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kritisch gespielt: Dewan

Von: Tobias
09. Mai 2026 um 21:32
Dewan - Box

Dewan - BoxDewan von Johannes Goupy und Yoann Leuet – erschienen bei den Space Cowboys Wenn ich die Wikipedia-Artikel zum und zum des malaysischen Parlament richtig deute, dann kann "Dewan" in der malaysischen mit "Halle" übersetzt werden. Das passt besser als erwartet. Denn auch wenn uns die blumige thematische Einkleidung zu anderen Assoziationen führen will: im Endeffekt geht […]

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CfM040 Limitierte Brücken

Von: Tobias
29. April 2026 um 06:43
CfM040-Limitierte_Brücken

CfM040-Limitierte_BrückenFolge 40 regt hoffentlich ein wenig zum Nachdenken an. Zumindest uns hat das Interview mit Cosima Werner ebenso die Antennen hochfahren lassen wie die Beschäftigung mit dem Spiel LIMIT von Alexandre Poyé (erschienen bei Ludonaute bzw. bei Spielworxx). Zusätzlich sprechen wir noch intensiver über SKYBRIDGE von Michael Rieneck und Franz Vohwinkel (erschienen bei Deep Print […]

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Wundersame Wesen + Erweiterungen

Von: Oli
29. April 2026 um 00:30

Lasst uns eine Insel erkunden, und dort fremde Wesen sammeln, die alle eigene Fähigkeiten haben, die wir nutzen können. Klingt nach den weltberühmten Nintendo-Dauerbrenner-Monstern, klingt aber auch nach Navoria oder halt auch irgendwie nach Everdell. Und doch ist Wundersame Wesen etwas ganz eigenes, denn trotz der tollen – durchaus kindgerechten – Aufmachung und den vielen putzigen Wesen in der Schachtel, liegt der spielerische Anspruch hier weit über Navoria und ist in etwa vergleichbar mit Everdell (mal nur mit dem Grundspiel verglichen). Wie gesagt, da meine ich den Anspruch, nicht die Mechaniken, auch wenn es hier auch diverse Ähnlichkeiten geben mag.


Aber genug der Vergleiche mit anderen Dingen, hin zum eigentlichen Spiel. Zu Beginn sucht sich erstmal jede/r eine Besatzungsfraktion (= je drei Worker in Spielerfarbe) und einen der 9 Kapitäne aus. Den Kapitän klickt man magnetisch unterstützt auf eins der Reittiere und legt die entsprechende Karte auf das eigene Playerboard. Die hier aufgezeigte asymmetrische Fähigkeit sperren wir erstmal mit einem Marker. Dann kommen hier noch 4 Ressourcenmarker und 6 Errungenschaftsmarker dazu. Auf das (wirklich große) Spielfeld legen wir diverse Errungenschaftskarten, Lebensraumplättchen, Pokale und Eier, bereiten den Eierbeutel sowie das Vorratstableau mit weiteren Markern (Eier, Energie und Kescher) und dem ordentlichen Stapel an Wesenskarten (über 100), von denen wir 5 aufdecken. Kurz gesagt: Der Spielaufbau braucht ein wenig Zeit. Dann kann es aber auch schon losgehen. Wer dran ist, muss eine Aktion (Worker setzen, Karte spielen, Errungenschaft abschließen oder Regenerieren) durchführen und darf dann doch beliebig viele Kescher und/oder Energien nutzen. So spielen wir reihum, bis alle Pokale vergeben sind und danach alle nochmal dran waren. Es gewinnt, wer die meisten Punkte hat. Soweit, so klar und einfach. Und auch die Aktionen selbst sind nicht viel komplizierter.


Darf ich ein Besatzungsmitglied setzen, setze ich dieses immer auf zwei benachbarte freie Hexfelder der Spielbrett-Insel. Frei ist ein Feld nur dann, wenn dort keine andere Figur steht und es kein Wasser- oder Lebensraumfeld ist. In den vier Lebensräumen leben nämlich die besagten Wundersamen Wesen. Liegt auf einem der Felder, die ich besetze ein Ei, darf ich es mit der nicht-ausgebrüteten Seite auf mein Board in die entsprechende Leiste legen und bekomme dafür ab und an Boni. Die Eier bleiben bis zum Spielende dort liegen und gehören zu einer der insgesamt 7 Spezien im Spiel. Diese Spezien sind Symbole, die sich auch auf den Wesenskarten finden. Ebenso lässt sich dort immer eins der vier Lebensräume finden. Habe ich meine Figur gesetzt, darf ich nun für jeden benachbarten Lebensraum wählen: die zugeordnete Ressource nehmen (also den entsprechenden Marker auf meinem Bord um eins nach rechts schieben) oder ein Wesen dieses Lebensraumes aus der Auslage auf die Hand nehmen. Möchte ich stattdessen lieber Karten ausspielen, dann dürfen das bis zu zwei Karten aus meiner Hand sein. Jede Karte hat bestimmte Ressourcenkosten und bringt dafür Siegpunkte und/oder Fähigkeiten mit sich. Die Fähigkeiten lassen sich in Soforteffekte (manchmal auch direkt bezogen auf die Karte, die man im Anschluss spielt), dauerhafte Effekte (die künftig unter bestimmten Bedingungen triggern), Endboni, Energie- oder Regenerationseffekte (zu den beiden gleich mehr). Die ausgespielten Karten sammle ich in meinem „Reservat“. Möchte ich aber lieber eine Errungenschaft abschließen, dann muss ich die Bedingung von einer der sieben Errungenschaften im Spiel überhaupt erstmal erreich haben. Errungenschaften sind z.B. „habe 8 nicht ausgebrütete Eier“ oder „habe 6 oder 3 Krebstiere“. Erfülle ich eine davon, nehme ich einen Marker von meinem Bord und stelle ihn auf die Errungenschaft. Um auf die notwendige Anzahl von benötigten Spezien zu kommen darf ich hier auch Eier ausbrüten, die dann natürlich nicht mehr für alle Effekte gelten, für die ich nicht-ausgebrütete Eier brauche (kleiner Spoiler: es gibt Effekte, die sie mich wieder zurückdrehen lassen). Ich bekomme dann einen Pokal sowie Siegpunkte für die Schlusswertung. Neben dem nun leeren Platz auf meinem Bord ist eine Belohnung abgedruckt, die ich außerdem nun bekomme – oder auf die ich für zwei Siegpunkte verzichten darf. Erinnert an Arche Nova und spielt sich an dieser Stelle auch genauso. Habe ich meine erste Errungenschaft erfüllt, schalte ich zudem meine Kapitänsfähigkeit frei, die künftig immer dann triggert, wenn ich meine mit dem Kapitän berittene Besatzungsfraktion auf das Spielfeld setze. Kann oder möchte ich das alles nicht und habe ich bereits alle drei Besatzungsfiguren eingesetzt, kann ich mich regenerieren. Heißt: Ich nehme alle drei Figuren vom Spielfeld zurück, schiebe die Sanduhr auf ihrer Zeitleiste ein Feld weiter (und muss entweder neue Eier auf dem Spielfeld verteilen oder bekomme einen Kescher und erneuere alle Karten in der Auslage), muss dann aber auf 5 Handkarten reduzieren und darf nun alle Regenerationseffekte meiner ausliegenden Wesen nutzen. Und ja, auch das klingt irgendwie wie der Kaffeebecher in einem anderen Spiel mit Tieren. Mit den Keschern darf ich nun Sonderaktionen aktivieren, die auf Felder gedruckt sind, die zu meinen Besatzern benachbart sind. Alternativ kann ich auch dort liegende Eier hiermit einsammeln. Das Verwenden von Energien ist etwas spezieller: Karten mit Energieeffekten zeigen immer eine bestimmte Ladung an. Spiele ich eine solche Karte, lege ich entsprechend viele Ladungen auf die Karte. Diese Ladungen kann ich dann wieder ausgeben, um die Effekte der Karte gezielt zu nutzen. Und ohne (nochmal) zu spoilern: Natürlich gibt es Effekte, die diese Ladungen später wieder erneuern können.


Auf dem Weg durch das Spiel verwandelt sich das Spielfeld zudem ein wenig. Nicht nur werden, wie schon erwähnt, regelmäßig Eier nachgelegt, sondern auch die Wasserfelder verwandeln sich nach und nach in Lebensräume. Am Spielfeldrand ist nämlich eine Kramerleiste aufgebracht, auf der die während des Spiels eingesammelten Punkte zu zählen. Und dort gibt es neben manchen Zahlen diverse Boni – aber eben auch Felder, über die wir Lebensraumplättchen auf Wasserfelder legen müssen. Die vorhandenen Möglichkeiten wachsen im Spielverlauf also an. Ist das Spielende erreicht, winkt die Abschlusswertung. Da kommen zum einen die Karten mit Endwertung zum Tragen, die immer Punkte für bestimmte Sammlungskombinationen bringen. Dann bringen natürlich alle anderen ausgespielten Wesen noch ihre eigenen Punkte mit. Dann zählen wir noch die Punkte für die Errungenschaften, für die erhaltenen Pokale und für die übrigen Ressourcen zusammen und ermitteln so, wer gewonnen hat.


Und was soll ich sagen? Ich feiere das Spiel aktuell total. Und das liegt nicht an der wirklich tollen Tischpräsenz oder dem sehr wertigen Spielmaterial. Ja, davon kann ich mich natürlich nicht ganz frei machen, aber eigentlich mag ich die Mischung aus einfachen Regeln und wirklich komplexen Entscheidungsvorgängen in meinem Kopf total. Denn so lieblich es aussieht, so knallhart ist das Spiel dann doch in Aktion. Ob man es nun auf gehobenem Kenner- oder niedrigem Expertenniveau ansiedeln mag, ist hier tatsächlich nicht leicht zu beantworten. Für mich persönlich noch im Kennerbereich, aber durchaus (sehr) gehoben (denn auch wenn es an zwei Stellen nach Arche Nova klingt, ist es dann doch nicht ganz so komplex). Und das liegt einzig und allein daran, dass ich mir sehr genau überlegen muss, wann ich welche Karte spiele. Denn davon hängt ab, welche Ressourcen ich brauche, welche Karte ich vielleicht vorher spielen will und wo ich welchen Besatzer am sinnvollsten einsetze und wann. Und auch, wann ich mich regeneriere, denn da gibt es ja wieder Kescher die ich direkt nutzen kann, um vielleicht doch noch eine Ressource oder ein Ei zu bekommen und dann kann ich vielleicht meine Energie nutzen, die ich durch meine Regenerationsfähigkeit bekommen habe. Der ganz normale Kettenzugwahnsinn also. Aber mit deutlich weniger AP-Anfälligkeit, da man die eigenen Züge überwiegend gut vorausplanen kann. Gut vorausplanen heißt natürlich auch, dass das spiel eher zur Gruppe „gemeinsam einsam“ gehört. Außer dem „Sich-vor-der-Nase-Wegschnappen“ ist hier nicht viel mit Interaktivität. Das finde ich aber gar nicht schlimm. Ich hab hier tatsächlich schon genug mit mir selbst zu tun. Dementsprechend gibt es auch einen umfassenden Solomodus inkl. kleiner Solo-Szenarien in drei Schwierigkeitsgraden. Diese habe ich aber nicht gespielt.


Und auch wenn das Spiel viele Karten hat, so kommt man durch die vielen Auffrischungen der Auslage im Spiel tatsächlich oftmals durch den Stapel durch – was durchaus erstaunlich ist. Und hat man dann irgendwann alles gesehen und kommt dazu, die eigene Taktik gezielter auszurichten, schnappt man sich die beiden kleinen Erweiterungspacks, die das Spiel nochmal etwas „breiter“ machen. Ich sage es direkt vorweg: beides keine zwingenden Must-Haves, aber ich bin froh, sie zu haben. Eben weil sie noch hier und da ein Schräubchen mehr in meinen Kopf bohren. Ich fange mal mit dem Besatzungs-Set an. Hier bekommen wir für jede Spielendenfarbe alternative Besatzungsfiguren sowie ein weiteres in einer neuen Farbe. Diese sind aber nicht bloß optischer Selbstzweck. Für jede dieser nun 9 Fraktionen gibt es eine Karte mit Sonderfähigkeiten, die man einmal pro Spiel nutzen kann – bringen also ein wenig zusätzliche Asymmetrie. Die Gigantischen Bestien bringen vier neue Kapitäne und deren Fähigkeiten aber auch die namensgebenden Bestien ins Spiel. Bei diesen Bestien handelt es sich um sechs doppelseitig bedruckte Karten. Hiervon kommen zu Spielbeginn eine mehr als Spielende auf ihrer wachen Seite ins Spiel. Als neue Hauptaktion darf ich nun einmalig pro Partie vier Eier ausbrüten und eine Bestie aus der Auslage nehmen. Die Bestie kommt nun aber mit der schlafenden Seite in mein Reservat und ich lege einen kleinen roten Marker auf eine Leiste. Habe ich bislang noch keine Errungenschaft erreicht und daher noch nicht meine Kapitänsfähigkeit freigeschaltet, schalte ich sie hierdurch ebenfalls frei. Bevor ich die dauerhafte Fähigkeit meiner Bestie sowie die zusätzliche Endwertung, die sie mitbringt, nutzen kann, muss ich sie nun erstmal erwecken. Das mache ich, indem ich Wesenskarten mit der gleichen Spezies wie die Bestie ausspiele (wobei Bestien 2 verschiedenen Spezien angehören) oder eine Errungenschaftsbelohnung ablehne (dann geht der Marker sogar 2 Felder weiter). Außerdem gibt es in der Erweiterung 14 neue Wesenskarten, die als Effekt ebenfalls ein verschieben des Markers mit sich bringen. Eine aufgeweckte Bestie zählt zu den Spezien dazu, gilt allerdings für Effekte nicht als Wesenskarte. Kurz gefasst bringt diese Erweiterung also nochmal ein wenig mehr Asymmetrie und ein wenig mehr vom Alten ins Spiel. Ich find’s richtig gut!

