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Spirit Island digital: Koop-Strategiehit für 4,90 Euro im Steam-Angebot

13. Juni 2026 um 14:32
Spirit Island digital: Koop-Strategiehit für 4,90 Euro im Steam-Angebot

Wer den kooperativen Strategie-Klassiker Spirit Island schon immer einmal ausprobieren wollte, bekommt gerade einen günstigen Einstieg: Die digitale Umsetzung von Handelabra Games kostet auf Steam aktuell 4,90 Euro statt 24,50 Euro, ein Rabatt von 80 Prozent. Das Angebot läuft nur noch bis zum 16. Juni 2026, der reduzierte Preis gilt für das Grundspiel.

Spirit Island digital auf Steam, die Eckdaten:

  • Preis: 4,90 statt 24,50 Euro (80 Prozent reduziert)
  • Angebot endet: 16. Juni 2026
  • Spieleranzahl: 1 bis 4
  • Alter: ab 13 Jahren
  • Spieldauer (Tabletop): 90 bis 120 Minuten
  • Sprache: nur Englisch
  • Modi: Einzelspieler, Online- und lokaler Koop, Cross-Platform, Remote Play Together

Worum geht es bei Spirit Island?

Spirit Island ist ein kooperatives Strategiespiel für 1 bis 4 Spieler ab 13 Jahren, entworfen von R. Eric Reuss und 2017 erstmals erschienen. Sie spielen keine Eroberer, sondern Naturgeister, die gemeinsam eine Insel gegen eindringende Kolonisatoren verteidigen. Dieses (anti-)koloniale Thema ist ein Markenzeichen des Spiels und dreht die übliche Aufbau-Logik um: Statt Land zu erschließen, drängen Sie die Siedler zurück, bevor sie die Insel überrennen.

Mechanisch setzt Spirit Island auf asymmetrische Geister mit eigenen Kräften (Variable Player Powers): Jeder Geist spielt sich spürbar anders. Pro Runde wählen alle Beteiligten ihre Kräfte gleichzeitig aus, danach breiten sich die Kolonisatoren aus, bauen, und es kommt zur Verheerung. Im Kern ist es ein Spiel um Flächenkontrolle: Sie steuern Furcht, Schaden und Präsenz auf einer sich ständig verschärfenden Karte. Das gilt als anspruchsvoll. Auf BoardGameGeek liegt das Brettspiel-Original (ID 162886) bei einem Komplexitätsgewicht von 4,07 von 5, also schwer. Belohnt wird der Aufwand mit einer Bewertung von 8,34 und Platz 11 im Board Game Rank.

Spirit Island solo: stark im Einzelspieler-Modus

Für alle, die erst einmal allein hineinschnuppern wollen: Spirit Island gilt als eines der besten Solospiele im kooperativen Genre, und die digitale Version bringt einen Einzelspieler-Modus mit. Gerade am PC nimmt Ihnen das Spiel die gesamte Buchhaltung ab, die am Tisch viel Zeit frisst. Eine belastbare Angabe zur reinen Digital-Spieldauer macht Handelabra auf der Steam-Seite nicht. Als Anhaltspunkt dient die Tabletop-Angabe von 90 bis 120 Minuten, am Bildschirm dürfte eine Partie wegen der automatisierten Abläufe spürbar schneller laufen.

Was bekommen Sie für 4,90 Euro?

Den reduzierten Preis zahlen Sie für das Grundspiel. Die digitale Fassung erschien am 29. Juli 2020 (nach einer Early-Access-Phase ab April 2020) und bietet Einzelspieler, Online-Koop sowie lokalen Koop im geteilten Bildschirm für bis zu vier Personen. Dazu kommt Cross-Platform-Multiplayer für das Online-Spiel; lokal lässt sich der geteilte Bildschirm auch per Remote Play Together streamen, sodass Freunde ohne eigenes Exemplar mitspielen können. Wer mag, kann das mit einer weiteren digitalen Brettspiel-Umsetzung auf Steam vergleichen.

Wer tiefer einsteigen will, findet eine ganze Reihe kostenpflichtiger Erweiterungen als DLC, darunter Branch & Claw, Jagged Earth und Nature Incarnate sowie die Promo-Packs Flame und Feather. Ob diese DLC ebenfalls reduziert sind, prüfen Sie am besten direkt auf der jeweiligen Steam-Seite, das Angebot bezieht sich auf das Grundspiel. Wer einen leichteren Einstieg sucht, stößt auf Horizons of Spirit Island. Ein wichtiger Hinweis: Während die Tabletop-Ausgabe von Horizons eigenständig spielbar ist, handelt es sich bei der digitalen Steam-Fassung um einen DLC, der das Grundspiel voraussetzt (die Steam-Seite weist ausdrücklich darauf hin, dass dieser Inhalt das Grundspiel Spirit Island benötigt). Einen günstigen Einstieg ohne weitere Anschaffung bietet am PC deshalb gerade das jetzt reduzierte Grundspiel selbst.

Spirit Island auf Deutsch? Nur englische Sprachfassung

Ein Punkt, den Interessenten vor dem Kauf kennen sollten: Die Steam-Produktseite führt als Spielsprache ausschließlich Englisch (Oberfläche, Audio und Untertitel). Eine offizielle deutsche Lokalisierung der digitalen Version ist dort nicht ausgewiesen. Dass im Sprachmenü „Deutsch“ auftaucht, bezieht sich auf die Anzeigesprache der Steam-Seite selbst, nicht auf das Spiel. Eine frühere fan-gemachte deutsche Übersetzung existierte nur als Community-Modifikation für den Tabletop Simulator und ist nicht mehr verfügbar. Kurz: Sie sollten mit dem englischen Regel- und Kartentext zurechtkommen. Das Spiel ist sprachlastig, viele Kräfte stehen als englischer Kartentext auf dem Bildschirm.

Für wen lohnt sich der Deal?

Für 4,90 Euro ist die digitale Spirit Island ein günstiger Weg, einen anspruchsvollen Koop-Klassiker auszuprobieren, vor allem für Solospieler und für alle, die das schwergewichtige Original erst einmal ohne Tischaufbau testen wollen. Und keine Sorge, dass Sie nur eine halbe Sache kaufen: Schon das Grundspiel bringt mehrere, sehr unterschiedlich spielende Geister, zuschaltbare Gegner-Fraktionen mit Schwierigkeitsstufen und verschiedene Szenarien mit, also reichlich Varianz für viele Partien. Die DLC erweitern das später um zusätzliche Geister, Gegner und Mechaniken, für den Einstieg brauchen Sie sie nicht. Wer Englisch im Spiel scheut, sollte das im Hinterkopf behalten. Das Angebot endet am 16. Juni 2026.

Die deutsche Brettspiel-Ausgabe erscheint übrigens bei Pegasus Spiele, wer das Original lieber physisch und auf Deutsch spielt, wird bei der deutschen Spirit-Island-Ausgabe von Pegasus Spiele fündig.

Thunder Road Vendetta: Maximum Chrome wieder vorbestellbar

12. Juni 2026 um 20:56

Frosted Games öffnet die Vorbestellung für Maximum Chrome erneut

Thunder Road Vendetta: Maximum Chrome wieder vorbestellbar

Wer die große Box zu Thunder Road Vendetta verpasst hat, bekommt eine zweite Chance: Frosted Games hat die zwischenzeitlich ausverkaufte Maximum-Chrome-Ausgabe wieder vorbestellbar gemacht. Es handelt sich laut Frosted Games um die dritte Auflage. Der Verlag rechnet mit der Auslieferung im vierten Quartal 2026 und dämpft die Erwartungen selbst: Rechtzeitig zur SPIEL in Essen 2026 werde die Box wahrscheinlich nicht eintreffen. Im Frosted-Shop steht die Ausgabe für 139,95 Euro.

Die Big Box läuft im Direktvertrieb über Frosted Games. In den regulären Handel geht Maximum Chrome nicht, wer die Sammelausgabe will, bestellt also direkt beim Verlag.

Worum es geht: chaotisches Auto-Rennen mit Schussduellen

Thunder Road Vendetta ist ein reines Mehrspieler-Spiel für zwei bis fünf Personen. Einen Solo-Modus gibt es nicht; auch in der Wertung der BGG-Community schneidet die Einzelpartie schlecht ab, am besten läuft das Spiel zu dritt oder zu viert. Eine Partie dauert 45 bis 75 Minuten.

Gespielt wird auf einem Rastersystem. Würfel steuern beides: die Bewegung der eigenen Fahrzeuge und die Schüsse auf gegnerische Wagen. Statt fester Augenzahlen werten die Spielenden Würfelsymbole aus (Die Icon Resolution), klassisches „Roll and Move" trifft hier auf Beschuss und Rempeleien. Geschrottete Autos fliegen aus der Partie (Spielerelimination), das letzte fahrende Fahrzeug gewinnt. Das Spielgefühl ist entsprechend ruppig und direkt, die Mechanik gehört zur „Take That"-Familie. Mit einer Komplexität von 2,25 von 5 auf BoardGameGeek bleibt der Titel trotz Kampf und Chaos im zugänglichen Bereich.

Hinter dem Spiel steht der US-Verlag Restoration Games als Design-Partner, Frosted Games verantwortet die deutsche Ausgabe. Das Autorenteam umfasst Dave Chalker, Noah Cohen, Rob Daviau, Justin D. Jacobson, Brett Myers und Brian Neff. Die Illustrationen stammen von Marie Bergeron und Garrett Kaida. Der Verlag gibt die deutsche Ausgabe ab 12 Jahren frei.

Was in der Box steckt

Maximum Chrome bündelt das Grundspiel und alle Erweiterungen in einer foliengeprägten Box. Inhaltlich lassen sich zwei Ebenen unterscheiden.

Spielerisch erweitern den Grundkasten die Module „Fetter Truck & Die Wilden 5", „Blech Blut und Höllenglut", „Schraubbude" und „Nachladen". Dazu kommt die nur in dieser Ausgabe enthaltene Mini-Erweiterung „Deutsche Ingenieurskunst": Sie ersetzt die Bewegungs- und Schusswürfel durch ein Kartenset und bietet damit eine alternative Steuerung für alle, die weniger Würfelglück und mehr Planung wollen.

Auf der Ausstattungsseite legt die Sammelausgabe nach: ein exklusiver Crew-Leader (Em Berco), ein konsolidiertes Regelheft, das die Regeln aller Inhalte an einer Stelle zusammenfasst, sowie ein passgenaues Custom-Insert in der hochwertig geprägten Box.

Einordnung

Für DACH-Sammlerinnen und -Sammler ist der Schritt relevant, weil die deutsche Big Box lange nicht erhältlich war und nicht über den Handel läuft. Wer Thunder Road Vendetta in der Vollausstattung haben will, hat mit der dritten Auflage erneut die Gelegenheit dazu, sollte aber die Verlagsprognose im Blick behalten: Liefertermin frühestens viertes Quartal 2026, der Messetermin in Essen ist nach Verlagsangabe wahrscheinlich zu früh.

Wine & Cheese: Kennerspiel-Duell für genau zwei Personen

12. Juni 2026 um 14:40
Wine & Cheese: Kennerspiel-Duell für genau zwei Personen

Mit „Wine & Cheese” bringt Deep Print Games ein Kennerspiel für genau zwei Personen an den Tisch, das den Erfolg an eine ungewöhnliche Bedingung knüpft: Am Ende zählt pro Hof nur die Ware, die weniger eingebracht hat. Autor Scott Almes baut damit den Grundgedanken seines Vorgängers „Beer & Bread” weiter aus, diesmal anspruchsvoller und rund um Wein- und Käseproduktion im Burgund.

Spieleranzahlgenau 2 Personen
Spielzeit45 bis 75 Minuten
Alterab 12 Jahren
AutorScott Almes
IllustrationMichael Menzel, Alexander Jung
VerlagDeep Print Games
Vertriebexklusiv über Pegasus Spiele
ReiheFor-2-Reihe von Deep Print Games
UVP29,99 Euro
Erschienen27. Mai 2026

Worum es geht

„Wine & Cheese” versetzt die beiden Spielenden auf benachbarte Höfe im Burgund. Jeder Hof stellt zweierlei her: Wein und Käse. Über zwei Spieljahre hinweg sammeln Sie Zutaten, lassen Ihre Waren reifen und verkaufen sie zum richtigen Zeitpunkt. Jedes Jahr gliedert sich in die vier Jahreszeiten Frühling, Sommer, Herbst und Winter, und jede Jahreszeit hat ihre eigene Phase im Ablauf.

Die Mechanik

Das Herzstück ist ein paarweises Einsetzen der Arbeitskräfte. Im Frühling entsenden Sie Ihre Arbeiter paarweise auf die Parzellen, im Herbst holen Sie sie von dort zurück. Die Parzellen sind geteilt, beide Höfe greifen also auf dieselben Felder zu. Wer wann welches Paar setzt, entscheidet darüber, welche Zutaten und Aktionen Ihnen offenstehen und welche Sie der Gegenseite überlassen.

Danach zählt das Timing. Wein und Käse durchlaufen einen Reifeprozess, bevor sie ihren vollen Wert erreichen. Verkaufen Sie zu früh, verschenken Sie Ertrag; warten Sie zu lange, blockieren die Waren Ihren Hof. Über die Spieljahre verwalten Sie zudem Ihre Handkarten und erfüllen Verträge, die festlegen, welche Lieferungen sich besonders lohnen.

Mechanisch verbindet „Wine & Cheese” damit Worker Placement mit Hand- und Kartenmanagement. BoardGameGeek führt das Spiel mit einer mittleren Komplexität von 3,0 und ordnet es als reines Spiel für zwei Personen ein. Einen Solo-Modus gibt es nicht.

Der Clou: nur die schwächere Ware zählt

Den eigentlichen Kniff liefert die Endwertung. Nach den zwei Jahren ermittelt jeder Hof seine Einnahmen getrennt für Wein und für Käse. Gewertet wird aber nur die Warenart, die weniger eingebracht hat. Wer den Wein vernachlässigt, um den Käse zu maximieren, verschenkt am Ende seine Stärke. Der Reiz liegt also nicht im Spezialisieren, sondern im Gleichgewicht: Beide Standbeine müssen mithalten, sonst zählt nur das schwächere.

Wine & Cheese: Kennerspiel-Duell für genau zwei Personen
Die Eckdaten zu Wine & Cheese auf einen Blick. Grafik: Würfelreich; Daten: BoardGameGeek, Pegasus Spiele.

Autor, Illustration und Einordnung

„Wine & Cheese” stammt von Scott Almes, der bereits den Vorgänger „Beer & Bread” entworfen hat. Beide Titel gehören zur For-2-Reihe von Deep Print Games, die sich ausschließlich an Paare und Duell-Runden richtet. Im Vergleich zu „Beer & Bread” fällt „Wine & Cheese” anspruchsvoller aus: Der Balance-Zwang in der Wertung, das Timing des Reifeprozesses und die zu erfüllenden Verträge verlangen vorausschauendes Planen über beide Spieljahre.

Die Illustrationen stammen von Michael Menzel und Alexander Jung. Verlegt wird das Spiel von Deep Print Games, der Vertrieb im Handel läuft exklusiv über Pegasus Spiele. Erst kürzlich hat Deep Print Games den Klassiker Cuba als Cubaneo neu aufgelegt; wer das Verlagsprogramm verfolgt, findet weitere Titel von Deep Print Games im Überblick. Für ein anderes anspruchsvolles Duell zu zweit lohnt zudem der Blick auf das Kennerspiel-Duell Compile. Seit dem 27. Mai 2026 steht „Wine & Cheese” zur UVP von 29,99 Euro im Sortiment. In der Schachtel stecken ein Spielplan, 60 Karten, 95 Holzteile, vier Aufbewahrungsschachteln, ein Wertungsblock und die Anleitung.

Quellen

Altera auf Gamefound: Euro-Spiel mit Würfelbeutel

11. Juni 2026 um 10:35
Altera auf Gamefound: Euro-Spiel mit Würfelbeutel

Auf Gamefound läuft seit dem 9. Juni 2026 die Kampagne zu Altera, einem kompetitiven Euro-Spiel von IV Studio, den Machern von Tend und Moonrakers. Statt auf dem Schlachtfeld tragen die Spielenden ihre Konflikte beim jährlichen „Ascension Festival” aus: mit Würfeln aus dem eigenen Beutel, entsandten Emissären und dem Ringen um Reputation in drei Gilden.

Eckdaten

PunktAngabe
TitelAltera
Studio/VerlagIV Studio (Nashville, USA; IV Workshop LLC)
DesignerMax Anderson, Zac Dixon, Austin Harrison, Toby Sarnelle
Spielerzahl1 bis 4 (Grundspiel), 5 bis 6 mit Erweiterung
Spielzeitrund 90 Minuten (laut BGG 60 bis 120)
Alterab 14 Jahren
MechanikenWürfelbeutel-Building (Bag-Building), Würfeln, gleichzeitige Aktionswahl, Worker Placement
Spiellänge7 Runden
Komplexität (BGG)3,0 von 5
PlattformGamefound
Laufzeit9. bis 29. Juni 2026
BGGID 469367, Erscheinung 2027

Worum es geht

Altera spielt in einer namensgebenden Bergstadt, in der die großen Fraktionen ihre Konflikte nicht im Krieg lösen, sondern beim jährlichen Ascension Festival. Der Leitgedanke der Welt: Ehrgeiz, Einfallsreichtum und Zusammenhalt formen eine bessere Zukunft als jede Schlacht. Aus dieser Prämisse zieht das Spiel sein Thema, ein kompetitives Wettstreiten um Ansehen statt um Territorien.

