Normale Ansicht

Chartbreak: Kreativität ist hier leider doch nicht gefragt

Von: ravn
29. Mai 2026 um 23:52

Manche Spiele tragen einen erklärenden Zusatz im Titel, der Erwartungen weckt. Unter einem Musikquiz, bei dem wir selbst die Fragen stellen, hatte ich mir allerdings ein wenig mehr versprochen. Mehr als nur von einer vorgegebenen Karte genau diese Fragen vorzulesen und einem Mitspieler zu stellen. Angespielt haben wir es auf der Spiel DOCH! 2026 in Dortmund trotzdem.

Erwartungen sind halt so eine Sache. Wirklich kreativ war an dem interaktiven Musikquiz vom Frechverlag, der uns mit Krakel-Orakel schon eine Menge vergnüglich-gesellige Spielrunden beschert hat, dann leider nichts. So direkt muss ich es hier ansprechen. Im Fahrwasser von Hitstar lässt sich das eigene Musikspiel halt gut platzieren. Allerdings geht es hier bei Chartbreak weniger um eine zeitliche Zuordnung als vielmehr um ein traditionelles Quiz. So sollen wir Songs erkennen, Bandmitglieder zuordnen und Songtexte zitieren. Dabei bestimmt der reihum wechselnde Quizmaster, wer diese Frage am ehesten richtig beantworten kann. Aber mehr dazu direkt im O-Ton der Spieleerklärung direkt von der Spiel DOCH! 2026 in Dortmund – reingelauscht:

In Summe liegen 150 Fragenkarten bei, wobei Ihr zwingend ein Smartgerät mit Internetzugang dabei haben solltet, denn einige Fragen nutzen Spotify, um die Titel per QR-Code abzuspielen. Kennt Ihr ja vom großen Vorbild Hitstar. Uns hat die Anspiel-Session durchaus Spaß gemacht, wobei die Fragen quer durch alle Musikrichtungen teilweise schon Expertenwissen bedient haben. Aber dafür könnt Ihr halt den Mitspieler wählen, der sich hoffentlich bestens in K-Pop oder Klassiker aus den 70er-Jahren auskennt. Für einen geselligen Abend unter Musikinteressierte, die zwischen Hitstar ein wenig Pause und nicht zu genrefremde Abwechslung brauchen, könnte Chartbreak durchaus eine vorsichtige Empfehlung sein. Der routinierte Autor Günter Burkhardt, mit weit über 100 Veröffentlichungen, ist dafür verantwortlich, der schon etliche Quizspiele umgesetzt hat. Wisst Ihr noch, wo Ihr Minden finden könnt?

2gether: Kooperative Beutejagd mit Rot-Blau-Maske

Von: ravn
13. Mai 2026 um 00:12

Der kryptische Spieletitel ist dem Umstand der internationalen Version geschuldet. Schwamm drüber, denn dahinter versteckt sich ein kommunikatives Echtzeitspiel im thematischen Gewand eines gemeinsamen Raubzuges. Wären da nur nicht die Laser-Sensoren, die nur jeder Zweite von uns sieht. Auf der Spiel DOCH! 2026 in Dortmund kennengelernt und aufgrund seiner Originalität direkt ins Spielerherz geschlossen.

Niemand hat etwas von einem chronologischen Rückblick auf die Spiel DOCH! 2026 in Dortmund erzählt. Ich schon mal gar nicht und deshalb war der Messestand von Piatnik auch meine allererste Station am Freitagmorgen der Veranstaltung in der Westfalenhalle 4 mit dem angenehmen Tageslicht, das für Wohlfühlatmosphäre sorgt. Eigentlich wollte ich dort ein ganz anderes Spiel erkunden, denn als alter Wortspielfreund hatte ich „Wort im Wort“ auf meinem Zettel. Allerdings wusste ich nicht, dass es sich dabei um eine neue Memory-Variante handelt, die Wortpaare ineinander schachtelt, also Eier-Feier, Lasche-Flasche und Ohr-Rohr. Ok, also diese Kennenlern-Session geschenkt und spontan das ausprobiert, was dort auf dem Tisch lag. Fix und kompetent erklärt und im Audio-Mitschnitt für Euch festgehalten – Ton ab dafür:

Diese Rot-Blau-Masken von 2gether sind schon der Hingucker, wenn wir die auf unserer Nase umgeschnallt haben. Leider dürfen offiziell nur zwei Spieler zusammen antreten. Das grenzt es für mich ein, wann ich dieses ansonsten familientaugliche Spiel der Autoren Arthur Anguilla, Antonin Boccara und Jules Messaud auf den Tisch bekommen könnte. Ich bin da mehr in größeren Spielrunden unterwegs. Aber als Einstieg oder Absacker, wenn die Meute noch nicht eingetrudelt ist oder vorab von dannen zieht, lässt sich der 20-Minuten-Happen gut einschieben. Zumal es dank der Missionsstruktur auch beliebig verlängert werden kann. Ansonsten wechselt Ihr Euch einfach ab, denn schon das Zuschauen mit vollem Durchblick aufs Spielgeschehen macht Laune.

