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ESCAPETOUR 2026 – ZURÜCK IM BENE-GLÜCK

Manche Menschen planen ihren Urlaub nach Stränden, Sehenswürdigkeiten oder kulinarischen Highlights. Wir planen nach TERPECA-Rankings. Nachdem uns Belgien und die Niederlande bereits 2024 mit einigen der besten Escape-Room-Erlebnisse überhaupt begeistert hatten, war schnell klar: Da fehlen noch einige Kreuze. Also machten sich die EXITROOMMATES ein zweites Mal auf den Weg in die Benelux-Länder.

Der Anlass war derselbe wie beim ersten Besuch: Räume erleben, die von Escape-Room-Enthusiasten aus aller Welt zu den besten ihrer Art gewählt wurden. Jahr für Jahr tauchen zahlreiche belgische und niederländische Anbieter weit oben im TERPECA-Ranking auf. Kein Zufall, wie wir schon damals feststellen konnten. Hier wird nicht einfach ein Raum gebaut – hier werden Welten erschaffen.

Auf unserer Reise erwarteten uns beeindruckende Kulissen, kreative Spielideen und Geschichten, die weit über das klassische „Schlüssel finden und Schloss öffnen“ hinausgehen. Einige der Räume gehörten zu den bekanntesten Europas, andere standen vielleicht weniger im Rampenlicht, konnten aber dennoch nachhaltig Eindruck hinterlassen.

Welche Abenteuer wir erlebt haben, welche Erwartungen erfüllt wurden und welche Räume uns besonders in Erinnerung geblieben sind, erfahrt ihr in diesem Reisebericht.

Ich berichte chronologisch:


1) Botanist Manor – Escape Rush (80 Min.)

Schon der Wartebereich beeindruckt: Er erinnert an einen stilvollen Gentlemen’s Club und macht Lust auf das, was folgt. Auch der Einstieg in den Raum ist bereits ein Erlebnis für sich.
Die Geschichte versetzt uns mithilfe einer neuartigen Technologie eine Woche vor das Verschwinden einer Journalistin. Mehr sollte man darüber eigentlich nicht wissen. Leider trägt die Story den Raum nur bedingt und wird teilweise recht wirr erzählt.
Dafür entschädigt Botanist Manor mit einer Vielzahl beeindruckender Kulissen, die sich deutlich voneinander unterscheiden und immer wieder für Staunen sorgen. Die Rätsel sind solide und passend eingebunden, stehen aber klar im Dienst der Inszenierung. Mit einem stärkeren Fokus auf die Erzählung hätte der Raum für mich sogar noch höher punkten können.

Meine Bewertung: 8,5 von 10


2) Tokyo Lab – Escape Rush (70 Min.)

Auch unser zweiter Besuch bei Escape Rush beginnt ähnlich eindrucksvoll. Wie schon bei Botanist Manor steht die Atmosphäre klar im Vordergrund, während die Geschichte eher Beiwerk bleibt. Verschiedene Ideen werden miteinander vermischt, ohne immer ein stimmiges Gesamtbild zu ergeben.
Was Escape Rush jedoch hervorragend beherrscht, ist die Gestaltung seiner Welten. Besonders die Tokio-Kulisse innerhalb der aus mehreren Abschnitten bestehenden Erfahrung hat es mir angetan. Einige Rätsel wirken etwas konstruiert, doch hier zählt vor allem der Spaß am Entdecken. Wer bereits vor Ort ist, kann Tokyo Lab problemlos direkt im Anschluss spielen.

Meine Bewertung: 8,5 von 10


3) White House – Escape Rush (60 Min.)

Spontan ließen wir uns durch einen Rabatt zu einem dritten Raum überreden. Diesmal verschlägt uns die Zeitmaschine in einen geheimen Keller des Weißen Hauses.
Die Story bleibt auch hier eher oberflächlich, dafür überzeugen die Rätsel durch ihre Stimmigkeit und einige clevere Ideen. Besonders die Nachbildung des Weißen Hauses ist sehr gelungen. Gleichzeitig merkt man dem Raum an, dass er zu den älteren Werken des Anbieters gehört.

Meine Bewertung: 8,5 von 10


4) The Crimson Recipe – Escape Room Schijndel (80 Min.)

