Im aktuellen Brettspiel-Battle habe ich mal was Neues ausprobiert. Diesmal treten die besten Brettspiele des Jahrgangs 2017 gegeneinander an. Das war sehr spannend, denn es war ein wirklich guter Jahrgang für das Brettspiel-Hobby. Zudem ist Abenteuer-Brettspiele.de im Jahr 2017 entstanden. Ich wünsche euch einen schönen ersten Weihnachts-Feiertag, viel Spaß mit dem Video und bin sehr […]
Liebe Lesenden! Willkommen zurück in den fantastischen Geschichten Arydias!
Vorab noch eine wichtige Information: Da es sich um einen Spielbericht handelt, wird es im folgenden Tagebucheintrag natürlich heftige Spoiler geben! Wenn Ihr selbst noch vorhabt das Spiel zu erleben und Euch den Spaß nicht verderben wollt, dann hört hier und jetzt auf zu lesen! Ich habe Euch hiermit gewarnt! Alle, die jetzt bleiben möchten, egal ob aus reiner Neugierde oder wider besseren Wissens, wünsche ich viel Spaß beim Lesen und Erleben meiner Geschichte!
Der fünfte Tag der arydianischen Erlebnisse war zuerst ein Erforschen der letzten weißen Flecken auf der Landkarte des Bessin, wie der Landstrich sich nennt. Nachdem wir den dortigen, sehr sonderbaren Bewohner überwältigen konnten begannen wir unsere Reise auf der neu entdeckten Insel. Schnell stellten wir fest, es hier mit mehr Kreaturen gleichzeitig zu tun zu haben, als wir es in den vergangenen Kämpfen bislang gewohnt waren. Eine Welle von Skeletten konnten wir noch besiegen, waren aber bereits leicht angeschlagen. Dennoch befürchteten wir nichts schlimmeres.
Doch da täuschten wir uns: An einer Festungsruine mussten wir mit sehr wehrhaften Kobolden kämpfen und stellten fest, dass die Einschätzung unserer übrigen Vitalität zu hoch gesetzt war. Die Zähne zusammenbeißend traten wir den Rückzug an, kehrten zum Camp zurück leckten unsere Wunden und planten die nächsten Schritte.
Damit sollen sie nicht durchkommen…
Als wir nun im Camp nach einer erholsamen Nacht erwachten, fassten wir neuen Mut und der emporsteigende Ehrgeiz lies keinen weiteren Gedanken zu, die Kobolde durften nicht mit unserer Schmach durchkommen! Also machten wir uns auf und traten gegen sie ein zweites Mal an. Auch jetzt waren sie sehr harte Gegner. Wieder wirkte der Kampf zuerst nicht auf unserer Seite.
Altes Bild aber gleicher Kampf wie am Tag zuvor. Die Kobolde wirken nicht stark, abber die Masse macht sie gefährlich!
Wir waren wieder überrascht erschöpft und blieben mit vielen Löchern in unseren Rüstungsteilen zurück, aber wir besiegten die Kreaturen und looteten neben Münzen neue Ausrüstung und viele Erfahrungspunkte. Der Kampf hatte sich am Ende also ausgezahlt!
Investigative Arbeiten
Der Küste gen Süden folgend begegneten wir einem alten Bekannten (Wegereignis) der uns aber nicht bemerkte. Er war im Streit mit seinen Begleitern und wie durch ein Wunder verlor Irky dabei die Karte, die er und im Kampf auf dem Schiffwrack vor zwei Tagen abgenommen hatte. Manchmal scheint das Schicksal doch etwas für uns übrig zu haben!
Wir hatten uns für „Sneak Up“ entschieden – wir erhielten so das verlorene Kartenteil einfacher zurück als von uns erwartet.
Danach erreichten wir den Ort Daneburg. Hier war einiges auf den Straßen los. Die Bevölkerung schien durch irgendetwas in Aufruhr und stand zu einem großen Anteil um den zentralen Brunnen verteilt. Kurz darauf stellten wir fest, dass dort eine Leiche lag und der Aufruhr dadurch begründet war. Neben einigen entsetzten Bürgern befanden sich noch mit uns zwei weitere Ortsfremde dort. Zum einen der Bürgermeister eines Nachbarorts, der hier als Richter fungieren sollte. Er erklärte uns in einem der vielen Dialoge, dass es auf dieser Insel zu den juristischen Regularien gehörte, dass ein benachbarter Bürgermeister bei einem Kriminalfall wie diesem als unparteilicher Richter eingesetzt würde.
Viele Dialogmöglichkeiten und in den Häusern stecken ebenfalls noch Personen
Die andere Person war nach Aussage ebenfalls erst heute angekommen und daher vom Richter als Ermittler eingesetzt. Mit dem Wissen wiesen wir den Richter darauf hin, dass wir ebenfalls unparteilich wären und so wurden wir zwecks zweiter Meinung ebenfalls zu Untersuchung des Falls berufen.
Und so machten wir uns auf, den Fall des toten Dunkelelfen an dem Brunnen aufzuklären. Es waren viele Gespräche und die immer neuen Erkenntnisse führen wieder und immer wieder zu einem neuen Verfahren, nur um Festzustellen, dass wir noch immer im dunkeln tappen. Eine schöne Idee des Designers war, wie mit den Ermittlungen umgegangen wurde. Wir konnten an verschiedenen Stellen Aussagen niederschreiben, die wir als Beweis Nr. X in Kartenform erhielten.
