Eigentlich beginnt der Urlaub und wir sitzen im Zug in Richtung Sonne, da scheint mit einem Knall plötzlich alles verändert zu sein. Der Zug der Abenteuer entführt uns in eine rätselhafte Geschichte, aus der wir nur mit mathematischen Kenntnissen entfliehen
In Teil 4 unserer Blog-Reihe zu Witchbound stellen wir euch Thatcher Cohen, den Autor des Spiels, in einem kleinen Interview vor. Erfahrt mehr darüber, was ihn dazu bewegt hat, Witchbound zu entwickeln.
Ein Kunde beginnt, eine Platte zu beschreiben, die er gern kaufen möchte. Auf dem Cover ist, soweit er sich erinnert, eine Wolke oder vielleicht etwas Wolkenförmiges. Ich soll nun dieses Album irgendwo zwischen den Vinylstapeln im chaotischen Plattenladen von Wax Heads finden.
Anfangs sind die Hinweise schnell zuzuordnen, schnell finde ich die richtige Scheibe und mache die Kunden glücklich. Tag für Tag, oder auch Track für Track (wie die Tage im Spiel passend eingeteilt wurden) wird die Suche nach der richtigen Platte schwieriger. Ich muss beginnen die Rückseite des Covers nach Hinweisen abzusuchen, Tracklists zu lesen oder in den Sozialen Medien etwas zu finden. Denn schließlich will ich als neuster Mitarbeiter von Repeater Records den Kunden glücklich machen, indem ich ihm immer die richtige LP in die Tasche lege.
Rocío Tomé und Murray Somerwolff sind das Indie-Studio Patattie Games und fangen die Liebe zur Musik und die besondere Kundschaft von Plattenläden auch mit dem Comic-Stil wunderbar ein.
Spielerisch erinnert das deduktive Puzzlespiel aus einem Mix aus Coffee Talk und Papers Please. Die Suche nach Platten macht durchaus Spaß, da die Rätsel unterhaltend und die Darstellung der Bands sehr spaßig sind. Jede Platte erzählt ihre eigene Geschichte, und jede Band fühlt sich greifbar real an – inklusive der Möglichkeit jeweils einen Song der Band-LP anzuhören. Schön, dass hier die Songs KI-frei menschlich geschrieben, aufgenommen und teilweise von Freunden der Entwickler gesungen wurden – und da sind ganz gute Sachen dabei!
Die Puzzle-Schleife wiederholt sich nach einigen Runden, wobei mich jedoch die überladenen, langsam aufpoppenden Dialogtexte zwischen den Mitarbeitern eher nerven – irgendwann wollte ich diese nicht mehr mitlesen und wollte nur den nächsten Kunden bedienen.
Insgesamt ist Wax Heads aber ein unterhaltsames Puzzle-Spiel, liebevoll eingehüllt in die Musikkultur mit schönem Artwork, dem leider (für mich) ein wenig die Luft ausgeht.
Stubenscore: 7,4 / 10
Die Platten sind in mehreren Räumen verstreut.Die Beschreibungen sind schon unterhaltsam. Song 8 hätte mich interessiert.Zwischendurch der Blick aufs Mobile. Hier gibt es Hinweise, aber auch eine Playlist für den Hintergrund.Es gibt auch einen Arcade-Automaten für ein Minispiel, aber erstmal die Platte suchen.Die Texte sind schon nett geschrieben, die Cover teilweise wirklich lustig.Es nerven leider die unfassbar vielen Zwischendialoge, die sich zu langsam wegklicken lassen.Ist mir am Ende lieber: ein echter Plattenladen wie Plato in Utrecht.
Es ist das Jahr des Herren 1518. Wir sind Andreas Maler, angehender Meister-Illustrator aus Nürnberg, und wir befinden uns im fiktiven Kloster Kiersau der fiktiven bayrischen Stadt Tassing … im Auge eines heraufziehenden Orkans.
„Das Alte stirbt und das Neue kann nicht zur Welt kommen: Es ist die Zeit der Monster“.
(frei nach Antonino Gramscsi)
Die Alte Welt, die scheidet, das sind Kloster, Bücher die per Hand kopiert werden und einem Feudalismus dem das Geschäftsmodell flöten geht. Die neue Welt, die im Werden ist, sind Reformation, der Buchdruck, die keimende Renaissance und allenthalben Bauernaufstände.
Inmitten dessen spielen sich Dramen zwischen Kloster, Stadt und dem Bergidyll über einen Zeitraum von 25 Jahren ab. Wir sind stets mitten drin.
Pro-Tip für ein entspanntes Abendessen: unbedingt Politik und Religion ansprechen. Herr Baron von Rothvogel erwischt gerade zwei Fliegen mit einer Klappe.
Das Spiel ist das Herzensprojekt von Obsidians Spieldirektor Josh Sawyer, der lange Zeit damit verbrachte die Welt des Heiligen römischen Reichs deutscher Nationen zu studieren. Das spürt man in jedem Pixel.
Prächtiges Artwork: ein Spiel über die Liebe zu Büchern spielt „im Buch“. Und selbiges wird genutzt, um die Welt des 16. Jahrhunderts zu erklären.