Das erste große Highlight unserer Reise.
Von außen wirkt das Gebäude eher unscheinbar. Doch sobald sich die Türen öffnen, taucht man in eine völlig andere Welt ein. Wir nehmen zunächst in einer rustikalen Kneipe Platz, genießen einen Drink und werden anschließend durch ein Tor in ein Dorf geführt.
Professionell produzierte Audiosequenzen ziehen uns immer tiefer in eine tragische Geschichte hinein, die wir Stück für Stück miterleben. Kleine Läden, passende Gerüche und zahlreiche liebevolle Details sorgen für eine außergewöhnliche Atmosphäre. Die Rätsel fügen sich hervorragend ein – abgesehen von einer etwas unnötigen Fleißaufgabe.
Am Ende waren wir emotional vollkommen in die Geschichte hineingezogen. Genau so funktioniert immersives Storytelling.

Meine Bewertung: 9,5 von 10


5) Into the Darkverse – DarkPark Escape Room Delft (60 Min.)

Der erste Raum unserer Reise, der als „Active Horror“ eingestuft wird. Gleichzeitig entfernt er sich deutlich vom klassischen Escape-Room-Konzept.
Die Grundidee lautet: Stell dich deiner Angst. Und das oft ganz allein.
Für mich als bekennenden Angsthasen war das überraschend gut dosiert. Der Raum setzt weniger auf plötzliche Schockmomente und gibt mir Erholungsphasen. Besonders der erste Raum beeindruckt mit einer hochwertigen Gestaltung. Die folgenden Bereiche können dieses Niveau zwar nicht halten, dennoch bleibt das Erlebnis einzigartig.
Einige raffinierte Kniffe erzeugen eine nahezu perfekte Illusion. Und das Nachgespräch am Ende hilft dabei, wieder in die Realität zurückzufinden.

Meine Bewertung: 9,5 von 10


6) Midnite – Outer Ground (75 Min.)

In einem Kino findet um Mitternacht eine besondere Vorstellung statt, die von einem Geist heimgesucht wird.
Die Kulisse ist hervorragend umgesetzt und vermittelt tatsächlich das Gefühl, sich in einem echten Kino zu befinden. Weniger gelungen fand ich, dass man mehrfach dieselben Bereiche durchläuft. Zudem bleiben sowohl die Geschichte als auch die Rätsel hinter den Möglichkeiten des Settings zurück.

Meine Bewertung: 7,5 von 10


7) The Non-Believers – Your Escape (120 Min.)

Die Übergänge zwischen den einzelnen Bereichen sind schlicht beeindruckend. Hochwertige Hörspielelemente begleiten uns durch eine Geschichte, die klar im Mittelpunkt steht.
Leider gibt es ein längeres Rätsel, das unter ungünstigen Lichtverhältnissen leidet. Zudem funktionierte bei unserem Besuch ein Spielelement nicht wie vorgesehen. Vielleicht macht sich hier langsam das Alter des Raumes bemerkbar.
Trotzdem hat mich die Geschichte am Ende völlig gepackt. Die behandelten Themen wirken noch lange nach.

Meine Bewertung: 9 von 10


8) Corpse Inc. II – Experience Center Baarn (90 Min.)

Wir dringen wir durch ein Fenster in ein vermeintlich verlassenes Gebäude ein.
Grundsätzlich bin ich kein großer Fan von Räumen, die bewusst auf eine heruntergekommene „Müllhalden-Optik“ setzen, selbst wenn dies thematisch passend sein mag. Auch hier werden wir wieder durch dunkle Bereiche geführt und von einem Schauspieler verfolgt. Die Story bleibt dabei eher im Hintergrund, die Rätsel erfüllen ihren Zweck, hinterlassen aber keinen bleibenden Eindruck.

Meine Bewertung: 7,5 von 10


9) The Dome – Escape Rooms Bunschoten (60 Min.)

The Dome spielten wir bereits zum zweiten Mal, da zwei Mitglieder unserer Gruppe den Raum noch nicht kannten. Erfreulicherweise wurden einige Rätsel überarbeitet – und zwar zum Besseren. Auch das Hilfesystem wirkt heute deutlich durchdachter. Dadurch konnte ich mich stärker mit dem Konzept anfreunden als bei meinem ersten Besuch.
Trotzdem fühlt sich der Raum für mich eher wie eine Aneinanderreihung von Aufgaben an. Zudem sind manche Wow-Effekte inzwischen nicht mehr ganz so einzigartig wie noch vor einigen Jahren. Die knappe Zeitvorgabe sorgte zusätzlich für unnötigen Stress.

