Normale Ansicht

Drei Begriffe in einem Trenchcoat

03. November 2024 um 12:47
Einer der vielen wiederkehrenden Streitpunkte, wenn es um Brettspiele geht, ist die Frage ob und wie thematisch ein Spiel eigentlich ist. Ist das Thema absolut plastisch dargestellt, fühlt man sich als wäre man „wirklich“ drin? Oder ist es künstlich aufgesetzt und austauschbar? Ist das Thema derart schlecht in die Spielmechanismen verwoben, dass es auch ein […]

Verlagsvorstellung Alfaset

01. November 2024 um 11:51
Spieleschaffende abseits der großen Verlage sind für mich immer unwiederstehlich. In diesem Fall sah ich das oppulente Spiel Stairz in Essen am Stand von Alfaset und wusste gleich: Über einen Verlag mit so tollen Holzprodukten muss ich mehr erfahren! Also habe ich ein Interview geführt: Mit Patrick Loertscher, dem Pressevertreter des Verlages und dem Autoren […]

The Gang

31. Oktober 2024 um 14:37

Mit Poker Geld zu verdienen ist sicherlich nicht die einfachste Berufswahl. Zumindest fallen mir direkt einige Erwerbsmöglichkeiten ein, die einfacher und vermutlich sogar risikoärmer sind. Einbrecher zum Beispiel. So ein großer Safe alle paar Jahre kann schon ausreichen, wenn man sich geschickt anstellt. Und genau da kommt „The Gang“ (John Cooper & Kory Heath / Kosmos) ins Spiel.

 

 

 

 

 

Texas Hold´Em 
Eigentlich ist so ein Einbruch eine simple Sache. 3 Tresor-Türen müssen wir öffnen, um uns mir den erhofften Reichtümern zur Ruhe zu setzen. Lösen wir allerdings vorher 3-mal den Alarm aus, sitzen wir auch… allerdings hinter schwedischen Gardinen. So viel zum Thema, das im weiteren Verlauf allerdings keine Rolle mehr spielt und auch nicht wirklich spürbar ist. Vielmehr spielen wir ab jetzt Poker. Oder genauer: Texas-Hold’em. Wem das nichts sagt: Jede Spielerin hat am Ende der Runde 2 Karten auf der Hand, 5 Gemeinschaftskarten liegen in der Mitte. Von diesen sieben Karten basteln wir unsere Stärkste Kombination aus 5 Karten. Allerdings steht ja schon auf der Schachtel, dass es sich um ein „kooperatives Pokerspiel“ handelt. Also fehlt da wohl noch etwas.
 

 A Chip and a chair

Anders als im klassischen Poker geht es uns bei „The Gang“ nicht darum, am meisten Geld anzuhäufen. Vielmehr wollen wir die Wertigkeit aller Pokerhände am Tisch korrekt sortieren, natürlich ohne direkt über diese zu sprechen. Dazu liegen Spielchips mit Sternen bei. Wer am Ende der Runde die schwächste Hand hat, sollte im besten Falle den Chip mit einem Stern vor sich liegen haben. Wer eine starke Hand hat, sollte zu einem hohen Chip greifen. Doch woran erkennen wir das? Nun, die ersten Chips werden bereits vergeben, wenn wir nur unsere beiden Handkarten haben. Nun greifen sich alle den Chip ihrer Wahl, gerne auch wenn dieser schon vor einer Mitspielerin liegt. Sind alle zufrieden, kommen die ersten 3 Gemeinschaftskarten und die nächsten Chips. So sammeln wir stetig mehr Informationen, bis schlussendlich alle Karten ausliegen und die finalen roten Chips verteilt werden, deren richtige Reihung über Sieg oder Niederlage entscheidet.

 

Mehr Herausforderungen
Bereits in der Basisvariante kann es bei „The Gang“ wild werden, wenn niemand den hohen Chip will, die Handkarten nahe beieinander liegen oder man schlicht keine Ahnung hat, was die Mitspieler so auf der Hand haben könnten. Wem das aber noch nicht ausreicht, der kann direkt zu den beiliegenden Challenge- und Spezialisten-Karten greifen. Je nachdem, ob wir die vorherige Runde gewonnen oder verloren haben, bekommen wir jetzt kleinere Hilfen oder weitere Steine in den Weg gelegt. Mit jeweils 10 Karten pro Bereich ist damit für zusätzliche Abwechslung auf unseren Raubzügen gesorgt.

 

Fazit 
„The Gang“ ist ein in vielerlei Hinsicht spezielles Spiel. Kaum eine Neuheit haben wir in den vergangenen Wochen so oft und mit so viel Begeisterung gespielt. Das deduktive Element beim Einschätzen der Mitspieler, die intensiven Momente beim Aufdecken der Karten und die Freude, wenn es allen Widrigkeiten zum Trotz mal wieder funktioniert hat. Es ist einfach faszinierend, wie aus einem hochkompetitiven Spiel ein kooperatives Werk wurde. Die Challenge- und Spezialisten-Karten sorgen zudem für Abwechslung und bieten auch die Möglichkeit, den Schwierigkeitsgrad anzupassen. Das kann insbesondere durch die Spielerzahl notwendig werden. Zu dritt ist „The Gang“ sehr einfach, zu sechst dagegen eine echte Herausforderung. Ich bevorzuge Partien zu viert oder fünft. Auch der Regelaufwand ist, für erfahrene Pokerspieler, denkbar gering.

