Die letzten Oktobertage und der Wochenstart im November bringen bei Gamefound gleich mehrere schwergewichtige Kampagnen an ihr Ende, während bei Kickstarter und der Spieleschmiede diese Woche kein frischer Brettspiel-Kandidat durchs Raster ging, der nicht schon anderswo bei uns gelaufen wäre. Wir schauen trotzdem auf drei Projekte, die für deutsche Spielerinnen und Spieler zählen: zwei laufen in wenigen Tagen aus, eines ist gerade erst gestartet und schon jetzt weit über dem Ziel.
The Danes
Zehn Jahre nach „Ein Fest für Odin“ schickt Feuerland Spiele die Wikinger noch einmal auf große Fahrt. The Danes ist bei Gamefound gelandet und kombiniert, wie schon sein Vorbild, Worker Placement mit einem Tetris-artigen Legepuzzle für Land und Ressourcen. Statt einer reinen Erweiterung ist daraus ein eigenständiges Spiel geworden: Designer Gernot Köpke hat es gemeinsam mit Uwe Rosenberg entwickelt, Dennis Lohausen zeichnet wie gewohnt die Kulissen. Noch drei Tage läuft die Kampagne, mit über 832 Prozent des Ziels ist sie das bislang gefragteste der drei Projekte, eine deutsche Edition ist von Anfang an eingeplant. Der Einstiegspledge liegt bei 100 Euro für das Basisspiel, wahlweise in der englischen oder der deutschen Edition.
Eckdaten zu The Danes
Spieleranzahl: 1 bis 4
Spielzeit: 90 bis 180 Minuten
Alter: ab 14 Jahren
Designer: Gernot Köpke, mit Uwe Rosenberg als Mitentwickler
Verlag: Feuerland Spiele
Plattform: Gamefound
Kampagnenstand: 832 Prozent finanziert, 832.944 Euro von 100.000 Euro Ziel, über 7.600 Unterstützerinnen und Unterstützer (Stand 02.11.2026, Kampagnenende am 05.11.2026)
Liefertermin: in der Kampagne nicht genannt, BGG führt 2027 als Erscheinungsjahr
Arkham Horror Remastered: Vault Series
Auch bei Fantasy Flight Games tickt die Uhr: Arkham Horror Remastered bringt den Cthulhu-Klassiker von 2005 mit neuen Komponenten, überarbeiteter Grafik und aufgeräumten Regeln zurück. Bis zu acht Investigatorinnen und Investigatoren ziehen kooperativ durch die Straßen von Arkham und schließen Portale, bevor ein Ancient One erwacht. Auch diese Kampagne endet in drei Tagen, und das bei über 1.000 Prozent Finanzierung und mehr als 3,2 Millionen US-Dollar: ein Volumen, das selbst für Fantasy-Flight-Verhältnisse groß ist. Der Einstiegspledge beginnt bei 70 US-Dollar für das Basisspiel mit allen bisher freigeschalteten Stretch Goals, das Gameplay Bundle mit allen fünf Erweiterungen kostet 350 US-Dollar. Versandkosten nach Deutschland rechnet Gamefound wie üblich erst im Pledge Manager ab, eine Zollfrage für die Lieferung aus den USA bleibt zum jetzigen Stand offen.
Eckdaten zu Arkham Horror Remastered: Vault Series
Spieleranzahl: 1 bis 8
Spielzeit: 120 bis 240 Minuten
Alter: ab 14 Jahren
Designer: Dane Beltrami (Neuauflage des Originals von 2005)
Verlag: Fantasy Flight Games (Asmodee)
Plattform: Gamefound
Kampagnenstand: 1.073 Prozent finanziert, 3.220.666 US-Dollar von 300.000 US-Dollar Ziel, 8.247 Unterstützerinnen und Unterstützer (Stand 02.11.2026, Kampagnenende am 05.11.2026)
Liefertermin: in der Kampagne nicht genannt, BGG führt 2027 als Erscheinungsjahr
Too Little Time
Ganz frisch ist dagegen Too Little Time von Chip Theory Games, seit dem 27. Oktober live. Der Boss-Battler schickt die aus „Too Many Bones“ bekannten Gearlocs auf eine Zeitreise durch Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft, wobei jede Partie die nächste beeinflusst: freigeschaltete Relikte und zurückgelassene Beute bleiben über mehrere Spielabende hinweg bestehen. Designer Josh J. Carlson bedient damit die treue Fanbase der Marke, und die reagiert entsprechend: über 1.500 Prozent Finanzierung nach weniger als einer Woche. Der Einstiegspledge für das Basisspiel liegt bei 149,95 US-Dollar (regulär 180), das Gameplay Bundle mit den bisherigen Erweiterungen bei 264,95 US-Dollar (regulär 325). Auch hier klärt die Kampagnenseite Versand und Zoll nach Deutschland nicht im Voraus, das übernimmt wie bei Gamefound üblich erst der Pledge Manager nach Kampagnenende.
Eckdaten zu Too Little Time
Spieleranzahl: 1 bis 4
Spielzeit: 120 bis 180 Minuten
Alter: ab 14 Jahren
Designer: Josh J. Carlson
Verlag: Chip Theory Games
Plattform: Gamefound
Kampagnenstand: 1.526 Prozent finanziert, 1.525.766 US-Dollar von 100.000 US-Dollar Ziel, 4.398 Unterstützerinnen und Unterstützer (Stand 02.11.2026, Kampagnenende am 13.11.2026)
Liefertermin: in der Kampagne nicht genannt, BGG führt 2028 als Erscheinungsjahr
Welche Kampagne reizt uns?
Bei uns gewinnt diese Woche „The Danes“: ein deutscher Verlag, ein bekannter Name und eine Fortsetzung, die ihrem Vorbild spürbar mehr mitgibt als nur neue Teile. Wer kooperative Monster-Abenteuer im großen Maßstab mag, findet in Arkham Horror Remastered die solidere Materialschlacht, und wer nach einem Boss-Battler mit Gedächtnis sucht, sollte sich „Too Little Time“ vor dem 13. November ansehen. Bei den Dänen und bei Arkham Horror zählt buchstäblich jeder Tag, für „Too Little Time“ bleibt dagegen noch bis zum 13. November Zeit.
Rund um die SPIEL Essen 2026 bringt Asmodee eine ganze Reihe neuer Titel in den deutschen Handel, von Familienspielen über ein Kennerspiel bis zum reinen Geschicklichkeitsspiel für die Kleinsten. Wir ordnen zehn davon anhand von BGG und den Produktseiten der Verlage ein, jeweils mit Mechanik, Eckdaten und deutschem Preis.
Bella Vista: Höher bauen als die Nachbarschaft
In Bella Vista seid ihr laut BGG-Beschreibung Architektinnen und Architekten, die ihren Bewohnern die beste Aussicht auf die Parks der Stadt verschaffen wollen. Dazu baut ihr acht Gebäude unterschiedlicher Höhe und wollt dabei möglichst oft das höchste Haus der Nachbarschaft stellen, denn nur das bringt Punkte. Wer zuerst an einem begehrten Bauplatz bauen will, zahlt dafür einen höheren Preis: Die Zugreihenfolge wird laut BGG über eine Auktion bestimmt, wer vorn steht, zahlt mehr. Das Spiel endet, sobald eine Person alle acht eigenen Gebäude errichtet hat. Designer sind Bruno Cathala und Andrea Mainini, Verlag ist international Studio H, die deutsche Ausgabe bringt Asmodee.
Eckdaten zu Bella Vista
Spielerzahl: 2 bis 4
Spielzeit: 30 bis 45 Minuten
Alter: ab 10 Jahren
Regelgewicht: 2,1 von 5 (laut BGG)
Designer: Bruno Cathala und Andrea Mainini
Verlag: Studio H (international), deutsche Ausgabe: Asmodee
Preis: rund 35 bis 38 Euro (deutsche Ausgabe laut Händlerangaben, Stand: 28.10.2026)
Termin: Handel ab 26.10.2026
Bing! Bang! Boom!: Reflexspiel mit vier Abschussrampen
Bing! Bang! Boom! ist laut BGG-Beschreibung ein schnelles Reaktionsspiel: Vier Abschussrampen liegen aus, fünf passende Karten kommen ins Spiel, wer am Ende die unpassende „Niete“ in der Hand hält, verliert die Runde und scheidet laut BGG-Mechanik-Tag aus. Dabei wird laut Verlag auch gerufen: „Bing“, „Bang“ oder „Boom“, je nachdem, welche Feuerwerkskarte gerade passt. Ob die Niete die betroffene Person nur für die laufende Runde oder für den Rest der Partie aus dem Spiel nimmt, sagen die vorliegenden Quellen nicht eindeutig. Verlag ist international Taco Cat Games, die deutsche Fassung „Bing! Bang! Bumm!“ bringt Asmodee.
Eckdaten zu Bing! Bang! Boom!
Spielerzahl: 2 bis 6
Spielzeit: etwa 10 Minuten
Alter: ab 7 Jahren
Verlag: Taco Cat Games (international), deutsche Ausgabe: Asmodee
Preis: rund 13 bis 14 Euro (deutsche Ausgabe laut Händlerangaben, Stand: 28.10.2026)
Termin: Handel ab 22./26.10.2026
Fadenfroh: Sticken um Siegpunkte, mit Pfister-Beteiligung
In Fadenfroh legt ihr laut BGG-Beschreibung Stoffkarten in eure Auslage und bekommt dafür Punkte für Farben und Symbole, abhängig davon, welche Wertungskarten in der aktuellen Runde gelten. Weil alle Mitspielenden um dieselben Stoffkarten und Materialien konkurrieren, müsst ihr jede Runde neu abwägen, wie lange ihr noch Material nehmt, bevor euch jemand die passende Karte wegschnappt, dazu kommen ein wechselnder Aufbau und eine Sammelwertung über mehrere Runden. Designer sind Jordy Adan und Alexander Pfister, Verlag ist unter anderem das deutsche DSV Games. Das offene Draften um einzelne Stoffkarten ist dabei ein Mechanik-Baustein, den Pfisters bekanntere Kennerspiele Great Western Trail (BGG-Regelgewicht 3,7) und Maracaibo (3,9) laut BGG gar nicht nutzen, dort dominieren Routenbau und Kartenmanagement. Mit einem Regelgewicht von 2,3 liegt Fadenfroh damit spürbar leichter und mechanisch anders als Pfisters bekanntere Titel. Laut BGG ist Fadenfroh auch solo spielbar, wie genau sich die Solo-Variante von der Mehrspieler-Partie unterscheidet, verraten die vorliegenden Quellen nicht.
Eckdaten zu Fadenfroh
Spielerzahl: 1 bis 4, mit Solo-Modus
Spielzeit: etwa 30 Minuten
Alter: ab 8 Jahren
Regelgewicht: 2,3 von 5 (laut BGG)
Designer: Jordy Adan und Alexander Pfister
Verlag: 1 More Time Games/DSV Games/Pandasaurus Games
Preis: rund 22 Euro (laut Händlerangaben, Stand: 28.10.2026)
Termin: Anfang Q4/Oktober 2026
Mischwald: Smoky Mountains zieht in die Great Smoky Mountains
Nach Mitteleuropa im Grundspiel bringt euch Mischwald: Smoky Mountains laut Verlagsbeschreibung in den beliebten nordamerikanischen Nationalpark. Als dritter eigenständiger Teil der Reihe baut es auf der bekannten Mischwald-Mechanik auf: Tier- und Pflanzenkarten werden gesammelt und übereinandergelegt, um Lebensräume zu bilden. Smoky Mountains ergänzt das um neue, wasserbezogene Geländekarten, die sich sowohl eigenständig als auch als „universelles Wasser“ unter Baumkarten einsetzen lassen, dazu neue Synergien zwischen Pflanzen und Tieren rund ums Wasser sowie größere Tiere wie Schwarzbären und Rotluchse. Wie beim Grundspiel gewinnt, wer am Ende die meisten Punkte hat. „Teil der Reihe“ heißt hier ausdrücklich nicht spielmechanisch verbunden: Laut Asmodee-Ankündigung ist Smoky Mountains ein eigenständiges Grundspiel mit eigenem, komplettem Kartensatz und nicht mit anderen Mischwald-Versionen oder Erweiterungen kompatibel, insbesondere keine Fortsetzung der 2024 bei uns besprochenen Erweiterung „Waldrand“. Verbunden sind die drei Mischwald-Spiele also nur über Thema und Grundprinzip, nicht über eine gemeinsame Kartenbasis. Designer ist Kosch, Verlag Lookout Games.