So spielt sich Altera: Bag-Building und Worker Placement

Altera ist ein Euro-Spiel mit Würfelbeutel-Building. Über sieben Runden ziehen die Spielenden ihre Würfel aus dem eigenen Beutel und würfeln sie aus. Anschließend entsenden sie Emissäre: Die Würfelergebnisse bestimmen, welche Aktionen verfügbar sind, und der Einsatzort des Emissärs legt fest, bei welcher der drei Gilden Reputation anfällt. Würfelpool und Placement greifen so ineinander, ohne dass eines das andere vollständig aussticht.

Am Ende jeder Runde erhält in jeder Gilde diejenige Person Prestige, die dort die meiste Reputation gesammelt hat. Danach rutscht sie ans Ende der jeweiligen Gilden-Leiste und macht so Platz für die Konkurrenz. Dieser Mechanismus hält den Wettlauf offen: Ein Vorsprung in einer Gilde wird sofort wieder zurückgesetzt. Ziel ist es, über die sieben Runden genug Prestige zu sammeln, um in den High Council aufzusteigen.

Ob der Kern des Spiels stärker im direkten Mehrheitenwettlauf oder im parallelen Engine-Aufbau liegt, lässt sich vor Erscheinen des Spiels noch nicht abschließend sagen. Das wesentliche Unterscheidungsmerkmal gegenüber reinen Worker-Placement-Titeln ist die gleichzeitige Aktionswahl: Alle Spielenden handeln parallel, was Wartezeiten minimiert und die Mehrheitenkonfrontation verdichtet. Laut Verlag verändern sich zudem die Spezialfähigkeiten von Partie zu Partie, was für wechselnde Ausgangslagen sorgt. BGG ordnet Altera mit einem Gewicht von 3,0 von 5 im mittleren Kennerspiel-Bereich ein.

Spielerzahl und Solo

Das Grundspiel ist auf 1 bis 4 Spielende ausgelegt. Die Kampagne nennt 1 als Mindestspielerzahl; ein Solo-Modus ist also enthalten. Welches Format dieser annimmt (Automa, eigenständiger Modus oder anderes), ist auf der Kampagnenseite noch nicht ausgeführt. Auf BGG ist das Spiel mit 2 bis 6 Spielenden gelistet; die Solo-Angabe stammt von der Kampagne. Wer zu fünft oder sechst spielen möchte, benötigt die separat erhältliche „5-6 Player Expansion”. Wie stark sich die Spielerfahrung bei zwei, vier oder sechs Personen unterscheidet, ist vor Erscheinen des Spiels noch nicht einschätzbar.

Spielzeit

Gamefound gibt eine Partiedauer von rund 90 Minuten an. Die BGG-Seite nennt einen weiteren Korridor von 60 bis 120 Minuten, was sich gut mit Spieleranzahl und Erfahrungsgrad erklären lässt.

IV Studio: die Macher hinter Altera

Hinter Altera steht IV Studio aus Nashville (juristisch IV Workshop LLC). Das Team hat zuvor unter anderem Tend, Moonrakers, Veiled Fate, Mythic Mischief und Brink veröffentlicht. Ursprünglich war IV Studio ein Animationsstudio mit Kunden wie Amazon, Oracle, Netflix, Nike, Bad Robot und Cartoon Network. Mit Altera tritt das Studio in ein mechanisch schichtenreicheres Gebiet ein als mit früheren Titeln: Bag-Building und gleichzeitige Aktionswahl stehen neben dem gewohnten Production-Anspruch. Als Designer nennt BGG ein Quartett: Max Anderson, Zac Dixon, Austin Harrison und Toby Sarnelle. Zac Dixon ist Mitgründer des Studios und war bereits an Moonrakers und Veiled Fate beteiligt.

Pledges und Add-ons

Klassische, stufenweise freigeschaltete Stretch Goals setzt die Kampagne nicht ein. Die drei beworbenen Upgrades, eine Neopren-Spielmatte, Holz-Upgrades und Shard-Upgrades, sind als kostenlose Add-ons bereits in jedem Pledge enthalten. Die Stufen unterscheiden sich vor allem über die Komponenten; spielerisch relevant ist allein die 5-6-Spieler-Erweiterung. Alle Preise in US-Dollar (Kampagnenpreis / spätere UVP):

  • Altera (Grundspiel, 1 bis 4 Spielende): 69,99 / 79,99. Vollständiges Spiel inklusive der drei Gratis-Add-ons.
  • Altera + 5-6 Player: 99,99 / 124,99. Ergänzt das Material für 5 bis 6 Spielende, die einzige Stufe mit spielerischem Mehrwert.
  • Altera + Metal + Dice Trays: 124,99 / 149,99. Metallmünzen und vier Würfeltabletts, eine reine Material-Aufwertung.
  • Altera + 5-6P + Metal + Dice Trays: 159,99 / 214,99. Kombination aus Erweiterung und Material-Upgrades.
  • Altera All-in: 239,99 / 304,99. Alles aus den anderen Stufen plus sechs Wood Villa Boards.

Einzeln erhältliche Add-ons: Metallmünzen (29,99), Würfeltabletts Grundspiel (39,99), Würfeltabletts 5-6 Spieler (19,99), zwei Wood Villa Boards (29,99) und Kartenhüllen (15,00). Als Zahlungsoptionen bietet Gamefound eine Ratenzahlung („Stretch Pay”) sowie das abgesicherte „Stable Pledge” an. Zur Pledge-Struktur der Concordia Special Edition bietet sich ein Vergleich an, wer einordnen möchte, wie diese Art von Kampagne typischerweise aufgebaut ist.

DACH-Relevanz und deutsche Ausgabe

Bislang ist nur eine englischsprachige Ausgabe für 2027 angekündigt, herausgegeben von IV Studio. Eine deutsche Lokalisierung ist nicht bekannt. Wer mitmachen möchte, bestellt über Gamefound und importiert das Spiel in den DACH-Raum. Da Altera mit Karten und wechselnden Spezialfähigkeiten arbeitet, ist von englischsprachigen Textkomponenten auszugehen. Für deutschsprachige Tische bleibt Altera damit vorerst ein Importtitel, ähnlich wie andere Importtitel über Gamefound.

Einordnung: Momentum ja, Urteil noch nicht

Die Kampagne läuft stark: Bei einem Finanzierungsziel von 50.000 US-Dollar standen am 11. Juni 2026 rund 420.900 US-Dollar von etwa 2.633 Unterstützenden auf der Uhr, also gut 840 Prozent. Dieser Stand ist eine Momentaufnahme und steigt täglich. So eindeutig dieses Backer-Interesse ist, so vorsichtig sollte man die Bewertungslage lesen: Der BGG-Schnitt von 8,29 von 10 beruht auf nur 17 Wertungen, und das Spiel ist noch ungerankt. Das ist eine sehr frühe, vorläufige Datenbasis und taugt nicht als Qualitätsbeleg.

Fazit

Altera bündelt gleich mehrere beliebte Euro-Bausteine, Bag-Building, gleichzeitige Aktionswahl und Worker Placement, in einem friedlichen Wettstreit-Thema und einem mittleren Komplexitätsgrad. Für Fans von Bag-Building, die ein kompetitives Spiel ohne direkten Konflikt suchen, lohnt der Blick auf die Kampagne. Eine eigene Wertung sprechen wir aus, sobald uns ein fertiges Exemplar vorliegt.

Harmonies: Klang der Wildnis kommt Oktober 2026 auf Deutsch

10. Juni 2026 um 20:19
Harmonies: Klang der Wildnis kommt Oktober 2026 auf Deutsch

Das Naturlegespiel Harmonies bekommt Nachschub: Mit Harmonies: Klang der Wildnis erscheint im Oktober 2026 eine modulare Erweiterung in deutscher Ausgabe. Für Spielende im DACH-Raum zählt vor allem das eine: Die drei neuen Module kommen direkt auf Deutsch, ohne Umweg über die englische oder französische Fassung.

Worum es im Grundspiel geht

Harmonies von Johan Benvenuto, illustriert von Maëva da Silva, erschien 2024 bei Libellud und landete schnell ganz oben: Auf BoardGameGeek hält das Spiel einen Schnitt von 8,03 und steht auf Platz 8 der Familienspiele. Die Jury zum Spiel des Jahres setzte Harmonies 2024 auf die Empfehlungsliste in der Hauptkategorie.

Im Kern legen Sie farbige Plättchen auf Ihren persönlichen Plan und bauen daraus Landschaften: Berge, Wälder, Felder, Wasser. Wer die richtigen Muster baut, siedelt Tiere an, die über Tierkarten Punkte bringen. Das Spiel kombiniert Plättchenlegen, Mustererkennung und Set Collection, also das gezielte Sammeln passender Karten, auf einem Hexfeld-Raster. Dazu kommt offenes Drafting: Alle wählen reihum aus offen ausliegenden Plättchen, niemand zieht verdeckt. Harmonies spielt sich zu 1 bis 4 Personen in 30 bis 45 Minuten, ab 10 Jahren, und bringt einen vollwertigen Solo-Modus mit. Die Komplexität liegt mit 2,01 von 5 im familientauglichen Bereich.

Die drei Module von Klang der Wildnis

Klang der Wildnis ist keine reine Kartenbeigabe, sondern ein Baukasten aus drei Modulen. Sie lassen sich einzeln, in Kombination und auch mit weiteren Harmonies-Modulen mischen. Was sie mechanisch verändern:

Schutzgebiete. Neue Landschaften, die mehrere Tiere gleichzeitig aufnehmen. Damit dürfte sich das Punkterechnen verdichten: Wo bisher ein abgeschlossenes Muster ein Tier trug, wird ein Schutzgebiet zum Sammelpunkt für mehrere Arten. Das verschiebt die räumliche Planung tendenziell weg von vielen kleinen Mustern hin zu dichteren Zonen.

Neue persönliche Spielpläne. Eine andere Feldanordnung auf dem eigenen Tableau, mit zusätzlichen Punkte-Möglichkeiten. Wer das Grundspiel kennt, plant hier anders: Die vertrauten Wege zu hohen Punktzahlen liegen woanders, und das verändert, welche Plättchen sich wann lohnen.

Wisperwesen. Eine neue Kartenart, die neben die bekannten Tierkarten tritt. Statt nur Tiere anzusiedeln, spielen Sie auf Synergien zwischen Tieren und Wisperwesen: Bestimmte Kombinationen sollen ineinandergreifen und zusätzliche Wertungen freischalten. Das Modul belohnt also nicht einzelne Karten, sondern das Zusammenspiel.

Was der Verlag verspricht, lässt sich auf einen Nenner bringen: mehr Wege zu Punkten und mehr Stellschrauben, ohne den ruhigen Grundrhythmus von Harmonies aufzugeben. Wie tragfähig die Module im Zusammenspiel sind, zeigt sich am Tisch.

Harmonies: Klang der Wildnis kommt Oktober 2026 auf Deutsch
Die Schachtelrückseite der Erweiterung Klang der Wildnis. Bild: Asmodee.

Eckdaten und Einordnung

Klang der Wildnis setzt das Grundspiel voraus, es ist also eine Erweiterung, kein eigenständiges Spiel. Da die Module auf dem Harmonies-Gerüst aufsetzen, gelten dessen Eckdaten: 1 bis 4 Personen, 30 bis 45 Minuten, ab 10 Jahren, Solo-Modus inklusive. Wer alle drei Module kombiniert, hat mehr Stellschrauben am Tisch, der ruhige Grundrhythmus von Harmonies bleibt aber erhalten.

Harmonies: Klang der Wildnis auf einen Blick

  • Typ: modulare Erweiterung (Grundspiel nötig)
  • Spieleranzahl: 1 bis 4 Personen
  • Dauer: 30 bis 45 Minuten
  • Alter: ab 10 Jahren
  • Module: Schutzgebiete, neue Spielpläne, Wisperwesen
  • Deutscher Release: Oktober 2026

Wichtig zur Abgrenzung: Klang der Wildnis ist nicht die kleine Tierkarten-Erweiterung, die bereits im Handel ist. Bei Asmodee Deutschland erschien 2026 unter dem Titel Im Takt der Natur eine Beigabe aus zehn neuen Tierkarten mit Lebensraum-Mustern. Klang der Wildnis ist davon getrennt: ein größerer, modularer Kasten. Auch mit der international angekündigten Erweiterung Harmonies: Pulse ist Klang der Wildnis nicht identisch.

Die deutsche Ausgabe

Der Aufhänger für den DACH-Raum ist der deutschsprachige Release im Oktober 2026. Klang der Wildnis erscheint bei Asmodee Deutschland, das die deutschsprachige Harmonies-Reihe betreut: Sowohl das Grundspiel als auch die Tierkarten-Erweiterung Im Takt der Natur kamen dort in deutscher Ausgabe in den Handel.

Wer Harmonies bereits im Regal hat, bekommt mit Klang der Wildnis im Herbst gleich drei Stellschrauben auf einmal, kombinierbar nach Geschmack.

Whacktown: Funtails schickt vier Gangs in die Neon-Stadt

10. Juni 2026 um 11:51
Whacktown: Funtails schickt vier Gangs in die Neon-Stadt

Funtails ist in der DACH-Szene vor allem für das zugängliche Familienspiel Karuba bekannt. Mit Whacktown schlägt der Verlag einen deutlich raueren Ton an: ein schnelles, bissiges Kartenspiel um rivalisierende Gangs in einer Neon-Stadt. Der Titel von Designer Daniel Piechnick steht jetzt zur Vorbestellung, ausgeliefert wird laut Funtails voraussichtlich im vierten Quartal 2026.

Das Wichtigste in Kürze

VerlagFuntails
DesignerDaniel Piechnick
IllustrationHendrik Noack
Spieler:innen2 bis 4
Alterab 14 Jahren
Dauer30 bis 45 Minuten
Komplexität (BGG)2,0 von 5
GenreTake-That-Brawler mit Gangster-Humor
ModusJeder gegen jeden (kein Solo-Modus)
ErscheintQ4 2026, Vorbestellung läuft

Worum es bei Whacktown geht

In Whacktown bauen Sie eine kriminelle Gang auf und kämpfen mit zwei bis vier Bossen um die Vorherrschaft in der Stadt. Das Spiel inszeniert einen schwarzhumorigen Gangster-Ton: kurze, chaotische Runden, Baseballschläger, plötzliche Wendungen. Funtails selbst ordnet den Titel als zugängliches, aber durchaus skillbasiertes Kenner:innenspiel ein. Die Eckdaten erden diese Etikettierung: Bei einem BGG-Gewicht von 2,0 von 5, 30 bis 45 Minuten Spielzeit und Schaden, der reihum alle trifft, liegt Whacktown mechanisch näher an einem schnellen, konfrontativen Absacker als an einem klassischen Kenner:innenspiel. Das ist keine Schwäche, sondern eine Erwartung: Wer planbare Strategie sucht, ist hier falsch, wer das gemeine Tischchaos mag, richtig.

Der Spielablauf: Move, Hustle, Chill

Jeder Zug gliedert sich laut BGG in drei Phasen. Zuerst Move: Sie ziehen Ihre Gang über den Stadtplan und lösen den Effekt des Zielorts aus. Dann Hustle: Sie spielen so viele Hustle-Karten aus, wie Sie wollen, doch jede einzelne kostet Sie weitere Karten aus Ihrer Hand. Zum Schluss Chill: Sie ziehen nach und geben den Zug weiter.

Damit liegt das taktische Gewicht im Kartenmanagement. Whacktown nutzt seine Karten als Mehrzweck-Ressource (Multi-Use Cards): dieselbe Karte kann Aktion oder Bezahlung sein, und genau diese Abwägung treibt jede Runde an. Hinzu kommen Würfelwürfe für die Auseinandersetzungen und eine kräftige Portion Take That, denn Schaden trifft in der Regel alle Rival:innen gleichzeitig. Rüstung dient als zusätzliche Trefferpunkte, die beschädigt und später repariert werden können. Bomben sorgen für die schnellen, fiesen Umschwünge.

Stadtplan und Kartenarsenal

Der Schauplatz wird jede Partie neu aufgebaut. Aus insgesamt 76 möglichen Orten kommen 20 auf ein zufälliges 4×5-Raster (Modular Board). Einige Orte sind zugangsbeschränkt und verlangen Geld, Information, Reputation oder Gesundheit, bevor Sie sie betreten dürfen. Positionierung und Timing entscheiden also mit.

Insgesamt stecken 173 Karten in der Schachtel, aufgeteilt in Orte, Profile, Hustles, Vorteile und Bomben. Die Charaktere spielen sich asymmetrisch über ihre Profilkarten.

So gewinnen Sie

Whacktown ist ein reines Jeder-gegen-jeden. Sie gewinnen auf zwei Wegen: indem Sie alle Rival:innen ausschalten, oder indem Sie als Erste:r 10 Reputation erreichen. Beide Ziele halten den Druck hoch, weil sich Angriff und Punktejagd ständig in die Quere kommen.

Vorbestellung und Deluxe-Bundle

Das Grundspiel kostet im Funtails-Shop aktuell 29,99 Euro (UVP 34,99 Euro). Der Rabatt von 15 Prozent gilt laut Funtails noch bis Ende Juli 2026, danach sinkt er auf 10 Prozent. Ausgeliefert wird voraussichtlich im vierten Quartal 2026.