 

 

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Wundersame Wesen von Yeom.C.W.
Erschienen bei Strohmann Games
Für 1 - 4  Spielende in 40 bis 80 Minuten ab 14 Jahren
sämtliche Bilder sind von uns selbst erstellt oder vom jeweiligen Pressematerial des Verlages (hier Strohmann Games)
*es handelt sich um einen Affiliate-Link. Für Euch entstehen keine zusätzlichen Kosten, wir erhalten eine kleine Provision.

Die Sümpfe von Feya – Zwischen Nebel, Wasser und wachsenden Siedlungen

Von: Dirk
28. April 2026 um 11:55
Lesezeit: 5 Minuten

Ein feiner Nebel liegt über den stillen Wassern. Zwischen dichten Pflanzen und uralten Wurzeln treiben kleine Boote durch enge Kanäle. Inseln tauchen aus dem Sumpf auf, kaum mehr als feste Flecken im endlosen Grün – doch genau hier beginnt das Leben. Clans errichten ihre ersten Siedlungen, sammeln Ressourcen und wagen sich immer tiefer in das geheimnisvolle Gebiet hinein. Jeder Zug verändert die Landschaft ein wenig, jede Entscheidung schreibt die Geschichte weiter.

Kurzüberblick

In Die Sümpfe von Feya übernehmen die Spielenden jeweils einen Clan und entwickeln diesen über mehrere Runden hinweg weiter. Durch das Platzieren von Siedlungen, das Nutzen von Aktionen und den geschickten Umgang mit Ressourcen entstehen Schritt für Schritt funktionierende Strukturen – immer mit dem Ziel, möglichst viele Siegpunkte zu sammeln.


🧩 Die Sümpfe von Feya – Kurzinfo

Spieler: 1–4
Dauer: ca. 60–120 Minuten
Alter: ab 12 Jahren
Komplexität: ⭐⭐⭐⭐☆ (Kennerspiel)

Mechaniken:
Worker-Placement · Ressourcenmanagement · Aktionsoptimierung · Tableau-Building · variable Spielerfähigkeiten

Worum geht’s?
In einer geheimnisvollen Sumpflandschaft führen wir unseren Clan durch ein Geflecht aus Wasserwegen und Inseln. Mit Booten erkunden wir neue Orte, setzen Arbeiter ein, sammeln Ressourcen und errichten Siedlungen. Viele Aktionen greifen ineinander – wer effizient plant, baut nicht nur sein Gebiet aus, sondern sorgt auch für stetiges Einkommen und punkteträchtige Kombinationen.

Für wen geeignet?
Für Spieler:innen, die verzahnte Eurogames mögen und Freude daran haben, mehrere Züge im Voraus zu planen. Besonders interessant für Fans von komplexeren Worker-Placement-Spielen mit vielen kleinen Stellschrauben und variablen Startbedingungen.

 Mehr Infos auf Boardgamegeek


Spielablauf im Überblick

Eine Partie verläuft über mehrere Runden, die stets demselben Fluss folgen:

  • Einkommen: Zu Beginn füllen sich die Vorräte – gespeist aus bestehenden Siedlungen und Clan-Fähigkeiten
  • Aktionsphase: Reihum entscheidet sich jede Person für genau eine Aktion
  • Rundenende: Figuren kehren zurück, Auslagen ändern sich, und der Sumpf bereitet sich auf die nächste Runde vor

Mit jeder Runde wächst nicht nur das eigene Gebiet, sondern auch die Komplexität der Entscheidungen.

Aktionsmöglichkeiten im Detail

Die Aktionen bilden das Herzstück des Spiels – sie bestimmen, wie sich dein Clan im Sumpf entfaltet:

  • Boot-Aktion: Deine Boote gleiten über das Wasser zu neuen Feldern. Dort nutzt du die jeweilige Aktion des Zielortes und erschließt neue Möglichkeiten
  • Land-Aktion: Ein eingesetzter Arbeiter aktiviert gezielt Effekte – ein präziser Eingriff in deine Strategie

Je nach gewählter Aktion kann man dann verschiedene Aktivitäten ausüben:

  • Fischen: In den Gewässern sammelst du Nahrung und Ressourcen, abhängig von deinen Fähigkeiten und Positionen
  • Handeln: Überschüsse werden umgewandelt – aus Rohstoffen entstehen gezielt nutzbare Werte wie Gold
  • Eine Siedlung bauen: Neue Außenposten entstehen auf Inseln und erweitern dein Einflussgebiet
  • Segeln: Auf der Segelleiste voranschreiten, um Vorteile und Siegpunkte zu erhalten
  • Feiern: Erfolgreiche Siedlungsstrukturen bringen zusätzliche Siegpunkte ein
  • Totem hinzufügen: Totemplättchen werden platziert und verstärken bestimmte Effekte auf den Inseln
  • Passen: Wer innehält, sichert sich Vorteile für den weiteren Verlauf der Runde

Die Aktionen greifen dann ineinander: Bewegung eröffnet neue Orte, Ressourcen ermöglichen Wachstum, und Siedlungen steigern langfristig deine Möglichkeiten.

Ziel und Spielende

Nach der letzten Runde wird der Erfolg jedes Clans sichtbar. Alle gesammelten Siegpunkte – aus Aktionen, erfüllten Zielen und weiteren Boni – werden addiert. Der Clan mit den meisten Punkten entscheidet das Spiel für sich.

Wie es gefällt

Die Sümpfe von Feya waren schon in Essen ein vielgesuchter Titel, und die wenigen englischen Exemplare waren schnell ausverkauft. Umso schöner, dass das Spiel nun bereits auf Deutsch erhältlich ist. Auf der Spiel doch! in Dortmund konnte ich bereits ein Exemplar mitnehmen und einen ersten Blick darauf werfen. Und allein der Autor sollte Spieleprofis hellhörig werden lassen: Helge Ostertag hat zuvor mit Terra Mystica und seinen Iterationen ein komplexes Gesamtwerk geschaffen. Die Sümpfe von Feya kommen nun etwas leichtfüßiger daher. Doch schon nach wenigen Partien kann ich sagen: „Vorsicht an der Bahnsteigkante!“ In den Sümpfen von Feya verbergen sich komplexere Zusammenhänge und Zwänge, als man zunächst vermutet. Klar, dass man die erst entdeckt, wenn man etwas tiefer eingetaucht ist.

Aber fangen wir vorne an. Im Kern ist es erst mal das, was wir als Worker-Placement bezeichnen: Arbeitstier auf einen Ort einsetzen und Sachen machen. Diese Aktionen können dann zu Wasser oder zu Land ausgeführt werden – und auch nur, wenn man vorher für die notwendigen Ressourcen gesorgt hat. Da muss man schon aufpassen, dass man nicht statt mit allen beiden oder gar drei Booten nur mit einem die Aktion ausführen kann. Wäre ja Verschwendung! Und das mögen wir Optimierer so gar nicht. Das heißt aber auch, dass ich vorher genügend Geld zusammenhaben muss, damit ich viele Siedlungen bauen kann. Und dazu muss ich Fisch verkaufen, den ich vorher geangelt haben muss. Ihr merkt, worauf ich hinauswill: Im Sumpf ist Planung alles.

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Das Bauen der Siedlungen ist natürlich irgendwie der Kern des Ganzen. Das bringt nicht nur Punkte ein, sondern schaltet vor allem weitere Elemente oder Einkommen frei. Es gibt insgesamt vier Leisten mit je fünf Plätzen, von denen ich Siedlungen wählen kann. Auch da muss wieder gut geplant werden, welche Siedlung ich nehme und was ich damit freischalte. Ganz wichtig sind natürlich die zusätzlichen Arbeitskräfte, die ich so gewinnen kann.

Und damit es nicht langweilig wird und man beim Planen noch mehr aufpassen muss, gibt es in jeder Runde einen anderen Clanführer, mit dem man spielen muss. Da gibt es welche mit starken Sonderfähigkeiten, die aber dafür eine schlechte Initiative haben und dafür sorgen, dass ich in der Spielfolge hinten sitze. Dafür können sie umso günstiger Siedlungen bauen, aber nicht weit segeln. Und welche Sonderfähigkeit mir gerade nutzt, hängt ja auch noch von meiner Planung ab. Denn ich möchte mich ja nicht nur ausbreiten um des Ausbreitens willen, sondern vor allem so, dass ich Punkte mache – mit den zwei Wertungsbedingungen, die ab Spielbeginn ausliegen. Während des Spiels macht man dann noch Punkte mit den Zielkarten, die bestimmte Voraussetzungen bieten, die zu erfüllen sind, und über Feste auf den Inseln, bei denen der ganze Fisch gegessen wird, der am Ende ggf. auch noch Punkte bringt.

Und last but not least hat jedes der vier Clan-Tableaus noch eine Rückseite, die asymmetrische Fähigkeiten ins Spiel bringt. Die Krokodile sind viele (eine Figur mehr zur Verfügung). Die Salamander haben auf den Siedlungsleisten zufällig verteilte Plättchen mit Bonusdreingaben und so weiter … Da ist viel Varianz im Spiel und lässt auch künftige Partien bestimmt nicht langweilig werden. Und neue Völker als Erweiterung könnten auch schon in den Startlöchern stehen.

Spannend war auch, dass man das Spiel natürlich auch so spielen kann, dass man mit seinen Spielzügen es den anderen am Tisch möglichst schwer macht. So kann man es durch geschicktes Platzieren der Siedlungen für andere schwer machen die Zielkarten zu erreichen oder auch möglichst wenig Punkte mit den Wertungskarten zu erzielen.

Die mit Spieldauer steigenden Möglichkeiten erhöhen natürlich auch die Dauer der einzelnen Spielzüge. Gerade Personen, die alle Möglichkeiten abwägen wollen, können hier schon mal in die Grübelstarre verfallen. Zumal man häufig auch erst kurz vor seinem eigenen Zug entscheiden kann, ob man alles so umsetzen kann, wie man es vorhatte. Downtime ist also hier ein Thema falls es euch stört, sollte sich aber mit zunehmender Regel- und Strategiekenntnis deutlich verkürzen.

Fazit

Die Sümpfe von Feya verbinden ein zugängliches Grundprinzip mit einem deutlich höheren Anspruch, als es zunächst den Anschein hat. Hinter den klaren Abläufen entfaltet sich ein Geflecht aus Abhängigkeiten, das Planung und vorausschauendes Handeln konsequent einfordert. Besonders das Zusammenspiel aus Ressourcenmanagement, Siedlungsbau und den wechselnden Clanführern sorgt dafür, dass sich jede Partie anders entwickelt und immer wieder neue Schwerpunkte setzt.

Gleichzeitig lebt das Spiel von seiner Varianz: unterschiedliche Tableaus, variable Boni und wechselnde Ziele bringen Abwechslung ins Spiel und erhöhen den Wiederspielreiz. Wer bereit ist, sich tiefer mit den Mechanismen auseinanderzusetzen, entdeckt nach und nach die Feinheiten, die unter der Oberfläche des scheinbar ruhigen Sumpfes verborgen liegen.

Bestpreis finden bei brettspiel-angebote.de


Transparenzhinweis: Das Spiel wurde zu Rezensionszwecken vergünstigt vom Verlag zur Verfügung gestellt. Die aktuelle Ersteinschätzung basiert auf den 3 ersten Partien mit jeweils zwei Personen.

1ers Contacts

Von: Krys
26. April 2026 um 20:57

1ers Contacts ist ein asymmetrisches Such- und Versteckspiel für zwei bis fünf Personen. Ein Spieler übernimmt die Rolle eines außerirdischen Wesens, das nach einem Absturz unentdeckt bleiben und zusätzlich eine geheime Spezialmission erfüllen muss. Die übrigen Spieler steuern gemeinsam ein

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La Patisserie Rococo

25. April 2026 um 08:00

Ein rauschendes Gartenfest bei bei König Ludwig dem XV? Es braucht nur noch die besten Patisserien aus Paris am Hofe damit dies zum Erfolg führen kann. Und wer wenn nicht du, sollte dies sein? Naja, vielleicht eine der anderen Mitspielenden.


