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#57 Anonyme Ludoholiker Express - Wortgamegeek

Anonyme Ludoholiker – Folge 57
Wortgamegeek

Es wird wortreich – und das im Schnellformat! In dieser Express-Folge nehmen sich Stefan und Stephan drei wortgewandte Spiele vor und schauen, was sie für Fans von Buchstaben, Assoziationen und kreativen Einfällen taugen.

Mit Oh my Word, One Word Away und WRDS dreht sich diesmal alles um Sprache, Tempo und die richtigen (oder völlig falschen) Begriffe im richtigen Moment.

Wie viel Tiefgang steckt in den Spielen? Wie kreativ wird es am Tisch? Und welches Wortspiel bleibt am Ende wirklich hängen?

Kurz, knackig und wie immer mit ehrlicher Meinung – perfekt für zwischendurch.

👉 Welche Wortspiele kommen bei euch regelmäßig auf den Tisch? Schreibt uns auf Instagram ⁠⁠⁠⁠⁠@anonymeludoholiker⁠⁠⁠⁠⁠⁠⁠⁠⁠⁠⁠⁠ oder kommentiert bei Spotify/Apple Podcasts!

Die Spiele wurden uns als kostenlose Rezensionsexemplare zur Verfügung gestellt.

Wir gehen mit Rezensionsexemplaren transparent und verantwortungsvoll um. Wir freuen uns über die Möglichkeit, neue Spiele zu testen, und geben stets unsere ehrliche Meinung ab, unabhängig davon, ob das Spiel als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt wurde. Dabei legen wir Wert auf Fairness und Objektivität – unser Fokus liegt immer darauf, unseren Zuhörern einen authentischen Eindruck des Spiels zu vermitteln.


(00:27) Begrüßung

(02:20) Oh my Word

(10:07) One Word Away

(18:19) WRDS

(28:23) Verabschiedung

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QUIZ-O-METER

03. April 2026 um 16:00

moses, 2025
Autor: Paul Schulz
2-4 Spieler:innen, ab 14 Jahre, ca. 20 Minuten

Ihr sitzt am Tisch, vor euch liegt keine klassische Frage-Antwort-Karte, sondern ein kleines Bedienfeld mit Schiebern, Drehscheibe und Zeichenfläche. Genau daraus zieht „QUIZ-O-METER“ seinen Reiz. Statt Lösungen anzukreuzen, tastet ihr euch mit Wissen, Gefühl und etwas Mut an Zahlen, Verhältnisse und Zuordnungen heran. Das Spiel ist ein Quiz, das seine Fragen in vier sehr unterschiedliche Denkaufgaben aufteilt und damit deutlich spielerischer wirkt als ein reines Frage-Antwort-Format. Es ist klar im Bereich Familien, Gelegenheitsspiel und lockeres Party-Quiz einzuordnen.

Alle spielen gleichzeitig und das ist hier der wichtigste Kniff. In jeder Runde beantwortet ihr nacheinander vier Fragen aus vier Stapeln. Mal schiebt ihr einen Regler auf eine Zahl zwischen 1 und 50, mal schätzt ihr einen Prozentwert über ein Tortendiagramm, mal bringt ihr drei Begriffe in die richtige Reihenfolge, mal ordnet ihr fünf Begriffe in eine Schnittmenge ein. Danach wird gemeinsam ausgewertet, wobei exakte Treffer mehr Punkte bringen, aber auch gute Annäherungen belohnt werden. Dazu kommen Joker, die entweder auf Risiko spielen oder euch bei Mitspieler:innen abschauen lassen. So entsteht eine schöne Mischung aus eigenem Grübeln, Beobachten der Runde und kleinen Mutproben beim richtigen Timing. Weil alle parallel knobeln, bleibt der Spielfluss flott, auch wenn die orange Schnittmengen-Kategorie etwas mehr Aufmerksamkeit verlangt als die anderen drei.

Am meisten überzeugt mich bei „QUIZ-O-METER“, dass hier nicht einfach nur Wissen abgefragt wird. Das Spiel gibt euch für jede Frage eine kleine Aufgabe in die Hand, und genau dadurch fühlt sich eine Partie lebendiger an als bei vielen klassischen Quizspielen. Ihr schätzt, sortiert, ordnet ein und diskutiert dabei oft schon, bevor überhaupt aufgelöst wird. Gerade dieses gemeinsame Rätseln sorgt für eine lockere, wache Stimmung am Tisch. Mal liegt ihr erstaunlich nah dran, mal ist eine Antwort völlig daneben und genau diese Momente machen den Reiz aus. Gut gefällt mir auch der flotte Ablauf. Weil alle gleichzeitig beschäftigt sind, entsteht kaum Wartezeit. Niemand sitzt lange untätig daneben und selbst in voller Runde bleibt das Spiel angenehm zügig. Die Interaktion ist dabei hoch, aber nicht anstrengend. Ihr schaut neugierig auf die Einschätzungen der anderen, freut euch über überraschende Treffer und habt immer wieder Anlass zum Lachen oder Staunen. Das macht das Spiel sehr zugänglich, auch für Leute, die bei Quizrunden sonst eher zurückhaltend sind. Ganz ohne Schwächen ist das Ganze aber nicht. Die Aufgaben leben stark davon, dass euch Schätzen und allgemeines Wissen Spaß machen. Wenn in eurer Runde lieber geplant, getüftelt oder langfristig vorausgedacht wird, dürfte dieses Spiel auf Dauer etwas zu leicht wirken. Auch die Kategorien sind nicht alle gleich stark. Vor allem die kniffligeren Zuordnungen können den Fluss kurz bremsen, weil sie mehr Konzentration verlangen als die schnelleren Schätzfragen. Das ist nicht dramatisch, aber spürbar. Beim Material bleibt ein gemischter Eindruck. Die Grundidee mit den verschiedenen Eingabemöglichkeiten ist ein echter Blickfang und macht sofort Lust auf eine Partie. Gleichzeitig wirkt nicht jedes Detail gleich hochwertig. Vor allem bei häufigem Einsatz könnte sich zeigen, welche Teile robust sind und welche schneller Gebrauchsspuren bekommen. Die Gestaltung ist insgesamt klar genug, damit ihr euch schnell zurechtfindet, ohne dabei besonders auffällig oder verspielt zu sein. Für Familien, Freundesrunden und gemischte Gruppen ist „QUIZ-O-METER“ aus meiner Sicht besonders passend. Wer ein Quizspiel sucht, das mehr Bewegung in die Antworten bringt und ohne lange Wartezeiten auskommt, bekommt hier ein unterhaltsames Gesamtpaket. Für Gruppen, die vor allem taktische Tiefe oder viele unterschiedliche Wege zum Sieg suchen, ist es eher nicht die erste Wahl. Wenn ihr aber Lust auf ein zugängliches Wissensspiel habt, bei dem ihr gemeinsam rätselt, schätzt und euch auch über herrlich falsche Antworten amüsieren könnt, werdet ihr hier viel Freude haben.

