Auf das Spiel Ruhm für Rom wurde ich vor Jahren aufmerksam, aber es war damals schon länger out of print und nur auf dem Gebrauchtmarkt zu meiste extrem hohen Preisen zu bekommen, vor allem wenn man die Erweiterung auch noch haben wollte. Und ich war nicht bereit, diese Preise oft deutlich jenseits der 100 Euro für ein reines Kartenspiel zu bezahlen. Das Grundspiel (auf Deutsch von Lookout) hatte ursprünglich mal 19,90 € gekostet und die Erweiterung Mehr Ruhm für Rom 13,95 €. Auf eBay wurden dafür aber auch schon astronomische Preise von mehreren hundert Dollar bezahlt.
Der amerikanische Ursprungsverlag Cambridge Games Factory wurde 2004 gegründet und Glory to Rome war eines seiner ersten Spiele. Allerdings existiert der Verlag schon über 10 Jahre nicht mehr.
1. Version aus dem Jahr 2005 (Cambridge Games Factory)
Ich hatte das Spiel deshalb eine Zeit lang aus den Augen verloren, bin aber immer wieder darüber gestolpert, vor allem weil es von einigen sehr gelobt wurde. Vor 3 Wochen bin ich dann beim Youtube-Kanal Getting Games auf dieses Video gestoßen Getting Games – Playing with friends
Da spielt Jonathan zusammen mit seinem Kumpel Dave eine Partie Glory to Rome (Originalversion) zu zweit. Nachdem ich mir das Video angesehen hatte, war ich richtig angefixt und wollte das Spiel jetzt doch endlich mal spielen.
Rein von der Optik her hätte ich hier die Version von Lookout Games am liebsten gehabt. Die hat ein comichaftes Artwork, welches mich etwas an Asterix und Obelix erinnert. Aber da lagen bei Kleinanzeigen die Preise (nur für das Grundspiel, welches ursprünglich mal um die 20€ gekostet hatte) bei 75 bis 100 Euro. Und dann hätten mir immer noch die rund 14 Gebäude aus der Erweiterung gefehlt. Wobei 2 der Gebäude (Forum Romanum und Kran) auch in der deutschen Erweiterung „Mehr Ruhm für Rom“ gar nicht enthalten sind.
Ruhm für Rom (Deutsche Version von 2011, Lookout Games)
Nach etwas Stöbern im Netz bin ich auf das Video von Tabletop Turtle aus Kanda aufmerksam geworden: Reviewing Our Custom Glory to Rome! Free Files in the Description! und das versprach eine Lösung. Mike hatte hier eine eigene Version von Glory to Rome „gebastelt“ mit eigenem Artwork, und er stellt diese sogar über Google Drive zur Verfügung.
Und ich war begeistert, dass er nicht nur JPG-, sondern auch PSD-Dateien zum Herunterladen hat, die man mit Photoshop bearbeiten kann. Und das habe ich dann getan. Ich habe die Photoshop-Dateien heruntergeladen und übersetzt. Dabei habe ich mich an dem englischen Text auf den Karten und nicht an der Lookout-Übersetzung orientiert. Nach 1 Woche Arbeit war ich dann und habe die Karten bei meinspiel.de drucken lassen. Da es jedoch 244 Karten sind, ich bei meinspiel aber nur 33, 55 oder 110 Karten auswählen konnte, habe ich mich auf 220 Karten beschränkt und 24 weggelassen.
Hier mal 9 beispielhafte Gebäude (Orte) aus der Version von Mike.
Das finde ich auch nicht so schlimm. Einige der Gebäude gibt es nämlich 6-mal im Spiel, die meisten aber immer nur 3-mal. Und und von diesen Karten habe ich 24 Karten weggelassen, da ich nicht denke, dass diese das Spiel großartig beeinflusst.
Bezahlt habe ich dafür knapp 57 € und musste mir dann nur noch ein Spielertableau basteln, da Mike seines leider nicht als PSD-Datei zur Verfügung gestellt hat. Netter Nebeneffekt: Ich hab meine Photoshop-Skills in den letzten Tagen erheblich erweitert. Hier das Ergebnis.
Die Karten waren schnell gedruckt, auch wenn ich leider ein englisches Wort beim Übersetzen vergessen habe („Wood“ auf der Karte Anlegestelle, siehe oben). Und diese Woche konnte ich es dann zum ersten Mal spielen. Dabei haben wir eine verkürzte Spielvariante aus den Lookout-Regeln verwendet. Hier nimmt man nur die Hälfte der Auftragskarten und wir haben auch nur 3 Bauplätze von jeder Art verwendet.
Unsere Partie zu zweit hat 50 Minuten gedauert und uns beiden so viel Spaß gemacht, dass wir es nächste Woche wieder spielen werden. Ich freue mich auch schon auf Partien zu dritt, viert oder fünft, da ich denke, dass das Spiel dadurch noch deutlich gewinnt. Allerdings benötigt man für die vielen Karten dann auch ordentlich Platz auf dem Tisch.
Glory to Rome – English Black Box Edition (2012, Cambridge Games Factory)
Nun aber noch kurz zum Spielablauf. In Ruhm für Rom errichten wir Rom wieder, welches bei einem Aufruhr im Jahr 64 n. Chr. vom Feuer verwüstet wurde.
Ruhm für Rom ist eines der ersten Multi-Use-Kartenspiele. Eine Karte ist dabei sowohl eine von 6 Rollen (Kaufmann, Arbeiter, Legionär, Architekt …), eines von 6 Materialien (Stein, Marmor …) und auch ein Gebäude (Ort), welches wir errichten können.
In jeder Runde entscheidet der Anführer ob er eine Rolle anführt oder nachdenkt. Bei letzterem zieht er Karten nach. Führt er eine Rolle an, so können die Mitspielenden dieser folgen, wenn sie eine entsprechende Rollenkarte oder einen Senator (Joker) auf der Hand haben.
Ziel ist es, möglichst viel Einfluss zu erlangen, den man durch das Errichten von Gebäuden erhält und Siegpunkte durch Karten in seinem Tresor zu bekommen.
Fazit: Mir gefällt bei Ruhm für Rom besonders, dass er sehr interaktiv ist, oft auch etwas gemein, und das hier keine Downtime aufkommt, da man dem Zug der Mitspielenden immer folgen kann. Es spielt sich sehr gut zu zweit, ich denke aber, dass es mit mehr Mitspielenden noch etwas besser ist. Man braucht für das Spiel ordentlich Platz auf dem Tisch und muss aufpassen, dass man bei den vielen Karten nicht den Überblick verliert. Auch sollte man sich die Effekte der Gebäude immer genau durchlesen. Die können zum Teil sehr mächtig sein und einem auch durchaus overpowered vorkommen. Das macht aber gar nichts, da die Gebäude ja mehrfach vorhanden sind und es genug weitere Gebäude mit mächtigen Effekten gibt.
Von mir bekommt Ruhm für Rom nach unserer ersten Partie eine 8 von 10.
Karten aus der Black Box Edition von 2012 (Bildquelle: BGG, Jonathan Schindler)Karten aus der Lookout Version von 2011 (Bildquelle: BGG, André E)
Zu guter Letzt noch eine Fan-made-Version die ich persönlich auch sehr cool finde. Glory to Rome in einer Asterix-Variante: Asterix reskin von Tor Gjerde
Auf das Spiel Ruhm für Rom wurde ich vor Jahren aufmerksam, aber es war damals schon länger out of print und nur auf dem Gebrauchtmarkt zu meiste extrem hohen Preisen zu bekommen, vor allem wenn man die Erweiterung auch noch haben wollte. Und ich war nicht bereit, diese Preise oft deutlich jenseits der 100 Euro für ein reines Kartenspiel zu bezahlen. Das Grundspiel (auf Deutsch von Lookout) hatte ursprünglich mal 19,90 € gekostet und die Erweiterung Mehr Ruhm für Rom 13,95 €. Auf eBay wurden dafür aber auch schon astronomische Preise von mehreren hundert Dollar bezahlt.
