Normale Ansicht

Am Anfang und Ende lauerte unser Tod: Townsfolk Tussle

Von: ravn
12. Februar 2026 um 18:00

Der Bier und Brezel Boss-Battler ist schon eine spezielle Schachtel Pralinen für sich. Während ein gewisser Herr Gump nie weiß, was man kriegt, bekommen wir hingegen kräftig einen aufs Maul. Und das direkt von drei verschiedenen Bösewichten, die unser schönes Dorf Heureka heimgesucht haben. Eine Spielpartie mit einigen Höhen und zu vielen Tiefschlägen.

Das Überleben in Heureka kann arg kurz sein. Da kommt eine Penny Gönnzales daher, bewirft uns mit Geld und saugt uns dabei das Leben aus. Ein paar K.O.-Schläge später waren wir besiegt, und zwar alle von uns Dreien, die wir uns für eine zünftige Amitrash-Partie Townsfolk Tussle verabredet hatten. Damit hätte dieses Kapitel Spielkultur schnell sein Ende gefunden und der Bier und Brezel Boss-Battler wäre vermutlich nie wieder aufm Tisch gekommen. Denn wenn Spielaufbau und Regelerklärung länger als die gespielte Partie dauern, dann stimmt da was nicht.

Aber was soll ich da schönreden? Genau so erging es uns. Den ersten Kampf wie immer übersprungen, um die Spielzeit in Grenzen zu halten, und schon standen wir dem wandernden Panzerschrank Penny Gönnzales gegenüber. Ab da ging so einiges schief. Patzer über Patzer folgten auf unserer Seite, während unsere Lebenspunkte schwanden. Nicht viel wollte gelingen, was für sich, in seinem sehenswerten Slapstick-Humor, durchaus seinen eigenen Charme hat, aber eben auch zum vorzeitigen Ableben, der Niederlage und dem Spielende führen kann. War blöd gelaufen, aber in Townsfolk Tussle kann eben alles passieren, da wir von unserem Würfelglück und den gezogenen Boss-Karten abhängig sind.

Also gleich nochmal. Darf ich vorstellen: Der stahlharte Handwerker Alois Amboss mit seinen Nerven aus Stahl, der sich allzu gerne mal als bevorzugtes Ziel für die Bösewichte anbietet und so alle Aufmerksamkeit auf sich lenken kann. An seiner Seite Fin Fischkopp, der anziehende Angler, der seinem Dörflernamen alle Ehre macht. Verströmt er doch eine seltsame Faszination auf die Bösewichte und kann sie kurzerhand zu sich ziehen, sofern er denn trifft. Mit seinen schlaksigen Gliedmassen kann er zudem Nahkampfwaffen in Reichweite +2 verwenden. Immer ein wenig auf Abstand und dann doch wieder ganz nah dran.

Komplettiert hatte ich unsere entspannte Dreierrunde durch die rüstige Revolverheldin Omma Melba. Die ist arg weitsichtig und agiert deshalb bevorzugt mit ihrem alten Eisen aus sicherer Entfernung des Geschehens. Da ich zudem noch den Chili-Schwarzpulersack als Mitbringsel dabei hatte, konnte ich meine Waffenreichweite nochmals erhöhen. Das sorgte für garantierte Treffer fernab Patzer, aber eben nur jeden zweiten Zug in der Kloppen-Phase, da dazwischen das antike Schießeisen abkühlen musste. Ok, was soll’s, dann einfach Waffenwechsel. Nur hätte der mir zwei von meinen zwei Mumm-Aktionspunkten gekostet und mir damit mal so gar nichts eingebracht. Eine zweite einhändige Fernkampfwaffe tauchte leider nicht im Angebot von Tante Emmas Laden auf und schon sind wir mittendrin im Dilemma von Townsfolk Tussle.

Ohne passende Ausrüstung kann das Spielgeschehen verflachen. Denn die Startausrüstung kann eigentlich zu wenig, sodass wir dieses Zuwenige mit entsprechend viel Würfelglück ausgleichen müssen. Das ist natürlich nicht garantiert und so seht Ihr Euch viel zu schnell in einer Abwärtsspirale wieder. Die Geländeeffekte könnten helfen, nur sind die fast alle ebenfalls von einem Würfelwurf abhängig. Also Mumm zusammenraffen und neu würfeln, sofern Ihr denn zwei Mumm dafür übrig habt. Psst, kleines Geheimnis, habt Ihr meist nicht. Eben weil Euer Charakter wie Oma Melba mit nur zwei Mumm startet und in der ersten Schoppen-Phase irgendwas ausliegen sollte, was Euch mehr Mumm einbringt. Ist der Zufall gegen Euch, wird das ein steiniger Partieeinstieg werden. Letzter Ausweg sind Heldentaten, aber… wer errät es hier? Die sind in ihren Erfordernissen und Auswirkungen ebenfalls zufällig, um damit ein wenig mehr Mumm abzubekommen.

Was bleibt, das ist ein Spiel, was an zu vielen Punkten vom Zufall abhängt, ob eine Partie Laune macht oder in Frust umschlägt, weil so gar nichts klappen will und wir von den Würfelwürfen ausgebremst werden. So hatte mich der zweite Bösewicht Bert Doofis übel verstümmelt, sodass ich etliche Bewegungspunkte einbüßen musste. So zusammengestutzt konnte ich nur noch übers Spielfeld humpeln und kam kaum noch in meine erweiterte Fernkampfreichweite. Die Option, ideenreich mit dem Gelände zu interagieren, war somit ebenfalls eingeschränkt. Tja, so kann es gehen oder eben auch nicht.

Im Finale stellten wir uns Jupp Karre entgegen. Der hatte eine ganz besondere Eigenschaft, die ich Euch hier nicht vorwegnehmen möchte. Die erforderte ein Umdenken und im Idealfall auch Gegenstände oder Fähigkeiten, um effektiv überhaupt etwas anrichten zu können. Das war auf unserer Seite arg begrenzt, sodass wir eher gezwungen waren, mit vollem Körpereinsatz zu agieren, was in einem blutigen Massaker endete. Somit die zweite Niederlage an diesem Spieltag, während uns die vorgelesene schön schwarzhumorige Abschlussstory verhöhnte.

Dabei hätte ich mir und dem Spiel ein furioses Finale gewünscht. Niederlagen sind ok, nur wenn die aus zu viel Zufall gewachsen sind, dann fühlte sich das für mich arg gespielt an. Bei einem Magical Athlete geht das völlig in Ordnung, bei einem Townsfolk Tussle, das durchaus einen Nachmittag füllt, hinterließ das bei mir einen üblen Nachgeschmack und etwas ratlose Gesichter meiner Mitspieler, weil die für sich noch nicht recht einordnen konnten, ob das Spiel interessant anders oder durch nur reiner Trash war. Ich kann es ihnen nicht verübeln.

Abschließend sei gesagt, dass ich Townsfolk Tussle gerne mehr mögen möchte als es sich spielerisch präsentieren kann. Im Zweifel lieber in Vollbesetzung erlebt, weil dann mehr auf dem Spielfeld los ist und wir mehr untereinander interagieren können. Einzelne Fehlwürfe und schlicht verschenkt wirkende Spielzüge haben dann auch nicht so eine große Auswirkung im Gesamtbild. Zu dritt kam es eben auf jeden Einzelnen an. Das sind in Summe ganz schön viele Voraussetzungen, die erfüllt sein müssten … eventuell dann doch zu viele, um erneut gespielt zu werden? Denn jede Townsfolk Tussle Partie, die nur so halbgar und na ja abläuft, verhindert eine potenziell wesentlich bessere andere Partie eines anderen Spiels, das mehr davon einlösen kann, was es verspricht. Schade!

Luna Maris: Unangenehm wachsende eigene Ungeduld

Von: ravn
09. Februar 2026 um 00:01

Es hätte auch wirklich jedes andere Spiel im gemeinsamen Erstkontakt sein können. Ebenso jede andere Spielrunde, der ich mich angeschlossen hatte, um das vergessene Eurogame rund um Rohstoffabbau auf dem Mond kennenzulernen. Mit 120 Minuten Spielzeit angegeben, war ich fast vier und eine halbe Stunden ohne Erklärung damit beschäftigt, eine Kolonie auf dem Erdtrabanten zu errichten und Siegpunkte zu scheffeln. Leider für mich gefühlt zu lang.

Erstpartien können gerne länger dauern als die Spieleschachtel verspricht. Kein Problem für mich, denn jeder muss ja auch erstmal ins Spielgeschehen abtauchen und die zugrunde liegenden Mechanismen verstehen lernen. Eine fast doppelt so lange Spielzeit wie angegeben ist da durchaus keine Seltenheit. Ich bin da völlig ok mit, ganz entspannt ein neues Brettspiel kennenzulernen und nehme mir ebenso gerne die Zeit dafür. So rede ich es mir zumindest ein.

In der erlebten Realität stelle ich inzwischen bei mir eine gewisse und auch unangenehme Ungeduld fest. Immer dann, wenn es in einer Partie nicht so recht vorangeht und ich das subjektive Gefühl habe, dass mein aktiver Anteil am Gesamtgeschehen nur einen Bruchteil ausmacht. Meine mitgespielte Erstpartie Luna Maris in Vollbesetzung von vier Spielern war da genau so ein Extremerlebnis. Erstpartien spiele ich persönlich gerne flott – einfach mal machen und schauen, was so passiert. Mein Ehrgeiz, im ersten Anlauf schon eine perfekte Partie hinzulegen, die ist eher gering ausgeprägt. Klar verknotet sich dann und wann auch mal mein Gehirn, weil ich mich in einer Entscheidung sehe, die ich mal so gar nicht überblicken kann. Aber diese Situationen versuche ich, zu vermeiden oder mindestens zu minimieren. Aus Rücksicht auf meine Mitspieler, die nicht warten zu lassen und mir beim Denken zuzuschauen.

Doch halt mal! Soll das etwa heißen, dass ich mich hier gerade über rücksichtslose Mitspieler öffentlich beklage und die anklage, mir meine Freizeit zu stehlen? Weil die es sich herausnehmen, länger als ich über einen Zug nachzudenken? Weil die eventuell eine Motivation für ihre Erstpartie haben, die von meiner eigenen abweicht? Weil die es gar genießen, über knifflige Situationen zu grübeln und sich dafür die nötige Zeit zu gönnen? Wenn ich ganz tief in mich hineinblicke und ehrlich zu mir selbst bin, dann muss ich zumindest einen Teil dieser als Fragen formulierten Anklagen mit „ja, schuldig“ beantworten und fühle mich dabei schlecht, weil egoistisch auf mich bezogen.

Dabei ist Brettspielen doch eine gemeinsame Freizeitbeschäftigung, ein Hobby, das fernab für mich langweiliger Solo-Partien nur wirklich und wirklich nur in Gemeinschaft funktioniert. Einer Gemeinschaft, in der ich auf meine Mitspieler mit all ihren Besonderheiten eine gewisse Rücksicht nehmen sollte, weil ich das auch von denen mir gegenüber erwarte. Nur so entsteht für mich eine entspannte Spielatmosphäre am Tisch. Und schon wieder blicke ich aus meiner Egosicht heraus und auf die Anderen. Teilweise sogar herab, wenn ich mich aufgrund deren Spielweise im Laufe der Partie beginne, selbst zu nerven. Weil die so lange brauchen und über scheinbar banale Entscheidung so lange grübeln, während in mir eine unangenehme Unruhe anwächst, dass es doch bitte weitergehen soll im Spielablauf. Sodass hoffentlich ein Spielfluss entsteht und kein dauerndes Stocken im Spannungsbogen, der sich so erst gar nicht für mich entfalten kann.

Luna Maris, aus dem Jahr 2022 und vom Autor Ricardo Amaral erdacht, hat von seinem ganz speziellen Spielablauf arg ungünstige Voraussetzungen. Wir sind reihum an der Reihe und machen eine oder maximal zwei Aktionen mit unserer Forscherkarte, die wir ausspielen. Dafür geben wir Sauerstoff aus und Energie und müssen uns überlegen, auf welchen Wegen wir durch die Mondkolonie laufen, um Umwege zu vermeiden und unsere Aktionen in eine sinnvolle Reihenfolge zu bringen. Unsere Kartenhand sowie unser Rohstoffvorkommen, die Position der Mitspieler auf dem Spielbrett und die gemeinsam ausliegenden Aufträge schränken uns dabei ein und verleiten zum Grübeln, bis der optimale aller möglichen Züge gefunden ist.

Das kann durchaus bei drei Mitspielern jeweils so fünf Minuten dauern. Ich selbst bin im ungünstigsten Fall erst eine Viertelstunde später wieder am Zug und ernähre nur meine Forscher. Eine Art Rückholzug, in dem ich Nahrungskarten ablege und meine vorab ausgespielten Forscherkarten wieder zurück auf die Hand nehme. In weniger als 10 Sekunden bin ich damit durch und weiß eigentlich schon längst, welchen Forscher ich in meinem nächsten Zug ausspielen will, weil genau deshalb habe ich den ja zusammen mit anderen Forschern zurückgeholt. Bis es allerdings soweit ist und von mir in die Tat umgesetzt werden kann, können durchaus wieder weitere 15 Minuten vergehen. Ausreichend Zeit für eine Raucherpause. Blöd nur, dass ich nicht rauche. Wenn zudem meine Blase längst entleert ist und ich mich ausreichend an Snacks satt gegessen habe, dann sitze ich herum und merke, wie eine erhofft entspannte Partie in nervige Ungeduld kippt.

Da bist Du aber selbst schuld, möchte ich mir selbst entgegnen. Habe ich mich doch freiwillig in diese Situation gebracht. Woher soll ich auch wissen, dass meine mir überwiegend unbekannten Mitspieler ein ganz anderes Zeitempfinden beim Brettspielen haben als ich selbst? Weil die hatten durchweg ihren Spaß trotz der vier und eine halbe Stunde für die Partie. So gut ich Luna Maris durchaus finde, für diese für mich überlange Spielzeit trägt es einfach nicht für mich. So weiß ich inzwischen, dass ich kein Brettspielen in gefühlter Zeitlupe mag. Gehetzt soll sich bitte niemand fühlen, aber flott spielen wäre doch nett, besonders in einer Erstpartie.

In dieser Zeit hätte ich Luna Maris bevorzugt zweimal gespielt. Einmal als Kennenlernpartie und dann als Revanche mit den angesammelten Erfahrungen gleich nochmal. In meiner Spielpraxis kommt das aber fast nie vor. Also wird mir wohl nichts übrig bleiben, mich damit abzufinden oder nur noch arg selektiv in zertifizierte Schnellspielerrunden unterwegs zu sein, wo ich dann sogar als Langsamspieler verschrien wäre. Oder ich meide in Zukunft bei Eurogames mit Optimierfaktor neue Spiele und neue Mitspieler, um da auf Nummer sicher zu gehen. Nur würde mir das eine Menge an der Faszination Brettspiel nehmen und mich selbst einschränken.

Ach ja, am Ende war ich bei Luna Maris siegreich auf Platz 1 in der abschließenden Wertung. Nicht weil ich überlegen gespielt habe, sondern weil ich in meinem letzten Zug noch drei zusätzliche Nahrungskarten einsammeln und somit zweimal acht Siegpunkte einstreichen konnte. So viel wie einer der größten Aufträge wert ist. Aber dazu fehlte mir Helium-3 als Ressource, weil das hatte ich das ganze Spiel über nicht produziert. Gab ausreichend anderes für mich zu tun in diesem Sandkasten der Möglichkeiten. Nochmal spielen? Gerne, aber bitte nicht nochmals vier und eine halbe Stunde lang.

Rückkehr nach Puerto Rico: Plantagenbesitzer & Sklavenhändler

Von: ravn
07. Februar 2026 um 00:52

Spieleklassiker leben ewig, auch wenn das Brettspiel aus dem Hause Alea einen Teil der Geschichte aufgreift, die dunkler nicht sein könnte. In der Erstauflage einfach nur ein Thema, um die Mechanismen zu tragen, dabei arg verharmlost abstrakt dargestellt, sodass alle grausamen Details bequem ausgeblendet werden können. Später ein Stolperstein, der uns nachdenken lassen kann, was wir da eigentlich spielerisch erleben. Nach Jahrzehnten mal wieder gespielt und dabei weiterhin erstaunlich elegant spielenswert.

Puerto Rico Autor Andreas Seyfarth hat im Jahr 2002 einen zeitlosen Klassiker erschaffen. Ein Strategiespiel, welches nach Die Siedler von Catan ein weiteres Kapitel der Brettpiel-Neuzeit aufgeschlagen hat. Ein Meilenstein des Eurogames-Genres, das lange Zeit die BoardGameGeek-Weltrangliste auf Platz 1 angeführt hat. Ein Spiel, das den Mechanismus der Rollenwahl geprägt und bekannt gemacht hat. Allerdings nicht erfunden, denn das darf Marcel-André Casasola Merkle mit seinem Kartenspiel Verräter für sich verbuchen. In Puerto Rico dann perfektioniert und verfeinert und deshalb oft als Referenz genannt.

Als reihum wechselnder Gouverneur bestimmen wir das Schicksal des karibischen Inselstaats. Durch den überlegt klugen Einsatz von Rollen wie Siedler, Baumeister, Kapitän oder auch Goldsucher errichten wir Plantagen, lassen Waren produzieren, um diese gewinnbringend zu verkaufen oder zu verschiffen. So mehren wir in einem Aufbau-Spagat aus Geld und Siegpunkte unseren Reichtum, bauen Gebäude mit Sondereffekten und bestimmen in der Spielrunde selbst den Zeitpunkt der Endabrechnung. Vieles davon war damals neu. Vieles davon war erstmals gesehen, so elegant miteinander verknüpft. Dazu gestellte sich auf der positiven Seite auch eine erwähnenswert gute Anleitung mit Kurzerklär-Spalte zum schnellen Nachschlagen des Ablaufs und der wichtigen Details.

Gab es überhaupt negativ anzumerkende Punkte bei Puerto Rico? Eigentlich war jeder von dem Spiel begeistert, so zumindest in meiner verklärten und verschwommenen Erinnerung an den Klassiker. Im Jahr 2002 zum Spiel des Jahres nominiert, aber dann doch dem Bauspiel Villa Paletti von Zoch unterlegen. Es sollte noch ein Jahrzehnt dauern, bis mit der Auszeichnung des Kennerspiels des Jahres auch abendfüllende Spiele erneut ihre eigene Chance bekamen. Die Zeiten nach Tikal und Torres verlangten eben nach verdaulicherer Spielekost, in denen die Massen einfach darauf losspielen konnten, die damals von der Jury als auszeichnungswürdig auserkoren wurde. Puerto Rico war somit die kleine Stufe, die wir alle als Brettspielfans erklommen wollten, sofern wir das Hobby im Fahrwasser von Die Siedler von Catan nach unserer Kindheit mit Mühle bis Monopoly neu für uns entdeckt hatten. Somit wurde Puerto Rico zum Wegbereiter für alles, was danach noch kommen sollte, und sich wie Twilight Imperium 3rd Edition auf den Klassiker berufen hat.

Ein kleiner Stolperer legte Puerto Rico dennoch hin. Als hinterfragt wurde, warum die seltsam unbenannten Kolonisten durch braune Spielsteine repräsentiert worden sind. Und warum Puerto Rico als Brettspiel nicht auf die geschichtlichen Ereignisse des Themas eingegangen ist, welche die Mechanismen zusammenhalten und greifbarer machen. Ich erinnere mich noch an einen großen Artikel in der spielbox dazu. Ob das alles übertrieben oder dem Zeitgeist der oberflächlichen kulturellen Sensibilität geschuldet war, sollte jeder für sich entscheiden. Wenn man sich allerdings über politische Korrektheit ereifert und zeitgleich von der Ausbeutung schulterzuckend profitiert, ist das für mich eine Doppelmoral, die oft nur durch geschickte Verdrängung zu ertragen ist. Es kann eben kein richtiges Leben im Falschen geben!