Wer mehr will, greift zum Neon Chaos Deluxe Bundle für 42,98 Euro (UVP 59,97 Euro). Es enthält das Grundspiel, Premium-Kartenhüllen und das exklusive Power Perks Promo Set: zehn Zusatzkarten, darunter Blue Beans Pizza, Sportbike, Hubschrauber, Jetpack und Taxi. Dieses Promo-Set gibt es laut Funtails nur im Bundle oder auf ausgewählten Messen. Wer den spielerischen Mehrwert sucht, achtet auf das Promo-Set: Die zehn Karten erweitern Orte und Vorteile, während die Premium-Kartenhüllen ein reines Material-Upgrade sind.

Einordnung

Für Funtails ist Whacktown ein spürbarer Schwenk weg vom familienfreundlichen Karuba-Profil hin zum konfrontativen Absacker. Dass ein DACH-Verlag den Titel verantwortet, wie schon beim Expertenspiel Luthier, macht die Vorbestellung für deutschsprachige Tische unmittelbar greifbar. Ob das schnelle Geprügel über viele Partien trägt, wird sich erst nach Auslieferung zeigen. Die Eckdaten zeichnen ein klares Bild: ein leichtgewichtiger, gemeiner Brawler für Gruppen, die das gegenseitige Ausbremsen lieben.

Cubaneo: Deep Print Games legt Klassiker Cuba neu auf

10. Juni 2026 um 11:16
Cubaneo: Deep Print Games legt Klassiker Cuba neu auf

Deep Print Games kündigt mit Cubaneo eine überarbeitete Neuauflage des Wirtschaftsspiels Cuba an. Fast 20 Jahre nach dem Original soll der Eurogame-Klassiker im Oktober 2026 zur SPIEL in Essen zurückkehren, mit fest integrierter Erweiterung und neu gestaltetem Cover.

Was Cubaneo gegenüber Cuba verändert

Cuba erschien 2007 und gilt seither als etablierter Vertreter des Wirtschafts-Eurogames. Für Cubaneo hat der Verlag mehrere Dinge angepasst:

  • Die früher separate Erweiterung El Presidente ist fest ins Grundspiel integriert.
  • Regelheft und Gebäudeplättchen wurden überarbeitet.
  • Einzelne Regeln wurden angepasst.
  • Das Spiel erhält ein neu gestaltetes Cover.

Eine detaillierte Liste der geänderten Regeln führt Deep Print Games bislang nicht auf. Ob und wie sich die Integration von El Presidente auf das Spielgefühl auswirkt, wird der Verlag mit den vollständigen Regeldetails kommunizieren.

Die Eckdaten

AutorenMichael Rieneck und Stefan Stadler
IllustrationMichael Menzel und Stefan Sonnberger
VerlagDeep Print Games (Vertrieb: Pegasus Spiele)
Spielerzahl2 bis 5
Spieldauer75 bis 120 Minuten
Alterab 12 Jahren
SprachenDeutsch und Englisch
ErscheintOktober 2026, Premiere zur SPIEL 2026 in Essen
MaterialSpielplan, 88 Karten (40 kleine, 48 normale), 5 Spielertableaus, 155 Holzteile, 30 Gebäudeplättchen, 90 Pappmünzen

Was Sie im Spiel tun

Cuba spielt auf der Insel vor der Revolution. Die Städte ringen um Reichtum und Einfluss, und Sie führen eine davon. Siegpunkte sammeln Sie auf mehreren Wegen: Sie verschiffen Waren über den Hafen, errichten Gebäude wie Destillerien, Hotels oder Banken und nutzen deren Fähigkeiten. Über Delegierte im Parlament beeinflussen Sie per Abstimmung die Gesetze, die in jeder Runde die Rahmenbedingungen verschieben. Der eigentliche Spielreiz liegt im Druck, den Markt und das Abstimmungssystem aufbauen: Wer setzt die Gesetze, wer ist schnell genug am Markt und wer kassiert im Hafen ab?

Mechanisch verbindet Cuba Auktion und Bieten, Handmanagement, einen Markt, eine variable Zugreihenfolge und das genannte Abstimmungssystem. Mit einem BGG-Gewicht von 3,26 von 5 liegt das Spiel klar im Kennerspiel-Bereich: ein interaktiver Old-School-Euro, kein moderner Effizienz-Solitär. Einen reinen Solo-Modus bietet Cuba nicht. Die BGG-Community bewertet vier Spielende als optimale Besetzung; zu zweit und zu fünft ist es ebenfalls spielbar.

Eine Spende für Kuba

Laut Verlagsankündigung auf der Produktseite arbeitet Deep Print Games an einer Kooperation mit einer humanitären Hilfsorganisation vor Ort und will einen Teil des Erlöses spenden. Welche Organisation beteiligt ist und wie hoch der gespendete Anteil ausfällt, will der Verlag mitteilen, sobald die Details feststehen.

Einordnung

Einen Preis nennt Deep Print Games noch nicht, ebenso stehen Termin und Modalitäten der Vorbestellung aus. Für die DACH-Region ist die Ankündigung dennoch relevant: Autoren und Verlag sind deutsch, der Vertrieb läuft über Pegasus Spiele, und die Premiere findet auf der SPIEL in Essen statt. Mit rund 8.500 Bewertungen und einem Schnitt von 7,12 auf BoardGameGeek ist das Original kein Geheimtipp, sondern ein gesetzter Klassiker.

Cubaneo reiht sich damit in eine ganze Welle frisch aufgelegter Euro-Klassiker ein: Zuletzt kehrte mit der Agricola Special Edition Uwe Rosenbergs Hofbau-Klassiker zurück, und auch Mac Gerdts' Concordia erscheint in einer aufgewerteten Special Edition. Cubaneo richtet sich an alle, die einen bewährten, interaktiven Wirtschafts-Eurogame in aktueller und gebündelter Form suchen.

8 Dragons: Drachenschwarm und Höhlenbau aus Hohnstorf

09. Juni 2026 um 21:15
8 Dragons: Drachenschwarm und Höhlenbau aus Hohnstorf

Wonderbow Games aus dem niedersächsischen Hohnstorf sammelt auf Kickstarter für „8 Dragons”, ein Kennerspiel um Drachenschwärme, Höhlenbau und einen Flugpfad in Form einer Acht. Der deutsche Designer Sönke Schmidt verbindet darin Schwarm-Placement mit Set-Collection, und eine deutschsprachige Ausgabe ist im Pledge bereits mitgedacht.

Eckdaten

Spieleranzahl2 bis 4
Solo-Modusnein
Spielzeit40 bis 60 Minuten
Alterab 10 Jahren
Komplexität (BGG-Gewicht)3,0 / 5 (bei noch wenigen Bewertungen)
DesignerSönke Schmidt
IllustrationPauliina Hannuniemi
VerlagWonderbow Games (Hohnstorf, DE)

Ein Schwarm, ein Flugpfad in Achterform

Sie spielen einen von acht Drachen, der über zwei Königreiche zieht. Das Spielfeld bildet einen Rundkurs in Form einer liegenden Acht. Ihre Figur darf pro Zug so weit fliegen, wie Sie möchten, die Trennlinie zwischen Nord- und Südhälfte aber nur einmal überqueren. Daher der Titel: Die Acht steht für den Flugpfad.

Allein fliegen Sie nicht. Am zentralen Dragon Rock warten frisch geschlüpfte Wyrmlinge, die sich an vorbeiziehende Drachen hängen und einen Schwarm bilden, in dem auch die Jungdrachen der Mitspielenden mitfliegen. Halten Sie an einem Ort, lösen Sie dessen Effekt nicht nur für sich aus, sondern für jeden Wyrmling im Schwarm. Fliegen Ihre Wyrmlinge im Zug eines anderen Drachen mit, profitieren auch Sie davon. Wo klassisches Worker Placement wie bei der Placement-Kampagne Prestige jede Figur fest an ihren Platz bindet, bleibt der Schwarm hier geteiltes Gut, und genau daraus entsteht die Interaktion am Tisch. So bleibt die Wartezeit zwischen den Zügen kurz, ein Punkt, den der Verlag mit „minimal downtime” bewirbt. Schiebt Ihr Zug einen fremden Schwarm an, dürfen Sie ihn ein Stück weiterbewegen, was sich taktisch ausnutzen lässt.

Höhle bauen, Sets sammeln, Gold horten

Unterwegs helfen freundliche Dorfbewohner beim Ausbau Ihrer Höhle, Kammer für Kammer. An den Orten sammeln Sie Plättchen aus vier Reichen (Elfen, Gnome, Goblins, Feen) und legen daraus Ihr Tableau. Gold, die einzige Währung und zugleich der Siegpunkt, bringen abgeschlossene Gruppen aus drei gleichen oder drei verschiedenen Reich-Plättchen. Missionsplättchen kosten fünf Gold und zählen doppelt: Sie punkten für bestimmte Plättchengruppen oder abgebildete Artefakte und wirken zugleich als Joker beim Vervollständigen von Sets. Wer am Spielende den größten Hort angehäuft hat, gewinnt. Mechanisch verbindet „8 Dragons” damit Schwarm-Placement mit Set-Collection und Tableau-Bau.

Aus Hohnstorf, mit deutscher Ausgabe

Hinter „8 Dragons” steht ein DACH-Team: Designer Sönke Schmidt und der Verlag Wonderbow Games sind in Hohnstorf an der Elbe beheimatet, die Illustrationen stammen von Pauliina Hannuniemi. Neu ist das Projekt nicht: Auf der SPIEL Essen 25 zeigte der Verlag bereits den fast fertigen Prototyp. Für Backer aus Deutschland, Österreich und der Schweiz wichtig: Die Sprachversion, Englisch oder Deutsch, wählen Sie laut Kampagne nach dem Ende im Pledge-Manager. Eine eigene Pledge-Stufe für die deutsche Ausgabe gibt es nicht, die Sprache ist eine Option innerhalb jeder Stufe. EU- und UK-Mehrwertsteuer sind in den Pledge-Preisen enthalten, Versand und weitere Steuern rechnet der Verlag nach der Kampagne über den Pledge-Manager ab.

Die Pledge-Stufen

Drei Stufen stehen zur Wahl (Stand: 9. Juni 2026):

  • Standard Edition (49 €): das Grundspiel inklusive aller freigeschalteten Stretch Goals.
  • Deluxe Edition (65 €): Kickstarter-exklusiv und spielerisch identisch zum Standard. Der Aufpreis kauft ausschließlich Material-Upgrades: Holzmünzen, holografische Plättchen, einen hölzernen Aktiv-Spieler-Drachen, ein passgenaues Inlay und Goldfolie auf der Schachtel.
  • Deluxe Bundle (75 €): Deluxe Edition plus die Mini-Erweiterung „Wondrous Places”. Nur diese Stufe bringt zusätzliche Spielinhalte, nämlich neue Orte für den modularen Spielplan. Es ist mit Abstand die beliebteste Wahl: Der Großteil der bisherigen Backer hat hier zugegriffen.

Wer einzeln aufrüsten will, findet drei Add-ons: Die Holzmünzen (12 €) und die Metall-Drachen samt Wyrmlingen (25 €) werten nur das Material auf, die Mini-Erweiterung „Wondrous Places” (14 €) fügt wie im Bundle neue Orte hinzu.

Kampagnenstand

Stand 9. Juni 2026, dem Starttag, hat „8 Dragons” sein Ziel von 8.000 € klar übertroffen: rund 57.000 € von etwa 730 Unterstützenden, also etwa 712 Prozent der Zielsumme. Kickstarter führt die Kampagne als Staff Pick. Sie läuft noch bis zum 6. Juli 2026, die Auslieferung ist für März 2027 angekündigt. Alle Live-Werte sind Momentaufnahmen und ändern sich im Verlauf der Kampagne.

Einordnung

Die hohe Frühförderung ist ein Signal, kein Urteil: Mit gerade einmal zehn BGG-Bewertungen und ohne Rang ist „8 Dragons” noch zu jung für eine belastbare Einschätzung, auch das Komplexitätsgewicht von 3,0 ruht erst auf wenigen Stimmen. Reizvoll wirkt das Spiel vor allem durch den gemeinsam genutzten Schwarm: Dass Ihre Jungdrachen in fremden Zügen mitpunkten, dreht das übliche Placement-Prinzip ins Kooperativ-Kompetitive und hält die Wartezeit kurz. Mit Gewicht 3,0 und Freigabe ab 10 Jahren zielt „8 Dragons” dabei auf erfahrene Familien und Kennerspielrunden, nicht auf das schnelle Absacker-Spiel; einen Solo-Modus bietet es nicht, gespielt wird zu zweit bis viert. Wer Kennerspiel-Crowdfunding ohnehin verfolgt, etwa Endeavor: Deep Sea, findet hier einen frischen Schwarm-Twist. Für DACH-Tische ist die mitgedachte deutsche Ausgabe ein zusätzliches Argument, sich die Kampagne vor dem 6. Juli anzusehen.

Concordia Special Edition: Pledges und Barbarica im Check

09. Juni 2026 um 21:15
Concordia Special Edition: Pledges und Barbarica im Check

Awaken Realms hat am 9. Juni 2026 auf Gamefound eine Special Edition von Concordia gestartet, dem Strategie-Klassiker von Mac Gerdts aus dem Jahr 2013. Die Neuauflage verspricht neue Illustrationen, eine überarbeitete Handhabung, exklusive Erweiterungen und das gesamte bisher erschienene Material in einer Box. Die Kampagne läuft bis zum 30. Juni 2026.

Wir ordnen ein, was die Special Edition mechanisch bietet, wie die Pledges sich unterscheiden und wo die Sechs-Personen- und Solo-Optionen herkommen.

Eckdaten

SpielConcordia Special Edition
Verlag / CreatorAwaken Realms (Wrocław, Polen)
AutorMac Gerdts (Original); neue Karte Barbarica: Mac Gerdts mit Paulina Włodarczyk (Awaken-Realms-Dev-Team)
Spielerzahl1 bis 6
Spielzeitrund 60 Minuten (Angabe Gamefound)
Alterab 14 Jahren
PlattformGamefound, Kampagne 9. bis 30. Juni 2026
MechanikAufbaustrategie, Hand- und Kartenmanagement, Netzwerk- und Routenbau, Set Collection

Worum es im Spiel geht

Concordia ist ein Aufbau- und Wirtschaftsspiel im Römischen Reich, das ohne Würfel und ohne Kartenglück auskommt. Jede Spielerin und jeder Spieler startet mit einem identischen Satz Personenkarten. Auf Ihrem Zug spielen Sie genau eine dieser Karten aus und führen deren Aktion aus: Kolonisten bewegen und Häuser bauen, in einer Region Waren produzieren, Waren kaufen und verkaufen, neue Karten erwerben oder mit der Tribun-Karte alle ausgespielten Karten zurück auf die Hand nehmen. Der Reiz liegt darin, dass jede gekaufte Karte zugleich Ihr Punktekonto und Ihre künftigen Züge formt: Jede Karte gehört einem Gott, und am Spielende bringen die Götter Punkte je nach Besitz an Städten, Waren und Karten (Set Collection, also das gebündelte Werten gleichartigen Besitzes).

Das Ergebnis ist ein dichtes, planungslastiges Strategiespiel ohne Zufallselemente. Auf BoardGameGeek steht das Original auf Rang 29 der Gesamtwertung, bei einem Komplexitätsgewicht von 2,99 von 5. Die BGG-Seite listet das Original von 2013 mit 2 bis 5 Personen, einer Spielzeit von rund 100 Minuten und einer Altersfreigabe ab 13 Jahren; die Special Edition gibt Awaken Realms auf Gamefound mit 1 bis 6 Personen, rund 60 Minuten und ab 14 Jahren an.

Die 60-Minuten-Angabe von Gamefound ist dabei sportlich gerechnet: Concordia ist ein planungslastiges Strategiespiel ohne Glückselemente, kein schneller Absacker, und am vollen Tisch sollten Sie eher mit der höheren Spanne planen. Auch die Freigabe ab 14 Jahren spiegelt vor allem diese Planungstiefe wider, weniger den Inhalt; für jüngere Grundschulkinder ist das Spiel zu kopflastig.

Was die Special Edition ändert

Die mechanische Grundlage von Mac Gerdts bleibt erhalten. Awaken Realms setzt bei Kunst und Handhabung an und legt obendrauf eine exklusive neue Karte: Barbarica, entworfen von Mac Gerdts gemeinsam mit Paulina Włodarczyk aus dem Awaken-Realms-Dev-Team. Barbarica bringt Stadt-Marker ins Spiel, die zu Beginn bereits über die Karte verteilte Städte abbilden und sichtbar machen, wie das Römische Reich im Spielverlauf in Unordnung gerät. Dazu bündelt die Edition laut Pledge-Beschreibung „alle bisher erschienenen Karten und Erweiterungen” in einer Box.

Spielerzahl und Solo-Modus

Hier lohnt der genaue Blick. Das Original ist ein Spiel für 2 bis 5 Personen. Solo-Spiel und höhere Spielerzahlen stammen aus Erweiterungen: BoardGameGeek führt Concordia in den Familien der Spiele, deren Erweiterungen einen Solo-Modus ergänzen und die Spielerzahl verändern, und listet unter den Erweiterungen unter anderem Concordia: Solitaria und Concordia: Venus.

Genau dieses Material steckt in der Special Edition. Beide Spiel-Pledges, die Cardboard Edition für 75 Euro und die Wooden Edition für 95 Euro, enthalten laut Beschreibung „alle bisher erschienenen Karten und Erweiterungen”. Die Spanne von 1 bis 6 Personen ist damit bereits ab dem Einstiegs-Pledge abgedeckt und nicht an die teureren Stufen gebunden.

Stretch Goals

Am ersten Kampagnentag sind zwei Stretch Goals freigeschaltet, beide gehören zur neuen Barbarica-Erweiterung.