Bei dem Spiel müsst ihr Rezepte, Rohstoffe und Zutaten erwerben, anschließend die Kuchen backen, optional dekorieren und ausliefern. Außerdem könnt ihr immer noch neues Personal einkaufen oder kündigen. Und zu guter Letzt noch eigene Servicekräfte und wohlgesonnene Adlige einschleusen. Das alles sind eigene Aktion. In den vier Runden habt ihr aber nur ungefähr fünf Aktionen … ach ja und zu wenig Geld (zumindest am Anfang).

Der Kaufreiz war für mich ganz klar die Erst-Erfahrung mit dem großen Ableger Rococo, wo wir noch die Ballsäale ausschmücken und insbesondere die Herrschaften in prächtige Gewänder stecken. Einziger Nachteil: das Spiel zieht sich ganz schön.

Was bleibt nun von der Welt aus Zucker und Marizpan übrig, wenn wir mal unter die dicke Glassur schauen?

Steckbrief

Spiel La Patisserie Rococo
Verlag Skellig Games (Eagle-Gryphon Games)
Veröffentlichung 2026
Idee Stefan Malz, Louis Malz
Illustration Fabrice Weiss
Rating (BGG) 7.2
Komplexität 3.20 (Kennerspiel)
Spielweise kompetitiv
Mechaniken Hand Management, Set Collection, Area Majority, Deck Building, Multi-Use Cards

Eindruck von der Bühne

Erstaunt bin ich immer noch von der Regelerklärung. In knapp 25 Minuten kann ich das Spiel erklären ohne große Nachfragen. Die Aktionen lassen sich logisch in einer guten Reihenfolge erläutern, so dass es dann auch schnell losgehen kann. Auch die Spielzeit hält sich für ein klassisches Kennerspiel im Zaun.

Klassik. Das ist leider auch das Artwork. Auf dem Tisch ausgebreitet bekommt weder das Spielbrett noch die lieblosen Karten der Aushilfen und Meister so richtig etwas fürs Auge geboten. Schade eigentlich, denn bekanntlich isst das Auge mit. Gerade im Vergleich zu Rococo (egal ob der klassischen oder bei Skellig Games erschiene Deluxe-Version) erinnert La Patisserie im Charme eher an alte Klassiker. Ich denke da an meine Lieblinge wie Auf den Spuren von Marco Polo oder Mombasa. Obwohl diese tatsächlich alle Facettenreicher in der Illustration sind. Ich kann nur vermuten, dass der Kaufpreis hier bewusst gerade im Vergleich zu dem Namensgebenden Haupttitel gering gehalten werden sollte.

Sowohl von der Spielmechanik und dem soliden Grübelfaktor lässt euch das Spiel keine Madelaines im Backofen verbrennen. Für mich kommt das Thema gut durch: Rezepte besorgen, mit Rohstoffen haushalten, Deckbuilding nicht vernachlässigen und Siegpunkte auf dem Spieltableau vor den Mitspielenden blockieren respektive sichern. Alles für die Gunst am Hofe aka Siegpunkte am Ende. Der Aufbau gibt mehr als ausreichende Variabilität, um jede Partie abwechslungsreich zu gestalten.

Meine Erfahrung mit dem Erstling ist bereits einige Backzyklen her, aber ich habe es grübliger und mit mehr Downtime in Erinnerung.


Groupie auf Tour

Letzter Blick aufs Rezeptbuch! La Patisserie ist mehr als ein gehobenes Familienspiel oder ein leichtes Kennerspiel: damit für mich ein perfektes Gateway-Spiel. Also ein Spiel, um Familienspielende in den nächsten Schritt der komplexeren Spiele einzuführen.

Es ist leicht zu lernen und bedarf Übung, um es zu meistern. Mangel an allem ist die Regel. Wer also partout nicht damit leben kann, dass nicht jede Aktion in einer Runde gespielt werden kann oder den Mangel an Ressourcen mit ewiger Grübelei verbringt, sollte die Finger aus dem Mehlsack ziehen.

Am Ende ist klar: wenn ihr Rococo bereits besitzt und es oft genug auf den Tisch kommt, bleibt lieber beim Nähen. Solltet ihr aufgrund des Kaufpreises immer einen Bogen um die Nähmaschine gemacht haben, ist das nun die Chance einen fluffigen Ableger mit gleicher Spielmechanik in die Backstube zu bekommen.

Persönlich bereue ich es primär aufgrund des Artworks nicht den Haupttitel gekauft zu haben, sondern die preiswertere Backvariante. Nichtsdestotrotz ist es ein tolles Spiel. Da ich es nun schon habe, werde ich es behalten. Einige Runden sind schon gespielt und die Mechanik überzeugt mich immer wieder. Würde Rococo aktuell einen goldenen Rock-Meeple bekommen, vergibt das verwöhnte Brettspielauge bei La Patisserie im Ersteindruck den silbernen Rock-Meeple. Die Reise geht weiter. Ups, ich muss schnell ein paar Küchlein ausliefern gehen …

Björns Meinung

Ich mag das Thema sehr gern, und deshalb hatte ich schon Bock, das Spiel auszuprobieren, als Horst es mitgebracht hatte. Die gesamte optische Präsentation ist wirklich alles andere als eine gute Konditortorte, aber Euros müssen ja nicht schön aussehen, um Spaß zu machen. Insgesamt fand ich es nach einer Partie aber zu seicht für meinen Geschmack. Für ein Einsteiger-Euro ist es etwas zu fizzelig und für ein Kenner-Euro geht es nicht tief genug. Es schwebt so ein wenig dazwischen und findet sicher auch die passende Zielgruppe, denn ein schlechtes Spiel ist es auf keinen Fall. Mit einer besseren Präsentation hätte man sicher auch größeres Interesse wecken können. Vor allem finde ich dadurch 75 € als UVP etwas hochgegriffen. Für mich verdient das Spiel ebenfalls einen silbernen Rock-Meeple.


Bills Meinung

Ich muss es gleich am Anfang zugeben, das Spiel hat mich wie sein großer Bruder Rococo thematisch einfach kalt gelassen. Das allein muss ja nichts bedeuten, gerade in der jüngeren Vergangenheit durfte ich mit einigem Wohlgefallen einige Titel spielen, die mich trotz vorher uninteressant wirkendem Thema vollends überzeugt haben und nun sogar mit Neugierde auf den bis dahin unbeliebte Inhalt blicken lassen. Dennoch beginnt so ein Titel auf diese Weise natürlich nicht gerade mit dem besten Start. Als es nun tatsächlich auf den Tisch kam habe ich vor allem wegen der geliebten Mitspieler die es gerne ausprobieren wollten nichts dagegen gehabt.

Wie Björn schon sagt muss ein Euro-Game nicht mit Schönheit glänzen und Patisserie Rococo versucht augenscheinlich auch eher vor allem mit einer guten Mechanik als mit einem schönen Bühnenbild zu überzeugen. Da mir persönlich aber neben gut vernetzten Gameplay auch Optik und Thematik wichtig sind, konnte es keinen Blumenstrauß gewinnen. Versteht das bitte nicht falsch, es ist kein schlechtes Spiel das sicher viele Menschen glücklich machen wird, nur leider bin ich niemand davon. Es wird daher keinen Weg in mein Regal finden aber mitspielen würde ich es sicherlich, selbst wenn ich versuchen würde vorher die eine oder andere Option in den Raum zu werfen. Daher verdient es von mir, wenn überhaupt, einen bronzenen Meeple.

Konzertmitschnitte


(c) Copyright Skellig Games

Bannerhintergrund von mareneinfeldt (über Pixabay)

Grafik(en) und Bild(er) von Horst Brückner

Das Spiel habe ich privat erstanden. Diese Rezension ist unentgeltlich durchgeführt worden und spiegelt meine persönliche Meinung wider.

Emberleaf

Von: Daniel
22. April 2026 um 00:30
Süße Tiere wuseln durch eine verwunschene Landschaft, Karten werden verschoben, gedreht, kombiniert. Fast wirkt es, als würden sie über den Tisch tanzen. Emberleaf sieht auf den ersten Blick aus wie ein harmloses Natur-Aufbauspiel. Doch hinter der hübschen Fassade steckt ein deutlich anspruchsvollerer Titel, als es auf den ersten Blick erscheint, bei dem Planung, Timing und ein gutes Gespür für Abläufe entscheidend sind.

Spielablauf: Karten spielen oder tanzen lassen

In Emberleaf gibt es keine klassischen Runden. Stattdessen führen die Spielenden abwechselnd ihre Züge aus, bis das Ende des Spiels ausgelöst wird. Als Hauptaktion kann ich entweder eine Heldenkarte ausspielen und ihre Ausspiel-Fähigkeit oder die des Feldes nutzen oder alle Karten auf meinem Tableau nach links verschieben (tanzen lassen) und damit eine Kette von Effekten auslösen.

Gerade das Verschieben ist dabei der spannendste Teil: Karten rücken Schritt für Schritt weiter, aktivieren ihre Effekte und fallen am Ende vom Tableau herunter, wodurch zusätzliche Fähigkeiten ausgelöst werden. Zusätzlich kann ich optionale Aktionen nutzen, etwa Fähigkeiten „aufladen“ oder neue Auftragskarten (Gefallen) nehmen.


Durch meine Kartenfähigkeiten bewege ich mich durch den Wald, sammle Ressourcen, bekämpfe Gefahren, errichte Gebäude und siedle Dorfbewohner an. Viele Effekte hängen dabei von Attributen meiner ausliegenden Karten ab und verstärken sich gegenseitig. Neue Karten erhalte ich nur vier Mal im Spiel und habe diese dann zum Ausspielen zur Verfügung.

Das Ziel ist es, durch diese Aktionen Punkte („Blätter“) zu sammeln, etwa durch erfüllte Aufträge, Gebäude und ihre Bewohner oder besiegte Gefahren. Das Spiel endet, sobald sechs Trophäen vergeben wurden und die Runde zu Ende gespielt ist.

Wenn alles läuft, ist es großartig

Emberleaf lebt von den Momenten, in denen das eigene System funktioniert und ineinander klickt. Wenn ich meine Karten tanzen lasse und dadurch Ressourcen erhalte, die ich gleich wieder verbaue, mich an den nächsten Ort bewege, um nochmals Ressourcen einzuladen, wenn sich so eine Aktion an die nächste reiht, fühlt sich das richtig gut an.

Die Kartenmechanik wirkt dabei ungewöhnlich und hebt sich von klassischen Tableau-Buildern ab. Statt einer statischen Auslage entsteht ein dynamisches System, das sich ständig verändert und angepasst werden will. Damit ist es schon fast ein Programmier-Spiel. Gerade wenn ich mir dann eine der wenigen zusätzlichen Heldenkarten aussuchen und diese in meine Auslage mit einbauen kann für folgende Runden ist das auch besonders toll.


Dazu kommt eine opulente Produktion mit viel Liebe zum Detail. Die Gestaltung ist ansprechend, die Materialien hochwertig und der Aufforderungscharakter entsprechend hoch. Man möchte Emberleaf gerne ausprobieren.

Zwischen Frust und Flow

So gut diese Momente sind, für mich fühlte es sich nach harter Arbeit an, diese zu erreichen. Gerade zu Beginn kommt die eigene Engine nur schwer in Gang. Viele Züge fühlen sich noch wenig effektiv an und mehrmals ging es mir  so, dass Aktionen verpufften, weil Ressourcen fehlen oder das eigene Lager blockiert ist. Das kann frustrierend sein, vor allem wenn man eigentlich das Gefühl hatte, einen guten Plan zu haben.

Die Einstiegshürde ist entsprechend hoch und das Regelwerk hätte an einigen Stellen klarer strukturiert und eindeutiger sein können. So liegen beispielsweise neue Heldenkarten aus, wie man sie erlangt, wird aber erst auf der vorletzten Seite der Regel (nach Solo-Modus und Impressum) als einer von 20 Boni erwähnt. Sicher ist Deckbuilding nicht die zentrale Mechanik des Spiels, aber es ging nicht nur mir so, dass ich vor meiner ersten Partie erst einmal vollkommen ratlos war, wie ich diese Karten wohl erlangen könnte.


Auch die Spiellänge hat sich nicht ganz befriedigend angefühlt. Einerseits hat Emberleaf wirklich eine beachtliche Spielzeit und ich würde zum Einstieg empfehlen nur zu zweit zu spielen, andererseits kann das Spielende ziemlich abrupt und überraschend kommen, wo der Anfang sich noch so zäh angefühlt hat.

Fazit: Großartige Ideen, aber nichts für den Blindkauf

Emberleaf ist deutlich komplexer, als es die süße Optik vermuten lässt. Wer sich darauf einlässt, erlebt ein echtes Wechselbad der Gefühle: Wenn die Karten „tanzen“, Ressourcen fließen und Kettenzüge aufgehen, ist das ein richtig starkes Spielerlebnis.

