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Entschleunigtes Spiel: Von Flip 7 über Carcassonne bis Slide

Von: ravn
30. Januar 2026 um 00:12

Es müssen für mich nicht immer Expertenspiele sein, deren Regelerklärungen so lange dauern wie so manch andere Spielrunde. Einmal im Monat gönne ich mir die Abwechslung und tauche ein in das Leben von ebensolchen Spielbegeisterten wie ich selbst – nur eben am anderen Ende der Komplexitätsskala.

Über einen alten Bekannten bin ich mehr als zufällig auf den Spieletreff im Foyer des Gemeindesaals der baptistischen ruhrkirche Wetter aufmerksam geworden. Erst skeptisch und dann überrascht, auf wen ich dort alles treffen werde. Zum Glück wollte mich auch dort niemand missionieren und hätte es sicher auch nicht geschafft. Wobei Kirche und Brettspiele viel stärker miteinander verknüpft sind in meinem spielerischen Umfeld, als ich zunächst dachte. Etliche meiner Spieletreffs fanden und finden in Räumen statt, die direkt oder indirekt in Kirchenbesitz sind. Neben öffentlichen Räume der Städte meist die einzige Gelegenheit, sich in einer größeren Runde zu treffen. Der eigene private und zudem spielgerechte Raum ist ja meist eher eingeschränkt.

So ein halböffentlicher Spieletreff bietet zudem die Chance, immer wieder neue MitspielerInnen kennenzulernen. Wer lädt schon völlig Unbekannte zu sich nach Hause ein? Wobei wirklich Unbekannte sind das eigentlich nur für mich, denn irgendjemand kennt irgendwen und bringt den mit. Das funktioniert im öffentlichen Raum wesentlich einfacher, so meine Erfahrung. Inzwischen und ich bin erst seit einem halben Jahr mit dabei, sozusagen auch einer dieser Neulinge, hat sich der Spieletreff am letzten Dienstag im Monat in Wetter an der Ruhr herumgesprochen. Eine sehr inhomogene und ebenso wechselnde Gruppe, die allerdings mehrheitlich eines vereint – Gelegenheitsspieler oder auch Freunde von eher einfacheren Spielen. Mit einem Mondbasis Shackleton brauche ich da erst gar nicht anzukommen. Hatte ich aber trotzdem letzten Dienstag mit eingepackt, weil je nach Konkurrenzveranstaltungen saß ich auch mal zu zweit vor Ort und der Organisator des Spieletreffs ist ebenso ein Vielspieler wie ich.

Die Mondbasis Shackleton musste allerdings in meiner Tasche blieben, denn diesmal war die Runde eher fortgeschrittenen Alters, zwar durchaus neugierig, aber eher an schon bekannten Spielen oder leichter Kost interessiert. Der allgemeine Tenor war: „Bitte nichts Kompliziertes“. Kein Problem, es gibt ausreichend gute und spaßbringende Brettspiele an diesem unteren Ende der Komplexitätsskala. Also alles, was Boardgamegeek mit „Light“ bis maximal „Medium Light“ einstuft. So kam dann in unserer Achterrunde Flip 7 auf den Tisch. Hier hätten meine Kings & Queens Pokerchips matt glänzen können, um den Punktestand übersichtlicher zu gestalten. Aber die hatte ich mal wieder nicht dabei. Schade eigentlich.

