Wo geht’s hier zum Ausgang?! – No. 62

Tags: #Back Tales | #Behind | #Deckscape | #Unlock

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MB präsentiert – GONG! Wenn auch du jetzt plötzlich wohlige Erinnerungen an früher hast, dann ist dieses Video genau das richtige für dich. Begleite Christian und Robert auf eine Reise in die Vergangenheit. Als der Wohnzimmerboden noch für abenteuerliche Brettspiele genutzt wurde (und wir danach einfach so wieder aufstehen konnten). Als die Regeln noch mit der beiliegenden Anleitung erahnt und nicht anhand von Videos erklärt wurden. Als wir noch von Mund zu Mund Brettspielwissen weitergegeben und dabei die ein oder andere Regel verbogen haben. In diesem Video reisen wir zurück […]

Aquaria im Replay! In dieser Brettspiel Rezension werfen wir einen genauen Blick auf Aquaria, ein Brettspiel für Kenner, in dem ihr euer ganz persönliches Aquarium bestückt. Neben der genauen Planung eurer Aktionen solltet ihr auch immer einen blick auf eure Mitspielenden haben. Denn nur mit dem richtigen Timing könnt ihr verhindern, dass diese euch wichtige Aktionen und Boni wegschnappen. Diese Rezension erklärt, wie Aquaria funktioniert, welche Mechaniken das Brettspiel prägen und ob es sich lohnt das Spiel auszuprobieren. Neben den groben Regeln erfahrt ihr hier, was das Spiel ausmacht, welche […]
Aquaria trifft genau den Nerv – entspannt, clever, großartig

Es hätte auch wirklich jedes andere Spiel im gemeinsamen Erstkontakt sein können. Ebenso jede andere Spielrunde, der ich mich angeschlossen hatte, um das vergessene Eurogame rund um Rohstoffabbau auf dem Mond kennenzulernen. Mit 120 Minuten Spielzeit angegeben, war ich fast vier und eine halbe Stunden ohne Erklärung damit beschäftigt, eine Kolonie auf dem Erdtrabanten zu errichten und Siegpunkte zu scheffeln. Leider für mich gefühlt zu lang.
Erstpartien können gerne länger dauern als die Spieleschachtel verspricht. Kein Problem für mich, denn jeder muss ja auch erstmal ins Spielgeschehen abtauchen und die zugrunde liegenden Mechanismen verstehen lernen. Eine fast doppelt so lange Spielzeit wie angegeben ist da durchaus keine Seltenheit. Ich bin da völlig ok mit, ganz entspannt ein neues Brettspiel kennenzulernen und nehme mir ebenso gerne die Zeit dafür. So rede ich es mir zumindest ein.
In der erlebten Realität stelle ich inzwischen bei mir eine gewisse und auch unangenehme Ungeduld fest. Immer dann, wenn es in einer Partie nicht so recht vorangeht und ich das subjektive Gefühl habe, dass mein aktiver Anteil am Gesamtgeschehen nur einen Bruchteil ausmacht. Meine mitgespielte Erstpartie Luna Maris in Vollbesetzung von vier Spielern war da genau so ein Extremerlebnis. Erstpartien spiele ich persönlich gerne flott – einfach mal machen und schauen, was so passiert. Mein Ehrgeiz, im ersten Anlauf schon eine perfekte Partie hinzulegen, die ist eher gering ausgeprägt. Klar verknotet sich dann und wann auch mal mein Gehirn, weil ich mich in einer Entscheidung sehe, die ich mal so gar nicht überblicken kann. Aber diese Situationen versuche ich, zu vermeiden oder mindestens zu minimieren. Aus Rücksicht auf meine Mitspieler, die nicht warten zu lassen und mir beim Denken zuzuschauen.






Doch halt mal! Soll das etwa heißen, dass ich mich hier gerade über rücksichtslose Mitspieler öffentlich beklage und die anklage, mir meine Freizeit zu stehlen? Weil die es sich herausnehmen, länger als ich über einen Zug nachzudenken? Weil die eventuell eine Motivation für ihre Erstpartie haben, die von meiner eigenen abweicht? Weil die es gar genießen, über knifflige Situationen zu grübeln und sich dafür die nötige Zeit zu gönnen? Wenn ich ganz tief in mich hineinblicke und ehrlich zu mir selbst bin, dann muss ich zumindest einen Teil dieser als Fragen formulierten Anklagen mit „ja, schuldig“ beantworten und fühle mich dabei schlecht, weil egoistisch auf mich bezogen.
Dabei ist Brettspielen doch eine gemeinsame Freizeitbeschäftigung, ein Hobby, das fernab für mich langweiliger Solo-Partien nur wirklich und wirklich nur in Gemeinschaft funktioniert. Einer Gemeinschaft, in der ich auf meine Mitspieler mit all ihren Besonderheiten eine gewisse Rücksicht nehmen sollte, weil ich das auch von denen mir gegenüber erwarte. Nur so entsteht für mich eine entspannte Spielatmosphäre am Tisch. Und schon wieder blicke ich aus meiner Egosicht heraus und auf die Anderen. Teilweise sogar herab, wenn ich mich aufgrund deren Spielweise im Laufe der Partie beginne, selbst zu nerven. Weil die so lange brauchen und über scheinbar banale Entscheidung so lange grübeln, während in mir eine unangenehme Unruhe anwächst, dass es doch bitte weitergehen soll im Spielablauf. Sodass hoffentlich ein Spielfluss entsteht und kein dauerndes Stocken im Spannungsbogen, der sich so erst gar nicht für mich entfalten kann.






Luna Maris, aus dem Jahr 2022 und vom Autor Ricardo Amaral erdacht, hat von seinem ganz speziellen Spielablauf arg ungünstige Voraussetzungen. Wir sind reihum an der Reihe und machen eine oder maximal zwei Aktionen mit unserer Forscherkarte, die wir ausspielen. Dafür geben wir Sauerstoff aus und Energie und müssen uns überlegen, auf welchen Wegen wir durch die Mondkolonie laufen, um Umwege zu vermeiden und unsere Aktionen in eine sinnvolle Reihenfolge zu bringen. Unsere Kartenhand sowie unser Rohstoffvorkommen, die Position der Mitspieler auf dem Spielbrett und die gemeinsam ausliegenden Aufträge schränken uns dabei ein und verleiten zum Grübeln, bis der optimale aller möglichen Züge gefunden ist.