Eckdaten zu Mischwald: Smoky Mountains
Spielerzahl: 2 bis 5
Spielzeit: etwa 60 Minuten
Alter: ab 10 Jahren
Regelgewicht: 2,2 von 5 (laut BGG)
Designer: Kosch
Verlag: Lookout Games
Preis: rund 26 bis 28 Euro (laut Händlerangaben, Stand: 28.10.2026)
Termin: erschienen 22./23.10.2026 zur SPIEL Essen
Melodies: Gemeinsam eine Band bilden, ohne Karten zu zeigen
Melodies ist laut BGG-Beschreibung ein kooperatives Kartenspiel: Ihr bildet eine Band und vervollständigt gemeinsam Songs, indem jede Person Karten aus der Hand spielt. Der am häufigsten gespielte Wert wird zur „Melodie“ dieser Note und muss zum Verlauf des Songs passen, erst wenn alle Noten korrekt gespielt sind und alle Hände leer sind, ist ein Song fertig. Kommuniziert werden darf nur über Strategie, nicht über die eigenen Karten oder geplanten Aktionen. Von der Garage bis zur großen Bühne bringt laut Verlag jeder neue Auftrittsort neue Regeln, Instrumente, Publikum und Herausforderungen mit. Designer ist Thomas Dagenais-Lespérance, Verlag Next Move Games.
Eckdaten zu Melodies
Spielerzahl: 2 bis 5
Spielzeit: etwa 30 Minuten
Alter: ab 10 Jahren
Designer: Thomas Dagenais-Lespérance
Verlag: Next Move Games
Preis: rund 21 Euro (laut Händlerangaben, Stand: 28.10.2026)
Termin: Handel ab 26.10.2026
Die glücklichste Katze der Welt: Deckbau fürs Lieblingstier
Im Familienspiel Die glücklichste Katze der Welt wetteifert ihr laut Verlagsbeschreibung darum, der eigenen Katze das gemütlichste, glücklichste Zuhause einzurichten. Ihr kauft neue Plättchen für euer Deck, um die Wohnung der Katze zu erweitern und attraktive Kombinationen zu bilden, bewegt die Katze zu Attraktionen, sammelt dafür Punkte und nutzt die besten Kombinationen zwischen den Attraktionen. Designer sind Olivier Cipière und Oussama Khelifati, Verlag ist unter anderem Asmodee selbst.
Eckdaten zu Die glücklichste Katze der Welt
Spielerzahl: 2 bis 4
Spielzeit: etwa 30 Minuten
Alter: ab 8 Jahren
Regelgewicht: 2,0 von 5 (laut BGG)
Designer: Olivier Cipière und Oussama Khelifati
Verlag: Rebel Studio/Asmodee/Transludis
Preis: rund 27 bis 30 Euro (deutsche Ausgabe laut Händlerangaben, Stand: 28.10.2026)
Termin: SPIEL-Essen-Premiere 22.10.2026, Handel im Oktober 2026
Lightning Train: Beutelbau von den Dune-Imperium-Machern
Lightning Train kommt laut Verlagsbeschreibung von Paul Dennen, bekannt durch Clank! und Dune: Imperium. Ihr steuert eine Eisenbahngesellschaft durch acht Regionen Nordamerikas, baut euren Beutel mit Chips aus, um Bahnhöfe und Strecken zu eröffnen, und verdient Geld, indem ihr Güter in die Städte liefert, die sie brauchen. Die titelgebenden Blitzzüge beschleunigen euch laut Verlag an der Konkurrenz vorbei. Mechanisch ist das laut BGG etwas anderes als Dune: Imperium: Dort baut ihr ein Kartendeck auf und setzt Agenten per Worker Placement auf dem Spielplan ein, bei Lightning Train gibt es weder Karten noch Agenten, sondern Chips aus einem Beutel, die direkt auf der Karte landen, kein direktes Gegeneinander um einzelne Felder. Auch solo spielbar, die BGG-Community bewertet die Solo-Variante bislang aber uneinheitlich. Verlag ist international Dire Wolf, die deutsche Ausgabe bringt Asmodee.
Eckdaten zu Lightning Train
Spielerzahl: 1 bis 4, mit Solo-Modus
Spielzeit: 60 bis 120 Minuten
Alter: ab 13 Jahren
Regelgewicht: 3,0 von 5 (laut BGG)
Designer: Paul Dennen
Verlag: Dire Wolf (international), deutsche Ausgabe: Asmodee
Preis: rund 49 bis 52 Euro (deutsche Ausgabe laut Händlerangaben, Stand: 28.10.2026)
Termin: deutsche Ausgabe seit September 2026 im Handel
a_way: Wettrennen durch die Quazarys-Galaxie, jetzt auf Deutsch
In a_way nehmt ihr laut BGG-Beschreibung an einem legendären Raumschiff-Rennen durch die Quazarys-Galaxie teil. Jede Pilotin und jeder Pilot muss die eigene Basis erreichen, die zugleich der Startpunkt einer gegnerischen Person ist. Die Rennstrecke besteht aus Sonnenpfaden mit Stationen, Richtungspfeilen und besonderen Weltraumphänomenen, die sich laufend verändern. Ihr kombiniert Bewegung und Kartenspiel, um euer Schiff voranzubringen, müsst dabei Einbahnstrecken und Pflicht-Stationen beachten und dürft nicht auf derselben Station landen wie eine gegnerische Person. Karten aus einem gemeinsamen Stapel erlauben es laut Verlag, das Spielfeld zu verändern, Spezialeffekte auszulösen oder gegnerische Schiffe zu stören. a_way erschien ursprünglich 2024 über eine Ulule-Kampagne und bei Blue Orange, für deutsche Leser ist die Asmodee-Ausgabe damit die erste eigene deutsche Fassung.
Eckdaten zu a_way
Spielerzahl: 1 bis 4, mit Solo-Modus
Spielzeit: 10 bis 30 Minuten
Alter: ab 10 Jahren
Regelgewicht: 1,3 von 5 (laut BGG)
Designer: Clément Bongibault, Louis Fievre, Benjamin Niess, Hugo Socié
Verlag: Blue Orange (international, Originalausgabe 2024), deutsche Ausgabe: Asmodee
Preis: rund 11 Euro (deutsche Ausgabe laut Händlerangaben, Stand: 28.10.2026)
Termin: Anfang Q4 2026
Biberburg: Würfelturm gegen die Belagerung
Biberburg ist die deutsche Fassung von Wombat Tower: Ein kooperatives Geschicklichkeitsspiel, in dem ihr laut BGG-Beschreibung gemeinsam einen zentralen Turm gegen anrückende Gegnerwellen verteidigt. Ihr dreht den Würfelturm in Richtung eines gewählten Pfads und lasst einen besonderen Würfel darin hinunterrollen, um gegnerische Figuren vom Spielfeld zu kippen. Fallen Figuren um, sind sie aus dem Spiel. Werden sie nur verschoben, bleiben sie auf dem Feld. Je nach gewürfeltem Symbol kommen neue Gegner hinzu, rücken bestehende vor, oder eine Bonusaktion über Maschinenkarten wird ausgelöst. Gewonnen ist, sobald das Feld frei von Gegnern ist, verloren, sobald der dritte von drei Schild-Plättchen bricht. Designer sind Antonin Boccara und Romaric Galonnier, Verlag ist international Blue Orange, die deutsche Fassung bringt Asmodee.
Eckdaten zu Biberburg
Spielerzahl: 1 bis 4, mit Solo-Modus
Spielzeit: etwa 15 Minuten (laut BGG reine Spielzeit, ob Erklärzeit mit jüngeren Kindern eingerechnet ist, sagt keine der vorliegenden Quellen)
Alter: ab 6 Jahren
Designer: Antonin Boccara und Romaric Galonnier
Verlag: Blue Orange (international, als „Wombat Tower“), deutsche Ausgabe: Asmodee
Preis: rund 23 bis 25 Euro (deutsche Ausgabe laut Händlerangaben, Stand: 28.10.2026)
Termin: Anfang Q4 2026
Flamecraft Duals bekommt eine Deluxe-Edition
Flamecraft Duals ist laut BGG-Beschreibung ein Zweipersonen-Legespiel im Flamecraft-Universum: Reihum zieht ihr einen Drachen aus dem Beutel und legt ihn auf das gemeinsame Spielfeld, jeder Drachentyp hat eine Fähigkeit, die sich aktivieren lässt, um weitere Drachen zu ziehen oder das Feld umzuordnen. Bildet ihr mit drei Drachen auf dem Feld das Muster einer Shop-Karte in eurer Hand, bekommt ihr dafür Punkte, bis der Beutel leer ist. Seltene zweifarbige „Hydragons“ bringen doppelte Fähigkeiten. Neu für den deutschen Markt ist nicht das Spiel selbst, das es bereits seit 2025 gibt, sondern die „Flamecraft Duals (Deluxe-Edition)“: laut Verlag mit Reisekoffer-Verpackung, Metallmünzen und Kartenhaltern aus Holz, also eine neue Ausstattungsvariante, keine neuen Inhalte. Designer ist Manny Vega, Verlag Cardboard Alchemy.
Eckdaten zu Flamecraft Duals (Deluxe-Edition)
Spielerzahl: 1 bis 2, mit Solo-Modus
Spielzeit: 30 bis 45 Minuten
Alter: ab 10 Jahren
Regelgewicht: 1,6 von 5 (laut BGG, Basisspiel)
Designer: Manny Vega
Verlag: Cardboard Alchemy (international), deutsche Ausgabe: Asmodee
Preis: rund 40 bis 50 Euro (deutsche Ausgabe laut Händlerangaben, Stand: 28.10.2026)
Termin: Handel ab 1.11.2026
Lohnt sich der Blick auf dieses Neuheitenpaket?
Die Spannbreite reicht vom reinen Kinderreflexspiel bis zum Kennerspiel-Beutelbauer, dabei ist der überwiegende Teil keine komplette Neuentwicklung: Mehrere Titel sind deutsche Erstausgaben bereits bestehender internationaler Spiele (a_way, Biberburg, Lightning Train), bei Flamecraft Duals handelt es sich sogar nur um eine neue Ausstattungsvariante eines seit 2025 erhältlichen Spiels. Nach Regelgewicht sortiert, greifen am ehesten zu: Familien mit kleinen Kindern bei Bing! Bang! Boom!, a_way, Flamecraft Duals und Biberburg (BGG-Gewicht bis 1,6 oder noch ungewertet), Familien- und Gelegenheitsrunden bei Die glücklichste Katze der Welt, Melodies, Bella Vista, Mischwald: Smoky Mountains und Fadenfroh (Gewicht 2,0 bis 2,3), und Vielspieler in erster Linie bei Lightning Train, dem mit Abstand schwersten Titel im Paket (Gewicht 3,0). Für deutsche Leser ist das Paket trotzdem relevant, weil mehrere dieser Titel hierzulande bislang gar nicht oder nur auf Englisch zu haben waren.