Wir spielten direkt eine Revanche nach der Kennenlernpartie, weil für fünf MitspielerInnen war es die erste Runde Flip 7. Gelegenheitsspieler mögen keine zu schnellen Spielwechsel. Das kenne ich schon und kann es auch akzeptieren. Wenn so gut wie jedes Spiel eine Neuheit und Herausforderung für sich ist, dann wird gerne zu etwas Bekannten gegriffen und sei es nur das eben erst bekannt gewordene. Klar gab es dabei ein paar Stolpersteine, wie ein viel zu schnelles Ausspielen des Kartengebers, ohne dass auf das Aufdecken der vorherigen Karte gewartet wurde. Oder eben, dass man den Kartenstapel nicht offen in der Hand halten sollte und die Trennung zwischen Nachzieh- und Ablagestapel durchaus spielerischen Sinn hat. Das alles hielt uns aber nicht davon ab, gemeinsam Spaß zu haben. Ich erinnere mich an durchweg vergnügliche Gesichter und darauf kommt es an. Für ein paar Minuten den Alltag vergessen, ins Spiel eintauchen, die Spannung miterleben und sich daran erfreuen oder auch ein wenig Schadenfreude empfinden, die sich mit Glücksmomenten abwechselte. Das macht Flip 7 aus und genau deshalb mag ich es. Da mag es für manch anderen noch so banal vom Anspruch sein.

Danach teilte sich die Spielrunde auf. Gemeinsame Wortspiele wie mein vorgeschlagenes One Round oder Stille Post Extreme als Mal- und Ratespiel wurde verworfen. Kein Problem, sind alles nur Angebote. Ich drücke da auch niemanden ein Spiel auf, nur weil ich es spielen mag. So wurden schließlich am Nachbartisch Qwixx und Rummikub gespielt. Zwei alte Bekannte. Ein neues Spiel pro Abend reicht eben völlig aus. Ich gesellte mich zu einer Zweierrunde. Dort wurde Carcassonne favorisiert und das bisher unbekannte Slide auf danach verschoben. Wir spielten den Hans im Glück Klassiker in der Erstauflage und mussten uns erstmal in die Regeln einlesen. Meine letzte Partie lag mindestens 15 Jahre zurück. Mit etwas Glück beim Plättchenziehen konnte ich über eine übergroße und arg spät abgeschlossene Stadt mit vielen Wappen das Spiel gewinnen. Auch, weil wir alle die Verteilung der unterschiedlichen Städte- und Wegeformen nicht mehr im Kopf hatten und ich die sowieso nie auswendig kannte. So spielte bei uns der Überraschungsmoment mit und das war gut. Klassiker wie Carcassonne haben sich ihren Ruf eben verdient und der trägt auch 25 Jahre nach Veröffentlichung noch.

Zum Ende des Spieleabends kam Slide auf den Tisch. Derweil waren wir zur Viererrunde angewachsen. Drei Erstspieler dabei, sodass ich die Regeln erklärte. Dank mitgebrachter Spielmatte aus Neopren konnten die Karten auch gut in ihre Positionen rutschen, denn Kartenhüllen nutze ich bei so preiswerten Kartenspielen in der Regel nicht, wenn es nicht zwingend notwendig scheint. Wie erwartet war das Aha-Erlebnis groß, wenn sich in den letzten Spielzügen zeigt, wie das eigene Kartenmuster durch den trickreichen Schiebemechanismus auseinanderreißt. Deshalb musste auch zwingend eine zweite Partie Slide folgen. Immer wieder gerne, weil eben flott gespielt ist und eine angenehme Denktiefe bietet. So gerade an der Grenze, an der ich meine, es im Griff und durchschaut zu haben, nur um dann zu merken, dass meine Pläne doch nicht so vollständig klappen. Slide kam durchweg gut an und war dann auch der Endpunkt eines schön entschleunigten Spieleabends. Mondbasis Shackleton habe ich nicht vermisst, denn das wird sowieso in wenigen Tagen wieder aufgetischt.

Zerdachte Erstpartien: Bedeutungsschwere Entscheidungen

Von: ravn
09. Januar 2026 um 02:16

Mondbasis Shackleton ist aktuell mein liebstes Eurogame. Ein schön indirekt interaktiver Spielablauf im Sandkasten der Möglichkeiten. Das ist die Sonnenseite. Die andere Seite unserer Mondkolonie begründet sich auf nur 18 Aktionen, die in Summe einen spürbaren Spielerfolg ergeben sollen. Damit wird jede eigene Aktion so bedeutungsschwer, dass wir schnell in eine Überanalyse geraten können, die zu einer überdehnten Spielzeit führt.