Zudem machten wir Skizzen, wie die verschiedenen möglichen Tatorte aussahen. Und das war wirklich witzig. Eine Klugheitsprobe entschied, ob wir gut zeichnen konnten oder nicht. Zwar war der textliche Inhalt davon unberührt, aber eine schlechte Zeichnung kann verwirren. Wichtige Punkte in der Zeichnung wurden farbig hervorgehoben. Zum Glück habe ich bei zwei von drei Zeichnungen ein gutes Ergebnis gewürfelt, aber die Neugier, wie die schlechten Skizzen aussehen könnten, führten dazu, dass wir uns zum ersten mal einfach hierzu spoilern mussten!
Die Tatszene in guter und schlechter Zeichnung, wir hatten zum Glück die gute Zeichnung.
Ist das vielleicht die Mörderin? Wir haben uns jedenfalls wegen der Kritzelein rechts jedes Mal beinahe schlapp gelacht!
In den Gerichtsverfahren mussten wir immer passende Clues, wo auch die Zeugenaussagen zugehörten kombinieren. Das erforderte einiges an Kombinationsgabe, aber wir haben es anscheinend jedes Mal fehlerfrei zusammenbekommen. Am Ende fassten wir den wahren Mörder, den ich an dieser Stelle dann doch mal ungenannt lassen möchte, und erhielten neben Erfahrungspunkten ein weiteres Squirrl. es gibt bislang zwei Wege, die uns verschlossen blieben, weil wir noch nicht genügend davon hatten. Dort müssen wir zurückkehren, wenn wir mit noch einem mehr dann die 10 Stück erreicht haben. Auch hier hätte uns der Richter als Ermittler abgewiesen, hätten wir weniger als 6 davon gehabt.
Das halte ich für einen sehr klugen Kniff. Thematisch haben wir mit zu wenigen Squirrls noch keine ausreichende Hilfsbereitschaft bewiesen um das Vertrauen der jeweiligen Person verdient zu haben. Zum anderen kann uns der Designer von Szenen trennen für die unsere Fertigkeiten lange noch nicht ausreichen. Das fühlt sich nicht schlimm an, da es ja so wirklich in die Welt passt. Wirklich gut geregelt.
Danach gingen wir zum Exilantencamp zurück, erzählten unserem Captain von den Erfolgen und schliefen in den kommenden, sicherlich ereignisreichen Tag. Aber das ist eine andere Geschichte von der ich bei Zeiten berichten werde.
Vier Spiele in jeweils vier Sätzen: Dieses Mal geht es im Mini-Quartett im weitesten Sinn um Urlaub, Ferien und Reisen. Die Titelbild-Collage zeigt Cover-Ausschnitte von „Pan Am“, „Zug um Zug: Legacy“, „Wanderlust“ und „Word Traveler“ (von links oben nach rechts unten).
Pan Am
Dieses nostalgisch gestaltete Taktikspiel erinnert an die besten Zeiten einer der bekanntesten Fluggesellschaften des 20. Jahrhunderts. Wir konkurrieren um lukrative Flugrouten, indem wir Jets und Landerechte erwerben und neue Flughäfen bauen. Im Kern erweist sich „Pan Am“ dabei als Wirtschaftssimulation, weil wir unser Geld einerseits benötigen, um Auktionen zu gewinnen, andererseits aber auch, um Aktien zu kaufen. Denn am Ende gewinnt in diesem so elegant wie die Business-Klasse designten Spiel, wer die meisten Pan-Am-Anteile besitzt.
Pan Am | Funko Games | Prospero Hall | 2 bis 4 Spieler | ab 12 Jahren | 60 Minuten | Zielgruppe: Kenner | Meine Bewertung: ★★★★☆ (stark)
Word Traveler
Paris, London, New York, Tokio – in einer dieser Metropolen planen wir Besichtigungstouren zu Sehenswürdigkeiten. Den Weg, den ich auf dem Stadtplan nehmen möchte, teile ich den anderen mit, indem ich die einzelnen Stationen mit Wortkarten und Richtungspfeilen beschreibe. Je besser wir uns gegenseitig durch die Stadt lotsen, desto besser punkten wir in diesem kooperativen Kommunikationsspiel. Ärgerlich: Verfransen wir uns früh, gleicht das Sightseeing schnell einer Irrfahrt..
Word Traveler | Office Dog | Thomas Dagenais-Lespérance | 2 bis 5 Spieler | ab 10 Jahren | 30 bis 45 Minuten | Zielgruppe: alle | Meine Bewertung: ★☆☆☆☆ (mäßig)
Zug um Zug: Legacy – Legenden des Westens
Die Legacy-Variante des mehr als 20 Jahre alten Spieleklassikers trägt uns zurück in die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts. Über zwölf Partien erschließen wir das Gebiet der heutigen USA und stellen durch das Ausspielen von Karten Bahnverbindungen zwischen Städten her. Zu Beginn der Kampagne besteht die Karte nur aus der Ostküste, doch es kommen in weiteren Partien immer mehr Kartenteile hinzu und mit jeder neuen Region halten neue Spielideen Einzug. Bereits nach Partie eins gibt es einen Wow-Effekt.