Mechanischer Inhalt:

  • Barbarica: New Map. Die neue, exklusiv für die Special Edition gestaltete Karte von Mac Gerdts und Paulina Włodarczyk.

Komponenten zur Barbarica-Karte:

  • Barbarica: City Tokens. Stadt-Marker, die die Ausgangsstädte auf der Karte abbilden und den Verfall des Reiches nachvollziehbar machen.

Ein weiteres Stretch Goal kündigt Awaken Realms für den dritten Kampagnentag an, ohne bisher Details zu nennen.

Die Pledge-Stufen im Überblick

Die spielerischen Inhalte sind ab dem günstigsten Spiel-Pledge vollständig. Alles darüber sind Material- und Sammler-Aufwertungen, kein zusätzliches Gameplay.

  • Concordia Standard Edition (Cardboard), 75 Euro: Das vollständige Spiel mit Pappmarkern, inklusive aller bisher erschienenen Karten und Erweiterungen sowie der freigeschalteten Stretch Goals. Spielerisch komplett.
  • Concordia Special Edition (Wooden), 95 Euro: Gleicher Spielinhalt, aber mit Holz-Meeples und drei Plastikminiaturen. Materialaufwertung gegenüber der Cardboard-Version, kein zusätzliches Gameplay.
  • Glory of Rome Pledge, 157 Euro: Wooden Edition plus Acryl-Plättchen und Metallmünzen. Reine Komponenten-Aufwertung.
  • Pax Romana Pledge, 241 Euro: Wooden Edition plus Metallmünzen, Acryl-Plättchen und 3D-Miniaturen. Komponenten-Aufwertung.
  • Opus Magnum Pledge, 339 Euro: Wooden Edition mit dem vollen Material plus Spielmatten, Artbook und Kartenhüllen. Komponenten- und Sammler-Aufwertung.
  • Special Editions Master Set (439 Euro) und Collector's Set (809 Euro): Bündel, die Concordia mit den Special Editions von Puerto Rico und Die Burgen von Burgund kombinieren. Hier zahlen Sie für drei Spiele, nicht für mehr Concordia-Gameplay.

Eine deutsche Ausgabe ist abgedeckt: In den Pledge-Beschreibungen lässt sich die Sprachversion des Spiels frei wählen.

Einordnung

Die Kampagne hat ihr Ziel sofort gesprengt. Stand 9. Juni 2026, dem ersten Kampagnentag, stehen rund 1.089.000 Euro bei einem Ziel von 50.000 Euro, das entspricht etwa 2.179 Prozent, getragen von rund 4.274 Unterstützenden. Diese Dynamik ist ein Marktsignal, kein Qualitätsurteil: Das zugrunde liegende Spiel ist ein etablierter Klassiker, neu ist vor allem die Ausstattung.

Für den DACH-Markt ist relevant, dass die Sprachwahl eine deutsche Version einschließt und der spielerische Kern bereits im 75-Euro-Pledge vollständig enthalten ist. Wer die hochpreisigen Stufen erwägt, bezahlt für Material, nicht für mehr Spiel. Und wer Concordia samt Erweiterungen wie Venus oder Solitaria bereits im Regal hat, bekommt als echten Neuwert vor allem die exklusive Barbarica-Karte und die Material-Aufwertung; der übrige Inhalt bündelt bereits Erschienenes.

Concordia reiht sich damit in eine ganze Welle von Klassiker- und Crowdfunding-Neuauflagen ein. Vergleichbar liefen zuletzt etwa die Agricola Special Edition auf Gamefound sowie neue Kampagnen wie The Legacy of Mars und Labyrinth: Chronicles.

Agricola Special Edition: Rosenbergs Hofbau-Klassiker kehrt zurück

09. Juni 2026 um 15:34
Agricola Special Edition: Rosenbergs Hofbau-Klassiker kehrt zurück

Awaken Realms bringt mit der Agricola Special Edition den Hofbau-Klassiker von Uwe Rosenberg in einer Sammelfassung zurück, die alle bisher erschienenen Erweiterungen und eine neue Bewässerungs-Erweiterung in eine Box packt. Die Kampagne auf Gamefound ist längst durchfinanziert, doch ein Datum ist für Interessierte aus dem deutschsprachigen Raum wichtig: Der Pledge Manager schließt am 10. Juni 2026 um 20:00 Uhr (MESZ).

Eckdaten

SpielAgricola Special Edition (Neuauflage des Klassikers von 2007)
DesignerUwe Rosenberg (auch Designer der neuen Irrigation-Erweiterung)
Illustration (Special Edition)Patryk Jędraszek, Ewa Labak, Pamela Łuniewska
VerlageAwaken Realms (Wroclaw, Polen), Lookout Games
MechanikenWorker Placement, Tableau Building, Closed Drafting, Enclosure (Einzäunen), Automatic Resource Growth, Solo-Modus
Spielerzahl1 bis 4 (mit der Erweiterung für den 5. und 6. Spieler bis 6)
Spielzeit90 Minuten (Herstellerangabe)
Alterab 14 Jahren
Komplexität (BGG, Original)3,64 / 5
PlattformGamefound (Kampagne Juni 2025, abgeschlossen)

Was Sie in Agricola tun

Agricola ist ein Worker-Placement-Spiel, und das beschreibt den Kern gut. Sie führen eine Bauernfamilie, die im Holzverschlag startet. Zu Beginn haben Sie nur zwei Familienmitglieder und damit zwei Aktionen pro Runde. Sie setzen diese Figuren auf Aktionsfelder, und hier liegt die zentrale Spannung: Jedes Feld nimmt pro Runde nur eine Figur auf. Wer zuerst setzt, nimmt dem Tisch die Aktion weg.

Die Aktionen decken den ganzen Hof ab. Sie pflügen Äcker und säen Getreide oder Gemüse. Sie sammeln Holz, Lehm, Schilf und Stein. Sie bauen Ställe und ziehen Zäune, um Weiden einzuzäunen (die Enclosure-Mechanik). Sie fangen Schafe, Wildschweine und Rinder und züchten sie weiter, denn Tiere und Feldfrüchte vermehren sich bei der Ernte von selbst (Automatic Resource Growth). Ihr Haus bauen Sie vom Holzbau über Lehm bis zum Stein aus, und mit jedem Familienzuwachs gewinnen Sie eine zusätzliche Arbeitskraft.

Der Haken: Bei jeder Ernte müssen Sie alle Mäuler stopfen. Wer seine Familie nicht ernährt, kassiert Bettelkarten und damit Minuspunkte. Dazu kommen die Karten, die Agricola seine enorme Tiefe geben. Jede und jeder startet mit einer Hand aus Berufen (Occupations) und kleinen Anschaffungen (Minor Improvements) und spielt daraus die passenden Karten in den eigenen Hof (Closed Drafting). Am Ende gewinnt, wer den ausgewogensten Hof vorweist, denn einseitige Strategien bestraft die Wertung.

Auf BoardGameGeek trägt das Original ein Gewicht von 3,64 von 5 Punkten. Agricola ist ein forderndes Kennerspiel: Wer die Fütterung verpasst oder ein Aktionsfeld zu spät besetzt, spürt das sofort in der Wertung. Gerade die ersten Partien verzeihen wenig, weil jede Entscheidung am knappen Aktionsbudget hängt. Die Kampagne nennt 90 Minuten Spielzeit. In Erstpartien und in großer Runde sollten Sie eher mehr einplanen, denn je mehr Höfe um dieselben Aktionsfelder ringen, desto länger zieht sich die Bauphase.

Solo-Modus und Koop-Modus

Agricola lässt sich allein spielen, und die Special Edition baut das aus. Der klassische Solo-Modus bleibt enthalten. Dazu kommt ein neuer Solo-Modus im Automa-Stil: ein regelgesteuerter Gegenspieler mit skalierbarem Schwierigkeitsgrad. Wer lieber gemeinsam an einem Strang zieht, findet im freigeschalteten Koop-Modus „Chicken Coop Bandits“ ein eigenes Modul, in dem die Höfe zusammen gegen Banditen und wechselnde Ereignisse bestehen.

Was in der Special Edition steckt

Die Special Edition versteht sich als Sammelfassung. In der Box stecken alle bisher erschienenen Erweiterungen, darunter das umfangreiche Farmers of the Moor, das mit Heizmaterial, Pferden und Moorlandschaften eine eigene Wirtschaftsebene einzieht. Neu hinzu kommt die Erweiterung Irrigation (Bewässerung), von Uwe Rosenberg eigens für diese Ausgabe mitentworfen. Sie bringt ein neues Spielertableau mit Flüssen und Bewässerungskanälen sowie Wasser-Mechaniken, die Ernte, Tierzucht und Langzeitstrategie beeinflussen. Zwei freigeschaltete Module bauen darauf auf: wasserbetriebene Mühlen, die Sie an Ihrem Bewässerungsnetz platzieren, und Obstbäume, die Sie für Holz fällen oder zu Apfelwein verarbeiten können.

Stretch Goals: Inhalt gegen Material

Bei rund 10.290 Prozent Finanzierung hat die Kampagne sehr viel freigeschaltet. Für die Kaufentscheidung lohnt es, zwei Arten von Stretch Goals zu trennen.

Mechanisch relevanter Inhalt verändert, was auf dem Tisch passiert:

  • die Irrigation-Erweiterung in drei Ausbaustufen (Bewässerungstableau, Mühlen, Obstbäume und Apfelwein),
  • der neue Automa-Solo-Modus und der kooperative Modus „Chicken Coop Bandits“,
  • ein offizielles Deck F mit 168 Karten samt Deck-Guide-Heft, das polnische Deck mit 30 Karten, die Changelings (Trolle und Goblins) samt Lamas,
  • sowie Dutzende thematischer Kartenpäckchen vom Tierhaltungs-Deck bis zum Back- und Speisen-Deck.

Komponenten-Upgrades verändern nur das Material, nicht die Regeln:

  • 3D-Miniaturen für Familie, Tiere sowie Ställe und Zäune,
  • alternative Sculpts für Familienfiguren und Tiere, wahlweise in Pappe, Holz oder als 3D-Miniatur,
  • individuell geformte und gestaltete Spielertableaus,
  • zusätzliche Rückseiten-Artworks für Tiere, Familienmitglieder und Changelings.

Pledge-Stufen und Preise

Wichtig für die Einordnung: Der Kerninhalt ist über alle Stufen gleich. Jede Stufe enthält das Grundspiel, alle freigeschalteten Stretch Goals, Farmers of the Moor und die weiteren Decks. Die Aufpreise zahlen vor allem die Materialveredelung (Pappe, Holz, 3D), nicht zusätzliche Mechanik. Eine Ausnahme betrifft die Spieleranzahl: Das Grundspiel ist für 1 bis 4 Personen ausgelegt. Die Erweiterung für den 5. und 6. Spieler liegt nur den beiden teuersten Stufen (Full House und Master of the Land) bei. Für die günstigeren Stufen lässt sie sich als Add-on ergänzen (Pappfassung 12 Euro, Holzfassung 19 Euro). In allen Pledges lässt sich die Sprachversion frei wählen, eine deutsche Ausgabe ist mit Lookout Games als deutschem Agricola-Verlag Teil des Angebots.

  • Agricola Standard Edition (Pappe), 79 Euro: das Spiel mit Pappmarkern, alle Stretch Goals ebenfalls in Pappe.
  • Agricola Special Edition (Holz), 109 Euro: dieselbe Ausstattung mit Holz-Meeples.
  • Family Farm Pledge, 164 Euro: Special Edition plus 3D-Miniaturen für Familie und Tiere sowie für Ställe und Zäune.
  • Grand Homestead Pledge, 219 Euro: zusätzlich 3D-Miniaturen für Rohstoffe und Häuser.
  • Full House Pledge, 278 Euro: Grand Homestead plus die Erweiterung für den 5. und 6. Spieler mit passenden 3D-Komponenten. Erst ab dieser Stufe spielen Sie ohne Zukauf zu sechst.
  • Master of the Land Pledge, 459 Euro: alles, was am ersten Kampagnentag angeboten wurde (inklusive der Erweiterung für den 5. und 6. Spieler), ohne die Pappvarianten.

Wer also vor allem das Spielmaterial in 3D auf dem Tisch sehen will, klettert die Stufen hinauf. Wer den vollen Kerninhalt zum kleinsten Preis sucht, ist mit der Pappe- oder Holzfassung gut bedient und ergänzt die Runde zu fünft oder zu sechst bei Bedarf über das günstige Add-on.

Zeitkritisch: der Pledge Manager

Die eigentliche Kampagne lief im Juni 2025 und sammelte bei einem Ziel von 50.000 Euro rund 5,14 Millionen Euro von 23.650 Unterstützenden ein. Wer jetzt noch einsteigen will, kann das über den Pledge Manager der Kampagne tun, und dafür drängt die Zeit: Laut Kampagnen-Update 27 schließt der Pledge Manager am 10. Juni 2026 um 20:00 Uhr (MESZ). Die Auslieferung ist für Oktober 2026 angekündigt.

Fazit

Die Agricola Special Edition richtet sich klar an Fans, die den Klassiker schätzen und ihn samt Erweiterungen in einer Box haben wollen. Der Reiz liegt im gesammelten Inhalt und in der neuen Bewässerungs-Erweiterung von Uwe Rosenberg, nicht in den Miniaturen, die nur das Material aufwerten. Für Neugierige aus dem deutschsprachigen Raum zählt vor allem das Datum: Nach dem 10. Juni 2026 ist der direkte Weg über den Pledge Manager zu.

Mehr von Uwe Rosenberg im Crowdfunding: Click A Tree auf Kickstarter.

Mondbasis Shackleton: Erweiterung Below. Within. Above. sammelt auf der Spieleschmiede

09. Juni 2026 um 12:51
Mondbasis Shackleton: Erweiterung Below. Within. Above. sammelt auf der Spieleschmiede

Auf der Spieleschmiede sammelt die erste große Erweiterung zum Kennerspiel „Mondbasis Shackleton“ Unterstützer: „Below. Within. Above.“ bringt drei neue Konzerne und mit Indien eine vierte Raumfahrtagentur auf den Mond. Wichtig vorweg, weil es über Kauf oder Verzicht entscheidet: Dies ist eine Erweiterung, kein eigenständiges Spiel. Ohne das Grundspiel „Mondbasis Shackleton“ lässt sich „Below. Within. Above.“ nicht spielen.

Erweiterung oder eigenständiges Spiel? „Below. Within. Above.“ ist eine Erweiterung und benötigt das Grundspiel „Mondbasis Shackleton“. Spielbar zu 1 bis 4 Personen, 60 bis 120 Minuten, ab 14 Jahren.

Für wen die Kampagne gedacht ist

Die Kampagne richtet sich in erster Linie an alle, die „Mondbasis Shackleton“ bereits im Regal haben. Sie erhalten neues Material für ein Spiel, das sie kennen. Wer das Grundspiel noch nicht besitzt, kann trotzdem einsteigen: Die Spieleschmiede-Kampagne bietet Pledge-Stufen und Add-ons, die Grundspiel und Erweiterung zusammen abdecken. Für Neueinsteiger ist der Kauf des Grundspiels also Pflicht, sonst bleibt die Erweiterung im Karton.

Zur Einordnung: „Mondbasis Shackleton“ ist die deutsche Ausgabe von „Shackleton Base: A Journey to the Moon“. Das Grundspiel erschien 2024, die Erweiterung trägt das Jahr 2026. Verantwortlich für die deutsche Fassung und die Kampagne ist Giant Roc auf der Spieleschmiede.

Worum es geht

In „Mondbasis Shackleton“ bauen die Spielenden gemeinsam und in Konkurrenz eine Mondbasis nahe dem Shackleton-Krater auf. Sie steuern Konzerne und Raumfahrtagenturen, setzen Arbeiter ein und entwickeln die Basis über mehrere Runden. Das Spiel ist ein bewusst anspruchsvolles Eurogame: Die BGG-Komplexität von 4,0 von 5 Punkten liegt im oberen Kennerspiel- bis Expertenbereich, und auch der Verlag rahmt das Grundspiel als Expertenspiel. Wer es zum ersten Mal erklärt, sollte für die Lernkurve und die ersten Partien eher mehr Zeit einplanen, als die reinen 60 bis 120 Minuten Spielzeit vermuten lassen.

Die Kernmechaniken sind Worker Placement und ein variabler, modularer Aufbau. Jede Partie beginnt mit einer anderen Ausgangslage, weil sich die Module neu zusammensetzen lassen. Eine Runde gliedert sich im Grundspiel in eine Shuttle-, eine Aktions- und eine Wartungsphase; gespielt wird über drei Runden.

Was die Erweiterung tut

Below. Within. Above.“ erweitert dieses Grundgerüst um drei neue Konzerne und mit Indien eine neue Raumfahrtagentur. Jeder Konzern bringt einen eigenen Weg, Punkte zu erzeugen, und verschiebt damit die Prioritäten im Grundspiel:

  • Lunar City zieht zivile Siedler auf den Mond und verlagert den Fokus weg vom reinen Industrieaufbau hin zur Besiedlung.
  • Undermoon bringt ein Ausgrabungssystem, mit dem Tunnel unter die bestehenden Bauten gegraben werden. Die Basis bekommt damit eine neue Ebene nach unten und entsprechend neue Bauoptionen.
  • Zenith Works setzt auf die Zusammenarbeit mit einem Baukonzern für gemeinsame Infrastruktur; hier wird in die Höhe gebaut.