Die alte Frage, nur neu gestellt: Wie lange darf eine Brettspielpartie dauern, damit die allen am Spieltisch entspannt bis herausfordernd Spielspaß beschert? Den aufgedruckten Schachtelangaben traue ich aus Erfahrung längst nicht mehr. Wenn da was von 60 bis 120 Minuten steht, dann entspricht eine Verdopplung eher meiner gelebten Realität. Dazu kommt bei einer Erstpartie auch noch die Regelerklärung und die anfängliche Unsicherheit, alles richtig verstanden zu haben. Nicht nur, um rein spielmechanische Fehler zu vermeiden und die Partie in eine Schieflage zu stürzen. Sondern auch, weil die kombinierten und verschachtelten Mechanismen in ihren Details durchaus neu sind. Da sind Nachfragen und Rückversicherungen ganz normal und brauchen eben ihre Zeit.

Dazu kommt allerdings eher häufiger als selten eine gewisse Erwartungshaltung an einem selbst. Der eigene Ehrgeiz, nicht nur irgendwas zu machen, sondern etwas Sinnvolles im Sinne des aufgerufenen Spielziels. Denn am Ende geht es um den Wettstreit mit und gegen die Mitspieler, es besser zu machen. Ausgedrückt am Spielende durch Siegpunkte. Bis es allerdings zum Spielende kommen kann, gilt es Entscheidungen zu treffen, die uns auf die Erfolgsspur führen. Entscheidungen in einer simulierten Spielewelt, bei denen wir im Erstkontakt nur sehr begrenzt auf Erfahrungen aus vergleichbaren Spielen zurückgreifen können. Jedes Spiel ist dann doch auf seine Art anders und besonders.

Wenn dann zum eigenen Ehrgeiz zudem klar wird, wie bedeutungsschwer jede einzelne Entscheidung im Spiel ist, kann so mancher in einer Erstpartie in die Falle der Überanalyse tappen. Mondbasis Shackleton gehört leider zu diesen Kandidaten, die drohen, zerdacht zu werden und dann genau zu einer überdehnten Spielzeit führen. Jeder hat eben nur 18 Aktionen auf drei Runden aufgeteilt. Das sind nur sechs Aktionsmöglichkeiten in einem Umfeld, in dem wirklich alles knapp und begrenzt ist. Das fängt bei den Ressourcen an, die stets zu wenig sind, um mal richtig aus dem Vollen schöpfen zu können. Und das hört bei den wenigen Aktionen auf, die wohlüberlegt und optimiert sein wollen.

Einfach mal machen, einfach mal ausprobieren, weil ist doch eh nur eine Kennenlernpartie. Das sagt sich so leicht und predige ich als spontaner Bauchspieler gerne vor. Nur um dann selbst dann doch in eine Analyse-Paralyse-Situation zu geraten, in der ich arg viele Optionen habe und mich schlicht nicht entscheiden kann, welche davon nicht nur jetzt, sondern auch für die mittelfristige Zukunft wichtiger ist. Wer bin ich da, der meint, etwas kritisieren zu wollen, was ich dann selbst vorlebe und meine Mitspieler warten lassen, während die mir beim Denken zuschauen müssen?

Deshalb verstehe ich das hier auch eher als Selbstkritik und beschreibende Situationsanalyse. Denn wem soll ich bitteschön einen Vorwurf daraus machen, möglichst viele Siegpunkte erspielen zu wollen? Weil genau das gibt das Spiel doch vor und setzt uns im selben Atemzug diverse Grenzen, damit eine Partie zur Herausforderung mit Wiederspielwert wird. Dann für die nächste Partie lockt die Hoffnung, es besser zu machen oder mindestens aus der eigenen Spielweise gelernt zu haben, um dann wissender zu gewinnen.