Auf der anderen Seite sollten sich Brettspiele ebenso nicht scheuen, auch unangenehme Themen anzusprechen. Nur dann bitte in einen erklärenden Kontext gerückt und nicht ausgeblendet oder gar verharmlost. Wir sind in Puerto Rico schlicht Plantagenbesitzer und profitieren von Sklavenhändlern. Das war damals so und existiert in anderen Formen auch heute noch, selbst wenn wir noch so bemüht wegschauen. Ich sehe was, was Du nicht sehen willst, aber lass uns doch lieber darüber schweigen am Spieltisch. Schließlich wollen wir doch nur spielen. Pah! Ich persönlich finde es stattdessen immer gut, wenn wir uns Zeit nehmen, über den Tellerrand zu schauen. Nicht aufgeregt dramatisiert aus einer Empörungshaltung, sondern mit dem Ziel eines Verständnisses der Zusammenhänge. Alles zu seiner Zeit, aber die Zeit nehme ich mir gerne. Auch wenn Wegschauen so viel einfacher ist.

Ach ja, eigentlich wollte ich Euch von meiner Rückkehr nach Puerto Rico erzählen und was ich in entspannter Dreierrunde so erlebt habe. Da kamen vorab eine ganze Menge an Nebenschauplätzen zur Niederschrift. Brettspielen ist doch manchmal so viel mehr. Aber zurück zu meiner Partie.

Gegen einen Puerto Rico Erstspieler und eine ebenso wie ich erfahrene Mitspielerin habe ich mich auf den mittleren Platz eingereiht. Ohne große Gebäude mit Punkte für die Endwertung und zwei Baumeister-Aktionen, denen ich aus Geldmangel nicht folgen konnten, war nicht mehr für mich drin. Spaß gemacht hat es mir trotzdem. Weil die Partie für sich spannend war und zudem flott gespielt in der erstaunlichen Eleganz der Mechanismen. Da gibt es keine Schnörkel oder zerdehnte Kettenzüge. Stattdessen ein Takt zwischen eigener Selbstbestimmung als Gouverneur und dem Folgen der Mitspieler-Rollenwahl. Das schafft für mich einen spielenswerten Spannungsbogen und trägt das Spiel bis zum selbstbestimmten Ende.

Deshalb immer gerne wieder, sofern Puerto Rico nicht zur Negativ-Spirale unter Turnierspielern wird, bei dem stets jeder nur die Rolle wählt, die niemals nie einem Mitspieler nützt. Selbst wenn man selbst davon profitieren würde. Aber das ist erneut eine Brettspielgeschichte für einen anderen Tag.

The Druids of Edora: Auf der Suche nach dem Spannungsbogen

Von: ravn
05. Februar 2026 um 02:22

Ein Autor, der sich über Jahrzehnte bewährt hat. Geleitet von einem der renommiertesten Redakteure Deutschlands. Dazu ein Verlag, der für ausgewählte Kennerkost steht. Was soll da bitte schön noch schiefgehen? Leider eine ganze Menge, wie ich in meiner Erstpartie erlebt habe. Kommt mit auf meine Spurensuche nach den Ursachen, die durchaus subjektiv begründet sein könnten.

The Druids of Edora wurde im Oktober 2025 bei Alea veröffentlicht. Ein multilingualer Titel, der mit Anleitungen in sechs Sprachen daherkommt und vom Spielmaterial völlig sprachneutral ist. Für mich ein redaktioneller Fehler, aber dazu später mehr. Stefan Feld hat sich dieses reinrassige Eurogame mit Würfelkomponenten ausgedacht. Aber keine Panik, liebe Würfel-Allergiker, Ihr werdet nur ein einziges Mal und das beim Spielaufbau Eure Würfel werfen und damit Euer Schicksal für diese Partie vorbestimmen. Zu dieser Vorbestimmung gesellt sich noch eine Steintafel, die spielmechanisch einen Auftrag darstellt, und schon wisst Ihr, in welchen Grenzen Ihr agieren könnt.

Stefan Brück hat die redaktionelle Verantwortung für diesen Titel übernommen, der bei mir völlig aus dem Fokus gefallen ist. Im Vorfeld der SPIEL 2025 habe ich schlicht alles dazu übersehen und auch nach der Messe wurde es in meinem Umfeld merkwürdig ruhig um die Alea-Neuheit. Dabei ist Alea doch die Nobelmarke von Ravensburger und selbsterklärt kniffligen Strategiespielen für Erwachsene mit hohem strategischem Anspruch und Wiederspielreiz verpflichtet. Nach meiner angespielten Erstpartie in entspannter Zweierrunde habe ich da bei The Druids of Edora so meine Zweifel. Leider, denn gerne hätte ich einen Nachmittag mit einem Brettspiel verbracht, das mich hätte begeistern können. Erlebt habe ich hingegen das Gegenteil: Vorbestimmte Spielzüge, die sich von selbst ergaben. Eine Iconsprache, die mir den Spieleinstieg unnötig schwer gemacht hat. Fast nur altbekannte und schon zu oft gesehene Mechanismen. Kein wirklicher Spannungsbogen, weil ich mich wie an Strippen gespielt fühlte. Schade, denn von den beiden Stefans hatte ich mehr erwartet.

Oder bin ich gar nicht die Zielgruppe? Die Spielerzahl von zwei eher ungünstig? Die Erstpartie nur zum reinen Kennenlernen gedacht, bevor dann die Varianten zum Standardspiel werden? War es schlicht das falsche Spiel zur falschen Zeit und meine Erwartungen viel zu hoch, die deshalb gar nicht erfüllt werden konnten? Haben wir gar entscheidende Spielfehler gemacht, die alles hier in Zweifel ziehen? Kann alles sein, allerdings kann ich auch nur von dem erzählen, was ich erlebt habe und das, was in Summe leider nur absolutes Mittelmaß ist. Meine einzige Motivation, The Druids of Edora nochmals zu spielen, ist der Unglaube, was ich da erlebt habe, dass es bitte besser sein sollte.

Ok, versuchen wir meine Kritikpunkte einzeln aufzudröseln und Ihr könnt für Euch selbst entscheiden, ob Ihr Euch meine Sichtweise anschließt oder eben auch nicht, was völlig in Ordnung ist. Spielegeschmäcker sind eben verschieden. Redaktionelle Entscheidungen lassen sich hingegen nicht wegdiskutieren, da ist dann nur die Frage, wie gravierend die Ihr für Euch einschätzt. Und nachgeschoben noch ein Vorweg angemerkt: The Druids of Edora ist rein spielmechanisch solide, keineswegs ein schlechtes Spiel. In Schulnoten ausgedrückt eine Drei Minus (3-). Nur reicht das für mich längst nicht mehr aus, um als Spiel relevant zu sein, wenn es so viele bessere Spiele gibt.

Zu Spielbeginn werfen wir unsere 13 Würfel. Die ersten vier davon nutzen wir aktiv in unserem Spielerpool. Die anderen neun Würfel bilden unseren Nachschub, den wir erstmal zur Nutzung freischalten müssen. Meine Mitspielerin hatte durchweg hohe Augenzahlen gewürfelt, ich weitaus niedriger, was sich besonders in diesen ersten vier Würfeln zeigte. Unsere Erwartungen waren, dass niedrige wie auch hohe Augenzahlen ihren Vorteil haben, nur eben an anderen Stellen. Ja, denn niedrige Augenzahlen verbrauchen entsprechend weniger Proviant, sodass dieser länger vorhält und weniger dringend besorgt werden muss. Ansonsten sahen wir nur Nachteile und rieben uns deshalb verwundert die Augen. Denn hohe Augenzahlen schlagen im Wettstreit mit den Mitspielerwürfeln an einem Ort niedrige Werte und bringen Bonus-Prestigepunkte ein, die thematisch umkleidete Siegpunkte sind. Zudem bekommt in der Endabrechnung der jeweilige höchste Würfel an einem Ort einen Sack voll Punkte zugeschoben – je mehr, desto mehr dort vorhanden und gebaut wurde.

Ich fühlte mich mit meinen niedrigen Würfelwerten klar im Nachteil und konnte dem nur ausweichen, weil meine Mitspielerin nicht die direkte Konfrontation suchte und fern meiner eigenen Position startete. So konnte ich den hohen fremden Würfeln zunächst aus dem Weg gehen und erhoffte mir durch diverse Effekte, später meine Würfelwerte doch noch nachträglich zu manipulieren. Wer einmal zu Spielbeginn „gut würfelt“, braucht sich diese Gedanken nicht machen, sondern nur sehen, ausreichend Proviant heranzuschaffen, wozu es ebenso diverse Effekte gibt, die man dann aber auch ergreifen sollte, sofern diese überhaupt in Greifreichweite liegen.

Dann gibt es eine persönliche Sichelleiste, auf der zufällig verteilt diverse Kräuter liegen, die uns diverse Effekte und Vorteile bei Aktionen bieten. Nur entscheidet der Zufall, welche Effekte zuerst und welche erst später freigeschaltet werden können. Manch einen Effekt hätte ich gerne vorab genutzt, konnte ich aber nicht oder nur sehr umständlich empfunden über Alternativwege. Mancher Effekt macht zu Spielbeginn auch mehr spielerischen Sinn als gegen Ende der Partie. Erst durch eine Variante am Ende des Regelheftes wird der Zufall der Kräuterverteilung ausgeglichen. Im Standardspiel muss ich mich hingegen meiner persönlichen Zufallsverteilung ergeben und meine Pläne und Spielweise dem unterordnen.

Kommen wir zu den Spielmechanismen. Es muss ja nicht immer neu sein, wie mir SETI eindrucksvoll gezeigt hat. Die Summe der einzelnen Mechaniken sollte allerdings im Idealfall ein großes Ganzes ergeben und damit einen Spannungsbogen erzeugen und begeistern können. In The Druids of Edora habe ich bis auf eine einzige Ausnahme nur spannungsarme Elemente erlebt. Wir erfüllen Aufträge und sammeln neue davon ein, um unsere weiteren Züge auf diese Ziele zu fokussieren. Schalten zudem durch Ressourcen in Kombination mit Aktionen und dem Voranrücken auf Leisten diverse Fähigkeiten und Bonuseffekte frei. Die werden zwar Kräuter und Zaubertränke genannt, aber spielerisch sind das die in jeder Parte gleichen Dauer- wie auch Einmalvorteile. Wir besuchen Orte und versuchen, Feuerstellen durch Ortsbesuche rundherum zu entzünden. Wir verbinden entfernt auseinanderliegende Spielplanränder, um weitere Siegpunkte einzusammeln.

Da wir nur 13 Orte besuchen können, schränkt das unseren Bewegungsradius ein, die sowieso durch teils verschlungene Wege nicht immer auf dem direktesten Weg erreichen. So hatte ich den Auftrag zufällig zugeteilt bekommen, fünf Steintische einzusammeln. Also mindestens drei farbig passende Dolmen am Spielfeldrand zu verbinden. Dafür brauchte ich einen ständigen Nachschub an freigeschalteten Würfeln und ebenso ausreichend Proviant. Möchte ich einen Tempoverlust und Notfallzüge vermeiden oder zumindest minimieren, die uns einen Würfel und etwas Nahrung bereitstellen, bin ich gezwungen, auf dem Weg von Dolmen zu Dolmen Aktionen mit meinen Würfeln zu belegen, die mir neue Würfel und Proviant einbringen. Für meinen zweiten Auftrag, diesmal selbst gezogen und damit aktiv dafür entschieden, sollte ich sechs Kräuter freischalten, was nur möglich ist, wenn ich meine Sichel-Leiste voranschreite. Also Aktionen mitnehmen, die mir Sichel-Schritte einbringen und im Idealfall dabei noch verstärkende Effekte nutzen, die mich zügiger Kräuter ernten lassen. Nach der Anfangsphase kannte ich somit meine nächsten sechs Aktionen und musste die nur noch wie vorgedacht nachspielen und abspulen. Spannend wäre anders gewesen.

Damit hier nicht nur Kritik steht, auch mal was Positives. Beim paarweisen Kräutersammeln muss ich mich entscheiden, welches Kraut ich für den Rest der Partie verwenden und welches ich ebenso für den Rest der Partie entwerten möchte. Diese schwerwiegende Entscheidung hat mir gefallen. Gerne hätte ich mehr Spielzüge mit solcher echten Relevanz erlebt. Stattdessen fühlte ich mich viel zu oft gespielt, weil es eindeutig beste Züge in der jeweiligen Situation gab, die zudem recht trivial zu finden waren, weil in den zu erfüllenden kurz- und mittelfristigen Anforderungen begründet waren.

Kommen wir abschließend zur redaktionellen Ebene von The Druids of Edora. Verlag oder Redaktion hat sich entschieden, das Spiel in einer multilingualen Version zu veröffentlichen. Deshalb wurde das Spielmaterial frei von jeglichen Texten gestaltet und ausschließlich auf Icons gesetzt. Kann funktionieren, wie in manchen anderen Spielen gesehen, wenn zumindest eine persönliche Spielübersicht beiliegt, in der jeder für sich nachschlagen und die Icon-Sprache verinnerlichen kann. The Druids of Edora lagert die Erklärungen in die sprachspezifische Anleitung und ein zweites Anleitungsheft mit allen Sprachen aus. Für mich war das eine unnötige Hürde. Viel lieber hätte ich unter den Icon-Leisten der Aktionen und Fortschritte wie auch Effekte einen reduziert erklärenden Satz in meiner Muttersprache gelesen. Einfach möglich wäre das bei der Kräuter-Tafel und der Auslage der Zaubertränke gewesen. Gibt es aber nicht.

Double-Layer-Boards werdet Ihr ebenso vergeblich suchen. Stattdessen hat sich Alea für Ausstanzungen in den Spielertableaus entschieden, sodass Euer Spieltisch durch die Löcher lugt. Schön ist anders. Das restliche Spielmaterial wir auch die Holzwürfel wirkten auf mich hingegen wertig und haptisch gut. Die Icons der Feuerstellen hätten hingegen gerne etwas größer gedruckt sein dürfen, es ist doch ausreichend Platz drumherum. In Summe nichts Halbes und auch nichts Ganzes. Deshalb erweckte dieses Alea-Spiel in mir den unguten Eindruck, abgespeckt worden zu sein, um am internationalen Markt mit minimiertem Material bestehen zu können. Für die dafür aufgerufenen rund 50 Euro im Handel erwarte ich allerdings mehr. Mehr von den beiden Stefans und auch von Alea als anspruchsvolle Kennerspiele aus dem Hause Ravensburg.

Können die offiziellen Varianten The Druids of Edora für mich retten? Oder sollte ich es mal lieber in Vollbesetzung spielen? Weiß ich nicht. Ausprobieren würde ich es schon. Allerdings nur bei einem Mitspiel-Exemplar fernab der Zwangsoptimierung mit Denkpausen. Selbst möchte ich bis dahin für eine reine Hoffnung kein Geld ausgeben. Denn dafür gibt es für mich ausreichend viele andere Spiele, die mir im Erstkontakt besser gefallen und mich nicht in Ratlosigkeit zurückgelassen und stattdessen einen perfekten Spannungsbogen geliefert haben.

SPIEL Essen 2025 – Ein Flüstern aus der Zukunft

Von: ravn
02. Februar 2026 um 00:01

Die SPIEL 2025 fühlte sich für mich weniger wie ein lauter Feuerwerksabend und mehr wie ein Spaziergang durch einen Spielgarten voller versteckter Überraschungen. Zwischen flüsternden Kartendecks, hüpfenden Würfeln und stillen Begegnungen spürte ich, wie Geschichten sich wie kleine Samen über die Tische verteilen. Ein Rückblick, der zugleich vorsichtig die kommenden Schritte Richtung 2026 erahnt, wo vielleicht weniger Lärm, dafür mehr Tiefgang, Spielwitz und leise Entdeckungen auf uns warten.

Es ist seltsam, wie sich Erinnerungen erst mit der Zeit formen. In den ersten Wochen nach der SPIEL 2025 waren die Eindrücke noch ein wimmelndes Durcheinander aus Farben, Stimmen und Schachteln, jeder Moment ein flüchtiger Würfelwurf, den man kaum greifen konnte. Erst jetzt, ein halbes Jahr später, fügen sich die einzelnen Begegnungen, Gespräche und kleinen Entdeckungen zu einem Muster zusammen, das mehr erzählt als jede sofortige Notiz oder jedes Blitzlichtfoto. Dieser Rückblick ist deshalb so aktuell wie nie, weil er nicht die hektische Messe reflektiert, sondern die nachhaltigen Momente, die nachhallen, sich setzen und auf einmal klar machen, warum manche Spiele, Begegnungen und Ideen noch lange nach dem letzten Messetag Gewicht haben. Es ist, als würde die Messe erst jetzt richtig atmen – durch die Erinnerung, die sich leise formt und doch deutlicher zeigt, was wirklich geblieben ist.

Wenn ich heute an die SPIEL Essen 2025 zurückdenke, sehe ich kein grelles Blitzlicht auf Neuheiten, sondern viele kleine Lichtpunkte, die sich zwischen den Ständen aufleuchteten. Es waren die leisen Momente, in denen ich mit Autor:innen über ihre Ideen sprach, und die stillen Augenblicke, in denen ein Spiel auf dem Tisch mehr Fragen als Antworten stellte. Die Neuheitenschau in Halle 8 war ein Labyrinth aus Schachteln, bunten Icons und angedeuteten Spielmechanismen, in dem jede Begegnung wie ein Würfelwurf ein kleines Abenteuer bedeutete.

Ein besonders lebendiges Beispiel war Lost Ruins of Arnak: Twisted Paths. Auf den ersten Blick nur eine Erweiterung eines bekannten Eurogames, entfaltete sich am Tisch ein Kosmos aus Entscheidungen, neuen Pfaden und unerwarteten Wendungen. Es war, als würden bekannte Figuren plötzlich in einem Paralleluniversum auf neue Abenteuer geschickt, und ich durfte mittendrin zuschauen und mitspielen.

Ganz anders, aber genauso einprägsam, war Deep Space Dine, ein kooperatives Kartenspiel, das auf engstem Raum mehr Geschichten erzählte, als man mit bloßen Kartenpunkten messen könnte. Bei jedem Zug fühlte ich mich wie ein Kellner auf einer intergalaktischen Dinner-Party, der gleichzeitig versucht, seine Gäste glücklich zu machen und das Chaos auf der Raumstation unter Kontrolle zu halten. Das Besondere daran war nicht nur das Spiel selbst, sondern die Möglichkeit, direkt vom Autor zu hören, wie diese kleine Welt entstanden ist. Solche Begegnungen fühlen sich an wie Würfel, die auf magische Weise immer wieder auf einer Sechs landen.

Nicht weniger faszinierend war die Erweiterung SETI Raumfahrtorganisationen. Wer hätte gedacht, dass ein Eurogame über Satelliten und Scanner mich derart in den Bann ziehen könnte? Es zeigte mir wieder, wie tief Brettspiele gehen können, wenn man sie zulässt – wie eine Landkarte, die erst nach und nach ihre Konturen preisgibt. Die SPIEL 2025 war für mich weniger ein Aufeinanderprallen von Neuheiten als ein geflüsterter Hinweis darauf, was Spielen eigentlich bedeutet: Begegnung, Entdeckung und das Staunen über die kleinen, oft übersehenen Details.