Von Gurken und sanften Hügeln

Cozy Stickerville, Corey Konieczka, Unexpected Games 2026

Wir sind ein Jahr in dem bezaubernden Cozy Stickerville abgetaucht und berichten euch in einem Hörspiel von unseren zauberhaften Erlebnissen.

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Planet der Gnümies

Von: Oli
30. März 2026 um 00:30

Willkommen auf dem allseits bekannten Planet der Gnümies. Was? Kenn ihr nicht? Kannte ich zugegebenermaßen auch nicht. Und auch jetzt ist mir das Franchise noch ein kleines Rätsel, da es hier unter anderem auch Bücher gib und diese Welt doch irgendwie kindgerecht fröhlich zu sein, aber komplett unter jeglichem Radar zu fliegen scheint – zumal es die Marke laut Homepage seit 1997 gibt. Fest steht aber, dass ich bei den Gnümies ständig an den guten alten Panki aus Pankanien denken muss, den außer mir niemand zu kennen scheint. Auch wenn die Ähnlichkeit zwischen Gnümies und Pankis nicht im Ansatz vorhanden ist und beide auch sonst nichts mit einander zu tun haben. Die Wege der Assoziationen im Kopf sind halt unergründlich.


Unergründlich ist auch das Weltall und dort gibt es eben den Planeten Gnüm auf dem die Gnümies und viele andere Kreaturen leben. Beim Öffnen der kompakt gehaltenen Schachtel fällt uns ein kleines Spielbrett, ein paar Standees und ein ordentlicher Batzen an Karten entgegen. Schön illustriert, witzig verpackt, weckt das Spiel durchaus Interesse an dieser Welt, wobei die Optik auch zeigt: wir richten uns hier an die kleineren der Kleinen, die aber schon lesen können müssen. Auch die Regeln passen da perfekt in ein Spiel für Grundschulkinder oder eben Familien die mit ihren Kids was spielen wollen, da sie nicht übermäßig komplex sind:


Wer mitspielt bekommt eine Spielerkarte, eine Farbkarte (mit einem roten und einem grünen Kreis) und vier Geländekarten in den vier Farben blau, grün, orange und rot. Dazu gesellt sich der erwähnte große Kartenstapel. Dieser besteht überwiegend aus Lebewesen vom Planeten Gnüm, die eine Zahl sowie ein bis zwei Lieblingsgebiete aufgedruckt haben. Es verstecken sich aber auch Häh-Karten, Partikel-Karten, Baumkarten und Punktekarten im Stapel (Freunde, Dinofraurier und Haustiere). Alle ziehen fünf Karten. Baumkarten werden offen in die Tischmitte gelegt, Sonderkarten werden verdeckt vor sich abgelegt, Lebewesen müssen farblich auf die eigenen Geländekarten einsortiert werden. Los geht die erste Runde: Alle stellen ihren Standee auf der Farbkarte auf das rote oder grüne Feld, dann würfelt die Person am Zug den Farbwürfel. Wer auf die richtige Farbe getippt hat, zieht eine Karte und die würfelnde Person zieht dann (noch) eine. Dabei gilt nun: Lebewesen müssen sofort einem Gelände zugeordnet werden, Sonderpunkte sammelt man verdeckt, Häh- und Partikelkarten müssen (ab der zweiten Runde) am Ende des eigenen Zugs ausgespielt werden. Hat man in einem Gelände mit allen Lebewesen 3 (Kubbel-)Punkte erreicht, darf man diese Karten gegen einen Gnümpunkt (eine Karte mit einem Siegpunkt) eintauschen. Man kann aber auch warten, bis man 5 Knubbelpunkte hat und diese gegen 2 Gnümpunkte tauschen. Hat man 5 Gnümpunkte muss man diese zudem gegen eine 5-Gnümpunkte-Karte eintauschen. Bis hierhin spielt sich das Ganze als locker flockiges Set-Collection-Spiel mit kleinem Push-Your-Luck-Mechanismus und eigentlich ist es bis auf die ständige Tauscherei ganz nett.


Anschließend müssen wie gesagt alle Partikel- und Häh-Karten ausgespielt werden. Die Partikel sind im Kern „Ärger-Karten“, die ganz witzige Einmaleffekte bringen. Passt schön rein. Bei den Häh-Karten wird es aber etwas skuril. Ich muss diese Karte gegen eine mitspielende Person richten. Die Person mischt ihre Punktekarten und ich ziehe eine davon. Nun findet ein Wettrennen um diese Karte statt. Wir legen das beigefügt Spielbrett auf den Tisch und setzen den Häh-Standee und den Standee des beklauten auf die Startfelder und würfeln nun mit zwei D6 um die Wette. Schafft es das Häh auf das Zielfeld bekomme ich die Punktekarte. Schnappt die andere Person mich, bekommt sie ihre Punktekarte zurück. So oder so bekommt sie die Häh-Karte, die sie unter ihre Spielerkarte legt. Am Ende winken nämlich Bonuspunkte für die Person mit den meisten Häh-Karten sowie die mit den wenigsten Sonderpunktkarten. Das Spiel endet, sobald die achte Baumkarte aus dem Stapel gezogen wurde. Es gewinnt, wer die meisten Punkte hat. Berechnet wird dies durch die eigenen Siegpunktkarten plus Bonuspunkte, aber minus nicht gewerteter Lebewesen und nicht genutzter Häh-/Partikelkarten.


Wie es vermutlich in der Beschreibung des Spielablaufs schon durchkam: Ich mag das Design, ich mag die Kartenoptik und ja, auch der Push-Your-Set-Collection-Luck-Mechnanismus ist durchaus ganz nett. Und mir ist durchaus klar, dass diese Mechanik alleine ein sehr solitäres Spielerlebnis ist. Und auch mit dem „alle Wetten auf den Würfelwurf“ kann ich gut Leben, da das Spiel sonst deutlich länger wäre, als es ohnehin schon ist. Und es ist auch ohne das viel zu lang. Denn 8 Karten aus dem großen Stapel zu fischen (oder aus sechs kleineren Stapeln wie es die Anleitung vorsieht) dauert gefühlt ewig. Gut, das kann man schön hausregeln. Spielen wir eben nur bis 4 Bäume ausliegen. Dazu bietet das FAQ auf der Homepage eine Sonderregel zum Verkürzen der Spielzeit, indem man einfach nur mit der Hälfte der Lebewesen spielt und das sollte man meiner Meinung nach auch tun – und trotzdem zusätzlich weniger Bäume reinnehmen. Aber leider ist eben auch die ganze Häh-Mechanik mit dem Wettrennen dann doch sehr aufgesetzt, oder anders formuliert: als Minispiel im Spiel zu präsent. Zum einen ist es stumpfes Würfeln ohne Einfluss, zum anderen macht man es viel zu oft während des Spiels und es spielen dann immer nur zwei und die anderen zwei schauen zu. Und ja, in einem Kinderspiel ist das ganz witzig und mildert das „Gemeinsein“ dadurch ab. Ja. Aber es hätte es eigentlich auch nicht gebraucht. Hier wäre also weniger vielleicht mehr gewesen. Und nochmal ja, das kann man auch sehr gut Hausregeln und lässt die Häh-Karten halt einfach weg. Doch sind das dann doch schon recht viele Hausregeln für ein eigentlich kleines Kinder-/Familienspiel: weniger Lebewesen nutzen, weniger Bäume, keine Hähs. Hm. Ist dann eben auch irgendwie ein anderes Spiel als gedacht. Was bleibt, sind dann aber lustige Figuren und eine Welt, die man dann doch irgendwie erkunden will, wenngleich auch vielleicht nicht als Spiel sondern auf anderen Wegen…

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Planet der Gnümies von Markus Mergard
Erschienen bei Gnüm
Für 2 -4 Spielende in 50 Minuten ab 8 Jahren

sämtliche Bilder sind von uns selbst erstellt oder vom jeweiligen Pressematerial des Verlages (hier Gnüm GmbH)
*es handelt sich um einen Affiliate-Link. Für Euch entstehen keine zusätzlichen Kosten, wir erhalten eine kleine Provision.