Spielerisch haben wir es aus einem Hybrid aus Murder Mystery und einer digitaler Novelle zu tun. Du wirst bei dem Spiel lesen müssen. Sehr. Viel. Lesen.
Ein liebevolles Detail ist, dass die Schrift der Protagonisten ihre Herkunft und Bildung wiedergibt. Von der den gotischen Minuskeln der Klosterbewohner, über die deutlich klare Schrift der gebildeten Herrschaften, den effizienten Buchdruck-Buchstaben der technologischen Avantgarde bis zu den eher kruden mit einigen Fehlern behafteten Schreibschriften des Bauernvolks. Da das Spiel keine Sprachausgabe verwendet wird durch dieses Stilelement viel vom Charakter der Protagonisten transportiert.
Kloster Kiersau Murder Mystery. Whodunit?
Die Mordfälle, die wir untersuchen sind dramatisch inszeniert und geben dem Spieler einen gewissen Druck schnell den/die MörderIn zu finden … ohne dabei einen tatsächliches tickendes Zeitlimit im Nacken zu haben.
Man tut gut daran sehr aufmerksam alle Orte zu besuchen und wirklich mit allen zu sprechen. Hatte ich schon gesagt, dass man viel liest?
Dabei lebt man im Rhythmus des klösterlichen Alltags, unterbrochen mit Mittag und Abendessen, die man mit ausgesuchten Menschen verbringen kann (um am besten mehr oder minder geschickt an ein paar Informationen zu den Fällen zu kommen). Dabei kosten normale Gespräche keine Zeit, andere Aktionen schon. Nur erklärt das Spiel einem leider zu Anfang eher unzureichend welche Aktivitäten tatsächlich viel Zeit kosten, was dadurch andere Handlungen ausschließt.
Dies erzeugt dann doch einen gewissen Druck die verschiedenen Fährten zu verfolgen. Und man wird schnell gewahr, dass nicht alle rechtzeitig zu en Verhandlungen zu einer Conclusio zu bringen sind. Das bringt uns zu einem moralischen Problem: jeder Fall hat Verdächtige mit guten Motiven und ausreichenden Gelegenheit der/die TäterIn zu sein. Man wird sich nicht sicher sein, ob man den/die Richtige/n anklagt. Das Spiel erwartet von einem diese Antwort und zeigt dann direkt die blutige Konsequenz.
Wunderschön: philosophische Gespräche werden gerne direkt „im Buch“ geführt.
Als thematische Klammer über den Morden lauert eine sich schon früh zeigende Verschwörung, die einen bis zum Schluss vor dem Monitor hält.
Das Leben des ausgehenden Mittelalters ist geprägt von Abschieden und Trauer. In den Zweitsprüngen des Spiels erwische ich mich, wie ich rastlos durch Tassing laufe in der Hoffnung, dass meine liebgewordenen Freunde noch unter uns weilen. Das tun sie nicht immer. Zu viele Kinder werden beerdigt werden. Nur der eine alte Rochen der Stadt hält sich als purer Antipathie am Leben.
So sehr die Alpenstadt auch im Griff der katholischen Kirche ist … alter Glauben und Bräuche haben sich bewahrt.
Über die Jahren nagen auch Dämonen an meinem Charakter. In einer für ihn/mich kathartischen Szene zum Ende des Spiels lief mir eine Träne über die Wange, als ich nur die zwei Worte las: „gute Nacht“. So ein eindrückliches Strory- und Worldbuilding habe ich seit Langem nicht mehr er- und durchlebt.
Das Spiel lässt sich Zeit, um auch Nebenstränge der Handlung auszuleuchten. Hier erzählt Bruder Sebhat aus der koptischen Kirche über seine Heimat.
Leider fällt das Spiel im abschließenden 3. Akt leider im Pacing und in zwei bis drei Logikthemen deutlich ab.
Die letzten 3 Stunden Spielzeit fühlten sich für mich eher nach Arbeit an. Die Motivation hinter die Verschwörung zu kommen hält mich aber an der Stange. Dass man zu Endes seiner Reise ein so befriedigendes wie herzerweichendes Ende bekommt, konnte mich wieder versöhnen.
Nahe dem Finale: 25 Jahre sind vergangen. Zeit langsam Abschied zu nehmen. Frohe Weihnachten Ihr Lieben.
So blieb ich leicht wehmütig mit dem Gedanken zurück: wann war die Welt einmal nicht im Umbruch und haben wir nicht alle für unser kurzes Leben sehr ähnliche Hoffnungen, Wünsche und Sorgen? Alles ändert sich und nichts ändert sich.
Ich bin sehr froh nach Tassing aufgebrochen zu sein. Ich werde euch vermissen
Das Vorbild von Julia Minamatas ist unverkennbar. Die Indie Designerin und Retrogames-Youtuberin aus Toronto bedient sich nicht nur optisch am Stil von Roberta Williams Klassiker The Colonel’s Bequest aus dem Jahr 1989 – auch das Setting weist gewisse Ähnlichkeiten auf.