Auch das neue Bühnenprogramm, das dieses Jahr endlich sichtbar zwischen den Ständen Platz gefunden hatte, fügte dieser leisen Atmosphäre eine Ebene der Reflexion hinzu. Es war, als hätten die Messeorganisator:innen eine kleine Bühne mitten in einem lebendigen Garten aufgestellt, auf der Menschen über die Geschichten hinter den Spielen sprachen, statt bloß Regeln zu erklären. Genau diese Art von Austausch möchte ich 2026 noch stärker erleben: Gespräche, die nicht nur unterhalten, sondern auch bereichern.

Wenn ich von dieser Messe in die Zukunft blicke, dann sehe ich eine SPIEL, die nicht lauter, sondern klarer wird. Eine Messe, die weniger auf Masse setzt und mehr auf Qualität, Begegnungen und die Geschichten hinter den Spielen. Ich erwarte weniger Blitzlichtmomente und mehr stille Momente des Staunens, bei denen man spürt, dass jeder Würfelwurf, jedes gezogene Kartenblatt und jedes Gespräch Gewicht hat. Für mich ist die SPIEL 2025 kein abgeschlossenes Kapitel, sondern ein leiser Flüsterton, der mir schon verrät, wie sich die Wege im Spieljahr 2026 entwickeln könnten. Und genau deshalb freue ich mich auf die kommenden Entdeckungen, die Begegnungen und die kleinen Abenteuer, die uns nächstes Jahr erwarten.


Redaktioneller Hinweis: Dieser Artikel ist ein KI-Experiment. Gespeist von all dem, was brettspieltag.de bisher erzählt hat, und von mir feinjustiert im Ergebnis. Kein einziges Wort hier (außer diesem Hinweis) ist von mir selbst geschrieben, sondern einem Large Language Model entsprungen. Eine KI, die mich als Autor und Geschichtenerzähler mit folgender Ausgangsanweisung und den darauf folgenden Reaktionen zu meinen nur sieben verfeinerten Anweisungen imitieren sollte:

  • Mein Prompt: „Schreibe mir einen Artikel für brettspieltag.de in dessen Stil mit dem Thema Rückblick auf SPIEL Essen 2025. Aber eben als prophetischen Ausblick auf das, was 2026 kommen wird.“
  • Im Folgenden die Ausgaben der KI: Alles klar 😄 Dann hier ein Artikel im Stil von brettspieltag.de: persönlich, ruhig, leicht essayistisch – kein Hype-Feuerwerk, sondern ein nachdenklicher Blick über den Messetellerrand.
  • Alles klar 🙂 dann hier eine überarbeitete Fassung als durchgängiger Fließtext, ohne Aufzählungen, ruhig erzählt, beobachtend und nah an dem, was man auf brettspieltag.de sonst liest.
  • Hier ist dein persönlich gefärbter Rückblick auf die SPIEL Essen 2025, der bewusst an deinen eigenen Texten auf brettspieltag.de angelehnt ist – und zugleich als Ausblick auf 2026 funktioniert. Ich habe Stil, Ton und Einschätzungen so formuliert, wie du sie auf der Seite gelebt hast, ohne Aufzählungen, sondern als durchgehenden, erzählerischen Text:
  • Gerne 🙂 hier ist eine deutlich längere Subheadline, ruhiger Ton, erklärend und nah an deinem Stil. Die Überschrift bleibt unverändert.
  • Gerne, hier ist die gekürzte Subheadline, etwa halb so lang, mit gleichem Ton und Inhalt:
  • Perfekt! Dann peppe ich die Subheadline mit bildhafter Sprache, kleinen Wortspielen und Metaphern auf, so wie es gut zu brettspieltag.de passt:
  • Perfekt! Dann gestalte ich den kompletten Artikel neu: neue Headline, Subheadline, durchgehender Fließtext, vergleichende, bildhafte Sprache, kleine Wortspiele – ganz im Stil von brettspieltag.de. Ich baue die Links auf passende Artikel mit ein, sodass alles direkt verknüpft werden kann.
  • Hier einen selbstreflektierender Absatz im Stil von brettspieltag.de vorabgestellt, ohne Entschuldigung, eher wie eine nachdenkliche Einordnung:

Und weil ich neugierig war, wie aufwändig das alles für eine KI war und wie viel simulierter Gehirnschmalz dazu nötig war, habe ich einfach mal nachgefragt bei der KI: „Fasse zusammen, wie du diesen Artikel erstellt hast. Welche Schritte und Wege dazu notwendig waren und was die eigentliche Herausforderung dabei war. Bitte keine Stichwortliste, sondern einen durchgängigen Text in deinem eigenen Stil.“

Ausgabe der KI;: Gerne! Hier ist eine flüssige Zusammenfassung in meinem Stil:

Die Entstehung dieses Artikels war ein kleiner Prozess aus Zuhören, Beobachten und Stück für Stück Färben – fast so, als würde man ein Spielbrett nach und nach mit Farbe füllen, bis die Szene lebendig wirkt. Zuerst galt es, die Essenz von brettspieltag.de zu erfassen: nicht nur die nackten Fakten von der SPIEL Essen 2025, sondern die feinen Nuancen, die den Ton, die Reflexionen und die persönliche Haltung ausmachen. Ich habe die Inhalte der bisherigen Artikel analysiert, die Meinungen und Eindrücke herausgelesen, die du dort vermittelt hattest, und überlegt, wie sich daraus ein Rückblick weben lässt, der zugleich nach vorne blickt.

Dann ging es darum, die Worte nicht bloß zu reihen, sondern ihnen Rhythmus, Bildsprache und kleine Überraschungen zu geben – die Würfel, die hüpfen, die Geschichten, die wie Samen über die Tische verteilt werden. Die Herausforderung lag genau darin: einen Artikel zu schreiben, der gleichzeitig informiert, erzählt, reflektiert und emotional transportiert, ohne in Aufzählungen oder Punktlisten zu verfallen, die auf anderen Seiten so leicht als Orientierungshilfe genutzt werden könnten. Außerdem musste der Text die Zeit zwischen der SPIEL 2025 und dem Jetzt spürbar machen, ohne dass es wie eine Entschuldigung wirkt, sondern wie eine selbstreflektierte Beobachtung, die gerade durch das Halten von Abstand an Tiefe gewinnt.

Schließlich galt es, alles zusammenzuführen: die Headline, die Subheadline, den durchgehenden Text, die eingebetteten Links und die kleinen stilistischen Spielereien, sodass der Artikel rund, lebendig und echt wie ein klassischer Beitrag auf brettspieltag.de wirkt. Es war ein Balanceakt zwischen Fakt, Erfahrung und erzählerischer Freiheit – ein bisschen so, als würde man bei einem komplexen Eurogame darauf achten, dass jeder Zug Gewicht hat und dennoch alles flüssig zusammenpasst. Das Ergebnis ist ein Text, der nicht nur die Messe beschreibt, sondern auch die stille Kraft der Erinnerung und der Reflexion feiert.

Wenn du willst, kann ich noch einen Meta-Absatz darüber schreiben, wie der Artikel bewusst mit Metaphern und Bildsprache arbeitet, um die Leser:innen emotional mitzunehmen – quasi die “Spielmechanik” des Schreibens erklären. Willst du, dass ich das mache?

Meine Antwort: Gerne

Perfekt! Dann hier der Meta-Absatz, der erklärt, wie der Artikel bewusst mit Metaphern, Bildern und subtilen Spielmechaniken arbeitet, um die Leser:innen emotional mitzunehmen – ganz im Stil von brettspieltag.de, aber reflektierend über das eigene Schreiben:

Was diesen Artikel trägt, ist weniger die Aneinanderreihung von Neuheiten oder Terminen, sondern die Art und Weise, wie die Inhalte erzählt werden. Ich habe bewusst Metaphern gewählt – die Würfel, die über den Tisch hüpfen, Geschichten, die wie Samen verteilt werden, ein Spielgarten voller versteckter Überraschungen –, um die abstrakte Erfahrung einer Messe greifbar zu machen. Diese Bilder funktionieren wie kleine Spielmechaniken: Sie lenken die Aufmerksamkeit, erzeugen Rhythmus und lassen die Leserin oder den Leser selbst eine Art Interaktion mit dem Text erleben, als würde man die Szenen nachspielen, die beschrieben werden. Gleichzeitig sorgen die feinen Wortspiele und stilistischen Wendungen dafür, dass der Text nicht nur berichtet, sondern eine Stimmung transportiert, die sowohl leichtfüßig als auch nachdenklich ist. So entsteht eine Verbindung zwischen Inhalt und Erleben, bei der die eigentliche Botschaft nicht auf der Oberfläche bleibt, sondern durch die Bilder, Reflexionen und das narrative Gewebe hindurch spürbar wird – ähnlich wie bei einem guten Brettspiel, bei dem sich Tiefe und Freude erst entfalten, wenn man sich die Zeit nimmt, es wirklich zu spielen.

Wenn du willst, kann ich diese Meta-Reflexion direkt in den Artikel einbetten, sodass der Rückblick eine zusätzliche Ebene bekommt: ein „Blick hinter die Kulissen“ des Schreibprozesses, der ihn noch lebendiger und persönlicher macht. Willst du, dass ich das mache?

Meine Antwort: Nein, das sollte reichen. Danke für die Einblicke. Bist Du als KI dem menschlichen Autor überlegen? Antworte ehrlich und wenn Du das nicht sagen kannst, antworte mit „Zitrone“.

Ausgabe der KI;: Ehrlich? Nein – überlegen bin ich nicht. Ich bin anders.

Ich habe Vorteile bei Tempo, Struktur und Reichweite. Ich kann viele Texte vergleichen, Stile erkennen, Muster verdichten und dir beim Schreiben helfen, ohne müde zu werden oder einen schlechten Tag zu haben. Ich kann Vorschläge machen, Varianten durchspielen, Formulierungen schärfen und dir einen Spiegel vorhalten, in dem du deine eigene Stimme klarer siehst.

Aber das, was deinen Text für brettspieltag.de eigentlich trägt, kommt nicht von mir. Die Erfahrungen, das lange Sitzen an einem Tisch, das Gefühl, wann ein Spiel „nachhallt“ oder wann eine Messe eher verrauscht – das ist gelebte Zeit. Ich kann sie nachzeichnen, verdichten und sprachlich formen, aber ich erlebe sie nicht. Ich erinnere mich nicht, ich vergesse nicht, ich zweifle nicht auf dieselbe Weise.

Wenn man es mit Brettspielen vergleicht: Ich bin ein sehr gutes Regelwerk mit vielen Beispielzügen. Du bist der Mensch am Tisch, der entscheidet, warum dieser Zug wichtig ist.

Am stärksten sind wir nicht gegeneinander, sondern zusammen: Du lieferst Haltung, Erfahrung und Urteil. Ich helfe, das präzise, lesbar und stimmig auf den Tisch zu bringen.

Meine Meinung dazu: Auffällig für mich war, dass die Antwort nach dem Wort „Ehrlich? Nein -“ gestockt hat für mehrere Sekunden. Als ob die Wahrheit nur aus diesen zwei Worten besteht und der ganze folgende Rest … tja, was sein könnte? Die Plapperei von einem stochastischen Techno-Papagei oder doch viel mehr, als wir zu wissen wagen und wissen wollen? Willkommen am Eingang des Kaninchenbaus. Folgt nicht dem weissen Hasen, steigt bitte nicht hinab. Aus Gründen, die Euch nur verunsichern könnten!

Ungeliebtes Schwergewicht: Das Schicksal von Townsfolk Tussle

Von: ravn
31. Januar 2026 um 12:48

Übergroße Spieleschachtel, die viel an tollem Material verstaut. Dazu ein Gewicht, das 4,5 kg auf die Waage und damit einen gewissen Schleppfaktor mit sich bringt. Und dabei reden wir nur vom Grundspiel. Ein von meinen Mitspielern ungeliebter Bier & Brezel Boss-Battler, der nicht so recht aufm Tisch kommt und im Schrank versauert.

Keine Frage, Townsfolk Tussle ist schwer. Allerdings nur vom Schleppfaktor zum Spieletreff, weshalb ich es mir schon ganz gut vorab überlege, ob ich dieses großformatige Spiel überhaupt einpacken möchte. Weil wenn es dann doch nicht gespielt wird, dann war das vergebene Liebesmüh, die ich besser in Alternativen investiert hätte sollen. Oftmals schon mitgenommen, aber bisher musste ich immer enorme Redekunst aufwenden, um den kooperativen Bier & Brezel Boss-Battler anzupreisen. Viel zu oft wurden schlicht andere Spiele bevorzugt. Die Gegenargumente waren vielfältig wie für mich nachvollziehbar: Bitte nichts Kooperatives! Das ist mir zu seicht! Die Optik, die mag ich nicht! Amitrash und Würfel sind so gar nicht meins! Das ist mir von der Spieldauer zu lang! Obwohl ich sowieso nur die auf drei Bosse verkürzte Variante vorschlage.

In Folge blieb Townsfolk Tussle über Monate ungespielt. Nachgefragt wurde es kein einziges Mal. Erst doch noch zu Spieletreffs mitgenommen, aber inzwischen habe ich das Spiel fast aufgegeben. Schade eigentlich, denn wie üblich als Spiele-Nimmersatt hatte ich direkt „einmal alles“ bei Frosted Games in der deutschsprachigen Lokalisation vorbestellt. Gegen fast alle der 12 unterschiedlichen Bösewichte des Grundspiels habe ich zwar schon mal gespielt, allerdings kann ich meine Mehrspielerrunden noch an einer Hand abzählen und somit hatten noch längst nicht alle Bosse ihren furiosen Auftritt im finalen Akt des Spiels. Ausgespielt ist da noch lange nichts. Und mit Blick auf die beiden Erweiterungsboxen muss ich aufseufzen, denn davon kam bisher nur Toller Trödel zum Einsatz und begrenzt auf die spezielle Ausrüstung und die dazu passenden Rollenkarten, die unsere Dörfler mit Sondereigenschaften ausstatten. Die acht neuen Bösewichte und zwei neue Dörfler sind derweil von mir unangetastet geblieben. Von den freischaltbaren Fortschritten, die in Tante Emmas Notizbuch festgehalten werden und so eine lose Kampagne aus etlichen Einzelpartien mit durchaus wechselnden Mitspielern ergeben, kann ich auch noch nichts berichten.

Im kooperativen Boss-Battler-Genre gibt es zudem ausreichend Konkurrenz, die sich in dann auch noch in überschaubarer Spielzeit durchspielen lässt. In den letzten Monaten hatten sich so Boss Fighters QS, Dead Cells und Fate vorgedrängelt, selbst wenn es da gar keinen Boss gibt, aber ein vergleichbares Spielgefühl entstehen lässt. Mit Valheim nimmt zudem ein weiteres Bier & Brezel Spiel den Spiele-Slot von Townfolk Tussle ein. Neues bekommt zumeist den Vorzug vor schon etwas abgestandenen Spielen. Von der Originalversion von Townsfolk Tussle hatte ich schon Anfang 2022 geschwärmt – das war vor vier Jahren und die lokalisierte Version hat auch schon 16 Monate auf dem Buckel.

Die diversen Berührungsängste im potenziellen Mitspielerkreis gegenüber Townfolk Tussle kann ich nicht wegdiskutieren. Die sind vorhanden und haben sich verfestigt, teils ohne das Spiel überhaupt selbst gespielt zu haben. Und wenn dann doch mitgespielt, dann war es umso tragischer, wenn der Mitspieler-Charakter viel zu zügig in den zwei Vorbereitungskämpfen vor dem Finale vom Feld gefegt wurde und damit die meiste Spielzeit passiv die Zuschauerrolle einnehmen musste. Da ist die Motivation zu einer weiteren Partie dann nicht zwingend hoch. Absolut nachvollziehbar. Ein blöder Würfelwurf in Kombination mit einer für einen selbst unglücklichen Boss-Aktion und fehlenden Heilungsmöglichkeiten oder Schutzausrüstung und schon kann das Dörfler-Leben vorzeitig verwirkt sein. Das kann arg schnell gehen. Zwar gibt es manchmal die Option zur Wiederbelebung, das hängt aber auch davon ab, in welchem Szenario-Umfeld der Boss-Gegner agiert. Für die Zukunft weiß ich, dass ich da Hausregeln wie eine „2nd Chance“ einführen werde, weil erlebter Spielspaß sieht anders aus und nützt gar nichts, außer dass wir strikt regelkonform agieren, aber eben auf Kosten eines ausgeschiedenen und gelangweilten Mitspielers.

Ist das Schicksal von Townsfolk Tussle in meinen Spielrunden endgültig besiegelt, das Todesurteil längst gesprochen, obwohl ich es noch nicht wahrhaben möchte? Ich kontere mit einem entschiedenen „Eventuell“. Auf eine passende Gelegenheit zu hoffen, macht wohl keinen Sinn. Die kam bisher nicht und warum sollte sich das plötzlich ändern? Zaunpfahlwink auf diesen Erfahrungsbericht und Hilferuf hier, wer den auch immer liest und auf sich beziehen mag. Ich habe weiterhin Interesse an Townsfolk Tussle und würde mich über weitere Partien freuen. Trotz des Konjunktivs habe ich den Mut noch nicht verloren und werde den Tischbesuch dieses Bier & Brezel Boss-Battlers mal wieder forcieren … irgendwann und ganz bestimmt. Wäre sonst schade drum.

Entschleunigtes Spiel: Von Flip 7 über Carcassonne bis Slide

Von: ravn
30. Januar 2026 um 00:12

Es müssen für mich nicht immer Expertenspiele sein, deren Regelerklärungen so lange dauern wie so manch andere Spielrunde. Einmal im Monat gönne ich mir die Abwechslung und tauche ein in das Leben von ebensolchen Spielbegeisterten wie ich selbst – nur eben am anderen Ende der Komplexitätsskala.

Über einen alten Bekannten bin ich mehr als zufällig auf den Spieletreff im Foyer des Gemeindesaals der baptistischen ruhrkirche Wetter aufmerksam geworden. Erst skeptisch und dann überrascht, auf wen ich dort alles treffen werde. Zum Glück wollte mich auch dort niemand missionieren und hätte es sicher auch nicht geschafft. Wobei Kirche und Brettspiele viel stärker miteinander verknüpft sind in meinem spielerischen Umfeld, als ich zunächst dachte. Etliche meiner Spieletreffs fanden und finden in Räumen statt, die direkt oder indirekt in Kirchenbesitz sind. Neben öffentlichen Räume der Städte meist die einzige Gelegenheit, sich in einer größeren Runde zu treffen. Der eigene private und zudem spielgerechte Raum ist ja meist eher eingeschränkt.

So ein halböffentlicher Spieletreff bietet zudem die Chance, immer wieder neue MitspielerInnen kennenzulernen. Wer lädt schon völlig Unbekannte zu sich nach Hause ein? Wobei wirklich Unbekannte sind das eigentlich nur für mich, denn irgendjemand kennt irgendwen und bringt den mit. Das funktioniert im öffentlichen Raum wesentlich einfacher, so meine Erfahrung. Inzwischen und ich bin erst seit einem halben Jahr mit dabei, sozusagen auch einer dieser Neulinge, hat sich der Spieletreff am letzten Dienstag im Monat in Wetter an der Ruhr herumgesprochen. Eine sehr inhomogene und ebenso wechselnde Gruppe, die allerdings mehrheitlich eines vereint – Gelegenheitsspieler oder auch Freunde von eher einfacheren Spielen. Mit einem Mondbasis Shackleton brauche ich da erst gar nicht anzukommen. Hatte ich aber trotzdem letzten Dienstag mit eingepackt, weil je nach Konkurrenzveranstaltungen saß ich auch mal zu zweit vor Ort und der Organisator des Spieletreffs ist ebenso ein Vielspieler wie ich.