Linie 1

27. März 2026 um 16:00

Goldsieber Spiele, 1995
Autor: Stefan Dorra
2-5 Spieler:innen, ab 10 Jahre, 45-60 Minuten

Ihr sitzt vor einem leeren Stadtplan, habt eure geheimen Zielhaltestellen auf der Hand und versucht, mitten im entstehenden Straßenbahnnetz genau die eine Verbindung zu schaffen, die nur für euch perfekt ist. Genau daraus zieht „Linie 1“ bis heute seinen Reiz. Dabei tüftelt ihr nicht an getrennten Strecken, sondern an einem gemeinsamen Netz, das alle nutzen und zugleich gegeneinander verbiegen. Das Thema ist angenehm greifbar, weil jede Partie wie ein kleines Verkehrsprojekt mit versteckten Absichten wirkt. Statt großer Simulation bekommt ihr ein Familienspiel, in dem Planen, Beobachten und leichtes Täuschen zusammenkommen.

Der Ablauf teilt sich in zwei deutlich verschiedene Hälften. Zuerst legt ihr reihum Schienenplättchen in ein gemeinsames Netz, ergänzt Lücken, tauscht passende Teile aus und versucht, eure eigene Route unauffällig fertigzubauen. Das ist der stärkere Teil des Spiels, weil hier ständig kleine Fragen im Raum stehen. Baue ich an meiner Strecke weiter, blockiere ich euch an einer wichtigen Stelle oder tarne ich meine Absicht noch eine Runde länger? Sobald jemand die eigene Verbindung vollendet, beginnt für diese Person schon die Einweihungsfahrt, während andere noch bauen. Genau das bringt Abwechslung, kann aber auch kippen, weil Nachzügler:innen in Phase eins spürbar ins Hintertreffen geraten. Die zweite Phase lebt dann vom Abfahren der Strecke und war in der Erstauflage stark vom einzelnen Würfel geprägt. Spätere Ausgaben haben das mit drei Symbolwürfeln variabler gestaltet, was die Schlussphase merklich auflockert.

Was „Linie 1“ gut kann, ist Spannung aus verdeckten Zielen und einem gemeinsam verbauten Plan zu ziehen. Wenn plötzlich klar wird, warum jemand seit drei Zügen um genau dieselbe Kreuzung kreist, entstehen schöne Aha Momente. Die Interaktion bleibt aber recht schmal und äußert sich oft vor allem im Ärgern, Blockieren und späteren Flicken der eigenen Strecke. Dazu kommt eine spürbare Downtime, gerade wenn viele am Tisch sitzen. Die Einweihungsfahrt der 1995er Ausgabe kann sich ziehen und wirkt gegenüber der Bauphase deutlich zufälliger. Beim Material merkt ihr dem Spiel sein Alter an. Der Inhalt ist funktional, aber weder besonders üppig noch hochwertig und die große Schachtel wirkt für das wenige Material ziemlich überdimensioniert. Die Gestaltung der Erstauflage ist übersichtlich und charismatisch 90er, haptisch jedoch eher zweckmäßig. Gerade digital auf Board Game Arena funktioniert das alles heute erstaunlich gut. Das ist eine eigene Einordnung, aber aus meiner Sicht federt die Umsetzung Wartezeiten und Verwaltungsaufwand deutlich ab. Für Familien und Gelegenheitsspieler:innen mit Freude an Streckenbau und gegenseitigem Stören ist „Linie 1“ weiterhin interessant. Wer flüssige Abläufe, starke Materialanmutung oder viel Einfluss bis zum Schluss sucht, wird eher reserviert bleiben. Wenn ihr alte Goldsieber Titel mit Ecken und Kanten mögt, werdet ihr hier durchaus Freude haben.

#56 Das unbeleckte Blatt

Anonyme Ludoholiker – Folge 56

Das unbeleckte Blatt

In dieser Folge setzen sich Oli, Stefan, Stephan und Tobi zusammen und sprechen über eine ganze Reihe an Spielen, die zuletzt bei auf dem Tisch gelandet sind – mit ganz unterschiedlichen Eindrücken und Meinungen.

Von der stilvollen Zusammenstellung in Charcuterie über das eskalierende Chaos von Moon Colony Bloodbath, magische Sortierarbeit im Morty Sorty Magic Shop bis hin zu entspannten Momenten in Cozy Stickerville ist diesmal wirklich alles dabei. Ergänzt wird die Runde durch Rebirth und Forestry, die jeweils auf ihre eigene Art versuchen, Eindruck zu hinterlassen.

Welche Spiele bleiben hängen, welche eher nicht – und für wen lohnt sich ein genauerer Blick?

Freut euch auf ehrliche Einschätzungen, unterschiedliche Perspektiven und die typische Mischung aus Struktur und Abschweifung.

👉 Kennt ihr eines der Spiele schon oder hat euch eines besonders neugierig gemacht? Schreibt uns auf Instagram ⁠⁠⁠⁠@anonymeludoholiker⁠⁠⁠⁠⁠⁠⁠⁠⁠⁠⁠ oder kommentiert bei Spotify/Apple Podcasts!


Moon Colony Bloodbath, Morty Sorty Magic Shop, Rebirth und Forestry wurden uns als kostenlose Rezensionsexemplare zur Verfügung gestellt. Charcuterie wurde mit einem Presserabatt erworben.

Wir gehen mit Rezensionsexemplaren transparent und verantwortungsvoll um. Wir freuen uns über die Möglichkeit, neue Spiele zu testen, und geben stets unsere ehrliche Meinung ab, unabhängig davon, ob das Spiel als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt wurde. Dabei legen wir Wert auf Fairness und Objektivität – unser Fokus liegt immer darauf, unseren Zuhörern einen authentischen Eindruck des Spiels zu vermitteln.


(00:32) Zählen mit Spielen

(03:50) Begrüßung

(09:19) Mini-Ludoholicon

(08:00) Age of Innovation vs Terra Mystica

(10:47) Charcuterie

(23:39) Moon Colony Bloodbath

(39:10) Morty Sorty Magic Shop

(51:41) Cozy Stickville

(70:55) Rebirth

(86:07) Forestry

(111:25) Verabschiedung

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Flip 7 – Voll fies!