Vier verschiedene Level mit ihren doppelseitigen Raumkarten sind im Spiel und wer es herausfordernder mag, der dreht das Versteck um und sorgt für eine gesteigerte Herausforderung. Anfangs sind wir noch im Herrenhaus unterwegs, bevor wir uns ins Casino wagen und über das Museum uns die Raumstation als Betätigungsort unserer Beutezüge vornehmen. Mit diesen insgesamt acht Spielplänen ist somit Abwechslung garantiert. Mir hat es gefallen, was ich da angespielt habe. Für rund 25 Euro im Handel und auch deshalb eine Empfehlung, wenn Ihr die ungewöhnliche Kombination 2er-Spiele, Zeitdruck, Kooperation und Kommunikation zu schätzen wisst.

Kilia: 60 Minuten Reeder sein in interessanten Eurogame-Zeiten

Von: ravn
10. Mai 2026 um 12:12

Komplex verschachtelte Eurogame-Optimierspiele gibt es viele. Das hier ist zum Glück keines davon. Das angenehm reduzierte Erstlingswerk vom Autor Lars Ehresmann führt uns in eine Zeit, die Ruhm und Reichtum verspricht. Der Schleswig-Holsteinische Canal wurde eröffnet und wir sind mit dabei. Eine Aktion pro Zug und keinerlei nervige Kettenzüge und das alles im belohnenden Wettstreit im Kreise unserer Mitspieler. So entfaltet sich ein empfehlenswertes 60-Minuten-Spiel vor uns.

Unser Spieleinstieg ist dank der Packungsrückseite angenehm thematisch: „Die Ostsee glitzert im Licht der Morgensonne, Segel flattern im Wind, der Duft von Salz und exotischen Gewürzen liegt in der Luft. Kilia erwacht – und mit ihm eure Redereien.“ Klingt doch schon mal gut und erstrebenswert und das ist auch unser Motto. Denn als aufstrebender Reeder des 18. Jahrhunderts bauen wir gerade unser Handelsimperium auf. Eben erst wurde der neue Eider-Kanal als Vorläufer des Nord-Ostsee-Kanals eröffnet und bietet uns lukrative Möglichkeiten. So ergibt sich für uns eine historisch angesiedelte Optimierung von Karten und Ressource in der Hafenmetropole Kiel.

Autor Lars Ehresmann hat uns sein Spiel auf der Spiel DOCH! 2025 in Dortmund am Messestand von HUCH! in eigenen Worten erklärt. Ihr könnt diesen ebenso lauschen und auch die ersten Spielzüge per Audio-Mitschnitt miterleben. Damit sollten sich keine regeltechnischen Fragen mehr stellen und Euch klar werden, worum es hier für 2 bis 4 Spieler in entspannten 60 Minuten geht – Leinen los:

Aller Anfang scheint schwer und Kilia kommt auch etwas träge bis mühsam ins Spiel. Schließlich wollen wir unsere Eurogame-Maschine erstmal ans Laufen bekommen. Die unterschiedlichen Ausgangsressourcen sorgen dazu dafür, dass wir nicht genau unsere Mitspielerzüge kopieren und dadurch als Nachzügler ins Hintertreffen geraten. Diese leichte Asymmetrie hat mir gefallen. Wobei so eine Erstpartie auch immer ein Stochern im Nebel der Möglichkeiten ist. Also einfach mal losspielen und ausprobieren.

Unser Startauftrag hilft uns, ein erstes Ziel und damit eine erste Strategie zu entwickeln. Ich benötige Salz und einen beliebigen Rohstoff und werde dafür am Spielende nicht nur mit einem Siegpunkt belohnt, sondern bekomme direkt einen benötigten Rohstoff meiner freien Wahl geschenkt und einen neuen Auftrag aus der Auslage. Und schon habe ich mein neues Ziel und komme der ausliegenden Errungenschaft näher, möglichst vor oder zumindest in derselben Runde drei Aufträge zu erfüllen. Dadurch nähern wir uns selbst gesteuert dem Spielende, wenn einer von uns vier seiner Wertungsmarker gesetzt hat.