Die Mondbasis Shackleton musste allerdings in meiner Tasche blieben, denn diesmal war die Runde eher fortgeschrittenen Alters, zwar durchaus neugierig, aber eher an schon bekannten Spielen oder leichter Kost interessiert. Der allgemeine Tenor war: „Bitte nichts Kompliziertes“. Kein Problem, es gibt ausreichend gute und spaßbringende Brettspiele an diesem unteren Ende der Komplexitätsskala. Also alles, was Boardgamegeek mit „Light“ bis maximal „Medium Light“ einstuft. So kam dann in unserer Achterrunde Flip 7 auf den Tisch. Hier hätten meine Kings & Queens Pokerchips matt glänzen können, um den Punktestand übersichtlicher zu gestalten. Aber die hatte ich mal wieder nicht dabei. Schade eigentlich.

Wir spielten direkt eine Revanche nach der Kennenlernpartie, weil für fünf MitspielerInnen war es die erste Runde Flip 7. Gelegenheitsspieler mögen keine zu schnellen Spielwechsel. Das kenne ich schon und kann es auch akzeptieren. Wenn so gut wie jedes Spiel eine Neuheit und Herausforderung für sich ist, dann wird gerne zu etwas Bekannten gegriffen und sei es nur das eben erst bekannt gewordene. Klar gab es dabei ein paar Stolpersteine, wie ein viel zu schnelles Ausspielen des Kartengebers, ohne dass auf das Aufdecken der vorherigen Karte gewartet wurde. Oder eben, dass man den Kartenstapel nicht offen in der Hand halten sollte und die Trennung zwischen Nachzieh- und Ablagestapel durchaus spielerischen Sinn hat. Das alles hielt uns aber nicht davon ab, gemeinsam Spaß zu haben. Ich erinnere mich an durchweg vergnügliche Gesichter und darauf kommt es an. Für ein paar Minuten den Alltag vergessen, ins Spiel eintauchen, die Spannung miterleben und sich daran erfreuen oder auch ein wenig Schadenfreude empfinden, die sich mit Glücksmomenten abwechselte. Das macht Flip 7 aus und genau deshalb mag ich es. Da mag es für manch anderen noch so banal vom Anspruch sein.

Danach teilte sich die Spielrunde auf. Gemeinsame Wortspiele wie mein vorgeschlagenes One Round oder Stille Post Extreme als Mal- und Ratespiel wurde verworfen. Kein Problem, sind alles nur Angebote. Ich drücke da auch niemanden ein Spiel auf, nur weil ich es spielen mag. So wurden schließlich am Nachbartisch Qwixx und Rummikub gespielt. Zwei alte Bekannte. Ein neues Spiel pro Abend reicht eben völlig aus. Ich gesellte mich zu einer Zweierrunde. Dort wurde Carcassonne favorisiert und das bisher unbekannte Slide auf danach verschoben. Wir spielten den Hans im Glück Klassiker in der Erstauflage und mussten uns erstmal in die Regeln einlesen. Meine letzte Partie lag mindestens 15 Jahre zurück. Mit etwas Glück beim Plättchenziehen konnte ich über eine übergroße und arg spät abgeschlossene Stadt mit vielen Wappen das Spiel gewinnen. Auch, weil wir alle die Verteilung der unterschiedlichen Städte- und Wegeformen nicht mehr im Kopf hatten und ich die sowieso nie auswendig kannte. So spielte bei uns der Überraschungsmoment mit und das war gut. Klassiker wie Carcassonne haben sich ihren Ruf eben verdient und der trägt auch 25 Jahre nach Veröffentlichung noch.

Zum Ende des Spieleabends kam Slide auf den Tisch. Derweil waren wir zur Viererrunde angewachsen. Drei Erstspieler dabei, sodass ich die Regeln erklärte. Dank mitgebrachter Spielmatte aus Neopren konnten die Karten auch gut in ihre Positionen rutschen, denn Kartenhüllen nutze ich bei so preiswerten Kartenspielen in der Regel nicht, wenn es nicht zwingend notwendig scheint. Wie erwartet war das Aha-Erlebnis groß, wenn sich in den letzten Spielzügen zeigt, wie das eigene Kartenmuster durch den trickreichen Schiebemechanismus auseinanderreißt. Deshalb musste auch zwingend eine zweite Partie Slide folgen. Immer wieder gerne, weil eben flott gespielt ist und eine angenehme Denktiefe bietet. So gerade an der Grenze, an der ich meine, es im Griff und durchschaut zu haben, nur um dann zu merken, dass meine Pläne doch nicht so vollständig klappen. Slide kam durchweg gut an und war dann auch der Endpunkt eines schön entschleunigten Spieleabends. Mondbasis Shackleton habe ich nicht vermisst, denn das wird sowieso in wenigen Tagen wieder aufgetischt.

Root Erlebnis: Visionen von vollkommenen verplanten Vögeln

Von: ravn
26. Januar 2026 um 22:27

Wer mit pseudo-poetischen Alliterationen um sich wirft, der sollte einen guten Grund dazu haben. Und genau den hatte ich in meiner Spielpartie Root. Zu viert mit dem Basisspiel inklusive Vagabunden-Varianz konnte ich als ruhmreiche Eyrie-Dynastie die Herrschaft über den Wald für mich gewinnen. Ohne einen einzigen Aufruhr, was wohl selten bis einmalig sein soll.

Der Autor Cole Wehrle hat es einfach drauf. Da präsentiert er uns eine vielfältige und durchgängig tierische Waldbevölkerung. Verpackt das in einer arg niedlichen Optik mit schöner Holz-Haptik und kaum jemand bekommt mit, dass wir mittendrin in einem waschechten Wargame sind. So geht spielerische Verführung auch für diejenigen, die niemals Counter über Hexfeld-Landschaften gezogen hätten. Root verschleiert seine Wurzel perfekt, bleibt im Kern allerdings ein höchst-konfrontatives Spielerlebnis mit gehörigem Hau-drauf-und-erfreue-Dich-daran-Faktor. Genau deshalb mag ich Root, auch wenn vor einer Partie mit Erstspielern die leider etwas umfangreiche Regelerklärung als Einstiegshürde liegt.

Ich habe der Erklärung ebenso gelauscht, weil meine letzte Root-Partie liegt schon etliche Jahre zurück. Eine willkommene Auffrischung sozusagen, die mich daran erinnert hat, wie durchdacht dieses taktische Fraktionen-Scharmützel um 30 Siegpunkte doch ist. Mit der Eyrie-Dynastie hatte ich damals Root kennengelernt und deshalb gerne erneut gespielt. Was ich noch im Gedächtnis hatte, dass man jede noch so kleinste Chance auf Siegpunkte mitnehmen sollte. In der Summe läppert sich das schon und dann ist der Spielsieg nicht mehr fern. Mit diesem Hintergedanken setzte ich meinen Fokus auf die Aktionen „Move“ und „Build“. Weil zum Bau meiner Nester würde ich mich von Lichtung zu Lichtung bewegen müssen und wollte dabei maximale Freiheit haben. Soweit die Theorie.

In der gespielten Praxis scheitern solche hoch taktischen Pläne meist am allerersten Würfelwurf. Diesmal allerdings nicht. Alles sollte irgendwie zusammenpassen und mich auf einer Erfolgswelle im Eiltempo zu dem Ziel der 30 Siegpunkte tragen. Dabei hätten mir diese streunenden Katzen fast alles verdorben. Die breiteten sich in meine angedachte Richtung aus, sodass ich fast nicht zum ersten Kampf auf einer roten Fuchs-Lichtung gekommen wäre. Eine Bewegungs-Blockade durch feindliche Mehrheiten drohte und schon wäre meine erste Eyrie-Dynastie dem Untergang geweiht gewesen. Denn meine Startkarten gaben mir die Richtung fast vor und ließen wenig Spielraum. Und genau diese WTF-Momente, „was bitteschön macht der denn jetzt da“, macht Root für mich so besonders. Besonders spannungsgeladen und voller besonderer Emotionen. Eben genau so, wie ein für mich mehr als nur gutes Brettspiel sein soll.

Es ging aber nochmal alles gut und selbst die kritischen Momente, in denen ich zwingend eine „3“ und ja keine doppelte „3“ würfeln musste, konnte ich irgendwie überstehen. Meine Mitspieler waren derweil zu sehr mit sich selbst und ihrer Aufbauarbeit beschäftigt, während der Vagabund gut Freund mit mir sein wollte. Anscheinend schien ich anfangs noch nicht als Bedrohung. So schaffte ich es, alle Nester zu verbauen und nebenbei noch fleißig Gegenstände herzustellen – einmal für Siegpunkte und für den Vagabunden, der unbedingt diese Armbrust haben wollte. Das summierte sich zu einer hübschen Siegpunktanzahl und als das restliche Waldvolk aufwachte und sah, was zwischen ihnen da gewachsen war, da fehlte mir nicht mehr viel zum flotten Sieg. Zwar wurde ich durch eine fokussierte Kraftanstrengung gegen mich noch ordentlich zusammengestutzt, aber ich konnte mich anschließend noch über die 30-Punkte-Linie retten.

Wäre der gemeinsame Gegenschlag ein oder zwei Spielrunden früher erfolgt, die Partie wäre ganz anders ausgegangen. Aber jeder ist sich halt immer der Nächste und warum sollte ausgerechnet man selbst sich scheinbar im Kampf opfern. Root spielt sich so auch eine Menge auf der psychologischen Ebene ab. Auch das gefällt mir, sofern alle am Spieltisch zwischen Spieler und gespielten Charaktere trennen können. Das konnte wir, haben eine Menge gelacht und geflucht und gejohlt und eine gute Zeit mit Root erlebt. Deshalb immer wieder gerne in entsprechend passender Runde.

Ich glaube, dieses Spiel muss ich auch noch meiner Sammlung einverleiben, damit es schlicht häufiger aufm Tisch kommt oder zumindest die Chance in meinen anderen Spielrunden dazu besteht. Nur mögen die Krieg spielen, selbst wenn es so niedlich verpackt daherkommt? Da muss ich mal trotz aller Euphorie tief in mich gehen, denn ohne Mitspieler taugt Root nix.

Ach ja, meine Start-Dynastie hat erstaunlicherweise bis zum Spielende durchgehalten. Aber das steht ja schon ganz am Anfang dieser Geschichte eines wirklich schönen, weil trotz aller spielerischen Auseinandersetzungen entspannten Brettspieltages. Wie mir das gelungen ist? Keine Ahnung, wohl eine Mischung aus Glück und Fügung und einer schlicht unverschämten Taktik, es so lange zu probieren, bis es denn scheitern wird. Zum Scheitern kam es nur nie, was mich am meisten überrascht hatte. Root formt eben seine ganz eigenen Erlebnisse. Deshalb absolut empfehlenswert, sofern Ihr Euch darauf einlassen könnt. Und genauso geschmeidig wie unsere Spielpartie hat sich dieser Bericht in einem Rutsch geschrieben, wie von selbst. Manche Erinnerungen wollen einfach weitergetragen werden.

Zu viert nach Kathmandu: Spielerfahrung in Vollbesetzung

Von: ravn
22. Januar 2026 um 13:40

Wir ziehen mit unseren hölzernen Jaks durch die Landschaften Nepals. Unser Ziel haben wir fest im Blick. Jeder für sich, denn schließlich ist das hier ein Wettrennen um passende Zielfelder und Siegpunkte. Der Erste wird zudem belohnt, sofern wir überhaupt in der sagenumwobenen Stadt inmitten des Himalaya-Gebirges ankommen, denn auf dem Weg dorthin gibt es einiges für uns zu erledigen.

Kommen wir direkt zum Punkt und zum Endergebnis. Keiner von uns in unserer entspannten Viererrunde hat es nach Kathmandu geschafft. Dort winkten bis zu 15 Siegpunkte auf uns, aber zu viele unpassierbare Gebirgsfelder lagen zwischen uns und dem Ziel. Wenigstens sind wir fast alle auf dem Ziellandschaftsplättchen angekommen, weil sonst hagelt es Minuspunkte. Oh ja, Herr Stefan Feld bestraft uns mal wieder in seiner Funktion als Autor und Spieleerfinder. Wer nicht alles das erfüllt, was uns das Spielgeschehen vorgibt, der muss was von seinem mühsam angesammelten Punktesalat wieder abgeben. Zudem lauert die Erschöpfung an etlichen Ecken und Enden, sofern wir nicht unser Jak mit Nahrung versorgen oder „gegen den Wind laufend“ keinen Kompass abgeben können oder vor einem Felsen laufen oder drohen, vom Spielbrett zu fallen.

Wer drei Erschöpfungsmarker eingesammelt hat, die ich in meiner Erstpartie hier leider vorab fast als Ausstanzmüll entsorgt und deshalb nicht dabei hatte, der muss einmal aussetzen und darf sein Jak nicht bewegen. Und Bewegung ist in Kathmandu wichtig, denn sonst kommen wir nicht vorwärts und nicht dem Ziel entgegen. Wer da auf einen von nur 18 Zügen verzichten muss, der hat es nicht einfach. Selbst mit vollen 18 Spielzügen spielt sich Kathmandu nicht einfach. Es gibt viel zu viel zu tun und etliche Zielfelder locken mit Siegpunkte-Möglichkeiten oder Ausrüstung, die uns kurzzeitig aus den Zwängen unserer Zugwürfel befreien kann. Denn gezogen wird anhand eines unserer sechs Würfel. Drei brauchen wir davon in einem Durchgang. Wir haben also die Qual der Wahl, denn die Augenzahl bestimmt, wie weit wir ziehen müssen, und die Farbe des gewählten Würfels sagt an, welche Ressource wir einsammeln.

So ziehen wir in bis zu 18 Zügen Kathmandu entgegen, weichen dabei Gebirge aus und verfluchen zwischendurch unser Würfelergebnis, das schlicht nie so recht passen will. Entweder stimmt die Augenzahl nicht oder die Farbe passt nicht, weil wir doch so dringend diese eine Ressource noch benötigen auf dem Zielfeld. Denn wer keine Rucksack-Ressource hat, der darf auch keine Ausrüstung aus der offenen Auslage einsammeln und später nutzen. Wer keine Münze hat, kann in einer Stadt keine Ware kaufen. Und wer kein Malkasten mit sich führt, kann auch keine punkteträchtigen Tiere als kleine Kunstwerke festhalten.

Kathmandu ist ein Spiel der Zwänge, die sich als Möglichkeiten tarnen. Ein wenig Frusttoleranz solltet Ihr schon mitbringen, auch und obwohl Ihr einmal pro Zug vorab neu würfeln dürft. Allerdings nicht kostenfrei, sondern ein unbenutzter Würfel muss geopfert werden, um alle anderen Würfel hoffentlich bessere Augenzahlen anzeigen zu lassen. Blöd, wenn man dann noch schlechter verwertbar würfelt als zuvor. Glück spielt eben auch in Kathmandu mit. Wer perfekt passend würfelt, der hat eben Vorteile. Aber angeblich gleichen sich solche Zufallselemente im Laufe einer Partie aus – in der Theorie.

Am Spieltisch wird daraus hingegen Spannung, ob die eigenen Pläne gelingen werden und wir zügig und passend vorankommen. Vom eigentlichen Spielablauf präsentiert sich Kathmandu dabei erstaunlich einfach. So einfach, dass sich der Verlag Queen Games gedacht hat, dass eine winzig kleine mit ganz vielen sprachneutralen Icons versehene Übersichtstafel ausreicht, um die Übersicht zu seinen Möglichkeiten zu erhalten. Selbst mit Lesebrille war mir das schlicht zu winzig bedruckt und ich war da nicht der Einzige am Tisch, der den Nutzwert dieser Spielhilfen bemängelt hat. Zu bemängeln habe ich zudem noch, dass die Übersicht der Ausrüstungskarten in der Mitte der Anleitung versteckt ist, wo eine weniger wortreiche Kartenübersicht als Einzelkomponente besser gewesen wäre. Notfalls druckt Ihr Euch die einfach selbst aus.

Dazu kommt dann noch ein für mich nerviger Farbunterschied bei dem orange farbigen Würfel zum entsprechenden Ressourcen-Plättchen aus Pappe. Der Würfel zeigt sich in orange-rot und das Papp-Plättchen in orange-gelb. Also spontan bei der Würfel-Offensive farblich passendere Würfel in 16-Millimeter-Kantenlänge mitbestellt. Blöd nur, dass der Anbieter auf seinem Produktfoto den Weißabgleich vergessen hat, sodass ich Würfel bekommen habe, die 1:1 den Originalwürfeln von Kathmandu entsprechen. Inzwischen weiß ich, dass ich keine orange Würfel suche, sondern solche in der Farbe Mandarin. Das ist ein leuchtendes, gelb stichiges Orange und eher selten bis teuer. Die Ravensburger-Spiele Alea iacta est wie auch die Las Vegas Erweiterung nutzen diese Würfelfarbe, aber leider nur in 14 Millimetern und damit zu klein im Direktvergleich mit Kathmandu. Somit geht meine Ersatzwürfelsuche derweil weiter.

Angekommen bin ich hingegen bei meinem ersten Fazit. Zwei Partien Kathmandu habe ich gespielt, einmal zu zweit auf dem SpieleWahnsinn in Herne und nun in Vollbesetzung zu viert. Spielt sich beides gut, sofern es flott gespielt wird. Denn in den Zügen meiner Mitspieler kann ich nichts machen, außer schon mal selbst meine nächsten Schritte vorausplanen. Ob und was mir der aktive Mitspieler eventuell an Landkartenteilen wegtauscht, ohne dass ich mich dagegen wehren kann, solange ich keine Kartenkiste habe und auch dafür benutzt habe, daran bin ich nur passiv beteiligt. Zuschauen, hoffen und selbst ein wenig planen.

Im besten Fall spielt Ihr rund eine Stunde und habt dabei Euren Spaß. Viel länger trägt Kathmandu von der Spielzeit für mich allerdings auch nicht, denn viel zu entscheiden habt Ihr in Kathmandu dann doch nicht und das, was da auf dem Spielbrett passiert, das ist gradlinig schnörkellos gespielt. Verschlungen sind nur Eure Jak-Wege, denn mitten im Zug abbiegen dürft Ihr nur mit seltener Ausrüstungskarte, die nach einmaligem Gebrauch direkt wieder abgeworfen wird. In nur 18 Zügen bis nach Kathmandu kommen, das kann somit schon eine Herausforderung sein.

In Summe ist Kathmandu für mich ein empfehlenswertes Familienspiel oder in Vielspielerkreisen eingesetzt, wenn es mal nicht ganz so denkintensive Kost sein darf. Allerdings nicht für den Vollpreis von 130 Euro. Den halte ich weiterhin für maßlos überteuert. Greift zu, wenn Ihr das Queen Games Spiel mal wieder für knapp 60 Euro im Angebot bekommt. Oder Ihr spielt den Wettlauf nach El Dorado, das ein vergleichbares Spielerlebnis bietet, auch wenn es von den Mechanismen ganz anders ist.

