Normale Ansicht

Dindex: Kläglich an der eigenen Regelerklärung gescheitert

Von: ravn
19. Mai 2026 um 17:47

Selbst Schuld und deshalb auch nur einen geringen Vorwurf an das kartengetriebene Politikspiel rund um unsere Demokratie, dem Geschacher um die Macht und ausgehandelte Ministerposter, während Oligarchen ihre ganz eigenen Ziele verfolgen. Die hiermit niedergeschriebene Historie meiner Erstpartie, bei der mal so alles schief lief.

Manche Geschichten kann ich mir einfach nur ausdenken, denn die schreiben das erlebte Leben eines Brettspielers viel eindrucksvoller. Aber so eindrucksvoll selbstverschuldet eine Neuheit in den eigenen Brettspielreihen einzuführen, nur um die Erklärung mitsamt viel zu kurzer Erstpartie an die Wand zu fahren, das war schon ein Erlebnis für sich. Eines, das ich am liebsten ganz schnell vergessen und aus den Köpfen meiner Mitspieler streichen möchte. Eben bevor sich der falsche Eindruck verfestigt, dass Dindex mal so gar nichts taugt. Denn das wäre hart ungerecht dem Spiel und dem Autor Lars-Michael Stock gegenüber.

Dabei habe ich in meiner Brettspieler-Historie mindestens eine dreistellige Zahl an Neuheiten erklärt und kenne damit auch die Hürden einer allerersten eigenen Erklärung. Die ist meist etwas ausufernd bis sprunghaft holprig, weil ich selbst noch nicht weiß, auf welche zu vermittelnden Details ich den Fokus legen sollte. Wenn dann die Spielanleitung nicht gerade von einer erfahrenen Redaktion, sondern von einem enthusiastischen Eigenverlags-Autor erstellt wurde und eher vor Herzblut anstatt von Übersichtlichkeit tropft, tja, dann sollte ich aus Erfahrung eigentlich besser vorbereitet sein. Zu meiner Verteidigung könnte ich anbringen, dass ich Dindex eher spontan vorgeschlagen und in letzter Minute selbst zum Spieletreff eingepackt habe.

Ebenso könnte ich als zu einfache Ausrede anführen, dass ich nicht der Einzige war, der das Spiel erstmalig dabei hatte. Eventuell hätte ich es mir lieber selbst nochmal nach meiner Demopartie auf der Spiel DOCH! 2026 in Dortmund erklären lassen sollen. Einfach mal zurücklehnen und nicht in Selbstüberschätzung meinen, dass ich Dindex mal eben so, aus dem Ärmel geschüttelt, erklären kann. Dabei bin ich schon am Aufbau gescheitert, denn ich hatte schlicht verpennt, die ganzen Kartenstapel vorab mal ordentlich durchzumischen. Die waren nur oberflächlich unterschiedlich, wie ich die im Selbststudium zu Hause mal exemplarisch angeschaut hatte. Deshalb fiel es mir selbst nicht auf, dass die Aktionskarten fast komplett nach dem Demokratie-Index sortiert waren. Ebenso wie der obere Teil der Regierungsaufgaben, die arg einseitig waren.

In meiner zugelosten Rolle des oligarchischen Gegenspielers unserer Viererrunde mit zwei Spielern am Tisch, die bisher noch keinen Kontakt mit Dindex hatten und zwischen schulterzuckend und interessiert schwankten, hatte ich somit zu leichtes Spiel. Eben weil ich überwiegend passende Aktionskarten auf die Hand bekommen habe, während meine demokratischen Mitspieler kaum sinnvoll ihre Karten spielen konnten und deshalb vorwiegend in der Kernphase des Spiels diese tauschen mussten. Da wir zur Einführung nur ein kurzes Spiel angehen wollten, starteten wir schon im Extremismus, was mir in meiner Rolle zugutekam. Zudem bekam ich auch zufällig den weiteren Wähler zugelost, um ein bewusstes Ungleichgewicht zu Spielstart und damit die stärkste Partei an Wählerstimmen zu besitzen und in Folge mit der ersten Regierungsbildung beauftragt zu sein.

Blöd, dass ich dabei direkt zwei Details in der in Textblöcken strukturierten Anleitung übersah. So hatte ich vergessen, uns jeweils drei Stammwähler auszuteilen und die Anzahl der eigenen Handkarten richtete sich eben nicht nach den Dreiergruppen von Wählern, sondern nach den Stammwählern. So hatte ich eine Aktionskarte mehr auf der Hand, was aber fast schon egal war, da im ungemischten Aktionskartenstapel sowieso fast nur antidemokratische Karten oben lagen und ich der Einzige der Runde war, der überhaupt eine echte Motivation hatte, diese ausspielen zu wollen.

Für meine erste Koalition gab es mit zwei Mitspielern keine Überschneidung unserer Kernkompetenzen. Somit hatte ich zwei potenzielle Koalitionspartner zur Auswahl und konnte die Ämterverteilung entspannt zu meinen Gunsten entscheiden. Das Kanzleramt gehörte sowieso mir, die zwei passenden Ministerien ebenso, während ich, fast schon gönnerhaft gespielt, zwei Ministerien zum Koalitionspartner abgab. Damit wir zum Schein potenzielle Krisen möglichst gut bewältigen können. Das übrig gebliebene Ressort nahm ich dann zu mir, als mein ausgerufenes Recht als stärkste Partei.