Das kann durchaus bei drei Mitspielern jeweils so fünf Minuten dauern. Ich selbst bin im ungünstigsten Fall erst eine Viertelstunde später wieder am Zug und ernähre nur meine Forscher. Eine Art Rückholzug, in dem ich Nahrungskarten ablege und meine vorab ausgespielten Forscherkarten wieder zurück auf die Hand nehme. In weniger als 10 Sekunden bin ich damit durch und weiß eigentlich schon längst, welchen Forscher ich in meinem nächsten Zug ausspielen will, weil genau deshalb habe ich den ja zusammen mit anderen Forschern zurückgeholt. Bis es allerdings soweit ist und von mir in die Tat umgesetzt werden kann, können durchaus wieder weitere 15 Minuten vergehen. Ausreichend Zeit für eine Raucherpause. Blöd nur, dass ich nicht rauche. Wenn zudem meine Blase längst entleert ist und ich mich ausreichend an Snacks satt gegessen habe, dann sitze ich herum und merke, wie eine erhofft entspannte Partie in nervige Ungeduld kippt.






Da bist Du aber selbst schuld, möchte ich mir selbst entgegnen. Habe ich mich doch freiwillig in diese Situation gebracht. Woher soll ich auch wissen, dass meine mir überwiegend unbekannten Mitspieler ein ganz anderes Zeitempfinden beim Brettspielen haben als ich selbst? Weil die hatten durchweg ihren Spaß trotz der vier und eine halbe Stunde für die Partie. So gut ich Luna Maris durchaus finde, für diese für mich überlange Spielzeit trägt es einfach nicht für mich. So weiß ich inzwischen, dass ich kein Brettspielen in gefühlter Zeitlupe mag. Gehetzt soll sich bitte niemand fühlen, aber flott spielen wäre doch nett, besonders in einer Erstpartie.
In dieser Zeit hätte ich Luna Maris bevorzugt zweimal gespielt. Einmal als Kennenlernpartie und dann als Revanche mit den angesammelten Erfahrungen gleich nochmal. In meiner Spielpraxis kommt das aber fast nie vor. Also wird mir wohl nichts übrig bleiben, mich damit abzufinden oder nur noch arg selektiv in zertifizierte Schnellspielerrunden unterwegs zu sein, wo ich dann sogar als Langsamspieler verschrien wäre. Oder ich meide in Zukunft bei Eurogames mit Optimierfaktor neue Spiele und neue Mitspieler, um da auf Nummer sicher zu gehen. Nur würde mir das eine Menge an der Faszination Brettspiel nehmen und mich selbst einschränken.







Ach ja, am Ende war ich bei Luna Maris siegreich auf Platz 1 in der abschließenden Wertung. Nicht weil ich überlegen gespielt habe, sondern weil ich in meinem letzten Zug noch drei zusätzliche Nahrungskarten einsammeln und somit zweimal acht Siegpunkte einstreichen konnte. So viel wie einer der größten Aufträge wert ist. Aber dazu fehlte mir Helium-3 als Ressource, weil das hatte ich das ganze Spiel über nicht produziert. Gab ausreichend anderes für mich zu tun in diesem Sandkasten der Möglichkeiten. Nochmal spielen? Gerne, aber bitte nicht nochmals vier und eine halbe Stunde lang.
Viele spannende Familienspiele-Neuheiten wurden für 2026 bereits vorgestellt, unter anderem auf der Spielwarenmesse in Nürnberg. Ich liste in meiner Vorschau die Top 10 Familienspiele 2026 auf, die ich am spannendsten finde. Ich bin sehr gespannt zu erfahren, auf welche Familienspiele ihr euch freut. Top 10 Familienspiele 2026 – Vorschau Um mit der Familie, mit Kindern […]
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Spiele können auf unterschiedliche Art und Weise unterhalten. Ein Teilbereich ist das Segment, dass ich mal mangelns alternativer Begrifflichkeiten als “Brettspiel-Doku” bezeichnet habe: Das Spiel befasst sich mit einem konkreten Thema, so dass sich die Spielenden ebenfalls mit dem Gegenstand auseinandersetzen können. Dies geschieht vor allem im Bereich der sogenannten “Historischen Spiele”, die eine sehr […]
Heute startet eine neue Serie, auf die ich schon länger Bock hatte. Ich schaue mir nach und nach die Brettspiele jenseits Platz 1000 auf Board Game Geek gemeinsam mit euch an auf der Suche nach Hidden Gems. Heute geht es mit den Plätzen 1001 bis 1025 los und ich bin sehr gespannt auf eure Meinung […]
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LIMIT lehrt: Alles auf der Welt ist begrenzt. Für mich ist das eine großartige Nachricht, hatte ich doch befürchtet, die Einleitungslosigkeit dieses Blogs könnte zu einem klitzekleinen Teil auch mit meiner Faulheit zusammenhängen. In Wahrheit sind aber nur die Weltressourcen an Einleitungen aufgebraucht. Kannste nix machen.
Wie geht LIMIT? Wir sind Anführer:innen von Nationen in der Zeit zwischen 1850 und 2060. Ein großes Territorium, eine große Bevölkerung und ein hoher Lebensstandard bringen uns die meisten Punkte ein.
Jedoch: Territorium gewinne ich nur, indem ich es anderen wegnehme, und das kommt üblicherweise nicht gut an. Eine große Bevölkerung verbraucht viele Ressourcen, bei deren Herstellung ich die Umwelt schädige und rare fossile Energie verbrauche. Und je höher der Lebensstandard, desto anspruchsvoller werden die Konsumwünsche meines Volkes. Alles in allem: ein fieser Teufelskreis. Und ziemlich genau unsere Situation auf der Erde. LIMIT folgt den Gedanken des berühmten Berichts des Club of Rome „Die Grenzen des Wachstums“ aus dem Jahr 1972.
1850 ist meine Nation noch vorindustriell. Meine Bevölkerung, die Produktion und der Lebensstandard sind niedrig. Ich besitze ein bisschen Geld und vier Handkarten. In jeder der sieben Spiel-Generationen darf ich von einem meiner drei Decks (Gesellschaft, Produktion, Armee und Wirtschaft) fünf (oder später mehr) Karten ziehen und eine (später zwei) davon behalten.
Reihum spielen wir dann unsere Karten aus, bis wir nicht mehr wollen oder es nicht mehr finanzieren können, denn etliche Karten kosten eine Gebühr. Mit teurer „Schulbildung“ erhöhe ich die Lebensqualität, mit „Zuschlag“ erhebe ich Sondersteuern, was mir mehr Geld bringt, aber die Unzufriedenheit in der Bevölkerung wachsen lässt, mit „Polizeilicher Repression“ sorge ich wieder für Ruhe. Und so weiter. Es gibt insgesamt 37 Karten. Jede:r besitzt dasselbe Deck.
