszugehen. Für deutschsprachige Tische bleibt Altera damit vorerst ein Importtitel, ähnlich wie andere Importtitel über Gamefound.

Einordnung: Momentum ja, Urteil noch nicht

Die Kampagne läuft stark: Bei einem Finanzierungsziel von 50.000 US-Dollar standen am 11. Juni 2026 rund 420.900 US-Dollar von etwa 2.633 Unterstützenden auf der Uhr, also gut 840 Prozent. Dieser Stand ist eine Momentaufnahme und steigt täglich. So eindeutig dieses Backer-Interesse ist, so vorsichtig sollte man die Bewertungslage lesen: Der BGG-Schnitt von 8,29 von 10 beruht auf nur 17 Wertungen, und das Spiel ist noch ungerankt. Das ist eine sehr frühe, vorläufige Datenbasis und taugt nicht als Qualitätsbeleg.

Fazit

Altera bündelt gleich mehrere beliebte Euro-Bausteine, Bag-Building, gleichzeitige Aktionswahl und Worker Placement, in einem friedlichen Wettstreit-Thema und einem mittleren Komplexitätsgrad. Für Fans von Bag-Building, die ein kompetitives Spiel ohne direkten Konflikt suchen, lohnt der Blick auf die Kampagne. Eine eigene Wertung sprechen wir aus, sobald uns ein fertiges Exemplar vorliegt.

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