Durchs Partyradar gefallen: Match me if you can
Wichtig ist der Spieletitel ohne Ausrufezeichen, ansonsten verkuppelt Ihr vorgegebene Prominente bei der 2025-Neuheit von HUCH! Ohne Satzzeichen am Ende seit Ihr hingegen richtig, sofern Ihr ausreichend viele Mitspieler versammelt und nach gemeinsamen Antworten auf kuriose Fragen sucht. Falsche Antworten gibt es hier nicht, nur Meinungen. Eine kleine Spurensuche, warum das Spiel im Schatten von Dito! untergegangen ist.
Im September 2025 ist Match me if you can erschienen und damit schon vor der letzten SPIEL in Essen. War es ein Thema seit dem? Wohl eher nein, weil schlicht in der Neuheitenflut der verschiedensten kommunikativen Partyspiele untergegangen. Keine Forendiskussion auf Boardgamegeek, obwohl zeitgleich eine eigene englische wie auch italienische Version von Ravensburger veröffentlicht wurde. Gerade mal 249 Spieler geben an, dass sie das Spiel besitzen und nur 117 haben es bewertet. Das allerdings unterdurchschnittlich mit 6.5 – die meisten mit 7, aber mit zu starker Tendenz zur 6 oder gar niedriger. Warum ist es mir dann überhaupt hier eine Erwähnung wert? Weil die Spielrunden von Udo Bartsch das Spiel auf Platz 1 der am liebsten gespielten Spiele im Fokus Spiel des Jahres gewählt haben. Und Udo selbst vergibt seine Note „solide“, was fast schon eine Adelung entspricht.
Also spontan selbst gekauft, in der Hoffnung, dass es in meinen passenden Spielrunden zündet. Für unter 15 Euro war es mir dieser Blindkauf wert. Allerdings braucht es 3 bis 8 Spieler, wobei je mehr, desto besser. Das liegt am Grundprinzip des Spiels. Denn es geht um wahrscheinliche Antworten. Nur wer genauso antwortet wie mindestens eine andere Person am Spieletisch, der bekommt Punkte und zieht in die nächste Runde ein. Alle anderen mit einsam-alleiniger Antwort kann hingegen durch richtige Wetten ebenso Punkte machen. Niemand scheidet also gänzlich aus. Wobei nach drei aufsteigenden Raterunden sowieso alle wieder kreative Rater werden. Wer in Summe 13 Punkte erreicht, hat die Partie gewonnen. Im Idealfall dauert das rund 15 bis 30 Minuten oder mindestens sieben Raterunden.
Doch halt! Hier geht es weniger um kreativ-abgefahrene Antworten, sondern die sichere Meinung der Allgemeinheit. Als ein typisches Einschätzspiel Eurer Mitspieler. Wer stets mit dem Mainstream schwimmt, der kommt schneller zum Ziel. Es reicht aber auch, wenn wenigstens einer der Runde so verquer denkt, wie ich selbst. Puh, Glück gehabt. Die Wette für vorzeitig und zeitweise ausgeschiedene Mitspieler ist ein kleiner Versuch, diese am Spielgeschehen interessiert zu halten. Hier geht es nur darum, ob überhaupt jemand Fragen-Stufe 2 oder 3 schafft, nicht wer von Euch. Also hopp oder topp, 50 % Chance auf einen abgestaubten Zusatzpunkt.
Vom Spielmaterial ist das Spiel von Autor Johannes Berger und Julien Gupta durchaus solide. Euch erwarten 150 doppelseitige Fragenkarten, also ausreichend Abwechslung für 30 Partien, wenn wir so 10 Fragerunden bis 13 Punkte annehmen. Punktemarker und Wettchips aus stabiler Pappe für 8 Mitspieler samt Punkteleiste. Einzig bei der Block bin ich nur unsicher, wie praktikabel der ist. Weil der muss noch händisch in drei Spalten verschnitten werden und jeder benötigt einen mitgebrachten Stift. Die typischen Folienmarker mit wegwischbarer Tafel wären einfacher gewesen. Im Zweifelsfall verschneidet Ihr den Block vorab in seine Spalten und legt Bleistift bei. Für den Kaufpreis von unter 15 Euro gerade noch zu verkraften.
Und macht Match me if you can Spaß? In der Theorie klingt es in seinem Genre gut, auch weil viele zeitgleich dabei sein können. Einfachste Regeln und niemand blamiert sich mit seiner Unwissenheit, denn falsche Antworten gibt es nicht. Für 20 Minuten ein ideales kommunikatives Partyspiel für Großgruppen. In der Praxis muss ich es hingegen erst noch auf den Tisch bringen. Aber die Spielrunden von Udo Bartsch können gar nicht so falsch liegen, oder? Nur warum ist die 2025-Neuheit so unbekannt geblieben? Ein Fluch der Neuheitenflut jedes Jahr? Ich bin gespannt, was es wirklich taugt.