Kennenlernpartien schön und gut. Wer zügig spielt, der kann in selber Zeit lieber zwei flotte Partien statt nur eine zerdachte Partie spielen. Klingt in der Theorie toll, überzeugt am Spieltisch hingegen nur selten. Oftmals nicht mal mich selbst. Besonders, wenn es nicht mein eigenes Spiel ist, sondern nur mitgespielt. Weil wer weiß schon, ob und wann ich erneut die Gelegenheit bekomme, es nochmal spielen zu können? Da wäre es doch blöd, vorschnell so völlig unüberlegte Spielzüge zu machen, nur um zeitiger mit der Partie durch zu sein. Brettspielen ist für mich zudem kein Wettlauf. Da möchte ich mich auch nicht hetzen lassen, sondern das Spiel erleben und genießen dürfen. Manchmal braucht das eben seine Zeit. Und in dieser Erfahrung kann ich es auch niemandem verübeln, sich ebenso seine Zeit für den nächsten Zug nehmen zu wollen. Obwohl, machmal nervt es mich dann doch. Das kann ich nicht verleugnen.

Wer jetzt eine Lösung erwartet hat, den muss ich an dieser Stelle enttäuschen. Die habe ich nicht. Nur eine ganze Menge an Spielerfahrungen. Wobei mir eine tolle Spielpartie im Kreise von Gleichgesinnten stets viel mehr als der eigene Spielsieg bedeutet. Das heißt aber nicht, dass ich deshalb meine Züge herschenken möchte, nur um ein zügig erreichtes Spielende zu forcieren.

Meine mitgespielte Erstpartie, im Kreise von drei erfahrenen Mondbasis Shackleton Spielern, dauerte erinnert nur knapp über zwei Stunden. Meine zwei Folgepartien mit anderen Erstspielern, jeweils in ebenso entspannter Dreier- und Viererrunde, haben hingegen eher die Marke von vier Stunden gerissen. Eigentlich viel zu lang für das Spiel und deshalb sind mir die Partien auch gemischt positiv in Erinnerung geblieben. Eben weil ich in der Zeit gerne noch etwas anderes gespielt hätte, aber zeitgleich diese erlebte Spielzeit größtenteils wie im Flug verging, weil durchaus als spannend empfunden. Mit diesem Widerspruch ohne Auflösung werde ich leben müssen. Manche Spielpartien brauchen eben die Zeit, die sie brauchen.

Diese beiden Partien waren so spannend, dass ich keinerlei Fotos davon gemacht habe. Mein Smartphone habe ich, während ich Brettspiele spiele, sowieso gerne außerhalb meiner Reichweite weggelegt. Denn dann gehört meine Aufmerksamkeit völlig dem Spiel. Deshalb reiche ich Euch hier meine Auspacksession nach und verzichte an dieser Stelle ganz bewusst auf offizielle wie generische Pressefotos, die Ihr überall sonst ebenso sehen könnt.

Mondbasis Shackleton: Mein übersehenes neues Lieblingsspiel

Von: ravn
28. Dezember 2025 um 16:15

Dieser eine Aha-Moment, wo mir klar wird, dass ein mitgespieltes Brettspiel nicht nur gut, sondern in wirklich allen Punkten perfekt passend für meinen Spielegeschmack und meine Erwartungen ist, der ist wirklich selten und deshalb umso kostbarer in der Flut an Neuheiten. Meine Erstpartie hat bei mir mehr als nur einen Nerv getroffen.

Zur SPIEL 2024 in Essen wurde Shackleton Base: A Journey to the Moon in der englischen Erstausgabe von Hachette Boardgames UK in Kooperation mit Sorry We Are French veröffentlicht. Im Juni 2025 folgte dann als Spieleschmiede-Projekt die deutschsprachige Lokalisation von Giant Roc unter dem Titel Mondbasis Shackleton. Der Untertitel mit der Reise zum Mond wurde derweil gestrichen, weil eigentlich sind wir schon längst vor Ort und bauen als Leiter einer individuellen Raumfahrtbehörde unsere Präsenz am Südpol des Mondes aus, um die Bedürfnisse von drei ausliegenden Konzernen zu erfüllen, die uns neue Möglichkeiten und vor allem Siegpunkte geben.

