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kritisch gespielt: Wispwood

Von: Tobias
07. März 2026 um 21:23
Wispwood - Box

Wispwood - BoxWispwood von Reed Ambrose – erschienen bei Czech Games Edition (bzw. HeidelBär Games) Manchmal passiert es, dass einem beim Öffnen einer Spielschachtel unangenehme Düfte entgegenkommen. Gleich vorweg: Nein, das ist mir bei WISPWOOD nicht aufgefallen! Aber nach einer kleinen Internetrecherche stellte sich mir die Frage, ob nicht ein Crossover-Marketing mit diesem exklusiven Duft denkbar wäre? Thema: Diese Idee kam […]

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Ode an SETI: Es lebe die Interaktion des Eurogames

Von: ravn
13. Dezember 2025 um 14:09

Es gibt Spiele, die zünden einfach bei einem. Die liegen einem. Die sind spannend vom Spielablauf, packend von den einzelnen Aktionen, interaktiv in den Auswirkungen. Die sind einfach rund und haben dazu noch ein Thema, das einem ebenso liegt. Selten und dann perfekt, wenn das alles zusammenspielt und sich in ein Brettspiel fokussieren kann. SETI ist für mich persönlich so ein Spiel, weshalb ich zum Lobgesang anstimme und auf ein Jahr der Faszination SETI zurückblicke.

Die Vorgeschichte ist schnell erzählt: Ich kam bei SETI arg spät zur Partie. Eigentlich wäre als alter Arthur C. Clarke Fan mit Fokus auf Hard-Science-Fiction, bei der die Wissenschaft im Vordergrund steht, SETI das perfekte Spiel für mich gewesen, als es im Vorfeld der SPIEL 2024 erstmalig vorgestellt wurde. Blöd nur, dass sich die einzelnen Spielmechanismen so bekannt und damit langweilig anhörten. Was sollte ich mit noch einem Eurogame anfangen, das nur altbekannte Mechaniken wiederholt? Also verworfen und die Erklärung von Kevin auf der Neuheitenschau am CGE-Stand hat das für mich leider auch nicht widerlegen können. Deshalb habe ich SETI erstmal links liegen gelassen.

Im Nachklang der SPIEL 2024 konnte ich dann SETI in entspannter Zweierrunde kennenlernen und ich zappelte am Haken. Nur da war die Messeauflage längst ausverkauft und Nachschub erst Ende Januar 2025 in Sichtweite. Also vorbestellt und derweil die ganzen anderen Neuheiten des Jahrgangs gespielt. Da gab es ja noch so etwas wie Civolution, das mich ebenso durchs Jahr begleiten sollte. Der Rest ist Geschichte und alleine meine zwölf Beiträge über SETI aus allen Betrachtungswinkeln sprechen für das Spiel von Tomáš Holek und verdeutlichen den Stellenwert dieses Eurogames für mich.

SETI ist besonders. Aber was genau macht die Faszination von SETI aus? Ein Brettspiel auf seine Einzelteile zu reduzieren und einzeln diese zu beleuchten, das funktioniert bei SETI nicht gut, wie meine anfängliche Fehleinschätzung mir selbst eindrucksvoll gezeigt hat. Die Summe der Spielmechaniken also? Das könnte zu oberflächlich gedacht sein. Viel mehr sehe ich persönlich die besondere Faszination in der Interaktion mit den Mitspielern, die für ein Eurogame ungewöhnlich hoch ist. Zwar gibt es keine „Hier nimm das“-Elemente gegen einzelne Mitspieler, die mir selten fernab von kurzweiligen Fungames gefallen, aber ich finde mich trotzdem in einer Spielwelt wieder, die auch durch meine Mitspieler bestimmt wird. Das finde ich gut, mehr als nur gut.

Typisch für Eurogames haben wir unser eigenes Tableau vor uns ausliegen, auf dem wir uns ganz für uns austoben und unser Aktionspotential vielfältiger und besser machen können. Was da im Detail bei den Mitspielern abläuft, interessiert mich eher weniger und nur am Rande. Viel wichtiger finde ich hingegen, dass ich damit deren Potenzial abschätzen kann. Und zwar das Potenzial, mich in meinen Plänen unwissend zu unterstützen oder zu gefährden. Und so wandert mein Blick von meinem Tableau immer öfter zu den Tableaus meiner Mitspieler. Ok, der kann auf Monde landen und hat gerade eine Sonde in der Nähe vom Neptun unterwegs. Alles klar, dieses Ziel sollte ich mir also nicht vornehmen, sofern ich nicht schneller bin. Und damit ist mein Blick schon weiter zum Zentrum der Aufmerksamkeit gewandert, zum gemeinsamen Spielplan in der Mitte des Geschehens. Wie dreht sich das Sonnensystem und wann? Ein Blick auf die Bekanntheitsskala und wer sechs dort vorweisen kann, könnte eine neue Technologie erforschen und das Solarsystem drehen. Mit etwas Spielerfahrung hat man schnell im Blick, wo die Erde, die eigenen Sonden und die anvisierten Planeten dann stehen werden. Ebenso, welche Sektoren in Scanreichweite kommen und welche nicht mehr.