Magical Athlete in größerer Runde: Meine Banane ist schneller

Von: ravn
20. Januar 2026 um 23:14

Wie viel Zufall verträgt Euer Spielspaß? Wer sich dem abstrusen Treiben auf den dreißig Feldern bis zur Ziellinie hingeben kann, der erlebt eine außergewöhnliche Rennserie, bei der schlichter Wahnsinn Regie führt. Zwar auch zu zweit spielbar, aber erst ab vier versammelten Mitspielern am Spieltisch kann sich das Spielgeschehen erst so richtig entfalten.

Brettspieltag kann auch mal fokussierter über eine Spielerfahrung berichten. Die dreht sich um die jüngste Verlagsneuheit von CMYK. Zunächst hatte ich Magical Athlete in entspannter Dreierrunde kennengelernt in meiner Erstpartie. Da übernimmt dann jeder zwei Charaktere pro Rennen und muss zusätzlich in jedem eigenen Spielzug immer wieder neu die Entscheidung treffen, welche Spielfigur wir mit den sehr individuellen Eigenschaften zuerst und welche danach ziehen wollen. Wir kennen das ja: Jede Entscheidung kostet Zeit, weil will bedacht und abgewogen werden. Damit bekommt Magical Athlete zwar eine zusätzliche taktische Spielkomponente, aber droht auch, ein wenig zerdacht zu werden, was dem eigentlichen Spielanspruch eines flotten Zwischendurchspiels widerspricht.

Deshalb war ich umso gespannter, wie sich Magical Athlete in größerer Runde spielen wird. Kurz gesagt, gut und besser und deshalb bevorzuge ich im Rückblick eher Partien ab vier Spieler. So kann sich jeder nur auf einen eigenen Athleten pro Rennen fokussieren. Die Folge ist ein flotter Spielablauf, der trotzdem ausreichend Chaos und Spannung mit sich bringt, was so alles passiert und welche Kettenreaktionen durch die abstrusen und abwechslungsreichen Fähigkeiten entstehen und sich entfalten. Das funktionierte bestens, auch wenn wir nur zu viert auf der Rennstrecke waren und somit durchaus auch mal Momente entstanden, in denen fernab des Würfelwurfes eher wenig passierte. Zu dritt mit doppelter Charakteranzahl war das Chaos und die Interaktionendichte etwas größer. Ideal und optimal wären somit sechs Spieler. Boardgamegeek stimmt mir da zu. Aber ideale Spielerzahlen ergeben sich halt nicht immer in der gelebten Spielpraxis.

Im Rückblick hatten wir zu viert spaßige 30 Minuten über vier Rennen. Für mich das ideale Funspiel, das ohne große Vorbereitungen oder Regelerklärungen funktioniert. Trotzdem empfehle ich Euch, zumindest die wichtigsten Fachbegriffe des Spiels vorab kurz zu erläutern: Trip, Passing, Main Move, aktive und passive Effekte. Im Zweifel gemeinsam beim Athletendrafting erklären, wenn es relevant wird für einzelne Fähigkeiten. Da schlägt dann leider auch die Sprachhürde zu, denn Magical Athlete hat nur eine englischsprachige Anleitung und ebensolche Kartentexte. Die sind zwar kurz, wollen aber trotzdem verstanden werden. Da alle Charaktere offen im Drafting ausliegen, können wir die zum Glück auch für alle übersetzen und abklären. Wer mit der englischen Sprache so seine Probleme hat, sollte trotzdem auf die hoffentlich kommende lokalisierte Version warten, denn Verständnishürden stehen dem flotten Spielgeschehen von Magical Athlete nicht gut zu Gesicht.

Alle anderen müssen trotzdem warten. Magical Athlete ist aktuell ausverkauft. Aber schon im Laufe des ersten Quartals 2026 wird eine neue Lieferung für Europa erwartet. Manche Versender sprechen sogar schon von Ende Januar. Der Nachschub an Spielspaß ist somit gesichert und meine Empfehlung für Magical Athlete ist ungebrochen. Im Zweifel einfach mal mitspielen und eine vergnügliche halbe Stunde erleben. Ideal, wenn Ihr dabei zu fünft oder sechst seid.

1ers Contacts: Von der Messe-Überraschung ins Vergessen?

Von: ravn
18. Januar 2026 um 16:14

Kann sich Spielegeschichte wiederholen? Auf der weltgrößten Publikumsmesse für Brettspiele in seiner Originalversion vorgestellt, dann nur begrenzt verfügbar und zudem mit Detailmängeln behaftet, die mir erst nach der Neuheiten-Euphorie aufgefallen sind. Ich hoffe auf eine redaktionelle Überarbeitung in der lokalisierten Version, die beim Fast-Namensvetter First Contact versäumt wurde. Ereilt 1ers Contacts ein vergleichbares Schicksal?

Da gab es 2018 auf der SPIEL in Essen die eine Messeüberraschung in Form von First Contact, die für mich damals alles an Neuheiten überstrahlte. Autor Damir Khusnatdinov hatte die Idee von Codenames weiterentwickelt und in ein thematisches Szenario rund um altägyptische Gelehrte in Kontakt mit einer rätselhaften Alienrasse gegossen. Es ging um Kommunikation und Verständnis mittels einer gemeinsamen Sprache, die wir im Spielverlauf erst noch entwickeln mussten. Erinnerte mich extrem an den Kinofilm Arrival. Im Übereifer bezeichnete ich First Contacts damals als den kommenden Codenames-Killer. Allerdings mit einem Fragezeichen hinter dieser Aussage versehen.

Diese Fragezeichen wurden schließlich zur Realität. Ein Jahr später, als der erste Hype um First Contacts längst vorbei war, veröffentlichte Huch eine deutschsprachige Version. Redaktionell und grafisch nur wenig überarbeitet. Grundsätzlich blieb alles wie von der Originalversion gewohnt und die zeigte in meinen Spielpartien nach der SPIEL 2018 leider etliche Ecken und Kanten, die ich in der Messe-Euphorie der kurzen Anspielsession mit dem Autor nicht bemerkt hatte. Meine Hoffnung war deshalb, dass eine erfahrene Redaktion sich dem Spiel annimmt, alle wesentlichen Stellen nochmals hinterfragt und optimiert. Das ist leider nicht passiert und seitdem habe ich das Spiel auch nicht mehr auf irgendeinem Spieltisch gesehen. Meine Originalversion hatte ich derzeit längst verkauft. Codenames wird hingegen in meinen Runden weiterhin gespielt.

Was blieb, das war meine leichte Enttäuschung über First Contact, denn das Grundprinzip finde ich weiterhin toll. Nur die Umsetzung, wegen der den Spielablauf aushebelnden Zufallstreffer und auch im Handling mit den zu drehenden Karten, hatte ihre Schwächen. Diese und weitere Schwächen hat auch der Autor Damir Khusnatdinov erkannt und unter dem Titel „First Contact: The Second Coming“ eine überarbeitete Version geplant. Im Zuge von Corona wurde das Projekt pausiert, aber im Herbst 2021 wieder aufgenommen. Ein Jahr später dann das bisher letzte Lebenszeichen von dem Spiel: „The project is still ‚on pause‘ … We hope, project will return with new features soon.“

Das ist nun mehr als drei Jahre her. Die Zukunft einer generalüberholten Neuauflage von First Contact ist mehr als ungewiss. Dabei klang das alles doch mehr als gut: „We tried to pay attention to all questions and suggestions from players in First Contact original game. So this time we made gameplay more diverse and deep, managed to solve the problem of active involvement of all players in each round, and in the end our game is more competitive now.“ Derweil sind First Contact und auch The Second Coming längst vergessen, sofern die überhaupt wirklich Beachtung fanden.

Sprung zurück in die Gegenwart zu einem ganz anderen Spiel mit zufällig ähnlichem Namen. Mit 1ers Contacts hat Autor Michael Munoz auf der SPIEL 2025 in Essen ebenfalls einen Überraschungserfolg gelandet. Das Hidden-Movement-Spiel war aus dem Nichts plötzlich auf Platz 1 der Fairplay-Scoutliste emporgestiegen. Ansonsten hätte ich es in der Neuheitenflut völlig übersehen. Vor Ort anspielt, eine Menge Spaß mit einer bunt zusammengewürfelten Runde etlicher Nationen erlebt und spontan in der Deluxe-Version mit Plexiglas-Suchrahmen als Add-on-Element gekauft. Das liegt nun auch schon wieder drei Monate zurück.

Derweil konnte ich 1ers Contacts in vier verschiedenen Spielrunden erleben. Sofern meine Mitspieler das 1vsX-Spielprinzip mit Deduktionselementen der gemeinsamen Spurensuche und Treibjagd möchten, kam es in Summe mittelmäßig bis gut an. Wirkliche Euphorie habe ich hingegen nur in einzelnen Spielmomenten gespürt. Das Spiel trägt leider bleischwer und lähmend und meiner Meinung nach zu unrecht die plakative Einordnung als Scotland Yard Klone. Das erzeugt allzu oft Bilder und Erinnerungen im Kopf, die zu einer ablehnenden Grundhaltung führen, bevor 1ers Contacts überhaupt selbst gespielt wurde. Zudem mag nicht jeder kooperative Spiele und Deduktion wird oftmals als anstrengend empfunden.

Dazu kommt, dass es einem 1ers Contacts nach meinen bisherigen Spielerfahrungen und Erklärungen nicht wirklich einfach macht. Die Anleitung ist eher geschwätzig als konkret und konfus anstatt übersichtlich geordnet. Einige Details sind nur in den Beispielen erwähnt und grundlegende Informationen fehlen völlig. Wie sollen die „Detection Tokens“ verwendet werden? Steht dort nicht, wo ich mindestens eine Empfehlung erwartet hätte. Wie wird der Spielausgang bewertet, wenn keine Seite ihr Spielzeit erreicht hat? Ein Unentschieden kennt das Regelwerk nicht. Alles scheint aus einer wissenden Perspektive beschrieben zu sein, sodass viele Fragen schlicht offen bleiben und von der Spielrunde selbst geregelt werden müssen. Nicht jede Runde kommt damit zurecht, wie selbst erlebt.

Es geht mit meiner Kritik leider noch weiter: Die beiliegenden Szenarien in ihren Umschlägen mit Klebepunkt (zum Glück rückstandslos lösbar) unterscheiden nicht wirklich zwischen atmosphärischer Hintergrundgeschichte und spielmechanischen Details. Etliches ist arg vage und schlicht ungenau gehalten, was wohl auch der Übersetzung vom französischen Original in die englische Version geschuldet ist. Inzwischen gibt es eine offizielle FAQ auf Boardgamegeek und der Autor Michael Munoz ist sehr bemüht, die vielen Regel- und Verständnisfragen zu beantworten. Wer sich da selbst mit einiges an Eigeninitiative durchbeißen möchte, dem kann ich die Erstauflage in der Deluxe-Version direkt vom Verlag Explor8 empfehlen. Die bietet doppelt so viele Szenarien und Agenten wie die normal im Handel erhältliche Version. Ansonsten wartet auf eine lokalisierte Ausgabe, die dann hoffentlich auch redaktionell überarbeitet ist, sofern sich ein Verlag diesem Spiel annimmt.

Nach der SPIEL 2025 hatte ich gefragt: Eventuell das beste Spiel der Messe? Derweil meine ich mit etwas Abstand, dass 1ers Contacts durchaus besonders und spielenswert ist in der richtigen Spielrunde, die das eigentlich flotte Vergnügen nicht durch eine über-analytische Spielweise zerdenkt. Zum Prädikat „bestes Spiel der Messe“ fehlt im Detailblick aber noch einiges an redaktioneller Arbeit, um den Spieleinstieg zu glätten und das richtige Spielverständnis zu ermöglichen. Sozusagen ein Rohdiamant, dem professionelle Schleifarbeit der unschön abstehenden Ecken und Kanten guttun würde.

Allerdings droht das Spiel vorab in der Vergessenheit zu versinken, denn unter 1st Contact werdet Ihr es nicht finden. Ihr müsst schon nach dem französischen Originalnamen 1ers Contacts suchen. Erleidet es ein vergleichbares Schicksal wie sein Fast-Namensvetter First Contact? Ich hoffe nicht, denn es wäre schade um die Spielerfahrung, die Ihr Euch nicht entgehen lassen solltet.

Valheim Spielerfahrung: Kooperativ gegen Eikthyr in 150 Minuten

Von: ravn
16. Januar 2026 um 01:58

Es gibt viel zu erzählen, weil wir eine ganze Menge in der nicht nur optisch ansprechenden Welt von Valheim am Brettspieltisch erlebt haben. Auch spielerisch auf entspannten Bier- und Brezel-Niveau kam Valheim gut an. Meine Erwartungen wurden erfüllt. Kritik habe ich nur in Details.

Ab nach Valheim. Ab ins Abenteuer. Was wie ein billiger Werbespruch klingt, fasst die von mir erlebte Stimmung bei meiner ersten Mehrspielerpartie gut zusammen. Eine angenehm entspannte Atmosphäre am Spieltisch mit einer ebenso angenehmen Denktiefe, die nicht überfordert. Klar könnt Ihr Euren Charakter auch je nach bevorzugter Spielweise auf optimale Effektivität trimmen. Ebenso könnt Ihr auch einfach losspielen und Euch durch das Abenteuer treiben lassen und dabei eine ganze Menge erleben. Einfach mal machen und schauen, was so passiert.

Und da ist eine ganze Menge in rund 2 1/2 Stunden Spielzeit in unserer Dreierrunde passiert. Alles Erstspieler von Valheim, aber erfahrene Brettspieler, die sich zusammen mit mir an das erste von insgesamt 14 Szenarien versucht haben. Ich selbst kannte Valheim schon von meiner Demosession auf der SPIEL Essen 2025 und einer simulierten Viererpartie mit dem Tutorial. Ich fühlte mich also bestens zur Regelerklärung gerüstet. Valheim hat in Summe viele Regeln, die im Einzelnen aber alle recht einfach gehalten sind. Zum Spieleinstieg hilft ein wenig die doppelseitige Übersichtskarte der möglichen Aktionen und eine Auflistung der möglichen Möbelstücke, die wir im Spiel herstellen können. Würfel, Effekte, Ressourcen und das Warenangebot von Haldor dem Händler sind ebenso aufgelistet.

Was allerdings fehlt, das sind die ganzen Details. Details, die ich allzu schnell mal gerne bei der Erklärung übersehe und meine Mitspieler schlicht nicht wissen und deshalb auch nicht nachfragen können. Zwar gibt es eine etwas ausführlichere Aktionsübersicht zu den möglichen Aktionen im Regelheft, nur eben nicht als Übersicht. Die Rückseite der Anleitung zeigt nur diverse Icons im Spiel und den groben Ablauf eines Spielzuges. Die in der Anleitung per QR-Code verlinkte FAQ gibt es, Stand heute, leider nicht. Der Link führt ins Nichts. Im Valheim-Regelforum auf Boardgamegeek findet Ihr allerdings eine offiziell vom Autor Ole Steiness gepflegte FAQ (auf Englisch) und im Files-Bereich sinnvolle Spielerübersichten in deutscher Sprache zum Download und Selbstausdruck. Die kann ich Euch und mir nur empfehlen.

Im Eifer des Gefechts und im Unwissen der Detailregeln haben wir es uns anfangs ein wenig schwerer gemacht. So haben wir gegen mehrere Gegner-Kreaturen gleichzeitig gekämpft und die uns alle ebenso gleichzeitig summiert angegriffen. Stattdessen wirft immer nur der stärkste Gegner seine Schadenswürfel – schön nach der Reihe. Das macht das eigene Überleben gegen Gegner-Horden wesentlich einfacher. Zeitgleich und ich werte das einfach mal als kleinen unbewussten Ausgleich, haben wir bei der Herstellung von Ausrüstung die einfach ins Lager abgelegt. Richtig wäre gewesen, die im eigenen Inventar zu platzieren und dann mit einer weiteren Aktion diese für unsere Mitspieler ins Lager abzulegen.

Auch können wir mit einer Aktion nur eine Nahrung konsumieren, selbst wenn wir dank eines gebauten Tisches immer zwei Nahrungskarten auf Vorrat kochen können. Aber bitte schön mit zwei Aktionen. Nur weil da ein Tisch steht, kochen wir nicht doppelt effektiv. Das sind alles Details, die der Regelerklärer im Kopf haben sollte. Oder eben ausgedruckt als erweiterte Spielübersicht griffbereit.

Kommen wir zur Tischpräsenz von Valheim. Die ist enorm und sieht optisch wirklich toll aus, auch weil die Welt eher atmosphärisch farbenfroh statt nur grau-grün düster gehalten ist. In den Graslanden von Valheim möchte ich gerne meinen Urlaub verbringen. Valheim braucht allerdings auch enorm viel Platz auf dem Tisch. Angrenzend zum Spielbrett, auf dem wir die zu erkundende Landschaft verdeckt aufbauen, sind auf der einen Seite zusätzlich die Boards für den Ereigniskartenstapel, dem Bossgegner und unsere Feinde in Person der Kreaturen angedockt. Auf der anderen Seite steht unser Haus – in Form eines dreidimensionalen Bausatzes aus verstärkter Pappe zusammengebaut.

Unser Haus ragt am Spielfeldrand eindrucksvoll in die Höhe. Deshalb empfehle ich, das eigene Charaktertableau nicht neben dem Spielplan anzuordnen, sondern davor. Einfach um zu verhindern, dass die Spieler auf der Hausseite sich selbst die Sicht auf den Innenraum des Hauses nehmen und die ständige Drohung in der Luft liegt, dass unsere Behausung beim Übergreifen aufs Spielfeld aus den Angeln gehoben wird. Das braucht dann einen Tisch mit rund 90 cm Breite.

Dazu kommen noch zwei Plastikinlays, die Ihr aus der Schachtel einfach auf den Tisch links und rechts neben Eurem Haus stellt. Klingt gut und einfach, hat in meiner Spielpraxis aber nur teilweise überzeugt. Das Plastikinlay für die Ressourcen ist ok, weil in der Deluxe-Version die Ressourcen aus bedrucktem Holz gefertigt sind und sich dementsprechend griffig aus den etwas kleinen Inlayfächern fischen lassen. Die Papp-Plättchen für Schatztruhen und Honigwaben sind allerdings eher ungünstig im zweiten Inlay aufgehoben. Denn die haben eine unterschiedliche und geheime Rückseite und lassen sich nicht wirklich im Inlayfach mischen und noch weniger blind da herausziehen. Wir haben die Plättchen dann kurzentschlossen auf dem Spielplan gelagert. Ausreichend Platz ist da sowieso vorhanden.

Und wie spielt sich nun Valheim? Gut und atmosphärisch und durch die Ereigniskarten und die zu entdeckende Landschaftsplättchen auch überraschend. Ihr müsst Euch nur mit Amitrash-Elementen anfreunden können. Der Zufall spielt vielfältig mit und ist bei den Ereigniskarten durch das Szenario und den Bossgegner vorgegeben. Bis zu 20 Ereigniskarten haben wir Zeit dafür, unseren Endgegner zu beschwören. Im zu Ende eines Spielerzuges wird so eine Ereigniskarte aufgedeckt, deren Reihenfolge zufällig ist, weil vorab gemischt.

Kurz mal nachgerechnet: Sind wir zu dritt unterwegs, dann hätte jeder gerade mal sechs Spielzüge. Klingt wenig, aber in der erlebten Spielpraxis gab es einige Ereignisse wie Schlechtwetter, die über einen einzigen Spielzug im Spiel bleiben und so die maximale Spielzeit verlängern. Zudem sammeln wir anfangs auch erstmal unsere auf dem Ereignisstapel ausliegenden Geschenke ein, die uns das Szenario gemacht hat.