Allerdings ist genau das auch schon das Problem. Denn wer keine Übung mit Poker hat, kommt nur mit viel Mühe ins Spiel. Die Regeln sind zwar nach wie vor überschaubar, das Einschätzen der eigenen Hand gestaltet sich, gerade in den ersten Partien, aber fast unmöglich. Zwar liegt eine Hilfekarte mit der Reihung der Hände (von High Card bis Royal Flush) bei, aber die macht die Sache eher noch schlimmer. Laut Karte gehört ein Drilling in den unteren Stärkebereich, in der Realität hat man damit aber fast immer eine der stärksten Hände. Wem da die Erfahrung fehlt, der stochert schlicht im Nebel. Gerade in gemischten Runden wird das noch schlimmer. Wer planlos vorgeht und damit das Erlebnis für die ganze Runde ruiniert, wird so schnell kein Pokerblatt mehr anfassen. Ob man sich durch diese Phase durchbeißen will oder nicht, ist sicherlich eine persönliche Entscheidung. Aus meiner Sicht lohnt es sich aber, denn „The Gang“ ist ein wirklich unterhaltsames und ungewöhnliches Spiel.


 

Termin steht fest: Göttinger Stichtage sind am 15./16. Februar 2025

Von: HilkMAN
28. Oktober 2024 um 22:30

Ich hatte neulich schon mal vorgefühlt, jetzt wird es konkreter: Am 15. und 16. Februar 2025 veranstalte ich die Göttinger Stichtage, einen kleinen Con für Fans von  Stichspielen sowie Shedding und Climbing Games. Wer noch Interesse hat, dabei zu sein, möge sich gern direkt bei mir melden (stichspielcon/at/lidude.net), dann schicke ich Euch die Details zu.

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Duck & Cover

Von: Peter
28. Oktober 2024 um 15:00
Was ist das Gegenteil von Gruentee? – schwarze Schwäne! Triggerwarnung: Wer keine schlechten Wortspiele mag, sollte hier lieber nicht weiterlesen. Natur und Nachhaltigkeit sind ja momentan die großen Themen beim Spielen. Löblicherweise kümmert sich jetzt entelich auch ein Spiel um die Belange des freundlichen schwimmenten Federviehs – der N-ten! Im Vorfeld der Messe gab es …

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Catan, Kolonialismus und Kontext

27. Oktober 2024 um 12:33
Nächstes Jahr wird Catan 30 Jahre alt. Über das Spiel ist schon viel geschrieben wurden, aber was mir in den letzten Jahren immer wieder auffällt, sind geäußerte Vorwürfe Catan würde kolonialistische Themen verwenden oder verbreiten, vielleicht sogar glorifizieren. Ich möchte mich im folgenden einmal mit diesen Vorwürfen befassen: Was ist da dran, wo kommen sie […]

Darf der das? – Egoismus und das kompetitive Spiel

20. Oktober 2024 um 12:01
Jedes kompetitive Spiel basiert auf der Annahme, dass die Spieler*innen eine unausgesprochene Vereinbarung getroffen haben. Diese lautet: „Im Rahmen des Spiels dürfen wir egoistisch handeln.“ Die Erlaubnis für dieses Handeln folgt dabei ausdrücklich nicht aus den Regeln. Weder belohnen noch bestrafen sie egoistisches Handeln. Sie formulieren jedoch ein Ziel und die Mittel, um dieses Ziel […]

Mexiko in Spielen – Teil 5: Pátzcuaro

19. Oktober 2024 um 06:18

Die Stadt Pátzcuaro liegt am gleichnamigen See und ist in ganz Mexiko für ihre Feiern zum Día de Muertos bekannt.

Die Nacht der Toten wird nicht nur auf den Friedhöfen der umliegenden Dörfer gefeiert, sondern auch auf der zentralen Plaza mit einer grossen Kunsthandwerk-Ausstellung. Zu sehen sind Töpfer- und Keramikarbeiten, Schmuck, Textilien, Lautenbau, Tischlerarbeiten und andere Arten der Volkskunst aus dem ganzen Bundesstaat Michoacán, in dem die Stadt liegt.

Die Indigenen sehen Patzcuarhu – in der Sprache der Purépecha – als einen Ort, an dem sich der See, die Berge und der Himmel durch ein „Himmelstor“ vereinen. Auf der am dichtesten besiedelten Insel des Pátzcuaro-Sees versammeln sich während der Totengedenkfeiern Tausende von Besuchern auf dem Friedhof, der sich wie eine Terrasse zum See hin öffnet.

Am 2. November findet in Santa Fe de la Laguna gehen die Bewohner zum Friedhof, reinigen ihn gemeinsam und bereiten die Opfergaben vor. Die Insel ist nur mit Booten zu erreichen, die an diesem Tag rund um die Uhr fahren.