Der amerikanische Ursprungsverlag Cambridge Games Factory wurde 2004 gegründet und Glory to Rome war eines seiner ersten Spiele. Allerdings existiert der Verlag schon über 10 Jahre nicht mehr.
1. Version aus dem Jahr 2005 (Cambridge Games Factory)
Ich hatte das Spiel deshalb eine Zeit lang aus den Augen verloren, bin aber immer wieder darüber gestolpert, vor allem weil es von einigen sehr gelobt wurde. Vor 3 Wochen bin ich dann beim Youtube-Kanal Getting Games auf dieses Video gestoßen Getting Games – Playing with friends
Da spielt Jonathan zusammen mit seinem Kumpel Dave eine Partie Glory to Rome (Originalversion) zu zweit. Nachdem ich mir das Video angesehen hatte, war ich richtig angefixt und wollte das Spiel jetzt doch endlich mal spielen.
Rein von der Optik her hätte ich hier die Version von Lookout Games am liebsten gehabt. Die hat ein comichaftes Artwork, welches mich etwas an Asterix und Obelix erinnert. Aber da lagen bei Kleinanzeigen die Preise (nur für das Grundspiel, welches ursprünglich mal um die 20€ gekostet hatte) bei 75 bis 100 Euro. Und dann hätten mir immer noch die rund 14 Gebäude aus der Erweiterung gefehlt. Wobei 2 der Gebäude (Forum Romanum und Kran) auch in der deutschen Erweiterung „Mehr Ruhm für Rom“ gar nicht enthalten sind.
Ruhm für Rom (Deutsche Version von 2011, Lookout Games)
Nach etwas Stöbern im Netz bin ich auf das Video von Tabletop Turtle aus Kanda aufmerksam geworden: Reviewing Our Custom Glory to Rome! Free Files in the Description! und das versprach eine Lösung. Mike hatte hier eine eigene Version von Glory to Rome „gebastelt“ mit eigenem Artwork, und er stellt diese sogar über Google Drive zur Verfügung.
Und ich war begeistert, dass er nicht nur JPG-, sondern auch PSD-Dateien zum Herunterladen hat, die man mit Photoshop bearbeiten kann. Und das habe ich dann getan. Ich habe die Photoshop-Dateien heruntergeladen und übersetzt. Dabei habe ich mich an dem englischen Text auf den Karten und nicht an der Lookout-Übersetzung orientiert. Nach 1 Woche Arbeit war ich dann und habe die Karten bei meinspiel.de drucken lassen. Da es jedoch 244 Karten sind, ich bei meinspiel aber nur 33, 55 oder 110 Karten auswählen konnte, habe ich mich auf 220 Karten beschränkt und 24 weggelassen.
Hier mal 9 beispielhafte Gebäude (Orte) aus der Version von Mike.
Das finde ich auch nicht so schlimm. Einige der Gebäude gibt es nämlich 6-mal im Spiel, die meisten aber immer nur 3-mal. Und und von diesen Karten habe ich 24 Karten weggelassen, da ich nicht denke, dass diese das Spiel großartig beeinflusst.
Bezahlt habe ich dafür knapp 57 € und musste mir dann nur noch ein Spielertableau basteln, da Mike seines leider nicht als PSD-Datei zur Verfügung gestellt hat. Netter Nebeneffekt: Ich hab meine Photoshop-Skills in den letzten Tagen erheblich erweitert. Hier das Ergebnis.
Die Karten waren schnell gedruckt, auch wenn ich leider ein englisches Wort beim Übersetzen vergessen habe („Wood“ auf der Karte Anlegestelle, siehe oben). Und diese Woche konnte ich es dann zum ersten Mal spielen. Dabei haben wir eine verkürzte Spielvariante aus den Lookout-Regeln verwendet. Hier nimmt man nur die Hälfte der Auftragskarten und wir haben auch nur 3 Bauplätze von jeder Art verwendet.
Unsere Partie zu zweit hat 50 Minuten gedauert und uns beiden so viel Spaß gemacht, dass wir es nächste Woche wieder spielen werden. Ich freue mich auch schon auf Partien zu dritt, viert oder fünft, da ich denke, dass das Spiel dadurch noch deutlich gewinnt. Allerdings benötigt man für die vielen Karten dann auch ordentlich Platz auf dem Tisch.
Glory to Rome – English Black Box Edition (2012, Cambridge Games Factory)
Nun aber noch kurz zum Spielablauf. In Ruhm für Rom errichten wir Rom wieder, welches bei einem Aufruhr im Jahr 64 n. Chr. vom Feuer verwüstet wurde.
Ruhm für Rom ist eines der ersten Multi-Use-Kartenspiele. Eine Karte ist dabei sowohl eine von 6 Rollen (Kaufmann, Arbeiter, Legionär, Architekt …), eines von 6 Materialien (Stein, Marmor …) und auch ein Gebäude (Ort), welches wir errichten können.
In jeder Runde entscheidet der Anführer ob er eine Rolle anführt oder nachdenkt. Bei letzterem zieht er Karten nach. Führt er eine Rolle an, so können die Mitspielenden dieser folgen, wenn sie eine entsprechende Rollenkarte oder einen Senator (Joker) auf der Hand haben.
Ziel ist es, möglichst viel Einfluss zu erlangen, den man durch das Errichten von Gebäuden erhält und Siegpunkte durch Karten in seinem Tresor zu bekommen.
Fazit: Mir gefällt bei Ruhm für Rom besonders, dass er sehr interaktiv ist, oft auch etwas gemein, und das hier keine Downtime aufkommt, da man dem Zug der Mitspielenden immer folgen kann. Es spielt sich sehr gut zu zweit, ich denke aber, dass es mit mehr Mitspielenden noch etwas besser ist. Man braucht für das Spiel ordentlich Platz auf dem Tisch und muss aufpassen, dass man bei den vielen Karten nicht den Überblick verliert. Auch sollte man sich die Effekte der Gebäude immer genau durchlesen. Die können zum Teil sehr mächtig sein und einem auch durchaus overpowered vorkommen. Das macht aber gar nichts, da die Gebäude ja mehrfach vorhanden sind und es genug weitere Gebäude mit mächtigen Effekten gibt.
Von mir bekommt Ruhm für Rom nach unserer ersten Partie eine 8 von 10.
Karten aus der Black Box Edition von 2012 (Bildquelle: BGG, Jonathan Schindler)Karten aus der Lookout Version von 2011 (Bildquelle: BGG, André E)
Zu guter Letzt noch eine Fan-made-Version die ich persönlich auch sehr cool finde. Glory to Rome in einer Asterix-Variante: Asterix reskin von Tor Gjerde
Wir zeigen euch, wo ihr für eure Spieleprojekte Fördergelder und Zuschüsse erhaltet – egal, ob ihr ein Verein, Forschende, Lehrende, ein Unternehmen, eine Spieleautorin oder ein Spieleautor seid. Es gibt zahlreiche Förderungen von Bund, Ländern, Kommunen, Stiftungen und anderen Organisationen. Wir konzentrieren uns im Text auf nationale Förderungen, können aber unmöglich alle Fördermöglichkeiten aufführen. Wenn euch weitere wichtige Fördermöglichkeiten bekannt sind, freuen wir uns über einen Kommentar. Internationale Programme und EU-Förderungen werden nicht erwähnt. Förderprogramm des Vereins „Spiel des Jahres“ Der Verein Spiel des Jahres unterstützt Projekte, die das Kulturgut Brettspiel in der Gesellschaft stärken. Geld erhalten Vorhaben mit einem
Mit Weimar bringen Skellig Games und Spielworxx in Kooperation einen Politik-Kracher von Matthias Cramer auf den Markt und buhlen um einen Platz in eurem Spieleregal. Mit Doublelayer-Board und viel bedrucktem Holzmaterial möchte das Spiel sein historisches Thema in Szene setzen. Doch es gibt einen Haken: Mit Ausnahme des Solo-Modus ist das Spiel nur mit genau 4 Spielern spielbar. Ob das gut geht?