Dazwischen spielt sich Kilia erfrischend flott, denn jeder führt nur genau eine Aktion aus und die Schiffe lassen wir als belohnendes Element alle zeitgleich fahren. So studieren wir die offen liegende Auslage an Aktionskarten, suchen uns eine davon aus, legen die an unser Tableau an und führen die zugehörige Aktion aus. Fertig. Leider spielt sich Kilia aus meiner subjektiven Sichtweise recht interaktionsarm. Das Spiel rund um Handelsimperien kennt keinen Handel zwischen uns Spielern und direkte Interaktion gibt es auch nicht. Viel mehr bauen wir im Wettstreit unsere Reederei aus und wollen dabei Wertungsmarker platzieren. Jeder ist dabei auf sein eigenes Tableau fokussiert, während die Mitspieler fast nur Störfaktoren sind, die uns begehrte Aktionskarten aus der gemeinsamen Auslage vor der Nase wegnehmen. Dann heißt es eben kurz umplanen und aus den Gegebenheiten, die zweitbeste Zugmöglichkeit zu finden.

Wer ein solches selbst belohnende Aufbaugeschehen rund um Rohstoffe, Ausbauten, Aufträge und Wertungsmöglichkeiten mag, für den ist Kilia ein schön thematisches Optimierungsspiel auf der Grenzlinie zwischen Familien- und Expertenspiel. Höhepunkt jeder Spielrunde war für mich, mein Pappschiff haptisch ansprechend dem neuen Schleswig-Holsteinischen Kanal zwischen der Nordsee und der Ostsee entlang fahren zu lassen. Geleitet in einer tieferliegenden Schiene bis zum anderen Ende des Kanals. Meine Strecke verlief von London nach Kiel und auf dem Weg konnte ich Münzen und Rohstoffe einsammeln. Das fühlte sich stets gut an, auch wenn mir die grafische Abbildung meiner Schiffe die Ausrichtung von Bug und Heck besser hätte vermitteln können. Nicht nur einmal wollte ich rückwärts losfahren, um Packhaus nach Packhaus anzusteuern. Ich hatte schlicht vergessen, mein Schiff zu drehen. Meine Mitspieler haben mich allerdings rechtzeitig gestoppt.

Die fehlende Interaktion wurde übrigens laut Autor Lars Ehresmann für das vorliegende Grundspiel reduziert. Da könnte also noch einiges mehr kommen, sofern denn Kilia auf dem Markt der vielen Brettspielneuheiten in den kommenden Monaten überzeugen kann. Für ein Erstlingswerk wirklich beeindruckend, wie rund sich Kilia spielt. Das perfekte Spiel für entspannte Partien an einem Sonntagnachmittag, wenn das Eurogamer-Hirn ein wenig gefordert sein möchte, aber eben nicht zu viel. Für Kaffee und Kuchen sollte hier nebenbei noch Zeit sein. Deshalb meine Empfehlung, auch wenn ich die wirklichen Spitzen der Höchstspannung etwas vermisst haben.

Dindex: Von Schafen und Wölfen zu meinem Messe-Höhepunkt

Von: ravn
02. Mai 2026 um 13:47

Die Demokratie steht bei uns als Thema auf dem Spieletisch und zeitgleich auf dem Spiel. Nicht mit erhobenen Zeigefinger vorgetragen, sondern als Politikspiel, in dem wir selber die Akteure sind und Handlungen mit ihren Folgen hautnah nacherleben können. Bei einigen Aktionen lief mir ein kalter Schauer über den Rücken, weil wir hier so nah an der Realität sind bei diesem Social Deduction Game mit Aktionskarten als Motor des Geschehens. Vom Autor vor Ort erklärt und in Viererrunde angespielt.

Wir sind drei Demokraten und ein Oligarch. Diese Rollen werden zu Spielbeginn verdeckt verteilt. Bis zu sieben Parteien können dabei sein, wobei der Anteil an den Gegenspielern unserer Demokratie ansteigt. Aber auch ohne Spieler, die das Scheitern unserer Rechtsordnung bewusst herbeiführen wollen, ist es kein leichtes Spiel. Denn die Demokraten selbst verfolgen zudem eigene Interessen, wollen wiedergewählt werden und brauchen dazu Stimmen. Am Ende gewinnen die Oligarchen gemeinsam oder ein Demokrat konnte die meisten Regierungspunkte für sich einsammeln. Da ist die Verlockung arg groß, einfach mal populistisch zu agieren, Wahlen für eigene Zwecke zu manipulieren und selbst vor Wahlbetrug nicht zurückzuschrecken.