In Pátzcuaro ist das gleichnamige Spiel angesiedelt – eins der wenigen mexikanischen Brettspiele, die den Día de Muertos thematisieren. Entwickelt wurde das Spiel von Rubén Hernández Santillán veröffentlicht 2022 von Detestable Games und Draco Studios. Das Spiel fällt direkt durch die fröhlich mit warmen Farben gestaltete bunte Schachtel auf. Die übrigen Materialien sind ebenso liebevoll und detailreich gezeichnet. Illustratiert hat das Spiel Gaby Zermeño.

Anders als bei den bisher vorgestellten Spielen nutzt Pátzcuaro den Tag der Toten nicht nur als Kulisse, sondern integriert Elemente des Fests auch in die Spielmechanismen. Im Kern geht es darum Karten in einer eigenen Auslage und damit Punkte zu sammeln. Wer am Ende die meisten Punkte hat, gewinnt das Spiel. Mit der eigenen Spielfigur läuft man um kleine Spielbretter mit tiendas (Läden), in denen man verschiedene typische Gegenstände auf Karten für den eigenen Totenaltar eintauschen kann.

Darauf abgebildet sind all die Dinge, die die Verstorbenen gerne mochten: Tequila, Lollis, Pan de muertos sowie Bilder der Verstorbenen, Cempasúchil-Blumen, Kerzen und kleine calaveras (Totenköpfe). Die Bilder der Verstorbenen zeigen unterschiedliche Menschen und auch Hunde und haben auch einen Namen. Jede Karte zeigt ein einzigartiges Bild.

Mit diesen Karten bauen die Spielenden vor sich einen kleinen Altar in Form einer Pyramide auf. Am Ende zählt pro Reihe der häufigste Gegenstand pro Stufe. Ausserdem gibt es noch zusätzliche Wertungen, die in jedem Spiel anders sind und die man zugleich im Blick haben muss, für bestimmte Kombinationen oder das Vermeiden einer Farbe.

Das Spiel ist schnell erklärt und in gut 20 Minuten gespielt. Es bietet durch die verschiedenen Wertungsvorgaben und die variablen kleinen Spielfelder mit den tiendas viel Varianz und Wiederspieltreiz. Das ist für die Schule bekanntlich weniger relevant, aber aufgrund der kleinen Packung, der übersichtlichen Spieldauer und vor allem der thematischen Dichte in den Illustrationen passt das Spiel prima in den Spanischunterricht, um etwas über den Día de los Muertos in Mexiko zu lernen.

313 Brettspielradio – Vintage 04 – Risk Legacy (spoilerfrei)

18. Oktober 2024 um 13:57
Brettspielradio | VintageShownotes In Vintage geht es um Liebhaberstücke und Kuriositäten aus längst vergangenen Zeiten. In unregelmäßigen Abständen stöbern Georgios Panagiotidis und Peer Sylvester in Spielesammlungen und bringen diese Vintage-Spiele noch mal auf den Tisch. Was hat daran begeistert? Wie schlagen sich die Spiele heute? Was können wir aus der Spielevergangenheit lernen?

Empire‘s End

Von: Peter
17. Oktober 2024 um 17:08
Empire’s End lernte ich beim Spieleabend im Hort des Apfelbäumchen kennen. Angepriesen wurde es als: So etwas wie „Im Jahr des Drachen“ – und das passt irgendwie auch. Denn es geht darum, dass über die Reiche der Spieler ständig Katastrophen hereinbrechen. Im Unterschied zum Jahr des Drachen lassen diese sich aber per ablehnender Versteigerung vermeiden. …

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Let‘s Go! To Japan

Von: Peter
16. Oktober 2024 um 18:39
Nach einer etwas längeren Sommerpause ist es an der Zeit, mal wieder über Spiele zu berichten. Die beste Art, um wieder in einen Schreibfluss zu kommen, ist bekanntlich drauflos zu tippen. Deshalb sei mir verziehen, wenn der folgende Text länger als notwendig wird und etwas umhermäandert. Da wir vor einigen Jahren auch vom Japanfieber angesteckt …

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Postkartenspiel zum Día de Muertos

15. Oktober 2024 um 15:45

[para la versión en español del juego ver abajo]

Zum Tag der Toten habe ich in ein kleines Postkartenspiel für zwei Personen gebastelt, das ich hier kostenlos zum Download anbiete.

In Mexiko gibt es in den Wochen vor dem Día de Muertos Totenköpfe aus Zuckerguss, Schokolade, in allen Formen und Farben als Deko für Zuhause und natürlich auch als Ausmalbilder.

Daraus ist die Spielidee entstanden: Es geht darum in zwei verschiedenen Farben, die Blütenblätter auf dem Schädel auszumalen. Das Spielprinzip ist so einfach, dass es auch schon Kinder spielen können.

Unten ist die Datei zum Download: 1x auf Deutsch, 1x mit spanischer Anleitung.

Viel Spass beim Spielen!

P.S. Wer sich für Print&Play-Spiele zum Download interessiert, kann auch hier mal beim Axolotl-Spiel schauen.

Ist das jetzt Journalismus oder nicht?