Zug um Zug: Legacy – Legenden des Westens | Days of Wonder | Alan R. Moon, Rob Daviau und Matt Leacock | 2 bis 5 Spieler | ab 10 Jahren | 20 bis 90 Minuten | Zielgruppe: Kenner | Meine Bewertung: ★★★★☆ (stark)
Wanderlust
Mit einem seit “Dominion” bekannten Deckbau-Machenismus entführt “Wanderlust” in ein friedvolles Sommercamp. Kochen, Gruppenspiele, Wassersport – aus sieben thematischen Kartensets wählen wir drei aus, die unterschiedliche taktische Möglichkeiten eröffnen. Wir stellen nach und nach unsere Karten zusammen, um letztlich unsere Abenteurer auf ihren Wanderpfaden ins Ziel zu bringen. Das Prinzip ist nicht innovativ, bricht den Deckbau jedoch auf eine familienfreundliche Leichtigkeit herunter.
Wanderlust | Game Factory | Phil Walker-Harding | 2 bis 4 Spieler | ab 10 Jahren | 40 Minuten | Zielgruppe: alle | Meine Bewertung: ★★☆☆☆ (ordentlich)
In den heutigen Weihnachts-Podcast-Folge stelle ich viele spannende Brettspiel-Neuheiten und kommende Erweiterungen vor, die in den vergangenen Wochen angekündigt wurden und 2026 erscheinen sollen.
Zudem gibt es ein neues Brettspiel-Battle, das wieder sehr spannend war. Viel Spaß mit der Episode.
Kavango von Matt Brown und Zara Reid – erschienen bei Schmidt Spiele Leider muss ich zugeben, dass es mir im Überschwang schon passiert ist, KAVANGO mit CABANGA! zu verwechseln. Das ist ärgerlich, da sich beide Spiele in vielen Dingen unterscheiden. So ist eine große Stärke von KAVANGO, dass sich das Spiel im Gegensatz zu CABANGA! […]
„Auf den Wegen von Marie Curie” ist der zweite Titel, mit dem der Verlag Sorry We Are French berühmte Wissenschaftler in den Fokus setzt. „Auf den Wegen von Charles Darwin” war im Jahr 2024 direkt zum “Spiel des Jahres” nominiert worden. Es zeichnet auf eine konsequent reduzierte Weise die Reise des britischen Evolutionsforschers nach. Im neuen Spiel dreht sich nun alles um die aus Polen stammende Marie Curie (1867-1934).
Wie schon das Darwin-Spiel, punktet auch „Auf den Wegen von Marie Curie” mit einem Zusatzheft, in dem die wichtigsten Stationen der Wissenschaftlerin nachgezeichnet werden. Marie Curie forschte zur Radioaktivität, entdeckte neue Elemente und erhielt die Nobelpreise für Physik (1903) und Chemie (1911).
Im Spiel folgen wir ihr in das Labor und stellen selbst Experimente mit Pechblende, Uran und Radium an. Die Ungewissheit über den Ausgang von Versuchen wird hier simuliert, indem wir Holzsteinchen, die Elemente, in einen Würfelturm werfen. Manche Steine bleiben hängen und kommen möglicherweise erst bei einem Zug eines anderen Spielers wieder zum Vorschein. Ein passender, wenn auch mitunter ungerechter Mechanismus.
Ein ständiges Umwandeln bei „Auf den Wegen von Marie Curie“
Der Zufall greift also ein bei der Auswahl an Elementen, die uns für verschiedene Aktion zur Verfügung stehen. Aufgabe ist es nun, mit den Ergebnissen möglichst effektiv umzugehen, um letztlich Siegpunkte zu ergattern. Wir absolvieren Experimente, erwerben sogenannte Aktivitätskarten, stellen Thesen auf. Das geht einher mit einem ständigen und eintönigem Umwandeln der Elemente: drei Pechblende gleich ein Uran, zwei Uran gleich zwei Radium, zwei Radium gleich ein Siegpunkt und ein Schritt auf der Zeitleiste.
Zeitleiste? Ja, wir haken die wichtigsten Stationen Marie Curies ab – mit einmaligen Aktionsmöglichkeiten zu bestimmten Zeitpunkten. Darauf sollte man vorbereitet sein. Zudem bestimmt die Zahl geglückter Versuche die Aktionsmöglichkeiten. Doch der Spannungsbogen nimmt dadurch nicht zu. Im Gegensatz zu Marie Curies wirklichem Leben fehlen in diesem Spiel leider die Höhepunkte.
Auf den Wegen von Marie Curie | Sorry We Are French | Florian Fay | 2 bis 4 Spieler | ab 10 Jahren | 20 bis 40 Minuten | Spielanleitung | Meine Bewertung: ★☆☆☆☆ (mäßig)
Düster, spannend und erbarmungslos – in Terrorscape werden die Spieler in eine bedrohliche Villa geworfen, in der sie sich vor einem furchteinflößenden Killer verstecken müssen. Der besondere Reiz liegt in der Asymmetrie: Einer jagt, die anderen verstecken sich, und niemand weiß genau, wo der andere gerade ist. Zwei bis vier Spieler können sich ins Abenteuer stürzen, wobei bis zu drei Überlebende gemeinsam gegen einen Killer antreten. Eine Partie dauert etwa 30 bis 60 Minuten. Die empfohlene Altersgrenze liegt offiziell bei 14 Jahren, wobei sich je nach Gruppe auch eher eine Empfehlung ab 16 Jahren anbieten würde – denn das Thema ist nichts für Zartbesaitete.