In meiner Anspielpartie auf der Spiel DOCH! 2026 in Dortmund am Messestand von AdveRunde habe ich das alles komprimiert selbst erleben können. Aus Zeitgründen haben wir unsere Partie abgebrochen, ich hätte aber gerne weitergespielt. Dindex ist im Eigenverlag vom Autor Lars-Michael Stock entstanden. Der Mann hat eine Mission, betätigt sich in der politischen Schulbildung und möchte mit Dindex aufzeigen, wie fragil und ebenso schützenswert unsere parlamentarische Demokratie ist. Am Spieltisch könnt Ihr das je nach Mitspielerzahl und vorab vereinbarte Spiellänge in rund 30 bis 120 Minuten erleben.

Das asymmetrische Kartenspiel ist bewusst einfach gehalten. Bietet aber im Rahmen der 100 verschiedenen Aktionskarten eine Menge an Möglichkeiten. Lauscht einfach selbst der Spielerklärung direkt vom Autor und Ausschnitte unserer Anspielpartie im Audioformat – von der Spielvorbereitung über die Geheimaktionen bis zu den finalen offenen Aktionen mit der Rundenabrechnung:

Wer jetzt Lust auf Dindex bekommen hat, der bekommt es für 24 Euro im Direktvertrieb des Verlages oder auf diversen Spieleveranstaltungen vor Ort. Ich für mich spreche dafür eine Empfehlung aus, obwohl es klar sichtbare Ecken und Kanten eines Kleinstverlagsspiels hat, das ich durchaus als Herzensprojekt einordne. Eine erfahrene Redaktion hätte das Spielgeschehen sicher runder gemacht und ebenso ein paar Einstiegshürden minimiert. Spielbar und das sogar wirklich gut und spannend ist Dindex trotzdem in der vorliegenden Form. Ihr solltet nur bereit sein, eventuell etwas eigene Hand anzulegen oder Euch Zeit für die 32-seitige und etwas geschwätzige Anleitung nehmen.

Konkret ist die gewählte Symbolik auf den Aktionskarten für mich nicht eindeutig genug. So steht die Lupe für Geheimaktionen, obwohl die Lupe in meinem Verständnis etwas deutlicher werden lässt. Hier werden Aktionskarten geheim gespielt, spielmechanisch verdeckt in einen Stapel und dann gemischt reihum ausgeführt, sofern möglich. Ein Spion-Symbol oder eine Maske hätte ich da besser nachvollziehen können.

Und dass sich der Dindex am Kartenrand ausschließlich auf die Ausspielmöglichkeiten beziehen, aber eben nicht den einzelnen Textpassagen der Karte zugeordnet sind, das muss einmal erklärt werden. Ich konnte genau das Stirnrunzeln sehen, als meine Mitspieler das erste Mal eine Aktionskarte sahen und wenig verstanden haben. Ging mir genauso. Hier hätte eine optisch eindeutigere Trennung der Kartenelemente geholfen.

Dazu kommt noch, dass hier weiße grasende Schafe und aufrecht stehende braune Schafe als Symbolik genutzt werden, mal durchgestrichen und mal nicht. Die Rückseite der Spielanleitung gibt dazu Auskunft, was das bedeuten soll. Es sind eigene Wähler sowie Nichtwähler in der Tischmitte und Stammwähler einer Partei und Systemgegner in der Tischmitte. Da hätte ich mir lieber eine eigene Übersichtskarte für jeden Spieler gewünscht. Solche Übersichtskarten gibt es zwar, aber nur vier davon und die nur einseitig mit dem Ablauf der Legislaturperiode bedruckt, die dem spielerischen Kern von Dindex entspricht. Die Rückseite wäre also noch frei gewesen.

Um den Spieleinstieg nochmals zu erleichtern, hätte ich mir Kartenablagen gewünscht. Einfach passende Pappteile, die per Schriftzug genau bezeichnen, was dort in der Tischmitte gestapelt und ausgelegt ist. Ebenso gerne für jeden Spieler, um dort die Stammwähler und Wähler zu sortieren. Wer mag, der bastelt sich das selbst und druckt es auf Papier aus. In der aktuellen Spieleschachtel wäre sowieso kaum Platz dafür gewesen, weil die ist randvoll gefüllt. Die Kartenqualität ist zwar ausreichend gut, aber die Zufallskarten sowie die Rollenkarten habe ich trotzdem in Kartenhüllen gepackt. Wäre schade, wenn die markiert und damit unbrauchbar werden würden. An das Sleeven der anderen Karten braucht Ihr erst gar nicht denken, denn dann müsstet Ihr Euch direkt eine neue Spieleschachtel mit weitaus mehr Volumen besorgen.