13. Oktober 2024 um 16:30
Vor einiger Zeit hatte ich einen kurzen Austausch auf Mastodon in dem es auch darum ging ob sich Spielkritiker*innen als Journalisten verstehen. Meine Position war (und ist), dass Spielkritiker*innen, welche die Vergünstigungen von Pressetickets und Rezensionsexemplaren in Anspruch nehmen, sich zumindest formal als Journalist*innen identifizieren. Daraus folgt in meinen Augen auch die Verpflichtung Spielkritik als […]

Mexiko in Spielen – tanzen mit den Toten

13. Oktober 2024 um 12:35

Jedes Jahr am 2. November feiert ganz Mexiko den Día de Muertos (Tag der Toten). Um genau zu sein, beginnen die Vorbereitungen und Veranstaltungen schon in den Wochen vorher. Bereits jetzt Mitte Oktober ist überall entsprechend geschmückt. Seit Wochen kann man in den Geschäften die Deko kaufen, wobei sich der Verkauf mit Artikeln für Halloween (31.10.) mischt. Auch das wird gefeiert. Der Einfluss der USA in Mexiko ist sehr gross.

In meinem ersten Jahr in Mexiko war eins der eindrücklichsten Erlebnisse der Besuch auf einem Friedhof am 2. November. Wir sind einfach zum nächstgelegenen gefahren: Der Friedhof war voller Menschen, die Gräber bunt geschmückt, Kinder spielen fangen und verstecken, die Familienangehörigen und Freunde sitzen mit einem Bier an der Hand und einem CD-Player um die Gräber ihrer Liebsten, einige singen mit, an einigen Gräber spielen kleine Kappellen…

Hier ein paar Impressionen aus dem letzten Jahr:

Der Día de los Muertos oder auch Día de Muertos hat einige feste Elemente, wie die orangefarbene Cempasúchil (deutscher Name: aufrechte Studentenblume), die den Toten den Weg zu Lebenden weist, das süsse „Pan de Muertos“ (Totenbrot), die zahlreichen Ofrendas oder Altar de Muertos (selbst gebaute Altäre mit Bildern der Verstorbenen), Totenschädel aus Zuckerguss, buntes Papel Picado – Seidenpapier mit Motiven von Skeletten und anderen typischen Motiven, die als kleinen Fahnen im Wind wehen usw. Wer sich dafür interessiert, dem sei der Disney-Film „Coco“ empfohlen, der tatsächlich viele Traditionen des mexikanischen Totentags zeigt und in einer unterhaltsamen Geschichte auch teilweise erklärt und ihre Bedeutung verständlich macht.

Vermutlich aufgrund der Symbolik und Farbreichtum scheint der Día de Muertos nach der präkolumbianischen Geschichte (Maya, Azteken etc.) das beliebteste Thema mit Mexikobezug im Brettspielbereich zu sein – interessanterweise gerade auch außerhalb Mexikos. Ich kann nur vermuten, warum das so ist, aber es liegt vermutlich daran, dass der Día de Muertos viele unterschiedliche Elemente für die Gestaltung und auf den ersten Blick auch viel bunte Exotik bietet.

Anbei ein kleine Auswahl von Spielen, die sich des Themas bedienen – in der Regel als Zuckerguss oder Schokoladenüberzug für sonst recht „trockene“, im Sinne von abstrakten, Spielen. Also: weil es schön aussieht und sich damit hoffentlich gut verkauft.

Trio wurde 2021 veröffentlicht. Das Spiel stammt von einem japanischen Autor und einem französischen Verlag. In Frankreich hat es den Spielepreis „As d’or“ gewonnen. In Deutschland war es auf der Empfehlungsliste zum „Spiel des Jahres“. Ein abstraktes Set Collection-Spiel mit Memory-Mechanismus, das in den Illustrationen auf dem „Día de Muertos“ verweist. Sowohl das Cover wie auch die Karten sind im Stil des Papel Picado gestaltet und zeigen in schwarzen Umrissen sowohl typische Elemente des Totentags wie Skelett und Calavera, aber auch andere Gegenstände, die wohl auf insgesamt irgendwie auf Mexiko verweisen sollen wie Gitarre, sombrero, piñata oder Avocado.

Calavera ist ein kleines Würfelspiel von Klaus-Jürgen Wrede, das 2019 im Moses-Verlag erschienen ist. Eigentlich ein weitgehend abstraktes Spiel helfen die Illustrationen, die auf den Tag der Toten Bezug nehmen, die Punkte- von der Todeszone (mit Minuspunkte) abzugrenzen. Es finden sich typische Elemente wie die Cempasúchil-Blumen, Calavera und Skelette. Am Ende der Anleitung steht ein kurzer Infotext zum Día de Muertos in Mexiko.

UNO – Día de los muertos ist vermutlich – zumindest aus meiner Sicht – das schönste UNO-Spiel. Das Original-UNO ist offenkundig sehr populär. Schön ist es nicht. Neben den vielen Lizenzausgaben gibt es in einigen Ländern auch spezielle Ausgaben, die berühmte Sehenswürdigkeiten oder typische Gegenstände, Speisen oder Tiere eines Landes zeigen, so z.B. in Ecuador und Kolumbien – beide leider auch nicht schön. Eine nationale Ausgabe gab es – überraschenderweise – in Mexiko bislang nicht.

