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ESCAPETOUR 2024 – NIEDERLANDE UND BELGIEN, ICH FLIEHE!
Endlich wieder eine Escapetour! Es zieht mich erneut in die Niederlande, dieses Mal ergänzt um Belgien. In der Terpeca-Liste, die jährlich die besten Escaperäume prämiert, finden sich auffällig viele Räume in diesen beiden Ländern. Während unseres Wochenendtrips haben wir sage und schreibe zehn Anbieter besucht, und ich muss sagen: Alle Räume lagen weit über dem Niveau, das ich sonst gewohnt bin. Nach so vielen außergewöhnlich guten Erlebnissen wird man natürlich etwas verzogen. Daher sollten meine folgenden Bewertungen auch vor diesem Hintergrund betrachtet werden.
Freitag ging es los mit:
Terpeca-Listen-Rang 49: Lost & Found (Kamer 237, Volkel, NL)
Wir werden als Personen begrüßt, die ihren Koffer suchen. Passend zum Thema tritt unsere Spielleiterin in Hotelpagenkleidung auf. Da unser Koffer nicht gefunden werden kann, müssen wir selbst auf die Suche gehen und finden uns in einer schick eingerichteten Szenerie wieder. Überwiegend Zuordnungsrätsel führen uns zu einer interessanten Geschichte, die in hochwertigen Videoclips nach und nach präsentiert wird. Das hat mir richtig gut gefallen.
Meine Bewertung: 9
Am nächsten Tag hatten wir gleich vier Räume auf unserer Liste. Unser erster Fehler: Der Anbieter hat mehrere Standorte, und wir sind beim falschen aufgeschlagen. Ups! Zehn Minuten später standen wir unserer richtigen Gamemasterin gegenüber.
Terpeca-Listen-Rang 5: Han’s Revenge (De Gouden Kooi, Mechelen, BEL)
Wir treten unseren neuen Job als Techniker für Klimaanlagen an und werfen uns in unsere blauen Overalls. In einem stimmigen Video werden wir von unserem Chef zu einem Laden geschickt, doch zuerst müssen wir überhaupt hineinkommen. Besonders die ersten 45 Minuten bestanden für mich aus einer herausragenden Kombination aus Rätselhighlights und immersiven Kulissen. Am Ende wurde meiner Meinung nach etwas zu weit über das Ziel hinausgeschossen, aber nichtsdestotrotz gehört dieser Raum zu meinen drei liebsten auf dieser Reise.
Meine Bewertung: 9,5
Wenn man schon mal da ist, kann man auch gleich den weiteren Raum des Anbieters spielen. Auch wenn dieser nicht mehr in den Top 100 ist, rangiert er dennoch weit über dem üblichen Niveau:
Terpeca-Listen-Rang 122: Das Geheimnis von Sankt-Rumoldus (De Gouden Kooi, Mechelen, BEL)
Das einführende Video fand ich sogar noch etwas stimmiger als bei Han’s Revenge. In einer Kirche beobachtet ein Pfarrer seltsame Vorkommnisse und ruft uns um Hilfe. Auch wenn die Kulissen wieder weit über den deutschen Escaperäumen liegen, fiel es mir hier etwas schwerer, in die Story hineingezogen zu werden. Die Rätsel waren solide. Zum Glück gab es trotz des Themas keine Horrorelemente.
Meine Bewertung: 8,5
Nach kurzer Autofahrt kamen wir nachmittags zu einem etwas abseits gelegenen Anbieter nahe Antwerpen.
Terpeca-Listen-Rang 25: Toy Factory (Torchdale, Zoersel, BEL)
Wir wurden von der Gamemasterin direkt als die neuen Mitarbeiter begrüßt. Sie erklärte uns unsere Aufgabe in der Spielzeugfabrik und verwies auf den an der Wand befestigten Zeitplan. Diese Einführung war mit so vielen humorigen Elementen gespickt, dass ich bereits in dem Moment spürte, dass ich diesen Raum besonders mögen würde. Was allerdings folgte, übertraf meine Erwartungen nochmals. Nicht nur die Rätsel waren sehr passend gewählt, sondern es gab auch handfeste gruppendynamische Überraschungen. Hochwertige Kulissen machten diese Reise hochimmersiv. Auch wenn ich ein Rätsel trotz thematischer Einbettung nicht so gelungen fand und wir einmal bei völliger Dunkelheit nicht wussten, wie es weitergehen sollte, war dieses Erlebnis einzigartig und das einstimmige Highlight unserer Gruppe.
Meine Bewertung: 10
Schnell über die Grenze in die Niederlande zu unserem nächsten Raum:
Terpeca-Listen-Rang 86: Illusion (Epic Escape, Waalwijk, NL)
Mit einer ausführlichen Einführung werden wir als Rechercheexperten bezeichnet, die mehr über einen bekannten Zauberer herausfinden sollen, der plötzlich verschwand. Dazu wird uns ein hochwertig produziertes Video gezeigt. Mit ein paar Effekten befanden wir uns mitten im Zauberatelier. Allerdings störte mich die Verwendung von künstlichem Rauch im Raum, der meiner Meinung nach nicht ausreichend belüftet war. Die Rätsel hätten etwas besser in die Thematik passen können. Trotzdem gilt auch hier: Die Kulissen und technischen Effekte waren sehr gut, und die begleitende Geschichte war stimmig.