Die Quadratur des Gleichgewichts des Schreckens
Starten wir erstmal ganz sacht: Thematisch spielen wir die Entwicklung der Weimarer Republik nach. Das Spiel gliedert diese Zeit von 1918-1932 in 3 Phasen mit je 2 Runden. Die Spieler übernehmen dabei die Führung je einer Partei. Zur Auswahl stehen die SPD, die KPD, die Zentrumspartei und die DNVP.
Mechanisch gesehen spielen wir dabei ein Spiel, das quasi die Evolution der Evolution von Twilight Struggle / Gleichgewicht des Schreckens ist. Gesteuert über Handkarten, sowohl allgemeiner Republikkarten als auch eigener Parteikarten, beeinflussen wir politische Debatten oder unsere Aktivitäten in einer von 11 Städten. Alternativ dazu können wir auch die Effekte der einzelnen Karten spielen. Alles soweit bekannt vom Urvater der kartengetriebenen Konfliktspiele.
Allerdings kommt hier noch der Mechanismus der Aktionen mit hinzu – einer Ebene, die im Vergleich gänzlich neu ist. Und eine ganz neue Stufe an Interaktion ermöglicht: Zwar sind die Grundaktionen identisch bei allen Parteien. Es gibt aber auch Ausnahmen. Diese finden sich entweder in den Details, oder aber in der direkten Reaktion auf bestimmte Vorkommnisse auf dem Spielplan. So bekommt jede Partei eigene Ziele, Möglichkeiten und Einheiten spendiert. Dadurch erkennt man schnell, dass das Spiel nicht funktionieren würde, wenn nicht in Vollbesetzung gespielt werden würde.
Zugleich zwingt einem das Spiel dadurch auch einen Weg auf, der natürlich dem realistischen Verlauf nachempfunden ist: Die SPD und die Zentrumspartei haben zum Beispiel nur die Möglichkeit eines „Gegenputsches“ als Standard-Aktion. Eine Aktion, die nur dann möglich ist, wenn sie sich in der Regierung befinden. In umgekehrter Art und Weise gilt das für die DNVP und die KPD für die Standard-Aktion „Putsch“. Schafft man es also nicht nach dem realistischen Vorbild zu spielen, schrumpfen die Möglichkeiten und damit der eigene Einfluss.
Alternativ zu diesen Aktionen kann ich Aktionspunkte auch als maximal 2 „Reservepunkte“ aufsparen. Diese Punkte verfallen erst, wenn ich sie einsetze. Das ist nicht nur praktisch, sondern durch eine kleine Detailregel auch politisch unglaublich mächtig: Die parteispezifischen Reaktions-Aktionen kann ich einzig mit Aktionspunkten aus meiner Reserve bezahlen und aktivieren. Da die Anzahl der verfügbaren Reservepunkte stets offenkundig ist, können alle Mitspielenden auch einschätzen, wie Reaktionsfreudig ich gerade vermag zu spielen. Das kommt teilweise schon einer militärischen Abschreckung gleich und erlaubt mir auch mein Timing für bestimmte Aktionen besser zu bestimmen. Etwas Verständnis für diese Mechanik vorausgesetzt ist das hochspannend!
Wie eine Fackel im dunklen Wald
Ein historisches Thema setzt meist auch genaue Kenntnisse voraus, um Spannung und Motive herauszuarbeiten. Ich muss zugeben, dass mein historisches Wissen der Zeit vor 1932 gerne etwas Auffrischung vertragen hat. Ich sage es vorab: Weimar macht sehr vieles richtig! Beginnen wir bei der Anleitung. Die ist sauber strukturiert und gesetzt, klar geschrieben, sehr sehr übersichtlich und geht sparsam mit Bildern und Hinweisen um. Ich hatte zu keiner Zeit das Gefühl hier nicht durchzublicken.
Das Spielfeld und das gesamte Material helfen dabei, das Spiel schnell zu lernen. Das Doublelayer-Spielbrett hilft ungemein, die (optionalen!) Spielhilfen auf den Spielertableaus sind klasse und die einheitliche Symbolik sowie hilfreiches Grafikdesign gestalten den Einstieg zu einem Kinderspiel – zumindest für so ein Schwergewicht. Pro Spieler gibt es eine ganze A4-Seite an Symbolen und Erklärungen – ich habe sie nicht ein einziges Mal benötigt.
So könnte es aussehen……doch das vergrößerte „0-Feld“ macht alle Token lesbar. Super!
Was sich hingegen einschleifen muss, ist das jeweilige Spielziel. Natürlich sind Spielende-Bedingungen klar kommuniziert und es ist auch verständlich, wie man Aktionen und Ereignisse ausspielt. Aber das „warum?“ war mir anfangs nicht immer klar. Geholfen hat dann letztendlich die Übersicht der Siegpunkt-Quellen am Rundenende, um einen groben Plan zu haben, was gut für meine jeweilige Partei ist und was eben nicht.
Darüber hinaus debattiert man mehrere Runden über Themen im Parlament und weiß: Je weiter ein Thema „bei mir“ ist, desto besser. Aber wozu mache ich das? Das erschließt sich dann auch erst am Ende der Runde. Zum einen erhalte ich durch gut platzierte Themen Einfluss im Parlament (und so mit Sitze). Aber all diese Debatten haben letztendlich auch einen Effekt, den ich abhandeln muss: ich werde Startspieler (noch vor dem Kanzler), kann Armut bekämpfen, für Sicherheit sorgen… oder das Gegenteil davon tun.
Das Parlament……und unsere Debatten.
Zwischen zwei Welten
Was mir Weimar nicht leicht macht, ist die Einordnung: Der sehr hohe Anspruch steht einer hervorragenden redaktionellen Arbeit gegenüber. Weimar ist ein hoch komplexes Spiel, aber kein kompliziertes. Ich habe es als sehr angenehm empfunden nahezu niemals darüber nachdenken zu müssen wie etwas nochmal funktioniert. Die Frage war eher wozu ich etwas mache – was der beste Weg ist und wohin die Reise gehen soll.
Um diese Frage zu klären benötigt man wohl mindestens 1-3 Partien in derselben Gruppe, damit auch die Langzeit-Entwicklung der Republik über die 3 Phasen hinweg bekannt sind und die Decks der einzelnen Parteien eingeschätzt werden können. Von den je 2 optionalen Erweiterungsdecks mit je 5 Karten, die jede Partei innerhalb der Partie noch dazu gewinnen kann, ganz zu schweigen.
Republik- und Parteikarten der SPD.
Und diese Hürde muss man dann doch überwinden wollen und vor allem können. Weimar macht einem den Einstieg so leicht wie irgend möglich, was jedoch nicht bedeutet, dass er auch zwingend leichtfällt. Vielmehr muss man das System des Spiels kennen lernen, um es effektiv und zielgerichtet zu spielen. Natürlich kommt man auch in der Erstpartie über die Runden, aber um strategisch statt nur taktisch planen zu können, um sinnvoll agieren statt nur auf seine Kartenhand reagieren zu können muss man einfach sehr viel Wissen aufbauen. Dass das Spiel (mit Ausnahme des Solo-Szenarios) nur zu viert spielbar ist und wohl mit denselben Spielenden mehrfach gespielt werden sollte, macht es nicht gerade einfacher, diese Hürde auch zu nehmen.