Und spätestens hier hätte mir klar sein sollen, dass ich meinen Mitspieler die grundsätzlichen Spielmechaniken in ihren Auswirkungen und Bedeutungen noch gar nicht erklärt hatte. Schlechte Voraussetzungen für ein erstes Spiel, das durch eigene Erklärfehler im Aufbau und die windschiefe Kartenverteilung schon zu dieser Zeit noch für mich unwissend blöd gestartet war. Eine mehr als nur krumme und planlose Partie sollte die Folge sein und so kam es dann auch. Ich selbst konnte mit meiner passenden Kartenhand etliches bewirken, was vor allem zum eigenen Vorteil war. Meine Mitspieler machten fast gar nichts, außer darauf zu hoffen, endlich mal für sie bessere Karten zu tauschen. Zu sehr von meinen eigenen Plänen des Machtmissbrauchs berauscht, merkte ich gar nicht, dass die einzig gespielte Legislaturperiode viel zu einseitig war und ich selbst von meinem zu schnellen und vorzeitigen Spielsieg durch Sturz in die Oligarchie geblendet wurde. Klar, dass Dindex damit durchfallen musste, und ich muss mir die Schuld dafür geben.

Aus Fehlern möchte ich hingegen lernen und Euch ebenso ein paar Ratschläge an die Hand geben, was Ihr selbst in Eurer ersten Dindex-Partie beachten solltet:

  1. Erklärt das Spiel bitte nicht nach der Spielanleitung. Denn die ist mit 30 Seiten viel zu lang und bringt das eigentlich recht einfache Spielkonzept nur sehr ausufernd in zu große Textblöcken ins eigene Verständnis. Zum Nachschlagen von Regeldetails auch nicht wirklich geeignet, weil trotz farbiger Hervorhebungen die Textmengen zu unübersichtlich sind, um schnell überblickt zu werden. Entwickelt stattdessen in einer vorab für Euch simulierten Partie ein Gefühl für den Spielaufbau, den Spielablauf und was die eigentlichen Kernmechanismen sind.
  2. Die doppelseitige und nur einmalig beiliegende Kurzanleitung hilft Euch leider nur beim Spielaufbau, sofern Ihr die Schritt-für-Schritt wirklich befolgt. Dabei ebenso geschwätzig wie die Spielanleitung, wobei ich kurze und präzise Stichworte hier wie auch dort bevorzugen würde. Die Symbolsprache fehlt hier völlig, was das alles zur Textwüste werden lässt.
  3. Im Ablauf der Legislaturperioden auf der Rückseite der Kurzanleitung kommen die Regierungsaufgaben zu kurz. Dort wird nur grob von Aufgaben geschrieben, ohne klarzumachen, was der Unterschied zwischen Krisen und Probleme ist und welche Auswirkungen später ungelöste Krisen und Probleme haben. Mit einem „entfalten nun ihre Wirkung“ Wortlaut war mir das zu kurz als Erinnerungsstütze abgehandelt.
  4. Die Symbolübersicht ist nur einmal auf der Rückseite der Spielanleitung gedruckt. Dabei ist besonders für Erstspieler essenziell wichtig zu wissen, was die anfangs verwirrenden Schafe in Weiß und Braun und teils durchgestrichen bedeuten. Weil es nicht nur auf das Symbol an sich ankommt, sondern auch, wo diese Karten liegen – in der Spielmitte oder in der Spielerauslage.

Für die Punkte 2 bis 4 kann ich eigentlich nur empfehlen, auf eine alternative Kurzübersicht zurückzugreifen, die jedem Spieler zur Verfügung steht. Die beiliegenden vier Kurzübersichten sind schlicht nur eine Spielphasen-Übersicht ohne jegliche Erklärung, was dort passiert. Um den Hürden des Spieleinstiegs zu minimieren, sollte so eine alternative Kurzübersicht die wichtigsten Symbole beschreiben, den Rundenablauf und was dort in den einzelnen Spielphasen passiert. Das alles in stichpunktartiger und präzise formulierter Form. Ebenso sollten auf der Rückseite die Siegbedingungen der beiden Rollen, deren Möglichkeiten, Regierungspunkte zu sammeln und den Dindex zu verändern, aufgelistet sein. Was Stammwähler und Wähler in der eigenen Spielauslage unterscheidet und was die Systemgegner in der Tischmitte für den Dindex bedeuten, sollte ebenso dort kurz und knapp auf die regelmechanischen Details reduziert erwähnt werden.

Für meine kommende Partie weiß ich nun, dass ich Dindex leider nicht einfach so nebenbei erklären kann. Dazu fehlt mir die eigene Spielpraxis, um auf die Spielanleitung verzichten und nur mit der Kurzanleitung zurechtkommen. Also wird wohl ein wenig redaktionelle Eigenleistung gefordert sein, um eine Kurzübersicht für jeden Spieler zu erstellen. Ich stelle Euch die gerne hier dann zum Download zur Verfügung, nachdem ich die Nutzung der Grafiken mit dem Autor Lars-Michael Stock abgesprochen habe. Wenn Ihr bis dahin selbst Hand an Dindex angelegt habt, bin ich ebenso interessiert, wie Eure Kurzübersicht aussieht.

Und ja, vergesst bitte nicht, die ganzen Kartendecks vor der Partie intensiv zu mischen, weil ansonsten fällt das Spiel in sich zusammen. Das wäre arg schade, weil mir gefällt es weiterhin bestens. Jetzt muss ich es nur noch schaffen, diesen Eindruck auch per Regelerklärung vermitteln zu können. Denn Dindex empfinde ich als zu wichtiges Spiel, um durch blöde Erklär- und Aufbaufehler als spielerisch verbrannt zu gelten. Im Zweifel gebt bitte Dindex eine zweite Chance und eine zweite Partie.

Dindex: Von Schafen und Wölfen zu meinem Messe-Höhepunkt

Von: ravn
02. Mai 2026 um 13:47

Die Demokratie steht bei uns als Thema auf dem Spieletisch und zeitgleich auf dem Spiel. Nicht mit erhobenen Zeigefinger vorgetragen, sondern als Politikspiel, in dem wir selber die Akteure sind und Handlungen mit ihren Folgen hautnah nacherleben können. Bei einigen Aktionen lief mir ein kalter Schauer über den Rücken, weil wir hier so nah an der Realität sind bei diesem Social Deduction Game mit Aktionskarten als Motor des Geschehens. Vom Autor vor Ort erklärt und in Viererrunde angespielt.