Korrektur vom 29.10.2026: Im Schlussabsatz stand Melodies fälschlich in der Gruppe der noch ungewerteten Titel. Tatsächlich führt BGG für Melodies denselben Regelgewicht-Wert (2,0) wie für Die glücklichste Katze der Welt, die bereits korrekt in der Gewichtsgruppe 2,0 bis 2,3 stand. Melodies wurde in dieselbe Gruppe verschoben.
Grey Fox Games hat heute, am 27.10.2026, Deception: Heist in Hong Kong auf Kickstarter gestartet, und die Kampagne war bei unserem Check am selben Tag bereits bei 14.959 von 14.999 US-Dollar, also 99,73 Prozent, bei 317 Unterstützenden. Die Kampagne läuft noch bis zum 20.11.2026, dürfte das Ziel also in den nächsten Stunden reißen. Designer ist erneut Tobey Ho, bekannt durch das Original Deception: Murder in Hong Kong von 2014.
Ein neuer Fall, dasselbe System
Heist in Hong Kong ist laut BGG-Beschreibung ein eigenständiges Spiel, keine Erweiterung: Statt eines Mordes ermittelt ihr jetzt bei einer Serie von Diebstählen, bei der die Täterin oder der Täter wieder mitten unter den Ermittelnden sitzt. Mechanisch bleibt das bekannte System aus Deduktion, verdeckten Rollen und eingeschränkter Kommunikation erhalten, ob es jenseits des neuen Themas auch neue Rollentypen oder Regeln gibt, sagt keine der vorliegenden Quellen, ebenso wenig wie zur Zahl der Fälle beziehungsweise Rollenkombinationen im Grundspiel. Praktisch für bestehende Fans: Die Beweiskarten „Key Evidence“ beider Spiele lassen sich laut Verlag mischen, für zusätzliche Kombinationen über beide Titel hinweg. Zur Sprache der Kickstarter-Edition selbst äußert sich die Kampagnenseite nicht näher.
Vom Mord zum Diebstahl: was sich ändert
Zwei Unterschiede zum Original fallen auf. Die Altersfreigabe sinkt von 14 auf 12 Jahre, die Spielzeit von 20 auf 15 bis 30 Minuten. Beim Original zeigt sich außerdem, wie etabliert das System ist: Über 25.000 BGG-Bewertungen ergeben einen Schnitt von 7,41 von 10, Rang 299 insgesamt und Rang 16 unter den Partyspielen. Interessant für kleinere Familienrunden: Die BGG-Community bewertet das Original bei 4 Spielenden deutlich zurückhaltender (194 Stimmen „nicht empfohlen“) als bei 7 oder 8 (197 beziehungsweise 192 Stimmen „beste Besetzung“), bei 6 Spielenden fällt die Zustimmung mit 148 solchen Stimmen schon wieder schwächer aus. Ob sich das bei Heist in Hong Kong genauso verhält, ist naturgemäß noch offen, dafür liegen zum neuen Titel selbst noch gar keine Bewertungen vor. Zur Regelerklärung in großer Runde sagt ebenfalls keine Quelle etwas.
Versand: laut Kickstarter weltweit möglich („Anywhere in the world“), zu Versandkosten äußert sich die Kampagne nicht näher
Lieferdatum: September 2027
Pledges, Add-ons und noch keine Stretch Goals
Die Kampagne bleibt pledge-technisch schlank: Für 5 US-Dollar bekommt ihr nur Zugang zum späteren Pledge-Manager, die eigentliche „KS Edition“ mit allen freigeschalteten Extras kostet 39 US-Dollar. Stretch Goals sind bei unserem Check noch keine gelistet. Die Add-ons zielen klar auf bestehende Fans: Neben einem kleinen „Partner Promo Pack“ für 5 US-Dollar gibt es die Erweiterung „Deception: Undercover Allies“ für 19 US-Dollar, das kindgerechte Kooperationsspiel „Detective Academy: Alien Alert“ für ebenfalls 19 US-Dollar und, als Add-on verfügbar, das Original „Deception: Murder in Hong Kong“ selbst für 39 US-Dollar inklusive altem Kickstarter-Promo-Pack (alle Preise Stand: 27.10.2026, die Kampagne läuft noch bis 20.11. und kann Pledges noch anpassen).
Deutsche Leser kennen das Original schon
Das Original läuft hierzulande längst unter eigenem Titel: „Getäuscht: Mord in Hongkong“ erschien laut mehreren deutschen Händlerangaben bereits 2016 bei Heidelberger Spiele, heute Teil von Asmodee. Ob und wann Heist in Hong Kong ebenfalls eine deutsche Ausgabe bekommt, sagt die Kampagnenseite bislang nicht.
Lohnt sich das?
Für Familien- und Kennerrunden, die das Original mögen oder noch gar nicht kennen, ist Heist in Hong Kong ein naheliegender Einstieg mit kürzerer Spielzeit und etwas niedrigerer Altersfreigabe. Das fast randvolle Funding am ersten Tag sagt vor allem etwas über die Fanbase der Marke aus, nicht automatisch über die Qualität des neuen Falls selbst, dafür fehlt schlicht noch jede unabhängige Stimme. Zur eigenen Lieferzuverlässigkeit bei früheren Kampagnen äußert sich Grey Fox Games auf dieser Kampagnenseite nicht, das Lieferdatum September 2027 liegt gut elf Monate in der Zukunft.
Während der SPIEL-Essen-Woche hat das österreichische Spielemagazin Fairplay den À-la-carte-Kartenspielpreis 2026 vergeben, und der Sieger überrascht niemanden mehr, der die Preissaison verfolgt: Take Time von Alexi Piovesan und Julien Prothière (Libellud/Asmodee) setzt sich vor dnup, Moon Colony Bloodbath und Meister Makatsu durch.
Gemeinsam gegen die Uhr
Im Grunde ist Take Time ein kooperatives Rätselspiel gegen eine Uhr: Alle gewinnen oder verlieren zusammen. Ihr legt laut BGG-Beschreibung zu zweit bis zu viert 12 Karten verdeckt rund um eine Uhr und müsst dabei spezifische Regeln pro „Test“ einhalten, insgesamt gibt es 40 davon zu bestehen, dabei ist Reden über die eigenen Karten tabu. Die „etwa 30 Minuten“ aus unserem Eckdaten-Block gelten laut mehreren deutschen Händlerbeschreibungen pro Spielabend, nicht pro einzelnem Test und erst recht nicht für alle 40 Tests in einem Zug. Mechanisch kombiniert das Deduktion mit eingeschränkter Kommunikation und gehört damit zur selben bekannten Spielfamilie wie The Mind und The Crew. Eine englischsprachige Rezension von What's Eric Playing ordnet Take Time konkret als Alternative zu The Crew ein, mit wiederholbaren Partien um dieselbe Mission statt einer einzigen durchgehenden Kampagne. Designer sind Alexi Piovesan und Julien Prothière, die Illustration von Maud Chalmel orientiert sich laut BGG-Einordnung am Art-Nouveau-Stil.
Nicht ganz ohne Reibung
Die Kehrseite der reinen Kooperation bleibt in den meisten Quellen unerwähnt: Wenn alle am selben Ergebnis hängen und gleichzeitig kaum reden dürfen, kann eine einzelne falsch gelegte Karte schnell zur gemeinsamen Niederlage führen, mit dem Risiko, dass sich die verantwortliche Person schuldig fühlt statt mitzufiebern. Zur Spielerzahl liefert die BGG-Community zumindest eine Tendenz: Am häufigsten empfohlen wird Take Time zu dritt, zu viert fast genauso oft, zu zweit gehen die Bewertungen dagegen deutlich stärker auseinander. Sind alle 40 Tests des Grundspiels einmal bestanden, ist die Kampagne durch, die Erweiterung „Take Time: Mirage“ setzt genau hier an: Sie bringt laut Herstellerangabe vier neue Tests rund um einen „Sandvogel“ sowie einen „Rebirth“-Marker, mit dem sich alle 40 Grundspiel-Tests ein zweites Mal unter einer neuen Zusatzregel spielen lassen.
Eckdaten zu Take Time
Spielerzahl: 2 bis 4, am häufigsten empfohlen zu dritt
Spielzeit: etwa 30 Minuten pro Spielabend
Alter: ab 10 Jahren
Regelgewicht: 1,75 von 5 (laut BGG)
Designer: Alexi Piovesan und Julien Prothière
Illustration: Maud Chalmel
Verlag: Libellud/Asmodee, deutsche Ausgabe seit Oktober 2025 im Handel
Preis: rund 28,50 Euro UVP (deutsche Ausgabe laut Händlerangaben, Stand: 27.10.2026)
Auszeichnungen 2026: Swiss Gamers Award, Österreichischer Spielepreis (Spiel der Spiele), À-la-carte-Kartenspielpreis, Platz 5 der DSP-Top-10
Der Preis und seine Jury
Den À-la-carte-Preis vergibt das Magazin Fairplay bereits seit 1991 für das beste Kartenspiel des Jahres, wobei auch Brettspiele mitzählen, bei denen Karten das zentrale Element sind. Laut Brettspielbox stimmen dafür knapp 35 Expertinnen und Experten ab, übergeben wird der Preis traditionell auf der SPIEL Essen. Hinter Take Time landeten dieses Jahr dnup von Kei Kajino (Asmodee), Moon Colony Bloodbath von Daniel X. Vaccarino (alea) und Meister Makatsu von Reiner Knizia (Amigo) auf den Plätzen 2 bis 4, ein Querschnitt, der von leichtem Kartenspiel bis zum Expertentitel eines Branchenveteranen wie Knizia reicht.
Was wir davon halten
Ein Expertenpreis mit 35 Stimmen ist kein Massenvotum, aber genau deshalb interessant: Hier zählt nicht, was sich am besten verkauft, sondern was Leute vom Fach für das handwerklich sauberste Kartenspiel des Jahres halten. Dass mit Meister Makatsu auch ein Reiner-Knizia-Spiel auf die Liste kam, zeigt zudem, dass die Jury nicht nur auf neue Namen setzt. Für Take Time ist der Sieg der vorläufige Abschluss einer Saison, in der das Spiel kaum eine relevante deutschsprachige Auszeichnung ausgelassen hat. Wenn ihr kooperative Deduktionsspiele mit kurzer Spielzeit mögt und euch das Kartendesign im Art-Nouveau-Stil anspricht, gehört Take Time nach diesem Preisregen zu den naheliegenden Empfehlungen der Saison.
230.000 erwartete Besucherinnen und Besucher, 997 Aussteller aus 53 Nationen, erstmals alle acht Hallen der Messe Essen bespielt: Der Merz Verlag hat die SPIEL Essen 2026 heute, am Mittwoch, auf seiner Pressekonferenz offiziell zur bisher größten Ausgabe der Messe erklärt. Wir waren mit Presseakkreditierung vor Ort und haben die Unterlagen direkt von der Bühne mitgebracht. Zur gleichen Pressekonferenz verkündete die Jury den Deutschen Spiele Preis 2026, und der Spieleverlage e.V. legte frische Zahlen zum deutschen Brettspielmarkt vor.
Besucherrekord und erstmals acht Hallen
Präsentiert wurde die Bilanz von Geschäftsführerin Carol Rapp und Kommunikationsdirektor Robin de Cleur. Die Kernzahl: Für 2026 rechnet der Merz Verlag mit 230.000 Besuchenden, ein Plus von 10.000 gegenüber dem Vorjahr (2025: 220.000). Stand Mittwochmorgen waren die Tickets für Donnerstag, Freitag und Samstag bereits komplett ausverkauft, der Sonntag war auf dem Weg dahin. Der Merz Verlag reiht das bereits in eine Serie von Rekordjahren ein: Es wäre die vierte SPIEL Essen in Folge, die als größte Ausgabe aller Zeiten gilt, gemessen an Fläche und Neuheiten.