20. März 2026 um 16:00

Kosmos, 2025
Autor:innen: Eric Olsen und Alyssa Swatek
3–28 Spieler:innen, ab 8 Jahre, 20 Minuten

Die Runde ist angespannt, alle schauen auf eure Karten. Ihr habt schon einiges gesammelt, ein weiterer Zug könnte euch deutlich nach vorne bringen. Doch genau hier liegt die Gemeinheit von „Flip 7 – Voll fies!“. Ihr wisst, dass ein einziger falscher „Flip“ alles zerstören kann. Und trotzdem juckt es euch in den Fingern. Dieses Spiel greift die Grundidee des Vorgängers „Flip 7“ auf, dreht die Schraube aber spürbar an. Statt euch vor allem mit eurem eigenen Risiko zu konfrontieren, mischt euch diese Version aktiv ineinander ein. Neue Kartentypen sorgen dafür, dass ihr euch nicht mehr nur selbst im Blick behalten müsst, sondern ständig auch die Mitspieler:innen. Das Spielgefühl verschiebt sich dadurch von einem eher solitären Abwägen hin zu einem kleinen Schlagabtausch am Tisch.

Der Ablauf bleibt vertraut. Ihr deckt Karten auf, sammelt Punkte und entscheidet euch immer wieder, ob ihr aussteigt oder weiterzieht. Doch die neuen Karten bringen frischen Wind in genau diese Entscheidungen. Einige Karten greifen direkt in fremde Auslagen ein. Ihr könnt Mitspieler:innen zwingen, zusätzliche Risiken einzugehen, ihre sichere Position zu verlassen oder ihnen gezielt eine unangenehme Karte zuschieben. Andere Effekte drehen an euren eigenen Möglichkeiten, etwa indem ihr besser planen könnt oder kurzfristig mehr Kontrolle bekommt. Dadurch entstehen deutlich mehr Situationen, in denen ihr nicht nur euer Glück kalkuliert, sondern aktiv Chancen nutzt, um andere auszubremsen. Gerade dieser Unterschied zum Grundspiel wird schnell spürbar. Während ihr im Original oft für euch selbst entscheidet, entsteht hier ein ständiges Hin und Her. Ihr überlegt nicht nur, ob ihr noch eine Karte nehmt, sondern auch, wer gerade gefährlich nah am Sieg ist und wie ihr das verhindern könnt. Typisch ist eine Szene, in der jemand scheinbar sicher aussteigen will und plötzlich durch eine Effektkarte wieder ins Risiko gedrängt wird. Oder ihr nutzt genau den richtigen Moment, um eine führende Person aus dem Tritt zu bringen. Diese Eingriffe machen die Partie unberechenbarer, aber auch deutlich lebendiger.

„Flip 7 – Voll fies!“ punktet vor allem mit diesen neuen Karten und ihren Auswirkungen. Sie verändern das Spiel nicht nur oberflächlich, sondern geben ihm eine andere Dynamik. Die Spannung entsteht nicht mehr allein aus dem eigenen Risiko, sondern aus der Interaktion am Tisch. Ihr seid ständig aufmerksam, reagiert auf die anderen und nutzt Gelegenheiten, wenn sie sich bieten. Die Mechanismen wirken dabei erstaunlich rund. Trotz der zusätzlichen Effekte bleibt das Spiel schnell und zugänglich. Die neuen Karten sind leicht verständlich, entfalten aber genug Wirkung, um jede Partie anders verlaufen zu lassen. Besonders gelungen ist, dass sie gezielt Spannung erzeugen, ohne das Spiel unnötig zu verkomplizieren. Das Material überzeugt mit solider Qualität. Die Karten sind gut lesbar, die Symbole verständlich, und die Gestaltung unterstützt den schnellen Spielfluss. Im Vergleich zum Vorgänger wirkt alles etwas lebendiger, ohne unübersichtlich zu werden. Natürlich bringt die stärkere Interaktion auch mehr Reibung. Wer lieber in Ruhe vor sich hin spielt, könnte die gezielten Eingriffe als störend empfinden. Auch der Glücksfaktor bleibt präsent, wird durch die neuen Karten aber eher verstärkt als abgeschwächt. Am Tisch entsteht eine deutlich intensivere Stimmung als im Original. Es wird mehr geredet, mehr gelacht und auch mehr gestichelt. Gerade die Momente, in denen jemand kurz vor dem sicheren Punktestand noch einmal ins Risiko gezwungen wird, sorgen für Emotionen und Gesprächsstoff. Für Familien, Gelegenheitsspieler:innen und gesellige Runden ist dieses Spiel eine sehr gute Wahl. Besonders Gruppen, die Interaktion und kleine Gemeinheiten mögen, werden hier auf ihre Kosten kommen. Wer das ruhigere Grundspiel bevorzugt, sollte wissen, dass diese Version deutlich konfrontativer ist. Wenn ihr schnelle Kartenspiele mit direkter Einflussnahme mögt, werdet ihr hier viel Freude haben. Für Gruppen, die sich gerne gegenseitig herausfordern und dabei lachen können, ist dieses Spiel besonders geeignet.

112 Heidewitzka, Jan Philipp

Pressesprecher der Spieldoch!

Heidewitzka! Jan Philipp Nostheide lässt uns hinter die Kulissen von Messe- und Verlagsarbeit schauen. Alles zu den SpielDoch Messen findet ihr hier, alle Infos zum Nostheide Verlag dort.

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bt283 Schlau ist sexy

20. März 2026 um 08:00

Shownotes
Diesmal wird im Beeple Talk ordentlich gekwizt. Dazu haben sich Fabian (Bretter Late Than Never) und Oli (Alles außer Toplisten) die drei Otto Normalos Alex (Brettspielhamster, Spielkulturerbe), Frederik (Boardcast) und Johannes (brettspielministerium.de) eingeladen. Zwei Quizrunden voller nützlichem und unnützem Wissen. Hört rein, ratet mit, viel Spaß!
Gespielt wurden:

KWIZ / Les Editions de base
Otto Normalo / Piatnik

Datum der Aufnahme: 17.03.2026
Online seit: 20.03.2026

Feedback
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Der Beeple Talk ist mit allen Episoden unter dem folgenden Link erreichbar. Ziel ist es, Episoden mit wechselnden Themen rund um Brett- und Kartenspiele zu machen. Zum beeple Talk treffen sich regelmäßig einige Mitglieder von Beeple, dem Brettspiel-Blogger-Netzwerk.
Beeple Talk – Der monatliche Podcast von Beeple – https://www.beeple.de

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Intro/Outro
Epic Song by BoxCat Games

Humanity

Von: Oli
18. März 2026 um 00:30

Humanity macht direkt beim Öffnen einen richtig guten Eindruck. Die Schachtel wirkt wie das Ergebnis einer hochkarätigen Crowdfunding-Kampagne, und spätestens wenn einem ein großformatiges Hardcover-Buch entgegenschaut, das gleichzeitig Anleitung und „Bonusmaterial“ vereint, hat man das Gefühl, hier ein hochpreisiges Erlebnis vor sich zu haben. Das Buch ist hochwertig gestaltet, übersichtlich strukturiert und lädt tatsächlich dazu ein, darin zu schmökern – etwas, das man bei einer Spielregel sonst eher selten sagen kann.