Mondbasis Shackleton ist ein klassisches Eurogame, so meinte ich bis jetzt und hatte es bis jetzt deshalb sträflich ignoriert. Zwar schon mehrmals gesehen, wie es bei Spieletreffs am Nebentisch gespielt wurde, aber selbst bin ich schlicht noch nicht dazu gekommen, es ebenfalls mal mitzuspielen. Ein ganz großer Fehler und ein Versäumnis zugleich. Denn meine Erstpartie Shackleton Base, in entspannt-konfrontativer Vollbesetzung im Kreise von drei mit mir geduldigen Mondbasis-Experten, glich für mich einem spielerischen Erweckungserlebnis. Selten gibt es diese außergewöhnlichen Momente, in denen sich ein Brettspiel einfach perfekt anfühlt. Marco Polo war damals so ein Spiel und SETI wie auch Civolution und davor Beyond the Sun lassen sich in diese Reihe einordnen.

Brettspiele, die sich so spielen, als wären die genau für mich gemacht: Die Denktiefe passt, der Ablauf ist packend, der Entscheidungsspielraum ausreichend, die taktischen Möglichkeiten vielfältig, Vorausplanung ist möglich, Interaktion und Abhängigkeiten aufgrund der Mitspieleraktionen sind gegeben, ich fühle mich ständig ins Spielgeschehen involviert und freue mich auf meinen nächsten eigenen Zug. Ich fiebere mit, ob meine Pläne klappen, ob sich das Räderwerk zu einem Ganzen zusammenfügt und ich die Herausforderungen meistern kann und sich das alles einfach dauerhaft gut anfühlt, sodass ich einer kommenden Partie entgegenfiebere.

Genauso habe ich eine Erstpartie Shackleton Base mit der englischen Ausgabe erlebt. Ein Eurogame, welches mit rund 75 Euro nicht gerade preiswert daher kommt, aber dafür wirklich gut ausgestattet ist. Zwar ist die Mondoberfläche arg grau, das hilft allerdings bei der Übersicht, wenn wir in unseren Spielerfarben an dem Ausbau der Mondbasis basteln. Zudem wollen drei zu Spielbeginn ausgewählte Konzerne ebenso im Blick behalten werden, die uns dort ganz unterschiedliche Aktionen und Bonuskarten bringen. Da liegt schon eine ganze Menge an Material auf dem Tisch und bewegt sich zwischen abstrakt durch die verwendeten Symbole und thematisch von den Illustrationen.

Im ersten Moment habe ich eine persönliche Spielübersicht vermisst. Ein Begleitbüchlein, wie inzwischen bei komplexen Eurogames üblich, das gibt es hier allerdings nicht. Der Spielablauf ist stattdessen direkt auf dem zentralen Spielplan abgedruckt und erklärt sich fast von selbst. Wir spielen drei Runden und pro Runde wählen wir ein Raumschiff mit seinem Astronauten-Mix aus Ingenieuren, Wissenschaftler und Techniker. Dazu gibt es noch ein paar Rohstoffe, eine Summe Geld und einen Platz in der Spielreihenfolge. Eine Auswahl, eine Entscheidung und es ergeben sich unterschiedliche Möglichkeiten. Möchte ich zwingend vor meinen Mitspielern am Zug sein? Brauche ich dringend mehr Geld? Sind die Zusatzressourcen verlockend? Und benötige ich mehr blaue als gelbe oder rote Astronauten?

Danach folgen reihum sechs Worker-Placement-Aktionen. Astronaut wählen und entweder direkt auf dem Mond einsetzen, um dort Geld zu kassieren, Eigenschaften von Bonusplättchen dort zu nutzen oder Ressourcen dort einzusammeln. Schön in gerader Linie und nur dort, wo schon an der Mondbasis gebaut wurde. Mitspielerbauten müssen wir mitnutzen, aber auch bezahlen. Das schränkt die eigene Gier ein und sorgt zudem dafür, dass wir bestrebt sind, eigene Module der Mondbasis zu bauen.