Wir sind drei Demokraten und ein Oligarch. Diese Rollen werden zu Spielbeginn verdeckt verteilt. Bis zu sieben Parteien können dabei sein, wobei der Anteil an den Gegenspielern unserer Demokratie ansteigt. Aber auch ohne Spieler, die das Scheitern unserer Rechtsordnung bewusst herbeiführen wollen, ist es kein leichtes Spiel. Denn die Demokraten selbst verfolgen zudem eigene Interessen, wollen wiedergewählt werden und brauchen dazu Stimmen. Am Ende gewinnen die Oligarchen gemeinsam oder ein Demokrat konnte die meisten Regierungspunkte für sich einsammeln. Da ist die Verlockung arg groß, einfach mal populistisch zu agieren, Wahlen für eigene Zwecke zu manipulieren und selbst vor Wahlbetrug nicht zurückzuschrecken.

In meiner Anspielpartie auf der Spiel DOCH! 2026 in Dortmund am Messestand von AdveRunde habe ich das alles komprimiert selbst erleben können. Aus Zeitgründen haben wir unsere Partie abgebrochen, ich hätte aber gerne weitergespielt. Dindex ist im Eigenverlag vom Autor Lars-Michael Stock entstanden. Der Mann hat eine Mission, betätigt sich in der politischen Schulbildung und möchte mit Dindex aufzeigen, wie fragil und ebenso schützenswert unsere parlamentarische Demokratie ist. Am Spieltisch könnt Ihr das je nach Mitspielerzahl und vorab vereinbarte Spiellänge in rund 30 bis 120 Minuten erleben.

Das asymmetrische Kartenspiel ist bewusst einfach gehalten. Bietet aber im Rahmen der 100 verschiedenen Aktionskarten eine Menge an Möglichkeiten. Lauscht einfach selbst der Spielerklärung direkt vom Autor und Ausschnitte unserer Anspielpartie im Audioformat – von der Spielvorbereitung über die Geheimaktionen bis zu den finalen offenen Aktionen mit der Rundenabrechnung:

Wer jetzt Lust auf Dindex bekommen hat, der bekommt es für 24 Euro im Direktvertrieb des Verlages oder auf diversen Spieleveranstaltungen vor Ort. Ich für mich spreche dafür eine Empfehlung aus, obwohl es klar sichtbare Ecken und Kanten eines Kleinstverlagsspiels hat, das ich durchaus als Herzensprojekt einordne. Eine erfahrene Redaktion hätte das Spielgeschehen sicher runder gemacht und ebenso ein paar Einstiegshürden minimiert. Spielbar und das sogar wirklich gut und spannend ist Dindex trotzdem in der vorliegenden Form. Ihr solltet nur bereit sein, eventuell etwas eigene Hand anzulegen oder Euch Zeit für die 32-seitige und etwas geschwätzige Anleitung nehmen.

Konkret ist die gewählte Symbolik auf den Aktionskarten für mich nicht eindeutig genug. So steht die Lupe für Geheimaktionen, obwohl die Lupe in meinem Verständnis etwas deutlicher werden lässt. Hier werden Aktionskarten geheim gespielt, spielmechanisch verdeckt in einen Stapel und dann gemischt reihum ausgeführt, sofern möglich. Ein Spion-Symbol oder eine Maske hätte ich da besser nachvollziehen können.

Und dass sich der Dindex am Kartenrand ausschließlich auf die Ausspielmöglichkeiten beziehen, aber eben nicht den einzelnen Textpassagen der Karte zugeordnet sind, das muss einmal erklärt werden. Ich konnte genau das Stirnrunzeln sehen, als meine Mitspieler das erste Mal eine Aktionskarte sahen und wenig verstanden haben. Ging mir genauso. Hier hätte eine optisch eindeutigere Trennung der Kartenelemente geholfen.

Dazu kommt noch, dass hier weiße grasende Schafe und aufrecht stehende braune Schafe als Symbolik genutzt werden, mal durchgestrichen und mal nicht. Die Rückseite der Spielanleitung gibt dazu Auskunft, was das bedeuten soll. Es sind eigene Wähler sowie Nichtwähler in der Tischmitte und Stammwähler einer Partei und Systemgegner in der Tischmitte. Da hätte ich mir lieber eine eigene Übersichtskarte für jeden Spieler gewünscht. Solche Übersichtskarten gibt es zwar, aber nur vier davon und die nur einseitig mit dem Ablauf der Legislaturperiode bedruckt, die dem spielerischen Kern von Dindex entspricht. Die Rückseite wäre also noch frei gewesen.

Um den Spieleinstieg nochmals zu erleichtern, hätte ich mir Kartenablagen gewünscht. Einfach passende Pappteile, die per Schriftzug genau bezeichnen, was dort in der Tischmitte gestapelt und ausgelegt ist. Ebenso gerne für jeden Spieler, um dort die Stammwähler und Wähler zu sortieren. Wer mag, der bastelt sich das selbst und druckt es auf Papier aus. In der aktuellen Spieleschachtel wäre sowieso kaum Platz dafür gewesen, weil die ist randvoll gefüllt. Die Kartenqualität ist zwar ausreichend gut, aber die Zufallskarten sowie die Rollenkarten habe ich trotzdem in Kartenhüllen gepackt. Wäre schade, wenn die markiert und damit unbrauchbar werden würden. An das Sleeven der anderen Karten braucht Ihr erst gar nicht denken, denn dann müsstet Ihr Euch direkt eine neue Spieleschachtel mit weitaus mehr Volumen besorgen.