Meine Bewertung: 8 von 10


10) I Can Hear You – Entered (120 Min.)

Erneut erwartet uns ein Horrorraum, in dem Verfolgungsjagden und Storyelemente miteinander kombiniert werden. Besonders hervorzuheben ist, dass der Raum bewusst auf ein Hilfesystem verzichtet. Das kann allerdings zusätzlichen Druck erzeugen. Ich war mehr als überrascht, dass wir erfolgreich waren. Wie schon bei anderen Horror-Räumen stört mich etwas die bewusst chaotische und vermüllte Umgebung. Gleichzeitig ist die Größe der Spielfläche beeindruckend – schließlich bespielt man ein komplettes Haus.

Meine Bewertung: 8 von 10


11) Demise of the Gricers – Entered (200 Min.)

Mad Max trifft auf Fallout.
Dieser Raum sprengt Grenzen – und zwar im besten Sinne. Mehrere Schauspielerinnen und Schauspieler tragen eine cineastische Geschichte, die sich über eine gigantische Spielfläche entfaltet. Wir übernehmen Missionen und Nebenmissionen, treffen Entscheidungen und erleben teilweise völlig unterschiedliche Szenen. Durch eine intelligente Grundidee wird in der komplexen Spielwelt eine Freiheit suggeriert. Beeindruckend. Auch die technische Elemente sind einzigartig. Ein Gesamterlebnis, das ich so noch nie erlebt habe und das mir noch lange in Erinnerung bleiben wird.

Meine Bewertung: 10 von 10


12) Monster Mashers – Tales of Torchdale (150 Min.)

Who are you gonna call? Monster Mashers!
Ein Geist niedriger Stufe treibt sein Unwesen in einer verlassenen Arcade-Halle. Schon der Einstieg ist sensationell und gehört zu den besten, die ich jemals in einem Escape Room erlebt habe.
Immer dann, wenn der Raum auf Humor und Spaß setzt, spielt er seine größten Stärken aus. Leider erreicht nicht jeder Abschnitt dieses Niveau. Manche Rätsel wirken etwas losgelöst von der Geschichte, die eigentlich erzählt werden soll.
Trotzdem bleibt Monster Mashers ein außergewöhnliches Erlebnis mit vielen großartigen Momenten.

Meine Bewertung: 9 von 10


Fazit

Ich will zurück.
Obwohl dies bereits unsere zweite Benelux-Tour war, stehen noch zahlreiche Räume auf unserer Wunschliste. Viele davon befinden sich in den TERPECA Top 100 – und jedes Jahr kommen neue hinzu.Zum Glück ist das kein Problem. Denn wenn die nächste Reise ansteht, bin ich sofort wieder dabei.

ESCAPETOUR 2025 – GUTER HORROR IN ATHEN

Lange war es ruhig hier im Blog. Das echte Leben hatte mich fest im Griff. Doch jetzt wird es Zeit, wieder in fiktive Welten einzutauchen. Der Tradition folgend – nach zweimal ist es schließlich Tradition – ging es für unsere eingeschworene Gruppe EXITROOMMATES in die griechische Hauptstadt.
Immer wieder sorgt die Mitteilung, dass man extra für Exiträume nach Athen fliegt, für Verwunderung. Der Grund: Hier konzentrieren sich besonders viele hochqualitative Räume. Man spürt die Leidenschaft und Liebe, die in Ideen und Ausstattung fließen. Fast alle Anbieter beschäftigen eigens Schauspielerinnen und Schauspieler, die mit überzeugendem Spiel Geschichten zum Leben erwecken.
Es geht längst nicht mehr nur darum, in unter 60 Minuten zu entkommen. Das Erlebnis steht im Vordergrund – und dafür braucht es Zeit. Die bekommt man hier.

Elf Räume standen auf dem Programm – durch frühes Aufstehen wurden es sogar zwölf.
Doppelt so viele wie beim letzten Mal. Und: Wir haben uns an die Horrorräume gewagt, die wir bisher eher gemieden haben.