Neu in diesem Jahr: Halle 8, bisher reine Wartehalle, wird erstmals regulär bespielt, damit sind alle acht Hallen der Messe Essen belegt. Insgesamt wächst die Ausstellungsfläche auf 81.200 Quadratmeter in acht Hallen plus Galeria, ein Plus von 4,8% gegenüber 2025, und ist komplett ausverkauft. Die Hallenstruktur bleibt nach Kategorien sortiert (Familienspiele, Kenner- und Expertenspiele, Miniaturen/Rollenspiele/Sammelkartenspiele), Trading Card Games bekommen in Halle 5 einen eigenen großen Bereich.
997 Aussteller aus 53 Nationen
Zur Messe kommen 997 Aussteller aus 53 Nationen von fünf Kontinenten, 2025 waren es 948 Aussteller aus 50 Nationen. Unter den Top-5-Ausstellerländern liegt Deutschland mit 285 Ausstellern weit vorn, gefolgt von den USA (102), Frankreich (54), China (47) und Polen (42). Neu vertreten sind in diesem Jahr Argentinien, Indonesien, Island, Kuwait und die Slowakei.
Diese Eckdaten, Besucherzahl, Ausstellerzahl und Flächenwachstum, decken sich mit dem, was am Mittwoch auch andere Medien von der Pressekonferenz berichteten, etwa die Brettspielbox.
1.885 Neuheiten: Popkultur und Cozy Games
Zur SPIEL Essen 2026 sind 1.885 Neuheiten gemeldet, ein Plus von 9,6% gegenüber dem Vorjahr. Auf der Neuheitenschau für Medien und Verlagsvertretung werden davon 1.023 Titel gezeigt, 11% mehr als 2025. Als Trends in den Neuerscheinungen nennt der Merz Verlag zum einen Popkultur, Lizenzen und bekannte IPs, von Batman über Minecraft und Dungeons & Dragons bis zu Fourth Wing und Cyberpunk: Edgerunners, zum anderen Natur, Ökologie und sogenannte Cozy Games.
Deutscher Spiele Preis 2026: die Platzierungen
Direkt im Anschluss an die Messezahlen verkündeten Carol Rapp und der neue SPIEL-Botschafter Peter Mohrbacher die finalen Platzierungen des Deutschen Spiele Preises 2026. Die alphabetische Top-10-Liste der Finalisten stand bereits seit dem 1. September fest, wie wir berichtet haben, die konkrete Rangfolge gab es jedoch erst heute auf der Pressekonferenz:
Platz: Artengarten (Feuerland, Autor Mathias Wigge), ein Zoo-Aufbauspiel mit Tile-Placement
Platz: Boss Fighters QR (Pegasus Spiele, Autoren Michael Palm und Lukas Zach), ein kooperativer Deckbuilder, bei dem eine App die Bosse per eingescanntem QR-Code dynamisch steuert, kein Gimmick, sondern der zentrale Mechanismus
Platz: Galactic Cruise (PD-Verlag, Autoren T. K. King, Dennis Northcott und Koltin Thompson), ein komplexes Worker-Placement-Expertenspiel um Bau und Betrieb von Raumkreuzfahrtschiffen
Bestes Kinderspiel: Toriki: Eine Insel voller Abenteuer (Mirakulus, Autor Wojciech Grajkowski)
Für Feuerland und Autor Mathias Wigge ist es nach Arche Nova 2022 der zweite Sieg beim Deutschen Spiele Preis. Artengarten trägt im Untertitel „Ein Arche Nova-Spiel“ und übernimmt dessen Thema, den Bau eines modernen, wissenschaftlich geführten Zoos mit Artenschutz-Projekten, in vereinfachter Form und mit kürzerer Spielzeit: Arche Nova braucht 90 bis 150 Minuten, Artengarten kommt laut Feuerland mit 20 Minuten pro Person aus, in Fünferrunde also rund 100 Minuten, zu zweit nur 40.
Eckdaten zu Artengarten
Spielerzahl: 1 bis 5
Spielzeit: 20 Minuten pro Person
Alter: ab 12 Jahren
Designer: Mathias Wigge
Verlag: Feuerland
Preis: 49,90 Euro (UVP, Stand 21.10.2026)
Neue Programmpunkte: von Lasertag bis TCG Awards
Das Rahmenprogramm wächst mit der Messe. Neuer SPIEL-Botschafter ist der US-Illustrator Peter Mohrbacher, bekannt für seine Spielewelt Angelarium, das Botschafter-Programm läuft seit 2024 mit dem Metal-Musiker Alea von Saltatio Mortis als erstem Amtsträger. Der Bemalwettbewerb Golden Demon von Games Workshop bleibt mit der Verleihung des Slayer Sword am Sonntag und über 1.000 bewerteten Miniaturen fester Bestandteil, neu hinzu kommt im Saal Europa erstmals Lasertag von Games Workshop im Format 12 gegen 12.
Ebenfalls neu sind die TCG Awards, verliehen von CSL, Hana Entertainment und der SPIEL selbst, nach Angaben der Veranstalter der erste umfassende Branchenpreis für die TCG-Industrie, in neun Kategorien, drei davon juryprämiert, der Rest per Community-Voting plus ein Spieler-Leistungspreis. Asmodee veranstaltet am Donnerstagabend in der Grugahalle ein „Werwölfe von Düsterwald“-Event mit den Rocketbeans-Streamern live auf der Bühne. Dazu kommen die Stadtaktion „Essen spielt!“ mit Spieleabenden an besonderen Locations und Rabatten für Ticketinhaber, eine Kooperation mit dem Ruhr Museum für einen Spieletag zur Eiszeit-Sonderausstellung am 8. November auf Zeche Zollverein, und auf der organisatorischen Seite ein neuer B2B-Matchmaking-Bereich: Laut Merz Verlag wurde die SPIEL-App über 70.000 Mal heruntergeladen, das neue B2B-Tool hat bereits über 600 registrierte Nutzende.
Der deutsche Markt wächst schneller als der Rest der Branche
Im selben Termin legte der Spieleverlage e.V., Fachgruppe im Deutschen Verband der Spielwarenindustrie (DVSI), die Ergebnisse seines jährlichen Board Games INDEX (BGI) vor, einer Verlagsumfrage mit 49% Beteiligung, durchgeführt zwischen dem 28. September und 9. Oktober 2026. Die Kernzahl laut dieser Verbandsumfrage unter den eigenen Mitgliedern: Die Warengruppe Spiele und Puzzle wuchs in den ersten neun Monaten 2026 um 8%, während der Gesamt-Spielwarenmarkt nur um 3% zulegte. Innerhalb der Warengruppe sticht ein Segment besonders heraus, laut Marktforschungsinstitut Circana legten Strategic Trading Cards um 17% zu, während die Adult Games um mehr als 20% wuchsen, mitgetragen von einem Musik-Partyspiel. 69% der befragten Verlage halten die Zielgruppe der „Kidults“, erwachsene Spielerinnen und Spieler mit nostalgischem oder sammlerischem Interesse, für groß bis sehr groß bedeutsam für die Zukunft der Branche.
Zitate von der Pressekonferenz: Hutter und Stempfle
Hermann Hutter, Vorstandsvorsitzender des Spieleverlage e.V., ordnete die Zahlen beim Pressetermin selbst ein: „Mit der Pandemie vor 6 Jahren erlebte unsere Branche einen beispiellosen Hype, der in dieser Dynamik nicht weitergehen konnte. Die Entwicklung der letzten beiden Jahre zeigt aber, dass der Trend zu Spielen ungebrochen ist und dass es der Branche gelungen ist, neue Zielgruppen anzusprechen. Der Trend könnte stärker sein, wenn die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen in Deutschland besser wären und der Verbraucher am Ende des Tages mehr Geld im Portemonnaie für Freizeitaktivitäten hätte.“ Circana-Marktforscher Joachim Stempfle ergänzte: „Im bisherigen Jahresverlauf präsentiert sich die Kategorie Games & Puzzle als einer der Top-Umsatztreiber. Allein die Adult Games wuchsen in den ersten drei Quartalen, natürlich auch befeuert durch ein Musik-Partyspiel, um mehr als 20%, während die seit ein paar Jahren wachsenden Strategic Trading Cards ein Plus von 17% erzielen konnten.“
Bürokratie als Bremse, Fachhandel als Konstante
Als Belastungsfaktor nennen die Verlage vor allem Bürokratie, 94% sehen die bisherigen Reformen als unzureichend an, konkret genannt wird die seit dem 12. August 2026 geltende EU-Verpackungsverordnung (PPWR). Trotzdem investieren die Verlage weiter, in internationale Expansion (50%) und neue Spiele (44%), und 86% rechnen mit einem stabilen bis besseren Weihnachtsgeschäft. Der stationäre Fachhandel bleibt dabei zentral: 94% der Verlage nennen persönliche Beratung, 78% die Sichtbarkeit von Neuheiten als dessen wichtigste Funktion, und 78% der Verlage messen der SPIEL Essen selbst große bis sehr große Bedeutung für das Jahresendgeschäft bei.
Was wir davon halten
Eine Messe, die im vierten Jahr in Folge ihre eigenen Rekorde bricht, ist für sich genommen noch keine Geschichte, Wachstum gehört zur SPIEL-Essen-Dramaturgie der letzten Jahre. Spannender finden wir, dass der deutsche Brettspielmarkt laut Spieleverlage e.V. schneller wächst als der Spielwarenmarkt insgesamt, getragen von Trading Cards und erwachsenen Spielerinnen und Spielern, nicht von Kinderprodukten. Dass Hermann Hutter dabei offen die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen in Deutschland als Bremse benennt, nehmen wir als ehrlicheren Ton wahr als die reine Rekordmeldung. Für den Deutschen Spiele Preis gilt: Mit Artengarten gewinnt die vereinfachte, kürzere Variante von Arche Nova, wer die Zoo-Formel schon mag, aber den großen Bruder zu komplex fand, wird hier fündig.
Ottavio, eine Marke von Ulisses Spiele, bringt zwei Neuheiten für Familien- und Partyrunden auf den Markt: die Erweiterung Backstab Heroes: Zeit der Drachen und die aktualisierte Ausgabe Level Up! Das Nerd-Quiz (2026 Edition). Die Verfügbarkeit schwankt je Händler: Bei brettspieleck.de ist Backstab Heroes: Zeit der Drachen aktuell als vergriffen gelistet. Ein vom Verlag bestätigtes Erscheinungsdatum nennt keine der Quellen.
Backstab Heroes: Zeit der Drachen: Verrat unter Abenteurern
In Backstab Heroes wetteifern Anti-Helden darum, möglichst viel Gold zu erbeuten, ohne selbst gegen die Monster zu kämpfen. Die Erweiterung Zeit der Drachen lässt laut Verlag acht Monster nacheinander auftreten: Die Gruppe muss gemeinsam genug Schaden anrichten, um sie zu besiegen, doch die wertvollsten Schätze erhält nur, wer seine Mitspielenden im richtigen Moment aussticht. Verdeckte Karten und wechselnde Gildenzugehörigkeiten sorgen dafür, dass sich Verbündete und Gegner erst spät im Zug zeigen. Optional bringen Gilden zusätzliche Teamziele ins Spiel.
Für altersgemischte Familienrunden kann genau dieses Aussticken im entscheidenden Moment hart wirken, etwa wenn ein jüngeres Kind kurz vor dem Sieg von einem älteren Geschwisterkind überrumpelt wird.