Nun hat Mattel dieses Jahr ein eigene UNO-Ausgabe zum Día de Muertos vorgelegt. Die Regeln sind dieselben wie immer und daher belanglos, aber die Gestaltung ist tatsächlich sehr schön. Auf den Karten finden sich viele Elemente der mexikanischen Tradition. Ganz besonders ist jedoch eine beigelegte Karte, die so groß ist wie der Karton: Auf der vorderen Seite zeigt sie eine Ofrenda, in der quasi als „Easter Egg“ auch ein UNO-Spiel liegt. Das Bild der Ofrenda gibt es zugleich als Mini-Poster auf der ausklappbaren Anleitung. Auf der Rückseite wird der mexikanische Illustrator, Totoi, vorgestellt.

Das sollte es öfters geben!

Adiós Calavera (Mücke-Spiele, 2017) ist von Martin Schlegel entwickelt und von Christian Opperer illustriert. Von den hier vorgestellten Spielen ist es das Spiel, dass trotz seines abstrakten Charakters das Thema am meisten nutzt. Auf einem quadratischen Spielplan werden an zwei angrenzenden Seiten die eigenen Steine aufgebaut – die eine Gruppe repräsentiert die Lebenden, die andere die Seelen der Toten, die sich an diesem Tag begegnen. Es gewinnt, wer als erster alle seine Steine auf die gegenüberliegende Seite des Spielbretts gezogen hat. In den Illustrationen finden sich die Cempasúchil-Blumen, die Totenköpfe und in den vier Ecken des Spielplans kleine Totenaltäre mit Blumen, Zuckergusschädeln, Totenbrot und Bilder der Verstorbenen. Auch hier enthält die Anleitung einen kleinen Info-Text zum Día de Muertos in Mexiko.

Pátzcuaro ist eins der wenigen mexikanischen Spiele, das sich mit dem Día de Muertos beschäftigt. Das Spiel steht daher im Fokus des nächsten Beitrags.

Mexiko in Spielen – flüssiges Gold

12. Oktober 2024 um 05:12

Schnell runterkippen, weil das Zeug nicht schmeckt – als Shot mit Salz und Zitrone oder Zimt und Orange. Wie schade, die Tequila-Kultur ist leider nur in durchsichtigen Flaschen mit Hut nach Deutschland gekommen. Dabei wird einem jede/r Mexikaner/in als erstes hier im Land sagen: Du musst den Tequila geniessen. Trink ihn pur, langsam und vorsichtig, nur je ein winziges Schlückchen!

Warum? Tequila ist eine lokale Variante des Mezcals – in Kurzform ist das hochprozentiger Schnaps, der aus verschiedenen Agaven-Arten gewonnen wird. Tequila durfte sich ursprünglich nur nennen, was aus dem gleichnamigen Ort im Bundesstaat Jalisco und ausschliesslich aus der blauen Agave hergestellt wird. Mittlerweile ist das Anbaugebiet erweitert worden. In Mexiko gibt es mehr als 100 verschiedene Produzenten mit einem x-fachen an unterschiedlichen Marken.

Wenig bekannt in Deutschland ist, dass der Tequila (ebenso wie der Mezcal aus anderen Landesteilen übrigens auch) eine ähnliche Aromenvielfalt abdeckt wie guter schottischer Whisky. Es lohnt sich mal ein Tasting zu machen und sich die Unterschiede erklären zu lassen: vom einfachen klaren (blanco/plata) über goldenen (oro/joven) und in Eichenholzfässern gelagerten (reposado) bis zum gut gereiften (añejo) sind die vier wesentlichen Produktions- und Qualitätsstufen.

Tequila ist nun – wie der Name unschwer erraten lässt – ein Spiel, das sich thematisch mit der Produktion und dem Verkauf des gleichnamigen Getränks beschäftigt. „Thematisch“ – das einschränkend vorne weg gesagt – soweit das in einem ziemlich klassischen und gut verzahnten Roll&Write möglich ist:

In diesem Spiel vom Rubén Hernández übernimmt man die Rolle von einem der vier Jimadores – das sind diejenigen, die von Hand die Agavenblätter abschneiden (jimar), um das Herz (piña) der Pflanze zu ernten, dass für die Destillation verwendet wird. Im Grundspiel haben alle vier Jimadores die gleichen Fähigkeiten. Für fortgeschrittene Spielende gibt es eine B-Seite, in der jeder unterschiedliche Fähigkeiten besitzt.

Alle spielen gleichzeitig. Der Spielzug unterteilt sich in zwei Phasen: In der ersten Phase kann jede/r Gebiete einzäunen, damit Ressourcen (Agaven, Arbeiter, Esel, Geld) erhalten und Gebäude wie eine Destille oder einen Laden bauen (in Form der klassischen unterschiedlichen Tetris-Teile).

In der zweiten Phase geht es dann auf den Markt und zum Verkauf des Tequilas. Auf dem Markt lassen sich Ressourcen tauschen, aber auch Siegpunkte gewinnen. Der Tequilaverkauf ist unten auf dem Bild zu sehen. Die vier unterschiedlichen Qualitätsstufen benötigen aufsteigend jeweils mehr Ressourcen und bringen zugleich mehr Punkte.