Genauso oft passieren aber auch Fehler, Aktionen verpuffen und Pläne laufen ins Leere. Das Spiel verzeiht wenig und verlangt saubere Planung. Wer Spiele mag, bei denen man Aktionen vorbereitet, kombiniert und später so richtig davon profitiert, sollte Emberleaf unbedingt ausprobieren. Vom Blindkauf, zu dem die charmante Optik durchaus verleiten kann, würde ich aber eher abraten.

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Emberleaf von James Tomblin und Frank West
Erschienen bei Skellig Games
Für 1-4 Spielende in ca. 90-120 Minuten ab 14 Jahren

sämtliche Bilder sind von uns selbst erstellt oder vom jeweiligen Pressematerial des Verlages (hier Skellig Games)

Das Gelbe Haus

Von: Daniel
20. April 2026 um 00:30

Vincent van Gogh und Paul Gauguin, zwei Kunst-Genies, ein gelbes Haus in Arles, und ein ziemlich intensiver Streit darüber, was Kunst eigentlich sein sollte: Leidenschaft? Inspiration? Talent? Oder doch Geld? Das Gelbe Haus greift diese historische Konstellation auf und verwandelt sie in ein taktisches Karten-Ablegespiel für zwei Personen, bei dem jede Diskussion zur strategischen Auseinandersetzung wird. Im Original ist es erschienen bei Mandoo Games aus Korea (deutsch von Nice Game Publishing), die sich seit Jahren mit gelobten Kartenspielen für 2 Personen einen Namen machen. Nach Jekyll vs. Hyde oder Dracula vs. Van Helsing versucht nun also „Van Gogh vs. Gaugin“ an die Erfolge anzuknüpfen.

Spielablauf: Karten ausspielen, Themen durchsetzen

Das Ziel ist schnell erklärt: Wer zuerst alle Handkarten loswird, gewinnt eine Runde. Gespielt wird über maximal fünf Runden, wobei Das Gelbe Haus vorzeitig endet, wenn einer der Spielenden die zweite Karte derselben Farbe als Belohnung für eine gewonnene Runde erhält. In jeder Runde finden mehrere sogenannte Diskussionen statt, vergleichbar mit Stichen in einem Stichspiel.


In einer Diskussion stellt man Behauptungen auf, indem man eine der vier Themenkarten ausspielt (lila Talent, rote Leidenschaft, grüne Inspiration oder gelbes Geld) und diese neben die Leinwand legt. Die gespielte Karte muss dabei entweder stärker sein als die zuletzt gespielte Karte (d. h. das entsprechende Farbplättchen steht auf einer höheren Stufe der Leinwand), oder man kann zusätzliche Themenkarten ablegen, um das Thema zunächst aufzuwerten und dann seine Karte spielen.

Und hier liegt der Clou: Möchte ich ein Thema spielen, das schwächer ist als das vorherige, muss ich erst eine oder mehrere Karten dieses Themas abwerfen, um es auf der Leinwand zu verstärken und erst dann darf ich die eigentliche Karte als neue Behauptung spielen. Dabei helfen Beistandskarten, um Aufwertungen günstiger durchzuführen. Wird gepasst, endet die Diskussion sofort und der letzte Spielende darf die nächste Karte anspielen.


Ungewöhnlich und schön zugleich

Das Gelbe Haus hat nicht nur Kunst zum Thema, sondern ist auch optisch ein Kunstwerk. Als Spielplan dient eine Leinwand und alle Karten sind im Stile der Kunst van Goghs gestaltet und von hoher Materialqualität. Ansonsten bricht das Spiel mit dem, was man von typischen Ablegespielen kennt. Es gibt keine Zahlen sondern eine Farbenlogik aus hierarchischen Themen, die sich im Spiel dynamisch verändert.

Diese Dynamik gilt es zu steuern und sich zu Nutze zu machen, wobei man ziemlich um die Ecke denken muss. Muss ich Karten verwenden zur Aufwertung eines Themas, fühlt sich das wie Verschwendung an. Eigentlich nützt es mir aber, weil ich die Karten doch loswerden möchte. Andererseits muss ich aufpassen, dass ich in einer Diskussion plötzlich blockiert bin, weil mir schlicht die passende Kombination fehlt. Diese Unberechenbarkeit erzeugt Reibung, positiv wie negativ.

Die beiliegende Variante mit Sondereffekten beim Aufwerten (z. B. Kartentausch bei Inspiration oder Sofort-Ende einer Diskussion bei Leidenschaft) bringt zusätzliche strategische Tiefe und erinnert an die Trankkarten bei Jekyll vs. Hyde, das vom selben Autor stammt.


Kein leichter Einstieg – aber lohnend

Der Einstieg in Das Gelbe Haus ist kein Selbstläufer. Zwar ist der Regelumfang selbst überschaubar, aber das System von Aufwertungen und Einschränkungen (nur stärkere Themen, Begrenzung auf vier Themen pro Diskussion, Kombination aus Aufwertung und Behauptung) sorgt gerade zu Beginn für Unsicherheit. Noch schwieriger als der Einstieg fiel es mir jedoch, eine gute Taktik zu entwickeln.

Insbesondere zu Beginn einer Runde ist es ein vorsichtiges Abtasten und erst wenn die Handkarten weniger werden, bekommt man eine leise Ahnung davon, wie ich die letzten Diskussionen angehen könnte, um noch zum Erfolg zu kommen. Vielleicht habe ich aber auch den Karten meines Gegenübers schlicht nichts mehr entgegenzusetzen. Dieses Spielgefühl mag nicht jedermanns Sache sein, ist aber auf jeden Fall einzigartig!

Fazit: Wenn Van Gogh und Gauguin ein Kartenduell gemalt hätten

Das Gelbe Haus ist ein außergewöhnliches Zwei-Personen-Spiel mit einem unverbrauchten Thema, das die üblichen Muster bewusst durchbricht. Wer sich auf diese Diskussion einlässt, wird mit einem wunderschönen Kartenspiel belohnt. Es wird aber nicht jedem gefallen, zu sperrig fühlt sich der Einstieg an, zu vage der Weg zur Strategie. Für Neugierige, Taktiker und alle, die den Pinsel lieber gegen Argumente tauschen aber einen Blick wert.
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Das Gelbe Haus von Geonil
Erschienen bei Nice Game Publishing
Für 2 Spielende in ca. 30 Minuten ab 8 Jahren

sämtliche Bilder sind von uns selbst erstellt oder vom jeweiligen Pressematerial des Verlages (hier Nice Game Publishing)

Froschreich

Von: Krys
19. April 2026 um 10:04

Spiele mit Naturthema gehen eigentlich immer, aber mit Fröschen im Teich haben wir es nicht so oft zu tun. Tomáš Holek lässt ein Teich-Ökosystem auf unseren Spieltischen entstehen. Wie gut die Frösche sich ansiedeln, schauen wir uns hier genauer an.

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HOW TO SAVE A WORLD - Einmal schnell die Welt retten

17. April 2026 um 15:47

Nachdem die Menschheit Allaria besiedelt hat, droht in HOW TO SAVE A WORLD der Asteroid Leviathan den Planeten auszulöschen. Drei ambitionierte Abwehrprojekte stehen bei der Rettung zur Wahl: Laserbeschuss, der Bau eines Schutzschilds oder – falls alle Stricke reißen – die Evakuierung auf den benachbarten Trabanten. Die Lust an der Katastrophe ist groß, und wieder einmal darf ich die Welt retten…

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DAS PHÖNIX-PROJEKT - Postapokalyptisches Ausbildungsrennen

15. April 2026 um 08:00

Die postapokalyptische Wiederbesiedlung ist im Brettspielsektor mittlerweile so überlaufen wie die A40 im Berufsverkehr; nach REVIVE und REBIRTH und einigen anderen folgt nun der nächste Versuch einer zivilisatorischen Reanimation. In DAS PHÖNIX-PROJEKT ist eine Nuklearkatastrophe am Untergang der Erde schuld. Wer sich an das Videospiel FALLOUT oder die zugehörige Serien-Adaption erinnert fühlt…

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Brass Pittsburgh – To buy or not to buy?

Von: natokh
08. April 2026 um 12:07

Aktuell läuft auf Gamefound die Kampagne zum neuen Brass Titel Brass: Pittsburgh by Roxley Games – Gamefound, noch bis zum 13.04.26.

Da Brass Birmingham eines meiner langjährigen Lieblingsspiele ist, war ich natürlich von Beginn an daran interessiert, aber auch durchaus skeptisch, was das Spiel betrifft. Aber auch Brass Birmingham (2018) war ja bereits eine Weiterentwicklung des Ur-Brass (2007), welches dann bei Roxley in einer optisch stark überarbeiteten Version als Brass Lancashire (2018) neu aufgelegt wurde.

Brass Pittsburgh ist damit übrigens das 4. Spiel der „Brass-Reihe“. Hier wird gerne das Spiel Age of Industry (2010) vergessen, welches die 1. Weiterentwicklung von Brass war. Age of Industry hatte die Besonderheit, dass es hierfür weitere Karten als Erweiterung gab. Das ursprüngliche Spiel spielt hier in Neu England und ist ein gestreamlintes Brass.

Die Entwicklung von Brass 2007 bis 2018

Aber nun zu Brass Pittsburgh. Ich habe mir in den letzten Wochen einige Videos von us-amerikanischen Youtube-Kanälen zu diesem Spiel angesehen, um mir eine Meinung dazu zu bilden. Vor allem das Let’s Play von Before you Play hat mit hier geholfen einen Überblick über die Änderungen zu den Vorgängern zu bekommen.

Brass: Pittsburgh – Teach & Playthrough (Befor you Play)

Und das sind doch einige. Es gibt in Pittsburgh keine Kanäle mehr, aber nach wie vor 2 Ären. Und auch hier werden die 1er Industrien und ein guter Teil der Transportmittel (welche hier ausschließlich Züge sind) abgeräumt. In dem Spiel gibt es jetzt leichte und schwere Züge. Beim Bau der leichten Züge benötigt man Kohle, beim Bau der schweren Züge Stahl, das zusammen mit Koks eine der neuen Ressourcen im Spiel ist. Die schweren Züge bleiben auch über das Ende von Ära 1 auf dem Spielplan, alle leichten Züge werden entfernt.

Auch hat man zu Beginn des Spieles nur 2 schwere Züge zur Verfügung, alle weiteren muss man sich erst freispielen, indem man Industrien baut oder mit Entwicklung von seinem Spielertableau entfernt.

Es gibt auch jede Menge neue Industrien, wie z. B. Kerosin, Stahlwerke, Koks, ein Generator, eine Ölstadt, Produktionsstätten für schwere Züge und Autos und außerdem noch Wolkenkratzer. Neu ist auch, dass man manche Industrien zwingend überbauen muss, um das nächste Level davon zu bauen. Auch werden wohl jetzt die Siegpunkte von Industrien gewertet, die man überbaut, was bei Birmingham und Lancashire nicht der Fall ist.

Neu sind auch die Ressourcen Stahl und Koks und die „dezentralen“ Ressourcenmärkte, die zudem unterschiedliche Preise für die Ressourcen. Da muss man auch immer aufpassen, von welchem Markt man kauft oder an welchen Markt man verkauft, wenn man mit mehreren davon verbunden ist. Zudem gibt es in Brass Pittsburgh die Möglichkeit Ressourcen von Cornelius Vanderbilt zu kaufen. Dazu muss man auch mit keinem Markt verbunden sein, man zahlt jedoch kräftige Aufschläge.

Statt Bier, wie in Birmingham, benötigt man in Pittsburgh jetzt Öl zum Verkaufen. Dazu muss man zuerst Pipelines zu Ölfeldern bauen. Wenn diese genutzt werden, erhält man zusätzlich einen Bonus (Geld, Einkommensschritte, Siegpunkte). Zu Spielbeginn hat man nur 1 dieser Pipelines, die man bauen kann, weitere muss man erst über sein Spielertableau und das Bauen von Industrien freischalten, genau wie die schweren Züge. Ein Ölfeld kann man immer über mindestens 2 Wege anbinden. Es gibt aber auch die Möglichkeit einen dieser Wege zu blockieren, damit die Mitspieler gezwungen sind über die eigene Pipeline auf das Öl zuzugreifen.

Neu sind auch die einmaligen Bauboni, die man durch das Bauen von Zugverbindungen und Pipelines erhält. Und last, but not least, gibt es in dem Spiel jetzt Whiskey. Diesen kann man Einsetzen, um eine seiner Orts- oder Industriekarten zu einer Jokerkarte zu machen. Eine weitere Option ist das Abgeben von Whisky, um die neuen Premium Aufträge (Quality Rewards) zu erfüllen. Für diese muss man Güter verkaufen, auf deren Industrieplättchen Sterne abgebildet sind. Für einen fehlenden Stern kann man 1 Flasche Whiskey abgeben. Die 3 Premium Aufträge können jeweils nur 1x in der Partie erfüllt werden und bringen Siegpunkte, Einkommenssschritte, Geld oder Whiskey.

Es gibt noch ein paar weitere Besonderheiten, wie z. B. Industrien, die man nicht verkauft sondern nur überbaut, oder die Wolkenkratzer, die sofort nach dem Errichten eine zusätzliche Verkaufsaktion bringen.

