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Wiped Out

03. Februar 2026 um 07:16

Eine kurze Sanduhrlänge habe ich beim Assoziationsspiel „Wiped Out“ (Mattel Games) Zeit, um fünf Wörter aufzuschreiben, die meinem aktuellen Teampartner den zu suchenden Begriff erklären. Tier, Collie, bellen, Pudel, Fell. Die Lösung? Klar: Hund. Was aber, wenn nur Tier und Fell als Hinweise stehen bleiben? Ehe der Antwortgeber die geschwärzte Brille absetzen und bis zu drei Rateversuche abgeben darf, wischen die bei dieser Aufgabe passiven Spieler Wörter von der Tafel. Und zwar bis zu drei – je nach Würfelergebnis. Und plötzlich kann der Hund auch ein Pferd oder Zebra sein.

Was mir bei „Wiped Out“ gefällt

Die Aufgabe als Hinweisgeber empfinde ich als äußerst reizvoll. Jeder Begriff sollte möglichst spezifisch für das Lösungswort stehen – zumindest in Verbindung mit jedem einzelnen der vier anderen Hinweise. Der Zeitdruck ist jedoch so hoch, dass oft Abstriche gemacht werden müssen. Für „Hund“ wäre diese Aufzählung wohl – unabhängig vom Würfelglück – eine sichere Bank gewesen: Collie, Pudel, Dackel, Bernhardiner, Labrador.

Wiped Out

So gut die grundlegende Spielidee auch ist: „Wiped Out“ krankt an nicht ausgereiften Regeln. Der Zufall durch den Würfel greift übermäßig stark ein. Es macht eben einen Unterschied, ob nur einer der fünf Hinweise gestrichen wird – oder gleich drei. Wer dabei Pech hat, wird doppelt bestraft. Nicht nur, dass ich keine Punkte erhalte. Glücken die Rateversuche nicht, stauben die passiven Spieler ab.

Wann es bei „Wiped Out“ die doppelte Punktzahl gibt

Vor diesem Hintergrund wirkt es fast so, als sollten die durch den Würfel verursachten Ungerechtigkeiten durch eine andere Regel ausgeglichen werden, denn: Wer aktuell an letzter Stelle liegt, erhält stets die doppelte Punktzahl. Vier statt zwei Zähler bei einer richtigen Lösung, zwei statt einem beim Abstauben.

Wiped Out

Ja, das mag das Rennen um den Sieg spannend halten und auf die Kategorie „Partyspiel“ einzahlen. Aber zugleich wächst wegen der Aufholregel die Bedeutung der Spielreihenfolge. Die Rollen wechseln. Jede bildet mit jedem im Laufe einer Partie (mehrfach) ein Team. Wer wann welche Rolle übernimmt, ist dem Ablaufplan zu entnehmen. Für jede mögliche Spielerzahl gibt es einen eigenen. Jedoch sind nicht alle Ablaufpläne fair aufgestellt. Nicht nur, dass bei identischen Teams die Rollen in einem späteren Durchgang nicht wechseln. Hinzukommt, dass manche Personen noch zweimal aktiv werden dürfen, wenn andere schon fertig sind. Das bewerte ich als Schlampigkeit in der redaktionellen Bearbeitung. Schade.

Wiped Out | Mattel Games | kein Autor angegeben | 3 bis 6 Personen | ab 12 Jahren | Meine Bewertung: ★☆☆☆☆ (mäßig)

Hitster Bingo

13. Januar 2026 um 08:04

Hitster“ ist Kult! Das beweist die Zahl der Erweiterungen, die mittlerweile erschienen sind: Schlagerparty, Summerparty, Guilty Pleasures, Christmas, Rock und noch mehr – in Summe gibt es mittlerweile weit mehr als 1000 Karten mit QR-Codes, hinter denen sich Lieder der vergangenen gut 100 Jahre verbergen. Wird das Muster mit der „Hitster“-App auf dem Smartphone gescannt, ertönt ein Song. Beim klassischen „Hitster“ sortieren wir die Titel chronologisch nach dem Jahr ihrer erstmaligen Veröffentlichung, die Version „Hitster Bingo“ nähert sich einem klassischen Quiz.

Hitster Bingo

Das Licht einer rotierenden Discokugel zeigt bei „Hitster Bingo“ an, wie die Frage zum aktuellen Lied lautet. In der einfachen Variante gibt es diese fünf Kategorien: Solokünstler oder Gruppe? In welchem Jahrzehnt veröffentlicht? Vor oder nach dem Jahr 2000? Jahr des Erscheinens plus oder minus vier Jahre. Oder auf bis zu zwei Jahre genau. Solange die Discokugel leuchtet, darf ich die Antwort auf mein Tableau schreiben. Es bleiben rund 25 Sekunden Zeit – wenn man denn mit dieser Regel spielen möchte. Es gibt einen Grund dafür, aber auch einen dagegen:

Pro Zeitlimit: In einer vergleichsweise einfachen Kategorie wie „Solo oder Gruppe“ kann das Zeitlimit die eigentliche Schwierigkeit darstellen, weil in den angespielten 25 Sekunden beispielsweise nicht die zweite Stimme zu hören ist. Wer das Lied kennt, kann durch Wissen punkten und sich vielleicht entscheidend absetzen. Zudem sorgt die Zeitbegrenzung für ein rasches Vorankommen. 

