SPIEL DOCH 2026: Trotz Wachstum weiterhin gemütlich
Wenn die SPIEL DOCH! die kleine Schwester der Essener SPIEL ist, dann darf man nach der 2026er-Ausgabe in Dortmund erfreut feststellen: Das Geschwisterchen wächst und gedeiht, geht inzwischen in die Schule (siebte Ausgabe seit 2018) und wird selbstbewusster, bleibt aber kindlich verspielt. Und das ist gut so!

Vom 24. bis 26. April setzte die SPIEL DOCH! in Dortmund ihren Kurs als wichtige Publikumsmesse für Brett- und Kartenspiele im deutschsprachigen Raum fort. Erneut mit einem Rekord bei Fläche und Ausstellerzahl: Mit 8.300 Quadratmetern Ausstellungsfläche kommt der veranstaltende Nostheide-Verlag an die Grenzen des Wachstum von Halle 4. Mehr geht – zumindest hier –nicht.
Das besondere Markenzeichen der Messe, die Verbindung aus entspannter Atmosphäre und großzügigen Freispielflächen, stand auch 2026 klar im Mittelpunkt. Rund 18.000 Spielefans hatten Gelegenheit, aktuelle Brettspiele auszuleihen und sich von Erklärern beim Einstieg helfen zu lassen (in Kooperation mit Meeplebox und der SpieleUnion Dortmund). Egal, ob man Frühjahrsneuheiten wie frische Familienspiele, strategische Kenner-Highlights oder kreative Kinderspiele testen wollte, es war für alle etwas dabei. Außerdem lohnte sich ein Abstecher zu den Flohmärkten, auf denen Schnäppchenjägerinnen und Sammler auf Raritäten und gut erhaltene Klassiker trafen.
Die Besuchenden konnten mit Spieleautoren plaudern, einen der 180 Aussteller bzw. Verlage direkt ansprechen und sich Inspiration für die heimische Spielesammlung holen, denn verkauft wurden viele Neuheiten ebenfalls. Im Vergleich zur großen SPIEL in Essen ging es hier ruhiger zu, mit breiten Gängen und selbst am Samstag mit wenig Stau, was gerade für Familien und Gelegenheitsspielerinnen den Reiz ausmachte. Die freie Spielfläche wurde noch einmal erweitert, sodass es genug Platz für lange Spieletage gab.
Neue Brettspiele ausprobiert
Als Brettspielelust-Team haben wir mitgemischt und an den drei Messetagen zahlreiche Neuheiten unter die Lupe genommen. Teilweise kannten wir die Titel bereits aus den vergangenen Wochen: Im Draft- und Sammelspiel Punktegalaxie (Pegasus) versuchen wir, durch geschickte Auswahl und Kombination von Karten eine effiziente Punkte-Engine in unserer Auslage aufzubauen. Wie seine Vorgänger Punktestadt und Punktsalat fokussiert das Kartenspiel auf schnelle Spielzüge und eine klare Ikonographie (mehr darüber lesen). Bei Die hängenden Gärten (Pitanik) erschafft man über vier Runden hinweg einen Garten aus Pflanzen, Tieren und Bewässerung, um das Königspaar zu beeindrucken und die meisten Punkte zu sammeln. Das zugängliche Worker-Placement-Spiel setzt auf vertraute Mechaniken und bietet durch viele Kombinationsmöglichkeiten und variable Wertungen genügend Abwechslung, ohne dabei zu komplex zu werden (mehr darüber lesen).
In Project Skyline (Piatnik) steht die vertikale Stadtplanung im Vordergrund. Die Spielenden platzieren Etagensteine auf einem gemeinsamen Spielfeld, wobei unterschiedliche Höhenstufen und Nachbarschaftsboni taktische Entscheidungen über die effizienteste Flächennutzung erfordern. Project Skyline ist der Erstling von Autor Florian Maas und kombiniert gekonnt Deckbau-Elemente mit Flächenmanagement (mehr darüber lesen). Einen thematisch anderen Ansatz verfolgt das Strategiespiel Kilia (Huch): Wir sind aufstrebende Reeder, die sich in der Hafenmetropole Kiel einen Namen machen wollen. Kilia überzeugt als modernes, angenehm zügiges Euro-Game mit starkem Multi-Use-Kartenpuzzle und cleverem Schifffahrts-Einkommen – mit eher geringer Interaktion und etwas Auslagen-Glück als Kehrseite (mehr darüber lesen).