Darunter geht es in gleicher Qualität weiter: Das gesamte Spielmaterial ist (nachdem man es selbst sortiert hat, versteht sich) in kleinen Pappboxen einsortiert, jede Komponente hat ihren festen Platz. Keine Plastiktüten, kein nerviges Vorsortieren von Plättchen – man klappt auf, legt aus und spielt los (und muss aber natürlich am Ende alles wieder sortieren). Diese Verpackungslösung ist nicht nur durchdacht, sondern auch absolut vorbildlich. Andere Verlage könnten sich hier durchaus eine Scheibe abschneiden. So viel Liebe zur Organisation sieht man selten und es erspart einem jegliches Plastik-Insert. Find ich wirklich eine tolle Lösung. Das Spiel selbst bleibt da zunächst etwas nüchtern und eher technisch – viel Symbolik, reduzierte Farbgebung, aber das passt schon sehr zum Thema – auch wenn es sicherlich nicht jeden Geschmack trifft (was tut das schon?). Mich persönlich erinnert es an alte Atari ST- oder 486-Spiele (wenn auch weniger pixelig) und weckt ein wenig Nostalgie in mir. Gleichzeitig ist mir die Optik aber auch ein wenig überladen.

Aber ein gutes Spiel wird nicht durch Optik und Verpackung gemacht, sondern durch gute Mechaniken, die Spielspaß bringen. Mechanisch haben wir im Prinzip einen Worker-Placer mit besonderem Kniff: wir starten alle mit einer Anzahl an Plättchen und bauen damit unsere je eigene Basis nach vorgegebenem Muster zusammen und stellen je zwei Astronauten dazu. Ein jeweils dritter Astronaut steht auf dem zentralen Spielbrett. Dort tummeln sich auch weitere Plättchen. Und schon kann es losgehen: Wer an der Reihe ist und noch Astronauten in der Basis hat, kann damit ein Plättchen („Modul“) in der eigenen Basis aktivieren (um Ressourcen zu bekommen) oder ihn zum zentralen Spielbrett stellen, um im Tausch gegen Ressourcen neue Module zu bekommen (die ich exakt dorthin legen muss, wo vorher mein Astronaut stand) oder ein Experiment durchzuführen (anderes Plättchen, das Boni bringt). Den eigenen Astronauten stellen wir neben den Spielplan, aber in die „Reihe“ (bzw. zu dem Radius), in der das jeweilige Plättchen lag.


Nette Idee, aber in der Handhabung mitunter frickelig: Die Ressourcen sind hier keine Token oder Leisten, sondern werden durch Drehen der Plättchen in der eigenen Auslage gekennzeichnet. Diese sind nämlich an ihren vier Kanten mit 0-3 und dem jeweiligen Symbol bzw. manchmal auch zwei verschiedenen Symbolen gekennzeichnet. So setzen wir nun reihum unsere Astronauten, bis niemand mehr kann oder möchte. Dann werden vom Spielplan ggf. die beiden ersten Module entfernt und jetzt kommt der eigentliche Kniff zum Tragen: Auf dem Spielbrett ist ein „Arm“ montiert, der nun bis zum nächsten vorhandenen Plättchen gedreht wird. Alle Astronauten, die der Arm passiert hat, kommen zurück in ihre Basen. Alle anderen bleiben, wo sie sind – können also in der nächsten Runde nicht eingesetzt werden. Die Rückkehrer müssen allerdings taktisch klug eingesetzt werden, denn nur dort, wo ich sie hinstelle, darf ich später ein Modul bauen. Und dieses „Wo“ ist wichtig, da wir pro gelegtem Quadrat aus vier Plättchen einen Siegpunkt bekommen. Und besteht dieses Quadrat aus lediglich zwei Farben (von vier möglichen), dann bekommt einer unserer Astronauten einen zusätzlichen Energiepunkt. Und Energiepunkte am Astronauten geben wiederrum an, wie viele bzw. auch welche Plättchen ich aktivieren darf, sofern mein Astronaut in der Basis für das Aktivieren genutzt wird.


Nun füllen wir die Auslage wieder auf uns spielen weiter. Können wir die Auslage nicht vollständig auffüllen, endet das „Jahr“. Alle übrigen Experimente werden abgeräumt und wir Öffnen die Schachtel für das nächste Jahr. Dort gibt es viele neue Experimente und Module, die wir in die Auslage legen. Außerdem gibt es eine kleine Wertungsrunde. In Summe spielen wir über drei Jahre und versuchen zusammenfassend, unsere Basis mit vielen sinnvollen Rohstoff-Fabriken auszustatten, Muster zu bilden, Forschung zu betreiben (die hieraus resultierenden Forschungspunkte sammeln wir geheim und werden am Ende in Siegpunkte umgewandelt) und die drei ausliegenden „Missionen“ zu erfüllen, die in jeder Partie variabel ausgelegt werden. Bei denen geht es immer um ein kleines Wettrennen: Wer z.B. als erstes 4 Plättchen diagonal gelegt hat, bekommt 3 Siegpunkte und einen Forschungspunkt. Schafft jemand anderes dann 5 Plättchen in einer Reihe, bekommt diese Person das Plättchen und die drei Siegpunkte und die andere Person verliert die 3 Siegpunkte – darf aber das Forschungsplättchen behalten.

Neben Worker-Placement haben wir also auch klassisches Tableau-Building und ein Wettrennen im All dabei, und das bei verhältnismäßig kompakten Regeln. Die Entscheidungen sind zwar durchaus interessant, aber letztlich nicht allzu tiefgreifend, was die Downtime schön in Grenzen hält. Die Interaktivität hält sich in den klassischen Gefilden eines Spiels mit offenen Auslagen auf: Wir schnappen einander die Sachen weg und kalkulieren vielleicht noch mit ein, ob wir unsere Arbeiter zurückbekommen oder durch das Setzen eines solchen jemand anderem einen zurückgeben. Mehr nicht. Kein Wunder also, dass man es eigentlich auch gut solo spielen kann (auch wenn es dafür keine Regeln gibt - aber eigenen Highscore knacken geht durchaus). Im Kern ist es ein Optimierungsspiel.