Vom spielerischen Aspekt steuert sich Dindex über die Aktionskarten. Davon habt Ihr eine zufällige Auswahl auf der Hand und könnt damit Aktionen ausführen. Der aktuelle Demokratieindex-Wert schränkt Euch dabei ebenso ein wie mache Karten, die nur von der Opposition oder der Regierung oder den Oligarchen oder den dargestellten Ministerien gespielt werden dürfen. Das schränkt ein und genau deshalb gibt es auch die Aktion, eine Handkarte abzuwerfen und nachzuziehen. Glück ist somit im Spiel, ob und was Ihr machen könnt und ob diese Aktionen in Eure Strategie passen.

Wer hingegen gezwungen ist, eine Aktionskarte abzuwerfen, in der Hoffnung, eine brauchbare Karte nachzuziehen, der hat in der Phase der offenen Aktionen einen Tempoverlust. Wenn sogar alle Spieler nur Karten nachziehen oder passen, anstatt eine Aktionskarte auszuspielen, ist diese Phase vorbei. In meiner Partie hätte ich gerne den Dindex wieder Richtung demokratischem Konsens getrieben, nur gaben mir meine Handkarten nicht die Möglichkeit dazu. Diese Handlungseinschränkung müsst Ihr hinnehmen oder selbst die Regeln für Euch anpassen, indem direkt zwei statt nur eine Karte ausgetauscht werden darf – mit ungewissem Ausgang für die Spielbalance solcher Hausregeln.

Trotz aller Detailkritik dieser Ecken und Kanten war Dindex für mich der Höhepunkt der Spiel DOCH! 2026 in Dortmund. Direkt neben Hero Story, das ebenso Potenzial hat, zu polarisieren. Beide habe ich vor Ort gekauft und bei Dindex hat ein Mitspieler auch direkt zugeschlagen. Sollte für sich und das Spiel sprechen. Dindex lebt von der Atmosphäre am Spieltisch und der hochaktuellen Thematik, die sich in den vielen Aktionskarten von „Die da oben!“ bis „Propaganda im Staatsfernsehen“ widerspiegelt. Wenn Ihr mit einem etwas glückslastigen Spielablauf über Aktionskarten leben könnt und den Möglichkeiten, die Euch dabei Eure Kartenhand bietet, um in diesen Grenzen zu agieren, dann spreche ich eine klare Kaufempfehlung für Dindex aus. Hier würde ich mir eine Deluxe-Version wirklich wünschen. Bis dahin werde ich beizeiten wohl selbst Hand anlegen, um die Dindex-Einstiegshürden für meine Mitspieler und mich zu minimieren. Denn Dindex ist zu wichtig, um nicht gespielt zu werden.

Palooka AI: Anders als gewöhnlich und deshalb interessant

Von: ravn
30. April 2026 um 21:18

Der Spieletitel dieses ungewöhnlichen Prototyps auf der Spiel DOCH! 2026 in Dortmund leitet sich von dem Slangbegriff für einen ungeschickten Boxer ab, um den sich Legenden unbekannter Herkunft ranken. Autor Gerhard Junker erfindet seine ganze eigene Geschichte dazu und hat all den ins All geschossenen Tieren ein spielerisches Denkmal gesetzt und uns ein Spiel erschaffen, das alle Genregrenzen sprengt. Seine Erklärung im Audiomitschnitt und meine Erfahrungen der Anspielpartie geben Euch einen ersten Eindruck davon, was Ihr in der kommenden Crowdfunding-Kampagne erwarten könnt.

Endlich mal keine Rohstoffe sammeln, um damit Aufträge in Siegpunkte umzuwandeln. Ich bin da um jede Neuheit froh, die solchen arg ausgetretenen Spielmechanismen fernbleibt. Stattdessen wird es in Palooka AI haptisch, taktisch und teils auch ein wenig konfrontativ. Zeitdruck ist in einzelnen Phasen bewusst eingesetzt auch mit dabei. Dazwischen gibt als spielerischen Ausgleich fokussiert grüblerische Optimierung rund um abgestimmte Aktionsfolge. Palooka AI bietet viel und da gilt es für Euch die Übersicht zu bewahren. Eine Kennenlernpartie solltet Ihr Euch schon gönnen, um dieses eher ungewöhnliche Brettspiel in den sich Euch bietenden Möglichkeiten zu erfassen.