Vom spielerischen Aspekt steuert sich Dindex über die Aktionskarten. Davon habt Ihr eine zufällige Auswahl auf der Hand und könnt damit Aktionen ausführen. Der aktuelle Demokratieindex-Wert schränkt Euch dabei ebenso ein wie mache Karten, die nur von der Opposition oder der Regierung oder den Oligarchen oder den dargestellten Ministerien gespielt werden dürfen. Das schränkt ein und genau deshalb gibt es auch die Aktion, eine Handkarte abzuwerfen und nachzuziehen. Glück ist somit im Spiel, ob und was Ihr machen könnt und ob diese Aktionen in Eure Strategie passen.

Wer hingegen gezwungen ist, eine Aktionskarte abzuwerfen, in der Hoffnung, eine brauchbare Karte nachzuziehen, der hat in der Phase der offenen Aktionen einen Tempoverlust. Wenn sogar alle Spieler nur Karten nachziehen oder passen, anstatt eine Aktionskarte auszuspielen, ist diese Phase vorbei. In meiner Partie hätte ich gerne den Dindex wieder Richtung demokratischem Konsens getrieben, nur gaben mir meine Handkarten nicht die Möglichkeit dazu. Diese Handlungseinschränkung müsst Ihr hinnehmen oder selbst die Regeln für Euch anpassen, indem direkt zwei statt nur eine Karte ausgetauscht werden darf – mit ungewissem Ausgang für die Spielbalance solcher Hausregeln.

Trotz aller Detailkritik dieser Ecken und Kanten war Dindex für mich der Höhepunkt der Spiel DOCH! 2026 in Dortmund. Direkt neben Hero Story, das ebenso Potenzial hat, zu polarisieren. Beide habe ich vor Ort gekauft und bei Dindex hat ein Mitspieler auch direkt zugeschlagen. Sollte für sich und das Spiel sprechen. Dindex lebt von der Atmosphäre am Spieltisch und der hochaktuellen Thematik, die sich in den vielen Aktionskarten von „Die da oben!“ bis „Propaganda im Staatsfernsehen“ widerspiegelt. Wenn Ihr mit einem etwas glückslastigen Spielablauf über Aktionskarten leben könnt und den Möglichkeiten, die Euch dabei Eure Kartenhand bietet, um in diesen Grenzen zu agieren, dann spreche ich eine klare Kaufempfehlung für Dindex aus. Hier würde ich mir eine Deluxe-Version wirklich wünschen. Bis dahin werde ich beizeiten wohl selbst Hand anlegen, um die Dindex-Einstiegshürden für meine Mitspieler und mich zu minimieren. Denn Dindex ist zu wichtig, um nicht gespielt zu werden.

World Order

26. April 2026 um 08:00
Weltpolitik um 2010 als Spiel – ein erstes Anfühlen

Nachdem das Spiel uns vor wenigen Tagen erreichte, hat Bill gleich am ersten Abend Weltpolitik geschnuppert und sich die ersten Eindrücke der Spielmechanik in einem trockenen Solokonzert, also in einem simulierten Zweipersonenspiel in halber Länge, vorab erstmal beigebracht.

Wie sich das Spiel mit echten Gegner anfühlen würde, konnte er also erstmal nur erahnen. Doch schon in diesem ersten Durchlauf konnte er interessante Ansätze und interaktive Möglichkeiten erhaschen und somit stieg die Spannung um das erste Debut mit Horst zwei Tage später.

Ob diese Partie unser beider Erwartungen erfüllen konnte oder uns als ratlose Großmächte stehen lies werden wir Euch aus zwei Perspektiven näher bringen. Der vorliegende Artikel spiegelt unser „Vorspiel“ – sprich den Ersteindruck – wieder.

An dieser Stelle möchten wir Giant Roc herzlich für die Bereitstellung der erhaltenen Vorabversion des Grundspiels danken. World Order und seine Erweiterung World Order – Welt in Aufruhr werden ab dem 15.05.2026 erhältlich sein, sind aber bereits zum jetzigen Zeitpunkt vorbestellbar.


Steckbrief

SpielWorld Order
VerlagGiant Roc (Hegemonic Project Games)
Veröffentlichung2026
IdeeVangelis Satriohadi, Varnavas Timotheou
IllustrationAngga Satriohadi, Milosz Wojtasik
Rating (BGG)7,9 (bei derzeit 250 Stimmern)
Komplexität (BGG)Kennerspiel (gehoben)
SpielweiseKompetitiv
MechanikenArea-Control, Deck-Building

Bill’s Eindruck von der Bühne

Während sich Horst als meine konkurierende Großmacht die Volksrepublik China ausgewählt hat, gibt die Spielanleitung vor, dass man zu zweit gegen China oder Russland die USA oder die Europäische Union als Gegenpart auswählen soll. Das ist aber die einzige Einschränkung solcher Art. Wer nun von dem Vorgänger Hegemony anderes gewohnt ist: ab einer Partie zu dritt werden hier bereits keine Vorgaben mehr gemacht. Ich wählte Europa, deren Farbe gelb ist – das allein ist bereits ein Grund dafür in meinen Augen!

Im Herzen ist das Spiel ein Area-Control mit einem Deckbuilding-Element. Die Gebietskontrolle läuft dabei in zwei Ebenen ab. Einmal durch das Setzen von Einflusssteinchen über diplomatische Kooperationen, Investitionen oder das Erbauen von Militärbasen. Krieg selbst spielt zumindest im Grundspiel keine große Rolle. Die militärische Macht und damit die zweite Ebene in der Gebietskontrolle, stellt eher ein Kettenrasseln der Großmächte dar und kann die Unterlegenen in Ihren Interessengebieten maximal um ein paar Siegpunkte pro Runde bringen. Insgesamt ist es damit ein Area-Control, welches mit meiner allgemeinen Skepsis zu diesen Spielen doch kompatibel ist, da man nicht komplett verdrängt wird und auch dann noch Siegpunkte generieren kann, wenn man nicht stärkste Kraft vor Ort ist.