Für Freunde kooperativer Spielerlebnisse bietet Tippi Toppi Hoch hinaus (Schmidt Spiele) eine Weiterentwicklung des bewährten Spielprinzips. Die Spielgruppe muss gemeinsam und reihum Handkarten ablegen, um immer neue, teils herausfordernde Zielvorgaben zu erfüllen, was eine präzise Abstimmung verlangt, ohne sich konkret abstimmen zu dürfen. Während der Nachziehstapel kleiner wird, überlegen die Spieler, welche Aufgabe als nächstes erreichbar erscheint und wie sich die noch vorhandenen Plättchen schnellstmöglich einsetzen lassen (mehr darüber lesen).
Viele kleinere oder Kleinstspiele hatten wir auf der SPIEL DOCH! ebenfalls im Blick: Während Fußball Ligretto (Schmidt Spiele) das bekannte Echtzeit-Reaktionsprinzip auf den Rasen überträgt, setzt Cat Trick (Helvetiq) auf einen cleveren Stichmechanismus mit Katzenmotiven: kurzweilige Spielerfahrungen in kleiner Schachtel! Solche Titel eignen sich prima, wenn man unterwegs ist, z.B. im Urlaub oder mit Kindern im Restaurant.
Ein Anwärter auf das Spiel des Jahres kam schließlich mit Got Five! (Blue Orange) auf den Spieltisch. Per Deduktion müssen wir fünf Plättchen mit aufsteigenden Ziffern durch gezielte Fragen sowie den Vergleich mit Steinen aus der Tischmitte entschlüsseln und versuchen, diese als Erste korrekt zu benennen. Der mögliche Sieg wird durch den Ausruf „Fünf und fertig!“ angekündigt, wobei eine einzige Fehlkalkulation zum Ausscheiden führt. Absolut preiswürdig war auch Hot Streak (Strohmann Games): In dem herrlich chaotischen Rennspiel treten vier Maskottchen gegeneinander an und wir Spielenden wetten darauf, wer es als Sieger ins Ziel schafft. Clever: Ein Teil der Karten, mit denen die Bewegungen der Maskottchen gesteuert werden, sind uns vorab bekannt. Doch mit geheimen Handkarten darf jeder von uns manipulieren und das Rennen zum eigenen Nutzen verändern. Nach drei Durchgängen entscheidet sich, wer den richtigen Riecher bzw. Glück bei den risikoreichen Wetten hatte.
Das Zwei-Personen-Legespiel Portals (Squink) ließ uns hingegen ratlos zurück. Im neuen Titel von Uwe Rosenberg geht es um das Sammeln magischer Energien über ausgelegte Plättchen, um Portalsteine nach den Bedingungen des eigenen Zauberbuchs zu platzieren. Der Fokus liegt auf der Ressourcenverwaltung, da das Spiel endet, sobald eine Person sämtliche Steine in der eigenen Auslage untergebracht hat. Optisch und auch spielerisch leider kein Highlight, da spielen wir lieber weiterhin Nova Luna. Also schnell rüber zu Stuglandet (Haba), wo Grundstücke an Seen oder auf Inseln mittels Würfelwurf gebaut werden sollen. Witzige Idee 1: Die Verpackung sieht aus wie ein kleines Schwedenhaus und lockte uns sofort an den Stand. Witzige Idee 2: Keine Würfel, sondern die kleinen farbigen Häuschen an sich werden gewürfelt und je nach Wurf-Neigung eines Gebäudes dürfen bestimmte Handlungen (bauen, tauschen, versetzen) durchgeführt werden. Dabei gilt es, die lukrativsten Bauplätze gegen die Mitspielenden zu verteidigen, die ebenfalls versuchen, durch Mehrheiten und geschickte Raumplanung Punkte zu generieren. Fazit: Stuglandet bleibt letztlich ein hübsch verpacktes Kinderspiel, dass erfahrene Spieler kaum begeistern dürfte.