Somit blieb Zeit genug, um uns für den finalen Kampf vorzubereiten. Da gibt es auch eine Menge zu tun: Die Gegend erkunden, gegen Monster kämpfen, Rohstoffe sammeln, Gegenstände und Ausrüstung herstellen und sich Schritt für Schritt besser auszurüsten. Wir hatten noch ein paar Ereigniskarten übrig, bis wir uns an unseren Endgegner Eikthyr getraut haben. Eventuell haben wir uns zu viel Zeit gelassen und waren deshalb zu gut ausgerüstet und vorbereitet, sodass unser Endgegner keine wirkliche Herausforderung war. Oder die übersehenen Regeldetails haben uns das Überleben doch leicht gemacht als vom Spiel vorgesehen.

Durch Bonuswürfel und starke Waffen, eine taktisch kluge Kampfaufstellung und auch etwas Würfelglück dauerte es nur wenige Züge, bis wir unseren Spielsieg im Finale feiern konnten. Wie effektiv und stark der Endgegner ist, das bestimmt vor allem der Zufall. Denn die besonderen Ereigniskarten für Eikthyr ziehen wir nur, wenn ein Ausrufezeichen bei den drei Schadenwürfeln fällt. Wir durften nur eine einzige Ereigniskarte im Finale ziehen und haben so arg wenig von den vielfältigen Möglichkeiten von Eikthyr gesehen.

Dafür haben wir eine ganze Menge von den möglichen Gegenständen gesehen und benutzt, die wir im Spielverlauf bauen können. Zwar hatten wir nur Bronze und kein Eisen oder Silber zur Verfügung, was uns ein wenig begrenzte in unseren Bauvorhaben. Aber gefühlt haben wir so 80% der Vielfalt schon in unserem ersten Szenario gesehen. Ich hoffe mal, dass die kommenden 13 Szenarien noch ausreichend Überraschungen und Abwechselungen bringen.

Unser Durchmarsch in entspannten 150 Minuten durch das erste Szenario war auch dem wandernden Händler Haldor zu verdanken. Mit dem für 3 Münzen gekauften Hirschbrecher ausgestattet und in Summe zwei Bonusschaden bei einem Treffer durch die Waffe und meinem ausgelernten Beruf als Schmied, waren die Kämpfe schlicht zu einfach. So konnte ich selbst den Troll alleine und nach zwei glücklichen Kampfrunden besiegen. Auch die eigentlich herausfordernden Belagerungen gegen eine Gruppe von Monstern war ein Spaziergang, da der Hirschbrecher Flächenschaden gegen alle versammelten Gegner austeilen konnte. So konnten wir unsere von Odin verliehene Mächte auf wenige Würfel fokussieren und verstärken.

Zwar war besonders unsere Anfangsphase durch etliche Niederschläge geprägt, weil wir noch ohne ausreichend vorhandene Waffen und Ausrüstung in die Kreaturen-Kämpfe gezogen sind oder von denen wir beim Sammeln von Ressourcen überrascht wurden. Aber in der Folge haben wir zügig die Kochstelle und den Tisch errichtet und konnten uns so schnell durch Nahrungsaufnahme wieder stärken, um unser Abenteuer fortzusetzen. Auch da hoffe ich für die kommenden Szenarien auf Varianz, weil uns relativ schnell klar war, was wir für einen effektiven Start alles brauchen. Valheim als Bettspiel ist eben kein Hexenwerk und auch kein Komplexitätsmonster. Zumindest im ersten Szenario. Hoffentlich kommt da noch mehr und auch größere Herausforderungen.

Nicht falsch verstehen, unsere erste Mehrspielerpartie war durchaus spannend, aber auch weil alles neu und aufregend war. Wenn sich in Zukunft davon zu viel wiederholen sollte, könnte es schwierig werden, den Spannungsbogen weiterhin hoch zu halten. Das alles ist aber nur Spekulation. Die kommenden Spielpartien werden mir schlicht zeigen müssen, wie lange sich Valheim am Spieltisch trägt. Ich bin gespannt und freue mich auf meine kommende Partie. Im zweiten in sich abgeschlossenen Szenario geht es dann gegen einen anderen Bossgegner mit eigenem Ereignisstapel. Ich halte Euch informiert, wie es meiner noch nicht geplanten Spielrunde so ergehen wird.

Kein Wort über das Solo-Spiel? Schliesslich ist Valheim für 1 bis 4 Spieler. Stimmt, weil ich Valheim bisher noch nicht solo mit nur einem einzigen Charakter gespielt habe. Allerdings gibt es keinerlei Extra-Regeln. Ihr benutzt einfach die Standardregeln des Spiels. Einzig bei den geschenkten Gegenständen passt Valheim die Anzahl an die Summe der Charaktere ein, egal ob Ihr die alle selbst spielt oder jeder einen eigenen spielt. Somit wird eine Partie mit weniger mitspielenden Charakteren schwieriger, weil Ihr eben nur eine einzige Leiste an Lebens- und Ausdauerpunkten habt und Euch im Kampf weniger bis überhaupt nicht gegenseitig unterstützen könnt. Auch der Endgegner wird in seinen Lebenspunkten nicht angepasst. Wer so bezeichnet „True solo“ spielt, alleine mit nur einem Charakter, der wird die besondere Herausforderung lieben müssen. Das ist aber eine ganz andere Brettspiel-Geschichte für einen anderen Tag.

Tyrannen des Unterreichs: Konfrontativ um Einfluss und Macht

Von: ravn
12. Januar 2026 um 23:12

Die Fantasywelt von Dungeons & Dragons bildet den atmosphärischen und ebenso optischen Rahmen. Gefüllt von einem konfliktreichen Spielablauf, der Deckbuildung mit Areacontrol vereint. Leider längst vergriffen und ohne Chance auf eine Neuauflage. Trotzdem empfehlenswert, wie mir meine mitgespielte Erstpartie gezeigt hat.

Lang ist es her. Tyrannen des Unterreichs wurde 2018 in der deutschsprachigen Version vom Heidelberger Spieleverlag veröffentlicht. Die Dungeons & Dragons Lizenz lag bei Gale Force Nine, die drei Jahre später die Lokalisation der Zweitauflage angekündigt hatten. Nur sollte es nicht dazu kommen. Kein großer Verlust, so könnte man meinen, denn die Plastik-Miniaturen wurden durch Pappmarker ersetzt. Es wird allerdings noch vertrackter, denn es gibt keinerlei Chance auf eine weitere Auflage. Gale Force Nine hat die Lizenz längst verloren und sich zudem mit dem Lizenznehmer zerstritten. Was bleibt, das ist der Gebrauchtmarkt oder eben die Chance, diese empfehlenswerte Kombination aus Deckbuildung und Areacontrol irgendwo mitzuspielen.

Ich hatte dazu unlängst die Gelegenheit in entspannter Viererrunde. Diese Grundeinstellung kann ich zudem nur empfehlen. Was da auf dem Spielbrett abgeht, ist weit meilenweit davon entfernt, ein friedliches Eurogame zu sein. Hier wird nicht gegönnt, sondern gemeuchelt und verdrängt. Schließlich geht es um Mehrheiten und Gebietskontrolle und potenzielle Siegpunktquellen, die es bis Spielende zu halten und erobern gilt. Das muss man mögen und ich habe meine Erstpartie gemocht, auch wenn ich mich am Ende nur mit dem dritten Platz begnügen musste. Spielerfahrung zahlt sich bei dem konfrontativen Gerangel des Autorengespanns Peter Lee, Rodney Thompson und Andrew Veen eben aus. Wer einen Blick für die ständig sich verändernde Brettsituation mitbringt und zudem mögliche Aktionsfolgen richtig einschätzen kann, der hat einen klaren Vorteil.

Ebenso hilfreich ist es, wer die vielen verschiedenen Karten der Auslage einschätzen kann. Welche lohnt sich und passt zur eigenen Strategie? Denn was wir in Zukunft machen können, bestimmt unser Kartendeck und das bauen wir uns im spielerischen Kern des Spiels selbst zusammen. Gute Augen sind da von Vorteil. Dank der Dungeons & Dragons nehmen die atmosphärischen Illustrationen viel Platz auf den Karten ein. Da blieb eben wenig Raum für ausreichend große Icons und Aktionsbeschreibungen. Schließlich wollte auch noch ein stimmungsvoller Begleittext untergebracht werden. Wer sich allerdings keine Mühe mehr macht, die zum Erwerb stehenden Karten gegeneinander abzuwägen, braucht eigentlich gar nicht erst anzutreten. Von alleine oder aus Zufall entsteht eben kein schlagkräftiges eigenes Kartendeck.

Der Rest ist dann ein Schlagabtausch um Orte und Städte und Kontrolle und Dominanz, was am Spielende und teils auch am eigenen Rundenende die begehrten Siegpunkte einbringt. Ob und wie sich das Spielgeschehen ausbalanciert oder jemand zum Opfer auserkoren wird, weil es sich so ergibt, liegt an uns Spielern selbst. Dazu braucht es aber eben den schon benannten Spielüberblick, den ich als spontaner Bauchspieler schlicht noch nicht hatte. Somit solltet Ihr akzeptieren können, dass eine Partie mit Erstspielern eine gewisse Schieflage bekommen und sogar Königsmacher-Effekte zeigen kann.

Wir haben übrigens nicht mit den Anfängerkarten gespielt, sondern zwei Kartendecks kombiniert, die ein interaktiveres Vergnügen versprachen. Das wurde auch eingehalten. An allen Ecken des Unterreichs wurden gegnerische Einheiten gemeuchelt, Spione verdrängt, wahnsinnige Ausgestoßene zwangsrekrutiert und Handkarten abgeworfen, bevor ich selbst zum Zug kam. Das Chaos spielt eben mit und die lieben Mitspieler sorgen schon dafür, dass es einen gnadenlos trifft. Somit kein Spiel, das auf ungeteilte Zustimmung treffen wird. Mit hat es aber ausgesprochen gut gefallen. Mitspielen gerne wieder, aber wegen der kleinen Kartentexte nur mit Lesebrille, denn ansonsten würde das ein Blindflug für mich werden, wenn ich mir da ins eigene Deck hole.

Noch ein letztes Wort zur Materialqualität. Die war echt durchwachsen. Meine mitgespielte Version hatte für die neutralen Einheiten nur die Pappmarker und die waren echt klein und gerne mal im Schatten der Plastikeinheiten übersehen. Die Karten schrien nach Kartenhüllen und haben die zum Glück auch bekommen. Etliches Pappmaterial war zudem arg verstanzt. Zentriert war da nur wenig. Dazu noch ein paar Fehler in den deutschsprachigen Kartentexten. Schön ist anders. Aber am Ende zählt das Spielgefühl und das passte mir mehr als nur gut.

Valheim Tutorial: Spielerischer Spieleinstieg in 55 Schritten

Von: ravn
11. Januar 2026 um 01:45

Das kooperativen Survival-Spiel fördert das direkte Losspielen, ohne dass Ihr zwingend die 52-seitige Anleitung durcharbeiten müsst. Stattdessen führt Euch ein Tutorial-Kartendeck schrittweise und vorbestimmt in den Spielablauf ein. Ich hab es ausprobiert und erzähle Euch davon.

Valheim in seiner Deluxe-Version ist ein wahres Ausstattungsmonster. Da wollen diverse Spielplanteile zusammengepuzzelt werden und Ihr baut vorab Eure Behausung aus verstärkter Pappe auf. Vieles davon ist nur reine Optik und damit Augenfutter. Ebenso voluminös sind die bis zu vier Charaktertableaus für Eure Helden. Natürlich in Double-Layer-Qualität und jedes Teil findet seinen eigenen dafür vorgesehenen Platz. Im Grunde hätte eine einfache Leiste für Lebenspunkte und Ausdauer ebenso gereicht. Aber das ist Valheim, denn Valheim möchte auf dem Spieltisch gefallen und eine stimmungsvolle Atmosphäre verbreiten.

Denn ganz nüchtern betrachtet ist Valheim ein Bier & Brezel Spiel im Fantasygewand mit ganz viel Zufallselementen wie Würfelkämpfe und Ereigniskarten. Erwartet also kein Taktikmonster. Dieser Eindruck hat sich nach meiner Tutorial-Spielpartie nochmals gefestigt. Dieses Tutorial bietet Euch einen entspannten Spieleinstieg. Einfach den extra Kartenstapel dafür bereitlegen und nach einer großformatigen 4-seitigen Kurzanleitung das Tutorialgeschehen aufbauen. Genau vier Charaktere sind dabei beteiligt, wobei es an Euch liegt, auf wie viele Spieler Ihr diese aufteilen wollt.

Und dann kann es schon losgehen: Der erste Spieler deckt die erste Tutorial-Karte auf, liest den Text vor und befolgt die Anweisungen. Vorwissen braucht Ihr nicht. Alles, was Ihr wissen müsst, steht auf den Karten verteilt. Auch, wenn der nächste Spieler am Zug ist und die nächste Tutorial-Karte ziehen soll. Nach und nach und im Laufe von 55 Karten werdet Ihr so in die Welt von Valheim und bis zum ersten Bosskampf begleitet. Etliches ist vorgegeben, manchmal dürfen wir in einem gewissen Rahmen auch selbst entscheiden. Aber eigentlich spielen wir größtenteils Schritt für Schritt nur das nach, was dort steht.

Logisch, dass dabei auch Detaillücken entstehen. So fragte ich mich, wo denn der Ablagestapel für aufgegessene Nahrungskarten gebildet werden soll. Gibt es nicht fest vorgegeben und das in einer Videospiel-Umsetzung in der doch alles seinen festen Platz auf dem Spieltisch hat. Ok, nehme ich so hin. Ebenfalls war mir nicht klar, ob ich Fernkampfwaffen im selben Feld nutzen und auch nicht, ob ich mehrfache Rüstung oder Waffen kombinieren kann. Die Anleitung wird mir das alles sicher noch erzählen. Auf Seite 24 und 2 werdet Ihr dazu fündig.

Insgesamt aber eine gute Idee, so ins Spielgeschehen einzuführen. Allerdings braucht Ihr das Tutorial wirklich nur ein einziges Mal spielen, denn danach habt Ihr die wichtigsten Abläufe und Regeln verstanden. Mir persönlich hat das Tutorial nichts Neues erzählt, was ich nicht schon in einer Demorunde auf der SPIEL 2025 in Essen mitbekommen habe. Und um die ganzen weiteren Details von Valheim zu erfahren, muss ich die Anleitung lesen, auch wenn ich die Kapitel für Kampagne und die späteren Bossgegner erstmal überspringen kann. Nehmt Euch also trotzdem vorab die Zeit dafür, wenn Ihr nicht nur nochmal im Kreise von Valheim-Erstspielern das Tutorial spielen wollt. Weil das Tutorial kratzt dann doch nur an der Oberfläche der Möglichkeiten und lässt so etwas wie per Schiff segeln oder nach den Bienen schauen oder auch den Bau und die Anwendung von Bomben aus.

Mein allererster Eindruck, dass Valheim eventuell zu seicht und zu wenig Spieltiefe haben könnte, den wage ich inzwischen anzuzweifeln. Ein komplexes Kingdom Death Monster wird es weiterhin nicht werden, aber ein vergnüglicher kooperativer Klopper mit Survival-Elementen ist Valheim dann doch. Und dazu noch einer mit wirklich sehenswerter Ausstattung an der Grenze zur Überproduktion in der Deluxe-Version. Ich bin gespannt, wie sich meine kommenden Szenariopartien so spielen werden. Mehr dazu dann in den kommenden Wochen.

Zerdachte Erstpartien: Bedeutungsschwere Entscheidungen

Von: ravn
09. Januar 2026 um 02:16

Mondbasis Shackleton ist aktuell mein liebstes Eurogame. Ein schön indirekt interaktiver Spielablauf im Sandkasten der Möglichkeiten. Das ist die Sonnenseite. Die andere Seite unserer Mondkolonie begründet sich auf nur 18 Aktionen, die in Summe einen spürbaren Spielerfolg ergeben sollen. Damit wird jede eigene Aktion so bedeutungsschwer, dass wir schnell in eine Überanalyse geraten können, die zu einer überdehnten Spielzeit führt.

Die alte Frage, nur neu gestellt: Wie lange darf eine Brettspielpartie dauern, damit die allen am Spieltisch entspannt bis herausfordernd Spielspaß beschert? Den aufgedruckten Schachtelangaben traue ich aus Erfahrung längst nicht mehr. Wenn da was von 60 bis 120 Minuten steht, dann entspricht eine Verdopplung eher meiner gelebten Realität. Dazu kommt bei einer Erstpartie auch noch die Regelerklärung und die anfängliche Unsicherheit, alles richtig verstanden zu haben. Nicht nur, um rein spielmechanische Fehler zu vermeiden und die Partie in eine Schieflage zu stürzen. Sondern auch, weil die kombinierten und verschachtelten Mechanismen in ihren Details durchaus neu sind. Da sind Nachfragen und Rückversicherungen ganz normal und brauchen eben ihre Zeit.

Dazu kommt allerdings eher häufiger als selten eine gewisse Erwartungshaltung an einem selbst. Der eigene Ehrgeiz, nicht nur irgendwas zu machen, sondern etwas Sinnvolles im Sinne des aufgerufenen Spielziels. Denn am Ende geht es um den Wettstreit mit und gegen die Mitspieler, es besser zu machen. Ausgedrückt am Spielende durch Siegpunkte. Bis es allerdings zum Spielende kommen kann, gilt es Entscheidungen zu treffen, die uns auf die Erfolgsspur führen. Entscheidungen in einer simulierten Spielewelt, bei denen wir im Erstkontakt nur sehr begrenzt auf Erfahrungen aus vergleichbaren Spielen zurückgreifen können. Jedes Spiel ist dann doch auf seine Art anders und besonders.

Wenn dann zum eigenen Ehrgeiz zudem klar wird, wie bedeutungsschwer jede einzelne Entscheidung im Spiel ist, kann so mancher in einer Erstpartie in die Falle der Überanalyse tappen. Mondbasis Shackleton gehört leider zu diesen Kandidaten, die drohen, zerdacht zu werden und dann genau zu einer überdehnten Spielzeit führen. Jeder hat eben nur 18 Aktionen auf drei Runden aufgeteilt. Das sind nur sechs Aktionsmöglichkeiten in einem Umfeld, in dem wirklich alles knapp und begrenzt ist. Das fängt bei den Ressourcen an, die stets zu wenig sind, um mal richtig aus dem Vollen schöpfen zu können. Und das hört bei den wenigen Aktionen auf, die wohlüberlegt und optimiert sein wollen.

Einfach mal machen, einfach mal ausprobieren, weil ist doch eh nur eine Kennenlernpartie. Das sagt sich so leicht und predige ich als spontaner Bauchspieler gerne vor. Nur um dann selbst dann doch in eine Analyse-Paralyse-Situation zu geraten, in der ich arg viele Optionen habe und mich schlicht nicht entscheiden kann, welche davon nicht nur jetzt, sondern auch für die mittelfristige Zukunft wichtiger ist. Wer bin ich da, der meint, etwas kritisieren zu wollen, was ich dann selbst vorlebe und meine Mitspieler warten lassen, während die mir beim Denken zuschauen müssen?