Das Deckbuilding stellt auch einen wichtigen Bestandteil in jeder Partie da, wirkte im ersten Spiel aber lediglich partiell beeinflussbar. Im Hauptteil des Spiels, der Aktionsphase, muss man während der 4 Aktionen pro Runde schon überlegen, welche der 6 Handkarten man ausspielt und welche man zum Generieren der Forschungspunkte auf der Hand behält. Mit diesen kauft man an jedem Rundenende Karten vom ausliegenden Markt. Manche selten vorkommenen Karten erlauben es auch, andere aus der restlichen Partie zu entfernen aber man ist ähnlich wie bei Dune oder Klong! eher von den ausliegenden Karten abhängig.

Auch andere Elemente wie ein kleiner Tech-Tree oder Ressourcenmanagement sowie die Möglichkeit Geld und Siegpunkte mit Wohlstand im Volk zu generieren sind vorhanden. Diese sollen im Vorbericht aber nur erwähnt bleiben. Weitere Partien werden zeigen welchen Einfluss sie auf das Spielgeschehen insgesamt nehmen.

Sollte man mit weniger als 4 Spielern unterwegs sein, werden die Einflüsse und Militärmacht der ungenutzten Großmächte mit Karten simuliert, was gut funktionier und mir recht klug erscheint, weil diese dann auch vornehmlich in die eigenen Interessengebieten der Welt einsteigen und dort für Ärger sorgen. Ebenso kann man mit diesen Handeln. Somit ist man nicht nur auf die vorhandenen, bespielten Großmächte angewiesen.


Groupie auf Tour

Die Lernpartie und folgende Erstpartie haben mir Spaß gemacht, spiegeln aber noch nicht die volle Breite an spieltechnischen Möglichkeiten wider. Ich glaube aber zu diesem Zeitpunkt, dass mir das Spiel gefallen wird, weil es an mein „Hass“-Thema Area-Control doch anders und für mich passend herangeht und ich die anderen Spielkomponenten generell sehr mag. Die Asymmetrie der unterschiedlichen Großmächte sind thematsich gut erfasst und ausreichend vorhanden aber längst nicht so sehr im Vordergrund wie in Hegemony selbst. Die ausgeübten Aktionen unterscheiden sich zwischen den Spielenden kaum voneinander, aber das Startdeck oder bestimmte Kriterien auf den Spielertableaus sind unter anderem doch klar Unterscheidbar und zu den jeweiligen Großmächten passend.

Bleibt für mich abzuwarten ob der Titel auf Dauer wirklich meinen Erwartungen entspricht und ob es meinen Mitspielenden gefallen kann. Näheres dazu folgt wie oben erwähnt in Kürze. Ob einem das Thema an sich in Betracht der realen Weltlage gefällt muss natürlich jeder für sich selbst entscheiden.

Kurzfazit: Komplett anderes Spiel als Hegemony. Wirkt gut durchdacht und macht durchaus Spaß. Ich bin auf weitere Partien gespannt.


Horst’s Eindruck von der Bühne

Das Thema mag in der momentanen politischen Weltsituation etwas makaber wirken. Ich müsste noch mal schauen, aber ich bin der Meinung, dass ich ein Interview oder eine Stellungnahme von den Autoren gelesen haben, dass sie ebenso geschockt sind, wie wir, was gerade auf der Weltpolitischen Drehscheibe passiert. World Order spielt im Grundspiel im Jahr 2010, vor Corona, vor Ukraine, vor Trump Teil 2, um nur einige der Dinge zu nennen. Daher rollen wir nicht in Risiko-Manier mit der Geheimkarte Welteroberung durch die Weltkugel, sondern müssen unserer staatlichen Geschicke mit Drohgebärden, Handel und diplomatischen Geschick lenken. Bill hat schon geschrieben, dass es Area Control Anteile hat, aber diese sind eher in Racing-Mechanismen versteckt. Es gibt oft darum als erste Person Einfluß zu platzieren, Punktekarten einsammeln oder ähnliches. Man kann der konkurrierenden Regierung zwar auch einen Panzer in den Garten stellen und diese so ärgern, aber in unserer Erstpartie war dafür kaum Zeit. Apropos Erstpartie: Ohne Regelerklärung haben wir die Weltgeschicke 2,5 Stunden gewidmet, wobei die Zeit wie im Fluge verging.

Wer bei World Order aber nun hoft ein Hegemony auf großer Weltbühne zu bekommen, wird enttäuscht werden. World Order ist ein sehr gutes Spiel, aber eben deutlich anders und ich würde sogar sagen, deutlich weniger komplex und interaktiv wie das Erstwerk. Es ist eben ein sehr eigenständiges Werk.

Die grandiose Asymmetrie des Vorgängers ist in etwa nicht so stark ausgeprägt. Jede Regierung hat zwar etwas einmaliges und auch die ein oder andere Karte. In Summe wirken die abweichenden Fähigkeiten aber das ist nicht so Spielentscheidend, auch wenn jede Regierung in eine gewisse Richtung geschoben wird. Chinas Strategie beispielsweise ist die eigenen Luxusgüter in die Welt zu exportieren und zu vermarkten. Kommt euch bekannt vor? Deswegen haben Europa und Amerika (im Jahre 2010) noch ein militärisches Bündnis und der Panzer des einen im Gebiet des anderen hat keine negativen Folgen. Russland rasselt schon in 2010 gerne mit den Säbeln und lebt vom Ölexport.