Die drei Konzerne fügen dem Mond also je eine Richtung hinzu: in die Breite besiedeln, nach unten graben, nach oben bauen. Dazu liegen der Box neue Wertungsplättchen bei, die zusätzliche Wertungsachsen eröffnen. Welche einzelnen neuen Aktionsfelder daraus entstehen, zeigt die Kampagne bislang über die Konzepte der Konzerne und ihre Bilder, nicht über eine vollständige Regelübersicht.

Eckdaten

  • Spielerzahl: 1 bis 4 Spielende
  • Spielzeit: 60 bis 120 Minuten
  • Alter: ab 14 Jahren
  • Genre: Eurogame, oberes Kennerspiel- bis Expertenniveau
  • Kernmechaniken: Worker Placement, variabler Aufbau
  • Designer: Fabio Lopiano und Nestore Mangone
  • Illustration: David Sitbon
  • Originalverlag: Sorry We Are French
  • Deutsche Ausgabe und Kampagne: Giant Roc auf der Spieleschmiede

Solo-Modus

Das Grundspiel ist von 1 bis 4 Spielenden spielbar und unterstützt damit einen Solo-Modus. Die Erweiterung folgt derselben Spannweite von 1 bis 4. Eine eigene, von der Erweiterung neu eingeführte Solo-Variante nennt die Kampagne nicht; der bestehende Solo-Modus des Grundspiels bleibt der Bezugspunkt.

Pledge-Stufen

Die Spieleschmiede staffelt die Unterstützung in vier Stufen:

  • Erste Mission (5 Euro): nur eine digitale Spielernetzwerk-Errungenschaft, kein physisches Material. Eine reine Unterstützer-Stufe ohne Spielinhalt.
  • Modul-Ausbau (40 Euro): die Erweiterung auf Deutsch. Die passende Stufe für alle, die das Grundspiel schon besitzen.
  • Vollständige Basis (110 Euro): Erweiterung plus Grundspiel. Der Einstieg für Neulinge, die beides zusammen wollen.
  • Optimierte Mondbasis (115 Euro): Erweiterung, Grundspiel und Kartenhüllen. Gegenüber der vorigen Stufe ist der Aufpreis ein reines Komponenten-Extra, kein zusätzlicher Spielinhalt.

Dazu kommen Add-ons: die Erweiterung einzeln für 40 Euro und das Grundspiel einzeln für 70 Euro. So lassen sich vorhandene Pledges gezielt ergänzen. Gameplay-seitig unterscheiden sich die Stufen nicht: Wer „Modul-Ausbau“ wählt und das Grundspiel bereits hat, spielt denselben Inhalt wie jemand mit „Vollständige Basis“. Der Unterschied liegt allein darin, ob Grundspiel und Zubehör wie Kartenhüllen mitgeliefert werden.

Stand der Kampagne

Die Kampagne läuft aktiv auf der Spieleschmiede und wird bereits von Unterstützern getragen; bis zum Ende bleiben noch rund vier Wochen Zeit. Den aktuellen Finanzierungsstand und die genaue Restlaufzeit zeigt die Kampagnenseite live an.

Fazit

„Below. Within. Above.“ ist eine Erweiterung für ein bewusst schweres Eurogame und richtet sich an dessen bestehende Fangemeinde. Hinter dem System stehen Fabio Lopiano und Nestore Mangone, wobei Lopiano für dicht verzahnte Euro-Designs bekannt ist. Wer „Mondbasis Shackleton“ mag und mehr Wege auf den Mond sucht, findet hier drei neue Konzerne mit klar getrennten Stoßrichtungen, frische Wertungsachsen und mit Indien eine zusätzliche Agentur. Für Neueinsteiger führt der Weg nur über das Grundspiel, das die Spieleschmiede in mehreren Pledge-Stufen mitliefert.

Wise Wizard Games in der Crowdfunding-Krise: Was Backer im DACH-Raum jetzt wissen sollten

08. Juni 2026 um 15:22
Wise Wizard Games in der Crowdfunding-Krise: Was Backer im DACH-Raum jetzt wissen sollten

Der US-Kartenspiel-Verlag Wise Wizard Games, bekannt für die Deckbuilder-Reihen Star Realms und Hero Realms, steht wegen Lieferverzug bei mehreren Crowdfunding-Projekten unter Druck. Mehrere finanzierte Kickstarter-Projekte sind weiterhin nicht bei den Unterstützern angekommen, der Verlag hat Personal abgebaut und verweist auf gestiegene Kosten und die unsichere US-Zoll-Lage. Eine Welle von Backer-Beschwerden, ausgelöst unter anderem durch einen vielbeachteten Thread im Forum r/boardgames, hat das Thema zuletzt in die Brettspiel-Öffentlichkeit getragen.

Für Spielerinnen und Spieler im deutschsprachigen Raum ist die Lage zweigeteilt, und das ist die zentrale Frage dieses Beitrags: Wer eine der Kampagnen direkt unterstützt hat, wartet womöglich seit Jahren. Wer die Titel dagegen im regulären Handel als fertiges Produkt kauft, ist von der Krise nur am Rande betroffen. Diese Trennung ist der Kern unserer Einordnung.

Was ist passiert?

Wise Wizard Games hat über mehrere Jahre eine ganze Reihe von Crowdfunding-Projekten finanziert, deren Auslieferung sich erheblich verzögert. Das Brancheninformationsangebot BoardGameWire berichtete am 12. November 2025 von vier noch nicht ausgelieferten Kampagnen:

  • Hero Realms Dungeons: über 1 Million US-Dollar, ursprünglich angekündigt für Februar 2024
  • Robot Quest Arena: Bot Battle: rund 1,1 Millionen US-Dollar, Ziel Juni 2025
  • Star Realms Deluxe Colonial Collection: über 300.000 US-Dollar, Ziel November 2024
  • Draconis 8: physische Ausgabe des Sammelkartenspiels

Bereits im April hatten wir über den Projektstopp bei laufenden Crowdfunding-Kampagnen des Verlags berichtet. Auch abgeschlossene Projekte brauchten lange: Laut BoardGameWire wurde die Auslieferung von Star Realms: Rise of Empire erst rund zwei Jahre nach dem ursprünglich für Juni 2023 angekündigten Termin abgeschlossen. Unterstützer kritisieren dem Bericht zufolge vor allem ständig verschobene Liefertermine und eine dünne Kommunikation. Bemängelt wurde außerdem, dass der Verlag trotz finanzieller Probleme weiterhin Personal auf Messen schickte.

Den jüngsten Schub bekam die Debatte aus der Community selbst: In einem Thread im Reddit-Forum r/boardgames mit dem Titel „I deeply regret backing Wise Wizard Games on...” sammelten sich zahlreiche Wortmeldungen enttäuschter Unterstützer. Ein solcher Thread ist ein Stimmungssignal, kein Urteil. Er zeigt aber, dass die Geduld eines Teils der Unterstützerbasis aufgebraucht ist.

Wer ist Wise Wizard Games?

Wise Wizard Games (früher White Wizard Games) ist ein kleiner US-Verlag mit Schwerpunkt auf schnellen Karten- und Deckbuildern. Das Aushängeschild ist die Star-Realms-Familie, einer der bekanntesten modernen Zwei-Personen-Deckbuilder: kompakte Duelle, in denen beide Seiten aus einem gemeinsamen Markt Karten kaufen und ihr Deck Runde um Runde aufrüsten. Der jüngere Ableger Star Realms: Rise of Empire (2024) erweitert das Prinzip um eine Legacy-Kampagne über zwölf Szenarien für zwei Personen, Partien dauern laut BoardGameGeek rund 20 Minuten, empfohlen ab 12 Jahren. Die fantasythematische Schwester-Reihe Hero Realms überträgt denselben Deckbuilder-Kern in eine Abenteuerwelt, Hero Realms Dungeons ergänzt eine Kampagne mit Dungeon-Encountern.

Neben den Karten-Titeln gehört auch Robot Quest Arena (2023) zum Programm, ein Deckbuilding-Arenakampf mit vorbemalten Roboter-Miniaturen für zwei bis vier Personen. Dieser Verlagstyp erklärt einen Teil des Problems: Wise Wizard Games arbeitet mit einer wiederkehrenden Kickstarter-Kadenz, startet also regelmäßig neue Kampagnen. Solange die Auslieferung reibungslos läuft, ist das ein bewährtes Modell. Stockt die Erfüllung, türmt sich schnell ein Rückstand aus mehreren offenen Projekten gleichzeitig auf, und neue Kampagnen wirken auf wartende Unterstützer wie ein zusätzlicher Affront.

Was sagt der Verlag?

Wise Wizard Games hat sich öffentlich geäußert. In einem Business-Update vom 4. November 2025 räumt der Verlag eine „schwierige interne Umstrukturierung” mit Stellenabbau ein und schreibt, gestiegene Kosten und unberechenbare US-Zölle hätten „die Lage für Spielefirmen auf breiter Front schwierig gemacht”. Die Summe der überfälligen Crowdfunding-Projekte beziffert der Verlag laut BoardGameWire auf rund 2,5 Millionen US-Dollar. Zugleich betont das Unternehmen, man bleibe der Erfüllung der Crowdfunding-Kampagnen verpflichtet und entschuldige sich „für die Verzögerungen und Störungen” (im Original: „we're sorry for the delays and disruptions”).

Gegenüber BoardGameWire bestätigte der Verlag die Entlassung von zwei Vollzeitkräften und ordnete die Lage so ein: Die Zeiten seien herausfordernd, man habe „einige harte Entscheidungen” treffen müssen, sehe sich aber gut aufgestellt, „um den Sturm zu überstehen”. Die Eigentümer arbeiteten dem Bericht zufolge zeitweise ohne Bezahlung, um Kosten zu senken und das Geschäft weiterzuführen. Als Strategie nennt der Verlag eine Konzentration auf kleinere, günstiger zu produzierende Box-Spiele.

Wichtig für die Einordnung: Der Verlag stellt die Auslieferung nicht ein, sondern sagt sie weiter zu. Konkrete, belastbare neue Liefertermine für die offenen Projekte nennt das öffentliche Update allerdings nicht. Stand dieser Berichterstattung ist der öffentlich dokumentierte Informationsstand vom November 2025; seither sind keine belastbaren neuen Termine bekannt geworden.

Was bedeutet das für DACH-Spielerinnen und -Spieler?

Hier lohnt die saubere Trennung zweier Gruppen.

Direkt betroffen sind Unterstützerinnen und Unterstützer aus Deutschland, Österreich und der Schweiz, die eine der Kampagnen selbst über Kickstarter finanziert haben. Sie tragen das volle Risiko der Verzögerung, hinzu kommen bei Importsendungen aus den USA mögliche Versand- und Einfuhrkosten. Wer hier wartet, hat aktuell wenig Handhabe außer Geduld und dem Verfolgen der offiziellen Updates.

Deutlich geringer ist das Risiko für alle, die die Spiele als fertiges Produkt im regulären Handel kaufen. Lokalisierte Star-Realms-Ausgaben liefen im deutschsprachigen Markt in der Vergangenheit unter anderem über IELLO, also über vom Kickstarter unabhängige Vertriebswege. Bereits produzierte und in den Handel gelangte Ware ist vom Stand der laufenden Kampagnen nicht betroffen. Eine Garantie auf dauerhafte Verfügbarkeit ist das allerdings nicht: Gerät ein Verlag finanziell unter Druck, kann sich das mittelbar auf künftige Nachdrucke, neue Lokalisierungen und die Pflege einer Produktlinie auswirken. Wer einen bestimmten Titel im Auge hat, greift im Zweifel also eher früher als später zu.

Eine DACH-Note hat der Fall trotzdem: Nach eigener Ankündigung war Wise Wizard Games im Oktober 2025 mit einem Stand auf der SPIEL in Essen vertreten und bot dort unter anderem Vorab-Exemplare neuer Titel an. Genau diese Messepräsenz, parallel zu offenen Lieferversprechen, gehört zu den Punkten, an denen sich der Unmut der Unterstützer entzündet.

Einordnung: Crowdfunding-Versprechen und die Rechtslage

Crowdfunding ist rechtlich nicht ohne Weiteres mit einem Kauf gleichzusetzen. Wer ein Projekt unterstützt, finanziert eine Produktion mit und trägt das Risiko mit, dass sie sich verzögert oder im schlimmsten Fall scheitert. Das ist der unbequeme Kern jeder solchen Kampagne, unabhängig vom Verlag. Der Fall steht dabei nicht allein: Finanzieller Druck hat zuletzt mehrere crowdfunding-erfahrene Verlage getroffen, ähnlich wie bei Steamforged Games. Das macht Wise Wizard Games weniger zum Ausreißer als zum Beispiel für ein strukturelles Risiko kleiner Crowdfunding-Verlage.

Heikler wird die Frage, welche Verbraucherrechte greifen. Verbraucherschützer und juristische Kommentatoren weisen darauf hin, dass sich klassische Instrumente wie Widerrufsrecht oder Gewährleistung nicht ohne Weiteres auf eine Crowdfunding-Unterstützung übertragen lassen, weil rechtlich oft kein gewöhnlicher Kaufvertrag vorliegt. Rechtlich umstritten und vor allem in der Praxis schwierig ist zudem die grenzüberschreitende Durchsetzung: Ein Backer aus dem DACH-Raum, der einen US-Verlag in Anspruch nehmen möchte, steht vor erheblichen praktischen Hürden. Wir benennen das hier bewusst als vorsichtige Einordnung, nicht als abschließende juristische Bewertung.

Fazit und Ausblick

Wise Wizard Games ist kein anonymer Großkonzern, sondern ein kleiner Verlag, der nach eigener Darstellung um sein Überleben ringt und an seinen Lieferversprechen festhält. Das macht den Fall weder harmlos noch erledigt. Entscheidend wird, ob auf das Bekenntnis zur Erfüllung nun belastbare Termine und sichtbare Auslieferungen folgen. Für DACH-Unterstützer offener Kampagnen heißt das vorerst: weiter warten und die offiziellen Updates im Blick behalten. Für alle anderen bleibt die Star-Realms-Familie das, was sie immer war: ein schneller Deckbuilder, den man im Handel als fertiges Produkt bekommt.

Board Game Arena: Neue Spiele vom 1. bis 8. Juni 2026

08. Juni 2026 um 13:26
Board Game Arena: Neue Spiele vom 1. bis 8. Juni 2026

Auf Board Game Arena ist in den vergangenen sieben Tagen ein neuer Titel hinzugekommen. Mit Goa erscheint ein strategisches Auktions- und Wirtschaftsspiel von Rüdiger Dorn, das den Gewürzhandel im Goa des 16. Jahrhunderts zum Thema hat. Der Titel zählt zu den älteren Klassikern des Autors und ist nun digital spielbar.

Goa – Gewürzhandel mit Auktionen und Technologieleisten

Goa wurde von Rüdiger Dorn entworfen und erschien 2004 zunächst bei Hans im Glück. Die Illustrationen stammen von Xavier Gueniffey Durin und Oliver Freudenreich. Das Spiel versetzt dich an die Spitze eines Handelshauses an der Westküste Indiens, wo du mit Gewürzen handelst, Schiffe und Siedler aussendest und dein Geld anlegst.

Jede Runde beginnt mit einer Auktionsphase, in der die Spieler nacheinander Plättchen versteigern. Wer ein fremdes Plättchen ersteigert, zahlt den Betrag an den Verkäufer, beim eigenen Plättchen geht das Geld an die Bank. Anschließend stehen jedem Spieler drei Aktionen zur Verfügung, mit denen sich Technologien verbessern oder Gewürze, Schiffe und Geld erzeugen lassen.

Die Entwicklung läuft über mehrere Leisten, die das Anlegen von Plantagen, den Bau von Schiffen und das Anwerben von Kolonisten abbilden. Je weiter du eine Leiste ausbaust, desto mehr Punkte bringt sie am Ende und desto stärker wirkt die zugehörige Aktion. Da pro Zug stets eine Aktion zu wenig zur Verfügung steht, entsteht laufend Druck zu Abwägungen zwischen den Leisten.

Spieldaten auf Board Game Arena und BoardGameGeek

Auf Board Game Arena ist Goa für 1 bis 4 Personen freigegeben, eine Partie dauert dort im Schnitt rund 56 Minuten. Auf BoardGameGeek ist der Titel für 2 bis 4 Personen ausgelegt und mit einer Spieldauer von 90 Minuten angegeben. Als Mechaniken kommen Auktion, Auktion „Once Around“, Hand Management, Push Your Luck sowie Technologieleisten zum Einsatz.

Auf BoardGameGeek erreicht das Spiel eine Bewertung von 7,54 aus 10 Punkten bei 11.901 abgegebenen Stimmen, das Komplexitätsgewicht liegt bei 3,36 von 5. Damit ordnet sich Goa im gehobenen Mittelfeld der Strategiespiele ein. Das Spiel lässt sich ohne Abo spielen.

Steamforged Games streicht ein Drittel der Stellen und fährt das Brettspiel-Crowdfunding zurück

08. Juni 2026 um 13:26
Steamforged Games streicht ein Drittel der Stellen und fährt das Brettspiel-Crowdfunding zurück

Steamforged Games, das britische Studio hinter Dark Souls: The Board Game, hat einen erheblichen Stellenabbau bestätigt. Betroffen ist rund ein Drittel der Belegschaft. Zugleich fährt das Studio neue Brettspiel-Crowdfunding-Kampagnen zurück und richtet sich auf das Tabletop-System Warmachine aus. Das berichtete das Branchenmagazin BoardGameWire am 4. Juni 2026 unter Berufung auf einen Studio-Sprecher.