Fazit zu Weimar – Der Kampf um die Demokratie
Weimar hat mich nachhaltig beeindruckt. Nicht nur, aber vor allem im Vergleich mit anderen kartengetriebenen Konfliktspielen, die in ihrer Präsentation meist doch eher bieder und zweckdienlich daher kommen. Da ist Weimar anders: Dieses Spiel ist ausgesprochen gut produziert. Das fängt beim üppigen Spielmaterial an und hört beim zugänglichen Grafikdesign noch lang nicht auf. Als Kirsche gibt es dazu noch ein stabiles Papp-Insert, das seinen Namen auch verdient.
Einziger Wermutstropfen ist die benötigte Spieleranzahl von genau vier Spielern und die thematische Komplexität. Hier benötigt man entweder viel Erfahrung im Bereich solcher Spiele, oder aber etwas Sitzfleisch – dann kommt das Hintergrundwissen ganz von allein.
Weimar braucht sich hinter seinen Artgenossen auf keinen Fall zu verstecken, setzt mit dem Aktionsmechanismus sogar noch eine spannende Mechanik oben auf. Die hervorragende Anleitung könnte kaum besser sein und „genretypisch“ gibt es noch ein Begleitheft mit Szenarien, der thematischen Erklärung der Ereigniskarten sowie einer toll geschriebenen und bebilderten Beispielrunde.
Auch wenn ich befürchte keine Spielgruppe für dieses Werk zu haben, hat mich Weimar auf ganzer Linie beeindruckt. Nicht nur als spannendes Spiel, sondern vor allem auch als sehr rundes Gesamtprodukt. Ich ziehe meinen Hut!
Kein Spiel ist für Jedermann. Ob Weimar etwas für euch ist, entscheidet allein ihr.
Die thematische Einbettung ist die Stärke dieser Spiele und auch hier fühlt sich alles hoch thematisch an. Das Beilagen-Material erklärt es auch noch bis ins Detail. Besser geht es nicht – Lehrauftrag erfüllt!
2. Material
Karten, Doublelayer-Spielbrett, bedruckte Holzteile in Hülle und Fülle, dazu noch ein gutes Insert? Dieses Spiel braucht sich hinter keiner EGG-Deluxe-Produktion zu verstecken.
3. Optik
Im Vergleich zu seinen Genrevertretern sehr ansprechend und hochwertig. Allerdings auch klassisch. Sepia ist hier vorherrschend. Was mir persönlich nie gut gefällt sind Fotos auf Spielmaterial. Auch wenn es sich hier um echte Fotos historischer Personen oder Ereignisse handelt, finde ich Zeichnungen einfach schöner. Die Gestaltung ist ansonsten zweckdienlich bis hochwertig.
4. Setup
Wie nicht anders zu erwarten ein Brocken. Hier kommt aber erschwerend hinzu, dass das ansonsten hervorragende Insert nur eine große Wanne für alle Holzteile bietet. Mit etwas 3D-Druck ist da sicherlich schnell Abhilfe geschaffen, aber nicht jeder hat so ein Gerät zuhause.
5. Spieleranzahl
Weimar ist nur mit genau 4 Spielern spielbar und das ist schwierig zu bewerten. Natürlich funktioniert es in dieser Spielerzahl sehr gut, jedoch muss man diese Gruppe auch erstmal formen und fördern, damit das Spiel seine Spannung auch vermitteln kann.
6. Zugänglichkeit
Die Anleitung macht den Job (fast) so gut wie möglich. Eine kleinere Hilfe zu Beginn was die parteispezifischen Ziele sind und worauf man bei Rundenende zu achten hat, hätte etwas Unklarheit während der Erstpartie verhindert. Dennoch macht vor allem das Material hier viel aus, beispielsweise die Vergrößerung des 0-Feldes bei den Debatten.
7. Spieltiefe
Die Spieltiefe ist natürlich überwältigend groß, jedoch kann ich nach meinen Gehversuchen noch nicht abschätzen, wie „gespielt“ man sich später fühlt. Genrevertreter wie Twilight Struggle / Gleichgewicht des Schreckens ziehen ihre Faszination auch aus der Frage, wann ich meinem Gegenüber ein Ereignis erlaube und welche Möglichkeiten er aufgrund des Spielfortschritts bereits/noch hat. Für meinen Teil fühlt sich das etwas „wie auf Schienen“ an. Das ist auch bei Weimar letztendlich der Fall, jedoch durch die 3 statt nur 1 Gegenspieler in kleinerem Maßstab. Die Aktionsmöglichkeiten setzen darüber hinaus noch eine Ebene auf, auch wenn ich hier – je nach Partei – wieder auf bestimmte Aktionen beschränkt bin.
8. Spieldauer
Die Spieldauer ist mit 360 Minuten angegeben. 6 Stunden für ein Spiel, das einen dauernd fordert. Ich persönlich mag lange Spiele, weil sie eine gewisse Entwicklung innerhalb einer Partie überhaupt erst möglich machen. Allerdings spielt dann wieder die benötigte Spieleranzahl nicht gerade in die Karten.
9. Downtime
Da sich die politische Landschaft und das Geschehen in den Städten stetig verändern, kommt hier keine Langeweile auf. Die Züge sind in der Regel zügig abgehandelt. Einzig die Reaktionen per Reserveaktion bzw. Ereigniskarte stoppen manchmal den Spielfluss – auch wenn sie spannend sind.
10. Preis
129,00 € UVP sind beileibe nicht wenig, aber man bekommt auch eine Menge dafür! Eine Menge Spiel, eine Menge Material und vor allem eine Menge redaktioneller Qualität. Wer mit dem Thema etwas anzufangen weiß und eine passende Spielgruppe hat, der wird sicherlich nicht enttäuscht sein.
Ergebnis
Mit 39/50 Punkten erreicht Weimar – Der Kampf um die Demokratie die Bewertung „Empfehlenswert“!
In dieser Kategorie gibt es Aktuelles der drei Kategorien Mäh! (News), Herde (Neuzugänge) und Grasen (Ersteindrücke). Diesen Monat mit Campus Galli, Mondbasis Shackleton, Überfall auf den Palast und einer Escape Academy Box.
Ich habe jetzt mal Neuland gespielt, um mich auf die SdJ-Verleihung vorzubereiten. Meine Meinung zu dem Spiel selbst wird vermutlich im nächsten Redebedarf zu erfahren sein. Ich werde es in diesem Beitrag jedenfalls nicht rezensieren. Aber ich möchte den Anlass nutzen ein paar Worte über Titel, Thema und Tonalität des Spieles zu verlieren, denn es […]
Alte Lagerhäuser haben ja schon etwas
Romantisches. Übereinandergestapelte Holzkisten anstelle von
Real-Time-Bestandsverfolgung, Jahresvorräte an Schrauben, Einmachgläsern und
Backfisch anstelle von On-Demand. Einfach alles irgendwo in die Ecke packen…
wird sich schon irgendwie wiederfinden. Und genau da kommen wir ins Spiel. Denn
der Eigentümer von Wilmot`s Warehouse (Ricky Haggett, Richard Hogg, David King /
CMYK) hatte wohl ähnliche Gedanken. Nur, dass er für den anstrengenden Teil
lieber auf Hilfe zurückgreift. Uns.
Am Samstag geht es rund
Eine arbeitsreiche Woche steht uns in
Wilmot`s Warehouse bevor, was nicht zuletzt an der etwas irritierenden
Verkaufsstrategie des Besitzers liegt. Denn gehandelt wird hier nur samstags,
dafür aber so ziemlich alles, was der Kunde sich nur wünschen kann. Lange
schwarze Stäbe mit einem roten Punkt an der Spitze? Kein Problem. Ein weißer
Kreis mit 4 Strichen darüber? Drei Ovale mit farbigen Rauten darin? Haben wir
alles. Jetzt wäre es nur hilfreich, wenn wir auch noch wüssten, wo wir das
alles hin geräumt haben.