Vor Ende der Gamefound-Kampagne soll auch noch die Anleitung zur Verfügung gestellt werden (Stand 08.04.26 war diese leider noch nicht verfügbar). Auch soll noch ein Playthrough von Heavy Cardboard, mit dem aktuellsten Prototypen und dem letzten Stand der Anleitung kommen.

Heavy Cardboard hatte in den letzten Wochen bereits Playthroughs von den bisherigen Brass-Versionen, inklusive Age of Industry, gestreamt.

Nachtrag (08.04., 14:52 Uhr): Ich habe gerade gesehen, dass Heavy Cardboard sein 4 Spieler Playthrough jetzt leider erst für den 15.04. (also nach Ende der Gamefound-Kampagne) angekündigt hat: Brass: Pittsburgh – 4p Overview & Play-through by Heavy Cardboard

Es gab auch noch eine Abstimmung welches Cover die Collector’s Edition von Brass Pittsburgh erhalten soll. 3 Cover standen dabei zur Wahl. Gewonnen hat das Cover mit dem Stahlwerk (Auch mein persönlicher Favorit). Allerdings kann man in der Kampagne auch noch die beiden anderen Cover für die Collector’s Edition auswählen.

Fazit: Ich habe mich entschieden in die Kampagne einzusteigen und die Brass Pittsburgh Collector’s Edition zu unterstützen, auch weil ich natürlich nicht gefeit bin vor nettem Chichi, wie z. B. den Synth-Karten, den hölzernen Industrieplättchen, den metallenen Ölfässern oder den schicken Ressourcenwürfeln.

Das mit den Double Layer Spielertableaus ist insofern etwas doof, da man auch in Brass Pittsburgh Industrieplättchen übereinanderstapelt und diese in der Höhe dann über das Tableau hinausragen, auch wenn es nicht so viele sind wie bei Brass: Birmingham oder Lancashire. Auch den nicht spiegelnden Spielplan bräuchte ich persönlich nicht und statt der zugegebenermaßen schicken geprägten Blechdosen hätte ich viel lieber ein Insert, in welches ich die Industrieplättchen in der richtigen Reihenfolge einsortieren könnte.

Alles in allem haben mich die Playthrough Videos aber angefixt und ich würde das Spiel gerne spielen. Und wenn es dann am Ende doch nicht so oft auf den Tisch kommt, dann kann ich es bestimmt auch wieder zu einem vernünftigen Preis weiterverkaufen.

Es gibt aber auch 2 Punkte, die mich bei der neuen Brass-Version nicht überzeugen. Das sind die Bauboni, die man für manche (nicht alle) Zugstrecken oder Ölpipelines bekommt und das sind die 3 Quality Rewards, die jeweils nur 1 Spieler erlangen kann. Für mich passt das nicht so recht zum sonst sehr eleganten Brass Spielablauf. Es wirkt für mich eher so, als wollte man hier noch ein, zwei neue „Gimmicks“ einbauen. Es sind übrigens auch die einzigen Wege, außer dem Bau der Güter-Fabrikation Stufe IV, um an Whiskey zu kommen. Da hätte ich mir auch noch einen anderen Weg gewünscht.

Nur die neuen Metallmünzen kann sich Roxley wirklich behalten. Zum einen bin ich ein großer Fan von Pokerchips und zum anderen habe ich auch Bedenken hinsichtlich des Designs. Ich bin mir nämlich ziemlich sicher, dass sich in diesen „Münzen“ am Ende einiges an Dreck sammeln wird und das die dazu prädestiniert sind, den Spielplan zu verkratzen.

ERGÄNZUNG 11.04.26: Kurz vor Ende der Kampagne hat Roxley nun auch die Anleitung zu Brass Pittsburgh online gestellt (im Kampagnen-Update Nr. 28): Brass: Pittsburgh by Roxley Games – „Am I the Only One Around Here Who Gives a 😳 About the Rules?!“ – Gamefound Auf der letzten Seite der Anleitungen werden übrigens Brass Lancashire, Birmingham und Pittsburgh in einer Tabelle gegenübergestellt, was ich sehr hilfreich finde.

Brass: Pittsburgh auf BoardGameGeek

kritisch gespielt: Rebirth

Von: Tobias
28. März 2026 um 21:20
Rebirth - Box

Rebirth - BoxRebirth von Reiner Knizia – erschienen bei Frosted Games Nimmt man nur den Titel als Grundlage, dann könnte man in Versuchung kommen, REBIRTH in eine thematische Reihe mit IERUSALEM: ANNO DOMINI einzuordnen. Aber nein, diese Wiedergeburt hat nichts mit Jesus und dem nahenden Osterfest gemein. Thema: Vielmehr dürfen wir ein weiteres Mal feststellen, dass die Menschheit anscheinend einen […]

Der Beitrag kritisch gespielt: Rebirth erschien zuerst auf fjelfras.de.

Humanity

Von: Oli
18. März 2026 um 00:30

Humanity macht direkt beim Öffnen einen richtig guten Eindruck. Die Schachtel wirkt wie das Ergebnis einer hochkarätigen Crowdfunding-Kampagne, und spätestens wenn einem ein großformatiges Hardcover-Buch entgegenschaut, das gleichzeitig Anleitung und „Bonusmaterial“ vereint, hat man das Gefühl, hier ein hochpreisiges Erlebnis vor sich zu haben. Das Buch ist hochwertig gestaltet, übersichtlich strukturiert und lädt tatsächlich dazu ein, darin zu schmökern – etwas, das man bei einer Spielregel sonst eher selten sagen kann.


Darunter geht es in gleicher Qualität weiter: Das gesamte Spielmaterial ist (nachdem man es selbst sortiert hat, versteht sich) in kleinen Pappboxen einsortiert, jede Komponente hat ihren festen Platz. Keine Plastiktüten, kein nerviges Vorsortieren von Plättchen – man klappt auf, legt aus und spielt los (und muss aber natürlich am Ende alles wieder sortieren). Diese Verpackungslösung ist nicht nur durchdacht, sondern auch absolut vorbildlich. Andere Verlage könnten sich hier durchaus eine Scheibe abschneiden. So viel Liebe zur Organisation sieht man selten und es erspart einem jegliches Plastik-Insert. Find ich wirklich eine tolle Lösung. Das Spiel selbst bleibt da zunächst etwas nüchtern und eher technisch – viel Symbolik, reduzierte Farbgebung, aber das passt schon sehr zum Thema – auch wenn es sicherlich nicht jeden Geschmack trifft (was tut das schon?). Mich persönlich erinnert es an alte Atari ST- oder 486-Spiele (wenn auch weniger pixelig) und weckt ein wenig Nostalgie in mir. Gleichzeitig ist mir die Optik aber auch ein wenig überladen.

Aber ein gutes Spiel wird nicht durch Optik und Verpackung gemacht, sondern durch gute Mechaniken, die Spielspaß bringen. Mechanisch haben wir im Prinzip einen Worker-Placer mit besonderem Kniff: wir starten alle mit einer Anzahl an Plättchen und bauen damit unsere je eigene Basis nach vorgegebenem Muster zusammen und stellen je zwei Astronauten dazu. Ein jeweils dritter Astronaut steht auf dem zentralen Spielbrett. Dort tummeln sich auch weitere Plättchen. Und schon kann es losgehen: Wer an der Reihe ist und noch Astronauten in der Basis hat, kann damit ein Plättchen („Modul“) in der eigenen Basis aktivieren (um Ressourcen zu bekommen) oder ihn zum zentralen Spielbrett stellen, um im Tausch gegen Ressourcen neue Module zu bekommen (die ich exakt dorthin legen muss, wo vorher mein Astronaut stand) oder ein Experiment durchzuführen (anderes Plättchen, das Boni bringt). Den eigenen Astronauten stellen wir neben den Spielplan, aber in die „Reihe“ (bzw. zu dem Radius), in der das jeweilige Plättchen lag.


Nette Idee, aber in der Handhabung mitunter frickelig: Die Ressourcen sind hier keine Token oder Leisten, sondern werden durch Drehen der Plättchen in der eigenen Auslage gekennzeichnet. Diese sind nämlich an ihren vier Kanten mit 0-3 und dem jeweiligen Symbol bzw. manchmal auch zwei verschiedenen Symbolen gekennzeichnet. So setzen wir nun reihum unsere Astronauten, bis niemand mehr kann oder möchte. Dann werden vom Spielplan ggf. die beiden ersten Module entfernt und jetzt kommt der eigentliche Kniff zum Tragen: Auf dem Spielbrett ist ein „Arm“ montiert, der nun bis zum nächsten vorhandenen Plättchen gedreht wird. Alle Astronauten, die der Arm passiert hat, kommen zurück in ihre Basen. Alle anderen bleiben, wo sie sind – können also in der nächsten Runde nicht eingesetzt werden. Die Rückkehrer müssen allerdings taktisch klug eingesetzt werden, denn nur dort, wo ich sie hinstelle, darf ich später ein Modul bauen. Und dieses „Wo“ ist wichtig, da wir pro gelegtem Quadrat aus vier Plättchen einen Siegpunkt bekommen. Und besteht dieses Quadrat aus lediglich zwei Farben (von vier möglichen), dann bekommt einer unserer Astronauten einen zusätzlichen Energiepunkt. Und Energiepunkte am Astronauten geben wiederrum an, wie viele bzw. auch welche Plättchen ich aktivieren darf, sofern mein Astronaut in der Basis für das Aktivieren genutzt wird.


Nun füllen wir die Auslage wieder auf uns spielen weiter. Können wir die Auslage nicht vollständig auffüllen, endet das „Jahr“. Alle übrigen Experimente werden abgeräumt und wir Öffnen die Schachtel für das nächste Jahr. Dort gibt es viele neue Experimente und Module, die wir in die Auslage legen. Außerdem gibt es eine kleine Wertungsrunde. In Summe spielen wir über drei Jahre und versuchen zusammenfassend, unsere Basis mit vielen sinnvollen Rohstoff-Fabriken auszustatten, Muster zu bilden, Forschung zu betreiben (die hieraus resultierenden Forschungspunkte sammeln wir geheim und werden am Ende in Siegpunkte umgewandelt) und die drei ausliegenden „Missionen“ zu erfüllen, die in jeder Partie variabel ausgelegt werden. Bei denen geht es immer um ein kleines Wettrennen: Wer z.B. als erstes 4 Plättchen diagonal gelegt hat, bekommt 3 Siegpunkte und einen Forschungspunkt. Schafft jemand anderes dann 5 Plättchen in einer Reihe, bekommt diese Person das Plättchen und die drei Siegpunkte und die andere Person verliert die 3 Siegpunkte – darf aber das Forschungsplättchen behalten.

Neben Worker-Placement haben wir also auch klassisches Tableau-Building und ein Wettrennen im All dabei, und das bei verhältnismäßig kompakten Regeln. Die Entscheidungen sind zwar durchaus interessant, aber letztlich nicht allzu tiefgreifend, was die Downtime schön in Grenzen hält. Die Interaktivität hält sich in den klassischen Gefilden eines Spiels mit offenen Auslagen auf: Wir schnappen einander die Sachen weg und kalkulieren vielleicht noch mit ein, ob wir unsere Arbeiter zurückbekommen oder durch das Setzen eines solchen jemand anderem einen zurückgeben. Mehr nicht. Kein Wunder also, dass man es eigentlich auch gut solo spielen kann (auch wenn es dafür keine Regeln gibt - aber eigenen Highscore knacken geht durchaus). Im Kern ist es ein Optimierungsspiel.


Was bleibt also? Nun ja, die Schere zwischen (leicht übertrieben formuliert) „imposanter Ausstattung“ und „klassischer Mechanikkost“ ist hier also recht groß. Humanity macht in den ersten Partien auch durchaus Spaß. Grade die Planung, wann ich meine Astronauten wo einsetze, damit ich sie a) schnell wieder zurückbekomme (und mir das erhaltene Modul trotzdem was bringt) und b) ich sie in der Basis dort einsetze, wo ich weiterbauen will, bringt einen anfangs durchaus zum Nachdenken. Leider sind diese Gedanken aber eigentlich in jeder Partie gleich und die Übersichtlichkeit wird leider nicht mit jeder Partie besser. Was bleibt ist ein netter Euro mit nettem Kniff. Handwerklich durchweg solide, haut am Ende aber halt nicht vom Hocker. Bei weitem also kein reiner „Blender“, absolut nicht. Aber eben auch nicht ganz so golden, wie es glänzt.
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Humanity von Yoann Levet
Erschienen bei MM-Spiele
Für 2-4 Spielende in 90 Minuten ab 14 Jahren
sämtliche Bilder sind von uns selbst erstellt oder vom jeweiligen Pressematerial des Verlages (hier MM-Spiele)
*es handelt sich um einen Affiliate-Link. Für Euch entstehen keine zusätzlichen Kosten, wir erhalten eine kleine Provision.