Als Nancy Maple, eine junge Geologin in Ontario (um 1914), werde ich von meinem Arbeitgeber, dem Royal Canadian Museum, in die kleine Stadt Crimson geschickt, um die mögliche Entdeckung eines Diamanten zu untersuchen. Ich lande nach dem Intro mit meiner Zugbekannschaft Kimi in der abgelegenen Lodge eines einsamen, alten und wohlhabenden Mannes namens Evan Richards. Schnell bekomme ich mittels meines Notizbuchs Aufgaben vorgeschlagen, um das Setting zu untersuchen.
In der Lodge verbringen eine weitere Handvoll skurriler Charaktere den Abend mit mir – und sie scheinen alle miteinander verwoben. Eine erste Aufgabe ist es mit allen Anwesenden zu sprechen, die überraschend offen über ihr Leben und ihre Motive sprechen. So sucht offenbar Evans Schwester Nessa, in Begleitung ihres Anwalts Corvus Shaw, das Testament ihres Vaters. Nathan, der einheimische Freund von Evan, erzählt mir, dass die Rückgabe des Landstücks nach Evans Tod an sein Volk versprochen wurde. Albert Respa wurde von der Stadt gesandt, um ebenfalls die Geschichte rund um den Diamanten zu untersuchen. Dazu kommen Margot, Evans verdächtig viel jüngere Freundin, und Jack, der pflichtbewusste, aber oft genervte Hausmeister.
Spieltechnisch nehme ich meine Ermittlungen im leicht gepimpten old-school Sierra-Stil vor. Meine Figur steuere ich rudimentär mit Point and Click, doch wie damals ist die Bewegung letztendlich mit den Cursortasten einfacher, da die Interaktion mit der Welt eh über einen Textparser läuft. Dieser versteht erstaunlich viel und man kann quasi mit jedem Gegenstand in der Welt agieren, was nicht immer zielführend, aber oft unterhaltsam ist.
Insgesamt steckt wirklich viel Liebe in dem Spiel. Neben der Vielzahl der Interaktions- und Dialogmöglichkeiten, sind auch die vielen (nicht unbedingt notwendigen) Animationen schön gemacht. Und auch bei der Story und den Rätseln muss sich The Crimson Diamond nicht vor seinem großen Vorbild verstecken. Dabei gibt es spannende Rätselstränge, wie auch leidige Sammelaufgaben. Insgesamt ist das Spiel nicht trivial und hat mit der Vielzahl der Charaktere, Orte und Zeitabhängigkeiten (wann ist wer wo), doch seine Komplexität. Zudem braucht man wirklich Geduld die vielen Settings abzusuchen, wenn man denn wirklich komplett den Fall durchleuchten möchte.
Das erwähnte Notizbuch ist dabei Fluch und Segen zugleich. Zum einen lässt es einen nicht den roten Faden verlieren und hilft bei jeder Gelegenheit, zum anderen wird man damit oft direkt zur Lösung eines Rätsels gestoßen. Wer mag, muss da nicht reinschauen und kann sich wirklich tief in den Beziehungsgeflechten und kleinen Nebengeschichten verlieren. Sehr zu empfehlen ist auf jeden Fall das Audio-Lets-Play dazu von Stay Forever, das letzte Klarheit bringt.
Insgesamt übertragt das Spiel von Julia Minamatas die EGA-Ästhetik meisterhaft ins Heute und bringt die gute alte Zeit mitsamt ihrer Sperrigkeit zurück. Wer The Colonel’s Bequest mochte und damals keinen Amiga oder schon einen PC mit VGA Grafik hatte, kann sich hier seine Kindheit zurückholen – mich hatte es diesbezüglich nicht ganz abgeholt.
Stubenscore: 7,8 / 10
Das Haus ist dekorativ eingerichtet und es gibt eine Menge Räume und Türen……und an diesen wird gern mal gelauscht. Was führen diese Zwei im Schilde?Auch ums Haus herum gibt es einiges zu entdecken.Beim Abendessen versammelt sich die skurrile Meute. Und jeder hat seine Agenda.Zum Verwechseln ähnlich, auch wenn es im Ansatz das große Vorbild ist: The Colonel’s Bequest.Wie in den besten Sierra Zeiten, nur ist der Parser wesentlich stärker.
Insgesamt 100 Rätselblätter mit unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden warten auf die Kreuzwort Challenge, bei der man gegeneinander zum Kreuzworträtsel antritt. Der Klassiker aller Rätselspiele ist über 100 Jahre alt und lädt mit diesem Spiel zum grossen Duell. Ein Rätselblatt vom dicken Block
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Die Adventszeit rückt unaufhaltsam näher und damit auch die Zeit, in der wir an 24 Tagen Rätsel lösen. Denn seien wir mal ehrlich: Ein Stück Schokolade im Adventskalender lockt unter uns Spielenden niemanden mehr hinter dem Ofen hervor. Dieses Jahr haben wir das bei uns mal vorgezogen und uns durch den Krimi-Adventskalender Ewiges Eis vom Noctis Verlag gerätselt. Hier gilt es nicht nur einen Mord aufzuklären, die Spur führt auch zu einem Cold-Case, den wir nebenbei ebenfalls aufklären sollen.