Ich berichte chronologisch:


1) Anna’s Dream – A True Story, Séance (90 min)

Der Einstieg ist atmosphärisch dicht, dann folgt ein kleiner Bruch: Die Stimmung ändert sich. Wir werden zu einem Tisch geführt, wo uns der sehr sympathische Spielleiter erklärt, worum es bei der Séance geht. Er prägt das Erlebnis deutlich – fast mehr Zaubershow als Escaperoom. Man sitzt, staunt und lässt sich unterhalten. Die Geschichte über Annas Traum hätte stringenter erzählt werden können. Kann man machen, aber kein Muss.
Meine Bewertung: 7 von 10


2) Wanted Dead or Alive – No Exit (90 min)

Ein Schauspieler, viele Rollen. Meine Mundwinkel schnellen wie Colts nach oben, als wir den Wilden Westen erkunden. Die Rätsel gefallen. Allerdings merkt man dem Raum an einigen Stellen sein Alter an: lose Knöpfe, Apparaturen, die wohl mal anders funktioniert haben. Es wirkt ein wenig wie in einer langen Ehe – man mag den Raum, kümmert sich aber nicht mehr mit voller Hingabe. Für den Humor gibt’s einen Extrapunkt.
Meine Bewertung: 8,5 von 10


3) Death Row – No Exit (100 min)

Wieder ein Gefängnis, wieder ein Ausbruch. Am meisten gefallen mir die Rätsel – pfiffig, durchdacht und mit Elementen, die auf den ersten Blick nutzlos erscheinen. Die Geschichte ist etwas flach und diffus. Dafür punktet die Gestaltung mit gelungenen Übergängen und Überraschungen.
Meine Bewertung: 8 von 10


4) The Nun – Vansa (130 min)

Vorkenntnisse des Films sind nicht nötig. Inszenatorisch ist der Raum beeindruckend: Sound und Licht erzeugen Gänsehaut, die Schauspielerinnen und Schauspieler liefern ab. Inhaltlich werden weniger Wendungen erzählt als vielmehr typische Horrorszenen aneinandergereiht. Viele Jumpscares, hohe Lautstärke. Die Rätsel dienen eher als Bindeglied, sind aber logisch und nachvollziehbar. Insgesamt: höchste Qualität.
Meine Bewertung: 9 von 10


5) The Sculptor – Freaky Minds Horror (120 min)

Mit leichtem Unbehagen ging ich hinein – hier ist physischer Kontakt durch den Schauspieler Teil des Konzepts. Der Horror entsteht durch Verfolgung und bedrohliche Situationen. Die Story wirkt bemüht, hat mich aber nicht ganz gepackt. Dafür ist die Inszenierung top: Kulissen, Effekte, Atmosphäre. Rätsel sind eher Nebensache. Die Liebe zum Detail ist aber spürbar.
Meine Bewertung: 9 von 10


6) Anneliese – Panic Button Escape Room (100 min)

Begrüßt werden wir in einer rustikalen Taverne, bevor es in einen düsteren, aber thematisch passenden Raum geht. Auch hier gibt’s ein paar Jumpscares, die nicht ganz zum restlichen Konzept passen. Die Rätsel sind herausfordernd und klar die Stärke des Raums. Im Vergleich mit anderen griechischen Anbietern sticht er allerdings nicht besonders hervor – auch wenn vieles richtig gemacht wird.
Meine Bewertung: 7 von 10


7) Lilipout – Art of Escape (120 min)

Spontan gebucht, um etwas Abstand vom Horror zu gewinnen. Wir werden geschrumpft und in eine Schublade gesteckt – zumindest theoretisch. Trotz einiger witziger Requisiten gelingt es nicht, die Verkleinerung glaubhaft darzustellen. Für Kinder gibt es eine vereinfachte Version.
Meine Bewertung: 6 von 10


8) Jumanji – Brain On (100 min)

Im Dachboden entdecken wir ein Brettspiel, das ein Portal in den Dschungel öffnet. Dort begrüßt uns ein sehr aufgedrehter, aber unterhaltsamer Schauspieler, der uns durch die Rätsel führt. Für den Humor gibt’s einen Extrapunkt – er zielt eher auf Kinder und Familien, bei mir hat er trotzdem funktioniert.
Meine Bewertung: 8 von 10


9) Mystic Project – Mystic Cooperation (150 min)

Als Journalistenteam sollen wir den ersten Escaperoom der Welt untersuchen – eine spannende Ausgangsidee. Die Story wird allerdings zunehmend verworren. Erschreckmomente wirken auf mich wenig effektiv, eine Verfolgungsszene wird unfreiwillig komisch. Die Räume sind hochwertig gestaltet, die Rätsel gut. Trotz kleiner Schwächen: empfehlenswert.
Meine Bewertung: 8 von 10