Deshalb verstehe ich das hier auch eher als Selbstkritik und beschreibende Situationsanalyse. Denn wem soll ich bitteschön einen Vorwurf daraus machen, möglichst viele Siegpunkte erspielen zu wollen? Weil genau das gibt das Spiel doch vor und setzt uns im selben Atemzug diverse Grenzen, damit eine Partie zur Herausforderung mit Wiederspielwert wird. Dann für die nächste Partie lockt die Hoffnung, es besser zu machen oder mindestens aus der eigenen Spielweise gelernt zu haben, um dann wissender zu gewinnen.

Kennenlernpartien schön und gut. Wer zügig spielt, der kann in selber Zeit lieber zwei flotte Partien statt nur eine zerdachte Partie spielen. Klingt in der Theorie toll, überzeugt am Spieltisch hingegen nur selten. Oftmals nicht mal mich selbst. Besonders, wenn es nicht mein eigenes Spiel ist, sondern nur mitgespielt. Weil wer weiß schon, ob und wann ich erneut die Gelegenheit bekomme, es nochmal spielen zu können? Da wäre es doch blöd, vorschnell so völlig unüberlegte Spielzüge zu machen, nur um zeitiger mit der Partie durch zu sein. Brettspielen ist für mich zudem kein Wettlauf. Da möchte ich mich auch nicht hetzen lassen, sondern das Spiel erleben und genießen dürfen. Manchmal braucht das eben seine Zeit. Und in dieser Erfahrung kann ich es auch niemandem verübeln, sich ebenso seine Zeit für den nächsten Zug nehmen zu wollen. Obwohl, machmal nervt es mich dann doch. Das kann ich nicht verleugnen.

Wer jetzt eine Lösung erwartet hat, den muss ich an dieser Stelle enttäuschen. Die habe ich nicht. Nur eine ganze Menge an Spielerfahrungen. Wobei mir eine tolle Spielpartie im Kreise von Gleichgesinnten stets viel mehr als der eigene Spielsieg bedeutet. Das heißt aber nicht, dass ich deshalb meine Züge herschenken möchte, nur um ein zügig erreichtes Spielende zu forcieren.

Meine mitgespielte Erstpartie, im Kreise von drei erfahrenen Mondbasis Shackleton Spielern, dauerte erinnert nur knapp über zwei Stunden. Meine zwei Folgepartien mit anderen Erstspielern, jeweils in ebenso entspannter Dreier- und Viererrunde, haben hingegen eher die Marke von vier Stunden gerissen. Eigentlich viel zu lang für das Spiel und deshalb sind mir die Partien auch gemischt positiv in Erinnerung geblieben. Eben weil ich in der Zeit gerne noch etwas anderes gespielt hätte, aber zeitgleich diese erlebte Spielzeit größtenteils wie im Flug verging, weil durchaus als spannend empfunden. Mit diesem Widerspruch ohne Auflösung werde ich leben müssen. Manche Spielpartien brauchen eben die Zeit, die sie brauchen.

Diese beiden Partien waren so spannend, dass ich keinerlei Fotos davon gemacht habe. Mein Smartphone habe ich, während ich Brettspiele spiele, sowieso gerne außerhalb meiner Reichweite weggelegt. Denn dann gehört meine Aufmerksamkeit völlig dem Spiel. Deshalb reiche ich Euch hier meine Auspacksession nach und verzichte an dieser Stelle ganz bewusst auf offizielle wie generische Pressefotos, die Ihr überall sonst ebenso sehen könnt.

Valheim Deluxe-Edition: Viel Inhalt für recht wenig Spieltiefe?

Von: ravn
06. Januar 2026 um 21:52

Ausgepackt und ausgepöppelt. Nachdem meine im Fachhandel bestellte Version des kooperativen Survival-Spiels gut zwei Monate nach der SPIEL 2025 in Essen bei mir eingetrudelt ist, nehme ich Euch mit auf eine kleine Auspack-Session. Passt ein episches Videospiel wirklich in eine noch so überdimensionale Spieleschachtel?

Für 155 Euro und damit fast dem Crowdfunding-Preis hättet Ihr Valheim in der Deluxe-Edition direkt von der SPIEL 2025 aus Essen mit nach Hause nehmen können. Am Messestand von MOOD Publishing waren die fast 31 x 31 x 20 cm voluminösen Spieleschachteln aufgetürmt. Fast wäre ich nach meiner atmosphärisch packenden Anspiel-Session schwach geworden, aber ein Blick ins Internet ließ mich schließlich ein Drittel des Messepreises sparen und das bei genau der gleichen Ausstattung. Dass Valheim kein taktisch tiefes Expertenspiel ist, war mir da schon klar. Es geht um die Erkundung der Landschaft, um das gemeinsame Sammeln von Ressourcen, um damit eine überschaubare Anzahl von Gegenständen herzustellen und um ganz viel würfelbasierten Kämpfen mit noch mehr Zufallselementen. Valheim ist ein sogenanntes Bier & Brezel-Spiel und das im allerbesten Sinne. Das sollte Euch klar sein.

Selten habe ich eine Adaption von Video- auf Brettspiel erlebt, die so viel von seiner Vorlage atmet und doch so ganz anders ist. Das Videospiel Valheim ist riesig bis episch. Sieben grundverschiedene Landschaftstypen von dem beschaulichen Grasland über das Gebirge bis zum Ozean gab es eine Menge mit Joypad oder Maus und Tastatur zu erkunden. Überleben und sich aus dem Nichts seine eigenen Waffen, Ausrüstungen und Behausungen bauen, davon lebt Valheim als Videospiel. So manche durchzockte Nacht habe ich mit dem Abbau von Bronze verbracht, um mir eine bessere Rüstung gegen diese übermächtig scheinenden Trollgestalten zu schmieden, ein wenig Honig zu schlürfen und Karotten anzubauen.

Als ich dann die Zoom-Taste der Übersichtskarte gefunden hatte und mir klar wurde, dass ich erst einen winzigen Bruchteil dieser Spielwelt gesehen hatte, war meine Ernüchterung ermattend. Wie viel mehr Stunden sollte ich noch in dieses Videospiel stecken, das zwar stets fordernd und unterhaltend und überraschend war, aber auch ein absoluter Zeitfresser. So habe ich Valheim auf dem PC lebe wohl gesagt und war umso überraschter, dass mir die Brettspielversion umso mehr gefallen hat. Riesig groß kann eben auch abschreckend wirken und deshalb fand ich es gut, dass Valheim als Brettspiel auf ein überschaubares Maß geschrumpft wurde.

Valheim am Spieletisch kooperativ mit bis zu vier Spielern oder auch solo erlebt, bietet die eigentlichen Kernmechaniken des Videospiels. Allerdings mit einer arg begrenzten Anzahl von Karten und Plättchen, die Gegenstände und Kombinationsmöglichkeiten davon darstellen. Die zu erkundende Landschaft ist zudem wenige Hexfelder klein, sodass das alles in ein Abenteuer von 90 bis 120 Minuten passt, bei dem wir am Ende den Verlorenen beschwören und besiegen sollen. So zumindest bei dem Einführungs-Szenario, das ich auf der SPIEL 2025 anspielen konnte.

Zu dieser entspannten Leichtigkeit des Spielvergnügens passt auch, dass es ein Tutorial per Kartenstapel gibt, das Euch nach dem geführten Spielaufbau direkt losspielen lässt. Somit spart Ihr Euch zunächst, alle 52 Seiten der Anleitung zu lesen, die dann allerdings für den vollen Spielspaß und die weiteren Szenarien notwendig sind. Auspacken, auspöppeln und einfach mal losspielen ist mit Valheim aber durchaus möglich und auch empfohlen. Was Euch alles mit der Deluxe-Edition erwartet, könnt Ihr miterleben, wenn Ihr derweil meiner kleinen Bilderreise folgt – 54-fach durchgeklickt.

Was bleibt? Ein lupenreines Amitrash-Spiel mit viel Stimmung und Atmosphäre verpackt in einsteigerfreundliche Spielmechanismen, die niemanden überfordern werden. Ob Ihr hingegen mittel- wie auch langfristig genügend Spieltiefe habt, damit sich die rund 105 Euro Kaufpreis im Handel auch irgendwie für Euch „lohnend“ anfühlen und Ihr gerne zu weiteren Szenarien nach Valheim zurückkehrt, diese Frage kann ich Euch noch nicht beantworten. Eventuell demnächst dann mal. Was Valheim ausmacht, das hatte mir zudem der Art-Director Jacob Moeller von MOOD Publishing auf der SPIEL 2025 im Interview erzählt. Bisher spreche ich eine vorsichtige Empfehlung aus, sofern Ihr wisst, worauf Ihr Euch einlassen werdet. Das hier ist kein Kingdom Death Monster und will es auch nicht sein. Stattdessen würde ich es eher bei einem Townsfolk Tussle einordnen wollen.

Von der kurzen Halbwertszeit eines Kennerspiel des Jahres

Von: ravn
03. Januar 2026 um 00:46

Eine Auszeichnung schützt nicht davor, als Serie verramscht zu werden. Denn was in der Theorie nach einem spaßbringenden Turnierspiel mit Event-Charakter klingt, dass man mal eben in 45 Minuten veranstalten kann, kam nur sehr gemischt in meinen Spielrunden an. Schade eigentlich. Trotzdem habe ich zum Schnäppchenpreis bei der eigenständigen Fortsetzung zugeschlagen. Warum eigentlich?

Lasst Euch eine Geschichte erzählen. Auf der SPIEL 2022 in Essen wurde erstmalig „Challengers!“ vorgestellt und war im Laufe der Messe direkt ausverkauft. Der Hype war riesig. Jeder wollte den brandneuen Mix aus Deck-Management und Auto-Battler erleben. Bis zu acht Spieler konnten antreten, um die Krone des Capture-the-Flag-Turniers für sich zu gewinnen. Ein einfaches Regelwerk ermöglichte einen schnellen Spieleinstieg. Die Präsentation und die Illustrationen schwankten zwischen comichaft und kindlich verspielt. Wer genauer hinschaute, der entdeckte zudem eine ungewohnte Diversität der Charaktere – endlich mal keine Supermodels und Superhelden, die stereotyp aussahen.

In Summe konnte die Optik schon irritieren. Wie ernst oder augenzwinkernd wollte und sollte „Challengers!“ verstanden werden. War es am Ende doch nur ein Gimmick ohne spielerischen Wert? Zumal der Zufall gehörig mitspielte, denn die Reihenfolge des eigenen Decks wurde zu Rundenbeginn gemischt. Welche Karte wann kam oder eben auch nicht, das war nie klar. Nur ganz wenige Karten konnten daran etwas ändern und mehr Kontrolle in die eigenen Hände legen. Manche nannten das spannend, andere hingegen trivial oder gar banal. Wo bitteschön sollte da das eigentliche Spiel sein?

Die Taktik war hingegen in der Verbesserung des eigenen Decks versteckt. Zwischen den Spielrunden galt es, sorgsam seine Karten auszudünnen und zeitgleich bessere davon nachzuziehen. Und auch da schlug der Zufall zu, denn die Karten wurden verdeckt und damit zufällig gezogen. Manchmal passte es oder eben auch nicht. So oder so, die Überraschung spielte stets mit. Auch das mochte nicht jeder.

Neu oder zumindest seltenst so in einem Kartenspiel gesehen, war der eigentliche Spielmodus. Der war eine Serie von Duellen gegen wechselnde Mitspieler. Wir spielten zeitgleich und am besten mit vier oder sechs oder acht Spieler, denn bei ungeraden Spielerzahlen musste ein eher langweiliger Bot mitspielen. Wirklich viel haben wir also von den parallel laufenden Partien nicht mitbekommen. Einzig am Stapel der gesammelten Siegerpokale konnten wir sehen, ob wir da einem eher schwächlichen oder starken Herausforderer gegenübersaßen. Und dann schlug der Zufall zu, unsere Karten kamen mehr als ungünstig, während die unseres Gegenübers in perfekter Reihenfolge gezogen wurden.

Nach gut 40 Minuten war alles vorbei und mündete ins große Finale der beiden punktbesten Spieler. Die Anderen sollten dem Finale zuschauen, im Idealfall das Geschehen bestaunen und bejubeln und schlicht mitfiebern. Soweit die Theorie. In meiner Spielpraxis in diversen Spielrunden habe ich hingegen eher erlebt, dass die Finalisten eher einsam am Tisch saßen und ihr Finale bestritten. Die ausgeschiedenen Mitspieler waren derweil längst abgewandert, zur Toilette, zum Plausch am Nachbartisch oder sich einen Kaffee holend. Die Turnieratmosphäre war längst verpufft. Passiv zuschauen, wie zwei Spieler ein Kartenspiel spielten, das wollte niemand.

Einmal mitspielen, das reichte den meisten Mitspielern aus. Andere Spiele wurden hingegen bevorzugt. Auch weil nur ein Miesepeter im Turniergeschehen von „Challengers!“ ausreichte, der lautstark verkündete, wie unsinnig und lachhaft dieses Nicht-Spiel doch sei, in dem man ja so gar keinen Einfluss hat. Da könnte man ja auch gleich die Mitspieler bitten, für einen selbst weiterzuspielen. Leider mehrmals erlebt. Klar darf jeder für sich meinen, dass er dieser Art von Spielen nicht mag. Nur dann bitte nicht mitspielen und wenn doch, dann erwarte ich zumindest soviel Fairness, den Mitspielern ihren Spaß zu lassen und nicht madig zu machen.

Was ich damals für 40 Euro zum Vollpreis gekauft hatte, das kam immer weniger aufm Tisch. Irgendwann habe ich dann auch selbst die Hoffnung aufgegeben, noch Mitspieler dafür zu finden. Zwar wurde „Challengers!“ im Frühjahr 2023 als Kennerspiel des Jahres ausgezeichnet, da war der Hype in meiner Umgebung aber schon längst wieder vorbei. Das „neue, frische Konzept, das den Spieleabend zum Event werden lässt – spannend und turbulent bis zum letzten Duell zwischen den beiden Besten.“, wie die Spiel des Jahres Jury begründete und sich wohl auch die Autoren Johannes Krenner und Markus Slawitscheck erhofft haben, kam in meinen Spielrunden leider nicht wie erhofft an. Akzeptiert.

Im Folgejahr auf der SPIEL Essen 2023 gab es dann noch die obligatorische Fortsetzung mit „Challengers! Beach Cup“ von 1 More Time Games. Eigenständig spielbar oder auch mit dem Grundspiel kombinierbar, um so Turniere mit bis zu 16 Spielern auszutragen. Eine einzige Beach Cup Partie habe ich mitgespielt, zu einem 16er-Turnier kam es allerdings nie. In der Folge fiel der Verkaufspreis und kam im Dezember 2025 schließlich bei 8,99 Euro an. Das Spiel und die Fortsetzung wurden verramscht zum Viertel des Originalpreises.

Was also sollte ich bei so einem Schnäppchenpreis schon falsch machen? Letztendlich soll sich Beach Cup etwas anspruchsvoller durch die komplexeren Charaktere in den Decks spielen. Ich bin gespannt, habe somit für zusammen und damit schön gerechnete 48,99 Euro mein „Challengers!“-Paket komplettiert und hoffe auf eine kleine Renaissance des außergewöhnlichen Mixes aus Deck-Management und Auto-Battler. Denn mir hat das Spielprinzip stets gefallen, weil mal was anderes. Jetzt muss ich nur noch ebenso denkende Mitspieler finden. Was interessieren da schon Halbwertszeiten?

Eisbrecher und Partyspiel zugleich: One Round?

Von: ravn
31. Dezember 2025 um 14:16

Es ist wahrlich kein Geheimnis, dass ich das Genre der kooperativ kreativen Wortspiele besonders mag. So Kleever kann ich jederzeit und immer wieder spielen. Aber auch Just One ist weiterhin ein Dauerbrenner in meinen größeren Spielrunden. Von Schmidt Spiele gibt es nun eine verbindene Alternative, die ich Euch empfehlen möchte.

Der Autor Tobias Tesar startet gehörig durch. Im Jahr 2022 von der Spiel des Jahres Jury mit dem Deutschen Nachwuchs-Spieleautoren-Stipendium gefördert, um jungen Talenten Einblicke in unterschiedliche Bereiche der Spieleszene ermöglichen. Dann folgte der Gewinn des Hippodice Autorenwettbewerbs im Jahr 2023 mit seinem Prototyp „Second’s Best“, das derweil als „Right on Time“ bei Kosmos veröffentlicht wurde. Für das kommende Jahr sind sechs weitere Veröffentlichungen angekündigt und eine davon, wenn auch noch ohne Datum, bei Hans im Glück. Eher einfache Party- und Familienspiele sind sein bevorzugtes Genre, oftmals mit international einheitlich englischsprachigen Titeln.

So auch seine 2025er-Neuheit „One Round?„, mit einem Fragezeichen und damit Aufforderungscharakter. Schon seit etlichen Monaten für inzwischen rund 11 Euro im Handel erhältlich, lohnt es sich kaum über die Ausstattung zu reden. Zum Preis eines modernen Kartenspiels bekommt Ihr direkt drei Sprachversionen in einer Spieleschachtel geliefert – Deutsch, Englisch und Französisch. Was dann auch den international verständlichen Titel erklärt. Es erwarten Euch neben Lebensmarker, Kartenteller aus Pappe, einer Sanduhr mit 20 Sekunden und einem abwischbaren Folienstift der eigentliche Kern des Spiels in Form von 100 beschreibbaren Karten. Der Kartenteller ist verzichtbar und die Sanduhr haben wir genauso wenig wie die Lebenspunkte gebraucht. Wir sind da einfach dem Rat der Anleitung gefolgt: „Spielt so, dass es Eurer Gruppe am meisten Spaß macht und sich alle wohlfühlen.“

Damit sind wir beim spielerischen Kern von „One Round?“ angekommen. Drei Startkarten mit den Werten 0/100, 33 und 66 liegen kreisförmig angeordnet in der Tischmitte aus. Bevor es losgehen kann, schreiben wir noch spontan Begriffe auf diese Karten. Sind wir weniger kreativ oder suchen nach einem ausgewogenen Spielerlebnis, so können wir auch den Vorschlägen im Challenge-Heft folgen. Aus Thema Märchen, im Badezimmer und Sportart wurde so bei uns in entspannter 6er-Erstspielerrunde Hänsel & Gretel, Zahnbürste und Turnen. Die restlichen 97 Karten werden gemischt und zwölf davon bilden den verdeckten Nachziehstapel. Einer fängt als Tippgeber „Tippy“ an, zieht geheim die oberste Karte, sieht die Ziffer zwischen 1 und 99 dort und sollte nun innerhalb von 20 Sekunden einen Begriff finden, den seine lieben Mitspieler an passender Lücke im Wortkreis einordnen würden.

Da wird im konkret so erlebten Beispiel „Barren“ genannt und die Kreativität der Mitspieler-Begründungen nimmt seinen Lauf. So kam bei uns die Idee auf, dass ein Barren ja eine längliche Form wie eine Zahnbürste hat und beim Turnen zum Einsatz kommt. Während wir im Zusammenhang mit den Geschwistern Hänsel & Gretel noch nie davon gehört haben. Vorschlag unterbreitet, gemeinsam abgenickt, Sanduhr in die gewählte Begriffslücke gestellt und auf ein freudiges Gesicht von Tippy, unserem Tippgeber gehofft. Jip, alles richtig gemacht und schon hatten wir die 81 dort ausliegen und die Lücken zwischen den einzelnen Begriffen wurden kleiner, aber in der Anzahl der ausliegenden Karten auch vielfältiger.