Nach der Kartenphase arbeiten wir eine mehrstufige Tabelle mit Handlungsanweisungen ab. Etwa müssen wir unsere Bevölkerung ernähren, wir müssen die Konsumwünsche befriedigen, wir nehmen Steuern ein, und all das wirkt sich irgendwie auf den Reichtum, die gesellschaftliche Stabilität, die Umwelt und den Weltfrieden aus. Je nach Lebensstandard meines Volkes ändern sich die Wechselbeziehungen.
Umweltsünden bringen mir Verschmutzungstoken, Aggressionen bringen mir Destabilisierungstoken. Ist der Vorrat dieser Token aufgebraucht, stürzt die Welt in eine ökologische oder militärische Krise, was uns allen nicht gut bekommt, der hauptverantwortlichen Nation aber am schlechtesten. Eine Finanzkrise gibt es immer dann, wenn zu viel Geld im Umlauf ist.
Was passiert? Gäben sich alle mit mittelgroßen Bevölkerungen und moderatem Wohlstand zufrieden, käme man ohne Krise durch die Partie. Aber natürlich will man gewinnen und somit doch ein kleines bisschen mehr von allem haben als die anderen. Das geht ein paar Generationen lang gut. Aber irgendwann kollabiert das System, und ich kann nur hoffen, dass die Folgen der Krise mich nicht so sehr betreffen wie die anderen.
Wie man nahezu unweigerlich auf Katastrophen zusteuert, ist spielerisch und auch emotional sehr beeindruckend. Ich habe in den LIMIT-Partien das Gefühl, etwas zu spielen, das tatsächlich so in der Realität vor sich geht. Mehrfach haben Spieler:innen geäußert, LIMIT sei „krass“. Und man fragt sich: Wenn die Verspielung der Realität als krass empfunden wird: Wie ist dann die Realität?
Wir stecken in erheblichen Zwängen. Am Anfang wächst die Bevölkerung rasant, ohne dass ich etwas dagegen tun kann. Ab einem gewissen Wohlstand allerdings stagniert die Geburtenrate abrupt, selbst wenn mir das gar nicht lieb ist. Will ich irgendwas mit positiver Langfristwirkung tun, etwa den „Vegetarismus“ durchsetzen, murrt das Volk. Will ich „Humanitäre Hilfe“ leisten, kostet das sehr viel Geld, das am besten von mehreren Nationen gemeinsam aufgebracht wird. Aber wer gibt wie viel? Und wo, verdammt, kriege ich fossile Energie her, wenn es am Weltmarkt nichts mehr gibt?
Die Zwänge steigen noch durch meine geringe Flexibilität. Meine Kartenhand und damit meine Möglichkeiten ändern sich erschütternd langsam. Pro Generation nehme ich anfangs nur eine neue Karte in mein Blatt. Und ich muss mich auch noch entscheiden, von welchem Deck ich ziehe. Nehme ich das Gesellschaftsdeck, bedeutet das den Verzicht auf eine Produktionskarte. Dabei hätte ich doch beides so gerne.
Unter den gezogenen fünf Karten ist dann möglicherweise noch nicht mal die, die ich am liebsten hätte. Ich benötige zwei der sieben Spielgenerationen, um überhaupt mal alle Karten eines Decks gesehen zu haben. Und dann habe ich noch keine Karte eines anderen Decks gesehen. – Ach, und das Handkartenlimit! Schon ab der zweiten Genration habe ich üblicherweise mehr Karten, als ich haben darf, und muss von meinen knappen Aktionskarten auch noch wieder welche unter den Stapel stopfen! Was gut überlegt sein sollte: Denn diese Karten tauchen lange nicht wieder auf.
Obwohl wir in LIMIT nur wenige Aktionen durchführen und vieles dann in der Auswertungsphase per Tabelle automatisch (also theoretisch schnell) abgehandelt wird, lag die Spieldauer in meinen Partien höher als die angegebenen 40 Minuten pro Person. Die Folgen von Fehlentscheidungen sind gravierend, teilweise irreparabel, da neigen viele zum Grübeln. Wegen des Kartenlimits muss man bei Rundenbeginn zudem schon die gesamte Runde durchplanen.
Hinzu kommt der Optimierungsbedarf. Man rechnet herum, ob die Ressourcen und das Geld reichen und wie viele Waren man am Weltmarkt zu welchem Preis kaufen oder verkaufen sollte. In den ersten Partien ist man obendrein noch sehr damit beschäftigt, die Karten überhaupt kennenzulernen. Um sinnvoll entscheiden zu können, aus welchem Deck ich ziehe, muss ich mich vorab informieren, welche Karten wo zu finden sind.
Was taugt es? Von den Zwängen aufgrund äußerer Umstände erinnert mich LIMIT an WEIMAR. Es ist ein Spielerlebnis, das man sich meiner Meinung nach nicht entgehen lassen sollte. Man glaubt ja, dass es besser laufen könnte in der Welt, und wird erfahren: Trotz Vorausplanung und bester Absichten lassen sich Crashs nicht immer vermeiden. Diskutieren kann man sicherlich, wie viel an LIMIT überhaupt „Spiel“ ist und wie viel bloße Simulation. Wir stecken in einem engen Korsett, unser Handlungsrahmen ist klein. Aber die Thematik gibt es ja auch so vor. Wir sind nicht Gott, wir sind nur die Menschen.
In meinen Gruppen wurde bislang recht friedlich gespielt. Das allgemeine Bemühen war, Ressourcen zu sparen und die Umwelt nicht zu ruinieren. Das führte zu ähnlichen Spielverläufen. Einige der 37 Karten wurden noch nie von irgendwem gespielt. Trotzdem waren die Partien immer spannend, und es läge ja an uns, mal rein experimentell andere Wege zu gehen. Ich allerdings kann da – selbst am Spieltisch – nicht aus meiner Haut. Ich möchte die Welt nicht vor die Wand fahren.
LIMIT ist so relevant, so realitätsnah und aktuell, dass es ohne Zweifel in meiner Sammlung bleiben wird. LIMIT fasziniert mich und zieht mich in seinen Bann – krankt aber an der redaktionellen Umsetzung. Erstens vermisse ich Kartenübersichten für jede Person. Zweitens bewahren die Aufbewahrungsboxen das Material nur dann auf, wenn man es zusätzlich mit einer Zip-Tüte umhüllt. Und drittens und am schlimmsten: Die deutsche Anleitung und insbesondere die Kartenerklärungen sind gespickt mit Fehlern. Seit ich bei der SPIEL DOCH selber redaktionelle Verantwortung habe, bin ich fehlertoleranter geworden, weil ich gelernt habe, wie schnell Fehler passieren können. Fehler in dieser Häufigkeit sind mir trotzdem nahezu unerklärlich.
„Musik ist die Sprache der Leidenschaft“ – Richard Wagner
Luthier bietet endlich das Thema Musik als solche in unserem Blog! Und zwar geht es um klassische Musik. Wir sind uns wohl bestimmt einig, wenn ich behaupte, dass dies die edelste Möglichkeit ist, einen Konzertsaal mit Klängen zu füllen.
