Last Lemming

Den erste Kontakt mit den kleinen Lemmingen das muss Anfang der 1990er-Jahre im legendären Computerspiel Lemmings gewesen sein. Ganze Kolonnen der kleinen Tollpatsche marschierten damals durch eine Landschaft und viele gefährliche Levels. Brücken bauen, Tunnel graben oder einzelne Lemminge zu lebenden Verkehrshindernissen machen: Alles war erlaubt, um möglichst viele von ihnen vor dem sicheren Absturz zu bewahren. Beim neuen Karten-Stichspiel Last Lemming (Ravensburger) ist die Rollenverteilung nun allerdings eine andere. Hier geht es höchstens noch darum, die eigene kleine Spielfigur zu retten. Ein gezielter Schubs gegen die Gegner:innen ist sogar ausdrücklich erwünscht.
Marco Teubner macht aus einem klassischen Stichspiel eine ziemlich eigenwillige Angelegenheit. Denn wer hier Stiche gewinnt, ist nicht automatisch auf der sicheren Seite. Vier Runden lang verändern wechselnde Regelkarten die Bedingungen und damit auch die Auswirkungen der ausgespielten Karten. Mal rückt nur der Stichgewinner vor, mal bewegen sich weitere Figuren, mal wird rückwärtsgelaufen. Und weil die Lemminge auf der Strecke nicht auf demselben Feld stehen bleiben dürfen, sondern ihre Vorderleute eine Position weiterschieben, kann aus einer einzelnen Bewegung schnell eine kleine Kettenreaktion werden.
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Das verlangt durchaus etwas Planung. Vor jeder Runde werden aus zwölf Karten acht für die kommenden Stiche ausgewählt. Welche Zahlen und Farben man zurückbehält, will also überlegt sein. Allerdings sollte man sich nicht zu sehr auf den eigenen Plan verlassen. Die wechselnden Regeln und die Eingriffe der Mitspielenden sorgen dafür, dass die Situation auf der Strecke selten lange dieselbe bleibt. Gerade wenn ein Lemming schon in aussichtsreicher Position steht, kann ein einziger Stich alles wieder verändern. Und manchmal ist es tatsächlich besser, einen Stich nicht zu gewinnen.
Die Regeln sind schnell verstanden, die wechselnden Bedingungen bringen immer wieder neue Überlegungen ins Spiel.
Last Lemming ist ein Stichspiel, das mit den Erwartungen spielt und dabei angenehm unkompliziert bleibt. Die Regeln sind schnell verstanden, die wechselnden Bedingungen bringen immer wieder neue Überlegungen ins Spiel. Vor allem aber passiert ständig etwas, auf das man reagieren muss – und nicht selten etwas, worüber sich die anderen am Tisch freuen. Das gehört hier ausdrücklich dazu. Wer Stichspiele mag, aber Lust auf eine etwas andere Interpretation hat, sollte den Lemmingen eine Chance geben. Nur sollte man sich nicht darauf verlassen, dass der eigene bis zum Schluss ganz vorn auf der Punkteskala bleibt.
Ein paar Anmerkungen zur Produktionsqualität
Schachtel und Karten, produziert in Tschechien, wirken recht dünn und wenig wertig, die Pappteile zeigten nach dem Auspöppeln zudem deutlich sichtbare Stanzgrate. Das ist schade, denn inzwischen gibt es genügend Beispiele dafür, dass es auch in dieser Preisklasse besser geht. Nicht ganz nachvollziehbar ist außerdem die Konstruktion des Spielmaterials: Das zweiteilige Tableau für die Regelkarten besitzt eine Lasche und eine passende Aussparung zum Zusammenfügen. Warum man auf eine solche Verbindung beim vierteiligen Spielplan verzichtet hat, bleibt ein Rätsel. Und dann wären da noch die Lemminge selbst. Bei aller Liebe zum skurrilen Spielthema: So richtig sympathisch sind die kleinen Kerlchen optisch leider nicht geraten. Da hätten wir uns insgesamt etwas mehr Sorgfalt und Qualität gewünscht.


Hinweis: Wertungen vergeben wir im Bereich 0 bis 4 Sternen. Spiele mit 0-1,5 Sternen sind sind schlecht, mit 2 bis 2,5 Sternen durchschnittlich. Ab 3 Sternen beginnen die empfehlenswerten Spiele. Nur außergewöhnliche Titel erhalten 4 Sterne („Four-Star Game“).
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