Auf der Spiel DOCH! 2026 in Dortmund habe ich Palooka AI in entspannter Zweierrunde in der vereinfachten Grundversion angespielt. Am Messesonntag betreute Autor Gerhard Junker alleine zwei Spieltische und erklärte uns so das Spielgeschehen wechselweise in Etappen. Hier für Euch im Audiomitschnitt zusammengestellt – von der Spielidee über die Grabbelphase bis zu den Kartenaktionen miterlebt und im zweiten Teil ein abschließendes Kurzinterview mit dem O-Ton des Autors:

Was passiert da auf dem Tisch aus Spielersicht? Ich grabbel blind in meinem Materialsack und muss mich dabei vollkommen auf mein Tastgefühl verlassen, um passende Pappteile herauszufischen. Diese fünf gezogenen Teile teile ich nun in direkt verwertbar und Schrott für später auf, den ich offen und im Zugriff für alle Spieler liegenlasse. Im Folgeschritt überlege ich dann, wie ich mit meinen Aktionskarten eine begrenzte Folge von Anweisungen so zusammenstellen kann, die mich in Summe mein mächtiges Roboter-Konstrukt als Ziel näherkommen lässt. Dazu sollte ich im Blick haben, was alles an Sammel- und Umsortier-Aktionen möglich ist und was für mich davon sinnvoll scheint und welche Grenzen mir die Aktionskarten setzen.

Mein Aha-Erlebnis kommt in der Aufdeck- und Ausführphase dieser zunächst verdeckt liegenden Aktionskarten. Passt das alles so zusammen, wie zunächst gedacht, oder habe ich doch etwas übersehen? Erst grabbeln, dann planen und dann ausführen. Das umreist grob eine Spielrunde und am Ende des Spiels werten wir unsere Roboter-Konstruktion aus, um Siegpunkte zu notieren. Eigentlich ganz einfach. Allerdings haben wir noch ohne die optionalen Zusatzmodule von Palooka AI gespielt und auch nur zu zweit statt in Vollbesetzung. Das Spiel bietet noch so viel mehr. Ein Baukasten der Möglichkeiten sozusagen.

Palooka AI steht sich leider etwas selber im Weg. Aus Spielersicht sehe ich das so, verstehe aber ebenso, dass der Autor da seine ganz eigene Sichtweise hat, wie im Nachgespräch meiner Anspielpartie klargelegt. Der Titel von Palooka AI ist für mich nichtssagend. Der löst keine Bilder im Kopf aus, auch weil ich vorab nicht wusste, was ein „Palooka“ überhaupt ist. Durch den Zusatz „AI“ bekomme ich allerdings eine Erwartungshaltung verpasst, die mich eher abschreckt. Schlicht weil der Begriff „AI“ inzwischen eher negativ bei mir besetzt ist. Dabei möchte der Autor Gerhard Junker ganz bewusst mit solchen Begriffen spielen und denen eine positiv neue Bedeutung als „Analoge Intelligenz“ in Bezug auf die tierischen Helfer in ihren Raumanzügen geben. Verstanden, aber erst im Nachgang der persönlichen Erklärung. Mit alleinigem Blick auf den Spieletitel verstehe ich die Meta-Ebene aber zunächst nicht und erkenne erst gar nicht, dass es überhaupt eine gibt.

Bei der vorhandenen Neuheitenflut des Brettspielmarktes kann jede noch so kleine Irritation und falsche Erwartungshaltung zu einer Nichtbeachtung führen. Wenn ich „AI“ im Titel lese und vermute, dass da künstlich generierte Grafiken und Illustrationen mit im Spiel sind oder mir eine App aufgezwungen wird, dann schalte ich vorschnell meinen Filter ein uns sortiere solche Spiele aus, bevor die überhaupt in meine engere Mal-anschauen-Auswahl kommen. Bei Palooka AI gibt es keinerlei AI-Grafiken, ganz im Gegenteil. Die wirklich sehenswerten Illustrationen stammen von dem Storyboard Artist Brian Read, der erstmalig seine Werke in einem Brettspiel einer breiten Öffentlichkeit zeigt statt versteckt im internen Prozess des Filemachens. Und eine App gibt es, aber nicht in elektronischer Form, sondern als ironische Abkürzung für „Analysis Paralysis Player“, der schlicht eine der Roboter-Monteure darstellt, der uns als Charakter durch sein beharrliches Grübeln zur Aufgabe zwingen könnte. Verstanden? Wenn nicht, dann versteht Ihr meine Verwirrung ebenso.