Contra Zeitlimit: Wer sich streng an die zeitliche Vorgabe hält, nimmt dem Spiel die „Hitster“-Geselligkeit. Das Original baut immer dann Atmosphäre auf, wenn alle am Tisch in die Lieder einstimmen und mitsingen. Wenn Erinnerungen und Anekdoten ausgetauscht werden, welche die Leute mit den Songs verbinden. Meine Empfehlung: Lieber nicht so streng sein.

Weniger Party bei „Hitster Bingo“ als bei „Hitster“

Denn allein schon der Umstand, dass alle bei jedem Lied damit beschäftigt sind, eine Antwort aufzuschreiben, schränkt den Partyspielcharakter von „Hitster Bingo“ ein. Zugleich ist aber auch die Barriere für Menschen, die sich nicht so gut in der Populärmusik auskennen, niedriger. Bei den oben genannten Kategorien kann schlichtes Raten zum Erfolg führen. Was für dieses Spiel nicht unbedingt schlecht ist.

Hitster Bingo

Ärgerlich ist indes, dass Jumbo den Bingo-Mechanismus nicht gut integriert hat. Jeder Kategorie ist eine Farbe zugeordnet. Ist meine Antwort richtig, darf ich ein entsprechend farbiges Feld auf meiner bunten Bingo-Karte ankreuzen. Fünf Kreuze in einer Reihe ergeben ein Bingo, also den Sieg. Nun entscheidet aber die sich drehende Discokugel per Zufall darüber, welche Kategorie ausgewählt wird. Habe ich beispielsweise alle gelben Felder auf meiner Karte markiert, hilft mir die gelbe Kategorie nicht mehr weiter. Es gibt keine Regel, die in diesen Fällen etwa ein Bonus-Kreuzchen an beliebiger Stelle vorsieht.

Hitster Bingo

Diese Regelschwäche kommt einem Aussetzen gleich. Oder soll das eine Aufholjagd der zurückliegenden Personen ermöglichen? Es fühlt sich jedenfalls nicht gut an, schon vor dem Raten zu wissen, dass ich in dieser Runde nichts gewinnen kann. Zudem kann sich eine Partie dadurch in die Länge ziehen, wenn den meisten nur noch ein blaues Kreuz fehlt, diese Farbe aber einfach nicht mehr an die Reihe kommt. So ist das Beste an „Hitster Bingo“, mehr Karten für das normale „Hitster“ zu erhalten.

Hitster Bingo | Jumbo | 2 bis 10 Personen | ab 10 Jahren | 30 Minuten | Spielanleitung | Meine Bewertung: ★☆☆☆☆ (mäßig)

Auf den Wegen von Marie Curie

23. Dezember 2025 um 07:46

„Auf den Wegen von Marie Curie” ist der zweite Titel, mit dem der Verlag Sorry We Are French berühmte Wissenschaftler in den Fokus setzt. „Auf den Wegen von Charles Darwin” war im Jahr 2024 direkt zum “Spiel des Jahres” nominiert worden. Es zeichnet auf eine konsequent reduzierte Weise die Reise des britischen Evolutionsforschers nach. Im neuen Spiel dreht sich nun alles um die aus Polen stammende Marie Curie (1867-1934).

Auf den Wegen von Marie Curie

Wie schon das Darwin-Spiel, punktet auch „Auf den Wegen von Marie Curie” mit einem Zusatzheft, in dem die wichtigsten Stationen der Wissenschaftlerin nachgezeichnet werden. Marie Curie forschte zur Radioaktivität, entdeckte neue Elemente und erhielt die Nobelpreise für Physik (1903) und Chemie (1911).

Im Spiel folgen wir ihr in das Labor und stellen selbst Experimente mit Pechblende, Uran und Radium an. Die Ungewissheit über den Ausgang von Versuchen wird hier simuliert, indem wir Holzsteinchen, die Elemente, in einen Würfelturm werfen. Manche Steine bleiben hängen und kommen möglicherweise erst bei einem Zug eines anderen Spielers wieder zum Vorschein. Ein passender, wenn auch mitunter ungerechter Mechanismus.

Ein ständiges Umwandeln bei „Auf den Wegen von Marie Curie“

Der Zufall greift also ein bei der Auswahl an Elementen, die uns für verschiedene Aktion zur Verfügung stehen. Aufgabe ist es nun, mit den Ergebnissen möglichst effektiv umzugehen, um letztlich Siegpunkte zu ergattern. Wir absolvieren Experimente, erwerben sogenannte Aktivitätskarten, stellen Thesen auf. Das geht einher mit einem ständigen und eintönigem Umwandeln der Elemente: drei Pechblende gleich ein Uran, zwei Uran gleich zwei Radium, zwei Radium gleich ein Siegpunkt und ein Schritt auf der Zeitleiste.

Auf den Wegen von Marie Curie

Zeitleiste? Ja, wir haken die wichtigsten Stationen Marie Curies ab – mit einmaligen Aktionsmöglichkeiten zu bestimmten Zeitpunkten. Darauf sollte man vorbereitet sein. Zudem bestimmt die Zahl geglückter Versuche die Aktionsmöglichkeiten. Doch der Spannungsbogen nimmt dadurch nicht zu. Im Gegensatz zu Marie Curies wirklichem Leben fehlen in diesem Spiel leider die Höhepunkte.

Auf den Wegen von Marie Curie | Sorry We Are French | Florian Fay | 2 bis 4 Spieler | ab 10 Jahren | 20 bis 40 Minuten | Spielanleitung | Meine Bewertung: ★☆☆☆☆ (mäßig)

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