Dave Beck hat mit seinem Verlag Paverson Games durch dieses Spiel ein pompöses Gesamterlebnis komponiert. Wie schön, dass Funtails dieses edle Stück für den deutschen Markt lokalisiert hat. Es wäre doch schade gewesen, wenn manchen so ein klangvolles Stück aufgrund der sprachlichen Barriere verwehrt geblieben wäre! Insgesamt handelt es sich um ein Werk positiver, gemeinsamer Klänge. Doch ab und zu, und dann ganz unerwartet, kommen infernalisch die spielerischen Gegensätze zum Tragen und man bekommt die volle Breitseite der interaktiven Möglichkeiten untereinander zu spüren
Ob mir dieses Konzert so gefallen konnte, dass ich es ab jetzt öfter hören möchte, werde ich Euch in diesem kurzen Eindruck im Folgenden gerne erläutern.
„Wenn ich an meinem alten, von Würmern zerfressenen Klavier saß, beneidete ich keinen König um sein Glück“. – Joseph Haydn
In Luthier verkörpert jeder Spieler eine ehrenvolle Familie von Instrumentenbauern zur Zeit des 17./18. Jahrhunderts. Angeordnet ist der Schauplatz im damaligen Europa. Jeder Spieler möchte die Familie der zu dieser Zeit erfolgreichsten Luthiere verkörpern (Luthier ist aus dem französisch abgeleitet für „Laute“ und bedeutet soviel wie Saiteninstrumentenbauer). Das Spiel wird 6 Runden gespielt, in denen wir versuchen die Bedürfnisse berühmter Mäzen zu erfüllen. Dabei bauen und reparieren wir Instrumente und geben kleine Privatkonzerte. Mit all diesen Aktionen machen wir nicht nur die Mäzen fröhlich, sondern sichern unseren Instrumenten den Vorsitz (also wichtigen ersten Platz der jeweiligen Instrumentenart) im Konzertsaal. Dies ist ein großer Punktebringer und sollte auf jeden Fall Beachtung finden!
Im Balkon über dem Saal können wir die Spielerreihenfolge bestimmen und ggf. eines der variablen Spielziele (die kleineren Kuppeln darüber) erfüllen und uns so weitere für das Spiel wichtige Boni freischalten. Die drei lilafarbenen Banner um den Saal herum zeigen unsere Fähigkeiten in der Werkstatt (rechts), auf der Bühne (links) oder den Fortschritt beim Erfüllen der Wünsche unserer Mäzen (oben). Unten sieht man den Markt, die Preise ändern sich zufällig von Runde zu Runde. Über den Marktkarten erkennt man die Preisfenster. Somit kosten Tierprodukte immer zwischen 1-3, Holz 2-4 und Metalle 4-6 Münzen. Auf der großen Kuppel oben befindet sich die Rundenanzeige. Zwischen den Runden 2-3 und 4-5 erhalten wir Zuwachs unserer Arbeiter. Zwischen den Runden 3-4 werden die Mäzen „A“ gegen „B“ getauscht. Letztere bieten uns Siegpunktbewertungen am Spielende.
Auf dem Spielertableau befindet sich hauptsächlich unsere Werkstatt. Links ist die Grobbearbeitung, die alle Instrumente am Anfang durchlaufen müssen. Rechts finden wir die Feinwerkstatt, hier werden alle Instrumente fertiggestellt und danach ausgewertet. Beide Werkstätten haben eigene Plätze für unserer Arbeiter.
Zu Rundenbeginn legen wir unsere vorhandenen Arbeiter an die verschiedenen Einsatzorte verdeckt ab. Dieser mechanische Kniff zeigt somit zwar unseren Kontrahenten an, wo wir diese Runde überall tätig werden möchten, aber nicht mit welcher Arbeiterstärke genau. Diese (1-5) bestimmt dabei nicht nur, wer zuerst handeln darf (bei Gleichstand entscheidet, wer hier zuerst eingesetzt hat), sondern auch die Stärke unserer Handlung. Eine höhere Zahl bietet immer Vorteile an der Stelle. Wenn über der entnommenen Karte Kosten stehen (hier 4 Münzen oder Inspiration) muss ich diese normalerweise in beliebiger Mischung bezahlen.
„Der Zweck der Musik, wie er immer war, ist es, Freude an dem Leben zu erwecken, das wir leben“ – Johann Sebastian Bach
Ich habe oben bereits sehr viel beschrieben und bestimmt doch nur 80% aller Mechaniken dabei erwähnt. Dieses Werk ist umfangreich, das muss an dieser Stelle als kleine Warnung erwähnt sein. Aber es ist einfach thematisch so gut überlegt und fühlt sich dabei so einzigartig und meisterhaft komponiert an, dass es einen wahrlich in diese Epoche zu genau diesem Vorhaben versetzt! Es ist ein kleiner, wahrgewordener Spielertraum! Das Material ist einfach wunderschön, selbst in der Basisversion ist das kaum anders! Die Illustrationen von Vincent Dutrait sind dabei wundervoll anzuschauen und wirken wie eine Komposition für sich.
An manchen Stellen hat man das Gefühl Teile aus dem Spiel Das Unbewusste von Frosted Games zu erkennen. Das wird durch einen der beiden Zeichner aus dem Spiel um Siegmund Freud emotional noch unterstrichen. Und es stimmt wohl: Hier und da ähneln sind manche Details schon, wenn z.B. die Mäze nach erfüllen einen dauerhaften Bonus bietet und bei dem Unbewussten die Klienten nach heilenden Worten zum Trauma dies ebenfalls tun. Und doch sind die Spiele an so vielen Stellen auch wieder komplett unterschiedlich. Doch ich verstehe den Vergleich.
Nach nur einem Spiel gestern Abend sind die angenehmen Klänge noch immer in meinen Gedanken zu vernehmen. Sollte ich mich bereits jetzt festlegen müssen, würde ich wohl den goldenen Meeple vergeben (mehr zu unserer Bewertung oben rechts in den Reitern). Es ist aber ein erster Blick auf das Spiel und damit keine endgültige Bewertung. Kann es den Platz halten oder muss es nach einigen Spielen vielleicht herabgestuft werden? Oder, was ich beinahe zum jetzigen Zeitpunkt glaube, kann es für mich sogar den ultimativen türkiesen Rocker bedeuten?
Von dem Spiel gibt es auf unserem Youtube-Kanal ein Unboxing:
(Galerie mit Fotos)
Titelbild von Webandi auf Pixabay
Verlage: Paverson Games / Funtails
Hinweis: Das Spiel ist ist mein selbst gekauftes Eigentum. Diese Rezension ist unentgeltlich durchgeführt worden und spiegelt alleine meine persönliche Meinung wider.