Bereits beim ersten Anblick überzeugt Terrorscape durch seine eindrucksvolle Tischpräsenz. Zwischen den Spielenden steht eine dreidimensionale Pappvilla als Sichtschutz mit integriertem Würfelturm und Ablageflächen. Diese ungewöhnliche Kulisse zieht sofort in ihren Bann und schafft eine passende Atmosphäre für das Spielgeschehen.
Spielerisch ist Terrorscape überraschend zugänglich. Die Spieler übernehmen die Rolle von Reisenden, die in einem schweren Gewitter Schutz suchen und sich plötzlich mit einem Killer konfrontiert sehen. Die Überlebenden spielen kooperativ, entweder jeder einen einzelnen Charakter oder ein Spieler mehrere. Es gilt, gemeinsam die Villa zu verlassen – entweder durch die Reparatur eines Funkgeräts oder durch das Auffinden von fünf Schlüsseln, die die Vordertür entsperren. Ist man besonders aufmerksam, lässt sich unter Umständen sogar ein Hinterausgang entdecken.
Jede Figur führt in ihrem Zug eine Aktion aus. Man kann sich bewegen, Angstmarker ablegen, Spezialaktionen ausführen, Blockaden entfernen, das Funkgerät reparieren oder nach Schlüsseln suchen. Einige dieser Aktionen verursachen Lärm – dies ist die entscheidende Information für den Killer-Spieler, um mögliche Aufenthaltsorte der Überlebenden einzugrenzen. Wird beispielsweise im Wohnzimmer eine laute Aktion ausgeführt, erhält der Killer die entsprechende Information, ohne zu wissen, wer dort aktiv war.
Nach jeder Runde zieht ein ausgewählter Überlebender zwei Karten vom Entdeckungsdeck und darf einen Gegenstand behalten. Diese Objekte können situationsbedingt sehr nützlich sein und bilden einen zusätzlichen Anreiz zum Erkunden.
Der Killer wiederum agiert über ein individuelles Kartendeck, das zu einem von drei enthaltenen Killertypen gehört: Der Schlächter ist brutal, laut und blockiert Wege. Der Mörder agiert schleichend und kann sich verdeckt bewegen. Der Geist setzt auf psychologischen Terror und bringt seine Opfer durch Angst zur Strecke. Jeder dieser Killer spielt sich grundlegend anders, was die Wiederspielbarkeit erhöht und unterschiedliche taktische Herangehensweisen ermöglicht.
Im Spielzug des Killers kommen verschiedene Kartentypen zum Einsatz. Zunächst können schnelle gelbe Fähigkeiten aktiviert werden, danach eine blaue Fähigkeit oder alternativ zwei normale Aktionen – meist Bewegung und Suche. Wird niemand gefunden, kann abschließend noch eine langsame grüne Fähigkeit ausgespielt werden. Ein zentraler Bestandteil ist die Suche nach den Überlebenden. Sobald sich der Killer in einem Raum befindet und die Aktion „Suchen“ ausführt, muss er erfragen, ob sich jemand dort aufhält. Ist das der Fall, kommt es zur Auseinandersetzung. Dabei entscheidet ein direkter Vergleich von Angriff und Verteidigung über das Ergebnis. Gelingt dem Killer ein Treffer, wird die Zielperson verletzt. Zwei Verletzungen bedeuten den sofortigen Tod – und mit dem Tod eines einzigen Überlebenden endet das Spiel zugunsten des Killers.
Die Kartenmechanik hat zusätzlich taktische Tiefe. Manche Karten müssen durch das Abwerfen anderer Karten „bezahlt“ werden. Wird das Nachziehdeck leer, wird der Ablagestapel gemischt, zugleich steigt jedoch der Level des Killers. Dadurch wird dieser mächtiger und kann unter Umständen neue, stärkere Karten seinem Repertoire hinzufügen.
Ergänzend zum Basisspiel bietet Terrorscape auch einige Varianten, die das Spielgefühl verändern. Eigenschaftskarten können einmalig aktiviert werden und verleihen beiden Seiten Sonderfähigkeiten. In der Variante „Getrennte Wege“ spielt jeder Überlebende für sich und gewinnt alleine. Noch taktischer wird es mit den Überlebensplänen: Erfüllen Überlebende bestimmte Aufgaben, dürfen sie neue Fähigkeiten freischalten – oder sogar den Killer zur Strecke bringen. Diese Varianten lassen sich auch miteinander kombinieren.
Terrorscape bringt viel Atmosphäre an den Tisch, aber nicht alles ist perfekt. Trotz stimmungsvoller Ausstattung und durchdachter Spielmechanik waren nicht alle Partien gleichermaßen spannend. Gerade beim Spielen mit dem Schlächter empfand ich es als schwierig, als Killer effektiv zum Ziel zu kommen – es sei denn, man hatte schlichtweg Glück bei der Ortung der Überlebenden. Manche Partien wirken unausgewogen, was gerade zu Beginn problematisch sein kann, wenn man als Killer die möglichen Gegenstände und Aktionen der Überlebenden (noch) nicht kennt.
Dann kann es frustrierend sein, wenn die Gegenseite Dinge tun oder erreichen kann, die sich aus Perspektive des Killers nur schwer nachvollziehen lassen.
Trotz dieser Kritikpunkte hatte ich immer wieder Lust auf weitere Runden. Die Abwechslung durch verschiedene Killer, die Sondervarianten und die unterschiedlichen Fähigkeiten der Überlebenden sorgen für langfristige Motivation. Wer noch mehr Tiefe sucht, bekommt mittlerweile auch Erweiterungen – ein zweiter Teil ist ebenfalls angekündigt.