Das Beispiel zeigt sehr deutlich wie sehr das Thema aufgesetzt ist: Es braucht nicht mehr Reifezeit für guten Tequila, sondern mehr bzw. wertvollere Ressourcen und bestimmte Voraussetzungen an errichteten Gebäuden. Für den besten Tequila braucht es eine „Geschäft“ (blaues Fähnchen), das am schwierigsten zu bauen ist – spielmechanisch völlig in Ordnung, thematisch einigermassen sinnfrei.

Das zieht sich durch das ganze Spiel. Tequila bietet ein wirklich gutes Roll&Write-Spiel auf Kennerniveau. Ein im Kern thematisches Spiel sollte niemand erwarten.

Was mir gut an dem Spiel gefällt, sind die unterschiedlichen Spielmechanismen, die auf den beiden Spielplänen miteinander kombiniert werden: vor allem das geschickte Abgrenzen geschlossener Gebiete und das Puzzlen der der Gebäude mit Tetromino-Formen. Zunächst hat man gefühlt zu wenig Ressourcen und Aktionen. Beides wächst im Spiel so an, so dass zunehmend Kettenzüge möglich sind und höherwertiger Tequila produziert werden kann. Das vermittelt ein positives Spielgefühl, und auch solo macht es Spass, die Verzahnungen zu erkunden und auf Highscore-Jagd zu gehen. Angesichts der in der Anleitung genannten Werte sehe ich auch, wieviel Potential da noch drinsteckt und wie weit ich davon noch entfernt bin…

Das Gesagte deutet schon darauf hin: Das Spiel ist sehr solitär. Nur der Würfelwurf des Startspielers ist für alle zugleich relevant, danach beschäftigen sich alle Spielenden relativ lange mit der optimalen Umsetzung ihrer wenigen Aktionen, wobei in den ersten Partien immer wichtige Verzahnungen und Möglichkeiten übersehen werden. Das Spiel ist fordernd in der Menge der angebotenen Optionen. Wer das alles mag, findet ihr ein wirklich sehr gutes Spiel – und geniesst beim Knobeln neben vielleicht einen leckeren Tequila 😉

Das war der dritte Beitrag in der kleinen Reihe über Mexiko in Spielen. Im nächsten werfe ich – jahreszeitlich passend, die Vorbereitungen laufen und überall findet sich schon entsprechende Deko in der Stadt und geschmückte Häuser – einen Blick auf den mexikanischen „Día de los muertos“ in einigen Brett- und Kartenspielen.

SETI im Test

09. Oktober 2024 um 11:10

Das Brettspiel SETI von Heidelbär Games lädt 1 bis 4 Spieler dazu ein, in die Welt der Wissenschaft und Forschung einzutauchen. Inspiriert von der realen Suche nach außerirdischem Leben, schlüpft ihr in die Rolle von Astronomen, die das Universum nach Signalen durchforsten. SETI ist ein strategisches und zugleich zugängliches Spiel, das mit interessanten Mechaniken und einer atmosphärischen Gestaltung punktet. Ob Gelegenheitsspieler oder passionierter Brettspiel-Fan – SETI bietet eine spannende Herausforderung für alle, die gerne tief in die Geheimnisse des Weltalls eintauchen.

Um was geht es in SETI?

Im Zentrum von SETI steht die wissenschaftliche Mission, Signale aus den Tiefen des Universums zu empfangen. Als Astronomen seid ihr mit der Aufgabe betraut, Sonden in verschiedenen Umlaufbahnen oder auf Planeten zu platzieren und Daten zu sammeln, die darauf hindeuten könnten, dass intelligentes Leben außerhalb der Erde existiert. Ziel des Spiels ist es, die meisten wissenschaftlichen Erkenntnisse zu sammeln, indem ihr clever eure Ressourcen verwaltet, den richtigen Hinweisen nachgeht und die Bahnen eurer Sonden optimal plant. Das Spiel kombiniert strategische Planung mit einem Mehrheitenmechanismus, was für eine ausgewogene Dynamik sorgt. Am Ende gewinnt derjenige, der seine wissenschaftliche Arbeit am effizientesten organisiert und die besten Daten sammelt.

Im Zentrum: Das Solarsystem mit den entfernten Solarsystemen drum herum. Rechts: Der Aufbau der Erde mit Bekanntheit und Forschungs-Bereich. Links: Detailansicht der verschiedenen Planeten.

Besondere Mechanismen

SETI sticht vor allem durch seine gelungene Mischung aus Strategie und Glück hervor. Eine der herausragenden Mechaniken ist die dynamische Platzierung der Sonden auf dem Spielfeld, das das Universum darstellt. Diese Sonden bewegen sich auf Bahnen, die die Spieler strategisch wählen, um möglichst viele Daten zu erfassen, die Bewegung zwischen den (unterschiedlich schnellen) Planeten zu planen und sicher auf diesen zu landen.