Genau diese kleinen Momente, in denen ich selbst gar nicht aktiv am Zug bin, sich das Spielgeschehen aber dramatisch ändern kann, machen für mich SETI dauerhaft spannend. Denn erfolgreiche Pläne leben meistens von der günstigen Situation und das im wahrsten Sinne des Wortes, denn Ressourcen sind knapp in SETI und wenn meine Mitspieler für mich angenehm spielen, dann nehme ich das auch gerne mit. Das bedeutet für mich allerdings auch, dass ich mich nicht zu stark an langfristigen Plänen festkrallen sollte, nur weil ich eine perfekt scheinende Aktionskarte dafür auf die Hand bekommen habe. Bei SETI trenne ich mich in einer Partie von mehr Ideen und Plänen, als ich überhaupt verwirkliche. Denn Handkarten sind in ihrer multiplen Anwendung vielfältig. Da muss dann auch mal ein Juri Gagarin als Raketentreibstoff dienen.

Die Möglichkeiten in SETI sind eben vielfältig und überraschend zugleich. Keine Aktionskarte ist gleich und die meisten davon stecken verdeckt auf den Mitspielerhänden. Zu sicher sollte ich mich deshalb nie fühlen, eine gewisse Unsicherheit bleibt und auch damit überzeugt mich SETI. Denn nur so sind überraschende Spielzüge möglich – für mich und auch meine Mitspieler. Der Spannungsbogen bleibt für mich gespannt, selbst wenn ich meine, die Situation auf dem Brett durchschaut zu haben. Wenn dann der große Plan doch nicht gelingt, weil jemand mit einer unerwarteten Aktionskarte mal eben auf „meinem Neptunmond“ vor mir gelandet ist, dann muss ich das so hinnehmen, Nehmerqualitäten zeigen und mir alternative Ziele suchen. Das sind dann aber auch die vielen kleinen Geschichten einer Spielpartie, die SETI erzählen kann und die SETI für mich besonders und erinnungswert machen.

Alles kleine Bausteine, die für sich isoliert betrachtet, eventuell unspektakulär klingen. Die Summe macht es aus und die vereint sich in einer einzigen Partie von SETI. Dabei haben wir das Thema Scannen mit seiner Mehrheitenwertung noch nicht einmal erwähnt. Mehrheiten entstehen eben selten solitär und genau das macht dieses besondere Spielelemente in SETI nochmals interessanter, weil interaktiv facettenreich. Fast schon ein Spiel im Spiel und eine kleine Kunst, dieses hochinteaktive Element zum eigenen Vorteil zu bespielen. Dazu allerdings an anderen Stellen mehr.

Solltet Ihr bisher einen Bogen um SETI gemacht haben, dann kann ich Euch nur eine Erstpartie empfehlen. Einfach mal mitspielen und sich treiben lassen. Mehr als eine Kernidee pro in jeder der fünf Runden solltet Ihr eh nicht verfolgen, dann klappt es auch mit den Erfolgserlebnissen. Ihr wolltet immer schon mal zum Mars fliegen? Dann macht es einfach. Oder doch Euren Supercomputer voll ausbauen? Warum nicht? Probiert genau das, was Ihr wollt, denn das einmalige Erlebnis Eurer Erstpartie wird niemals wiederkommen. Ob Euch dann ebenso die Faszination von SETI langfristig packt, das wird sich dann einfach von ganz alleine zeigen.

SETI gewinnt Gouden Ludo 2025: Faraway und Sky Team ebenfalls ausgezeichnet

05. Dezember 2025 um 10:58
SETI gewinnt Gouden Ludo 2025: Faraway und Sky Team ebenfalls ausgezeichnet

Mit dem Gouden Ludo 2025 setzt SETI seine außergewöhnliche Preisserie fort. Das Weltraum-Eurogame von Tomáš Holek holt sich den Titel als flämischsprachiges Expertenspiel des Jahres. Gleichzeitig werden mit Faraway und Sky Team zwei weitere Titel ausgezeichnet, die in den letzten Jahren international für Aufmerksamkeit gesorgt haben. Wenn du aktuelle Preisträger im Blick behalten willst, kommst du an diesen drei Spielen kaum vorbei.

SETI und die Expertenspiel-Kategorie

In der Expertenspiel-Kategorie gewinnt SETI den Gouden Ludo 2025. Das Thema dreht sich um die Suche nach außerirdischem Leben und die Erkundung des Weltraums, mechanisch ist das Spiel als Eurogame angelegt. Für den niederländischen Verlag DSV Games markiert der Preis den ersten Gouden Ludo überhaupt, seit das Unternehmen vor zwei Jahren aus dem Online-Shop De Spelletjes Vrienden hervorgegangen ist.

Mit dem Gouden Ludo hat SETI nun das Doppel der niederländischsprachigen Expertenspielpreise komplett. Bereits zuvor erhielt der Titel die Nederlandse Spellenprijs 2025 in der Kategorie Kennerspiel beziehungsweise Expertenspiel. Im vergangenen Jahr gelang dieses Doppel Forest Shuffle, 2023 war The Wandering Towers in beiden Fällen in der Familienspiel-Sparte erfolgreich. Du siehst daran, wie stark der Fokus der Szene auf diesen regionalen Preisen liegt.