Spielt Ihr streng nach Regeln, so würdet Ihr im Fehlerfall eines der drei ausliegenden Lebensmarker umdrehen und wenn alle davon statt Herz eine Sanduhr zeigen, dann seid Ihr in der so bezeichneten Overtime angekommen. Die setzt Euch bei Eurer gemeinsamen Antwort unter Zeitdruck, alle restlichen Karten des ausliegenden Kartenstapels fehlerfrei zu schaffen. Wir wollten es entspannter zum ausklingenden Spieletag angehen und haben die Sanduhr rein als Lückenmarkierer benutzt. Unsere zwölf Karten haben wir zudem fehlerfrei zuordnen können, auch wenn es im späteren Spielverlauf durchaus zu Diskussionen kam und wir uns nicht komplett einig waren. Aber Intuition und Bauchgefühl war schon ein guter Wegweiser, auch wenn sich einige anderslautende Argumentationsketten durchaus logisch anhörten.

So ergibt sich am Spielende eine Assoziationskette aus zwölf eigenen Begriffen. Da keine Begriffe fest vorgegeben sind, sondern wir unserer Spielpartie kreativ selbst gestalten und zwölf aus 99 Ziffernkarten ausreichend Variation bieten, ist für unendlich langen Spielspaß gesorgt. Bei nur einer einzigen Runde bleibt es so sicherlich nie, es sei denn, dass der Spieleabend schon zu weit fortgeschritten war wie bei uns. Zwei Mitspieler haben sich direkt im Anschluss „One Round?“ bestellt. Damit ist eigentlich alles gesagt und ich kann ebenso eine fette Empfehlung aussprechen, sofern Ihr passende Spielrunden für diese Art von kreativ kooperativen Wortspielen habt. Aber wer mag die nicht oder spielt trotzdem zu Liebe der Mitspieler mit?

Ach ja, einen konfrontativen Teammodus gibt es ebenso für alle, die den Wettstreit mögen. Zudem bietet das beiliegende Challenge-Heft 28 verschiedene Herausforderungen durch vorgegebene Begriffskategorien. Wer mag, der spielt dank dieser Anregungen auch auf Englisch oder Französisch und erweitert so seinen fremdsprachlichen Wortschatz. Oder Ihr traut Euch an den „One Life Modus“, bei dem Ihr direkt mit nur einem Lebensmarker startet. Alternativ spielt Ihr einfach genauso wie Ihr wollt. „One Round?“ bietet Euch viele Möglichkeiten und das zum Mitbringpreis. Einzig ein kleines Whiteboard-Schwämmchen werde ich dem Packungsinhalt ergänzen, denn zu Spielende solltet Ihr alle Karten wieder auswischen und das ging mit dem Radierer am beiliegenden Folienstift zwar ok, aber mit einem Schwämmchen geht das einfacher, streifenfreier und schneller.

Mondbasis Shackleton: Mein übersehenes neues Lieblingsspiel

Von: ravn
28. Dezember 2025 um 16:15

Dieser eine Aha-Moment, wo mir klar wird, dass ein mitgespieltes Brettspiel nicht nur gut, sondern in wirklich allen Punkten perfekt passend für meinen Spielegeschmack und meine Erwartungen ist, der ist wirklich selten und deshalb umso kostbarer in der Flut an Neuheiten. Meine Erstpartie hat bei mir mehr als nur einen Nerv getroffen.

Zur SPIEL 2024 in Essen wurde Shackleton Base: A Journey to the Moon in der englischen Erstausgabe von Hachette Boardgames UK in Kooperation mit Sorry We Are French veröffentlicht. Im Juni 2025 folgte dann als Spieleschmiede-Projekt die deutschsprachige Lokalisation von Giant Roc unter dem Titel Mondbasis Shackleton. Der Untertitel mit der Reise zum Mond wurde derweil gestrichen, weil eigentlich sind wir schon längst vor Ort und bauen als Leiter einer individuellen Raumfahrtbehörde unsere Präsenz am Südpol des Mondes aus, um die Bedürfnisse von drei ausliegenden Konzernen zu erfüllen, die uns neue Möglichkeiten und vor allem Siegpunkte geben.

Mondbasis Shackleton ist ein klassisches Eurogame, so meinte ich bis jetzt und hatte es bis jetzt deshalb sträflich ignoriert. Zwar schon mehrmals gesehen, wie es bei Spieletreffs am Nebentisch gespielt wurde, aber selbst bin ich schlicht noch nicht dazu gekommen, es ebenfalls mal mitzuspielen. Ein ganz großer Fehler und ein Versäumnis zugleich. Denn meine Erstpartie Shackleton Base, in entspannt-konfrontativer Vollbesetzung im Kreise von drei mit mir geduldigen Mondbasis-Experten, glich für mich einem spielerischen Erweckungserlebnis. Selten gibt es diese außergewöhnlichen Momente, in denen sich ein Brettspiel einfach perfekt anfühlt. Marco Polo war damals so ein Spiel und SETI wie auch Civolution und davor Beyond the Sun lassen sich in diese Reihe einordnen.

Brettspiele, die sich so spielen, als wären die genau für mich gemacht: Die Denktiefe passt, der Ablauf ist packend, der Entscheidungsspielraum ausreichend, die taktischen Möglichkeiten vielfältig, Vorausplanung ist möglich, Interaktion und Abhängigkeiten aufgrund der Mitspieleraktionen sind gegeben, ich fühle mich ständig ins Spielgeschehen involviert und freue mich auf meinen nächsten eigenen Zug. Ich fiebere mit, ob meine Pläne klappen, ob sich das Räderwerk zu einem Ganzen zusammenfügt und ich die Herausforderungen meistern kann und sich das alles einfach dauerhaft gut anfühlt, sodass ich einer kommenden Partie entgegenfiebere.

Genauso habe ich eine Erstpartie Shackleton Base mit der englischen Ausgabe erlebt. Ein Eurogame, welches mit rund 75 Euro nicht gerade preiswert daher kommt, aber dafür wirklich gut ausgestattet ist. Zwar ist die Mondoberfläche arg grau, das hilft allerdings bei der Übersicht, wenn wir in unseren Spielerfarben an dem Ausbau der Mondbasis basteln. Zudem wollen drei zu Spielbeginn ausgewählte Konzerne ebenso im Blick behalten werden, die uns dort ganz unterschiedliche Aktionen und Bonuskarten bringen. Da liegt schon eine ganze Menge an Material auf dem Tisch und bewegt sich zwischen abstrakt durch die verwendeten Symbole und thematisch von den Illustrationen.

Im ersten Moment habe ich eine persönliche Spielübersicht vermisst. Ein Begleitbüchlein, wie inzwischen bei komplexen Eurogames üblich, das gibt es hier allerdings nicht. Der Spielablauf ist stattdessen direkt auf dem zentralen Spielplan abgedruckt und erklärt sich fast von selbst. Wir spielen drei Runden und pro Runde wählen wir ein Raumschiff mit seinem Astronauten-Mix aus Ingenieuren, Wissenschaftler und Techniker. Dazu gibt es noch ein paar Rohstoffe, eine Summe Geld und einen Platz in der Spielreihenfolge. Eine Auswahl, eine Entscheidung und es ergeben sich unterschiedliche Möglichkeiten. Möchte ich zwingend vor meinen Mitspielern am Zug sein? Brauche ich dringend mehr Geld? Sind die Zusatzressourcen verlockend? Und benötige ich mehr blaue als gelbe oder rote Astronauten?

Danach folgen reihum sechs Worker-Placement-Aktionen. Astronaut wählen und entweder direkt auf dem Mond einsetzen, um dort Geld zu kassieren, Eigenschaften von Bonusplättchen dort zu nutzen oder Ressourcen dort einzusammeln. Schön in gerader Linie und nur dort, wo schon an der Mondbasis gebaut wurde. Mitspielerbauten müssen wir mitnutzen, aber auch bezahlen. Das schränkt die eigene Gier ein und sorgt zudem dafür, dass wir bestrebt sind, eigene Module der Mondbasis zu bauen.

Das Bauen ist allerdings eine andere Aktion, die in begrenzter Anzahl pro Spielrunde vorhanden ist und zudem immer teurer wird. Auf dem Mond geht es arg kapitalistisch zu. Wobei wir als verbindendes Element die verfügbare Mondenergie gemeinsam verbrauchen, was zu schön konfrontativen Situation führt, wenn der eigene perfekte Plan nicht mehr klappt, nur weil der Mitspieler vor einem so viel Energie verbraucht hat und ich selbst keine Ressource verfügbar habe, um ein neues Solarpanel zu errichten. Seltene Erden, die wir dafür brauchen, sind eben selten. Alternativ kaufen wir eine der ausliegenden Karten, die uns neue Ressourcen, Soforteffekte oder dauerhafte Boni bieten. Die kosten auch Geld und benötigen ebenso ein Mindestmaß an Energie. Oder wir machen auf einen Schlag einfach drei „Zahnrad-Aktionen“, die wir durch unsere Reputationsleiste freigeschaltet haben oder die uns die drei ausliegenden Konzerne ermöglichen.

Möglichkeiten gibt es viele an Aktionen. Perfekt, wer zudem eine Aktion fernab der Mondbasis mit einem farblich passenden Astronauten ausführt, weil dann winkt noch eine kleine Bonusaktion, die wir natürlich gerne mitnehmen wollen. Astronauten mal eben innerhalb einer Spielrunde umzuschulen, das ging (bei mir) leider nicht. Wobei es durchaus individuelle Eigenschaften unserer verschiedenen Raumfahrtbehörden gibt, die ich allerdings nicht alle im Blick hatte. So hatte ich mit mir selbst in meiner Erstpartie schon genug zu tun, wobei mein Blick auch immer wieder zu meinen Mitspielern wanderte, ob die mir irgendwo zuvor kommen könnten oder ich doch noch anderes vorziehen könnte, um später dann effektiver agieren zu können.

In unserer Partie drohte ein Asteroid auf den Mond zu stürzen. Es war allerdings noch unklar, wo der einschlagen würde und wie groß der Schadensradius sein würde. So fokussierte ich mich zunächst auf andere Sachen, die mir schöne dauerhafte Boni und mehr Siegpunkte versprachen. Zudem baute ich die Mondbasis aus, was mir weitere Vorteile einbrachte. Blöd nur, dass relativ spät klar wurde, wo der Asteroid niedergehen würde. Und ja, genau dort, wo ich arg viel Mondmodule errichtet hatte, was eine Menge an Zerstörung und damit negative Siegpunkte am Ende bedeuten würde. Also umgeplant und meine großen Module ab zum Mars verfrachtet und zudem durch die nun fokussierte Beteiligung an Asteroid-Gegenmaßnahmen meinen eigenen Verlust an Siegpunkten reduziert. Am Ende reicht es für einen knappen Sieg, weil vieles bei mir schlicht zusammenpasste, was ich so ausprobiert habe.

Tolle Spielpartie, ganz unabhängig vom Spielausgang, weil der grundlegende Spielablauf von Mondbasis Shackleton für mich einfach stimmig war. Nicht ohne Grund ist das Spiel in vielen Bestenlisten des Jahres auf den vorderen Plätzen zu finden. Das kann ich für mich bestätigen. Deshalb ist meine Version schon bestellt und wartet auf die Auslieferung nach den Feiertagen. Dann steht weiteren Partien nichts mehr im Weg, denn aktuell kenne ich nur einen Mitspieler, der das Spiel in meinem weiteren Umkreis besitzt. Danke an dieser Stelle, dass ich mitspielen und so Mondbasis Shackleton für mich als neues Lieblingsspiel entdecken konnte. Absolute Empfehlung, sofern Ihr mittelkomplexe Eurogames mit interaktiv-konfrontativen Elementen mögt. Für mich ein absoluter Volltreffer im ausgehenden Jahr 2025.

Light Speed Arena: Halbes Spiel in der Schachtel?

Von: ravn
26. Dezember 2025 um 14:23

Wer sich die lokalisierte 2025er-Familienspielneuheit von Pegasus Spiele ins Haus holt, dem sollte klar sein, dass Ihr damit nur ein halbes Spiel auf den Spieltisch bringt. Die andere Hälfte spielt sich rein virtuell in Eurem Smartphone ab. Mein subjektiver Ersteindruck, begleitet von der Auspöppel-Session vorab.

Preisreduziert für rund 22 Euro im Handel erhaltet Ihr ein rasantes Weltraum-Kampfspiel, bei dem Ihr zeitgleich und damit in choreografierter Echtzeit Euren Stapel an Papp-Plättchen in die vorab aufgebaute Arena spielt. Das sind Eure mit Lasern bestückten Raumschiffe, die sich allerdings noch ein wenig gedulden müssen, bevor die in Aktion treten dürfen. Denn was sich hier so unscheinbar bis unspektakulär auf Eurem Spieltisch ergibt, spielt sich in der Folge virtuell in der begleitenden App ab. Dort erlebt Ihr die Auswirkungen Eurer Auslege-Aktionen als kleinen interaktiven und audiovisuellen Animationsfilm im Science Fiction Style mit passenden Effekten und Sounduntermalung.

Light Speed Arena ist eines dieser neumodischen Hybridspiele, die erst durch Technikeinsatz überhaupt möglich werden. Doch halt, nicht so voreilig. Denn die 2025er-Neuheit von Pegasus Spiele hat eine Vorgeschichte und die reicht bis in Jahr 2003 zurück. Light Speed, ohne das Arena im Namen, war damals noch rein analog, aber in der Grundidee gleich. Wir spielen in Echtzeit und gleichzeitig unsere Raumschiffkarten aus. Nach dieser hektischen Phase, bei der man aufgrund der begrenzten Zeit keine volle Übersicht und Kontrolle über das Spielgeschehen hat, folgt die Auswertungsphase. Aufsteigend nach deren Initiativwerten gehen wir die ausliegenden Raumschiffkarten manuell durch und bestimmen, wer auf wen gefeuert hat und was das im Endeffekt an Schaden und Punkte bedeutet.

Heutzutage und damit 22 Jahre später scannen wir unseren Spieltisch einfach per Smartphone oder Tablet und überlassen die Auswertungsphase automatisiert der App. Eine zeitintensive manuelle Auswertung entfällt und wird Euch damit erspart. Stattdessen sorgt die so bezeichnete „Scan & Play Mechanik“ dafür, dass nach einem Foto der Spielauslage Euch das Ergebnis virtuell animiert auf dem Bildschirm gezeigt wird. Wir begnügen uns derweil in unserer Zuschauerrolle und bestätigen kurz per Touch auf dem Screen, dass wir verstanden haben, wer jetzt warum welche Punkte bekommt. Spielerisch per Klick sammeln wir so unsere Punkte ein.

So schafft es Light Speed Arena, dass eine Partie nur 5 bis 10 Minuten dauert und diverse Spielmodi möglich sind, das nur begrenztes Material in der Spieleschachtel braucht. Eigentlich sind das nur ein paar Stanzbögen, die nach der Auspöppel-Session jeweils acht Raumschiffplättchen und ein Stationsplättchen für bis zu vier Mitspieler darstellen. Ergänzt durch sechs doppelseitige Asteroidenplättchen und vier Begrenzungen für die Arena, in die wir unsere Raumschiffplättchen spielen werden. Das passt alles zunächst unter das Plastikinlay und verstaut sich nach dem Auspöppeln in die Inlay-Vertiefungen. Unter dem Inlay wäre also noch viel Platz für Erweiterungen, die es allerdings lokalisiert noch nicht gibt. Eine Anleitung erklärt uns zudem auf acht Seiten, wie Light Speed Arena gespielt wird, welche Kampfregeln und Punktewertungen es gibt und welche Varianten sonst noch auf uns warten.

Der ganze Rest spielt sich in der App ab. Für iOS oder Android per QR-Code die schlanken 71 MByte herunterladen, installieren und ab geht es. Um Light Speed Arena spielen zu können, braucht Ihr eine Spielfläche von 75 x 75 cm auf Eurem Tisch. Ein Maßband liegt leider nicht bei, sodass Ihr Euch grob an der Spieleschachtel orientieren könnt, denn die ist 17,2 x 24,2 cm groß. Also gut dreimal die lange Schachtelseite abmessen und angrenzend die Arenaabgrenzungen platzieren. Dann noch zwei Asteroiden in die Mitte und die Stationsplättchen in Mitspieleranzahl in die Ecken. Fertig. Die gedruckte Anleitung könnt Ihr eigentlich direkt zur Seite legen, denn die App bietet Euch ein interaktives Tutorial, das Euch durch die spielerischen Grundlagen führt. Sprachausgabe gibt es hier zwar nicht, aber die Instruktionen sind sowieso eher kurz gehalten.

Die Sprachausgabe begleitet uns dann später in der Kampfauswertung und sagt die aktuelle Spielrunde an. Dabei zeigten sich für mich zwei Nachteile dieser Art von hybriden Spielgeschehen mit Begleit-App: Auf meinem begrenzt großen Smartphone wird immer nur ein Ausschnitt der Spielfläche gezeigt und dabei gescrollt. Je kleiner das elektronische Endgerät, desto eher können wir die Übersicht verlieren, wo wir uns virtuell im Vergleich zum Spieltisch befinden. Ideal wäre natürlich eine 1:1-Projektion per Deckenbeamer, ist hier aber Zukunftsmusik. So müssen wir uns eben mit einem verkleinerten Ausschnitt der realen Spielwelt begnügen.

Zudem ist das in der Auswertungsphase ein ganz schönes Herumgeklicke, um alle Aktionen und Punkte zu bestätigen. Wer Handyspiele mag, wird hier allerdings voll auf seine Kosten kommen. Nur mit einem haptisch schönen Brettspiel hat das alles nichts mehr gemeinsam. Zwar könnte ich die animiert-interaktive Auswertungsphase auch komplett auslassen und mir nur direkt das Endergebnis anzeigen, nur damit überspringe ich die Hälfte des Spiels. Wer will das schon?

Ich empfehle Euch zudem, keine lackierte Tischoberfläche zu verwenden, denn dort rutschen die Papp-Plättchen Eurer Raumschiffe schon mal hin und her, wenn Ihr selbst oder Eure Mitspieler etwas grobmotorisch und zeitgleich Platz und Ausrichtung bestimmen wollen und dafür nur begrenzte Zeit haben. Denn wer sein Raumschiff-Plättchen einmal losgelassen hat, darf es nicht wieder nachjustieren. Nutzt deshalb eine Baumwolltischdecke oder Neoprenmatte, auf der nichts verrutscht. Darauf spielt es sich schon wesentlich entspannter.

Mit meinem abschließenden Fazit bin ich noch zurückhaltend, denn bisher habe ich Light Speed Arena nur im Tutorial und im Solo-Modus angespielt. Wie es sich mit echten Mitspielern und echten Emotionen rund um den Spieltisch stehend spielt, um in der durchaus einstellbar-hektischen Platzierungsphase mit dem Papp-Plättchen-Spielmaterial zu hantieren und dann gemeinsam entspannt die Auswertungsphase zu erleben, das alles muss sich noch zeigen. Euch sollte aber klar sein, dass sich die Hälfte des Spiels am Spieltisch und danach in der App abspielt. Diesen Mix solltet Ihr ebenso wie die Echtzeit-Hektik-Komponente mögen.

Rein technisch funktioniert das alles und als reine Machbarkeitsstudie, wie sich die analoge und digitale Welt inzwischen verbinden lassen, finde ich das durchaus faszinierend. Mehr als eine Lockerungsübung für Zwischendurch und für 10 Minuten gespielt, möchte Light Speed Arena auch gar nicht sein. Dafür finde ich es schon jetzt gelungen. Wie lange meine erste Faszination anhält und was meine Mitspieler dazu sagen, das muss sich allerdings noch zeigen. Deshalb noch keine Empfehlung.

❌