Stressige Arbeitsstage
Zu Wochenbeginn sieht es noch so aus,
als wäre das gar nicht so wild. Denn das Lagerhaus ist leer. An jedem Wochentag
ziehen wir nun aber nacheinander 7 Plättchen, die allerlei verwirrende Bilder
zeigen. Die gezogene Ware platzieren wir im Lagerhaus, natürlich verdeckt. Als
Mitarbeiter sind wir angehalten, uns das Bild und die genaue Position zu
merken. Wie wir das schaffen, ist uns überlassen. Allerdings haben sich Geschichten
bewährt. Und damit das nicht zu einfach wird, ziehen wir regelmäßig
Ideen-Karten, die mit besonderen Regeln aufwarten. So dreht sich plötzlich das
Lagerhaus, wir sehen nur Teile der Karten oder die Kommunikation wird
eingeschränkt. Glücklicherweise findet all das kooperativ statt, kleinere
Gedächtnislücken können die Mitspielenden ausbügeln.
Der Kunde ist… nervig
Wenn das Lagerhaus gefüllt ist und der
Verkauf startet, wird es hektisch. Denn nun bekommt jeder einen Stapel mit
Kundenwünschen, die wir korrekt den verdeckten Waren zuordnen müssen.
Allerdings kann selbst das größte Lagerhaus nicht alles fassen, weshalb viele
der gewünschten Produkte gar nicht vorrätig sind. Das macht es deutlich
schwieriger, insbesondere da sich einige der Bilder stark ähneln. Das knappe
Zeitlimit führt ebenfalls nicht zu Entspannung und bestimmt, zusammen mit
Fehlern, unsere finale Wertung.
Fazit
Einen Berg verschiedener Bildkarten
merken und diese dann auch noch unter Zeitdruck den korrekten Waren zuordnen?
Ich sehe große Teile aller Spielenden direkt das Weite suchen. Aber das wäre
ein Fehler. Denn Wilmot`s Warehouse schafft es, auch Memory-Muffel und
Hektik-Hasser zu begeistern. Schütteln zu Beginn alle noch den Kopf und
verzweifeln ob der unlösbar erscheinenden Aufgabe, ist die Begeisterung nach
der Partie umso größer. Es beeindruckt, wie viel wir uns tatsächlich merken
können. Dazu tragen auch die absolut gelungenen Bilder bei, die viele
Interpretationen erlauben. Ob Schloss, Tasse oder Halskette ist oft nur eine
Frage des Blickwinkels. Den fantasievollen Geschichten sind dadurch kaum
Grenzen gesetzt.
Auch der kooperative Ansatz weiß zu
gefallen. Einerseits kommen eigene Wissenslücken weniger zum Tragen, Fehler
sind selten die Schuld Einzelner. Dadurch steigt die Begeisterung über das
gemeinsam erreichte. Andererseits fordert gerade die hektische Schlussphase
auch jeden heraus, sofern man den Highscore im Blick hat. Wobei gerade das
Zeitlimit für die Bestwertung doch etwas sehr knapp zu sein scheint. Zudem
wirken die Ideen-Karten hier und da etwas uninspiriert und die Regeln sind nicht
immer ganz klar. Trotz dieser kleinen Schwäche hat mich Wilmot`s Warehouse
begeistert wie wenige Memory-Spiele zuvor. Allerdings nur für maximal 2 Partien
in Folge… mehr bekommt mein Gehirn dann doch nicht sortiert.
Spielefans aufgepasst! Am 16. August 2025 heißt es wieder „Bremen-Nord spielt!“ – der gemütliche Spieletreff für alle, die Lust auf einen unterhaltsamen Nachmittag voller Brett- und Kartenspiele haben.
Von 15:00 bis 21:00 Uhr könnt ihr euch mit Gleichgesinnten an den Spieltisch setzen, neue Spiele entdecken oder eure Lieblingsspiele mitbringen. Über 100 Spiele stehen zur Auswahl – ob strategisch oder kooperativ, hier ist für jeden was dabei!
Die Plätze sind auf 40 Personen begrenzt, also sichert euch schnell euren Platz. Kommt vorbei, bringt Freunde mit und erlebt gemeinsam einen tollen Spieletag!
Es hat etwa ein halbes Dutzend Partien gedauert bis es mir gelang, Endeavor Die Tiefsee im kooperativen Modus zu gewinnen. Ich hatte das Spiel zu diesem Zeitpunkt in jeder Besetzung probiert und auch immer wieder neuen Spieler*innen vorgestellt. Dennoch amüsierte es mich sehr, dass es mir auch nach mehreren Anläufen nicht gelingen wollte, das Spiel […]
An Age Contrived versetzt dich in eine bunte Fantasy-Welt, in der ihr als Götter um Einfluss ringt, die selbst in Form ihrer fantastischen Avatare durch die Gegend wandeln. Das klingt episch – liefert das Spiel auch, was das Setting verspricht?
Das Worldbuilding
Die Hintergrundgeschichte, die wir in der Anleitung erfahren, klingt erstmal interessant: Wir sind Götter, die (sich selbst) Monumente errichten lassen möchten, um ihre Macht zu demonstrieren und zu festigen. Dazu wandeln sie als sogenannte Avatare selbst über die Welt und beeinflussen die Lebenden. Ziel ist natürlich, nicht in Vergessenheit zu geraten. Klingt ein wenig nach Ankh? Stimmt soweit auch. Jedoch geht An Age Contrived gänzlich andere Wege und ist ein kampfloses Strategiespiel mit einem Planungs-Puzzle – also ein waschechtes Euro.
Die unterschiedlichen Götter haben individuelle Fähigkeiten und heben sich zum Glück aus dem sonst so bekannten Fantasy-Einheitsbrei ab. Mein Favorit ist der „Baumgott“ – wohl angelehnt an den Film „The Green Knight“ – den ich aufgrund seiner Miniatur auch liebevoll „Brokkoli-Mann“ getauft habe. Die grafische Präsentation macht definitiv Lust auf mehr. Man muss sich jedoch gewiss sein, dass man hier keine Quest nachspielt, sondern ein Logikpuzzle möglichst effizient auszuführen hat. Es ist ein Euro, und da bleibt die Welt manchmal dann doch etwas oberflächlicher als in einem Abenteuerspiel.
Magnetisierend!
Was das Spiel besonders macht, ist das Material: Die dicken, hochwertig verarbeiteten Pappteile enthalten kräftige Magnete und halten angenehm fest – ein echtes Highlight am Tisch. Jeder neue Spieler muss sie sofort anfassen und begeistert testen. Das macht nicht nur optisch was her, sondern fühlt sich auch gut an.
Etwas schade ist es dann, dass das zentrale Spielbrett selbst nicht magnetisch ist. Die Bauplätze der Monumente sind mit Metallkonstruktionen versehen, welche bei Spielaufbau in das Board integriert werden sollen. Das ist durch das sechsteilige Spielbrett mit etwas Übung zwar möglich, ist jedoch im Vergleich zu den ansonsten hervorragend produzierten Monument-Tiles etwas umständlich gelöst.
Generell kann ich für mich festhalten: Die Magnete sind durchaus hilfreich und beim schrittweisen Aufbau der Monumente auch bitter nötig, um das Spiel nicht zu einem Geschicklichkeitsspiel verkommen zu lassen. Dennoch bleiben die Monumente selbst im Endeffekt nicht mehr als Papp-Gebäude in Brettspielen eben sein können.