Das Spielmaterial ist insgesamt gelungen, die Ausstattung unterstreicht die thematische Immersion. Eine große Ausnahme bildet allerdings der beigelegte Würfelturm. Die Idee, ihn in das große 3D-Element einzubauen, ist hervorragend. Die Umsetzung hingegen ist misslungen. Häufig bleiben Würfel stecken und kommen nicht heraus – was Schütteln, Klopfen oder Nachwürfeln nötig macht. Im schlimmsten Fall muss der Turm aus dem Sichtschirm entfernt werden, um die Würfel zu befreien. Für ein Spiel mit dieser Ausstattung ist das schlicht eine Fehlkonstruktion. Ich persönlich nutze künftig einen Würfelteller.
Terrorscape ist kein Spiel, das regelmäßig auf den Tisch muss – aber eines, das in unregelmäßigen Abständen immer wieder Spaß macht, sobald man bereit ist, sich erneut in die düstere Villa zu wagen. Die Regeln sind eingängig genug, um nach einer längeren Pause schnell wieder ins Spiel zu finden. Dank Atmosphäre, stimmiger Gestaltung und abwechslungsreichem Gameplay wird es seinen festen Platz in meinem Regal behalten – auch wenn es kein durchweg perfektes Spiel ist. Das Potenzial und die erzählerische Kraft sind dennoch groß.
Huch, nun ist doch schon wieder Weihnachten. Das Jahr 2025 macht Winke-Winke und auch wir läuten damit die Abschiedsglocken vom Rezensionsmarathon. Ihr kennt uns natürlich und wisst: Zwischen Weihnachten und Silvester ballern unsere Top-Listen durch den Blog und auch die große Umfrage zu eurem Brettspiel 2025 wird wieder nicht fehlen. An dieser Stelle möchte ich...
Ich kann mir nichts merken, deshalb habe ich meine Einleitung wieder vergessen. Und unkreativ bin ich auch, deshalb hatte ich gar keine geschrieben.
Wie geht WILMOT’S WAREHOUSE? Bei WILMOT’S WAREHOUSE kommt es auf ein gutes Gedächtnis und Kreativität an. Wir managen kooperativ ein Warenlager.
Wer am Zug ist, deckt ein Plättchen auf, das stark abstrahiert ein Objekt oder den Teil eines Objektes zeigt. Wir diskutieren, was das sein könnte und auf welchem Feld des Spielplans das Plättchen (angrenzend an Vorhandenes) abgelegt werden soll. Nach dem Platzieren drehen wir das Plättchen auf die verdeckte Seite.
Das Spiel ist in fünf Runden mit je sieben Plättchen unterteilt. In jeder Runde gilt eine andere Regel. 30 mögliche Regeln gibt es. Sie lauten: Wer ein Plättchen zieht, zeigt es nur den anderen Spieler:innen und platziert es ohne vorherige Diskussion. Erst dann darf über das Plättchen gesprochen werden. Oder: Sämtliche Plättchen derselben Runde müssen innerhalb von zwei Minuten platziert werden.
Das läuft dann etwa so: Wir könnten beschließen, auf einem Plättchen einen Fisch zu erkennen, den wir neben der von uns so benannten Qualle ablegen, die wiederum neben der Haifischflosse liegt, die an eine Doppelwelle angrenzt. Es hilft, wenn wir uns dabei kleine Geschichten ausdenken, um die Plättchen für uns in einen erzählerischen Zusammenhang zu bringen. Denn nachdem alle (in der Basisversion 35) Plättchen liegen, decken wir 150 Kärtchen auf. Sie zeigen unsere 35 Motive – sowie 115 weitere, deren Äquivalente wir in dieser Partie nicht als Plättchen gezogen haben.
Unsere Aufgabe: die korrekten 35 Kärtchen so schnell wie möglich herauszupicken und sie auf die passenden verdeckten Plättchen zu legen. Sind wir fertig, stoppen wir den Timer und werten aus. Jeder Fehler kostet uns zehn Strafsekunden. Eine Tabelle gibt Auskunft, wie gut wir abgeschnitten haben.
Was passiert? WILMOT’S WAREHOUSE hat bei vielen Spieler:innen zunächst eine Abwehrhaltung ausgelöst. „Gedächtnisspiel? – Kann ich nicht!“ hieß es immer wieder. Haben sich die Leute dann trotzdem auf das Spiel eingelassen, war meine Beobachtung oft eine ganz andere: Auch denjenigen, die sich angeblich nie etwas merken konnten, gelang das im Rahmen dieses Spiels sehr gut. Und auch die, die behaupteten, unkreativ zu sein, halfen mit, die Plättchengrafiken zu interpretieren und Eselsbrücken zu ersinnen. Am Ende war die Gruppe oft überrascht, fast alles richtig gemacht zu haben oder sogar völlig fehlerlos geblieben zu sein. Das sind tolle Erfolgserlebnisse.
Zu diesem Erlebnis trägt die gelungene und ansprechende Grafik bei, die wenig vorwegnimmt und viel Freiraum für eigene Fantasie und eigene Geschichten lässt. Die inhaltlichen Verbindungen, die wir herstellen, sind oft witzig. Und das sollen sie auch sein, denn Witziges kann man sich besser merken. Das führt zu der sehr belohnenden Gruppenerfahrung, gemeinsam ein lustiges Spiel zu spielen – das aber erst durch unser Zutun lustig ist.