7 Wonders Dice überträgt die Grundidee der bekannten 7-Wonders-Reihe in ein Roll-and-Write-Format. Statt Karten werden Würfel genutzt, um Gebäude zu errichten, Ressourcen zu verwalten und militärische Konflikte mit den Nachbarstädten auszutragen. Alle Spieler entwickeln gleichzeitig ihre eigene Stadt. Dabei gilt
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Ich habe lange überlegt, ob ich meinen Bericht von der Spielwarenmesse 2026 in Nürnberg wie in alten Zeiten zweiteilen soll oder nicht. Die Lesezeit des einteiligen Berichts aus dem letzten Jahr soll knapp 20 Minuten betragen, was zugegebenermaßen etwas viel ist. Allerdings gehe ich ein wenig davon aus, dass diese Form des Berichts hauptsächlich dazu […]
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Ravensburger, 2025
Autoren: Jules Messaud, Anthony Perone
1–6 Spieler:innen, ab 10 Jahre, 60 Minuten
Mit „Back Tales: Verschollen unterm Eis“ entführt euch ein narrativ geprägtes, kooperatives Kartenspiel in eine packende Geschichte voller Geheimnisse und Entscheidungen. Ihr schlüpft gemeinsam in die Rolle von Sophie, die sich auf einer alpinen Rettungsmission befindet, um ihren verschwundenen Bruder zu finden. Die Suche führt euch auf den schneebedeckten Gipfel des Mont Blanc, wo sich Hinweise auf ein lange verschollenes Schatzgeheimnis verbergen. Die Atmosphäre ist dicht und erzählerisch, die Illustrationen unterstützen das Gefühl, als würdet ihr gemeinsam einem spannenden Mystery-Roman folgen, bei dem jede Entscheidung den Verlauf beeinflussen kann. Dieses erzählerische Element hebt das Spiel klar von klassischen Familienspielen ab, ohne dabei zu komplex zu werden.
In einer Partie von „Back Tales: Verschollen unterm Eis“ arbeitet ihr euch durch einen Kartensatz mit über 120 Szenenkarten, die die Geschichte Schritt für Schritt entfalten. Jeder Spielerzug besteht darin, Entscheidungen zu treffen und passende Aktionskarten auf bestimmte Bereiche einer Panoramakarte zu legen. Diese Aktionskarten besitzen Fenster und Aussparungen, durch die ihr nach dem Umdrehen neue Informationen oder Konsequenzen einsehen könnt. Auf diese Weise interagiert ihr mit Personen, untersucht Orte und nutzt Gegenstände, um in der Erzählung voranzukommen. Eure Entscheidungen sind nicht nur kosmetisch: Sie öffnen neue Pfade im Narrativ und können zu unterschiedlichen Enden führen. So entsteht ein gewisser „Point-and-Click-Adventure“-Effekt, der gemeinsam am Tisch erkundet wird. Trotz narrativer Tiefe bleibt das Regelwerk überschaubar, der Spielablauf geschmeidig und für Neulinge gut zugänglich.
Im Spiel überzeugt vor allem die dichte Erzählstruktur und das Gefühl, Teil einer Geschichte zu sein. Die Mechanik mit den speziellen Karten sorgt für ein eigenes Spielerlebnis und lässt euch Entscheidungen tatsächlich spüren. Die Illustrationen und das Material wirken solide und hochwertig, die Karten lassen sich gut handhaben und tragen zur Immersion bei. Die Interaktion zwischen den Spieler:innen entsteht durch gemeinsame Entscheidungsfindung, was das Spiel zu einem angenehmen Erlebnis für Gruppen ab zwei Personen macht, aber auch Solo-Partien nicht ausschließt. Die Spieldauer von rund einer Stunde wirkt angemessen und lässt Raum für intensives Erleben ohne unnötige Längen. Kritikpunkte finden sich im narrativen Aufbau, der stellenweise etwas konstruiert wirkt und darin, dass die erzählerische Tiefe manchen ambitionierten Spieler:innen vielleicht nicht genug Rätsel- oder Taktikanteil bietet. Die Wiederspielbarkeit ist durch die variablen Pfade zwar gegeben, aber nicht extrem hoch, da manche Szenen schnell bekannt sind. Insgesamt eignet sich dieses Spiel hervorragend für Familienrunden, Gelegenheitsspieler:innen und alle, die Lust auf eine atmosphärische, kooperative Geschichte haben. Als Einstieg in narrative Spiele für eure Sammlung ist es sehr empfehlenswert, für Vielspieler:innen mit Fokus auf komplexe Mechanismen aber eher ein netter Ausflug als dauerhafter Favorit.
Es ist mal wieder soweit. Ein neues Brettspiel-Battle hat mich mal wieder vor schwierige Entscheidungen gestellt und am Ende hat ein Spiel gewonnen. Welche Spiele im Antike Brettspiel-Battle dabei waren, welche Duelle für mich am schwierigsten waren und welche Battles als nächstes kommt, erfahrt ihr im Folgenden. Was ist das Brettspiel-Battle? Im Brettspiel-Battle treten die […]
Der Beitrag Top 16 Antike Brettspiel-Battle – Die besten Brettspiele treten gegeneinander an! erschien zuerst auf Abenteuer Brettspiele.
Mit den Schachtelgeschichten entführe ich euch in die faszinierende Welt eines ausgewählten Brettspiels. Hier geht es nicht um eine klassische Rezension, ein Review oder eine detaillierte Spielanleitung. Stattdessen tauchen wir gemeinsam in die Geschichte und Atmosphäre ein, die das Spiel umgibt. Wie ein kleiner Einblick in die Welt, in der das Spiel spielt. Viel Spaß beim Eintauchen und Entdecken!
Habt ihr das Spiel vielleicht schon selbst gespielt oder eine spannende Anekdote dazu? Teilt eure Gedanken und Erlebnisse gerne in den Kommentaren – ich bin gespannt auf eure Geschichten!

Ich wache auf, noch bevor das Licht durch die schmalen Fensterscheiben dringt, und für einen Moment weiß ich nicht, ob ich aus einem Traum komme oder aus einer dieser unruhigen Nächte, in denen der Schlaf nur eine Aneinanderreihung von Gedanken ist, die irgendwann in Müdigkeit übergehen. Der Wind ist da, noch bevor ich mich überhaupt bewege, er liegt wie ein dumpfes Geräusch in der Luft, ein stetiges Drängen gegen die teilweise luftdurchlässigen Holzwände des Hauses. So als würde etwas Großes draußen ungeduldig warten.