Seedrachen





Tiefblaues Wasser erstreckt sich über eine scheinbar endlose, unerreichbare Weite. Zahlreiche Piratenschiffe haben sich auf der Oberfläche versammelt im glaube daran, dass ihnen das Meer gehört! Doch das Meer gehört den Lebewesen die darin leben! Das Meer gehört den Seedrachen! 

In dem Brettspiel von Yaniv Kahana, Pini Shekhter und Simone Luciani, versenken Spieler ab 8 Jahren, die Piratenschiffe auf dem Meer und sammeln ihre Schätze ein, um mit ihren Seedrachen-Clan der legendärste Wächter der Unterwasserwelt zu werden! 



Jeder Spieler erhält einen Drachenclan und 2 Drachenkarten, sowie 4 Goldmünzen. 

Reihum spielt jeder Spieler eine Drachenkarte aus, positioniert seine Drachenteile auf dem Meer des Spielplans und zieht dann eine neue Drachenkarte. Dabei können Piratenschiffe versenkt werden, Münzen eingesammelt oder Vorteilskarten durch Korallenriffe erworben werden. Werden dabei Strudel oder Strömungen überquert Kosten diese Kraft und werden in Form von Münzen bezahlt.
Es gibt Missionen, die für eine bestimmte Anzahl und Farbe von Piratenschiffen erfüllt werden können und Siegpunkte einbringen. 
Zudem konkurrieren die Spieler um die Meerheiten der vier Seereiche. 
Am Spielende gewinnt der Spieler, der die meisten Siegpunkte hat.
Diese erhält man durch Goldmünzen, Piratenschiffe, Missionen und Mehrheiten in Seereichen. 



Der Spielplan stellt ein großes Meer mit den vier Seereichen dar, in dessen Mitte sich eine zentrale Insel befindet. Von dieser Insel ausgehend werden die Drachenteile (Körper + Kopf) im Meer positioniert. 
Die Drachenteile müssen immer an die zentrale Insel oder einen Drachen eines anderen Spielers angelegt werden und werden so angeordnet, wie es die Drachenkarte vor gibt. Abgedeckte Felder werden aktiviert und Piratenschiffe oder Goldmünzen eingesammelt. 
Dabei ist es wichtig zu beachten, dass abgedeckte Strudel die Chance auf Mehrheiten in einem Seereich vermindern kann und ein Seereich mehr Punkte einbringt, je mehr Strudel am Ende noch sichtbar sind.
Mehrheiten in einem Seereich werden am Spielende ausgewertet. 
Der Spieler mit den meisten Drachen in einem Seereich erhält 3 Punkte für jeden sichtbaren Strudel, dieses Seereiches.
Wer die zweitmeisten Drachen hat, erhält halb so viele Punkte.
Haben mehrere Spieler gleichviele Drachen, zählt die Anzahl ihrer Drachenteile im Seereich und bei weiterem Gleichstand, siegt derjenige mit mehr Drachenteilen, die nicht auf einem Strudel stehen! 
Dies ist wichtig zu wissen, um die Positionierung der Drachenteile gut zu planen. 

Sobald alle Spieler, all ihre Drachenköpfe gelegt haben, endet das Spiel und die Endwertung wird ausgeführt. Der Spieler mit den meisten Siegpunkten gewinnt und ist mit seinem Drachen-Clan, der legendäre Wächter der Unterwasserwelt.



Fazit 

Wenn Seedrachen Piraten kapern, Schätze sammeln, Missionen erfüllen und um die Vorherrschaft in den Seereichen kämpfen, dann fühlt sich das tatsächlich ein wenig nach Piratenabenteuer an. 

„Seedrachen“ punktet zunächst mit einer ansprechenden Ausstattung: Die hölzernen Drachenteile sind ein echter Hingucker auf dem Spielplan. Auch der Einstieg gelingt mühelos – die Grundregeln sind schnell erklärt, die ersten Züge gehen flott von der Hand. 

Spielerisch verbindet „Seedrachen“ taktische Gebietskontrolle mit Puzzle-Elementen und Ressourcenmanagement. In den ersten Runden liegt der Fokus klar auf dem Sammeln von Gold und dem Kapern von Schiffen. Doch mit zunehmender Spieldauer verschiebt sich der Schwerpunkt: Die gezielte Platzierung der eigenen Drachen wird anspruchsvoller, Strudel und Strömungen erschweren die Planung, und die Mehrheiten in bestimmten Seereichen rücken immer stärker in den Mittelpunkt. Gerade gegen Ende wird deutlich, wie entscheidend diese für die Schlusswertung sind. 

Das sorgt für Spannung – aber auch für wachsende Einschränkungen. Da eigene Drachen nicht nebeneinander liegen dürfen und angrenzende gegnerische Drachen dem Mitspielenden Gold einbringen, entsteht ein permanentes Abwägen zwischen Eigennutz, gegnerischem Vorteil und taktischem Risiko. Die Entscheidungsdichte nimmt zu, während die Handlungsspielräume abnehmen. 



Hier liegt für mich die größte Stärke – und zugleich die größte Schwäche des Spiels. Zu Beginn fühlt sich „Seedrachen“ offen und dynamisch an. Gegen Ende jedoch wird es spürbar zäher: Missionen lassen sich schwerer erfüllen, gewinnbringende Züge werden rar, und das Platzieren der Drachen wird zunehmend mühsam. Die 40 Minuten Spielzeit können sich in dieser Phase etwas in die Länge ziehen. Der anfängliche Tatendrang weicht stellenweise einem Gefühl der Ohnmacht. 

Besonders interessant – und zugleich etwas frustrierend – ist die Gewichtung der Mehrheitenwertung. Da diese einen erheblichen Teil der Endpunkte ausmacht, bleibt der Ausgang bis zuletzt offen. Gleichzeitig kann der Eindruck entstehen, dass das zuvor betriebene Kapern und Erfüllen von Missionen weniger Einfluss hatte als gedacht. Nach mehreren Partien verloren die Missionen für mich zunehmend an Bedeutung, zumal sie sehr unterschiedlich viele Punkte einbringen. 

Auch strategisch bleibt eine gewisse Unschärfe: Wie gezielt kann man eigentlich auf Mehrheiten hinarbeiten? Und lohnt es sich womöglich mehr, Strudel bewusst zu überbauen, statt Missionen konsequent zu verfolgen? Diese Fragen begleiten das Spiel – ohne dass es darauf eine ganz klare Antwort gibt. 

Trotz einer gelungenen Grundidee und interessanter Platzierungsregeln wirkt „Seedrachen“ für mich nicht völlig rund. Die entscheidenden Mehrheiten erscheinen nur bedingt steuerbar, während frühe Spielzüge wenig zur langfristigen Planung beitragen. Diese Diskrepanz fühlt sich nicht ganz stimmig an. 

Dennoch zeigt sich: Mitspielerinnen und Mitspieler, die weniger analytisch an die Partie herangehen, hatten spürbar mehr Freude – und erzielten dabei durchaus respektable Ergebnisse. 

„Seedrachen“ ist ein Spiel mit spannenden Ansätzen, das mich reizt, über kleine Regelanpassungen nachzudenken. Vielleicht steckt hier noch mehr Potenzial, als es auf den ersten Blick entfaltet.
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Seedrachen von Yaniv Kanada, Simone Luciani und Pina Shekhter
Erschienen bei Wonderbow
Für 2 bis 5 Spieler in ca. 30 Minuten ab 8 Jahren
sämtliche Bilder sind von uns selbst erstellt oder vom jeweiligen Pressematerial des Verlages (hier Wonderbow)
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Syncanite Foundation

Von: Björn
15. März 2026 um 22:06

Willkommen in der Syncanite Foundation

Ein Ort, an dem ein Versprechen nicht mehr wert ist als das auf Temu bestellte Messer, das Du gerade in Deinem Rücken spürst. Hier kontrolliert die Foundation den Abbau des wertvollen Syncanits, ist aber so tief von machthungrigen Oligarchen durchsetzt, dass Korruption eigentlich als Schulfach unterrichtet werden müsste. Und Überraschung! Einer dieser sympathischen Psychopathen bist Du.


Steckbrief

SpielSyncanite Foundation
VerlagSyncanite Games
Veröffentlichung2025
IdeeTimon Thöne
IllustrationM. „Polarwiesel“ Rockatansky
Rating (BGG)8.1
Komplexität (BGG)(Kennerspiel)
SpielweiseBluffen, Politisch, Verhandeln
MechanikenArea Control, Auktionsmechanik, Bestechung

Spielprinzip

Die Schublade, die es nicht gibt

Ich stehe hier vor meinem Spieleregal und weiß gar nicht, wo ich dieses Ding einsortieren soll. Syncanite Foundation ist ein Spiel, wie ich es vorher noch nie auf dem Tisch hatte. Wir Menschen lieben es ja, alles in ordentliche Schubladen zu stecken, aber für dieses Werk müsste man wohl eine eigene Kommode tischlern. Oft wird es als Bastard aus Root und Hegemony bezeichnet, aber das ist so, als würde man einen Kampfjet als „Mischung aus Bobbycar und Fritteuse“ beschreiben. Es trifft den Kern einfach nicht.

Ich habe mich anfangs auch gewundert, warum die offiziellen Erklärvideos so kurz und gleichzeitig so aussagebefreit sind. Sobald Du aber die erste Runde hinter Dir hast, dämmert es Dir: Man kann dieses Spiel nicht so einfach erklären, weil das Spielprinzip darauf basiert, dass sich die Regeln stetig ändern. Das Einzige, was man sicher sagen kann, ist: „Erwarte das Unerwartete“

„Ok Björn, toller Artikel, aber wenn Du mir nicht sagst, worum es geht, bringt mir das auch nix. Erklär doch einfach mal!“ höre ich Dich schon ungeduldig mit den Fingern trommeln. Tja, ich werde versuchen, es verständlich zu erklären, aber schlag mich bitte nicht, wenn es nicht klappt.

Das asymmetrische Schlachtfeld

Es beginnt bei den Rollen. Ob Du nun als Vorsitzender die Demokratie mit Füßen trittst, äh ich meine wertvolle Politik betreibst, als Magnat die Marktgebühren zu Deinen Gunsten verbiegst oder als Investor den Marktbestand manipulierst, während Du protzige Strukturen errichtest – jeder hat sein eigenes kleines dreckiges Geheimnis. Dazu kommen die jede Runde neu verteilten Doktrinen: Während der eine mit „Überlegenheit“ seine Truppen nur schwer verdrängbar macht, setzt der andere auf „Niedertracht“ und schickt gegnerische Einheiten nicht nur nach Hause, sondern direkt ins Jenseits. Oder Du ziehst die „Intriganz“ und scheffelst 50 % mehr Ressourcen, weil Gier hier einfach zum guten Ton gehört.

Der Spielablauf: Von armen Schluckern und Attentaten

Der Start ist fast schon rührend gesittet. Theoretisch könnten wir Geld bieten, um Startspieler zu werden, aber da wir zu Beginn alle so pleite sind, dass wir uns nicht mal den Parkplatz vorm Konzil leisten können, wird einfach gewürfelt.

Phase 1: Die Truppen-Kuschelrunde

Hier setzen alle ihre Einheiten auf die Gebiete, um sich Ressourcen zu sichern. „Oha, Truppen! Dann kann ich ja gleich auf die Fresse geben!“ – Nene, wir sind (noch) friedlich unterwegs. Du kannst zwar andere vertreiben, indem Du eine Truppe mehr einsetzt (oder das Doppelte, falls der Gegner die Doktrin „Überlegenheit“ hat), aber nicht besiegen. Die Einheiten gehen einfach zurück in den Vorrat und werden neu verteilt. Mit den spärlichen 5 Start-Truppen kommt man sich noch nicht so ins Gehege, aber in späteren Runden wird das Gerangel zum handfesten Streit.

Dies sind die Plättchen, welche als Truppen auf das Feld gelegt werden. Wenn du mehrere Truppen auf ein Feld legst, werden die einfach gestapelt.

Die Ressourcen und wofür sie hauptsächlich nutzbar sind:

  • Nahrung: Für neue Truppen und um die vorhandene Armee durchzufüttern.
  • Güter: Für aggressive Aktionskarten (darunter auch Attentate).
  • Synkanit: Für intrigante Einflusskarten und permanente Privilegien.

Phase 2: Oligarchen-Shopping

Jetzt wird gehandelt. Der Markt ist simpel, aber trotzdem funktional. Angebot und Nachfrage. Je weniger Waren da sind, desto teurer werden sie. Das Ganze ist fluide, bedeutet wenn Du viele Waren am Stück kaufst oder verkaufst, ändert sich der Preis mitten in Deiner Transaktion. Es kann passieren, dass Du für das erste Syncanit 9 Credits bekommst und für das nächste nur noch 6. Manchmal verkaufst Du sogar für 0 Credits, was aber tatsächlich auch Sinn machen kann. Zusätzlich kannst du auch Truppen und mächtige Einflusskarten kaufen.

Besonders interessant ist hier noch der Marktwert-Marker, der beeinflusst werden kann. Je nach Position bekommt Du beim Kauf von Gütern vielleicht sogar noch Geld obendrauf. So gehe ich gerne shoppen! Nahrung auf Kante zu haben schadet aber nicht. Man weiß ja nie, wann das nächste große Bankett für die Truppen ausgerollt werden muss.