Zeit der Drachen ist laut Verlag eigenständig spielbar und zusätzlich mit anderen Backstab-Heroes-Boxen kombinierbar. Gespielt wird mit 3 bis 6 Personen in rund 20 Minuten. Im Karton liegen 111 Karten, eine Spielanleitung und ein Stanzbogen, und der Preis liegt je nach Händler bei 19,99 bis 20 Euro. Einen Solo-Modus gibt es nicht: Die Mindestspielerzahl liegt laut BGG bereits bei drei.
Zum empfohlenen Alter gehen die Quellen auseinander: Händler nennen ab 8 Jahren, die BGG-Basisreihe aus 2025 führt das Spiel dagegen ab 10 Jahren. Näher an der Praxis dürfte nach Einschätzung der Redaktion die höhere Zahl liegen, weil Bluffen und das Lesen der Mitspielenden mehr Abstraktionsvermögen verlangt als reines Karten- und Zufallsglück. Wer die neue Erweiterung konkret entworfen hat, nennt keine der Quellen. Für die Basisreihe aus 2025 führt BGG Mirko Bader als Designer.
Level Up! Das Nerd-Quiz (2026 Edition): neue Fragen fürs Table-Quiz
Level Up! Das Nerd-Quiz ist laut Verlag als Table-Quiz für größere Gruppen gedacht, von Freundesrunden bis Conventions. Teams aus 3 bis 5 Personen beantworten laut Katalogtext Fragen aus Film, Serien, Wissenschaft, Gaming, Technik, Geschichte und Comics, von klassischen Multiple-Choice-Fragen bis zu Schätzaufgaben. Die 2026 Edition enthält laut spieletaxi.de 99 komplett neue Fragekarten und lässt sich mit anderen Editionen der Reihe kombinieren.
Gespielt wird laut BGG-Basisreihe und Händlerangaben mit 3 bis 40 Personen in 20 bis 60 Minuten, ab 12 Jahren, zum Preis von 14,99 Euro. Ein konkretes, vom Verlag bestätigtes Erscheinungsdatum nennt keine der Quellen. Einen Solo-Modus gibt es ebenfalls nicht: Die Mindestspielerzahl liegt laut BGG bei drei. Damit richten sich beide Neuheiten an unterschiedliche Altersgruppen innerhalb der Familie: Backstab Heroes an Kinder ab 8 bis 10 Jahren, Level Up! eher an Jugendliche und Erwachsene ab 12.
Verlegt werden beide Titel weiterhin von Ottavio, nicht von Asmodee, wie zunächst kommuniziert. Seit der Ankündigung zur Spielwarenmesse Nürnberg am 30. Januar 2026 übernimmt Asmodee laut eigener Berichterstattung den Vertrieb ausgewählter Ulisses-Spiele- und Ottavio-Titel im deutschen Fachhandel, darunter laut dieser Ankündigung auch Backstab Heroes und Level Up!. Designer beider Basisreihen ist laut BGG Mirko Bader. Für die neuen Ausgaben selbst nennt aber keine Quelle eigene Designer-Credits.
Korrektur vom 15.10.2026: Der Text nannte zunächst „Seit Februar 2026" als Beginn der Asmodee-Vertriebspartnerschaft mit Ulisses Spiele/Ottavio; korrekt ist die Ankündigung zur Spielwarenmesse Nürnberg am 30. Januar 2026.
Asmodee Deutschland hat einen Termin für die deutsche Ausgabe von Citadels Duel genannt: Das Spiel erscheint laut Verlag im Oktober 2026, passend zur SPIEL Essen 2026. Die englische Ausgabe von Z-Man Games ist bereits für den 23. Oktober angesetzt. Der Händler brettspieleck.de nennt bereits den 15. Oktober als konkretes Lieferdatum.
Zwei-Spieler-Duell statt Vierer-Tafelrunde
Citadels Duel überträgt Bruno Faiduttis Städtebau-Klassiker Citadels in eine reine Zweipersonen-Fassung. Design stammt laut BGG nicht von Faidutti selbst, sondern von Guillaume Montiage und Manuel Rozoy. Laut Faiduttis eigenem Blog war der Autor selbst nicht an der Entwicklung beteiligt, testete aber regelmäßig mit, da Rozoy in seiner Nähe lebt.
Faidutti selbst beschreibt sich als erleichtert, dass nicht ausgerechnet Cathala, der Designer von 7 Wonders Duel und Splendor Duel, mit der Citadels-Duel-Idee auf ihn zukam. Laut Faidutti wollten die französischen Designer Montiage und Rozoy die „Gemeinheit“ des Originals erhalten, während die amerikanischen Entwickler bei Z-Man lieber vereinfachen wollten.
Gespielt wird mit Handkartenmanagement, Plättchenauslage und Bluff: Beide Planerinnen und Planer werben um ikonische Rollen wie die Queen, den Assassin oder den Warlord. Der Rollenpool umfasst laut Fachpresse-Rezensionen neun Charaktere, von denen durch den Draftmechanismus jeweils sechs pro Runde im Spiel bleiben. Jede Figur, die sich eine Seite sichert, kann laut BGG-Beschreibung grundsätzlich auch von der Gegenseite übernommen werden. Wer zu zögerlich plant, verschenkt damit einen möglichen Vorteil.
Wer am Ende das meiste Gold besitzt, gewinnt. Die Partie dauert laut BGG 30 Minuten bei einer Komplexität von 2,0 von 5. Auf BGG gilt das als sehr leicht zugänglich, am unteren Ende der Skala.
Preis und Altersfreigabe im Vergleich
Bei der Altersfreigabe gibt es einen Unterschied: Asmodee Deutschland nennt für die deutsche Ausgabe „ab 10 Jahren“, BGG und die englischsprachige Ankündigung von Z-Man Games „ab 14 Jahren“. Wer sich an der strengeren Einstufung orientieren möchte, nimmt bei einem bluff- und verhandlungsbetonten Spiel wie diesem eher den höheren Wert. Die deutsche Ausgabe soll laut Händlerangaben rund 27 Euro kosten. Die US-Fassung ist mit 29,99 US-Dollar gelistet.
Auf BoardGameGeek steht Citadels Duel bereits auf rund 450 Wunschlisten, ein Hinweis auf Interesse aus der bestehenden Citadels-Fanbase. Das Spiel ist laut BGG exklusiv für 2 Spielende ausgelegt, anders als das Original mit bis zu acht Mitspielenden. Citadels Duel eignet sich damit eher für ein Eltern-Kind-Duell oder einen Zweier-Spielabend als für die große Familienrunde am Tisch. Wie groß der Rollenpool über mehrere Partien hinweg variiert, lässt sich aus den vorliegenden Quellen nicht entnehmen.
Wer vorab testen will, findet Citadels Duel schon jetzt auf Board Game Arena. Wir haben die Plattform-Neuheit in dieser Woche bereits in unserer BGA-Neuheitenschau vorgestellt.
Board Game Arena hat in den vergangenen sieben Tagen drei neue Titel aufgenommen: die Zwei-Spieler-Neuauflage Citadels Duel, Stefan Felds Mythologie-Klassiker The Oracle of Delphi und das kompakte Duell Good Fortune. Die Spannweite reicht vom Premium-exklusiven Bluff-Duell über ein ausgewachsenes Abenteuer unter griechischen Göttern bis zum kurzen, kostenlosen Plättchenspiel.
Citadels Duel
Citadels Duel ist die eigenständige Zwei-Spieler-Neuauflage von Bruno Faiduttis Klassiker Citadels, designt von Guillaume Montiage und Manuel Rozoy. Premium: „Für diesen Titel wird ein Premium-Abo benötigt.“
Zwei Stadtplaner kämpfen um die Kontrolle über eine Stadt: Gebäude bauen, Charaktere wie Königin, Assassine und Kriegsherr einsetzen, wer am Ende das meiste Gold hat, gewinnt. BGG nennt 30 Minuten Spielzeit bei einer Komplexität von 2,0 von 5, ab 14 Jahren. Verlag ist laut BGG unter anderem Asmodee und Z-Man Games. Die BGG-Wertung liegt bei 6,57 aus 148 Stimmen, Gesamtrang 11.922 (Stand: 13.10.2026).
The Oracle of Delphi
The Oracle of Delphi schickt 2 bis 4 Spielende auf eine Odyssee durch die Ägäis auf der Suche nach dem Rat des Orakels von Delphi. Das Spiel lässt sich ohne Abo spielen. Design stammt von Stefan Feld, Verlag ist laut BGG unter anderem Hall Games und Pegasus Spiele.
Jede Runde bestimmen drei farbige Orakel-Würfel, welche von Zeus' zwölf Aufgaben möglich sind, von Statuen über Tempelopfer bis zum Kampf gegen Monster. BGG nennt 70 bis 100 Minuten Spielzeit bei einer Komplexität von 3,0 von 5, ab 12 Jahren. Mit 7,30 aus 5638 Stimmen und Gesamtrang 831 (Stand: 13.10.2026) ist es das mit Abstand am höchsten bewertete der drei neuen Titel.
Good Fortune
Good Fortune ist ein kompaktes Plättchen-Duell für genau 2 Spielende: Beide Seiten legen abwechselnd Teile an die Tischmitte an, um eigene Symbolketten zu vervollständigen und Glückssymbole zu sammeln. Kostenlos: „Das Spiel lässt sich ohne Abo spielen.“ Design stammt von Jean-Louis Roubira, Illustration von Pauline Détraz, Verlag ist Daïmon Play.
BGG nennt 15 bis 30 Minuten Spielzeit bei einer Komplexität von 1,75 von 5, ab 8 Jahren. Mit 6,65 aus 108 Stimmen und Gesamtrang 13.849 (Stand: 13.10.2026) ist es das jüngste und am wenigsten etablierte der drei neuen Titel.
Korrektur vom 13.10.2026: Die BGG-Wertung zu Citadels Duel war bei Veröffentlichung mit 6,61 aus 140 Stimmen angegeben, ohne Datumsangabe. Der Wert hatte sich bereits merklich verändert; jetzt aktualisiert auf 6,57 aus 148 Stimmen, Gesamtrang 11.922. Alle drei BGG-Wertungsangaben im Artikel tragen jetzt einen Stand-Vermerk.
Awaken Realms hat in einem Gamefound-Produktionsupdate zu Nemesis: Retaliation bestätigt, dass die finale Fassung des dritten Nemesis-Teils fast 150 Karten mehr enthält als beim Start der Kampagne versprochen, ohne Mehrkosten für Unterstützende. Parallel dazu ist die deutsche Ausgabe bei Asmodee mittlerweile regulär im Handel, nicht nur über den ursprünglichen Gamefound-Kanal.
Fast 150 Karten ohne Aufpreis
Das Update trägt im Original den Titel „US Tariffs / Nemesis Retaliation Production news / LANG versions update“ und spricht damit ausdrücklich auch den Produktionsstand der fremdsprachigen Ausgaben an, zu denen die deutsche zählt. Eine Aufschlüsselung nach einzelnen Kartentypen oder betroffenen Spielmodulen nennt Awaken Realms bislang nicht. Eine gesonderte Bestätigung von Asmodee Deutschland, dass die Zusatzkarten auch in den bereits verkauften deutschen Exemplaren stecken, gibt es auf der Produktseite ebenfalls nicht.
Grundspiel plus drei Erweiterungen auf Deutsch
Design stammt wie bei den Vorgängern von Adam Kwapiński. Der dritte Teil der Reihe setzt auf ein überarbeitetes Gesundheitssystem, ein modulares Kartenerkundungssystem und geheime Einzelziele, durch die einzelne Spielende zu Verräterinnen oder Verrätern werden können. Gespielt wird von 1 bis 5 Personen ab 14 Jahren, die Spielzeit liegt laut BGG bei 120 bis 180 Minuten. Zur deutschen Ausgabe zählen neben dem Grundspiel die Stretch-Goals-Erweiterung sowie die drei Erweiterungen Blutfresser, Verstärkungseinheit und Xyrianer.