Ich setze mich auf die Bettkante und spüre die Kälte der Dielen unter meinen Füßen, diese tiefe, ehrliche Kälte, die nicht schmerzt, sondern sich einfach festsetzt, als wäre sie ein Teil der Dinge, die hier dazugehören, wie das Salz in der Luft oder die Feuchtigkeit in den Wänden. Heute fahren wir weit hinaus, und dieser Gedanke liegt schon in mir, noch bevor ich aufstehe, noch bevor ich mir die Jacke überziehe, noch bevor ich das erste Wort des Tages denke.
Weit hinaus bedeutet einen besseren Fang nach Hause zu bringen, das weiß jeder hier. Es bedeutet zugleich größere Entfernungen, längere Wege zurück, weniger Schutz, weniger Spielraum für Fehler. Man spricht nicht viel darüber, aber jeder kennt diese Rechnung. Man fährt nicht hinaus, weil man will, sondern weil man muss. Und man bleibt nicht im Hafen, weil es sicherer ist, sondern weil man es sich leisten kann. Heute können wir es uns nicht leisten.
Im Hafen ist es still, aber es ist keine ruhige Stille. Es ist eine gespannte Stille, eine, die zwischen den Dingen hängt, zwischen den Booten, zwischen den Stegen, zwischen den Häusern, als würde der Ort selbst den Atem anhalten. Ich gehe mein Boot ab, prüfe die Netze, die Leinen, das Segel, die Kisten. Und obwohl ich diese Abläufe seit Jahren kenne, fühlt es sich nicht nach Routine an, sondern nach einem Versuch, Ordnung in etwas zu bringen, das sich im Kern nie ordnen lässt.
Der Himmel ist grau, aber nicht dramatisch, nicht bedrohlich, nicht offen gefährlich. Er ist einfach unentschlossen, eine gleichmäßige Fläche ohne Richtung, ohne Versprechen, ohne klare Aussage, und genau diese Art von Himmel macht mir mehr Angst als ein Sturm. Stürme sind ehrlich. Sie sagen, was sie wollen. Dieses Grau sagt gar nichts.
Ich denke an die letzten Tage. An die leeren Kisten. An die Blicke beim Verkauf. An die Gespräche, die immer kürzer werden, je weniger es zu verteilen gibt. Oft ist es nur ein bedauerndes Nicken nach dem Blick auf die leeren oder allenfalls dürftig gefüllten Kisten. In Saltfjord lebt man nicht von einzelnen guten Tagen, sondern von der Wiederholung. Von der Verlässlichkeit. Von der Hoffnung, dass sich Dinge tragen, wenn man sie nur lange genug weiterführt. Aber diese Hoffnung wird dünner, und manchmal fühlt sie sich an wie ein Versprechen, das niemand mehr wirklich überprüft.
Als ich das Segel hisse, knarzt es im Gebälk, nur kurz, nur ein kleines Knarren, aber es reicht, um Gedanken in Bewegung zu setzen, um Möglichkeiten zu öffnen, die ich lieber geschlossen halten würde. Was, wenn der Mast bricht falls der Wind doch auffrischt?! Was, wenn der Wind dreht. Was, wenn der Nebel kommt. Was, wenn heute der Tag ist, an dem das Meer entscheidet, dass es mir genug gegeben hat.
Ich fahre trotzdem los, weil es keine Alternative gibt, die sich besser anfühlt, und weil Stillstand hier nicht Sicherheit bedeutet, sondern ein langsameres Scheitern.
Je weiter ich hinausfahre, desto mehr verschwindet das Land, nicht plötzlich, nicht dramatisch, sondern leise, schrittweise, als würde es sich einfach zurückziehen, bis es nur noch eine Linie ist, dann nur noch ein Gedanke, dann nur noch Erinnerung. Das Wasser wird dunkler, der Wind direkter, und die Bewegungen des Boots werden ehrlicher, weniger gedämpft, weniger geschützt.
Hier draußen fühlt sich alles größer an, tiefer, schwerer, und gleichzeitig leerer.
Ich werfe die Netze aus und warte, und dieses Warten ist schlimmer als jede konkrete Gefahr, weil es Zeit lässt für Gedanken, für Rechnungen, für die leisen Sorgen, die sich sonst im Lärm des Alltags verlieren. Ich denke an das Haus, an die Küche, in der sich Anna wieder Sorgen macht, an die Schulden beim alten Hansen, an Wärme, an Tage, die nicht mit diesem Gewicht beginnen und nicht mit dieser Müdigkeit enden. Ich denke nicht an Reichtum und nicht an Gewinn, sondern an Normalität, an ein Leben, das nicht ständig am Rand der Unsicherheit steht.
Meine Hände sind rau, voller Risse, voller alter Schnitte, Spuren eines Lebens, das nie leicht war, aber lange tragbar. Das Meer ist ruhig, fast zu ruhig, und ich weiß, dass Ruhe hier kein Versprechen ist, sondern nur eine Pause.
Als ich beginne, die Netze einzuholen, spüre ich ein Zittern in mir, das nichts mit der Kälte zu tun hat. Es ist diese Mischung aus Hoffnung und Angst, aus Erwartung und Resignation, dieses Wissen, dass der nächste Moment etwas entscheidet, das größer ist als ein Fang, größer als ein Tag, größer als eine Fahrt.
Für einen kurzen Augenblick halte ich inne, sehe auf das dunkle Wasser und frage mich, ob das Meer heute gibt oder nimmt, und ob man den Unterschied manchmal überhaupt noch erkennt.
Und wer das Ganze lieber hören möchte, kann hier nun auch in die erste Schachtelgeschichte reinhören.
Diese Geschichte stammt aus der Schachtel von Saltfjord.
Saltfjord ist kein storybasiertes Spiel, sondern ein Euro durch und durch. Und dennoch schafft es bei mir Bilder im Kopf. Gerade das Rausfahren zum Fischen ist sehr schön integriert und war der Ansatz für die Schachtelgeschichte. Es ist nicht so sehr die einzelne Aktion, die hier wichtig ist und alles ändern kann, sondern eher das Dranbleiben, die Konstanz. Aber auch die Planung auf dem persönlichen Puzzleboard. Welches Gebäude brauche ich? Welche Fähigkeiten möchte ich ausbauen? All das trägt zum Erfolg oder Misserfolg bei. Und wenn man dann in den Hafen zurückkehrt zeigt sich, ob der Fang die gewählte Strategie unterstützt.
Design: Kristian Amundsen Østby, Eilif Svensson
Illustration: Peter Bartels, Yan Moussu
Verlag: HUCH!
Spieldauer: ca. 45-90 Minuten
Anzahl: 1-4 Personen
Alter: ab 14 Jahren
Link zu Boardgamegeek: https://boardgamegeek.com/boardgame/422674/saltfjord
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Transparenzhinweis: Das Spiel wurde mir vom Verlag für Rezensionszwecke bereitgestellt.