Was bleibt also? Nun ja, die Schere zwischen (leicht übertrieben formuliert) „imposanter Ausstattung“ und „klassischer Mechanikkost“ ist hier also recht groß. Humanity macht in den ersten Partien auch durchaus Spaß. Grade die Planung, wann ich meine Astronauten wo einsetze, damit ich sie a) schnell wieder zurückbekomme (und mir das erhaltene Modul trotzdem was bringt) und b) ich sie in der Basis dort einsetze, wo ich weiterbauen will, bringt einen anfangs durchaus zum Nachdenken. Leider sind diese Gedanken aber eigentlich in jeder Partie gleich und die Übersichtlichkeit wird leider nicht mit jeder Partie besser. Was bleibt ist ein netter Euro mit nettem Kniff. Handwerklich durchweg solide, haut am Ende aber halt nicht vom Hocker. Bei weitem also kein reiner „Blender“, absolut nicht. Aber eben auch nicht ganz so golden, wie es glänzt.
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Humanity von Yoann Levet
Erschienen bei MM-Spiele
Für 2-4 Spielende in 90 Minuten ab 14 Jahren
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Massenweise Monster

13. März 2026 um 16:00

Lookout Spiele, Asmodee, 2026
Autor: Michael Luu
2-5 Spieler:innen, ab 10 Jahre, 20 Minuten

Stellt euch vor, tief unter der Erde ist es den Monstern langweilig geworden. In einer verlassenen Mine beschließen sie deshalb, etwas Unterhaltung zu schaffen. Eine gruselige Geisterbahn soll her, mit wilden Kurven, knarrenden Strecken und möglichst vielen schaurigen Kreaturen entlang der Strecke. Genau hier setzt „Massenweise Monster“ an. In diesem charmant illustrierten Legespiel helft ihr einer bunten Monstertruppe dabei, eine möglichst beeindruckende Geisterbahn durch den Stollen zu bauen. Auf euren persönlichen Spielplänen entsteht Stück für Stück eine Strecke, auf der sich unterschiedlichste Kreaturen tummeln. Skelette, Fledermäuse, Schleime und viele weitere Wesen haben dabei alle ihre eigenen Vorlieben. Manche mögen Gesellschaft, andere fühlen sich lieber allein wohl. Eure Aufgabe besteht darin, ihre Wünsche möglichst geschickt unter einen Hut zu bringen. Das Thema wirkt bewusst verspielt und leicht schräg. Statt düsterer Horroratmosphäre erwartet euch eine humorvolle Monsterwelt mit niedlichen Illustrationen. Dadurch wirkt das Spiel sofort zugänglich und lädt auch weniger erfahrene Spieler:innen ein, sich an das Puzzle zu wagen.

In einer Partie baut jede Person auf ihrem eigenen Tableau eine kleine Geisterbahn aus neun Plättchen. Diese werden nach und nach in mehreren Runden ausgewählt und in ein Raster gelegt. Jedes Plättchen zeigt Gleisstücke und eine Auswahl an Monstern. Ziel ist es, eine möglichst punktreiche Kombination zu erschaffen. Der Kniff liegt in der Auswahl der Plättchen. Die Teile werden nach und nach aufgedeckt. Ihr könnt sie sofort nehmen oder erst einmal warten und hoffen, dass etwas Besseres auftaucht. Dadurch entsteht ein kleines taktisches Abwägen. Greift ihr jetzt zu oder riskiert ihr, dass euch jemand anderes das passende Teil wegschnappt? Beim Einbauen der Plättchen dreht sich vieles um die unterschiedlichen Monsterarten. Einige bringen Punkte, wenn sie in Gruppen auftreten, andere möchten nicht direkt neben ihresgleichen liegen. Wieder andere profitieren von bestimmten Streckenformen oder von Symbolen auf den Plättchen. Gleichzeitig soll eure Geisterbahn möglichst sinnvoll verbunden sein, denn auch durchgehende Strecken und Türen am Rand bringen Punkte. Am Ende der Partie zählt ihr eine ganze Reihe verschiedener Wertungen zusammen. Wer die Monsterwünsche am besten erfüllt und gleichzeitig eine clevere Streckenführung gebaut hat, gewinnt.

„Massenweise Monster“ fühlt sich am Tisch wie ein lockeres Denkspiel an, das sich schnell erklärt und zügig spielt. Eine Partie dauert meist rund zwanzig Minuten und bleibt dadurch angenehm kurz. Die Entscheidungen sind trotzdem überraschend spannend, weil ihr ständig abwägen müsst, ob ihr ein gutes Plättchen sofort nehmt oder auf eine bessere Gelegenheit hofft. Besonders gefällt die Vielfalt der Monsterwertungen. Jedes Wesen bringt eine andere kleine Aufgabe mit. Dadurch entsteht ein Puzzle, bei dem ihr mehrere Ziele gleichzeitig verfolgen müsst. Trotz der einfachen Grundregeln entsteht so ein angenehmes Maß an Grübelei. Die Interaktion bleibt allerdings eher indirekt. Ihr beobachtet zwar, welche Plättchen die anderen gebrauchen könnten, aber echte direkte Eingriffe gibt es kaum. Wer stark auf gegenseitiges Ärgern oder taktische Konfrontation steht, könnte das Spiel deshalb etwas ruhig finden. Sehr gelungen ist die Gestaltung. Die Illustrationen sind bunt, freundlich und voller kleiner Details. Die Monster wirken eher knuffig als gruselig, was gut zur lockeren Atmosphäre passt. Die Plättchen sind stabil und liegen angenehm in der Hand. Insgesamt macht das Material einen langlebigen Eindruck. Durch die kurze Spieldauer und die einfachen Regeln eignet sich das Spiel besonders gut für Familien, Gelegenheitsspieler:innen und Runden, die ein schnelles Denkspiel für zwischendurch suchen. Auch als Einstieg in Legespiele funktioniert es hervorragend. Vielspieler:innen könnten sich hingegen etwas mehr strategische Tiefe wünschen. Am Tisch entsteht meist eine Mischung aus konzentriertem Puzzeln und kleinen Momenten der Schadenfreude, wenn jemandem genau das perfekte Plättchen vor der Nase weggenommen wird. Wenn ihr kurze, zugängliche Denkspiele mögt und Spaß daran habt, ein kleines Monsterchaos möglichst effizient zu ordnen, werdet ihr mit „Massenweise Monster“ viel Freude haben.

Heimliche Herrschaft

Von: Oli
12. März 2026 um 00:30

Social Deduction ist ja nicht erst seit dem Knallertitel Blood on the Clocktower ein beliebtes Genre. Oft aber eben nur für größere Gruppen mit ordentlich Zeit im Gepäck. Kleinere Titel wie Werwölfe Vollmondnacht gibt es zwar auch und sind durchaus auch spaßig, erreichen aber natürlich niemals den gleichen „Eventcharakter“. Neben diesen beiden Vertretern gibt es aber auch Titel, die nicht allein auf Social Deduction setzen, sondern es in andere Mechaniken einweben. Das deduktive Element kommt hier dann meist durch geheime Ziele oder Rollen ins Spiel und das ganze driftet dann nicht selten auch ein wenig in Richtung Bluffspiel. So ein Titel ist auch Heimliche Herrschaft.