Aus meiner Sicht kommt das Thema wieder grandios zum Vorschein und zieht ähnlich in den Bann wie es bereits der Staatshaushalt gemacht hat. Das Deckbuilding Element hat mich etwas ratlos zurück gelassen. Manchmal war die Auslage nicht passend und die Kartenhand wurde eher zugemüllt. Das führte bei mir dazu, dass ich in einer Runde Pech bei der gezogenen Kartenhand hatte und direkt mehrere Notaktionen machen musste. Das war bereits am Ende der zweiten (von sechs) Runden und ich konnte ab dem Zeitpunkt nur noch sehen, wie Bill mit Punkten davon geritten ist. Am Ende waren wir dann doch nur elf Punkte voneinander getrennt, es fühlte sich vier Runden aber nicht mehr gut an.

Ich freue mich sehr auf die nächsten Partien, weil es noch so viel auszuprobieren gibt.

Mein Kurzfazit: Gutes eigenständiges Spiel mit gut verzahntem und umgesetzten Thema. Vergleicht es nicht mit Hegemony.


Konzertmitschnitte

Spielaufbau zum Start
Die Europäische Union in Runde 5/6
Chinesische Republik in Runde 5/6
Einflussmarker und Militäraufgebot ind Runde 5/6

(Galerie mit Fotos)


Unser Review zu dem Spiel ist hier zu finden:


Banner Bild von Robert diam auf Pixabay

Jugend gegen Extremismus: Demokratie als Schachspiel

07. Oktober 2025 um 20:44
„Demokratie ist wie ein Schachspiel“, schreibt Florian Staff im Buch #FürDemokratieGegenExtremismus. In seinem Beitrag erklärt er, warum Regeln der Demokratie nur dann Bestand haben, wenn alle Figuren zusammenspielen. Wir veröffentlichen seinen Text als Gastbeitrag. #FürDemokratieGegenExtremismusDas Buch #FürDemokratieGegenExtremismus ist das Ergebnis eines Schulprojektes am Friedrich-Engels-Gymnasiums Senftenberg in Brandenburg. Es führt in eine vielschichtige Auseinandersetzung mit den Gefahren für unsere freiheitliche Gesellschaft. Die Schülerinnen und Schüler beleuchten Themen wie Extremismus, Populismus, Fake News, Antisemitismus und Rassismus – teils aus persönlicher Erfahrung, teils mit analytischem Blick. Sie zeigen, wie Gefahren von rechts und links den sozialen Zusammenhalt bedrohen, aber auch, wie Widerstand und

Quelle

Willy Brandt (Chancellor Ratings, #2)

28. April 2024 um 18:42

Three years ago, I have inaugurated an irregular series on my blog assessing the merits of UK prime ministers (illustrated through the lens of a single board game each). The rating system seemed robust enough to apply it to other countries/leaders (at least if they are more or less democratic). Thus, we branched out to American presidents and a German chancellor. Today’s subject is another German chancellor – Willy Brandt, the architect of Ostpolitik (West Germany’s détente). And which game could be more appropriate for him than Wir sind das Volk! (Richard Sivél/Peer Sylvester, Histogame)?

The Rating System

Some caveats ahead: The chancellors will be rated by the knowledge of their time. If they or their contemporaries could not have known about the effects of something, I will not use my hindsight to mark it as a mistake of theirs. The assessment is focused on their conduct as chancellor, but includes their life after holding the office (in which they will still be regarded in the public eye as (ex-)chancellors).

Now, to the system itself: There are three policy field categories (foreign, domestic, and economic policy) and three more general ones (vision, pragmatism, integrity). A chancellor can earn from one to five stars in each category (for a total sum of up to 30). In detail, the chancellor is assessed as follows:

Foreign policy: Did the chancellor increase German influence in the world and the security of Germans at home? Did the chancellor wield German power responsibly and with positive results for the regions affected (the latter counting for a greater deal in times of German power being great)?

Domestic policy: Did the chancellor increase the liberty of Germans to express themselves and to participate in the political process? Did the chancellor promote domestic security and shape the framework for fair justice dealing with offenses?

Economic policy: Did the chancellor facilitate the prosperity and economic security of Germans (including in the mid- and long-term)? Was the chancellor’s economic policy based on mutual benefit of those involved or did it unduly burden one side?

Vision: Did the chancellor have an idea of what Germany and Europe (the latter counting for more in times of German influence being great) should look like beyond the immediate future? Did the chancellor’s policies steer Germany (and, if applicable, Europe) in this direction?

Pragmatism: Did the chancellor succeed in seeing their policy through from inception to completion? How well did the chancellor manage the support from parliament, society, the administration, the media (the latter counting for more in more recent years)?

Integrity: Did the chancellor understand the office as a means to benefit themselves, special interest groups, the entire country, or another community? Did the chancellor respect the boundaries of the office?

Note: If you have read my UK prime minister or US president ratings, you will remember that I rated them on the global impacts of their vision as well. As the rating system is only really applicable to democratic leaders and no democratic German leader ever had the chance to conduct a truly global policy, I only assess their vision on national and European grounds.

Brandt’s Life

Willy Brandt was born on December 18, 1913, as Herbert Frahm. He adopted the name under which he would become famous in his Norwegian exile, after he had fled Germany to escape the Nazi persecution of socialists. Brandt returned to Germany after World War II – and also to German politics. He was elected a member of German parliament in 1949 and mayor of Berlin in 1957.

As mayor, Brandt was on the frontline of the Cold War. He weathered the Berlin Crisis of 1958 and the building of the Berlin Wall in 1961, each time acting as a symbolic bulwark of liberty against Soviet encroachment. His party, the Social Democratic SPD, nominated him for the chancellorship in the elections of 1961 and 1965. While Brandt lost each time to the Christian Democratic incumbent (first Konrad Adenauer, then Ludwig Erhard), the SPD’s share of the vote increased each time he ran.

When the coalition between the Christian Democrats and the pro-business Liberals fell apart in 1966, Brandt’s Social Democrats finally entered the federal government as part of a “grand coalition” with the Christian Democrats. Brandt became vice chancellor and foreign minister. Three years later, after another strong Social Democratic showing at the election, Brandt formed a coalition with the Liberals and was elected chancellor – the first Social Democrat since the late days of the Weimar Republic.