Für Brettspielerinnen und Brettspieler im deutschsprachigen Raum ist das mehr als eine Personalie aus England. Steamforged-Lizenztitel wie Dark Souls, Resident Evil, Elden Ring oder Monster Hunter haben auch in DACH viele Unterstützende gefunden. Wer hier eine offene Kampagne mitfinanziert hat, ist von der Frage, wie es weitergeht, unmittelbar betroffen.

Was ist passiert?

Der Abbau trifft laut BoardGameWire nahezu alle Bereiche: Kreativ, Spieldesign, Produktion, Projektmanagement, Qualitätssicherung, Marketing sowie Vertrieb. Es ist bereits die zweite Kürzung dieser Größenordnung. Schon 2023 hatte Steamforged Stellen gestrichen.

Ein Steamforged-Sprecher bezeichnete die Entscheidung gegenüber BoardGameWire als „carefully considered“ (sorgfältig erwogen). Das Studio behalte „both the internal resource and the external capabilities needed to deliver on our commitments“, also die internen Mittel und die externen Fähigkeiten, um die eigenen Zusagen zu erfüllen. Eine Garantie ist eine solche Formulierung nicht. Sie ist eine Absichtserklärung des Unternehmens, und als solche ist sie hier zu lesen.

Sieben offene Kampagnen, mehr als 15 Millionen Pfund

Die zentrale Sorge der Unterstützenden lässt sich beziffern. Laut BoardGameWire stehen sieben finanzierte Projekte mit einem Volumen von über 15 Millionen Pfund (inklusive Nachbestellungen) noch aus:

  • Monster Hunter World: Iceborne
  • Elden Ring: Rot & Sorcery
  • Helldivers 2: The Board Game
  • Horizon Forbidden West: Seeds of Rebellion (Auslieferung wegen Zollunsicherheit aus den USA verschoben)
  • Terra Mystica Special Edition
  • Formula P3 Paints, Welle 2 (bis zu ein Jahr verspätet, Probleme mit den Metallic-Farben)
  • 6: Siege (von der insolventen Mythic Games übernommen, Auslieferung laut Steamforged im Juli geplant)

Der Sprecher betonte, Steamforged habe „never failed to deliver a crowdfunding campaign“, also bislang noch keine Kampagne unerfüllt gelassen. Bei 6: Siege gab es zuletzt einen Nebenschauplatz: In einem Produktions-Update tauchten KI-generierte Fotos auf. Nach Protesten aus der Community ersetzte das Studio sie durch echte Aufnahmen und sprach von einem menschlichen Fehler. Die Debatte um KI-Kunst in Brettspielprojekten ist dabei nicht neu.

Warum jetzt der Fokus auf Warmachine?

Während das Brettspielgeschäft gebremst wird, läuft das Miniaturensystem Warmachine. Den Umsatz aus Warmachine und den dazugehörigen P3-Farben hat Steamforged nach eigenen Angaben in 21 Monaten verdreifacht. Entsprechend wurde die Fertigung ausgebaut: in den USA seit März 2025 um rund 70 Prozent, in Europa seit August 2025 um rund 25 Prozent, dazu ein neues Werk in Großbritannien seit Februar 2026. „Demand has been high, and we've scaled production accordingly“, die Nachfrage sei hoch gewesen und man habe die Produktion entsprechend hochgefahren, so der Sprecher.

Neue Brettspiel-Crowdfunding-Aktivität wird dagegen „for the moment“, also vorerst, zurückgefahren. Das angekündigte Projekt Tyrant liegt laut Studio auf unbestimmte Zeit auf Eis.

Wer steckt dahinter?

Den Grundstein für den Schwenk legte eine Übernahme. Am 3. Juni 2024 kaufte Steamforged von Privateer Press die Marken Warmachine, Formula P3 Paints und das Rollenspiel Iron Kingdoms, dazu Warcaster und Riot Quest. Privateer Press fertigt die Warmachine-Modelle weiter und entwickelt gemeinsam mit Steamforged. Gegründet wurde Steamforged 2014 von Mat Hart und Richard Loxam, zunächst als Studio für Miniaturenspiele.

Den Durchbruch im Crowdfunding brachte 2016 Dark Souls: The Board Game: über 3,7 Millionen Pfund von mehr als 31.000 Unterstützenden. Danach folgte das Lizenzmodell mit Resident Evil 2, Horizon Zero Dawn, Monster Hunter World, Elden Ring und Helldivers 2. Genau dieses Modell wird nun gedrosselt.

Was bedeutet das für Spielerinnen und Spieler in DACH?

Für deutschsprachige Backer offener Kampagnen ändert sich an den Zusagen formal nichts: Das Studio will liefern. Praktisch verschiebt sich aber das Gewicht. Wer auf eine der sieben ausstehenden Boxen wartet, finanziert ein Vorhaben, das im Unternehmen nicht mehr im Zentrum steht. Neue Lizenz-Großprojekte aus dem Hause Steamforged sind auf absehbare Zeit unwahrscheinlich. Das ist relevant für alle, die das Studio bisher vor allem als Quelle für aufwendige Videospiel-Brettspiele kannten.

Einordnung

Eine Frage bleibt offen, und sie ist sachlich erlaubt: Wie stemmt ein um rund ein Drittel verkleinertes Team sieben Großprojekte im Wert von über 15 Millionen Pfund? Das Studio verweist auf interne wie externe Kapazitäten und auf seine Lieferbilanz. Beides sind Argumente, kein Beleg. Belastbar wird die Zusage erst mit den Auslieferungen, beginnend mit 6: Siege im Juli. Die Branche bewegt sich derweil in unterschiedliche Richtungen: Während Steamforged das Crowdfunding zurückfährt, hat Asmodee gerade seinen ersten großen Crowdfunding-Erfolg gelandet, und die Branche verzeichnet ein wachsendes Interesse am gemeinsamen Spieleabend. Steamforged sortiert sich um den Wachstumsbereich Warmachine herum neu, und das Brettspiel-Crowdfunding, das den Namen des Studios groß gemacht hat, tritt in den Hintergrund.


Transparenzhinweis: Keine Zuwendungen, keine Akkreditierung, keine Reise oder Bewirtung. Recherche auf Basis öffentlicher Primärquellen (BoardGameWire, Steamforged-Blog, Privateer Press); die zitierten Aussagen stammen aus dem BoardGameWire-Bericht.

Steamforged Games: Stellenabbau und Rückzug aus dem Brettspiel-Crowdfunding

06. Juni 2026 um 09:15
Steamforged Games: Stellenabbau und Rückzug aus dem Brettspiel-Crowdfunding

Steamforged Games, das britische Studio hinter Dark Souls: The Board Game, hat einen erheblichen Stellenabbau bestätigt. Betroffen ist rund ein Drittel der Belegschaft. Zugleich fährt das Studio neue Brettspiel-Crowdfunding-Kampagnen zurück und richtet sich auf das Tabletop-System Warmachine aus. Das berichtete das Branchenmagazin BoardGameWire am 4. Juni 2026 unter Berufung auf einen Studio-Sprecher.

Für Brettspielerinnen und Brettspieler im deutschsprachigen Raum ist das mehr als eine Personalie aus England. Steamforged-Lizenztitel wie Dark Souls, Resident Evil, Elden Ring oder Monster Hunter haben auch in DACH viele Unterstützende gefunden. Wer hier eine offene Kampagne mitfinanziert hat, ist von der Frage, wie es weitergeht, unmittelbar betroffen.

Was ist passiert?

Der Abbau trifft laut BoardGameWire nahezu alle Bereiche: Kreativ, Spieldesign, Produktion, Projektmanagement, Qualitätssicherung, Marketing sowie Vertrieb. Es ist bereits die zweite Kürzung dieser Größenordnung. Schon 2023 hatte Steamforged Stellen gestrichen.

Ein Steamforged-Sprecher bezeichnete die Entscheidung gegenüber BoardGameWire als „carefully considered“ (sorgfältig erwogen). Das Studio behalte „both the internal resource and the external capabilities needed to deliver on our commitments“, also die internen Mittel und die externen Fähigkeiten, um die eigenen Zusagen zu erfüllen. Eine Garantie ist eine solche Formulierung nicht. Sie ist eine Absichtserklärung des Unternehmens, und als solche ist sie hier zu lesen.

Sieben offene Kampagnen, mehr als 15 Millionen Pfund

Die zentrale Sorge der Unterstützenden lässt sich beziffern. Laut BoardGameWire stehen sieben finanzierte Projekte mit einem Volumen von über 15 Millionen Pfund (inklusive Nachbestellungen) noch aus:

  • Monster Hunter World: Iceborne
  • Elden Ring: Rot & Sorcery
  • Helldivers 2: The Board Game
  • Horizon Forbidden West: Seeds of Rebellion (Auslieferung wegen Zollunsicherheit aus den USA verschoben)
  • Terra Mystica Special Edition
  • Formula P3 Paints, Welle 2 (bis zu ein Jahr verspätet, Probleme mit den Metallic-Farben)
  • 6: Siege (von der insolventen Mythic Games übernommen, Auslieferung laut Steamforged im Juli geplant)

Diese Liste hat ein gemeinsames Muster: Es sind die für Steamforged typischen lizenz- und materiallastigen Großboxen. Gerade solche Projekte sind in Fertigung und Nachproduktion aufwendig, und das macht sie bei knapperen Ressourcen anfällig für Verzögerungen.

Der Sprecher betonte, Steamforged habe „never failed to deliver a crowdfunding campaign“, also bislang noch keine Kampagne unerfüllt gelassen. Bei 6: Siege gab es zuletzt einen Nebenschauplatz: In einem Produktions-Update tauchten KI-generierte Fotos auf. Nach Protesten aus der Community ersetzte das Studio sie durch echte Aufnahmen und sprach von einem menschlichen Fehler.

Warum jetzt der Fokus auf Warmachine?

Während das Brettspielgeschäft gebremst wird, läuft das Miniaturensystem Warmachine. Den Umsatz aus Warmachine und den dazugehörigen P3-Farben hat Steamforged nach eigenen Angaben in 21 Monaten verdreifacht. Entsprechend wurde die Fertigung ausgebaut: in den USA seit März 2025 um rund 70 Prozent, in Europa seit August 2025 um rund 25 Prozent, dazu ein neues Werk in Großbritannien seit Februar 2026. „Demand has been high, and we've scaled production accordingly“, die Nachfrage sei hoch gewesen und man habe die Produktion entsprechend hochgefahren, so der Sprecher.

Neue Brettspiel-Crowdfunding-Aktivität wird dagegen „for the moment“, also vorerst, zurückgefahren. Das angekündigte Projekt Tyrant liegt laut Studio auf unbestimmte Zeit auf Eis. Damit kehrt Steamforged faktisch zu seiner Herkunft als Miniaturenstudio zurück. Das Brettspiel-Lizenzgeschäft, lange das Aushängeschild, wird zur Nebenlinie.

Wer steckt dahinter?

Den Grundstein für den Schwenk legte eine Übernahme. Am 3. Juni 2024 kaufte Steamforged von Privateer Press die Marken Warmachine, Formula P3 Paints und das Rollenspiel Iron Kingdoms, dazu Warcaster und Riot Quest. Privateer Press fertigt die Warmachine-Modelle weiter und entwickelt gemeinsam mit Steamforged. Gegründet wurde Steamforged 2014 von Mat Hart und Richard Loxam, zunächst als Studio für Miniaturenspiele.

Den Durchbruch im Crowdfunding brachte 2016 Dark Souls: The Board Game: über 3,7 Millionen Pfund von mehr als 31.000 Unterstützenden. Danach folgte das Lizenzmodell mit Resident Evil 2, Horizon Zero Dawn, Monster Hunter World, Elden Ring und Helldivers 2. Genau dieses Modell wird nun gedrosselt.

Was bedeutet das für Spielerinnen und Spieler in DACH?

Für deutschsprachige Backer offener Kampagnen ändert sich an den Zusagen formal nichts: Das Studio will liefern. Betroffen ist dabei vor allem, wer eine offene Kampagne direkt unterstützt oder importiert hat. Wer Steamforged-Titel nur gelegentlich im Handel kauft, merkt von alldem wenig. Praktisch verschiebt sich aber das Gewicht. Wer auf eine der sieben ausstehenden Boxen wartet, finanziert ein Vorhaben, das im Unternehmen nicht mehr im Zentrum steht. Neue Lizenz-Großprojekte aus dem Hause Steamforged sind auf absehbare Zeit unwahrscheinlich. Das ist relevant für alle, die das Studio bisher vor allem als Quelle für aufwendige Videospiel-Brettspiele kannten.

Einordnung: Kann Steamforged liefern?

Eine Frage bleibt offen, und sie ist sachlich erlaubt: Wie stemmt ein um rund ein Drittel verkleinertes Team sieben Großprojekte im Wert von über 15 Millionen Pfund? Das Studio verweist auf interne wie externe Kapazitäten und auf seine Lieferbilanz. Beides sind Argumente, kein Beleg. Belastbar wird die Zusage erst mit den Auslieferungen, beginnend mit 6: Siege im Juli. Bis dahin gilt: Steamforged sortiert sich um den Wachstumsbereich Warmachine herum neu, und das Brettspiel-Crowdfunding, das den Namen des Studios groß gemacht hat, tritt in den Hintergrund.

Quantum Tricks & 15th Stamp: Zwei Stichspiele in einer Spieleschmiede-Kampagne

04. Juni 2026 um 14:11
Quantum Tricks & 15th Stamp: Zwei Stichspiele in einer Spieleschmiede-Kampagne

Auf der Spieleschmiede läuft eine Doppel-Kampagne: Der finnische Verlag Dragon Dawn Productions bringt mit „Quantum Tricks“ und „15th Stamp“ gleich zwei Stichspiele zusammen auf Deutsch heraus. Beide stammen vom selben Autor, gehen das Stechen aber von zwei sehr verschiedenen Seiten an. Wir ordnen ein, was die beiden Titel jeweils auf den Tisch bringen.

Eine Kampagne, zwei Stichspiele

Stichspiele kommen selten allein, und in diesem Fall ganz wörtlich: Dragon Dawn Productions bündelt „Quantum Tricks“ und „15th Stamp“ in einer einzigen Spieleschmiede-Kampagne. Beide Titel sind für 2026 angekündigt, beide stammen von Autor Ren Multamäki, und beide erscheinen über die Spieleschmiede direkt auf Deutsch. Damit ist die DACH-Relevanz gegeben: Wer einsteigt, bekommt die deutsche Ausgabe, nicht den Import. Wer parallel schaut, was sonst gerade im Genre läuft, findet bei uns weitere Stichspiele, etwa das aktuelle Tricky Teams von Kosmos.

Gemeinsam ist den beiden Spielen nur das Grundprinzip, der Stich. Was darauf aufbaut, könnte kaum unterschiedlicher sein. „Quantum Tricks“ verlegt das Stechen ins Weltall und lässt Sie drei Stiche parallel bedienen. „15th Stamp“ siedelt im Behörden-Wahnsinn einer Fantasy-Bürokratie und rechnet nicht in Stichen, sondern in einem Zielwert von 15. Die folgenden Abschnitte behandeln jeden Titel für sich, damit klar bleibt, welche Regel zu welchem Spiel gehört.

Quantum Tricks: drei Stiche auf einmal

„Quantum Tricks“ startet vertraut: Wer Stichspiele kennt, ist schnell drin, denn das Grundgerüst ist klassisch. Der erste Spieler links vom Geber kommt heraus, dann geht es im Uhrzeigersinn weiter, bis alle ihre Karten gespielt haben. Leicht zu lernen, schwer zu meistern, so beschreibt es auch der BGG-Eintrag, und der Grund steckt in der Zahl: Sie bedienen nicht einen Stich, sondern immer drei gleichzeitig.

In Ihrem Zug legen Sie genau eine Karte an einen der drei Stich-Marker. Dafür haben Sie zwei Möglichkeiten. Entweder spielen Sie in einen bereits laufenden Stich, dann müssen Sie dessen Farbe bedienen. Oder Sie eröffnen einen neuen Stich auf einem freien Platz, dann dürfen Sie aber keine Farbe wählen, die gerade schon in einem anderen Stich liegt. Aus dieser Doppelregel entsteht das eigentliche Spiel: Welche Karte halten Sie zurück, welche Farbe eröffnen Sie selbst, und wann zwingen Sie die Mitspieler, in einen für Sie günstigen Stich zu spielen? Laut BGG-Eintrag liegt der Schwerpunkt entsprechend auf Handkartensteuerung (Hand Management). Unterschätzen Sie die Einstiegshürde nicht: Drei Stiche gleichzeitig im Blick zu behalten, fordert deutlich mehr als ein klassisches Stichspiel mit nur einem Stich.

Die wichtigste Drehung kommt zum Schluss: Sie wollen gar nicht die meisten Stiche gewinnen. Laut Spielbeschreibung kassiert am Ende jeder Runde der Spieler mit den meisten Stichen Minuspunkte in Höhe seiner Stiche, während alle anderen Pluspunkte für ihre gesammelten Stiche bekommen. Eine Ausnahme dreht das Kalkül noch einmal um: Wer am Rundenende auf genau fünf Stiche kommt, erhält fünf Siegpunkte, und dann punktet in dieser Runde nur dieser eine Spieler. Wer zu gierig sticht, rutscht also ins Minus, und genau das kann eine Partie kippen lassen. Die Partie läuft über so viele Runden, wie Personen am Tisch sitzen. Thematisch ist das Ganze in der Weltraumforschung verortet; das Kartenmaterial nutzt laut BGG Bildmaterial von ESA und NASA.