Ein weiteres interessantes Element ist die Ressourcenverwaltung. Die Spieler müssen ihre begrenzten Ressourcen in Technologie, Sensoren und Supercomputer investieren, um ihre Chancen auf Erfolg zu maximieren. Die Interaktion zwischen den Spielern wird durch das gemeinsame Spielfeld gefördert, da jeder Spieler versuchen muss, die besten Positionen für seine Satelliten zu sichern. Diese Mechanik sorgt für stetige Spannung, da die Spieler gezwungen sind, sowohl langfristig zu planen als auch flexibel auf die Züge der Mitspieler zu reagieren.

Unser Einkommen für jede Runde. Sichtbar ist auch der erklärende Flufftext jeder Karte – top!

Die Multi-Use-Karten sind dabei das Salz in der Suppe: Sie sprengen den ansonsten recht einfachen Rahmen, den die Aktionen an sich bieten und lassen viel Raum für Optimierungen. Alles in allem kann jede Karte auf 5-6 verschiedene Arten genutzt werden.

Multi-Use-Karten mit verschiedenen Effekten

Wir sind nicht allein

Gut, das ist nun kein Spoiler – aber wenn ein Spiel über die Suche nach extraterrestrischem Leben ohne extraterrestrisches Leben daher kommen würde, wäre es gewisser Maßen ziellos. In jeder Partie entdeckt man daher nicht nur eine, sondern gleich zwei Alienrassen. Derer liegen 5 im Spiel bei und welche davon in einer Partie genutzt werden, zeigt sich erst, sobald man sie entdeckt. Doch dann ist das Spiel noch nicht vorbei – jede Spezies bietet ein eigenes Mini-Game samt eigenem Kartendeck, um mit ihr zu interagieren und weitere Punkte zu machen. Das fordert den Forschungsdrang noch weiter und macht eine Menge Spaß!

Symbolbild, um nicht zu viel zu verraten 🙂

Schneller Einstieg

SETI ist schnell erklärt und lässt sich nach wenigen Minuten Vorbereitung spielen. Die Regeln sind übersichtlich gestaltet und ermöglichen einen schnellen Zugang. Einmal aufgebaut, können auch Gelegenheitsspieler rasch in das Geschehen einsteigen. Zwar können die schieren Möglichkeiten zu Beginn leicht überfordern, doch zu komplex wird dieses Kennerspiel nie. Trotz der simplen Regeln bietet es genügend Tiefe, um sowohl für Anfänger als auch für erfahrene Brettspieler interessant zu bleiben.

Liebe zum Detail

Der Autor Tomáš Holek ist Hobby-Astronom und man spürt die Liebe zum Detail. Jede Karte bietet erklärenden Info-Text, die Karten sind liebevoll gestaltet und stets übersichtlich. Wer dem Thema etwas abgewinnen kann, der wird hier nicht enttäuscht werden!

Mercury und Neptune sind auf dem Spielplan in der englischen Version geschrieben – Interessant dabei: Das Spiel spricht in der deutschen Version von z.B. Mercur – nur wenn sich ein Effekt auf den Spielplan bezieht, ist auch hier von Mercury die Rede. Das ist durchdacht und kostensparend zugleich.

Fazit zu SETI

SETI von Heidelbär Games ist ein gelungenes Brettspiel, das Strategie und Spannung perfekt miteinander vereint. Die wissenschaftliche Thematik ist kreativ umgesetzt, und die Mechaniken sind einfach zu erlernen, bieten aber genug Tiefe für strategische Entscheidungen. Perfekt für Spieler, die auf der Suche nach einem schnellen, aber taktischen Abenteuer im Weltraum sind.

Kein Spiel ist für Jedermann. Ob SETI etwas für euch ist, entscheidet allein ihr.


Top-Test

Erfahre mehr über das Wertungssystem im Toptest.

1. Thema

Das Thema „SETI“ ist allgegenwärtig. Der Autor weiß, worum sich das Spiel drehen muss. Die Grafiken sind entsprechend aufwändig und thematisch und dennoch wirkt das Spiel nie kalt und leblos. Wenn man etwas für das Thema übrig hat, tritt das Thema spürbar vor die Mechanik. Ein wirklich toll um gesetztes Euro!

2. Material

CGE hat sich mit diesem Spiel neu erfunden! Vorbei sind die Zeiten der Galaxy-Trucker-Miniaturen und Scheibchen, auch der Playmobil-Grafiken mit dem Charme der 90er – endlich! Die Doublelayer-Boards zum selbst kleben sind die beste Variante, die man sich vorstellen kann – da verbiegt sich endlich nichts mehr. Besonders für ein Euro ist SETI wunderbar ausgestattet und hochwertig produziert.

3. Optik

Wie bereits erwähnt erfindet sich CGE hier neu. So muss ein Brettspiel heutzutage aussehen – besonders zeigt es, dass „Weltall“ nicht kalt, dunkel und schwarz/grau sein muss. Die Karten sind hübsch und übersichtlich zugleich, die Grafiken sind toll illustriert. Ich wüsste nicht, was sich hier verbessern ließe.