The new alliance with the Liberals was based on two pillars: First, both parties sought domestic reform after two decades of socially conservative Christian Democratic chancellors which had been increasingly out of touch with their modernizing, sometimes rebellious, society. Brandt was particularly sensitive to these social currents and incorporated them into his administration’s agenda, labelled “Mehr Demokratie wagen” (Take a Chance on More Democracy).

The “Take a chance on more democracy” is especially valuable for the West player if West Germany is shaken by unrest in the 1960s – usually as a byproduct of the 1968 student movement – thus referencing Brandt’s role in re-integrating the rebels into the fold of parliamentary democracy. Image ©Histogame.

Second, Brandt had a less misty-eyed look at the division of Germany and Germany’s post-war situation than many of his contemporaries. He accepted the division as an undeniable fact and the German territories incorporated into the Soviet Union and Poland after World War II as irretrievably lost. On this basis, he sought a new understanding with the Soviet Union and East Germany as well as Poland, Nazi Germany’s first victim in World War II. This new approach – (Neue) Ostpolitik ((New) Eastern Policy), as it was called – was to bring tangible benefits to the inhabitants of both German states and effect a long-term change, which would keep the door for German reunification open and help to re-admit Germany into the international community. Brandt accompanied the treaties he made with symbolic gestures – most spectacularly, his kneeling at the Memorial of the Warsaw Ghetto Uprising, widely understood to be a recognition of Germany’s guilt, symbolically taken on by a man who had not been personally guilty.

Brandt’s new foreign policy was controversial. The Christian Democratic opposition charged him with selling out the fatherland for his recognition of Germany’s post-war territorial losses. They motioned for a vote of no confidence, but failed to rally a parliamentary majority around their preferred candidate for chancellor, Rainer Barzel. Brandt called for snap elections which he turned into a plebiscite on him and his foreign policy. The electorate responded enthusiastically. Both Social Democrats and Liberals fared better than in 1969, and Brandt was returned as chancellor with an enlarged majority.

Brandt’s Basic Treaty with East Germany (ratified in 1973) was seen as an implicit recognition of East Germany – both by his domestic opponents and the East German leadership. The resulting increase in East German standing is reflected in the (double!) prestige advance for the East this event brings (plus improved access to western currency). West Germany’s advantage from the treaty was rather long-term: Increased East-West relations eroded East German from within, and the framework of cooperation between the two countries weakened the East German leadership’s resolve to suppress the 1989 popular uprising. These intra-Eastern factors are left out of the event card. Instead, it provides another opportunity for West Germany to get rid of the unrest it might have incurred from left-wing fringe activities in the country. Image ©Histogame.

The 1972 was the high-water mark of Brandt’s chancellorship. Disagreement in the coalition about economic and fiscal policy after the end of the Bretton Woods system, during which Brandt seemed to be aloof even though two ministers of finance resigned (eventually, the ambitious Helmut Schmidt took the post), was exacerbated by the 1973 oil crisis. The increased energy costs further fueled inflation (which had been high before already), and the resulting demands for wage hikes threatened to send the country into a wage-price spiral (and, in the case of West Germany’s millions of public employees, directly affect public spending).

The 1973 Oil Crisis event in Wir sind das Volk! is a nuisance if West Germany is well prepared and domestically quiet… or a knock-out blow if West Germany isn’t. Image ©Histogame.

The coup de grace for Brandt’s chancellorship came from another direction, though. When Brandt’s aide Günter Guillaume was exposed as an East German spy, Brandt resigned on May 6, 1974. His cabinet ministers and the SPD parliamentary group did not lift a finger to stop him. Helmut Schmidt was elected chancellor, continuing the coalition with the Liberals.

In addition to some unrest in West Germany and a prestige shift to the West’s disadvantage, the Guillaume Affair event in Wir sind das Volk! provides a unique advantage (middle icon): The East player may look either at the West’s hand or the draw deck and exchange or discard one of the two cards inspected. This massive advantage seems slightly out of proportion for the relatively low-level information Guillaume conveyed to the East German secret service (most of which concerned activities of the Social Democratic party and the trade unions). The different scales with which the games treats Western and Eastern events is discussed by the designers in the design notes for the game. Image ©Histogame.

Brandt remained chairman of the Social Democratic Party, in which he was still tremendously popular, until 1987. He was elected Chairman of the Socialist International in 1976 and revived this forum of the democratic socialist parties of the world.

Brandt’s foreign policy as chancellor would see itself crowned with success when the Berlin Wall came down in 1989 and Germany was reunited the year after. The intra-German détente had been instrumental in the East German leadership’s decision to quietly step down instead of cracking down on the protests as the Chinese Communists had done. Brandt was content to see it. He died on October 8, 1992, in the united Germany he had helped bring about, in the democratic Germany he had shaped.

The Rating

Foreign policy:

Brandt’s Ostpolitik was equally daring and successful. He threw out tenets of West Germany foreign policy like the iron rule of no direct talks with the East German government and the claim to the former eastern territories of Germany and instead established a new foreign policy world of German negotiations across Cold War borders. Brandt’s approach tangibly improved the life of Germans on both sides of the Wall through eased transit regulations while laying a foundation for further peaceful exchange – borders were declared inviolable (but not immutable!) – which kept the door for reunification open. At the same time, Brandt improved West Germany’s standing in the world, which helped with the country’s admittance to the United Nations in 1973 and netted Brandt the Nobel Peace Prize in 1971. Finally, Brandt re-started the Franco-German Rapprochement which resulted in the enlargement of the European Community (1973) and paved the way for the founding of the European Union.

Rating: 5 out of 5.
Politics with positive effects on everyday life: Brandt’s Transit Agreement with East Germany eased the flow of goods and people. Germans on both sides of the Wall benefitted from it. Image ©Histogame.