Kalenderwoche 41 bringt gleich vier große Starts vom selben Wochenende: Drei Kickstarter-Kampagnen und eine Gamefound-Kampagne sind am 29. September live gegangen. Mit dabei ist auch ein deutscher Verlag in eigener Sache: Queen Games aus Bonn bringt mit Orlando den 13. Teil seiner Stefan-Feld-Städtereihe an den Start. Für die Spieleschmiede hat sich in dieser Woche kein neuer Brettspiel-Kandidat gefunden, der die Aufnahmekriterien dieser Ausgabe erfüllt.
The Lord of the Rings: The King's Gambit
Mit The King's Gambit bringt Restoration Games unter Leitung von Rob Daviau eine Neuauflage von Star Wars: The Queen's Gambit in die Welt von Mittelerde. Auf vier parallel laufenden Schauplätzen, darunter die Pelennor-Felder, Minas Tirith und der Weg durch Mordor, kämpfen die Reiter von Rohan, die Verteidiger Gondors und Frodo mit Sam gegeneinander beziehungsweise gegen die Zeit. Gespielt wird von ein bis vier Personen bei 90 bis 120 Minuten, ein eigener Solo-Modus wird auf der Kampagnenseite nicht erwähnt. Die aufwendige Kickstarter-Edition enthält dreidimensionale Nachbauten von Minas Tirith und Mordor, eine schlankere Handelsausgabe soll 2027 über Asmodee erscheinen.
Die Kickstarter-Kampagne startete am 29. September 2026 und steht, Stand 05.10.2026, bei rund 1.658.000 US-Dollar und 332 Prozent des Ziels von 500.000 US-Dollar, getragen von fast 5000 Unterstützenden. Die günstigste reguläre Spielausgabe kostet 199 US-Dollar, geschätzte Auslieferung ist Oktober 2027. The King's Gambit läuft noch bis zum 20. Oktober 2026.
Conan by Monolith: Tales of Tortage and Zamora
Mit Tales of Tortage and Zamora erweitert Monolith sein seit 2016 laufendes Conan-Brettspiel um zwei neue Schauplätze: das Piratennest Tortage und das von Kulten durchsetzte Zamora samt Turm des Elefanten. Die Kampagne bringt sechs neue Szenarien für den Abenteuermodus sowie sechs weitere für Solo- und Koop-Partien mit, dazu erscheint parallel eine neue Box mit Inhalten aus der Rollenspielreihe Conan: The Hyborian Age. Gespielt wird im Grundspiel von zwei bis fünf Personen bei rund 90 Minuten pro Szenario. Eine deutsche Sprachversion nennt die Kampagnenseite nicht.
Die Kickstarter-Kampagne startete am 29. September 2026 und steht, Stand 05.10.2026, bei rund 612.000 Euro und 816 Prozent des Ziels von 75.000 Euro, getragen von mehr als 3300 Unterstützenden. Der günstigste Einstieg in die neuen Inhalte ist der Board Game New Content Pledge für 99 Euro, geschätzte Auslieferung ist September 2027. Die Kampagne läuft noch bis zum 15. Oktober 2026.
Orlando
Mit Orlando legt der Bonner Verlag Queen Games den 13. Teil seiner Stefan-Feld-Städtesammlung vor. Ein bis vier Personen bauen einen eigenen Freizeitpark mit Attraktionen, Einschienenbahn und wachsendem Schloss, gesteuert über acht 16-seitige Würfel mit je zwei Aktionen pro Seite. Eine Partie dauert laut BGG 60 bis 90 Minuten.
Wie gut sich das Spiel solo spielt, nennt die Kampagnenseite nicht. Mehrere Pledge-Stufen bringen dreidimensionale Spielkomponenten wie Miniatur-Gebäude statt flacher Pappmarker mit.
Die Kickstarter-Kampagne startete am 29. September 2026 und steht, Stand 05.10.2026, bei rund 102.000 Euro und 1021 Prozent des Ziels von 10.000 Euro, getragen von über 600 Unterstützenden. Die günstigste Spielausgabe kostet 68 Euro, geschätzte Auslieferung ist August 2027. Orlando läuft noch bis zum 12. Oktober 2026.
Defenders of the Realm: Definitive Edition
Mit der Definitive Edition legt Greater Than Games das kooperative Fantasyspiel von Designer Richard Launius überarbeitet neu auf. Ein bis sechs Heldinnen und Helden verteidigen gemeinsam Monarch City gegen Monster, Dämonen und uralte Schrecken, deren Truppen sich von Runde zu Runde weiter ausbreiten. Jede Aktion am Tag drängt die Angreifer zurück, macht die nächtliche Vergeltung aber auch gefährlicher.
Gespielt wird von ein bis sechs Personen bei 90 bis 150 Minuten. Ob es einen eigenen Solo-Modus gibt, nennt die Kampagnenseite nicht.
Die Gamefound-Kampagne startete am 29. September 2026 und steht, Stand 05.10.2026, bei rund 89.000 US-Dollar und 89 Prozent des Ziels von 100.000 US-Dollar, das Ziel ist damit noch nicht erreicht. Der günstigste Einstieg kostet 60 US-Dollar, einen Auslieferungstermin nennt die Kampagnenseite nicht. Die Kampagne läuft noch bis zum 29. Oktober 2026.
Magical Athlete steht aktuell auf Platz 9 der BGG-Hotness-Liste (Stand: 1. Oktober 2026). Die deutsche Lokalisierung Turbo-Flitzpiepen 2000 ist seit August 2026 über den Verlag CMYK und Asmodee im Handel. Bei mehreren großen Händlern ist der Titel inzwischen aber bereits wieder ausverkauft.
Chaotisches Wett-Würfeln mit Draft-Element
Turbo-Flitzpiepen 2000 ist die Neuauflage von Magical Athlete, einem Klassiker von Takashi Ishida aus dem Jahr 2003. Die aktuelle Ausgabe führt zusätzlich Richard Garfield als Designer. Vor jedem der vier Rennen wählen die Spielenden aus gezogenen Charakteren mit chaotischen Sonderfähigkeiten, würfeln sich dann über die Strecke. Gespielt wird von 2 bis 6 Personen ab 6 Jahren in 30 Minuten, BGG-Gewichtung nur 1,2 von 5, damit eines der leichtesten Partyspiele überhaupt.
Trotz dieser geringen Komplexität steht der Titel auf BGG an Gesamtrang 282, in der Partyspiel-Wertung sogar auf Platz 9 und bei den Familienspielen auf Platz 45 (Stand: 2. Oktober 2026), ungewöhnlich stark für ein so leichtgewichtiges Spiel. Mit mehr als 9200 Wertungen und über 18.000 Besitzenden ist Magical Athlete damit längst ein etabliertes Partyspiel, kein Geheimtipp.
Ausverkauft, Nachschub erst im Herbst
Auf der Asmodee-Produktseite steht weiterhin „Bald im Handel erhältlich“, obwohl der Titel laut eigener Ankündigung bereits seit August 2026 erscheinen sollte. Bei Brettspielbude ist Turbo-Flitzpiepen 2000 aktuell als „Ausverkauft“ markiert. Milan Spiele nennt für 32,90 Euro den Status „Wieder lieferbar ab 31.10.2026“.
Das liegt gut eine Woche nach der SPIEL Essen 2026 (22. bis 25. Oktober). Wer das Spiel vorher sucht, braucht also entweder Geduld oder Glück bei kleineren Händlern mit Restbeständen.
Korrektur vom 02.10.2026: Der Artikel nannte ursprünglich Richard Garfield und Takashi Ishida gemeinsam als Designer des 2003 erschienenen Originals. Der BGG-Eintrag zum Original von 2003 nennt jedoch nur Takashi Ishida als Designer, Richard Garfield wird erst beim BGG-Eintrag der Neuauflage von 2025 genannt.
Die Werwölfe von Düsterwald wird 2026 25 Jahre alt. Das Kartenspiel für große Gruppen von Designer-Duo Philippe des Pallières und Hervé Marly lässt Dorfbewohner Nacht für Nacht die heimlichen Werwölfe unter sich aufspüren, bevor die eigene Runde dezimiert ist. Zum Auftakt der SPIEL Essen 2026 feiert Asmodee das Jubiläum mit einer Live-Partie auf der großen Bühne der Grugahalle, präsentiert von den Gaming- und Entertainment-Profis von Rocket Beans TV. Am Donnerstagabend, 22. Oktober 2026, von 19:30 bis rund 22 Uhr, verwandelt sich die Halle laut offizieller Ankündigung „in ein riesiges, spannungsgeladenes Dorf voller Verdächtiger, Lügen und plötzlicher Entscheidungen“.
Rocket Beans spielen live auf der Bühne
Die Partie läuft live auf der Bühne und wird zusätzlich auf YouTube und Twitch bei Rocket Beans TV übertragen. Wer nicht selbst nach Essen kommt, kann die Runde damit auch von zu Hause verfolgen.
Zum Jubiläum ist außerdem seit dem 1. September 2026 die „25 Jahre Special Edition“ im Handel, UVP 24,99 Euro. Sie bringt laut Asmodee vier neue Charaktere mit eigenen Szenarien mit, ausgelegt für 8 bis 18 Spielende ab 8 Jahren und mindestens 30 Minuten Spielzeit.
Asmodee kündigt für den Herbst 2026 zwölf Neuheiten an, angeführt von einer Pixel-Art-Jubiläumsausgabe zu Carcassonne und einer Neuauflage des Kennerspiel-Klassikers Sankt Petersburg. Dazu kommen neue Ausgaben etablierter Partyspiele wie Exploding Kittens und Unstable Unicorns sowie vier weitere, kleinere Titel und Erweiterungen. Würfelreich ordnet acht Titel mit dem größten Nachrichtenwert im Detail ein, die übrigen vier folgen kurz zusammengefasst am Ende.
Jubiläum und Neuauflage
Zum 25-jährigen Jubiläum bringt Hans im Glück Carcassonne als Pixel-Art-Sonderausgabe heraus: Grundspiel und Flussexpansion erscheinen komplett neu illustriert im Pixel-Stil, exklusiv dazu kommt die Mini-Erweiterung Die Pixel-Brunnen mit 23 zusätzlichen Landschaftsplättchen. Die limitierte Ausgabe erscheint im Oktober 2026 für zwei bis fünf Personen ab 7 Jahren, mit rund 30 bis 45 Minuten Spielzeit. Spielerisch bleibt es dabei laut Fachpresse zunächst beim bekannten Carcassonne, ergänzt um die neue Mini-Erweiterung. Wir haben Carcassonnes Tile-Placement- und Area-Control-Mechanik bereits im Legespiele-Artikel eingeordnet.
Sankt Petersburg kehrt für Asmodee in den breiteren Handel zurück, keine inhaltlich neue Fassung: Die zitierbaren Quellen zeigen ausschließlich die bereits 2014 über die Spieleschmiede finanzierte Neugestaltung des 2004 von Bernd Brunnhofer und Karl-Heinz Schmiel entwickelten Hans-im-Glück-Klassikers, mit Illustrationen von Anne Pätzke und Irene Bressel, einem Marktmodul für einen fünften Spieler und gebündelten Erweiterungsmodulen. Eine eigenständige inhaltliche Überarbeitung speziell für 2026 war weder auf BGG noch bei Hans im Glück auffindbar, ähnlich wie schon bei Dixit: Revelations. Im Spiel selbst erwerben die Beteiligten reihum Karten aus den Bereichen Handwerker, Gebäude und Adel und erhalten dafür in jeder Kartenart eigene Wertungsphasen mit Einkommen und Siegpunkten. Zwei bis fünf Personen ab 13 Jahren spielen rund 60 Minuten, mit einer BGG-Komplexität von 2,7 von 5.