10) Hide N Seek – Brainiac Escape Rooms (120 min)

Dank einer kurzfristigen Absage ergattern wir einen Platz in diesem sonst monatelang ausgebuchten Raum. Wir werden von Jason (bekannt aus Halloweenfilmen) gejagt und müssen uns jedes Mal verstecken, wenn Musik und Licht sich ändern. Adrenalin pur! Die Immersion ist perfekt – mein Highlight des gesamten Trips. Die Story ist genretypisch flach, was mich nicht stört. Nur bei den Rätseln wäre mehr Kreativität schön gewesen.
Meine Bewertung: 9,5 von 10


11) Obsessed – Dark Riddles (110 min)

Eine cineastisch beeindruckende Atmosphäre, von mehreren Schauspieler*innen getragen, erzählt eine bewegende Geschichte. Die Rätsel sind stimmig in die Handlung eingebettet, einige clevere Transportmechaniken bleiben in Erinnerung. Einen kleinen Abzug gibt’s für unnötige Jumpscares und die recht laute Tonkulisse.
Meine Bewertung: 9 von 10


12) Sociopath – Blind Alley (120 min)

Ein weiterer Raum, der stark auf Storytelling setzt. Teilweise fühlt es sich an, als sei man mitten in einem Theaterstück. Die Dialoge auf Griechisch werden über ein englisches Skript vermittelt – das wirkt zwar etwas experimentell, aber dadurch auch besonders. Der Twist funktioniert für mich nicht ganz, und ich hatte das Gefühl, hier wollte man etwas zu viel. Dennoch ein erinnerungswürdiges Erlebnis.
Meine Bewertung: 9 von 10


Fazit:
Athen führt die Revolution der Escaperäume zu kulturellen Erlebnisstätten an. Ich kann es kaum erwarten, im nächsten Jahr neue Ideen dieser kreativen Köpfe zu erleben. Ja, ich werde wiederkommen.

ESCAPETOUR 2024 – NIEDERLANDE UND BELGIEN, ICH FLIEHE!

Endlich wieder eine Escapetour! Es zieht mich erneut in die Niederlande, dieses Mal ergänzt um Belgien. In der Terpeca-Liste, die jährlich die besten Escaperäume prämiert, finden sich auffällig viele Räume in diesen beiden Ländern. Während unseres Wochenendtrips haben wir sage und schreibe zehn Anbieter besucht, und ich muss sagen: Alle Räume lagen weit über dem Niveau, das ich sonst gewohnt bin. Nach so vielen außergewöhnlich guten Erlebnissen wird man natürlich etwas verzogen. Daher sollten meine folgenden Bewertungen auch vor diesem Hintergrund betrachtet werden.

Freitag ging es los mit:
Terpeca-Listen-Rang 49: Lost & Found (Kamer 237, Volkel, NL)
Wir werden als Personen begrüßt, die ihren Koffer suchen. Passend zum Thema tritt unsere Spielleiterin in Hotelpagenkleidung auf. Da unser Koffer nicht gefunden werden kann, müssen wir selbst auf die Suche gehen und finden uns in einer schick eingerichteten Szenerie wieder. Überwiegend Zuordnungsrätsel führen uns zu einer interessanten Geschichte, die in hochwertigen Videoclips nach und nach präsentiert wird. Das hat mir richtig gut gefallen.
Meine Bewertung: 9

Am nächsten Tag hatten wir gleich vier Räume auf unserer Liste. Unser erster Fehler: Der Anbieter hat mehrere Standorte, und wir sind beim falschen aufgeschlagen. Ups! Zehn Minuten später standen wir unserer richtigen Gamemasterin gegenüber.
Terpeca-Listen-Rang 5: Han’s Revenge (De Gouden Kooi, Mechelen, BEL)
Wir treten unseren neuen Job als Techniker für Klimaanlagen an und werfen uns in unsere blauen Overalls. In einem stimmigen Video werden wir von unserem Chef zu einem Laden geschickt, doch zuerst müssen wir überhaupt hineinkommen. Besonders die ersten 45 Minuten bestanden für mich aus einer herausragenden Kombination aus Rätselhighlights und immersiven Kulissen. Am Ende wurde meiner Meinung nach etwas zu weit über das Ziel hinausgeschossen, aber nichtsdestotrotz gehört dieser Raum zu meinen drei liebsten auf dieser Reise.
Meine Bewertung: 9,5