Domestic policy:

Brandt’s far-reaching domestic reform program was ambitious. Some of his more notable projects:

  • The legal (and voting) age was lowered from 21 to 18, levelling the gap between civic rights and civic duties (the conscription age had already been 18)
  • Divorce did not require assigning guilt to one spouse anymore
  • Abortion was decriminalized (while technically still forbidden), a delicate compromise which persists until today
  • Democracy was extended from the purely political to other spheres of life, most notably by strengthening institutionalized labor representatives in companies (Betriebsräte, work councils)

The reform agenda did not only increase civic liberties, it was also crucial for integrating most of the rebellious youth of 1968 into German society. The few that turned to revolutionary violence were successfully opposed by Brandt with the centralization of the police which was instrumental to the arrest of the first generation of the RAF terrorists. In some respects, Brandt’s measures to defend democracy against radicals went too far, though: His “Radicals Decree” mandated extensive background checks on all (prospective) public servants. While theoretically ideologically neutral, the decree targeted only leftists in practice and was in stark contrast to the many former Nazi officials who had continued their careers with nary a dent after 1945.

Rating: 4 out of 5.
Brandt’s police reforms led to the arrest of the first generation of the RAF terrorists. Their epigones fought on, mostly to obtain the release of their imprisoned comrades-in-arms, but with no chance to win the German population for their cause. Image ©Histogame.

Economic policy:

Brandt’s economic record is mixed: On the one hand, his strengthening of labor representation in companies contributed to West Germany weathering the crisis of the mid- to late 1970s better than most other industrialized economies, and with fewer rifts in the social fabric. This mixed record is neatly exemplified by the cards representing the 1970s steel crisis on the one hand and the boom of the German car industry on the other – West Germany’s economy in the 1970s can go either way!

Despite this overall success, Brandt’s individual economic decisions were not always sound: He expanded public expenses when classical liberal, budding monetarist, and even Keynesian economics would have called for budget cuts to combat inflation. Germans were haunted by the specter of 1923. He meddled in collective bargaining, calling on the trade unions to forgo wage increases in an age of high inflation and high corporate profit increases (and, unsurprisingly, failed, further damaging his reputation in 1974).

Brandt’s economic policy is best captured in his decision to flexibilize the retirement age: While that improved the well-being of those able to retire earlier (and would help to keep unemployment in check in the economically anemic 1970s and 1980s), it put a cost on the working population and the taxpayers who had to shoulder higher expenses for pensions.

Brandt, however, offered a vision out of the economic woes: In his 1972 inauguration address, he favored improving the “quality of life” over growth or GDP numbers. This post-materialistic outlook was ahead of its time.

Rating: 3 out of 5.

Vision:

Brandt envisioned a broadly democratic, unified Germany. His domestic reform agenda helped to bring the former closer to perfection; his foreign policy laid the groundwork for the latter. Neither would have been realistically imaginable to an observer in the 1960s.

Rating: 5 out of 5.
One gesture, a myriad of consequences: Brandt’s kneeling in Warsaw opened up avenues of détente with Poland, helped re-integrate Germany into the international community, and led the way for Europe to step out of the shadow of World War II. Image ©Histogame.

Pragmatism:

Brandt enjoyed a complex relationship with his sources of power. As West Germany’s first real media chancellor, he enjoyed a veritable hype during his first term, before the press dropped him in the second. He was popular with the electorate and able to form a lasting government coalition (which endured for another eight years after his resignation), but could not hold on to the reins under pressure: He left challenges to his leadership from the SPD parliamentary party and his ministers unchecked, something which his challengers interpreted as weakness. When he needed allies during the Guillaume affair, he had none willing to fight for him.

Rating: 2 out of 5.

Integrity:

Brandt earnestly attempted to improve life for all Germans on both sides of the Wall. His government engaged in fewer give-and-take with the traditional interest groups of West Germany (the farmers’ associations, the churches, the employers, and even the traditional trade union allies of the Social Democrats) than those of his predecessors. Still, the increased public spending of his government enabled many left-leaning liberals to carve out a niche for themselves at state-sponsored projects dear to their heart. Even though Brandt had been harshly attacked by his political opponents for having been in exile and was left in the lurch by his allies, he treated his political partners reliably and collegially, careful not to exceed the boundaries of his office. When they went low, he went high.

Rating: 4 out of 5.

Summary

Brandt’s impact much exceeds his relatively short time in office. His domestic reforms let Germany catch up with the social changes, his new foreign policy was quietly extended even by the Christian Democrats after their return to power. His shortcomings, especially his casual handling of the office, precluded a longer Brandt chancellorship and thus his chance to fully shape an era. He thus places in the top group of ranked leaders, but slightly behind the leaders of the pack.

  1. Abraham Lincoln 28/30
  2. Franklin D. Roosevelt 25/30
  3. Friedrich Ebert 25/30
  4. Winston Churchill 25/30
  5. Robert Walpole 24/30
  6. Willy Brandt 23/30
  7. Konrad Adenauer 22/30
  8. Harry S. Truman 21/30
  9. John F. Kennedy 17/30
  10. Hermann Müller 17/30
  11. Ludwig Erhard 12/30
  12. Paul von Hindenburg 10/30

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Further Reading

For short overview essays on all German chancellors from Bismarck on, see Sternburg, Wilhelm von: Die deutschen Kanzler. Von Bismarck bis Merkel [The German Chancellors. From Bismarck to Merkel], Aufbau-Verlag, Berlin 2006 (in German).

A concise biography of Willy Brandt is Marshall, Barbara: Willy Brandt. A Political Biography, Macmillan, London 1997.

For the context of Germany’s tumultuous history, see Herbert, Ulrich: A History of Twentieth-Century Germany, Oxford University Press, Oxford 2019.

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