Exploding Kittens, Unstable Unicorns und Dixit
Rage Mode stammt wie das Basisspiel von den Exploding-Kittens-Erfindern Matthew Inman und Elan Lee. Bewaffnet mit einer katzenförmigen Waffe attackieren sich die Spielenden gegenseitig mit Angriffen, Fallen und der titelgebenden Rage-Katze, die gezielt Karten stiehlt. BGG beschreibt es als die bislang unfreundlichste und gnadenloseste Version des Spiels. Zwei bis fünf Personen ab 7 Jahren spielen rund 15 Minuten.
Fluch & Segen setzt dagegen auf einen magischen statt aggressiven Twist: Neue Segens- und Fluchkarten erweitern die taktischen Optionen, während geheime Umschläge im Spielverlauf nach und nach weitere Karten freischalten und den Kartenpool dauerhaft vergrößern. BGG führt das Produkt unter dem Namen Exploding Kittens: Curse You!, nennt aber keine Designer. Zwei bis fünf Personen ab 7 Jahren spielen ebenfalls rund 15 Minuten. Wir haben kürzlich über Joeri Hostes Antritt als neuer Studio-Chef bei Exploding Kittens berichtet.
Unstable Unicorns erscheint in einer Diamant-Edition mit vier neuen Diamant-Einhörnern, holografischen Sammelkarten und einem glitzernden W4. Ziel bleibt wie im Grundspiel, als Erste oder Erster eine vollständige Einhorn-Armee aufzubauen und dabei die Mitspielenden mit Sabotage-Karten auszubremsen. BGG führt die internationale Ausgabe von 2024 unter zwei bis acht Spielenden ab 8 Jahren bei 30 bis 60 Minuten Spielzeit. Einen deutschen Erscheinungstermin und Preis hat Asmodee für die Diamant-Edition bislang nicht genannt.
Dixit: Revelations kehrt als Wiederveröffentlichung in den Handel zurück, keine neue Erweiterung: BGG führt die 84 von der französischen Illustratorin Marina Coudray gestalteten Bildkarten bereits seit 2016, eine eigenständige 2026er-Neuauflage ist auf BGG nicht separat gelistet. Die Karten ergänzen das Grundspiel oder Dixit Odyssey für drei bis sechs Personen ab 6 Jahren, mit rund 30 Minuten Spielzeit pro Partie. Laut Verlagsbeschreibung orientieren sich die Motive an Kunstströmungen des frühen 20. Jahrhunderts wie Art Déco und Surrealismus.
Karotten-Cup und POP!
Karotten-Cup bringt mit Not So Fast von den Designern Guido Albini und Martino Chiacchiera ein Wettrennen zwischen Hasen und Schildkröten in einen Gemüsegarten: Jede Person unterstützt geheim eine Team-Farbe und versucht, deren Hase und Schildkröte im richtigen Moment ankommen zu lassen, denn nur die ersten sieben Figuren erreichen überhaupt ein Punktefeld. Eine aufgedeckte Bewegungskarte bestimmt pro Zug, welche Figur nach Tierart oder Farbe vorrückt. Gestapelte Figuren wandern dabei gemeinsam weiter und verteilen sich neu, was auch gegnerischen Figuren helfen kann. Laut BGG spielen zwei bis vier Personen ab 8 Jahren rund 20 Minuten bei einer niedrigen Komplexität von 1,0 von 5, international erscheint es bei Blue Orange und GateOnGames.
POP! versetzt die Spielenden laut Verlag als „Hüter*innen der Farben“ ins Königreich Chromatopia, wo eine Girlande aus farbigen Ballonkarten entsteht. Ursprünglich stammt der Titel vom japanischen Studio Musoka unter den Designern Mr.Kou und Kamoto. Grenzen zwei gleichfarbige Ballons aneinander, explodieren sie und lösen mitunter eine Kettenreaktion aus, bei der die auslösende Person alle explodierten Karten einsammelt. BGG führt ein bis fünf Spielende ab 8 Jahren bei 10 bis 20 Minuten Spielzeit, und die deutsche Lokalisierung erscheint im dritten Quartal 2026 bei Asmodee.
Kurz notiert
Vier weitere Titel ergänzen das Herbstprogramm kürzer gefasst. Cardia: Flut & Sturm führt das Duell-Prinzip des bestehenden Duell um Cardia, bei dem zwei Parteien mit identischen Kartendecks um Siegel und die Gunst von vier Fraktionen wetteifern, in einer eigenständigen Fortsetzung fort. Cyberpunk Legends: Into the Night, das narrative Kartenspiel von Night Crew Games, wächst um ein Waffen-Paket sowie vier neue Erweiterungsdecks: Bartmoss, Blackhand, Eurodyne und Santiago.
Yokai Carnival lässt Spielende als Geister-Truppen um die meisten gesammelten Yokai konkurrieren. Pili Pili: Extra Spicy schärft das bekannte Wettspiel um neue Temperatur-Karten und zusätzliche, miteinander kombinierbare Missionen nach, bei rund 20 Minuten Spielzeit im kompakten Format.
Vom pixeligen Jubiläumsplättchen bis zur geschärften Wett-Karte: Das Herbstprogramm setzt für Asmodee derzeit vor allem auf neue Ausgaben und Erweiterungen etablierter Marken. Eigenständige Neuheiten bleiben mit Cardia: Flut & Sturm, Karotten-Cup und POP! die Ausnahme. Bei Sankt Petersburg und Dixit: Revelations handelt es sich zudem beide Male nicht um neue Inhalte, sondern um die Rückkehr bereits bestehender Fassungen in den Handel.
Der Troisdorfer Verlag Queen Games hat bei seiner Herbstneuheiten-Präsentation am 19. und 20. September in Bonn angekündigt, Spielmaterial künftig teilweise in Eigenregie mit 3D-Druckern herzustellen. Das berichtet das Fachmagazin Reich der Spiele. Rund 40 geladene Gäste konnten die kommenden Titel bei der Präsentation in Bonn bereits probespielen. Verlagschef Rajive Gupta reagiert damit auf blockierte und teure Lieferwege aus Fernost, von wo ein Großteil der Branche ihr Spielmaterial bezieht.
Von der Maßnahme verspricht sich Queen Games vor allem eine verlässlichere Zeitplanung in der Produktion, unabhängig von Reederei-Kapazitäten und schwankenden Zöllen. Reich der Spiele wirft zudem die Frage auf, ob sich daraus künftig auch ungewöhnlicheres, individuelleres Spielmaterial ergeben könnte. Welche Komponenten konkret künftig gedruckt statt importiert werden und ab wann, nannte der Verlag bislang nicht.
Kostendruck trifft die ganze Branche
Queen Games ist nicht der erste Verlag, der wegen wirtschaftlichen Drucks umsteuert. Bereits im Frühjahr 2025 hielt Asmodee trotz Zoll-Unsicherheit an seinem Expansionskurs fest und wich unter anderem auf neue Fertigungsstandorte in Asien aus, ein Druck, der wie bei Queen Games direkt von unsicheren Fernost-Lieferketten ausgeht. Deutlich anders liegt der Fall beim Crowdfunding-Spezialisten CMON: Er kämpft laut eigenem Halbjahresbericht mit einem „anhaltenden strukturellen Abschwung“ und sucht seit September mehr als 17,5 Millionen US-Dollar von Investoren, nachdem er bereits seine Belegschaft halbiert, den Hauptsitz in Singapur geschlossen und mehrere Marken verkauft hatte. Anders als bei Queen Games und Asmodee nennt CMON selbst keine Lieferketten- oder Zollprobleme als Ursache.
Diversifizieren, schrumpfen oder selbst produzieren
Die drei Fälle zeigen unterschiedliche Antworten auf wirtschaftlichen Druck in der Branche, aber nicht immer auf dieselbe Ursache. Asmodee nutzt seine finanzielle Stärke, um Produktion geografisch zu streuen und Importe flexibel zu steuern, als direkte Reaktion auf Zoll- und Lieferkettenunsicherheit. CMON fehlt für einen vergleichbaren Umbau schlicht das Kapital, und der Verlag reagiert auf eine breitere strukturelle Krise mit Personalabbau, Markenverkäufen und der Suche nach frischem Geld. Queen Games wählt einen dritten Weg und reagiert wie Asmodee konkret auf Lieferketten-Druck aus Fernost: Statt Fertigung geografisch zu verlagern, will der Verlag Teile davon ganz ins eigene Haus zurückholen.
Ob sich 3D-Druck für einen Verlag der Größe von Queen Games wirtschaftlich trägt, wird sich erst zeigen, wenn die ersten so gefertigten Komponenten tatsächlich in Spielschachteln liegen. Als Signal an Fachhandel und Fans wenige Wochen vor der SPIEL '26 kommt die Ankündigung jedenfalls zur rechten Zeit.
Hoste ist seit 2020 bei Exploding Kittens und leitete dort zuvor das internationale Geschäft. Vorherige Stationen liegen unter anderem beim Hongkonger Verlag und Hersteller Ooba Games, beim Spielzeughersteller BOTI und beim Sammelkarten- und Collectibles-Spezialisten Upper Deck.
Evergreen-Marke statt Einzelspiel
Zu seinen Plänen für die Marke sagt Hoste laut BoardGameWire: „Wir setzen unsere Mission fort, großartige Spiele zu machen und Erlebnisse zu schaffen, die Menschen zusammenbringen. Exploding Kittens ist das Spiel, das das gleichnamige Unternehmen aufgebaut hat. Unsere nächste Herausforderung wird sein, die Marke zu einer dauerhaften Evergreen-Marke weiterzuentwickeln, die über ihr ursprüngliches Format hinauswächst“ (übersetztes Zitat). Die Positionierung innerhalb des Asmodee-Konzerns beschreibt er so: „Exploding Kittens ist innerhalb von Asmodee einzigartig, weil wir tiefe kommerzielle Massenmarkt-Expertise mit der Veröffentlichung schrulliger, respektloser Spiele verbinden, die die Spielkategorie aufmischen“ (übersetztes Zitat).
Zum eigenen Team sagt Hoste: „Wir sind nicht dorthin gekommen, indem wir uns angepasst haben. Wir sind erfolgreich wegen des talentierten Teams, das bereit ist, anders zu sein“ (übersetztes Zitat). Wie Würfelreich beim Aufstieg McGinnis' bereits berichtete, wuchs die Marke nach Unternehmensangaben auf mehr als 60 Millionen verkaufte Spiele.
CMON warnt in seinem Halbjahresbericht 2026 vor einem „anhaltenden strukturellen Abschwung“ und sucht mehr als 17,5 Millionen US-Dollar von externen Investoren. Eine Bezugsrechtsemission an die Altaktionäre wurde nur zu 7,76 Prozent gezeichnet, das berichtet das Fachportal BoardGameWire am 9. September 2026.
Der Verlust im ersten Halbjahr 2026 liegt bei 2,1 Millionen Dollar, deutlich niedriger als der Verlust von 7 Millionen Dollar im ersten Halbjahr 2025, bei einem Umsatz von 3,68 Millionen Dollar. Die Barreserven lagen zum 4. August 2026 bei rund 368.000 Dollar, im Juni 2025 waren es noch 900.000 Dollar. Nach eigener Einschätzung reicht das verbleibende Geld für unter einen Monat Betrieb.
CMON hat seine Belegschaft bereits halbiert, den Hauptsitz in Singapur geschlossen und mehrere Marken verkauft, darunter Zombicide und Cthulhu: Death May Die an Asmodee sowie Blood Rage. Neue Crowdfunding-Kampagnen sind gestoppt, gegenüber Unterstützenden bereits laufender, aber noch nicht ausgelieferter Kampagnen stehen laut Bericht rund 14 Millionen Dollar aus.