Wenn man schon mal da ist, kann man auch gleich den weiteren Raum des Anbieters spielen. Auch wenn dieser nicht mehr in den Top 100 ist, rangiert er dennoch weit über dem üblichen Niveau:
Terpeca-Listen-Rang 122: Das Geheimnis von Sankt-Rumoldus (De Gouden Kooi, Mechelen, BEL)
Das einführende Video fand ich sogar noch etwas stimmiger als bei Han’s Revenge. In einer Kirche beobachtet ein Pfarrer seltsame Vorkommnisse und ruft uns um Hilfe. Auch wenn die Kulissen wieder weit über den deutschen Escaperäumen liegen, fiel es mir hier etwas schwerer, in die Story hineingezogen zu werden. Die Rätsel waren solide. Zum Glück gab es trotz des Themas keine Horrorelemente.
Meine Bewertung: 8,5

Nach kurzer Autofahrt kamen wir nachmittags zu einem etwas abseits gelegenen Anbieter nahe Antwerpen.
Terpeca-Listen-Rang 25: Toy Factory (Torchdale, Zoersel, BEL)
Wir wurden von der Gamemasterin direkt als die neuen Mitarbeiter begrüßt. Sie erklärte uns unsere Aufgabe in der Spielzeugfabrik und verwies auf den an der Wand befestigten Zeitplan. Diese Einführung war mit so vielen humorigen Elementen gespickt, dass ich bereits in dem Moment spürte, dass ich diesen Raum besonders mögen würde. Was allerdings folgte, übertraf meine Erwartungen nochmals. Nicht nur die Rätsel waren sehr passend gewählt, sondern es gab auch handfeste gruppendynamische Überraschungen. Hochwertige Kulissen machten diese Reise hochimmersiv. Auch wenn ich ein Rätsel trotz thematischer Einbettung nicht so gelungen fand und wir einmal bei völliger Dunkelheit nicht wussten, wie es weitergehen sollte, war dieses Erlebnis einzigartig und das einstimmige Highlight unserer Gruppe.
Meine Bewertung: 10

Schnell über die Grenze in die Niederlande zu unserem nächsten Raum:
Terpeca-Listen-Rang 86: Illusion (Epic Escape, Waalwijk, NL)
Mit einer ausführlichen Einführung werden wir als Rechercheexperten bezeichnet, die mehr über einen bekannten Zauberer herausfinden sollen, der plötzlich verschwand. Dazu wird uns ein hochwertig produziertes Video gezeigt. Mit ein paar Effekten befanden wir uns mitten im Zauberatelier. Allerdings störte mich die Verwendung von künstlichem Rauch im Raum, der meiner Meinung nach nicht ausreichend belüftet war. Die Rätsel hätten etwas besser in die Thematik passen können. Trotzdem gilt auch hier: Die Kulissen und technischen Effekte waren sehr gut, und die begleitende Geschichte war stimmig.
Meine Bewertung: 8

Am nächsten Tag stand direkt die Nr. 1 auf unserer Agenda:
Terpeca-Listen-Rang 1: Molly’s Game (Down the Hatch, Voorburg, NL)
Schon beim Betreten war ich beeindruckt, da wir in einer imposanten Kulisse standen. Der Spielleiter erklärte uns, dass wir neben den Rätseln die Story nicht außer Acht lassen sollten. Auch wenn man vom Schriftzug denken könnte, dass MOLLY’S GAME an STRANGER THINGS angelehnt ist: Nein! Bis auf die Lichterkette handelt es sich um eine völlig andere Geschichte, und ich habe auch keine 80er-Vibes gespürt. Dafür erlebten wir ein herausragend gutes Erlebnis, das mich auch Tage danach noch beschäftigt hat, da die Geschichte außergewöhnlich war. Im Nachhinein war es vielmehr ein Krimithriller, bei dem man schon währenddessen die losen Enden zusammenfügen muss. Beeindruckende Elemente und Übergänge erklären völlig, warum dieser Raum ganz oben steht. Einziges Manko: Einige Rätsel waren schlichtweg zu lang. Neun- oder sogar zwölfmalige Zuordnungen waren mir einfach zu viel und unnötig. Dadurch fühlte ich, dass ich nicht genug Zeit hatte, um die Geschichte zu erleben, und ich deswegen nicht die Höchstwertung zücken kann.
Meine Bewertung: 9,5