Eckdaten Quantum Tricks

AutorRen Multamäki
IllustrationBildmaterial von ESA und NASA
VerlagDragon Dawn Productions
Spieleranzahl3 bis 5
Spieldauerrund 30 Minuten (laut Verlag; mit Erklären und erster Partie eher mehr)
Mindestalterab 13 Jahren
MechanikStichspiel, Handkartensteuerung, fortschreitende Zugreihenfolge
BGG-EintragBGG-Eintrag zu Quantum Tricks

Zur Altersangabe: Die Tabelle folgt der genaueren Einzelangabe des BGG-Eintrags mit 13 Jahren; die Spieleschmiede-Kampagne nennt für das Doppel pauschal ab 9 Jahren. Die höhere Empfehlung passt zu „Quantum Tricks“: Drei Parallelstiche und die umgekehrte Wertung machen es zum anspruchsvolleren der beiden Titel, eher etwas für sticherfahrene Runden als für die ganz junge Familienrunde.

15th Stamp: Stechen bis zum Zielwert 15

„15th Stamp“ wechselt das Genre des Stechens komplett. Einen Farbzwang gibt es hier nicht, und ein Stich endet nicht, wenn alle eine Karte gelegt haben, sondern wenn ein Zielwert erreicht ist. Das Spiel führt in die Behörden-Hallen von Odrixia und setzt damit die Welt der Dragon-Dawn-Titel „Factory 42“ und „Mine 77“ fort. Erschöpfte Beamte stempeln Dokumente, Fehler passieren, und am Ende will jeder seinen Stempel gesetzt haben.

Mechanisch läuft das so: Beginnend mit dem Startspieler legt jede Person reihum eine Karte in den Stich, und zwar so lange, bis der summierte Rang-Wert der gespielten Karten den Zielwert von 15 erreicht. Eine Farbe müssen Sie dabei nicht bedienen, Sie dürfen jede Farbe mit jedem Rang einbringen. Sobald die Summe 15 erreicht oder überschreitet, endet der Stich sofort. Das kann dazu führen, dass manche Spieler mehrere Karten gelegt haben, andere nur eine und manche überhaupt keine. Wer also Pech mit der Reihenfolge hat, kommt in einem Stich gar nicht zum Zug. Ein praktischer Hinweis aus den Regeln: Legen Sie Ihre Karten getrennt von denen der Mitspieler ab, damit am Stich-Ende klar ist, wem welche Karte gehört. Das Material umfasst laut Verlag 80 Karten in acht Farben sowie einen Wertungsblock.

Wie der Stich anschließend genau gewertet wird und wer ihn für sich verbucht, führt der öffentlich einsehbare Kampagnentext nicht im Detail aus; gesichert ist das schnelle, farbfreie Stechen auf den Zielwert 15. Das Tempo ist hoch und die Einstiegshürde niedrig: Die BGG-Community verortet die Komplexität bei 1,0 von 5, also am untersten Ende. Mit drei bis sieben Personen und einer Spieldauer von 15 bis 20 Minuten zielt „15th Stamp“ klar auf die schnelle Runde zwischendurch oder den größeren Tisch.

Eckdaten 15th Stamp

AutorRen Multamäki
IllustrationLars Munck
VerlagDragon Dawn Productions
Spieleranzahl3 bis 7
Spieldauer15 bis 20 Minuten
Mindestalterab 9 Jahren
MechanikStichspiel mit Zielwert
BGG-EintragBGG-Eintrag zu 15th Stamp

Solo, Pledges und Laufzeit

Die Kampagne führt neben dem Mehrspieler-Modus einen Solo-Modus für „Quantum Tricks“ auf. Wie dieser konkret abläuft, geben die öffentlich einsehbaren Texte und die BGG-Einträge bislang nicht her; ausformulierte Solo-Regeln liegen uns also noch nicht vor. Auch eigene Etappen oder Stretch-Goals weist die Spieleschmiede-Seite zum jetzigen Stand nicht aus. Wer wissen will, was sonst gerade auf der Plattform läuft, findet bei uns laufend weitere Spieleschmiede-Projekte.

Bei den Pledge-Stufen halten sich die Optionen schlank. Die Stufe „Paar“ für 35 Euro enthält beide vorgestellten Spiele, „Quantum Tricks“ und „15th Stamp“, jeweils in der deutschen Version. Wer mehr will, greift zur „Schatzkammer der Stichspiele“ für 97 Euro: Sie packt zu den beiden Titeln noch fünf weitere Stichspiele aus dem Dragon-Dawn-Programm dazu, nämlich „White Hat“, „Justice“, „Golem Run“, „Verdun Deluxe“ und „Tolerance“. Wichtig für die Einordnung: Die höhere Stufe wertet die beiden Hauptspiele nicht mit Sonderkomponenten auf, sondern legt schlicht weitere Spiele bei. Wer nur „Quantum Tricks“ und „15th Stamp“ sucht, bekommt sie in der 35-Euro-Stufe vollständig. Darüber hinaus bietet die Kampagne diverse Add-ons an, etwa weitere Dragon-Dawn-Spiele und Promo-Karten-Decks.

Die Kampagne ist aktiv und hat zum Redaktionsstand rund 20 Tage Restlaufzeit. Über die Spieleschmiede gehen beide Titel als deutsche Ausgabe an den Start.

Tabletop Game Barometer 2026: Spieleabend statt Ausgehen

04. Juni 2026 um 13:39
Tabletop Game Barometer 2026: Spieleabend statt Ausgehen

Pünktlich zum International Tabletop Day am 4. Juni 2026 legen der Spielekonzern Asmodee und das Marktforschungsinstitut Kantar erstmals das „Tabletop Game Barometer“ vor. Die Studie soll künftig jährlich erscheinen und fragt, wie Menschen Brett- und Kartenspiele nutzen. Befragt wurden im Mai 2026 rund 5.000 Erwachsene ab 18 Jahren in fünf Märkten: Deutschland, Frankreich, Schweden, Großbritannien und den USA, je 1.000 Personen pro Land, repräsentativ nach Alter, Geschlecht, Region und sozioökonomischer Gruppe.

Eines vorweg, denn es gehört zur Einordnung: Das Barometer ist eine von Asmodee beauftragte Studie. Der weltgrößte Brettspielkonzern erhebt hier also Zahlen über den eigenen Markt. Die Befunde sind deshalb interessant, aber kein neutrales Marktgutachten. Wir referieren sie als das, was sie sind: Ergebnisse einer Herstellerstudie.

Was ist passiert?

Asmodee und Kantar veröffentlichen die erste Ausgabe einer geplant jährlichen Reihe. Der Aufhänger der Studie steckt schon in ihrer Überschrift: Mehr als die Hälfte der Befragten (57 Prozent) verbringt einen Samstagabend laut Barometer lieber zuhause mit einem Spiel als beim Ausgehen. 82 Prozent sagen, Spiele brächten Familie und Freunde näher zusammen.

Dahinter steht ein Befund zur Bildschirmmüdigkeit: 66 Prozent der Befragten wollen beim Zusammensein mit anderen präsenter sein, 57 Prozent wünschen sich, dass digitale Geräte im Alltag eine kleinere Rolle spielen. 62 Prozent geben an, Spiele hülfen ihnen, im Moment präsent zu sein, 63 Prozent erleben sie als Ausgleich zum Alltagsstress, und 71 Prozent schreiben dem Spielen einen positiven Einfluss auf die mentale Gesundheit zu.

Auch die soziale Funktion betont die Studie: 56 Prozent sagen, Spiele reduzierten sozialen Druck, 57 Prozent lernen darüber entspannter neue Menschen kennen, 51 Prozent führen beim Spielen leichter bedeutungsvolle oder unangenehme Gespräche. Den Hintergrund liefert eine Fremdquelle: Laut Meta-Gallup (Global State of Social Connections, 2023) fühlt sich weltweit fast jede vierte Person (24 Prozent) einsam.

Wer steckt dahinter?

Asmodee ist ein an der Nasdaq Stockholm gelisteter Konzern mit Marken wie Dobble, Zug um Zug, 7 Wonders und Exploding Kittens. Der operative Hauptsitz liegt in Frankreich, das deutsche Geschäft sitzt in Essen, von wo aus auch die Pressemitteilung datiert ist („Essen, 4. Juni 2026“). Mehr SPIEL-Stadt geht kaum: Essen ist im Oktober Gastgeber der weltgrößten Publikumsmesse für Brettspiele.

Asmodee-CEO Thomas Koegler ordnet die Zahlen so ein: „Am meisten beeindruckt mich an dieser Studie nicht, dass Menschen Spiele lieben. Das wussten wir bereits. Entscheidend ist vielmehr, dass Spiele heute eine Lücke füllen, die derzeit kaum etwas anderes schließen kann: das Bedürfnis, wirklich präsent mit anderen Menschen zu sein. […] Genau deshalb haben wir das Board Game Fest ins Leben gerufen.“ Das von Koegler erwähnte „Board Game Fest“ ist eine Initiative von Asmodee selbst, kein neutraler Branchentermin.

Die fünf Branchen-Entwicklungen im Überblick

Kantar bündelt die Daten zu fünf Entwicklungen, die laut Studie die Zukunft des Hobbys prägen sollen:

  1. Gegenmittel gegen digitale Reizüberflutung: Spiele als bewusste Pause vom Bildschirm.
  2. Ritual der Präsenz: der Leitsatz „Spieleabend ist das neue Ausgehen“.
  3. Sozialer (Wieder-)Verbinder: 73 Prozent der Spielenden sagen, das Spielen helfe ihnen, neue Menschen kennenzulernen.
  4. Kulturelle Ausdrucksform: 64 Prozent der Fans bezeichnen ihr Fandom als prägenden Teil der eigenen Identität.
  5. Verbreitete Form gemeinsamer Unterhaltung: Das Spielen wachse über das Nischen-Hobby hinaus. Den oft zitierten Wert, dass Spielen in jedem Alter zähle (94 Prozent), entnimmt das Barometer allerdings einer vorausgegangenen globalen Studie (The Shape of Play, 2025), nicht der eigenen Befragung.

Was bedeutet das für DACH-Spielerinnen und -Spieler?

Hier wird die Studie für uns konkret. In Deutschland geben 55 Prozent der Befragten an, mindestens einmal im Monat ein Brettspiel zu spielen, 20 Prozent sogar wöchentlich. Damit liegt das Brettspiel im deutschen Freizeitalltag laut Barometer vor Videospielen (54 Prozent) und deutlich vor Konzertbesuchen (23 Prozent).

Für den deutschsprachigen Markt bestätigt das vor allem eines: Was sich in Essen jeden Oktober auf der Messe zeigt, ist kein Sondereffekt einer Hobby-Blase, sondern eine breit verankerte Freizeitpraxis. Wer in der DACH-Region Spiele macht, verkauft oder bespricht, bewegt sich in einem Markt, der laut diesen Zahlen für mehr als die Hälfte der Erwachsenen Alltag ist.

Einordnung

Die Richtung der Daten passt zu dem, was viele auf den Messeböden und an den Spieltischen ohnehin beobachten: Brettspiele profitieren von der Sehnsucht nach Zeit ohne Bildschirm. Dass ausgerechnet der Marktführer diese Geschichte mit Zahlen unterlegt, ist nachvollziehbar und nicht zu beanstanden, solange klar bleibt, wer hier wen befragt hat. Eine Herstellerstudie ist ein Stimmungsbild mit Absender, kein unabhängiger Marktreport.

Spannend wird die zweite Ausgabe. Erst eine Zeitreihe zeigt, ob die hohen Zustimmungswerte stabil bleiben oder ob hier vor allem ein guter Moment für das Hobby vermessen wurde. Wir bleiben dran, gerade mit Blick auf die SPIEL in Essen, wo sich im Oktober zeigt, wie viel von diesem Barometer-Optimismus am Stand tatsächlich ankommt.

A Life: Brettspiel, in dem Werte mehr zählen als Erfolg

04. Juni 2026 um 09:19
A Life: Brettspiel, in dem Werte mehr zählen als Erfolg

Ein Brettspiel, das ein ganzes Menschenleben in eine gute Stunde Spielzeit packt, und in dem am Ende nicht gewinnt, wer am meisten Geld oder Wissen angehäuft hat: Mit diesem Versprechen ist der deutsche Verlag Skellig Games (Heuchelheim) mit „A Life" auf Gamefound gestartet. Die Kampagne läuft bis zum 25. Juni 2026 und war schon in den ersten Tagen deutlich überfinanziert. Grund genug, sich das Spiel jenseits der Kampagnen-Euphorie genauer anzusehen.

Eckdaten zu „A Life"

  • Verlag: Skellig Games (Heuchelheim)
  • Plattform: Gamefound, Laufzeit bis 25. Juni 2026
  • Spieleranzahl: 1 bis 4
  • Spielzeit: rund 60 Minuten (laut Kampagne; BGG nennt abweichend 45 bis 90)
  • Alter: ab 8 Jahren
  • Mechaniken: Open Drafting, Multi-Use Cards, Set Collection, End Game Bonuses
  • Design: Stefan Freund, Illustration: Roman Kucharski

(Maßgeblich sind die Kampagnen-Werte; abweichende BGG-Angaben sind im Text gespiegelt.)

A Life: Worum es im Spiel geht

In „A Life" begleiten ein bis vier Spielende eine Figur von der Geburt bis ins hohe Alter. Auf diesem Weg entscheiden Sie, welche Erlebnisse Ihre Figur sammelt. Dafür brauchen Sie Ressourcen: Wissen, Erfahrung, Träume und Geld. Mit diesen Ressourcen schalten Sie Erlebnisse frei, und die Erlebnisse wiederum prägen die inneren Werte Ihrer Figur. Der Clou steckt in der Schlusswertung: Welche Ressourcen Ihnen am Lebensende Siegpunkte bringen, hängt von genau diesen inneren Werten ab. Es gewinnt also, frei nach dem Verlag, nicht die reichste, klügste oder erfolgreichste Figur, sondern diejenige, die ihr Leben am besten nach ihren eigenen Werten gelebt hat.

Damit dreht „A Life" eine vertraute Eurogame-Logik um. Üblicherweise steht zu Spielbeginn fest, was Punkte bringt, und Sie optimieren darauf hin. Hier entscheidet sich erst im Spielverlauf, welche Währung am Ende zählt, weil Sie diese Bewertungsregel über Ihre Entscheidungen selbst formen.

Die Mechanik: Set Collection und Open Drafting

Laut den Mechanik-Angaben auf BoardGameGeek kombiniert „A Life" vier Bausteine: offenes Drafting (Open Drafting), Mehrzweckkarten (Multi-Use Cards), Set Collection und Boni in der Endwertung (End Game Bonuses). Konkret am Tisch heißt das vor allem zweierlei: Aus einer offen ausliegenden Auswahl picken Sie reihum Karten heraus (das ist das Open Drafting, im Grunde ein gemeinsamer Auslagestapel, an dem sich alle bedienen), und eine einzelne Karte können Sie auf mehr als eine Weise einsetzen, etwa als Ressource oder als Erlebnis (das sind die Multi-Use Cards, eine Karte mit Doppelnutzen). Im Zusammenspiel ergibt das eine nachvollziehbare Schleife: Ressourcen einsammeln, Erlebnisse auslegen, innere Werte aufbauen und so die eigene Schlusswertung formen. Das Sammeln passender Karten-Sets treibt auch ein weiteres Set-Collection-Spiel aus unserem Archiv an.

An dieser Stelle eine ehrliche Einordnung: Die Kampagnenseite beschreibt diesen Kern in Worten, legt aber die konkrete Zugstruktur, also was genau Sie in einem einzelnen Zug an Aktionen zur Auswahl haben, in Textform bisher nicht offen. Wer die exakte Aktionsökonomie wissen will, wird sie aus Kampagnentext und Regelwerk-Vorschau ableiten müssen. Wir benennen das hier bewusst, statt eine Zugfolge zu erfinden.

Das wirkt sich direkt auf eine Frage aus, die am Spieltisch zählt: Wie viel reden die Spielenden miteinander, wie viel spielt jede für sich? Ein offenes Drafting aus einer gemeinsamen Auslage legt zumindest eine indirekte Interaktion nahe. Sie sehen, was die anderen nehmen, und eine Karte, die jemand zieht, ist für den Rest der Runde weg. Ob daraus echter Druck am Tisch entsteht, etwa direkter Konflikt um Schlüsselkarten, oder ob „A Life" eher ein Nebeneinander mit gelegentlichem Zugriff aufs gleiche Material bleibt (das, was Vielspielende „Multiplayer-Solitär" nennen), lässt sich aus der Kampagne nicht beantworten. Genauso wenig sagt sie etwas über die Wartezeit zwischen den Zügen aus: Ohne offengelegte Zugstruktur ist nicht absehbar, wie viel Downtime entsteht, wenn andere am Zug sind. Beide Punkte bleiben offen, bis die fertige Regel vorliegt.

Wie zugänglich das Spiel am Ende wirklich ist, lässt sich derzeit nur vorläufig einschätzen. Die bekannten Bausteine (Drafting, Mehrzweckkarten, Set Collection) gehören zum eingängigen Eurogame-Repertoire, und der Verlag gibt das Spiel ab acht Jahren frei. Das deutet auf ein überschaubares, familientaugliches Gewicht hin. Verifizieren lässt sich diese Einschätzung aber noch nicht, weil eben die Aktionsökonomie nicht offenliegt. Wir führen die Zugänglichkeit deshalb als begründete Vermutung, nicht als belegte Tatsache.