Wofür CMON das Geld einsetzen will
Vom gesuchten Kapital sollen laut Plan 40 Prozent in den laufenden Betrieb (Personal, Lizenzgebühren, Versand) fließen, 20 Prozent in die Schuldentilgung, 25 Prozent in die Markterweiterung in Asien und Europa und 15 Prozent in ein bis drei Übernahmen im Digitalspiele-Bereich im Wert von 1,3 bis 2,5 Millionen Dollar. Zur Europa-Erweiterung zählt laut CMON auch eine mögliche Teilnahme an der SPIEL Essen und dem Festival International des Jeux in Cannes.
Der Vorjahresbericht hatte für 2025 einen Verlust von 19,9 Millionen Dollar ausgewiesen. Asmodee erweitert sein Portfolio derweil auf mehreren Wegen: Erst Anfang September übernahm der Konzern mit Welcome To… eine weitere Reihe vom französischen Verlag Blue Cocker, zuvor hatte er bereits Sheriff of Nottingham und den Verlag Japon Brand von CMON erworben.
Asmodee und Catan Studio gehen mit den Ottawa Senators eine saisonlange Partnerschaft in der NHL ein, die am 4. September 2026 vorgestellte Kooperation umfasst Werbung in der Halle, Concourse-Aktivierungen und Social-Media-Wettbewerbe bei ausgewählten Heimspielen. Höhepunkt ist eine eigene „Catan Night“ am 23. November im Canadian Tire Centre, wenn die Senators auf die Calgary Flames treffen, mit thematischer Dekoration, Ticketpaketen und Werbeartikeln. Laut Vizepräsident für Marketing Peter Shier sind die Senators damit das einzige kanadische Profisportteam und das einzige NHL-Team, das in dieser Saison einen Catan-Spieltag ausrichtet.
„Brettspiele und Eishockey teilen denselben Kern: Strategie, Gemeinschaft und das Zusammenbringen von Menschen“ (übersetztes Zitat), sagte Jayson Pickford, Country Manager und CEO von Asmodee Canada, laut der offiziellen Mitteilung der Senators.
Zweite Profisport-Partnerschaft nach den Timberwolves
Die NHL-Kooperation folgt gut zehn Monate nach der ersten Sport-Partnerschaft der Marke: Im November 2025 hatten Catan Studio und die Minnesota Timberwolves aus der NBA eine ähnliche Zusammenarbeit mit Aktivierungen, Werbegeschenken und Community-Programmen gestartet. Mit der neuen NHL-Partnerschaft baut Asmodee die Präsenz der Marke außerhalb des klassischen Spielehandels und der Fachpresse weiter aus.
Asmodee übernimmt die komplette Welcome-To-Reihe, Marke und geistiges Eigentum, vom französischen Verlag Blue Cocker. Der Konzern setzt damit seine im November 2024 angekündigte Übernahmestrategie fort, für die er nach eigenen Angaben eine Pipeline von mehr als 20 möglichen Zielen aufgebaut hat. Finanzielle Details zur Transaktion nannten beide Seiten nicht. Das berichtet das Fachportal BoardGameWire.
Welcome To... geht auf Benoit Turpins Durchbruchsspiel „Welcome to Your Perfect Home“ von 2018 zurück und gilt als Wegbereiter des Flip-and-Write-Genres: Statt eines Würfelwurfs teilen sich alle Mitspielenden dieselben aufgedeckten Karten und tragen ihre Wahl gleichzeitig ein. Die Reihe wuchs seither um die eigenständigen Fortsetzungen „Welcome to the Moon“ und „Welcome to New Las Vegas“ und verkaufte sich nach Angaben von BoardGameWire mehrere hunderttausend Mal. Allein auf der Plattform Board Game Arena kommt die Serie auf mehr als 3 Millionen gespielte Partien und im Schnitt über 3.000 individuelle Spielende pro Tag. Auf Deutsch erscheint die Reihe bei Pegasus Spiele.
Teil einer größeren Einkaufstour
Welcome To... reiht sich in eine Serie von Zukäufen ein, mit denen Asmodee seine 2024 angekündigte Rückkehr zur aktiven Übernahmepolitik untermauert. 2025 sicherte sich der Konzern bereits Zombicide und Cthulhu: Death May Die vom finanziell angeschlagenen Verlag CMON. In diesem Jahr kamen die bis zu 250 Millionen Euro schwere Übernahme von ATM Gaming, der Kauf von Sheriff of Nottingham und des Verlags Japon Brand von CMON, der Erwerb von Time’s Up! vom Verlag R&R Games sowie die restlichen 45 Prozent an Exploding Kittens hinzu, über dessen bisherige Chefin Carly McGinnis Würfelreich zuletzt berichtete. Konzernchef Thomas Kœgler hatte bei der Ankündigung der Strategie gesagt, man kenne viele der Übernahmeziele durch bestehende Geschäftsbeziehungen bereits „in- und auswendig“ (übersetztes Zitat, Auszug).
Finanziell hat Asmodee für weitere Zukäufe Spielraum: Der Umsatz stieg im Geschäftsjahr bis Ende März um 23 Prozent auf 1,68 Milliarden Euro, das bereinigte EBITDA legte um rund 25 Prozent auf 285,4 Millionen Euro zu. Die Nettoverschuldung lag zum Ende Juni beim 1,6-Fachen des bereinigten EBITDA, unter Einbeziehung laufender Übernahmeverpflichtungen beim 1,7-Fachen, deutlich unter der selbst gesteckten Grenze vom 2,5-Fachen und niedriger als ein Jahr zuvor.
Von der Garage zum Fünf-Personen-Verlag
Blue Cocker wurde 2013 vom ehemaligen Luftfahrtingenieur Alain Balay gegründet. Der Erfolg von Welcome To... erlaubte es dem zunächst als Ein-Personen-Betrieb geführten Verlag, bis 2019 auf fünf Beschäftigte zu wachsen, wie Balay der französischen Zeitung La Gazette du Midi sagte. Sein Exportanteil sei damals auf 60 Prozent des Umsatzes gestiegen, angesichts globaler wirtschaftlicher und politischer Unsicherheiten aber inzwischen auf rund 10 Prozent gefallen. Neben der Welcome-To-Reihe verlegt Blue Cocker unter anderem Medieval Academy (2014), Meeple War (2016), The Last Droids (2025) und das Wirtschafts-Deckbuilding-Spiel SAN als Haupttitel des laufenden Jahres.
Asmodees Bereichsleiter Mathieu Aubert sieht in der Übernahme mehr als nur eine starke Marke fürs eigene Portfolio: „Wir sehen großes Potenzial, das Welcome-To-Universum zu erweitern, und das Team hat bereits viele Ideen, um das umzusetzen. Ich freue mich darauf, im kommenden Monat mehr über unsere Projekte zu berichten“ (übersetztes Zitat). Asmodees SVP Tabletop Games, Benoit Clerc, würdigte die Reihe als „Meilenstein des modernen Brettspiels, der elegantes Spieldesign mit außergewöhnlicher Zugänglichkeit verbindet“ (übersetztes Zitat).
Balay selbst zeigte sich zuversichtlich: „Wir sind unglaublich stolz auf alles, was Welcome To... in den vergangenen Jahren erreicht hat, und sind zuversichtlich, dass Asmodee die Marke nun weiterträgt und noch mehr Menschen weltweit damit erreicht“ (übersetztes Zitat). Wie genau sich die Reihe unter dem neuen Dach weiterentwickelt, will Asmodee nach eigenen Angaben in den kommenden Wochen genauer vorstellen.
Der Deutsche Spiele Preis (DSP) 2026 hat seine Top-Listen veröffentlicht. Nach drei Monaten Abstimmung stehen die Top 10 in der Kategorie Familien- und Erwachsenenspiel sowie die Top 3 in der Kategorie Kinderspiel fest. Die Plätze 1 bis 3 nennt der Veranstalter bislang nur alphabetisch, die endgültige Reihenfolge und die Gewinner beider Kategorien werden auf einer Pressekonferenz am Rande der SPIEL Essen (22. bis 25. Oktober 2026) verkündet.
Top 10: Familien- und Erwachsenenspiel
Plätze 1 bis 3 (alphabetisch):
Artengarten (Feuerland, Mathias Wigge)
Boss Fighters QR (Pegasus Spiele, Lukas Zach und Michael Palm)
Galactic Cruise (PD-Verlag, T. K. King, Dennis Northcott und Koltin Thomson)
Plätze 4 bis 10:
4. Herr der Ringe: Das Schicksal der Gemeinschaft (Pandemic) (Z-Man/Asmodee, Matt Leacock)
5. Take Time (Libellud/Asmodee, Alexi Piovesan und Julien Prothière)
9. Star Trek: Captain’s Chair (Frosted Games, Nigel Buckle und Dávid Turczi)
10. Mischwald: Dartmoor (Lookout/Asmodee, Kosch)
Der DSP ist Deutschlands größter Publikumspreis für Gesellschaftsspiele und wird seit 1990 vom Merz Verlag vergeben. Abstimmen konnte, wer in Deutschland, Österreich oder der Schweiz lebt, gewählt werden konnten alle eigenständigen Spiele mit deutschem Ersterscheinungsdatum zwischen dem 1. Mai 2025 und dem 30. April 2026.
Top 3: Kinderspiel
Auch in der Kategorie Kinderspiel nennt der DSP die Top 3 bislang nur alphabetisch:
Die Insel der Mookies (Kosmos, Florian Sirieix)
Paleolino (Hans im Glück, Marco Teubner)
Toriki: Eine Insel voller Abenteuer (Mirakulus, Wojciech Grajkowski)
Wie im Vorjahr fällt die endgültige Platzierung erst auf der Messe: 2025 gewann SETI den Hauptpreis, nachdem die Top 10 ebenfalls schon Anfang September nur alphabetisch bekannt waren. Ob sich das Muster 2026 wiederholt, zeigt sich erst auf der Pressekonferenz Ende Oktober.
Seit August 2026 gibt es Gunsen: Der Kampf um Toshi Ranbo auf Deutsch bei Asmodee. Das Strategiespiel im Legend-of-the-Five-Rings-Universum steht aktuell auf Platz 2 der BGG-Hotness-Liste.
In Rokugan kämpfen sieben Klane, darunter Krabbe, Kranich, Drache, Löwe, Phönix, Skorpion und Einhorn, um die Festung Toshi Ranbo. Spielende übernehmen als Daimyō einen der Klane, rekrutieren Samurai-Helden, erwerben Aufträge im Draft und bewegen ihre Truppen über ein Hexfeld. Kämpfe werden mit Würfeln ausgetragen, sieben unterschiedliche Siegbedingungen führen von der Festungseroberung bis zu geheimen Missionen. Gunsen ist für 2 bis 6 Spielende ab 14 Jahren ausgelegt, eine Partie dauert 45 bis 90 Minuten.
Eine Solo-Variante gibt es laut BGG nicht, gespielt wird ab zwei Personen. Design stammt von Matthew O’Malley und Ben Rosset. Ursprünglich erscheint das Spiel bei Office Dog, CrowD Games und Rebel Sp. z o.o., die deutsche Fassung erscheint laut eigener Ankündigung bei Asmodee.
Was die Hotness-Platzierung bedeutet
Auf der aktuellen BGG-Hotness-Liste steht Gunsen auf Platz 2, nur Dewan liegt davor. Die Hotness misst, wie viel Aufmerksamkeit ein Spiel auf BGG gerade bekommt, etwa durch neue Einträge, Bewertungen und Diskussionen, nicht die Qualität des Spiels selbst. Dass Lokalisierung und Hotness-Sprung zusammenfallen, ist ein Signal für Interesse, kein Gütesiegel. Ob sich das Interesse in dauerhaft hohe Bewertungen übersetzt, zeigt sich erst mit einer breiteren Spielerbasis in den kommenden Wochen.