Ich persönlich habe mich zudem mit der Zuordnung der Aktionskarten schwergetan. Dort ist kein erklärender Text abgebildet, stattdessen soll ich aus den geometrischen Formen auf die Spielmaterialen schließen, was ich sehe und mir so klar werden, was ich von wo und was dort machen kann. Auch die Sonderteile meines persönlichen Lagers und meines Konstruktionsplatzes haben sich mir auf Anhieb nicht erschlossen. Da ich zudem mit den ganzen Begrifflichkeiten hier herumstolpere, zeigt es ebenso nur, dass ich noch gar nicht recht durchdrungen habe, was das alles darstellen soll. Im Spielverlauf konnte ich die thematische Brücke nicht begehen, die mir in anderen Spielen spielmechanische Zusammenhänge klarer werden lässt. Palooka AI erfordert viel Erklärungsaufwand, der sich für mich nicht von sich erschlossen hat. Hier hoffe ich, dass der Autor im Rahmen seiner Crowdfunding-Kampagne noch nachbessern wird und ein wenig auf die Bremse tritt.

Was bleibt, das ist ein Prototyp der noch einige Ecken und Kanten hat, was für einen Prototyp völlig in Ordnung ist. Ob und wie viele davon in der späteren Verkaufsversion enthalten und erhalten bleiben, kann ich in keinster Weise beurteilen. Zwar machen diesen Anstoßpunkte Palooka AI für sich gesehen außergewöhnlich und deshalb auch interessant, aber einen Spieleinstieg mit weniger Erklärbedarf wünsche ich mir als Spieler und potenzieller Käufer dann doch. Ob dieser Drahtseilakt gelingt, wird sich im Laufe der Crowdfunding-Kampagne zeigen müssen. Ich wünsche viel Erfolg auf diesem Weg, der im Umfeld der rundgeschliffenen Neuheitenflut mit bequem-bekannten und damit für mich langweiligem Mechanismen-Wiederholungen sicher nicht einfach sein wird.

Hero Story: Polarisierend atmosphärisches Stichspiel

Von: ravn
28. April 2026 um 22:09

Die Ursprünge dieser bisher von mir völlig übersehenen Neuheit aus dem Winter 2025 liegen bei den Autoren Jamey Stegmaier und Pete Wissinger. Seit Februar 2026 gibt es die deutschsprachige Lokalisation von Feuerland Spiele und zwei Monate später habe ich das Kartenspiel auf der Spiel DOCH! in Dortmund entdeckt und bei meiner Anspiel-Session abgefeiert. Aber nicht jeder war in meinem Umfeld begeistert, als ich es danach auf den Tisch bringen wollte.

Die Spiel DOCH! 2026 in Dortmund hat mir mal wieder ausführliche Gelegenheiten geboten, all das für mich zu entdecken, was ich die Monate davor schlicht verpasst hatte. So auch die deutschsprachige Version von Origin Story aus dem Hause Stonemaier Games. Anscheinend war ich mit Vantage ausreichend ausgelastet, sodass ich die ganzen Ankündigungen und sogar das Entwickler-Tagebuch von Jamey Stegmaier seit Oktober 2025 übersehen konnte. Erstaunlich, aber so war die Überraschung umso größer, als ich Hero Story bei Feuerland Spiele sah. Das Kartenspiel an sich ist gleich geblieben, der Titel wurde allerdings angepasst und natürlich die Kartentexte mitsamt Anleitung übersetzt. Das Thema Sprachhürde ist hier also keines. Der Einstieg gelingt umso leichter. Und noch leichter wird es für Euch, wenn Ihr die Spielerklärung lauscht, die ich direkt vom Feuerland Spiele Messestand bei meiner Erstpartie mitschneiden konnte:

Richtig gehört, Hero Story ist ein recht gradliniges Stichspiel, bei dem Bedienzwang herrscht und Ihr für gewonnene Stiche Punkte bekommt. So geht das über fünf Runden, in denen wir normalerweise unsere acht Handkarten ausspielen. Nur normal ist bei Hero Story schon mal gar nichts, denn schließlich geht es um Superhelden und Superschurken. Für welche Seite Ihr Euch Runde für Runde entscheidet, das ist Euch mit Blick auf Eure Kartenhand überlassen. Wollt Ihr Eure böse Gesinnung ausleben, solltet Ihr möglichst Stiche vermeiden, um die vier Bonuspunkte einzusammeln. Ihr seid eben als Held noch ganz am Anfang Eurer Geschichte und könnt Euch noch nicht so recht für eine Seite entscheiden.

Und schon sind wir mittendrin im Thema und das ist die Besonderheit von Hero Story. Denn die komplette Aufmachung von Hero Story atmet das Herzblut eines Comic-Nerds. Schon bei der Auswahl der einzigartigen fünf Charaktere im Spiel. Jeder hat sein eigenes Spieler-Tableau mit großformatigem Cover und den illustrierten Ablagefeldern für Eure Storykarten auf der aufgeklappten Innenseite. Von Spielrunde zu Spielrunde schreibt Ihr so Eure Geschichte aus einer Zufallsauswahl von besonderen Fähigkeiten fort. Wer wollte nicht schon immer mal unsichtbar sein oder eine verbündete Jägerin an seiner Seite zu wissen? Hero Story macht das alles möglich und das in einem Stichspiel.