Phase 3: Gesetze und der Karl-Effekt

Es werden zwei Gesetze aufgedeckt und verdeckt abgestimmt. Daumen hoch oder runter – ich weiß, komplexes System, deshalb erkläre ich es hier nochmal. Die Karten werden gemischt und aufgedeckt. Landet das Gesetz im Plus, tritt es in Kraft. Wenn nicht, wird es direkt verprügelt und die Toilette runtergespült.

Aber während der Wahl können auch Attentate auftauchen! Ziel ist oft die Farbe eines Spielers. Wer dann nicht genug Truppen zum Schutz hat, muss eine seiner Siegbedingungen abwerfen. Das könnte so gehen: „Ok, das Gesetz hat zwei Daumen hoch, einen Kuchen, der die Wertung komplett umdreht, und ein Attentat auf Dich, Björn.“  Zack, Gesetz weg, Siegbedingung weg. C’est la vie.

Und dann ist da noch der Vorsitzende. Er darf nachträglich einen Daumen vergeben und bei Gleichstand entscheiden. Der 5-6 Spieler Erweiterung liegt ein kleiner Holzhammer bei. Nichts macht mehr Spaß, als als Vorsitzender zu sagen: „Schade, ich gebe einen zusätzlichen Daumen nach unten, damit kommt das Gesetz LEIDER nicht durch“ nur um dann mit dem Hammer zu schlagen und „ABGELEHNT!“ zu brüllen.

Ein Highlight: Selbst, wenn Gesetze in Kraft sind, müssen sie erst einmal bemerkt werden. Wenn Karl eines Deiner Gebiete bombardiert, was laut Gesetz verboten ist, musst Du ihn darauf hinweisen: „Kaaaaarl, das tötet Menschen!“ – „Oh, oh, das wusste ich nicht.“ Dann muss er die Karte zurücknehmen. Wenn aber alle schlafen, kann Karl einfach weiterbomben.

In Phase 4 werden die Effekte der Rollen-Karten abgehandelt. Der Invenstor baut Strukturen aufs Spielfeld, der Zensor entscheidet darüber welche Schlagzeile veröffentlicht wird, was ganze Gebiete auf dem Spielfeld unpassierbar macht. Auch dürfen nun alle untereinander handeln und Deals abschließen. Das Spiel erlaubt es, alles zu handeln: Karten, Ressourcen, deinen Wellensittich und sogar die eigene Rolle. Warum Du Deine Macht abgeben solltest? Vielleicht für einen Deal, der so gut ist, dass Du danach nie wieder arbeiten musst (oder zumindest nicht mehr Ziel eines Attentats werden kannst). Dann werden noch die Märkte aktualisiert und es beginnt eine neue Runde.

Die drei linken Boards bilden den Ressourcen Markt an. Links davon steht der Preis den du bekommst oder zahlen musst, wenn du die Ressource handelst. Das rechte Board manipuliert die jeweilige Zahl nochmal in eine bestimmte Richtung.

Krisen: Wenn die Welt brennt

Fast jede Karte erhöht einen Krisenwert. Bei 10 wird eine der 5 Krisen aktiviert, die neue Regeln einführt. Um zu gewinnen, musst Du eine Deiner Siegbedingungen erfüllen und das geht nur, wenn die passende Krise aktiv ist. Harmonisches Leben. Nicht wahr?

Sollte zum Beispiel die Kriegs-Krise ausbrechen, wird Phase 1 brutal. Armeen bleiben permanent auf dem Feld, marschieren umher und geben sich ordentlich auf den Kopf. Es kommen Taktikkarten und Würfel in den Kämpfen zum Einsatz. Bei extremer Übermacht werden die Feine einfach ohne Kampf exekutiert. Die passende Siegbedingung dazu ist, 13 Gebiete oder die 3 Hauptstädte zu kontrollieren.

Jede Krise beeinflusst einen anderen Aspekt des Spiels und im Verlauf können mehrere Krisen gleichzeitig aktiv sein (schöne Welt!), was das Ganze super dynamisch macht. Wer ein voll planbares Euro-Game sucht, sollte Syncanite Foundation lieber großräumig umfahren. Wer aber Lust hat, dass ihm der Spielplan mitten in der Partie den Mittelfinger zeigt, ist hier goldrichtig.

Was ich allerdings wirklich schade finde ist, dass es pro Krise nur ein einziges Szenario gibt. Das bedeutet, dass in jedem Spiel exakt dieselben Katastrophen vom Himmel fallen. Sobald Du das Spiel ein paar Mal auf dem Tisch hattest, verfliegt das Überraschungsmoment schneller als ein Oligarch bei einer Steuerprüfung. Das ist vor allem neuen Spielern gegenüber ziemlich fies. Während der Neuling noch panisch die Anleitung klammert und sich fragt, warum plötzlich alles brennt, lehnt sich der Profi entspannt zurück, weil er genau weiß, welche Regeländerung als Nächstes um die Ecke kommt. Wissen ist hier eben Macht, und das fühlt sich manchmal etwas unbalanciert an.

Klar, ich verstehe den Design-Gedanken dahinter. Noch mehr Varianten bei den Regeländerungen hätten das Grundspiel wahrscheinlich völlig gesprengt und die Komplexität in den Orbit geschossen. Aber ein kleines Erweiterungspack mit alternativen Krisen-Karten wäre wirklich nice gewesen. Damit auch Veteranen mal wieder dumm aus der Wäsche gucken können, wenn die Welt mal wieder untergeht.

In der kommenden Erweiterung wird das Problem angegangen und die Krisen entwickeln sich dann über den Wert von 10 hinaus. Ab dann gibt es verschiedene Wege die jede Krise einschlagen kann. Mal schauen wie sich das dann spielt.


Unboxing

Das Spielmaterial ist hochwertig, leinengeprägte Karten, dicke und zahlreiche Token, Holzmarker und und und. Doch gibt es hier auch einen der größten Kritikpunkte. Nahezu alle in meinen Spielrunden beschwerten sich über die kleingedruckten Kartentexte. Besonders bei den wunderschönen Foil-Karten gemischt mit der Leinenprägung ist der Text wirklich schwer zu lesen. Vielleicht hätte es auch gereicht den Text aus dem Foil-Effekt auszusparen. Das Problem ist aber bekannt und es wird sehr wahrscheinlich ein Errata Pack angeboten, in dem die Karten in lesbar enthalten sind.

Die beiliegende Anleitung ist auch nur semi-brauchbar. Hier merkt man auch dass die aus der Sicht von jemanden Geschrieben ist, der das Spiel bereits hundertemale gespielt hat, weil einfach Infos fehlen, die für Kenner der Regeln selbstverständlich sind. Aber neuen Spielern nicht hilft das Spiel zu erlernen. Aber eine überarbeitete und nun auch gelungene Anleitung liegt allen aktuellen Auslieferungen bei, kann aber auch für ein paar Euro Versandkosten nachbestellt werden. Zusätzlich gibt es Online auch ein Wiki, bei dem viele Karten nochmal genauer erleutert sind.

Kommen wir zu einem Punkt, der in der Community für ordentlich Zündstoff sorgte: Die Grafiken. Ja, sie sind mit Hilfe von KI entstanden. Und ja, ich weiß, das ist für viele ein rotes Tuch. Der Autor Timon betont aber, dass hier nicht einfach nur lieblos auf „Generate“ geklickt wurde, sondern alles händisch zusammengesetzt und nachbearbeitet wurde. Ich finde das sieht man den Bildern auch an. Sie verfolgen alle den gleichen Stil und passen gut zusammen.  Wer generell noch unschlüssig zum Thema KI-Bilder ist, kann sich auch gern mal meinen Artikel dazu anschauen: https://analog-rockt.de/abgeschweift/ki-und-wie-sie-unser-hobby-veraendert/

Zwei Krisen wurden schon ausgelöst. Das Spiel nähert sich dem Ende.

Mit der Erweiterung „Great Council“ kommt noch Material für 2 weitere Spieler hinzu, sowie ein Solo Modus, 6 Spielmatten und einen kleinen Mini Holzhammer, mit der das Ablehnen eines Gesetzes erst richtig mehr Spaß macht.

Die Mini-Erweiterung Dignitary Pack bringt dem Spiel noch weitere Asymmetrie hinzu. Du kannst nun Würdenträger engagieren dir die zusätzlichen Effekte geben. Aber du musst damit rechnen, dass die vielleicht nicht so lange leben, wie es dir lieb ist.

Was man dem Spiel auf jeden Fall anmerkt, sind die über 400 Playtests des Spiels. Ein Paradebeispiel für ein Erstlingswerk. Und das ganze sogar öffentlich, jeder der Lust hatte konnte einfach über den Discord Server beitreten und mitspielen. Fragen stellen, Feedback geben. Das Projekt bot und bietet immer noch sehr viel Transparenz und den Autor Timon könnte man vielleicht beim Zuhören erstmal für größenwahnsinnig halten, also quasi fast wie einen der Oligarchen aus seinem Spiel, doch so mehr man mit ihm redet desto mehr merkt man: Der Typ meint es ernst. Ob seine Zukunftspläne funktionieren, und das Syncanit ausreicht diese auszuführen, steht natürlich in den Sternen, aber die Playtests für die kommende Erweiterung läuft in vollen Zügen und die Kampagne https://gamefound.com/de/projects/syncanite/expansion-i dazu startet demnächst. Was ich dazu jetzt schonmal sagen kann, ist, dass diese erste Expansion das Spiel enorm erweitert und mehr bietet als man es von Erweiterungen gewohnt ist.


Bewertung

Syncanite Foundation ist ein Biest von einem Spiel. Es fühlt sich frisch an, es fühlt sich fies an, und es fühlt sich verdammt richtig an. Wenn Du für Intrigen und unerwartete Wendungen brennst, schau es Dir an. Du musst es nicht mal blind kaufen. Geh auf den Discord Kanal, dort werden auf Anfrage immer schnell Partien angeboten. Oder spiel eine Runde mit mir. Ich habe nämlich immer Bock drauf, jemanden mit dem Holzhammer zu begrüßen!

Wie wir bewerten haben wir euch hier aufgeschrieben.


(c) Copyright Syncanite Games

Grafik(en) und Bild(er) von analog rockt

Diese Rezension ist unentgeltlich durchgeführt worden und spiegelt meine persönliche Meinung wider.


Propeller Island – REVIEW | Rezension Brettspiel

Von: Carina
10. März 2026 um 09:09

Tierwesen mit mechanischer Begabung, die aus Zahnrädern, Stahl und Energiekristallen eine von Propellern in der Luft getragene Insel bauen? Ja, gut, warum nicht? Wir Brettspielerinnen und Brettspielern sind ja so einiges an Themenwelten gewöhnt und wenn es in Propeller Island halt nun das sein soll: Dann bitte! Genauso gut wie jedes andere Thema! Dass das Thema dieses […]

Slay the Spire: Das Brettspiel

Von: Oli
04. März 2026 um 00:30


Manchmal hört man von einem Spiel und denkt sich: „Wie soll das denn bitte funktionieren?“ So ging’s mir bei Slay the Spire: Das Brettspiel. Ein Deckbuilder-Roguelike, das digital so elegant durch Dungeon, Gegner und Kartenkombos rauscht – jetzt auf dem Tisch, mit Papptoken, Playerboards und… Sleeves? Ich war wirklich sehr skeptisch. Schon allein, weil ich beim Öffnen der Packung diese Sleeves gesehen habe und mich fragte, warum diese einem hier aufgezwängt werden. Gut, mittlerweile weiß ich, dass diese Sleeves einen Sinn und Zweck haben und das Spiel ohne diese schlicht umständlicher und schwerer wäre.


Aber das Wichtigste zuerst: Wie spielt es sich? Dazu muss ich vorwegnehmen, dass ich das digitale Original durchaus gespielt, aber nie wirklich intensiv dauer- oder gar "durchgespielt" habe. Dementsprechend kenne ich auch im Videospiel nicht alles, was es dort so gibt. Das Spielgefühl habe ich dennoch in guter Erinnerung. Und ich muss sagen, dass die Brettversion sich doch erstaunlich vertraut anfühlt - und das hätte ich wirklich nicht erwartet. Denn Slay the Spire auf dem PC (oder sonstiges Rechengerät Eurer Wahl) ist ja ein absolutes Solo-Spiel. Hier am Tisch ist es jetzt ein kooperativer Klopper – wobei man es auch hier durchaus solo spielen kann. Jeder spielt einen der bekannten Charaktere – mit eigenem Kartenstapel, Belohnungsstapeln und Relikten. Das Besondere: Jeder Held hat zwei Belohnungsdecks – normal und Sonderbelohnungen – und grundsätzlich lässt sich jede Karte auch noch upgraden, indem man sie umdreht (daher die Pflicht für Sleeves!).