Das Bauen ist allerdings eine andere Aktion, die in begrenzter Anzahl pro Spielrunde vorhanden ist und zudem immer teurer wird. Auf dem Mond geht es arg kapitalistisch zu. Wobei wir als verbindendes Element die verfügbare Mondenergie gemeinsam verbrauchen, was zu schön konfrontativen Situation führt, wenn der eigene perfekte Plan nicht mehr klappt, nur weil der Mitspieler vor einem so viel Energie verbraucht hat und ich selbst keine Ressource verfügbar habe, um ein neues Solarpanel zu errichten. Seltene Erden, die wir dafür brauchen, sind eben selten. Alternativ kaufen wir eine der ausliegenden Karten, die uns neue Ressourcen, Soforteffekte oder dauerhafte Boni bieten. Die kosten auch Geld und benötigen ebenso ein Mindestmaß an Energie. Oder wir machen auf einen Schlag einfach drei „Zahnrad-Aktionen“, die wir durch unsere Reputationsleiste freigeschaltet haben oder die uns die drei ausliegenden Konzerne ermöglichen.

Möglichkeiten gibt es viele an Aktionen. Perfekt, wer zudem eine Aktion fernab der Mondbasis mit einem farblich passenden Astronauten ausführt, weil dann winkt noch eine kleine Bonusaktion, die wir natürlich gerne mitnehmen wollen. Astronauten mal eben innerhalb einer Spielrunde umzuschulen, das ging (bei mir) leider nicht. Wobei es durchaus individuelle Eigenschaften unserer verschiedenen Raumfahrtbehörden gibt, die ich allerdings nicht alle im Blick hatte. So hatte ich mit mir selbst in meiner Erstpartie schon genug zu tun, wobei mein Blick auch immer wieder zu meinen Mitspielern wanderte, ob die mir irgendwo zuvor kommen könnten oder ich doch noch anderes vorziehen könnte, um später dann effektiver agieren zu können.

In unserer Partie drohte ein Asteroid auf den Mond zu stürzen. Es war allerdings noch unklar, wo der einschlagen würde und wie groß der Schadensradius sein würde. So fokussierte ich mich zunächst auf andere Sachen, die mir schöne dauerhafte Boni und mehr Siegpunkte versprachen. Zudem baute ich die Mondbasis aus, was mir weitere Vorteile einbrachte. Blöd nur, dass relativ spät klar wurde, wo der Asteroid niedergehen würde. Und ja, genau dort, wo ich arg viel Mondmodule errichtet hatte, was eine Menge an Zerstörung und damit negative Siegpunkte am Ende bedeuten würde. Also umgeplant und meine großen Module ab zum Mars verfrachtet und zudem durch die nun fokussierte Beteiligung an Asteroid-Gegenmaßnahmen meinen eigenen Verlust an Siegpunkten reduziert. Am Ende reicht es für einen knappen Sieg, weil vieles bei mir schlicht zusammenpasste, was ich so ausprobiert habe.

Tolle Spielpartie, ganz unabhängig vom Spielausgang, weil der grundlegende Spielablauf von Mondbasis Shackleton für mich einfach stimmig war. Nicht ohne Grund ist das Spiel in vielen Bestenlisten des Jahres auf den vorderen Plätzen zu finden. Das kann ich für mich bestätigen. Deshalb ist meine Version schon bestellt und wartet auf die Auslieferung nach den Feiertagen. Dann steht weiteren Partien nichts mehr im Weg, denn aktuell kenne ich nur einen Mitspieler, der das Spiel in meinem weiteren Umkreis besitzt. Danke an dieser Stelle, dass ich mitspielen und so Mondbasis Shackleton für mich als neues Lieblingsspiel entdecken konnte. Absolute Empfehlung, sofern Ihr mittelkomplexe Eurogames mit interaktiv-konfrontativen Elementen mögt. Für mich ein absoluter Volltreffer im ausgehenden Jahr 2025.

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