Über die Grenzen der Benelux-Länder hinaus hat SETI 2025 weitere große Auszeichnungen eingesammelt. Das Spiel gewann den Deutscher Spiele Preis, der als wichtigster Community-Award in Deutschland gilt. Dazu kommen gleich mehrere Dice Tower Awards, darunter Spiel des Jahres, bestes Strategiespiel und bester neuer Autor. Bei den Golden Geek Awards holte sich SETI außerdem die Titel als „Heavy Game of the Year“ und bestes thematisches Spiel. Für ein Expertenspiel in einem vergleichsweise jungen Verlag ist das eine bemerkenswerte Bilanz.

Faraway als Familienspiel, Sky Team bei den Zweipersonenspielen

In der Familienspiel-Kategorie geht der Gouden Ludo 2025 an Faraway von Johannes Goupy und Corentin Lebrat. Das Fantasy-Kartenspiel erscheint in Belgien und den Niederlanden bei White Goblin Games, gut zwei Jahre nach seiner ursprünglichen Veröffentlichung. Faraway bringt bereits einige Auszeichnungen mit und baut mit dem Gouden Ludo sein Preisprofil weiter aus.

Vor dem aktuellen Erfolg in Flandern gewann Faraway im vergangenen Jahr den französischen As d’Or und sicherte sich 2023 den Swiss Gamers Award. Wenn du Kartenspiele magst, die mit wenig Material viel aus dem Thema holen, lohnt sich hier ein genauerer Blick. Besonders interessant ist, wie der Titel mit seiner Reise- und Entdeckungsatmosphäre arbeitet und trotzdem im Familienspiel-Rahmen bleibt.

Nach längerer Pause kehrt beim Gouden Ludo 2025 auch die Kategorie für Zweipersonenspiele zurück. Erstmals seit 2013 wird wieder ein eigener Preis für diesen Bereich vergeben. Den Zuschlag erhält Sky Team von Luc Remond. Das Spiel ist bereits als Spiel des Jahres ausgezeichnet worden und setzt sich nun auch im flämischsprachigen Raum durch.

Sky Team tritt im Finale gegen The Lord of the Rings: Duel for Middle Earth von Antoine Bauza und Bruno Cathala an. Dass sich die Jury hier für ein kooperatives Zweipersonenspiel entscheidet, zeigt, wie gefragt dieses Segment ist. Wenn du Spiele suchst, die sich zu zweit konzentriert und in kurzer Zeit spielen lassen, passt Sky Team genau in diese Nische.

So funktioniert der Gouden Ludo und die 2025er-Liste

Der Gouden Ludo wird seit 2009 jährlich vergeben. Den Auftakt machte damals Pandemic von Matt Leacock, das als erster Preisträger den Namen des Awards geprägt hat. Seitdem setzt der Preis einen Schwerpunkt auf Spiele, die im flämischsprachigen Raum gut verfügbar sind und dort aktiv gespielt werden.

Zugelassen sind Titel in niederländischer Sprache, die auf dem flämischen Markt ohne große Umwege erhältlich sind. Dazu zählen Fachgeschäfte ebenso wie Online-Shops. Eine Jury sichtet jedes Jahr die eingereichten Spiele der Verlage und erstellt daraus eine Nominierungsliste. Über die Gewinner stimmen anschließend Mitglieder der Forum Federation und andere flämische Spieleclubs ab. Damit fließt deine Perspektive als aktive Spielerin oder aktiver Spieler direkt in das Ergebnis ein, wenn du in einer entsprechenden Gruppe organisiert bist.

Für 2025 sieht die Übersicht der Gouden-Ludo-Gewinner und Nominierten so aus:

Familienspiel

  • Gewinner: Faraway – Johannes Goupy, Corentin Lebrat (White Goblin Games)
  • Botanicus – Samuele Tabellini Ferrari, Vieri Masseini (999 Games)
  • Fairy Ring – Laurence Grenier, Fabien Tanguy (Asmodee)

Expertenspiel

  • Gewinner: SETI – Tomáš Holek (DSV Games)
  • Unconscious Mind – Laskas, Jonny Pac, Yoma, Antonio Zax (Keep Exploring Games)
  • Wondrous Creatures – Yeom Cheolwoong (DSV Games)

Zweipersonenspiel

  • Gewinner: Sky Team – Luc Remond (999 Games)
  • Lord of the Rings: Duel for Middle Earth – Antoine Bauza, Bruno Cathala (Asmodee)

Wenn du nach aktuellen Orientierungspunkten für deine eigene Sammlung suchst, bietet dir die 2025er-Ausgabe des Gouden Ludo damit drei sehr unterschiedliche Schwerpunkte. SETI steht für komplexe Weltraum-Erkundung, Faraway richtet sich an Familien und Spielrunden mit leichterem Zugang, und Sky Team zeigt, wie viel Spannung ein reines Zweipersonenspiel aufbauen kann.

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