Der Spielablauf ist klar strukturiert und folgt einem Pfad, der zum Teil festgelegt und zum Teil mit zufälligen Token je Partie unterschiedlich ist. Mal wird gekämpft, mal geruht, mal kommt ein Ereignis und mal wird geshoppt - und am Ende wartet ein Boss. Das Ganze ist dann noch eingeteilt in drei Akte, wobei man in der ersten Partie schon froh ist, wenn man beim Boss des 1. Aktes anklopfen kann. Das „Spielende“ nach dem 3. Akt sieht man jedenfalls erst nach vielen, vielen Durchgängen. Scheitern ist also der Standard, dafür verbessert man sich aber stetig und schaltet nach den Durchgängen auch immer mal wieder neue Karten für den nächsten Durchgang frei. Und ja, das Ganze ist dadurch natürlich repetitiv. Das ist aber auch gewollt. Slay the Spire ist ein sogenanntes Roguelike, mit allem, was dazugehört. Scheitern gehört hier quasi zur Spielmechanik. Das muss man natürlich mögen. Auch, dass es durchaus mal Durchgänge gibt, nach denen man nichts freischaltet und in denen dadurch auch keine spürbare Progression erfolgt. Manchmal läuft’s wie am Schnürchen. Manchmal ist nach zwei Kämpfen Schluss und man fragt sich: „Was war denn das jetzt?“.


Was mir teilweise nicht ganz so gut gefällt ist dagegen die Spieldauer. Ein Akt dauert gute 90 Minuten. Und wenn man schon gut gelevelt ist, schafft man es eben auch bis zum Ende von Akt 3. Und das sind dann gute 5 Stunden Spielzeit - in denen man wohlgemerkt eigentlich immer das Gleiche macht. Natürlich kann man zwischen den Akten „speichern“, doch wer will das schon, wenn man grade mit Ach und Krach den Boss eines Aktes besiegt hat und wissen will, ob man es auch noch weiter schafft? Oder schlimmer: Man speichert, trifft sich zu einer zweiten Sitzung und wird dort nach 10 Minuten von Monstern überwältigt. Da kann auch schonmal ganz schnell ganz viel Frust aufkommen. Andererseits hat man dann ja Zeit, wieder von vorne zu Beginnen. Wie gesagt, Scheiter ist hier Programm.


Zu guter Letzt noch ein paar Worte zum Material. Viele tolle Karten, eine Optik die gefühlt 1:1 aus dem Videospiel übernommen wurde, Sleeves als notwendiges Übel (wobei das eigentliche Übel im Sleeven vor der ersten Partie liegt) und ein wirklich gut durchdachtes Inlay, dank dem sich das Spiel verhältnismäßig schnell auf den Tisch und wieder wegräumen lässt. Ein wertiges Spiel, bei dem man den gehobenen Preis auch durchaus optisch/haptisch wahrnimmt.

Zusammenfassend kann ich sagen, dass Slay the Spire als Brettspiel handwerklich top und mechanisch super durchdacht und erstaunlich nah am digitalen Original gemacht ist. Es ist aber nichts für jeden – und will das glaube ich auch gar nicht sein. Wer Lust auf Deckbau, Taktik, Scheitern und Progression hat, wird hier bestens bedient. Definitiv (einer?) der beste(n) Deckbuilder – wobei mich das hohe Ranking auf BGG trotzdem überrascht. Denn ein „Wohlfühlspiel für die breite Masse“ ist es definitiv nicht.

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Slay the Spire: Das Brettspiel von Gary Dworetsky, Anthony Giovannetti, Casey Yano
Erschienen bei Nice Game Publishing
Für 1 - 4 Spielende in 30 - 150 Minuten ab 12 Jahren
sämtliche Bilder sind von uns selbst erstellt oder vom jeweiligen Pressematerial des Verlages (hier Nice Game Publishing)
*es handelt sich um einen Affiliate-Link. Für Euch entstehen keine zusätzlichen Kosten, wir erhalten eine kleine Provision.

Dead Cells

Von: Roy
02. März 2026 um 00:30

Dead Cells ist Videospielern schon länger ein Begriff und sicherlich vor allem Spielern, die gerne das Genre „Roguelike“ spielen. Mittlerweile bin ich wohl zu alt, um genau zu wissen, was dieses Genre eigentlich ausmacht, denn ich musste es selbst erst einmal recherchieren. Zunächst lässt sich sagen, dass „Roguelike“ ein Subgenre des Rollenspiels ist. Wie in einem Rollenspiel entwickeln wir hier einen Charakter – allerdings mit einem Kniff: Unser Charakter muss mehr oder weniger sterben und das Spiel beginnt von vorne. Dabei baut sich die Welt bei neuen Durchgängen neu auf, und unser Charakter kann „Gelerntes“ in folgenden Runden mitnehmen bzw. verwenden. Das wird dann häufig auch „Roguelite“ genannt.

Bei Dead Cells passiert genau das: Wir spielen eine Kreatur namens „Prisoner“, die zu Beginn einer Partie Besitz von einer Leiche ergreift und diesen Körper für den Durchgang nutzt. Dabei sammelt man Seelen, die man an Zwischenstationen oder am Ende eines Durchgangs für Aufwertungen und Ähnliches einsetzen kann.


Bereits 2024 ist bei Scorpion Masqué (gut bekannt durch Sky Team) ein kooperatives Brettspiel zum Videospiel erschienen. Ein bis vier Spieler tun sich hier zusammen und versuchen, schlussendlich alle Level samt Bossen in einem Durchgang zu meistern – doch bis dahin ist es ein weiter Weg. Antoine Bauza, Corentin Lebrat, Ludovic Maublanc und Théo Rivière haben sich den Deckbau als Grundmechanik genommen. Ob es dabei genauso süchtig macht wie das Videospiel, schauen wir uns nun an.

Das Spiel wirkt auf den ersten Blick wirklich recht simpel. Jeder Spieler startet mit einem kleinen Deck aus nur sechs Karten, wobei man aus vier unterschiedlichen „Enthaupteten“ wählen kann. Diese sind asymmetrisch aufgebaut und bringen jeweils ein eigenes Playerboard mit sich.


Ein Level wird in der Welt von Dead Cells auch „Biom“ genannt, und so starten wir immer im Biom „Gefangenenunterkünfte“. Jedes dieser Biome bringt komplett eigenes Material mit sich: Boards, auf denen wir entsprechende Plättchen platzieren, Gegnerkarten in „Standard“ und „Elite“ sowie Entwurfskarten. Mit einem Standee, in dem wir – je nach Spieleranzahl – unsere Enthaupteten bewegen, erkunden wir diese Orte von links nach rechts und stoßen dabei auf Händler, Truhen und natürlich Gegner. Pfeile geben uns die Richtung vor, und an manchen Stellen müssen wir uns gemeinschaftlich für einen Weg entscheiden. Erreichen wir ein Plättchen, wird dieses umgedreht, und im glücklichen Fall erhalten wir eventuell einen Bonus, wie zum Beispiel Goldzähne, mit denen wir zwischen den Biomen Gegenstände und Waffen kaufen können.

Doch natürlich lauern auch Gegner, und das macht den großen spielerischen Teil von Dead Cells aus. Die Plättchen geben vor, wie viele Standard- und Elite-Monster uns begegnen. Diese werden dann von den entsprechenden Kartenstapeln gezogen und auf das Kampfbrett gelegt, wobei einige Monster vorgeben, wo sie platziert werden.


Das Kampfbrett besteht aus fünf Slots, wobei der zweite Slot uns gehört. Links davon befindet sich ein Slot für Gegner, rechts von uns insgesamt drei weitere Slots. Eine Kampfrunde läuft über drei Runden, und für jede Runde gibt es bei den Gegnern eine Reihe mit aufgedruckten Aktionen. Unabhängig von der Spieleranzahl spielen wir gemeinsam immer drei Karten aus, die ebenfalls drei Reihen mit Aktionen zeigen. In einem Spiel zu zweit spielt der Startspieler zwei Karten, der andere eine Karte. Bei einem Spiel zu viert setzt ein Spieler sogar komplett aus.

Im Kampf geht man nun Reihe für Reihe von links nach rechts durch und führt die jeweiligen Aktionen aus: Es wird angegriffen, mit Schilden geblockt, vergiftet oder eingefroren. Die Aktionen geben dabei unter anderem auch die Reichweite vor. Nicht zu vergessen ist das Plündern, denn bei jedem Kampf gibt es meist eine Belohnung – diese erhält man allerdings nur, wenn jemand die Aktion „Plündern“ eingesetzt hat.


Es werden immer alle drei Reihen abgehandelt, selbst wenn Gegner oder Spieler bereits alle Lebenspunkte verloren haben, da beispielsweise die letzte Aktion das Plündern sein könnte oder andere Effekte eintreten können, die ich hier nicht vollständig spoilern möchte.

In einem Biom sammeln wir also Seelen, Goldzähne und Entwürfe, die wir bei Händlern gegen neue Lebenspunkte, Gegenstände oder Verbesserungen eintauschen können, um uns für kommende Runden zu stärken. Das ist wirklich schön umgesetzt: Es gibt ein eigenes Spielbrett mit kleinen „Taschen“, in denen wir unseren aktuellen Spielstand speichern können. Wie im Videospiel können wir uns in drei Bereichen weiterentwickeln: Überleben, Taktik und Brutalität. Durch das Abgeben von Seelen ziehen wir die untersten Karten der jeweiligen Decks und erhalten so neue Karten für unser Deck oder verbesserte Startfähigkeiten.


Egal an welcher Stelle: Sobald ein Spieler alle seine Lebenspunkte verliert, endet der Durchgang nach Abschluss des aktuellen Kampfes, und wir beginnen wieder von vorne – dann allerdings mit einem besseren Deck.

Wann endet das Spiel? Insgesamt gibt es sieben Biome zu erkunden, und drei Bosse können uns begegnen. Gelingt es irgendwann, den letzten Boss zu besiegen, hat man das Spiel tatsächlich abgeschlossen und darf sich als Sieger fühlen.

Die Macher von Dead Cells sind sehr liebevoll und detailgetreu mit der Vorlage umgegangen und haben ein wirklich tolles kooperatives Spiel geschaffen. Allerdings muss ich sagen, dass es mich nicht immer dazu animiert hat, sofort eine neue Runde zu starten, denn der Aufwand ist stellenweise recht hoch. Alles wieder abzubauen und den Anfang neu aufzubauen, kann etwas ermüdend sein. Wenn man es bis Biom 3 oder 4 geschafft hat und dafür bereits einiges an Zeit investiert wurde, ist es manchmal frustrierend, erneut bei Biom 1 zu beginnen – zumal man dortige Boni irgendwann bereits ausgeschöpft hat. Das Gute: Dafür gibt es eine elegante Lösung, die ich hier aber nicht spoilern möchte.


Dead Cells ist insgesamt sehr motivierend und herausfordernd. Gerade mit den Startdecks kommt man nicht besonders weit, und die Auswahl ist zunächst stark eingeschränkt, sodass gute Planung mit den Mitspielern essenziell ist. Wer wann welche Aktion auslöst, ist eine wichtige Information, die geteilt und in die Planung einbezogen werden sollte.

Das Entdecken neuer Gegenstände, Entwürfe und Karten ist dann wirklich belohnend und motivierend – besonders, wenn man diese direkt in der nächsten Runde ausprobieren kann. Vieles wird dabei bereits angedeutet, ohne zu viel zu verraten, macht aber dennoch neugierig: Was hat es mit den Runen auf sich? Was verbirgt sich hinter dem „Geheimnis“-Stapel? Und wie sehen wohl die kommenden Biome aus?

Frosted Games hat hier einen echten Glücksgriff gelandet und zudem sehr gute Arbeit bei der Übersetzung geleistet. Die Anleitung empfinde ich stellenweise als etwas unübersichtlich und nicht immer hundertprozentig eindeutig, dafür gibt es jedoch viele gute Beispiele.


Dead Cells bringt einen saftigen UVP von 89,99 € mit. Das ist eine Menge Geld, insbesondere da keine Miniaturen enthalten sind. Dafür bekommt man jedoch sehr viel hochwertiges Material, ein gelungenes Inlay und viele Stunden Spielspaß – ganz ohne das Gefühl einer erdrückenden Kampagne. Man kann jederzeit eine Partie starten, ohne sich erneut tief in eine Story einlesen oder erst „updaten“ zu müssen.

Ich persönlich habe auf jeden Fall große Lust, weitere Biome zu erkunden und das große Ziel endlich zu erreichen – denn das ist mir bisher noch nicht gelungen. Wem würde ich das Spiel empfehlen? Fans des Videospiels auf jeden Fall, ebenso Spielern, die Freude an kooperativen Deckbauspielen haben und etwas Auf- und Abbauarbeit in Kauf nehmen können.

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Dead Cells von Antoine Bauza, Corentin Lebrat, Ludovic Maublanc & Théo Rivière
Erschienen bei Frosted Games
Für 1-4 Spieler in ca. 45 Minuten ab 14 Jahren
sämtliche Bilder sind von uns selbst erstellt oder vom jeweiligen Pressematerial des Verlages (hier Frosted Games)

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