Schwierige Struktur der Anleitung
Die Anleitung ist ein kleiner Stolperstein. Inhaltlich ist alles drin, was man braucht – aber die Struktur wirkt manchmal unübersichtlich. Die Infos sind da, aber nicht immer dort, wo man sie braucht oder erwartet. Immer wieder muss man blättern, nachschlagen, querlesen. Das bremst vor allem in der Kennenlernphase ein. Schon während des Aufbaus soll ich plötzlich auf Seite 22 Springen, während der Einleitung der Erklärung direkt zwei verschiedene Doppelseiten querlesen. Das erschwert den Einstieg unnötig, zumal die besagte Information auf auf diesen Seiten dann nicht direkt auffindbar ist.
Zentrales Minigame (der Aktionssteine)
Erinnert ihr euch, dass ich oben von „Eurogame“ sprach? Die Aktionssteine, die man nach und nach „programmiert“, sind das Herzstück des Spiels und qualitativ hochwertig. Sie ähneln stark den Steinen, wie man sie beispielsweise in Azul findet. Wer es mag, Abläufe im Kopf zu durchplanen, Ressourcen sinnvoll zu nutzen und sich Schritt für Schritt Vorteile zu erarbeiten, wird hier gefordert.
Jeder Stein, der das eigene Tableau verlässt, löst eine kleine Kettenreaktion aus – und genau das macht Spaß. Das Timing ist entscheidend, und es fühlt sich richtig gut an, wenn der eigene Plan aufgeht.
Mechanisch sind die Energiesteine ein cleveres Puzzle: Welche Steine lade ich auf? In welcher Reihenfolge schiebe ich sie in Plättchen über mein Tableau, um die gewünschten Effekte auszulösen? Wo werden sie wann sein?
Das ist jedoch manchmal Fluch und Segen zugleich: Wenn ich dran bin, kann ich entweder den Inhalt meines Tableaus gesamt um eine Position nach rechts verschieben – das führt zu „Das Verrückte Labyrinth-Vibes“! Oder aber ich löse Aktionen aus – so viele und so oft ich kann und möchte. Was sich im ersten Moment als „überschaubar wenige Optionen“ durchaus positiv liest, birgt beim genaueren Hinsehen aber unglaubliches Optimierungs-Potenzial, und das kann zu ausufernder Downtime führen.
Wird dann noch ein Teil des Monuments gebaut und der eigene Anteil daran gewertet, können Unbeteiligte sich auch mal eine Auszeit gönnen. Wäre es hier nicht viel spannender gewesen, pro Zug nur eine einzelne Aktion zu ermöglichen?
Verwirrende Symbolik & belanglose Bewegung
Zwar sind viele Icons grafisch sauber gestaltet, doch in der Fülle der Symbole verliert man manchmal den Überblick. Besonders neue Spieler tun sich schwer, die Zusammenhänge auf Anhieb zu erfassen – viele Symbole wirken zunächst ähnlich, transportieren aber völlig unterschiedliche Funktionen – hier ist anfangs Nachschlagen angesagt.
Die Bewegung der eigenen Miniatur, die man eigentlich als ein zentrales Spielelement erwarten würde, ernüchtert ein wenig. Statt sich wirklich als Gottheit über das Spielfeld zu erheben, fühlt man sich eher wie eine Art Sidekick, der Boni einsammelt, indem man eine der wenigen Brücken überquert – abseits davon ist die Bewegungsaktion eigentlich unnütz und kann zu verschwendeten Aktionen führen. Die Positionierung hat kaum Einfluss auf strategische Entscheidungen. Das fühlt sich nicht göttlich an, sondern mechanisch – und macht die Bewegung zu einem von vielen Pflichtschritten, der selten wirklich spannend ist.
Aber wie zuvor gesagt: Es ist ein Eurogame und legt somit andere Schwerpunkte als ein Abenteuerspiel. Man muss einfach wissen, was für eine Art von Spiel man kauft, und wird dann auch nicht überrascht, dass weniger Abenteuer drin steckt, als das Wordbuilding und die Optik vermuten lassen.
Von Schein und Sein
Die mechanische Handhabung der Steine ist etwas repetitiv, da der Kern des Spiels die Optimierung dieses Puzzles ist. Das Spiel wartet mit viel Thema auf, was durch die Mechanik dann wenig widergespiegelt wird.
Ein guter Vergleich dazu ist Vindication. Auch hier ist das Thema die eigentliche Triebfeder – spielerisch tauscht man eigentlich nur farbige Steine in andere um und gibt sie dann aus.
Wenn euch das bei Vindication nicht beeindruckt hat, dann solltet ihr überlegen, bevor ihr zuschlagt. Wenn ihr Vindication jedoch mochtet, dann ist An Age Contrived auf jeden Fall einen Blick wert! Schaut doch mal bei Skellig Games vorbei, wenn ihr euch zur Zielgruppe zählt – und macht euch ein eigenes Bild. Dort wird das Spiel bald verfügbar sein.
Fazit zu An Age Contrived
An Age Contrived hat viele gute Ideen und ein starkes zentrales Minigame, das logisch, planbar und befriedigend ist. Das Material hinterlässt gemischte Gefühle: beeindruckend in der Qualität ist es allemal. Etwas an dem Spiel verspricht Abenteuer, obwohl sehr viel Eurogame drin steckt. Die Anleitung erschwert den Einstieg unnötig.
Thematisch bleibt eurotypisch vieles eher an der Oberfläche. Zwar haben alle Aktionen, Möglichkeiten und Auswirkungen thematische Bezeichnungen, aber letztendlich macht man eigentlich nichts anderes als Steine von seinem Tableau irgendwo hin zu legen.
Das eigentliche Spiel – die Optimierung des Tableaus – macht dennoch eine Menge Spaß!Trotz der Anzahl an Kritikpunkten in diesem Test kann ich mir dennoch gut vorstellen, dass An Age Contrived in manchen Gruppen genau das richtige sein kann.
Das bedeutet auf der anderen Seite aber auch, dass es kein Selbstläufer ist und ihr nicht blind, sondern mit Bedacht kaufen solltet. Wie eigentlich immer, oder?
Im Bereich der thematischen Euros hat An Age Contrived mit seiner individuellen und frisch wirkenden Aktionssteine-Mechanik definitiv genug Alleinstellungsmerkmale, um sich seine Fanbase zu ergattern.
Kein Spiel ist für Jedermann. Ob An Age Contrived etwas für euch ist, entscheidet allein ihr.
Das Thema lässt im Verlauf der Kennenlern-Partie leider stark nach. Den thematischen Unterbau, den das Wording und die Erklärung aufbauen, verblasst leider schnell hinter einer unerwartet eintönigen Mechanik. Bis dahin ist die Welt aber doch eigenständig und interessant.
2. Material
Etliche Token in hoher Qualität, ein sehr hochwertiges Regelheft, Spiel- und Aufbauhilfen, die hervorragenden Steine und magnetische Papp-Teile samt Unterkonstruktion aus Metall. An Age Contrived macht vieles richtig. Dass die Gebäude dann letztendlich doch recht plump wirken und dass gerade für den Aufbau wichtige Magnete im Spielbrett fehlen, verhindert die vollen 5 Punkte.
3. Optik
Das Spiel ist schon liebevoll gemacht, keine Frage! Doch gibt es einige Design-Entscheidungen, die ich fragwürdig finde. Zum einen haben alle Fraktionen je zwei Farben, von denen man sich eine während des Setups aussuchen darf. Das erschwert den Lern- und Unterscheidungsprozess deutlich. Die Icons sind nicht immer aussagekräftig und der Spielplan zwar schön, aber auch teilweise unübersichtlich. Handwerklich aber ist das Design über jeden Zweifel erhaben.