Was taugt es? Mit WILMOT’S WAREHOUSE habe ich schon viele schöne Gruppenerlebnisse gehabt und hoffe auf weitere. Bei aller Euphorie gibt es allerdings auch Wermutstropfen. Der kleinste: Einige wenige der Regelkarten werfen Fragen nach dem Wie und nach dem Warum auf. Man wird sich aber einigen können, wie man den Text verstehen will, oder man zieht einfach eine andere Karte.
Schwerwiegender finde ich, dass das Spiel überhaupt nicht skaliert. Ob wir zu zweit oder zu sechst spielen: Wir sollen in der Schlussphase die Kärtchen in genau derselben Zeit zuordnen. Zu sechst geht es aber viel schneller, weshalb man zu sechst höchstwahrscheinlich eine deutlich bessere Bewertung erhalten wird.
Überhaupt die Bewertung: Da ist die Gruppe gerade euphorisiert von ihrem überraschenden Erfolgserlebnis, alle Kärtchen fehlerlos zugeordnet zu haben, und bekommt, weil sie länger als drei Minuten gebraucht hat, zu lesen: „Wären Roboter vielleicht besser geeignet für euren Job?“
Der Leistungsgedanke in WILMOT’S WAREHOUSE ist für mich uninteressant bis unpassend. Ich möchte das Spiel gar nicht in immer derselben Personenkonstellation spielen, um eventuell den Highscore um ein paar Sekunden zu verbessern. Ich möchte überrascht sein von den Ideen, die neue Menschen in dieses Spiel hineinbringen. Und ich möchte mich mitfreuen, wenn Gruppen über ihre Erfolge staunen.
Nebenbei: Ich hätte auch gar keine Gruppe, die das wieder und wieder spielen wollen würde. Aber für ab und zu mal und für hier und da ist WILMOT’S WAREHOUSE super.
***** reizvoll
WILMOT’S WAREHOUSE von David King, Ricky Haggett und Richard Hogg für zwei bis sechs Spieler:innen, CMYK.
Ein Geist geht um in der Spieleszene und es ist nicht der heilige Geist vor Weihnachten: Es ist der Geist der zweiten großen Stichspielwelle. Hierzulande bemerken wir zumindest noch vielleicht eher die letzten Ausläufer der Welle, aber global gesehen, ist diese Welle ein Tsunami. Grund genug sich hier spielbar.com intensiver damit zu befassen, ja sogar […]
Es gibt Podcasts über Brettspiele. Es gibt Podcasts mit Brettspielen. Und dann gibt es jetzt Beyond the Table – das neue Format im Würfelmagier Brettspiel Podcast, in dem Spiele zwar der Ausgangspunkt sind, aber ganz bewusst nicht der Mittelpunkt. Gemeinsam mit Uli Blennemann (Spielworxx, alter Hase mit Betonung auf Erfahrung) wage ich mich in einen monatlichen Dialog, der genau dort anfängt, wo Regelhefte, Top-10-Listen und Kickstarter-Previews aufhören.
Die Idee ist simpel – und genau deshalb spannend: Wir sprechen nicht über das Spiel auf dem Tisch, sondern über das, was drumherum passiert. Über Entwicklungen in der Szene, über Hintergründe, Brüche, Trends und Fragen, die man sich als Spieler, Beobachter oder Macher irgendwann stellt. Crowdfunding als System im Wandel, Logistik zwischen Fernost und Spieleladen, Ethik, Historie, Meilensteine der Branche – kurz: über all das, wofür in klassischen Formaten oft keine Zeit bleibt. Kein Marketingkanal, keine Werbeschleife, kein „Unsere Top 5 der Woche“, sondern ein ehrlicher Dialog zwischen Konsumentenblick und Produzentenerfahrung.
Beyond the Table lebt dabei ganz bewusst vom Austausch: zwei Perspektiven, unterschiedliche Biografien, viel Erfahrung – und hoffentlich kluge Gedanken mit einem Augenzwinkern. Die erste reguläre Folge startet direkt mit einem Thema, das uns beide schon lange umtreibt: Crowdfunding – von der idealistischen Mikro-Community zur galaktischen Maschinerie. Und ja, das ist nur der Anfang. Themen werden uns so schnell nicht ausgehen – Vorschläge aus der Community sind ausdrücklich erwünscht.
👉 Die erste Folge von Beyond the Table ist ab sofort überall verfügbar, wo es Podcasts gibt – natürlich im Würfelmagier Brettspiel Podcast. Reinhören, mitdenken, widersprechen ausdrücklich erlaubt.
Kurz gesagt: 👉 Einmal im Monat 👉 Zwei Stimmen 👉 Viele Gedanken 👉 Wenig Buzzwords (Content Creator ist trotzdem ein schlimmes Wort)
Willkommen Beyond the Table. Wir freuen uns drauf – und ihr hoffentlich auch. 🎲✨
Heute ist der 4. Advent und deshalb gibt es heute das vierte und letzte Gewinnspiel im Abenteuer Brettspiele Adventskalender 2025, bei dem ihr wieder ein tolles Brettspiel-Paket gewinnen könnt. Wie genau der Adventskalender funktioniert, was ihr in der 4. Advents-Woche gewinnen könnt und wie ihr teilnehmt, erfahrt ihr im Folgenden. Viel Spaß. Tipp: Hier gibt […]
Der Zufall macht das Unwahrscheinliche möglich. Zumindest an diesem Spätherbstabend:
Wir sitzen zu viert bei Freunden auf der Terrasse. Eingemümmelt in dicken Jacken, Lebkuchen in Griffweite, Dampf steigt auf über den mit Glühwein gefüllten Tassen. Und wir spielen „Hitster“. Frauen gegen Männer. Das hat mittlerweile fast den Traditionsstatus von Weihnachten erreicht. Umso passender, dass wir erstmals die Songs der neuesten Erweiterung aus dem Smartphone dudeln lassen: „Hitster Christmas“. Gut 150 Weihnachtslieder aus den vergangenen rund 100 Jahren.