Bildcredits: KI-generierte Illustration, erstellt für wuerfelmagier.de

Wer hat nicht schon einmal die Montagsmaler, Stille Post oder Pictionary gespielt, bei dem man Begriffe zeichnen und erraten muss? Ja, ist jetzt nicht gerade das was jedem gefällt, aber denken wir mal zurück an die 1970er. Von 1974 bis 1996 lief die Schnellratesendung Montagsmaler im deutschen Fernsehen sehr erfolgreich. Dabei war das Prinzip gar nicht neu. 1969 startete der Vorgänger „Punkt, Punkt, Komma, Strich“ auf den Empfangsgeräten. Lang, lang ist’s her und ich erinnere mich noch gut an die Abende, an denen wir Kinder mit der Oma gemeinsam mitgeraten haben. „Hund, Katze, Maus!“ – ging immer.
- Den Beitrag Ultraviolett findest du auf Spielevater - Die ANDERE Seite der Brettspiele
Ich hab hier viel zu lange nichts mehr geschrieben, dabei ist es nicht so, dass nichts passiert wäre. Es hatten sich einfach andere Aktivitäten in den Vordergrund gedrängt. Lust habe ich eigentlich noch. Und aktuell brennt mir was auf der Seele. Trigger-Warnung für alle, die das für skandalös halten: Ich vermische heute mal wieder Spiel und Politik,.
Kurz vor Weihnachten war ich nämlich zum zweiten Mal eingeladen worden, mich als Juror an einem Persian Game Jam zu beteiligen (aus der Ferne). Ein Game Jam ist eine Veranstaltung, auf der Leute Spiele erfinden. In der Regel ist sie gezielt zu kurz für eine ausgereifte Entwicklung (einen Tag lang zum Beispiel, wie auch hier). Es geht also darum, nach einer Vorgabe (Thema, Material, oder etwas anderes) ein Spiel zu entwickeln und einen spielbaren Prototyp herzustellen und damit hinnerhalb der kurzen Zeit möglichst weit zu kommen. Oft werden eine oder mehrere der dabei herausgekommenen Ideen prämiert.
Und ja, solche Game Jams gibt es auch im Iran. Bei der vorherigen Ausgabe 2024 war ich auch schon als Juror dabeigewesen. Damals war die Vorgabe gewesen, eine Variante von UNO zu entwickeln. Von relativ zahmen Varianten bis zu Call of Cthuno war alles dabei gewesen, und es hat Spaß gemacht, mir das alles anzusehen. Spielen konnte ich es nicht, wir Juror:innen kriegten jeweils ein Video und die Regeln für die Begutachtung. Nicht alle Regeln waren immer so klar, was nicht verwunderlich ist, da für Blindtests auf so einem Game Jam nicht viel Zeit bleibt. Aber es war ein großer Spaß, und es hatte mich gefreut, dabeisein zu können.
Ebenso habe ich mich gefreut, als ich für den Game Jam 2025 wieder angefragt wurde,. Der Iran hat, seit ich vor gut 30 Jahren mal für ein paar Wochen durchgereist bin, einen besonderen Platz in meinem Herzen bewahrt. Nicht nur wegen der Sehenswürdigkeiten und der freundlichen Menschen, denen wir begegnet sind, sondern auch wegen der ständig spürbaren Kultur des Aufbegehrens und Brechens von Regeln. Ich habe damals gedacht, dass der Iran sich von der Diktatur irgendwann würde befreien können, aber leider ist das noch imer nicht passiert. Die spektakulären Spielecafés, die es dort gibt, wären ein Traumziel von mir, wenn ich dort eines Tages noch mal hinkommen sollte.
Wie dem auch sei, nachdem ich als Juror zugesagt hatte, wurde mir das Thema des neuen Game Jams mitgeteilt, und ich habe nicht schlecht gestaunt: Sagaland. Natürlich ist Sagaland ein Klassiker, aber von allen Spielen des Jahres (es war Preisträger 1982) war es das Spiel mit der niedtrigsten Altersangabe und war daher ein bisschen aus meinem Fokus verschwunden. Ich hatte irgendwann, als meine Kinder klein waren, hatte ich mir mal wieder eine alte Ausgabe auf einem Flohmarkt gekauft und war ziemlich enttäuscht gewesen – ich empfand es inzwischen als viel zu lang und oft zu frustrierend, insbesondere bei größeren Personenzahlen. Also war ich davon ausgegangen, dass es einfach nicht besonders gut gealtert sei. Erst durch die Einladung habe ich mir die Regeln wieder angeguckt und festgestellt, dass sie schon vor langer Zeit überarbeitet worden. Inzwischen dürften ganze Generationen herangewachsen sein, die das Spiel nur in der neuen Variante kennen: Gut so. Aber dass das Spiel im Iran so bekannt war, hatte ich natürlich nicht geahnt.
Vorab haben wir kleine Grußbotschaften auf Video aufgenommen. Auch Michel Matschoss, der Sagaland ja damals zusammen mit Alex Randolph entwickelt hatte, hat ein solches Video geschickt, was mich sehr gefreut hat.
Nun also ging es für die Telnehmenden am aktuellen Game Jam ebenfalls genau darum: Um eine Modernisierung oder Abwandlung von Sagaland. Und sie lieferten ab. Es gab insgesamt 13 Gruppen von meist 4 Leuten (mit seit dem letzten Jahr klar gestiegenem Frauenanteil, was mich besonders gefreut hat), und wieder spannende Ideen, von naheliegend bis wild. Diesmal hatte ich das Gefühl, dass die Gruppen sich auch analytischer mit Sagaland auseinandergesetzt hatten als letztes Jahr mit UNO. So gab es diverse Beiträge, in denen das gelegentlich langwierige Würfeln verkürzt wurde, mit verschiedenen und verschieden sinnvollen Methoden. In einem anderen Beitrag hatten die einzelnen Märchenkarten, die man einsammelt, noch besondere Fähigkeiten, was die thematische Einbindung gestärkt hat (auch wenn das normalerweise nicht ganz mein Stil ist). Den Vogel abgeschossen hat aber „—“, das die Würfel gleich ganz weglässt – man schnippst stattdessen seine Spielsteine durch den Wald. Das war schon eine wilde Idee, und die hat am Ende auch gewonnen. Innerhalb der Jury gingen die Meinungen zum Teil deutlich auseinander, was sicherlich auch ein Stück weit daran gelegen hat, dass wir die Spiele eben nicht direkt ausprobieren konnten. Ich hoffe aber, dass wir ein bisschen dazu beigetragen haben, Nachwuchsautor:innen zu ermutigen.