4. Setup

Der Setup ist im Grunde recht simpel zu erledigen, dennoch müssen viele Daten-Token und Stapel von 12 Technologie-Plättchen gemischt und sortiert werden. Anschließend werden sie auf ihren Feldern platziert (welche leider gespiegelt aufgedruckt sind) und mit einem Bonus-Plättchen versehen. Da dem Spiel ein Insert komplett fehlt, nervt das etwas und kostet Zeit. Lagert man die Plättchen in den mitgelieferten Zip-Beuteln, muss man sie erst ausrichten, sortieren, stapeln, platzieren und belegen. Mit einem vernünftigen Insert lässt sich hier bestimmt Abhilfe schaffen aber das ist leider nicht Teil des Spiels.

Positiv sollte noch die kostenfreie Web-App hervorgehoben werden: Per QR-Code in der Anleitung (und auf dem Spielplan!) lässt sich über das Smartphone eine Internetseite aufrufen, die die Startkonstellation des Solarsystems randomisiert – so muss das!

5. Spieleranzahl

SETI ist immer „spielbar“. Das ist gut. Es fühlt sich nie „leer“ an, wenn man mit zu wenigen Spielern spielt. Es bietet auch einen Mechanismus, um die Erkundung mit weniger als 4 Spielern nach vorn zu treiben. Das ist sehr gut! Leider aber verliert der Mehrheiten-Aspekt mit 2 Spielern etwas an Gewichtung, hier passiert mit mehr Spielern natürlich auch deutlich mehr. Ansonsten ist das Spiel – wie in Weltall-Spielen üblich – ein tolles Wettrennen.

Solo ist das Spiel auch spielbar und bietet dabei sogar 4 Schwierigkeitsgrade. Da ich allerdings nicht der Solo-Spieler bin, habe ich diesen Modus nicht mit in diese Bewertung eingebunden.

6. Zugänglichkeit

SETI ist sehr zugänglich! Die Spielhilfen sind toll gestaltet und bieten auch Anfängern eine große Hilfe schnell loszulegen. Es verstecken sich auch kaum Detailregeln im Regelheft, die es nicht auf die Übersicht geschafft hätten. Einzig die Multi-Use-Karten können Anfangs etwas verwirren, weil sie einfach viele Türen öffnen, die man erstmal überblicken und bewerten können muss. Aber das liegt in der Natur der Sache und SETI tut sein Möglichstes, um diese Übersichtlichkeit zu gewährleisten.

7. Spieltiefe

Im Kern ist SETI vor allem in der ersten Hälfte ein Standard-Euro. 2 Ressourcen, Bewegung koordinieren, Boni verwalten. Die Mutli-Use-Karten drehen den Anspruch ganz schön auf, aber bleiben stets übersichtlich. Neu sind hingegen die sich bewegenden Planeten, was sowohl für die Mehrheitenwertung als auch für die Bewegung der Sonden in Betracht gezogen werden muss. Das allein ist schon klasse. In der zweiten Hälfte zündet SETI dann die zweite Stufe, indem die Mini-Games der entdeckten Spezies ins Spiel kommen. Dennoch ist die erste Hälfte recht ähnlich in den Partien und bietet einen gewissen roten Faden, von dem man nicht abweichen sollte.

8. Spieldauer

Knackig! Frei von der Spieleranzahl sind die Spezies recht schnell entdeckt und die zweite Hälfte des Spiels eingeläutet. SETI spielt sich zügig, man hat keine langen Aufbau-Phasen sondern kann direkt mit der Erkundung des Alls beginnen, sodass die ersten Punkte schon in den ersten Zügen hereinprasseln. Das fühlt sich belohnend und kurzweilig an. Durch die erst später definierten Spezies-Mini-Games kann man sich zuvor auch nicht auf eine Richtung spezialisieren sondern muss adaptieren, was jede Partie spannend hält.

9. Downtime

Die Multi-Use-Karten haben natürlich auch eine Schattenseite, denn sie können Anfänger noch überfordern. Gerade Grübler haben hier viel Futter, um sich zu verzetteln. Abgesehen davon hat man außerhalb seiner Züge recht wenig zu tun. Zwar befindet man sich im Wettrennen um Boni, Erstplatzierungen und Mehrheiten, die man auch auch zwischen seinen Zügen einplanen kann (und sollte!). Und auch die Konstellationen und Bewegungen der Planeten kann man auch passiv kalkulieren. Dennoch bieten diese vielen Stellschrauben auch genügend Potenzial sich zu verändern und die Planung zu durchkreuzen.

10. Preis

69,95 € UVP sind nicht wenig, aber mittlerweile auch eher Standard für ein Spiel dieser Größe. Das Material entspricht dem Preis, die Box ist voll und schwer. Allein über 200 Karten sind dabei, die alle liebevoll gestaltet sind. Selbst zu klebende Doublelayer-Boards sind tatsächlich keine Faulheit in der Verarbeitung, sondern der beste Weg, um sich biegenden Boards entgegen zu wirken. Generell ist das Papp-Material sehr hochwertig, genau so wie die Miniaturen. Für meinen Geschmack bekommt man hier etwas, das den Preis rechtfertigt.

Ergebnis

Mit 44/50 Punkten ergattert SETI einen hervorragenden Punktestand und damit das Prädikat „Ausgezeichnet“!

Dieses Spiel ist von der Webseite Boardgamefan.de ausgezeichnet worden.
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