Häufigstes Intro: das Bimmeln von Glöckchen. So wie man es von Schlitten kennt, die von Rentieren gezogen werden. Wie etwas bei Frank Sinatras Version von „Jingle Bells“. Wie bei „Christmas in Hollis“ von Run DMC. Oder bei der „Petersburger Schlittenfahrt“ von James Last. Zudem begegnen uns zahlreiche Weltstars, die irgendwann einmal im Laufe ihrer Karriere Weihnachtssongs aufgenommen haben. Queen, Taylor Swift oder Whitney Houston. Deutschsprachige Sängerinnen und Sänger sind natürlich auch zu hören: etwa Helene Fischer, Reinhard Mey und Die Toten Hosen als Die Roten Rosen.
Wie das ursprüngliche „Hitster“, holt auch „Hitster Christmas“ durch die Musik Erinnerungen zurück. Wobei Weihnachtslieder nun einmal vor allem an Weihnachten erinnern. Die Zeitreise in die eigene Vergangenheit ist dabei nicht so intensiv wie beim normalen „Hitster“, nicht so konkret mit Lebensabschnitten verbunden. Weil man Weihnachtslieder halt jedes Jahr hört, ist es gar nicht so einfach, die angespielten Songs chronologisch in die richtige Reihenfolge zu bringen. Und das ist ja gerade das Ziel bei „Hitster“ (Wer mehr zu den Regeln lesen möchte, findet Infos in der Hitster-Rezension).
Hitster Christmas und das eine Lied, das nicht fehlen darf
Zurück auf die Terrasse, zu Glühwein und Lebkuchen. Es steht mittlerweile 2:2. Wir sind mitten in der fünften Partie und der Kartenvorrat wird immer kleiner. Und kleiner. Neun Karten liegen bei uns schon in Reihe, es fehlt nur noch eine. Eine letzte Karte im Vorrat, alle anderen haben wir an diesem Abend schon gespielt. Wir sind dran. Es zaubert sich eine Grinsen in meine Gesicht – noch ehe wir den QR-Code scannen und das Lied anspielen. Ich bin mir sicher, was gleich zu hören ist. Es muss einfach so sein. Es kann ja wohl keine „Hitster Christmas“-Ausgabe sein, wenn der Weihnachtssong schlechthin fehlen sollte. Dass es die letzte Karte ist? Zufall eben. Ohne auch nur eine Note zu hören, sortiere ich die Karte ein und sage: „1984. ‚Last Christmas‘ von Wham.“ Dann ertönt:
Hitster Christmas | Jumbo | 2 bis 10 Personen | ab 16 Jahren | 30 Minuten | Meine Bewertung: ★★★★☆ (stark)
Ich bin ehrlich: Bevor der gute Daniel aus unserem wöchentlichen Spieletreff erwähnte, dass er das Spiel mit diesem eingängigen Namen gerne mal wieder spielen möchte, hatte ich noch nie davon gehört. Dabei ist der Autor kein Unbekannter. Dávid Turczi – der Mann, der wahrscheinlich mehr verzahnte Regelhefte geschrieben hat, als andere Leute warme Mahlzeiten gegessen haben – hat mit Anachrony, Imperium: Classics, Voidfall, Nucleum oder dem aktuellen Star Trek: Captain’s Chair schon etliche hochgelobte Titel abgeliefert. Und obwohl ich das alles vorher nicht wusste, habe ich sofort zugesagt, als er eine Testsession vorschlug. Die Grundidee klang einfach zu spannend.
Erster Kontakt
Beim Erklären dachte ich erst: „Das verstehe ich nie. Was will das Spiel von mir? Und wie soll ich bitte auch noch den Kram der anderen Spieler im Blick behalten?“ Ich war kurz davor, mir eine Ausrede zu überlegen. Irgendwas mit „Erich von Däniken hat angerufen, die Aliens sind in meinem Vorgarten gelandet, haben den Dackel gefressen und die Kinder entmaterialisiert.“ Aber dann habe ich mich zusammengerissen und erstmal auf meine Fraktion konzentriert. Aber dann habe ich mich zusammengerissen und erstmal auf meine Fraktion konzentriert. Zwanzig Seiten Regelheft klingen schlimm, aber zehn davon sind Aufbau und Beispiele – und der Rest ist übersichtlich und gut geschrieben. Auf der Rückseite ist sogar alles auf einem Blick zusammengefasst.
Die Verteidigung von Procyon III (von Taverna Ludica Games gefördert in der Spieleschmiede) ist ein Teamspiel. Zwei Teams treten gegeneinander an: Menschen gegen Aliens. Beide Seiten sind nochmals zweigeteilt – genau wie das Spielfeld. Eine Hälfte repräsentiert die Planetenoberfläche mit Bodentruppen, die andere den Orbit um den Planeten, wo Raumschiffe und Laserkanonen ihren Lebenssinn finden. Und alle vier Fraktionen spielen sich komplett asymmetrisch, jede mit eigenen Regeln, Mechaniken und Strategien. Ich merkte das spätestens, als Daniel mir die zwanzigseitige Anleitung meiner Fraktion in die Hand drückte. Zwanzig Seiten Regelheft klingen schlimm, aber zehn davon sind Aufbau und Beispiele – und der Rest ist übersichtlich und gut geschrieben. Auf der Rückseite ist sogar alles auf einem Blick zusammengefasst.