4. Setup
Uff, das dauert! Hier Token, da Steine, Plättchen drunter, Marker drüber, Marker nur zum Aufbau, und bei weniger als 3 Spielern kommen nochmal weitere Steine dazu bzw. manche Plättchen wieder weg. Ich bin ganz ehrlich: Ein Expertenspiel wie ein Lacerda verbraucht nicht mehr Zeit beim Aufbau.
5. Spieleranzahl
An Age Contrived ist immer spielbar, leidet aber ab 3 Spielern an einem deftigen Problem: Einen Bauabschnitt eines Monuments zu errichten, benötigt immer (!) 3 Steine von Mitspielenden. Das Problem dabei ist: Nur wer den 3. und letzten Stein setzt, bekommt dafür Siegpunkte. Alle anderen werden mit Bonussen abgefertigt oder gehen leer aus. Mir hat sich während der Partien nie erschlossen, warum irgendjemand den 2. Stein setzen sollte. Dazu kommt natürlich die immense Downtime mit steigender Spieleranzahl. Es scheint, als würde das Spiel schlechter spielbar, je mehr Leute mitspielen.
6. Zugänglichkeit
Die Zugänglichkeit ist eher durchschnittlich: Die Anleitung ist verworren und springt häufig, die Icons sind nicht immer aussagekräftig und das Spiel verwendet zwar viele thematische Begriffe für unterschiedlichste Vorgänge, die aber häufig in derselben Tätigkeit enden: Ich nehme einen Stein von meinem Tableau und lege ihn aufs Spielfeld. Das macht die thematische Verknüpfung nicht gerade einfach.
7. Spieltiefe
Ich bin mir sicher, dass man mit weiteren Partien noch viel Optimierungspotenzial finden kann und wem dieses nicht ausreicht, der findet in der „Erweiterung“ noch Module, die es Anfängern leichter bzw. Profis schwerer machen zu gewinnen. Leider steigt damit auch die Downtime, aber oberflächliche Mechaniken kann man dem Minigame „Optimierung des Spielertableaus“ wirklich nicht vorwerfen.
8. Spieldauer
An sich eigentlich nicht zu lang, jedoch irgendwann recht eintönig. Das Spiel verliert sich in der Optimierung des Tableaus und wirkt dadurch irgendwann länger als man es eigentlich spielt. Das wird vor allem dann stetig unangenehmer, je mehr Mitspielende am Tisch sitzen. Ich bin mir sicher, dass man hier viel mehr hätte erreichen können, wenn man die Anzahl der Aktionen pro Runde limitiert hätte – so hätte man eben über mehrere Züge planen können und hätte dieselbe spannende Optimierungsaufgabe gehabt.
9. Downtime
Kann leider je nach Mitspielenden enorm ausfallen. Das kann man zwar häufig behaupten, aber leider kommt hier noch erschwerend hinzu, dass bei Wertungen von Monument-Abschnitten unbeteiligte Spieler oft in die Röhre gucken.
10. Preis
Der Preis steht zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht fest. Daher vergebe ich hier einen Mittelwert von 3 Punkten. Sobald der finale Preis feststeht, werde ich diese Wertung anpassen. Es kann also sein, dass sich die Endwertung später um +/- 2 Punkte verändern kann.
Ergebnis
Mit 28/50 Punkten erreicht An Age Contrived die Bewertung „Durchschnittlich“.
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Wenn man sich auf die Suche nach Fotos von Spielen macht, findet man fast ausschließlich Bilder vom Spielmaterial, gelegentlich den Illustrationen des Spiels und in der Regel von der Spieleschachtel selbst. Wenn man sich hingegen ein Bild vom Spielen machen will, tauchen oft mehr oder minder ernst blickende Gestalten auf auf diesen Fotos auf. Manche […]
Die TV-Serie Matlock prägte meine Kindheit. In 195 Folgen boxte der findige Verteidiger seine Mandanten aus nahezu jeder noch so verfahrenen Situation. Ihr seid die Jury bietet nun einen Perspektivwechsel: Wir nehmen auf der Jurybank Platz und müssen über Schuld oder Unschuld eines Angeklagten entscheiden.
Ein durchnummeriertes Kartendeck führt uns durch die Geschichte, die wir nur ein einziges Mal erleben können – sie basiert auf einem wahren Fall. Vor einem Nachtclub wurde ein junger Mann erschossen. Der Angeklagte soll den Abzug betätigt haben. Unverzichtbar ist die begleitende KOSMOS-App, in der die Dialoge zwischen den Beteiligten vorgelesen werden. Die Anklägerin präsentiert Beweise und befragt Zeugen, der Verteidiger nimmt sie ins Kreuzverhör. Nach jeder Aussage kreuzen wir auf einem Zettel an, inwieweit wir den Angeklagten nach aktuellem Stand für schuldig halten. Weitere Notizen sind nicht erlaubt – eine gute Entscheidung, denn ich hätte sonst wieder alles mitgeschrieben.
Etwa 2,5 Stunden waren wir mit dem Fall beschäftigt. Das Kartendeck wirkt dabei eher wie Beiwerk – gesteuert wird alles über die App. Die Vertonung ist gelungen, die Ausgangslage durchaus spannend: Schuldig oder unschuldig? Das ist hier die Frage! Weil die Tat in den USA spielt, dient das amerikanische Justizsystem als Grundlage. Man sollte wissen, dass es in Deutschland keine Jury gibt.
Besonders gefallen hat mir die Idee, dass in jeder der drei Spielrunden – also den drei „Verhandlungstagen“ – ein Jurymitglied (repräsentiert durch eine Karte) befragt werden kann. Hier werden andere Sichtweisen deutlich. Handwerklich ist dem Spiel wenig vorzuwerfen. Doch es gibt ein großes Problem: Der Fall überzeugt nicht. Es gibt weder Wendungen noch moralisch schwierige Entscheidungen. In unserer Runde war das Urteil glasklar. Ich hätte mir mehr Ambivalenz gewünscht – oder einen Fall, der sich durch schlüssiges Kombinieren auflösen lässt und bei dem man sich am Ende ärgert, einen entscheidenden Hinweis übersehen zu haben. So aber hörten wir der Verhandlung zu und fragten uns: Was will dieses Spiel eigentlich erreichen?
Am Ende darf man sich das reale Urteil anhören. Eine Überraschung? Fehlanzeige.
Fazit: Ein Spiel mit Potenzial – das sich leider selbst unterläuft. Wenn man wirklich mitfiebern, rätseln, urteilen will, braucht es einen stärkeren Fall. So bleibt Ihr seid die Jury ein interessantes Konzept mit schwacher Umsetzung. Ich hoffe auf eine zweite Folge. Und bis dahin, schaue ich lieber Kathy Bates in der Neuauflage von Matlock über die Schulter.
Welches Spiel wird Kinderspiel des Jahres 2025 und darf den begehrten lorbeerverzierten blauen Pöppel tragen? Wir haben schon gespannt auf diese Entscheidung gewartet, nun ist es wieder soweit! Die Jury hat die Anwärter für Kinderspiel des Jahres 2025 bekannt gegeben. Seit 20. Mai wissen wir nun also, welche 3 Kinderspiele die Spiel des Jahres Jury […]
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Heredity
– Die Geschichte von Swan spielt in einer postapokalyptischen Welt, die von Gewalt
und Anarchie beherrscht wird. Nach dem Zusammenbruch der alten Weltordnung
konnten sich Djamal und Maeve mit ihren Kindern Selena, Brick und Swan auf das
Land zurückziehen und dort ein unbeachtetes Leben führen. Bis jetzt. Plötzlich
greift eine Gruppe bewaffneter Rotwölfe ihr Farmhaus an und für die Familie
beginnt ein verzweifelter Kampf ums Überleben.