Nach diesem Erlebnis ging es weiter zu einem Anbieter, den wir vor vier Jahren schon mal besucht hatten (The Execution, #295).
Terpeca-Listen-Rang 71: Jason’s Legacy (OuterGround Escape Rooms, Rijswijk, NL)
Der freundliche Gamemaster gab uns einen kurzen Überblick: Wir besuchen als Nachbarschaftswache das Haus eines Pfarrers und sollen Hintergründe zum verschwundenen Jason erfahren. Irgendwie fiel es mir schwer, in die Geschichte einzutauchen, und sie wurde durch die weitestgehend abstrakten Rätsel nicht vertieft. Kulissenmäßig kann man allerdings wieder nur den Hut ziehen.
Meine Bewertung: 8

Nun ging es direkt in die niederländische Hauptstadt:
Terpeca-Listen-Rang 31: The Alchemist (OuterGround Escape Rooms, Amsterdam, NL)
Die Sterne stehen für uns günstig, sodass nur wir in der Lage sind, das von einer Wissenschaftlerin begonnene Ritual zu beenden. Viel Technik ist im Raum verbaut, und so staunt man nicht selten über die Überraschungen, die für uns bereitgehalten werden – sowohl rätsel- als auch effekttechnisch. Mir persönlich fehlte eine mitreißende Geschichte, und die meiste Zeit über befindet man sich in einem einzigen Raum, der dafür aber gigantisch ist. Einen so hochwertigen Raum mitten in Amsterdam zu haben, ist außergewöhnlich. Für Besuchende der Hauptstadt mit einer Affinität für Escaperäume ein Muss.
Meine Bewertung: 9

Der letzte Besuch an diesem Abend war ein Raum, der relativ neu ist und noch nicht in der Terpeca-Liste gerankt werden konnte.
Pray (Escape Room Katwijk, Katwijk, NL)
Das Konzept sieht vor, dass man zu Beginn keine Interaktion mit dem Gamemaster hat. Es hängt einfach ein Schlüssel am vereinbarten Ort. Thematisch begeben wir uns zu einer Beerdigung und müssen uns ins Kondolenzbuch eintragen. Doch recht schnell befinden wir uns, wie in den Niederlanden üblich, in beeindruckenden Kulissen und erleben eine ambitionierte Geschichte, die meiner Meinung nach leider etwas in den Hintergrund gerät. Zumindest hatte ich währenddessen nicht alle Schlüsselstellen verstanden, und erst in der darauffolgenden Erklärung haben sich mir diese erschlossen. Die Rätsel waren solide und könnten meiner Meinung nach verbessert werden. Trotzdem sticht dieser Raum positiv hervor.
Meine Bewertung: 9

Auf der Rückfahrt machten wir noch einen Zwischenstopp in Bochum.
Terpeca-Listen-Rang 115: Die Gasse (OuterGround Escape Rooms, Amsterdam, NL)
Unsere überaus freundliche Gamemasterin erklärte uns das Szenario sehr stimmig: Wir möchten uns dem dunklen Lord anschließen und müssen dafür vier Münzen stehlen. Der klar vom Harry-Potter-Franchise inspirierte Raum wartet mit, gerade für deutsche Verhältnisse, tollen Kulissen auf, und es war ersichtlich, wie viel Liebe in die Gestaltung geflossen ist. Einzig ein Raum hat mich etwas aus der Immersion gerissen, da nach der Gasse der Charakter eines Zimmers deutlich wurde. Solide Rätsel führten uns nach der vorgegebenen Zeit zum dunklen Lord.
Meine Bewertung: 8

Es war wieder ein einzigartiges Erlebnis, und wenn die Qualität der Räume in den Benelux-Ländern so weitergeht, wird es sicher nicht wieder vier Jahre dauern, bis ich meinen nächsten Besuch plane. Irgendwie konnte ich fast allen Räumen etwas abgewinnen, wie man an meinem Gesamtfazit sieht.

Die immersivste Geschichte: MOLLY’S GAME
Die beeindruckendste Technik: THE ALCHEMIST
Die besten Kulissen: PRAY
Die stimmigsten Rätsel: HAN’S REVENGE
Beste/r Gamemaster/in: DIE GASSE
Das schönste Gesamterlebnis: TOY FACTORY

Happy escaping!

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