Warum ein Spiel spielen, wenn man gleich zwei spielen kann.
Ich liebe Asymmetrie in Spielen – besonders, wenn sie richtig auf die Spitze getrieben wird. Das ist die hohe Kunst des Game Designs: vier Fraktionen mit komplett unterschiedlichen Regeln so auszubalancieren, dass sie trotzdem miteinander harmonieren. Hier spielt man nicht nur gegeneinander, sondern unterstützt auch aktiv die eigene Seite mit cleveren Synergien.
Ich durfte die Rolle der Former übernehmen – eine der beiden Alienfraktionen. Wie der Name schon andeutet, sind wir nicht gerade dafür bekannt, Einladungskarten zu schreiben, bevor wir zu Besuch kommen. Ich kämpfte im All gegen die Armada der Menschen, die von der Erde Verstärkung geschickt bekommen hatten. Während die Former über Dice Pools und Handkarten gesteuert werden (also planbar und angenehm unglücklichkeitsfrei), arbeitet die menschliche Armada mit Zugprogrammierung und Ressourcenmanagement – was deutlich mehr Chaosfaktor mit sich bringt. Oder wie wir Alien sagen: Menschliches Versagen. Als Former werfe ich zu Beginn sechs Würfel, mit denen ich meine Aktionen plane. Auf jedem sind Punkte und Rauten, insgesamt immer sechs, aber in unterschiedlicher Verteilung. Dann habe ich sechs Handkarten mit je zwei Effekten, von denen ich pro Runde zwei spiele. Bei einer nutze ich den oberen Effekt, bei der anderen den unteren. Der obere Effekt wird über Rauten aktiviert, der untere über Kreise – also muss ich abwägen, welcher Würfel mir in dieser Runde den größeren galaktischen Vorteil verschafft.
Die oberen Karteneffekte aktivieren bestimmte Raumschiffe – von denen ich gleich vier Typen habe – und der untere Effekt sorgt meist für Bombardierungen, Neubauten von Schiffen, Hilfe für meinen Spielpartner oder andere charmante Alienbeschäftigungen.
Nach zwei Runden hatte ich den Dreh raus und begann, mit meinem Alienfreund Synergien aufzubauen. Er spielt ganz anders: Seine Karten legen fest, wo auf der Planetenoberfläche Aktionen stattfinden. Bei Angriffen zieht er Würfel aus einem Beutel – schwarze verursachen Schaden, weiße bedeuten: „Die Menschen haben Glück gehabt.“ Mit bestimmten Effekten kann er den Beutel manipulieren, während ich ihm helfen kann, überflüssiges „Menschenglück“ zu entfernen.
Wenn er menschliche Gebäude zerstört, kann er dort ein „Starlight“ errichten, das mir wiederum mehr Aktionspunkte im All liefert. Es ist also ein wunderschöner Kreislauf aus Zerstörung, kosmischer Teamarbeit und moralischem Verfall – ganz wie im echten Leben.
Das Spiel endet, sobald ein Team 42 Punkte erreicht hat (schöne Anspielung) oder die Aliens zehn Wissenschaftler verschleppt haben. Letzteres schwächt die Moral der Menschheit, denn dann haben Sie niemanden mehr der ihnen PowerPoint-Präsemtationen vorstellen kann. Am Ende hatten wir 45 Punkte und die Menschen… 3. Und das, obwohl sie mit 10 Punkten Vorsprung ins Spiel starten. Das nenne ich mal Effizienz.
Lustigerweise erzählte Daniel, dass in seiner ersten Partie das genaue Gegenteil passiert, war: Da wurden die Aliens vom Himmel geholt, als hätten sie gerade das Parken in der Einfahrt der Menschheit vermasselt. Der Weg zum Sieg ist hier eindeutig das Zusammenspiel – wenn du deinen Partner ignorierst, bist du schneller Geschichte, als du „friedliche Koexistenz“ buchstabieren kannst.
Punktlandung – oder wirds in der Atmosphäre verglühen?
Die Mechaniken sind anfangs durchaus überwältigend, aber sobald man seine eigene Fraktion verstanden hat, läuft der Rest überraschend flüssig. Es ist komplex, aber belohnend – ein Strategiespiel, bei dem man das Gefühl hat, in einem echten Krieg der Welten zu stehen.
Das Teamplay ist dezent aber wichtig, die asymmetrischen Fraktionen sind brillant ausbalanciert, und der Wiederspielwert ist enorm. Eine Fraktion zu meistern, ist schon eine Aufgabe, aber der Wechsel zu einer anderen fühlt sich an wie ein völlig neues Spiel. Von der Komplexität erinnert es an Root – jede Fraktion ist ihr eigenes kleines Universum.
Wir haben auf jeden Fall schon ein Rematch vereinbart. Dann werden wir sehen, ob die Menschen sich besser schlagen. Aber ich bezweifle es. Denn wie wir alle wissen – Panik, Chaos und Selbstzerstörung sind schließlich die wahren Stärken der Menschheit.