Natürlich kommt in der Mitte des Spiels in Runde 3 ein besonderes Ereignis ins Spiel, das für alle Mitstreiter gilt und 18 verschiedene wie überraschende Story-Wendungen bietet. Körpertausch gefällig? Die letzte Spielrunde lässt Euch dann abschließend Eure bisher geheime Superidentität enthüllen. Als was wollt Ihr in die Geschichte eingehen? Ihr bestimmt es aus der erneut zufälligen Auswahl von zwei Karten selbst, die bisher auf der Rückseite für Euch den Rundenablauf dargestellt haben. So etwas nenne ich schön durchdacht und genau an diesen vielen Kleinigkeiten merke ich, dass mir Hero Story außergewöhnlich gut gefällt. So gut, dass ich es mir direkt auf der Messe gekauft habe. Für 25 Euro konnte ich an der kleinen Schachtel nicht vorbeigehen.

Für mich eines meiner Spiel DOCH! 2026 Messehöhepunkte. Nur sieht das nicht jeder so und das ist auch völlig in Ordnung für mich. In meinem spielerischen Umfeld wurde es schon auf der Spielefreizeit in Bad Holzhausen gespielt. Selbsterklärt anhand der Anleitung und eventuell in Details falsch gespielt. Zumindest kam es dort unter Stichspiel-Liebhabern nicht an. Eine weitere Mitspielerin, die es in einer wohl ungünstigeren Runde am Sonntagmorgen in Dortmund kennengelernt hat, war ebenfalls nicht begeistert. Lag es an der Spielrunde, am Spiel selbst oder dem eigenen Geschmack? Hero Story scheint zu polarisieren. Ich selbst hatte es bei meinem Messerundgang am zunächst vollbesetzten Tisch als „ok, doch nur ein Stichspiel im Superhelden-Thema“ fast schon abgetan. Zum Glück ergab sich kurz vor Messeschluss noch die Chance, es selbst spielen zu können. So können sich Meinungen ändern. Deshalb spielt es selbst und bildet Euch Eure eigene Meinung.

Noch ein letztes Wort zur Spieleschachtel. Die ist ungewöhnlich kompakt. Finde ich eigentlich gut, weil Luft in der Schachtel braucht wirklich niemand und meine Spielesammlung auf der Suche nach einem Regalplatz schon mal gar nicht. Allerdings müsst Ihr es Euch deshalb abschminken, alle Karten sleeven zu wollen. Ich selbst habe nur die eigentlichen Spielkarten, die dauernd in Benutzung sind, in matte Kartenhülle von Gamegenic gepackt. Fühlte sich für mich besser an, auch weil ich damit einfacher mischen kann. Die anderen Karten mischt Ihr hingegen nur ein einziges Mal vor der Partie, zieht die vom Stapel und legt die auf Euer Tableau ab. Das sollte auch ohne Kartenhüllen klappen. Aber abgenutzt sahen die bespielten Karten auf der Messe auch nicht wirklich aus. Ist also eher eine Kopfsache von mir und keine Notwendigkeit für Euch.

So wirklich gar nichts habe ich Euch bisher zum Solomodus erzählt, denn dazu kann ich Euch an dieser Stelle schlicht nur die blanke Theorie sagen: Das Spielmaterial bringt eine eigene Solo-Spielregel unter dem Markenzeichen „Automa“ mit, diverse Solo- und Extrakarten und eine eigene Spielhilfe. Mit acht Seiten genauso umfangreich wie das Grundspiel für 2 bis 5 Spieler. Da steckt eine Menge Spiel in dieser kleinen Schachtel. Klingt zu gut? Eventuell ja, aber lasst den Hypetrain lieber an Euch vorbeituckern und spielt Hero Story selbst an. Schon am ersten Maiwochende 2026 habt Ihr dazu die Gelegenheit auf dem SpieleWahnsinn in Herne.

SPIEL DOCH! Dortmund 2026 endet erfolgreich

27. April 2026 um 20:11

18.000 Besucher sind ein Rekord Die erste SPIEL DOCH! des Jahres 2026 hat am Sonntag (26.04.26) geendet. Rund 18.000 Besucher kamen trotz überwiegend bestem Frühlingswetter nach Angaben des Ausrichters, dem…

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