Aber natürlich ist mir die Freude an diesem Event nur wenige Tage später jäh vergangen, als das iranische Regime die Proteste blutig niedergeschlagen und Tausende Menschen ermordet hat. Es bleibt nicht aus, dass man sich Gedanken darüber macht, ob jemand von denen dabei war, die einem direkt zuvor noch spannende Spielkonzepte vorgestellt haben. Das werde ich vermutlich nie erfahren, mir aber noch lange Gedanken darüber machen. Ich wünsche mir einfach, dass die Verbrecherbande an der Spitze dieses Staates endlich verjagt werden kann und dass die Menschen wieder mehr Gelegenheiten haben, sich an der Schönheit des Lebens zu erfreuen.
زن، زندگی، آزادی
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Man stolpert ja über vieles, wenn man sich länger in der Brettspielszene bewegt. Regelunklarheiten, Produktionsfehler, fehlende Karten – alles schon erlebt.
Aktuell ruft Asmodee ein Zubehör-Set zurück, weil in einem mitgelieferten Stoffbeutel zu hohe Formaldehyd-Werte festgestellt wurden. Kein Detailproblem, kein „wir legen euch Ersatzkarten bei“, sondern ein klarer Fall von: Bitte nicht mehr benutzen.
Und ja – im Spielzeugbereich kennt man solche Meldungen durchaus. Puppen, Plüschtiere oder Billigimporte mit problematischen Chemikalien tauchen regelmäßig in Rückruflisten auf.
Aber bei modernen Brettspielen, die sich längst als hochwertiges Hobbyprodukt verstehen? Das fühlt sich tatsächlich wie eine kleine Premiere an.
Aber ein echter sicherheitsrelevanter Rückruf eines großen Brettspielverlags? Das ist mir in dieser Form bisher nicht untergekommen.
Was ich Asmodee dabei zugutehalte: Der Rückruf wird offen kommuniziert, mit klaren Anweisungen für Käuferinnen und Käufer. Genau so muss das laufen. Transparenz ist in solchen Fällen wichtiger als jede PR-Glanzpolitur.
Trotzdem bleibt ein schaler Beigeschmack. Gerade weil viele von uns Spiele nicht nur sammeln, sondern regelmäßig mit Familie, Kindern oder Freunden auf den Tisch bringen. Da erwartet man irgendwie, dass Materialien vorher sauber geprüft werden. Hat das bisher entsprechend konsequent stattgefunden oder eher nicht? Vielleicht werden Brettspiele in der Hinsicht auch einfach anders geprüft als Spielzeuge für kleine Kinder. Zumindest bisher.

Unterm Strich:
Kein Grund für Panik – aber definitiv ein Moment, der zeigt, dass auch unsere geliebte Brettspielwelt nicht völlig frei von klassischen Konsumgüterproblemen ist.
Falls ihr betroffen seid: Prüft euer Set und folgt den offiziellen Rückrufhinweisen.
Und wir nehmen das hier mal als Eintrag ins kollektive Gedächtnis der Szene auf:
Spielzeug kennt Rückrufe – Brettspiele jetzt offenbar auch.
Brettspiele kann man auf viele Arten erleben. Man kann sie natürlich spielen oder aber erklären, bewerten oder testen. Aber was passiert, wenn man nicht die Regeln betrachtet, sondern die Geschichten, die zwischen den Karten, Würfeln und Figuren verborgen liegen?
Genau darum geht es ab sofort im neuen Format: Schachtelgeschichten.
Schachtelgeschichten öffnen ein Fenster in die Welten von Brettspielen – aus der Perspektive der Figuren, der Menschen und der Orte, die in diesen Spielen existieren. Jede Geschichte zeigt einen Ausschnitt, ein Fragment, einen Moment, der das Leben in einer Spielwelt spürbar macht. Mal düster, mal melancholisch, mal ruhig, mal bedrohlich oder auch mal fröhlich oder gar ungewöhnlich – immer literarisch angehaucht, immer emotional, immer nah dran an der Welt des Spiels.
In Schachtelgeschichten geht es nicht um Regeln, Strategie oder Punkte, sondern um Atmosphäre, Entscheidungen und das, was zwischen dem Spielmaterial passiert. Am Ende jeder Geschichte folgt ein kurzes Fazit: eine kurze Reflexion über das Spielgefühl, die emotionale Wirkung und die narrative Tiefe.
Mit Schachtelgeschichten möchte ich zeigen, dass Brettspiele mehr sind als Material auf dem Tisch. Sie erzählen Geschichten – manche laut, manche leise, manche nur in den kleinen Momenten, die man sonst übersieht. Diese Momente stehen im Mittelpunkt des Formats.
Die erste Schachtelgeschichte führt nach Saltfjord, weit draußen im kalten, rauen Wasser, wo Fischer auf das Meer angewiesen sind und jede Entscheidung den Unterschied zwischen einem guten Fang und einem verlorenen Tag ausmacht. Die Geschichte zeigt eine Perspektive von vielen möglichen auf – erzählt von der See und der Not der Fischer – und vermittelt so ein Bild des Lebens zwischen Wellen, Wind und Hafen. Vielleicht habt ihr ja auch Ideen dazu, wie ihr die Schachtelgeschichte erzählen würdet – aus welcher Perspektive.
Jeden Monat gibt es mindestens eine neue Schachtelgeschichte. Jede Ausgabe lädt dazu ein, die Spielwelt einmal anders zu erleben: nicht über Regeln, nicht über Punkte, sondern über Menschen, Momente und Geschichten. Und auch, wenn man im Spiel vielleicht nicht immer das Gefühl hat genau das erlebt zu haben, eröffnen die Schachtelgeschichten vielleicht neue Sichtweisen auf ein Spiel und das Thema was dahinter steht.
Nachtrag: Wenn ich ganz viel Zeit und Muße habe, dann lese ich euch die Schachtelgeschichten vielleicht im Podcast ein…

Bereits in meinem Nachbericht zu den B-REX-Pressetagen erwähnte ich, dass TORIKI selbst eine reine Erwachsenenrunde für zwei Stunden zu fesseln vermochte. Dabei adressiert das Spiel primär eine jüngere Zielgruppe. Umso mehr freute ich mich, als der Titel im Leihpaket für mein Spielewochenende auftauchte. Eine gute Gelegenheit, um auch die Kinder auf die Insel zu entführen.
Viele spannende Neuheiten wurden für 2026 bereits angekündigt und deshalb stelle ich in der heutigen Podcast-Episode meine Top 20 Brettspiel-Neuheiten für das Jahr 2026 vor.
Dabei erfahrt ihr, warum ich mich auf diese neuen Spielen freue. Viel Spaß mit der Episode und ich bin sehr gespannt auf eure Meinungen dazu.
Der Beitrag #352 – Top 20 Brettspiel-Neuheiten 2026 Vorschau | Abenteuer Brettspiele Podcast erschien zuerst auf Abenteuer Brettspiele.