Zu Beginn des Spiels, das sogar zu zweit schon gut (aber besser aber auch chaotischer mit mehreren Mitspielenden) funktioniert, ziehen wir geheim eine Rollenkarte. Dort erfahren wir, mit welchen beiden Fraktionen (aus insgesamt 4) wir verbündet sind. In der Tischmitte liegt ein kleines Spielbrett mit einer Leiste und einem roten und einem grünen Marker, dazu ein Stapel Charakterkarten („Hafen“) mit einer kleinen Auslage („Taverne“) und einem offenen Ablagestapel („Friedhof“). Nun ziehen wir alle jeweils fünf dieser Karten. Eine legen wir verdeckt vor uns ab (unsere erste „Gruppe“), einen legen wir verdeckt auf einen zweiten Abwurfstapel („Wildnis“) und die übrigen drei behalten wir auf der Hand. Schon geht es los. Wer an der Reihe ist muss vier Aktionen in einer festen Reihenfolge abhandeln: 1. Entweder eine Karte für ihren Effekt ausspielen oder bis zu drei Handkarten verdeckt auf die Wildnis legen, danach aus Taverne und/oder Hafen auf vier Karten aufziehen, dann (wieder) eine Karte auf die Wildnis legen und anschließend ggf. die Taverne wieder auffüllen. Das Spiel endet, sobald eine Person die für die gegebene Anzahl an Mitspielenden festgelegte Anzahl an Charakterkarten offen vor sich ausliegen hat. Dann schauen wir, welche der vier Fraktionen siegreich war (= wo die beiden Marker auf dem Spielbrett in Relation zu einander und zur Leiste stehen) und es gewinnt, wer mit dieser Fraktion verbündet war. War niemand mit ihr verbündet, verlieren alle gemeinsam, sind mehrere Personen mit ihr verbündet, entscheiden drei unterschiedliche Tie-breaker (meiste Charaktere dieser Fraktion – insgesamt wenigsten Charaktere – Rollenkarte mit höchster Zahl) über Sieg und Niederlage.


Klingt simpel aber unvollständig? Stimmt. Denn es ist eine rein mechanische Beschreibung. Das eigentliche Salz in der Suppe sind natürlich die Effekte der ausgespielten Karten. Über die Karten werden einerseits der grüne und der rote Marker bewegt oder andere Karten „manipuliert“. Das können eigene Karten, aber auch die Karten der anderen Mitspielenden sein. Zu den Effekten gehört das Ausspielen weiterer Karten (ohne Effekt), das Vergraben (Ablage auf dem Friedhof), Abwerfen (Wildnis), Tauschen, Ziehen oder eben auch das Umdrehen (auf-/zudecken) von Karten.

Soweit die Regeln, die sich sehr schnell erklären lassen. Was sich hieraus vielleicht schon herauslesen lässt: Heimliche Herrschaft ist kein „nettes Beisammensein“ und auch kein Nebeneinander, sondern ein sehr direktes, hoch interaktives Spiel. Ein durchaus auch gemeines Spiel. Und doch ein Spiel, bei dem man immer aufpassen muss, was man eigentlich von sich offenbaren möchte. Denn wenn ich meine Ziele knallhart verfolge, dann bekommen die anderen durchaus mit, für welche Fraktion ich bin. Wenn sie das wissen oder erahnen, können sie mich sabotieren. Oder noch wilder: sie können mich unterstützen, weil sie die gleiche Fraktion unterstützen, aber Vorkehrungen treffen, um den resultierenden Gleichstand zu ihren Gunsten zu entscheiden. Ich kann alle anderen aber auch gezielt in die Irre führen, da ich ja zwei Fraktionen unterstütze. Und dann offenbare ich halt die eine, damit alle anderen denken, dass sie mich da sabotieren müssen, während ich im Geheimen eigentlich die andere Fraktion befeuere. Aber vielleicht können sie sich auch denken, dass ich so denke und denken sich dann ebenfalls etwas aus, weil sie denken, dass ich denke, dass sie denken. Dieses „indirekt-direkte“ passt natürlich zu Social Deduction, nur dass wir hier eben nicht mit irgendwelchen Verdächtigungen um uns werfen müssen, sondern ganz still und taktisch spielen können. Aber wie es sich für solche Spiele gehört, ist der Trash Talk natürlich nicht weit entfernt und wird schnell zu einem festen Bestandteil des Spielgefühls und alle versuchen sehr schnell, alle anderen geschickt zu manipulieren.


Und so ist es bei Heimliche Herrschaft wie bei vielen anderen Vertretern dieses Sub-Genres: Mit der richtigen Gruppe ist das Spiel eine richtig tolle Gaudi. Mit einer Gruppe, die keine Lust auf direkte Interaktion oder Trash Talk hat, kann es zum stumpfen Kartenablegen oder tränenden Augen kommen und der Spielspaß liegt im offenen Ablagestapel. Dadurch, dass alle Mitspielenden sich gegenseitig beeinflussen, sind langfristige Strategien zur Erfolglosigkeit verdammt und es gilt immer, sich der Willkür der Mitspielenden zu erwehren und sich von den ganzen Bluffs am Tisch nicht verwirren zu lassen. Das muss man wissen und verkraften können. Aber das ist nun mal auch Teil des Genres. Durch die knackige Spielzeit von maximal 30 Minuten, kann man das in der eigenen Gruppe aber recht schnell testen und notfalls war es vielleicht ein nicht so toller Absacker. Bei Erfolg ist die Revanche aber im Handumdrehen vorbereitet. Und das ist genau das, was ich an dem Spiel so toll finde: Es weckt all diese Emotionen und Gedanken, die man bei den großen Social Deduction Spielen hat, aber komprimiert die Spielzeit auf einen Absacker, ohne dass es einem zu schnell geht oder zu wenig interaktiv ist, wie das bei den kleinen Ablegern manchmal so ist. Ein wirklich tolles Spiel für Viel- und Wenigspielende, für Alt und Jung und einfach alle, die sich nicht so schnell verärgern lassen. Das einzige, was ich zu kritisieren hätte, wäre die Schachtelgröße, da eine halb so große Packung auch gereicht hätte, aber da diese ohnehin zu den kleineren Schachteln gehört, ist das nicht all zu dramatisch.

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Heimliche Herrschaft von Andreas Müller, Markus Müller, Raphael Stocker
Erschienen bei Board Game Circus
Für 2-6 Spielende in 20-40 Minuten ab 10 Jahren
sämtliche Bilder sind von uns selbst erstellt oder vom jeweiligen Pressematerial des Verlages (hier Board Game Circus)
*es handelt sich um einen Affiliate-Link. Für Euch entstehen keine zusätzlichen Kosten, wir erhalten eine kleine Provision.

111 Friendly Games mit Anke & Mic

Interview mit Anke & Mic von Friendly Games

Anke und Mic sind die beiden Personen hinter dem neuen Brettspielverlag Friendly Games. Sie verraten uns Details über ihre ersten Spiele, ihre Erwartungen und die Ideen hinter Friendly Games.

Mehr Infos zum Portfolio von Friendly Games erhaltet ihr auf ihrer Internetseite und auf Instagram.

Wenn euch gefällt, was wir machen, sagt es weiter. Unsere Homepage mit Infos und Rezensionen. Hier geht es übrigens zu unserem Zuhause im Beeple-Netzwerk

Mit Wumms rein in und raus aus den Podcast geht es mit 'Rockstar Trailer' von _LiteSaturation, findet ihr genau hier auf Pixabay.com, genau wie alle eingebauten Soundeffekte.

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#55 Massenweise Zeuch

Anonyme Ludoholiker – Folge 55

Massenweise Zeuch

Diesmal sind Stephan und Oli zu zweit am Mikro – und auf dem Tisch liegt… naja, massenweise Zeug. Von schnellen Party- und Familienspielen bis hin zu etwas taktischeren Titeln ist alles dabei, was in letzter Zeit bei uns gelandet ist.