Ablauf:
Heredity ist ein
kartenbasiertes Kooperationsspiel in dem die Spieler alle Charaktere unter sich
aufteilen. Im Solospiel muss demzufolge der Solospieler im Alleingang alle
Figuren steuern. Gespielt wird Heredity
über fünf Kapitel die eine zusammenhängende Geschichte erzählen.
Im Rahmen der Spielvorbereitung werden
zunächst alle benötigten Karten herausgesucht. 18 Basiskarten und verschiedene
Geheimniskarten kommen dabei immer zum Einsatz. Hinzu kommt ein Stapel mit
Karten des aktuellen Kapitels. Diverse Marker werden in Griffnähe bereitgelegt.
Jeder Spieler erhält die Basiskarten seines Charakters sowie die dazugehörigen
Aktionsscheiben. Drei Karten bilden den Körper eines Charakters, bestehend aus
Kopf, Rumpf und Beinen. Alle Kartenelemente beinhalten Aktionsfelder mit
verschiedenen Aktionssymbolen.
Nachdem die Vorbereitung abgeschlossen ist
wird die oberste Kapitelkarte vorgelesen. Damit erhalten die Spieler eine
Einführung in die Story und erste Anweisungen für den weiteren Aufbau (z.B.
Auslegen von Geländekarten). Ausgelegt wird außerdem die Zeitleiste. Die Karten
der Zeitleiste haben verschiedene Teilbereiche die bei Aktivierung der Karte
von oben nach unten abgehandelt werden. Dadurch wird auch die Geschichte
vorangetrieben. Ausliegende Geländekarten beinhalten verschiedene Bereiche und
verschiedene Aktionen. Beispielsweise können sich Familienmitglieder bewegen,
unterhalten, interagieren usw. Im Laufe eines Kapitels werden immer weitere
Geländekarten angelegt.
Um eine Aktion ausführen zu können muss der
aktive Spieler eine Aktionsscheibe in den passenden Slot seiner Charakterkarte
platzieren. In vielen Fällen muss des Weiteren ein Aktionsmarker vom aktuellen
Bereich entfernt werden. Anschließend wird die Karte herausgesucht die von
dieser Aktion getriggert wird. Solche Karten können evtl. der Zeitleiste
hinzugefügt werden oder sie stellen einen Gegenstand dar, der ausgerüstet
werden kann. Öfters kommt auch ein neuer Charakter ins Spiel, der den Spielern
eine neue Aufgabe (Nebenquest) stellt. Zumeist müssen solche Aufgaben erfüllt
werden damit die Familie ihrem Hauptziel folgen kann. Nachdem alle Spieler in
beliebiger Reihenfolge ihre Aktionen ausgeführt haben wird der Zeitmarker auf
die nächste Karte in der Zeitleiste bewegt. Diese Karte wird nun wie gesagt von
oben nach unten abgehandelt. Auf diese Weise schreitet der Erzählstrang voran
und neue Karten kommen mit entsprechender Anweisung ins Spiel.
Ein Kapitel endet erfolgreich wenn das
jeweilige Kapitelziel erreicht wurde. Dann können die Spieler ihren Stand
speichern. Wenn ein Familienmitglied stirbt und eine Karmakarte mit einem
Totenkopfsymbol gezogen wird, ist die Gruppe an dem Kapitel gescheitert und
muss es nochmals neu versuchen.
Meinung:
Selten hat der Begriff „Kopfkino“ so gut
gepasst wie bei Heredity – Die
Geschichte von Swan. Die Story wird über die Karten ausgezeichnet
beschrieben und triggert lebhaft die Vorstellungskraft der Spieler. Ergo: man
sieht quasi einen Blockbuster vor dem inneren Auge ablaufen. Das ist super und
einer von vielen positiven Aspekten der Veröffentlichung. Eine weitere
Assoziation, die sich hier tatsächlich anbietet, ist die Ähnlichkeit zu einem
Action Adventure wie beispielsweise Alone
In The Dark. Analog zu einem PC Game müssen die Familienmitglieder einem
Story-Strang folgen und dabei Entscheidungen treffen, manchmal
Gegenstände/Personen kombinieren und natürlich auch kämpfen. Ein Kampf erfolgt
in der Regel mit einer Waffe in Kombination mit gezogenen Modifikationskarten.
Generell fällt auf, dass viele Elemente von anderen Spielen inspiriert wurden.
Das Anlegen der Geländekarten erinnert an 7th
Continent, die Modifikationskarten an Gloomhaven
usw. Dabei ist jedoch ausdrücklich zu erwähnen, dass Heredity kein Plagiat anderer Mechanismen ist, sondern beliebte
Elemente geschickt zu einem eigenständigen Spiel verbindet.
Wer storygetriebene Veröffentlichungen und
Entdeckungen mag wird bei Heredity
mit großem Spielspaß belohnt. Die Geschichte ist abwechslungsreich, spannend,
super erzählt und ab Kapitel 4 extrem überraschend. Mehr wird inhaltlich aus
Spoilergründen nicht verraten. Das reine Spielprinzip ist leicht zugänglich und
nicht besonders komplex. Daher können auch erfahrene Kinder mitspielen obwohl
die Kategorisierung als Experte eingestuft ist.
Heredity
– Die Geschichte von Swan benötigt relativ viel Platz auf dem Tisch und damit
einhergehend auch Organisationstalent und gute Überblickfähigkeiten. Ich habe
das Spiel zunächst solo angespielt und aufgrund der vielen ausliegenden Karten
manchmal fast den Überblick verloren. In der großen Gruppe zu viert hat mit Heredity ehrlich gesagt besser gefallen
weil ich mich dann auf einen einzigen Charakter konzentrieren konnte.
Persönlicher Hinweis: das ist natürlich sehr subjektiv (ich spiele auch Zombicide oder Deep Madness ungern solo, weil man da ebenfalls mehrere Charaktere
steuern muss).
Heredity beinhaltet einige
(wenige) Fehler, daher empfehle ich dringend, vor dem Beginn der Kampagne die
Errata runterzuladen und bereit zu legen. Betroffen sind im Übrigen nur die
Kapitel 2 und 5. Die Spielanleitung an sich ist sehr gut geschrieben und lässt
keine Fragen offen. Das gilt jedoch nicht uneingeschränkt auch für die
Erzählkarten bzw. Deckkarten. Beispiel: die Kapitel 1 und 5 bilden einen
Ereignisstapel. Es wäre sinnvoll gewesen, wenn die Anweisungskarten explizit gesagt
hätten, dass sie diesen Stapel bilden und dass die gezogenen Ereigniskarten
unter dieses Deckblatt gelegt werden sollen. Die Illustration der Karten ist
okay und zweckdienlich. Optische Meisterwerke wie bei Unheil über Kilforth darf man jedoch nicht erwarten.
Heredity
– Die Geschichte von Swan ist auch keine epische Kampagne wie Tainted Grail oder Etherfields.
Nach fünf Kapiteln ist Ende-Gelände und der Wiederspielreiz ist ehrlich gesagt
nicht übermäßig hoch. Vielleicht kann man Heredity
noch einmal in ein paar Jahren durchspielen (evtl. mit anderen Entscheidungen)
aber ein Dauerbrenner ist die Veröffentlichung sicherlich nicht.
Fazit:
Genau das führt mich auch zu dem Schluss,
dass ich Heredity nicht die
Höchstnote geben kann. Das Spiel ist prima, hat Spaß gemacht und ist
ausnahmslos in der gesamten Gruppe gut angekommen. Aber es ist kein Spiel bzw.
keine Kampagne, die mehrfach gezockt wird. Ich kann mir aber vorstellen, dass
es in Zukunft möglicherweise Erweiterungen oder Fortsetzungen geben wird, und
diese würde ich dann natürlich sehr gerne spielen. Alles in allem also eine klare
Weiterempfehlung mit der Einschränkung, dass Heredity nicht mehrfach auf den Tisch kommt.