Zwei weitere Familienspiele probierten wir bei Strohmann Games aus: In Tic Tac Top sollen wir Begriffe in einem Raster so anordnen, dass sie möglichst viele Übereinstimmungen mit der Prioritätenliste des jeweiligen Spielleiters der Runde erzielen. Das Kernelement bildet hierbei die Einschätzung der Mitspielenden, um durch die vorgelesenen Begriffe die für den Punktgewinn notwendigen Dreierreihen zu vervollständigen. Classic Party-und-Wort-Ratespiel!
Rom an einem Tag nutzt das „I-cut-you-choose“-Prinzip, um Landschaften und Gebäude aufzuteilen und diese zu punktträchtigen Gebieten zu kombinieren. Die taktische Herausforderung besteht darin, den Kontrahenten Angebote zu unterbreiten, die deren strategische Optionen minimieren, während man selbst die benötigten Ländereien behält. Zusammen mit der enthaltenen Erweiterung eine sehr positive Überraschung eines strategischen Familienspiels mit knackig-kurzer Spieldauer von unter 30 Minuten.
30 Minuten oder doch eher 30 Minuten pro Person? Die Angabe auf der Schachtel von Nussfieber (Squink) ist stark untertrieben. Reihum steuern wir einen Fuchs und unsere eigenen Eichhörnchenbanden, um Territorien im einem gemeinsamen Wald zu kontrollieren und strategische Wegeverbindungen zu schaffen. Der Erfolg hängt maßgeblich davon ab, die Bewegungen des Fuchses so zu beeinflussen, dass die eigenen Einheiten optimal positioniert und gegnerische Formationen gestört werden. Das dauert zu Fünft leider eine gefühlte Ewigkeit und führt zu Frust, weil die Aufgabenkarten nicht bei Erfüllung, sondern erst am Spielende gewertet werden (blöd, wenn der böse Fuchs im letzten Spielzug noch bestehende Wegverbindungen auseinanderreißt).
Endlich mal auf dem Tisch hatten wir anschließend INK (Asmodee), das auf einen Rondell-Mechanismus zur Auswahl von Tintenplättchen setzt, die zu farbigen Mustern zusammengefügt werden, um sukzessive Tintenfässchen zu platzieren. Durch das Vervollständigen ausreichend großer Farbbereiche werden Bonusaktionen freigeschaltet, die den Fortschritt im Wettlauf um die Platzierung aller Fässchen beschleunigen. Gefällig, wenn auch letztlich sehr abstrakt. Zu guter Letzt wählen wir als Absacker in Ich steck im Lift simultan Ziel-Etagen, wobei die Addition der Kartenwerte aller Spieler die Bewegungsweite des Lifts bestimmt. Baustellen auf den Etagen fungieren dabei als Hindernisse. Der Fahrstuhl fährt hoch und runter, alles bleibt komplett unplanbar und am Ende fragen wir uns: „Was soll das?“ und nehmen uns vor, künftig lieber die Treppe als diesen merkwürdigen Fahrstuhl zu nehmen…

Und wie geht es weiter mit der SPIEL DOCH?
Da die Kapazitäten der Messehalle Halle 4 ausgeschöpft sind und um dem „anhaltenden Wachstumstrend und dem großen Interesse weiterer Aussteller gerecht zu werden“, befindet man sich laut Nostheide-Verlag aktuell in Verhandlungen mit der Messe Dortmund über die Hinzunahme einer weiteren Halle ab dem nächsten Jahr. Die 8. SPIEL DOCH! in Dortmund findet vom 9. bis 11. April 2027 statt. Zuvor steht vom 20. bis 21. Juni 2026 die SPIEL DOCH! in der Messe Friedrichshafen an.
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