Wir schätzen bei Schätz it Junior, bieten uns um Kopf und Kragen bei Biddle, begegnen flauschigen Alpakas, stellen uns einer massenweisen Monster-Flut und gehen mit Trekking – Reise um die Welt sowie Marajoara noch auf zwei sehr unterschiedliche spielerische Reisen.

Wie immer gibt’s ehrliche Eindrücke, kleine Abschweifungen und die Frage, welche dieser Spiele wirklich einen Platz am Spieltisch verdienen.


👉 Kennt ihr eines der Spiele schon oder hat euch eines besonders neugierig gemacht? Schreibt uns auf Instagram ⁠⁠⁠@anonymeludoholiker⁠⁠⁠⁠⁠⁠⁠⁠⁠⁠ oder kommentiert bei Spotify/Apple Podcasts!


Schätz it Junior, Biddle, Alpaka, Trekking und Massenweise Monster wurden uns als kostenlose Rezensionsexemplare zur Verfügung gestellt. Marajoara wurde mit einem Presserabatt erworben.

Wir gehen mit Rezensionsexemplaren transparent und verantwortungsvoll um. Wir freuen uns über die Möglichkeit, neue Spiele zu testen, und geben stets unsere ehrliche Meinung ab, unabhängig davon, ob das Spiel als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt wurde. Dabei legen wir Wert auf Fairness und Objektivität – unser Fokus liegt immer darauf, unseren Zuhörern einen authentischen Eindruck des Spiels zu vermitteln.


(00:28) Begrüßung

(01:50) As d'or

(13:05) Schätz it Junior

(21:01) Biddle

(33:17) Alpaka

(44:31) Massenweise Monster

(57:33) Trekking Reise um die Welt

(75:12) Marajoara

(93:17) Verabschiedung

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Memo Mission

06. März 2026 um 16:00

Pegasus Spiele, 2023
Autoren: Christopher Garbe und Patrick Russell
2-4 Spieler:innen, ab 6 Jahre, 15-30 Minuten

Ihr sitzt am Tisch, vor euch liegt ein Raster aus verdeckten Plättchen. Irgendwo darunter verstecken sich ein Drache, eine Hexe, ein Zauberstab oder ein geheimnisvoller Ort. Gleichzeitig warten mehrere kleine Aufträge darauf, erfüllt zu werden. Vielleicht sollt ihr zuerst eine kleine Hexe finden, danach einen Burger im Schloss und schließlich einen bestimmten Gegenstand. Die Herausforderung besteht darin, all diese Motive in genau der richtigen Reihenfolge aufzudecken. Genau darum dreht sich alles in „Memo Mission“. Das Kinderspiel entführt euch in das märchenhafte Land Fabulantica und verbindet das bekannte Gedächtnisspiel mit kleinen Abenteuergeschichten. Auf den Missionskarten sind mehrere Motive abgebildet, die zusammen eine kleine Szene ergeben. Diese Bilder müsst ihr im großen Plättchenraster finden und zwar in der vorgegebenen Reihenfolge. Schafft ihr das, erhaltet ihr Kristalle als Belohnung. Wer zuerst genug davon sammelt, gewinnt. Der Clou ist die Mischung aus klassischem Merken und kleinen Aufträgen. Statt einfach nur zwei gleiche Bilder zu suchen, verfolgt ihr konkrete Ziele. Dadurch entsteht eine Art Schatzsuche im Gedächtnisformat, die besonders für jüngere Spieler:innen sofort verständlich wirkt.

Zu Beginn liegen 25 verdeckte Plättchen in einem Raster in der Tischmitte. Daneben liegen mehrere Missionskarten offen aus. Jede Mission zeigt zwei bis vier Motive, die ihr nacheinander entdecken müsst. Gleichzeitig merkt ihr euch natürlich, welche Bilder bei den Zügen der anderen aufgedeckt werden. Wenn ihr an der Reihe seid, deckt ihr ein Plättchen auf. Zeigt es das erste Motiv einer der ausliegenden Missionen, dürft ihr weitersuchen. Nun gilt es, das nächste passende Motiv aufzudecken. Gelingt euch die komplette Reihenfolge, habt ihr die Mission erfüllt und kassiert Kristalle. Taucht jedoch ein falsches Bild auf, endet euer Zug sofort und alle Plättchen werden wieder umgedreht. Eine kleine taktische Ebene bringen die Zaubertränke ins Spiel. Jede Person besitzt einige davon und darf sie einmalig einsetzen. Damit könnt ihr zum Beispiel heimlich Plättchen ansehen oder euch aus einer schwierigen Situation retten. Gerade in Momenten, in denen ihr euch nicht ganz sicher seid, können diese Tränke das Blatt wenden. Im Laufe einer Partie entsteht so ein stetiges Wechselspiel aus Erinnern, Risiko und Beobachten. Ihr verfolgt eure eigenen Missionen, merkt euch gleichzeitig die Entdeckungen der anderen und überlegt ständig, ob ihr euch noch einen weiteren Versuch zutraut.

Das Besondere an „Memo Mission“ ist die kleine Erweiterung des klassischen Memory-Prinzips. Da jedes Motiv nur einmal vorkommt und ihr Reihenfolgen erfüllen müsst, fühlt sich das Ganze deutlich dynamischer an als ein traditionelles Gedächtnisspiel. Besonders schön ist, dass ihr die entdeckten Informationen langfristig nutzen könnt. Ein einmal gemerktes Plättchen kann später erneut wichtig werden. Am Tisch sorgt das häufig für lebhafte Situationen. Kinder erinnern sich plötzlich an ein Motiv aus mehreren Runden zuvor, während Erwachsene versuchen, ihre Gedächtnislücken mit Zaubertränken zu kaschieren. Dadurch entsteht eine Mischung aus konzentriertem Grübeln und fröhlichem Wettstreit. Das Material macht einen guten Eindruck. Die Plättchen sind stabil, die Illustrationen farbenfroh und klar erkennbar. Die märchenhafte Gestaltung lädt gerade jüngere Spieler:innen dazu ein, sich kleine Geschichten zu den Missionen auszudenken. Zusätzlich enthaltene Blanko-Missionen mit Stickern erlauben sogar eigene Aufgaben, was für Abwechslung sorgen kann. Allerdings bleibt das Spielprinzip klar im Bereich der Gedächtnisspiele. Wer Memory grundsätzlich langweilig findet, wird auch hier kaum überzeugt werden. Zudem haben Kinder durch ihr oft stärkeres Erinnerungsvermögen nicht selten einen Vorteil gegenüber Erwachsenen. Als Familien- und Kinderspiel funktioniert das Ganze jedoch sehr gut. Die Regeln sind schnell erklärt, eine Partie dauert selten länger als eine halbe Stunde und die Mischung aus Glück, Erinnerung und kleinen Sonderfähigkeiten sorgt für überraschende Momente. Wenn ihr einfache, zugängliche Spiele mögt, bei denen Kinder und Erwachsene gemeinsam tüfteln und lachen können, werdet ihr mit „Memo Mission“ viel Freude haben.

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