Designer und Ausstattung

Den Autor nennt die Gamefound-Seite selbst nicht prominent, auf BoardGameGeek ist „A Life" jedoch klar zugeordnet: Verantwortlich für das Design ist Stefan Freund, die Illustrationen stammen von Roman Kucharski. Skellig Games verantwortet die deutschsprachige Ausgabe; der Verlag tritt seit Jahren mit familienfreundlichen Themen und einer Mischung aus leichten und anspruchsvolleren Titeln auf, zuletzt etwa mit seiner Kickstarter-Kampagne zu Prestige. Weitere Titel von Skellig Games sammeln wir im Verlags-Tag.

Für die Leserfrage, ob man „A Life" wegen des Teams, des Themas oder eines Wertungskniffs auf dem Schirm haben sollte, lohnt ein Blick auf den Designer. Stefan Freund hat zwar ein eigenes Designer-Profil auf BoardGameGeek, ein breites, wiedererkennbares Werk ist dort öffentlich aber nicht dokumentiert. Der prominenteste bislang sichtbare Titel ist das Stichkartenspiel „Mission: Wild Life" (EMF, 2025), also ein deutlich leichteres Format als ein kartengetriebenes Eurogame über ein ganzes Leben. Eine erkennbare Designerlinie mit vergleichbaren Titeln, an der man „A Life" messen könnte, ist nicht auffindbar. Anders gesagt: Wer hier mitfiebert, tut das wegen des Konzepts und des Themas, nicht wegen eines etablierten Autorennamens. Stefan Freund ist in diesem Genre bisher kaum öffentlich in Erscheinung getreten und bleibt damit die unbekannte Variable im Projekt.

Spielerzahl und Solo-Modus

Gamefound gibt „A Life" mit ein bis vier Personen an, ein Solo-Modus ist also vorgesehen. Wie dieser Solo-Modus funktioniert, etwa ob gegen einen automatisierten Gegner oder als reine Punktejagd gegen eine Zielmarke, geht aus der Kampagne bislang nicht hervor. Auch das benennen wir als offene Stelle, statt eine Mechanik zu unterstellen.

Ein Hinweis zur Datenlage: BoardGameGeek führt „A Life" abweichend mit zwei bis vier Spielenden und einer Spielzeit von 45 bis 90 Minuten. Maßgeblich für diese Vorstellung sind die Angaben der laufenden Kampagne (ein bis vier Personen, rund 60 Minuten); die BGG-Werte dürften ein vorläufiger Eintrag sein.

Was die Spielzeit praktisch bedeutet, sollten Sie mit einer realistischen Erwartung lesen: Die Kampagne nennt rund 60 Minuten, also eine gemütliche Stunde. Erfahrungsgemäß ist das eher die Marke für eine eingespielte Runde. Mit jüngeren Mitspielenden und in den ersten Partien, wenn die Wertungslogik noch neu ist und mehr erklärt und überlegt wird, dürfte sich die Partie eher zum oberen Ende bewegen, näher an die 90 Minuten, die BGG angibt. Wer „A Life" am Familientisch plant, kalkuliert für den Einstieg also besser einen langen Abend als eine knappe Stunde ein. Das ist eine Erwartungseinordnung, keine gemessene Angabe.

Stretch Goals: fast alles fließt ins Spielmaterial

Die freigeschalteten Zusatzziele zeigen ein klares Muster, und es lohnt sich, zwei Arten zu unterscheiden.

Mechanische Inhalte (erweitern das Spiel):

  • 2 zusätzliche private Zielkarten (bei 17.500 Euro, freigeschaltet)
  • 2 zusätzliche Spielerfähigkeits-Karten (20.000 Euro, freigeschaltet)
  • 2 neue öffentliche Ziele (22.500 Euro, freigeschaltet)
  • 2 zusätzliche Baby-Karten (25.000 Euro, freigeschaltet)
  • weitere Ziel- und Fähigkeitskarten als noch nicht erreichte Stufen (ab 27.500 Euro)

Komponenten-Upgrades und Boni (verändern nur das Material):

  • Box-Veredelung mit Heißfolienprägung (15.000 Euro, freigeschaltet)

Auffällig ist, dass die allermeisten Zusatzziele zusätzliche Karten und damit echten Spielinhalt liefern, nicht bloß glänzendere Komponenten. Was das wert ist, sollte man nüchtern einordnen: Mehr Ziel-, Fähigkeits- und Baby-Karten bedeuten zunächst mehr Varianz, also mehr Abwechslung von Partie zu Partie. Ob daraus auch echte Spieltiefe wird, ob die zusätzlichen Karten also wirklich tiefere Entscheidungen ermöglichen und nicht nur die Auswahl verbreitern, muss die fertige Regel zeigen. Mehr Inhalt ist erst einmal mehr Inhalt, kein Beleg für mehr Substanz.

Die Pledge-Stufen

Bei den Unterstützungs-Stufen sollten Sie eines im Blick behalten: Die Unterschiede sind nach allem, was die Kampagne offenlegt, materieller Natur, kein Stufenangebot verändert das eigentliche Spielgeschehen.

  • A Life Standard (45 Euro, regulär 60): die Standardausgabe des Spiels.
  • A Life Deluxe (69 Euro, regulär 100, Gamefound-exklusiv): Deluxe-Komponenten, laut Verlag nicht nachgedruckt.
  • A Life Premium (139 Euro): eine nochmals höherwertige Ausstattung.
  • A Life All-In (199 Euro): alle Komponenten-Upgrades zum Spiel gebündelt.
  • Skellig Games All-In (399 Euro): das Komplettpaket inklusive weiterer Spiele des Verlags, also weit über „A Life" hinaus.

Was die Stufen Premium und All-In im Detail an Material enthalten, schlüsselt die Kampagne in Textform nur grob auf. Wer gezielt einzelne Aufwertungen sucht (etwa Metallmünzen, Acryl-Marker oder einen Holzinsert), findet diese zusätzlich als einzeln wählbare Add-ons.

Finanzierungsstand und Einordnung

Stand 4. Juni 2026 steht „A Life" bei rund 270 Prozent der Zielsumme: etwa 27.000 Euro von angepeilten 10.000 Euro, getragen von rund 246 Unterstützenden, und das in den ersten Kampagnentagen. Das ist ein starker Start.

Zur Einordnung gehört aber auch: Ein niedriges Finanzierungsziel von 10.000 Euro ist schnell übertroffen, und eine hohe Prozentzahl sagt mehr über die gesetzte Messlatte als über die Qualität des Spiels. Das Momentum ist ein Signal, kein Gütesiegel. Wie schnell ein niedriges Ziel fällt, zeigt sich derzeit auch an einer anderen laufenden Gamefound-Kampagne. Interessant für den deutschsprachigen Markt ist „A Life" aus anderen Gründen: ein deutscher Verlag, eine deutschsprachige Ausgabe von Anfang an und ein Thema, das sich wohltuend vom üblichen Aufbau- und Eroberungskanon abhebt. Dass das Spiel zugänglich und ab acht Jahren familientauglich wirkt, ist nach den bekannten Bausteinen und der Verlags-Altersfreigabe eine plausible Einschätzung, aber eben noch keine an der fertigen Regel überprüfte Tatsache. Ob das ungewöhnliche Wertungsprinzip am Tisch trägt, wird sich erst an der fertigen Regel und in Partien zeigen. Die Idee dahinter ist es allemal wert, beobachtet zu werden.

Die Kampagne läuft noch bis zum 25. Juni 2026 auf Gamefound.

Asmodee landet ersten Crowdfunding-Erfolg: 4,1 Millionen Dollar für Zombicide: Dead Men Tales

03. Juni 2026 um 12:10
Asmodee landet ersten Crowdfunding-Erfolg: 4,1 Millionen Dollar für Zombicide: Dead Men Tales

Asmodee, einer der weltweit größten Brettspielverlage, hat seine erste eigene Crowdfunding-Kampagne mit deutlichem Erfolg abgeschlossen. Zombicide: Dead Men Tales sammelte bis zum Kampagnenende am 19. Mai 2026 rund 4,1 Millionen US-Dollar von etwa 11.000 Backern auf Gamefound. Das Finanzierungsziel von 200.000 US-Dollar wurde damit gut 20-fach übertroffen. Über das Ergebnis berichtete zuerst BoardGameWire am 2. Juni 2026.

Kampagne im Überblick

  • Verlag: Asmodee (Creator-Account: Fantasy Flight Games)
  • Plattform: Gamefound
  • Spiel: Zombicide: Dead Men Tales
  • Endsumme: rund 4,1 Mio. US-Dollar
  • Backer: ca. 11.000
  • Finanzierungsziel: 200.000 US-Dollar (gut 20-fach übertroffen)
  • Kampagnenende: 19. Mai 2026

Vom Konzernschwenk zur Gamefound-Endgame-Phase

Hinter der Kampagne steht eine Reihe von Personal- und Lizenzentscheidungen aus dem vergangenen Jahr. Im Juni 2025 übernahm Asmodee die Zombicide-Marke vom finanziell angeschlagenen US-Verlag CMON, im Oktober 2025 folgte mit Cthulhu: Death May Die eine zweite Großreihe. Beide hatten in früheren CMON-Kampagnen zusammen rund 10 Millionen US-Dollar an Crowdfunding eingespielt. Bereits im Mai 2025 hatte Asmodee zudem den ehemaligen CMON-COO David Preti eingestellt, der seither Crowdfunding und Miniaturenproduktion verantwortet.

Asmodee-CEO Thomas Koegler ordnet das Ergebnis in der Pressemitteilung des Unternehmens als Signal ein: „Diese erste Kampagne bedeutet mir viel und sendet ein klares Zeichen" (sinngemäß übersetzt), so der Konzernchef. Den Reihenrekord knackt Dead Men Tales allerdings nicht. Zombicide: Green Horde hatte 2017 gut 5 Millionen Dollar eingespielt, das Lizenz-Spin-off Marvel Zombies zuletzt rund 9 Millionen. Auffällig ist die Verlaufskurve: Bei regulärem Kampagnenende standen laut Asmodee rund 3 Millionen Dollar zu Buche, die restliche Million kam erst in den circa fünf Tagen des Gamefound-Features „Endgame" hinzu, einer verlängerten Late-Pledge-Phase.

DACH-Markt: viel Struktur, wenig Crowdfunding-Vorgeschichte

Für den deutschsprachigen Markt ist Asmodees Schwenk doppelt relevant. Über Asmodee Germany und die konzerneigenen Verlage Lookout Games, Z-Man und Fantasy Flight Games verfügt der Konzern über etablierte Vertriebs- und Lokalisierungsstrukturen. Bisher war Crowdfunding in dieser Konstellation eine Randerscheinung: Einzig Lookout Games hatte 2020 mit Grand Austria Hotel: Let's Waltz! eine eigene Kampagne durchgezogen, mit rund 383.000 Euro Volumen. Indirekte Berührungspunkte gab es über die Beteiligung an Exploding Kittens und über Gamegenic-Partnerschaften, etwa beim Sammelkartenspiel Altered.

Eine deutsche Ausgabe von Dead Men Tales ist auf der Gamefound-Kampagnenseite nicht angekündigt; ein deutscher Lokalisierungspartner wird dort nicht genannt. Für den Fachhandel im DACH-Raum stellt sich damit die Frage, wie Asmodee künftig zwischen Late-Pledge-Community und stationärem Vertrieb austariert.

FFG, Descent und Asmodees Konzernbilanz

Brisant ist der Zeitpunkt aus einem zweiten Grund. Im April 2026 stellte das Asmodee-Studio Fantasy Flight Games die Reihe Descent: Legends of the Dark ein und verwies dabei auf steigende Produktionskosten und Verluste. Ein Crowdfunding-Comeback dieser oder ähnlicher Reihen erscheint denkbar, FFG hat sich öffentlich allerdings nicht festgelegt. Auf Gamefound tritt formal Fantasy Flight Games als Creator von Dead Men Tales auf, im Marketing übernimmt Asmodee die Spitze.

Im Konzern ergeben die Zahlen ein zweischneidiges Bild. Asmodee meldete im Mai 2026 für das laufende Geschäftsjahr einen Nettoumsatzanstieg von 23 Prozent auf über 1,68 Milliarden Euro, getragen vom Vertriebsgeschäft mit Sammelkartenspielen. Das eigene Brettspielverlagsgeschäft sank dagegen um 5,8 Prozent, im ersten Quartal sogar um 9,8 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal. Vor diesem Hintergrund dürfte die Frage, wie tragfähig die zweite Säule Crowdfunding wird, in der Branche länger nachhallen.

Asmodee-Crowdfunding-Hit: 4,1 Mio. für Zombicide Dead Men Tales

03. Juni 2026 um 11:12
Asmodee-Crowdfunding-Hit: 4,1 Mio. für Zombicide Dead Men Tales

Asmodee hat seine erste eigene Crowdfunding-Kampagne abgeschlossen, und sie liefert eine Ansage: Zombicide: Dead Men Tales (BGG) sammelte rund 4,1 Millionen US-Dollar auf Gamefound, gut 2.000 Prozent über dem ursprünglichen Ziel von 200.000 US-Dollar. Knapp 11.000 Backer finanzierten den Piraten-Ableger des Fantasy-Zombicide. Spielmechanisch holt der kooperative Miniaturen-Crawler das Wave-Survival-System der Reihe in ein Piratensetting. Damit ist die Kampagne, wie BoardGameWire berichtet, die größte Hauptreihen-Kampagne der Reihe seit fast einem Jahrzehnt: Zombicide: Green Horde sammelte 2017 etwas mehr als 5 Millionen Dollar, der Lizenz-Ableger Marvel Zombies hält mit rund 9 Millionen Dollar weiterhin den Reihenrekord.

Vom Vertriebsriesen zum Crowdfunder

Für Asmodee ist das Ergebnis mehr als eine starke Einzelkampagne. Der Konzern hatte sich bisher kaum am Crowdfunding versucht. Mit der Übernahme der Zombicide-IP vom angeschlagenen CMON im Juni 2025 änderte sich das. Einen Monat zuvor hatte Asmodee Ex-CMON-COO David Preti abgeworben, einen der Architekten der dortigen Kickstarter-Strategie, und ihm Crowdfunding sowie Miniaturen unterstellt. Im Oktober 2025 kam mit Cthulhu: Death May Die eine zweite crowdfunding-erfahrene Marke aus dem CMON-Portfolio hinzu (laut BoardGameWire dort zuvor rund 10 Millionen Dollar eingespielt). Dead Men Tales ist die erste sichtbare Probe aufs Exempel.

CEO Thomas Koegler nennt die Kampagne "ein klares Signal" und hebt das Vertrauen der mehr als 11.000 Backer hervor (sinngemäß übersetzt aus der Asmodee-Pressemitteilung). Crowdfunding gebe Verlagen, so Asmodee weiter, "klarere Bedarfssicht, eine direkte Verbindung zu engagierten Communities und eine gesündere Finanzplanung". So weit die Eigenwerbung; wie tragfähig das Modell jenseits einer Zugmarke ist, muss der Konzern mit den nächsten Kampagnen erst zeigen.

Was das für den DACH-Markt bedeutet

Für den deutschsprachigen Markt ist der Schwenk aus zwei Gründen relevant. Erstens steckt mit Lookout Games (Hannoversch Münden) ein deutsches Studio im Asmodee-Verbund, das bislang die einzige nennenswerte Crowdfunding-Kampagne eines Asmodee-Studios lieferte: 2020 sammelte Grand Austria Hotel: Let's Waltz! rund 383.000 Euro auf Kickstarter. Ob Lookouts Familienspiel-Profil und Asmodees neue Konzern-Crowdfunding-Strategie in der Praxis zusammenpassen, ist offen. Zweitens betrifft die Strategie Produktion und Vertrieb direkt. Werden Auflagen künftiger Großprojekte stärker an Backer-Zahlen ausgerichtet, hat das Folgen für Lokalisierung, Sprachpakete und den Versand in die EU. Auf der Gamefound-Kampagnenseite findet sich kein Hinweis auf eine angekündigte deutsche Ausgabe von Dead Men Tales.

Descent und der Druck auf das Verlagsgeschäft

Der Crowdfunding-Schwenk fällt in eine Phase, in der ein anderes Asmodee-Studio Federn lässt. Fantasy Flight Games stellte im April 2026 die Produktion von Descent: Legends of the Dark ein und nannte gestiegene Produktionskosten und hohe App-Kosten als Grund. In der Branche wird diskutiert, ob FFG den Klassiker später per Crowdfunding neu aufsetzt; bestätigen oder dementieren mag das Studio das nicht. Im Hintergrund stehen unbequeme Konzernzahlen: Asmodees Nettoumsatz stieg zuletzt zwar um 23 Prozent auf über 1,68 Milliarden Euro, doch das eigene Brettspielverlagsgeschäft schrumpfte um 5,8 Prozent im Geschäftsjahr und um 9,8 Prozent im ersten Quartal 2026.

Endgame statt Endspurt

Bemerkenswert ist auch die Plattformwahl. Dead Men Tales nutzte Gamefounds "Endgame"-Feature, das den Verkaufszeitraum offen hält, solange weiter Pledges eingehen. Zum offiziellen Ende der Kampagne standen rund 3 Millionen US-Dollar auf dem Zähler; in den anschließenden gut fünf Endgame-Tagen kam rund eine weitere Million dazu. Für Asmodee ist das ein Argument für die Plattformwahl, für Gamefound ein Schaufenstereffekt im Wettbewerb mit Kickstarter. Spannend wird, ob Lookout, Z-Man Games und FFG nachziehen und wie schnell deutsche Lokalisierungen zur Standardspur in den Pledge-Optionen werden.

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