Meine Bewertung: 8
Am nächsten Tag stand direkt die Nr. 1 auf unserer Agenda:
Terpeca-Listen-Rang 1: Molly’s Game (Down the Hatch, Voorburg, NL)
Schon beim Betreten war ich beeindruckt, da wir in einer imposanten Kulisse standen. Der Spielleiter erklärte uns, dass wir neben den Rätseln die Story nicht außer Acht lassen sollten. Auch wenn man vom Schriftzug denken könnte, dass MOLLY’S GAME an STRANGER THINGS angelehnt ist: Nein! Bis auf die Lichterkette handelt es sich um eine völlig andere Geschichte, und ich habe auch keine 80er-Vibes gespürt. Dafür erlebten wir ein herausragend gutes Erlebnis, das mich auch Tage danach noch beschäftigt hat, da die Geschichte außergewöhnlich war. Im Nachhinein war es vielmehr ein Krimithriller, bei dem man schon währenddessen die losen Enden zusammenfügen muss. Beeindruckende Elemente und Übergänge erklären völlig, warum dieser Raum ganz oben steht. Einziges Manko: Einige Rätsel waren schlichtweg zu lang. Neun- oder sogar zwölfmalige Zuordnungen waren mir einfach zu viel und unnötig. Dadurch fühlte ich, dass ich nicht genug Zeit hatte, um die Geschichte zu erleben, und ich deswegen nicht die Höchstwertung zücken kann.
Meine Bewertung: 9,5
Nach diesem Erlebnis ging es weiter zu einem Anbieter, den wir vor vier Jahren schon mal besucht hatten (The Execution, #295).
Terpeca-Listen-Rang 71: Jason’s Legacy (OuterGround Escape Rooms, Rijswijk, NL)
Der freundliche Gamemaster gab uns einen kurzen Überblick: Wir besuchen als Nachbarschaftswache das Haus eines Pfarrers und sollen Hintergründe zum verschwundenen Jason erfahren. Irgendwie fiel es mir schwer, in die Geschichte einzutauchen, und sie wurde durch die weitestgehend abstrakten Rätsel nicht vertieft. Kulissenmäßig kann man allerdings wieder nur den Hut ziehen.
Meine Bewertung: 8
Nun ging es direkt in die niederländische Hauptstadt:
Terpeca-Listen-Rang 31: The Alchemist (OuterGround Escape Rooms, Amsterdam, NL)
Die Sterne stehen für uns günstig, sodass nur wir in der Lage sind, das von einer Wissenschaftlerin begonnene Ritual zu beenden. Viel Technik ist im Raum verbaut, und so staunt man nicht selten über die Überraschungen, die für uns bereitgehalten werden – sowohl rätsel- als auch effekttechnisch. Mir persönlich fehlte eine mitreißende Geschichte, und die meiste Zeit über befindet man sich in einem einzigen Raum, der dafür aber gigantisch ist. Einen so hochwertigen Raum mitten in Amsterdam zu haben, ist außergewöhnlich. Für Besuchende der Hauptstadt mit einer Affinität für Escaperäume ein Muss.
Meine Bewertung: 9
Der letzte Besuch an diesem Abend war ein Raum, der relativ neu ist und noch nicht in der Terpeca-Liste gerankt werden konnte.
Pray (Escape Room Katwijk, Katwijk, NL)
Das Konzept sieht vor, dass man zu Beginn keine Interaktion mit dem Gamemaster hat. Es hängt einfach ein Schlüssel am vereinbarten Ort. Thematisch begeben wir uns zu einer Beerdigung und müssen uns ins Kondolenzbuch eintragen. Doch recht schnell befinden wir uns, wie in den Niederlanden üblich, in beeindruckenden Kulissen und erleben eine ambitionierte Geschichte, die meiner Meinung nach leider etwas in den Hintergrund gerät. Zumindest hatte ich währenddessen nicht alle Schlüsselstellen verstanden, und erst in der darauffolgenden Erklärung haben sich mir diese erschlossen. Die Rätsel waren solide und könnten meiner Meinung nach verbessert werden. Trotzdem sticht dieser Raum positiv hervor.
Meine Bewertung: 9
Auf der Rückfahrt machten wir noch einen Zwischenstopp in Bochum.
Terpeca-Listen-Rang 115: Die Gasse (OuterGround Escape Rooms, Amsterdam, NL)
Unsere überaus freundliche Gamemasterin erklärte uns das Szenario sehr stimmig: Wir möchten uns dem dunklen Lord anschließen und müssen dafür vier Münzen stehlen. Der klar vom Harry-Potter-Franchise inspirierte Raum wartet mit, gerade für deutsche Verhältnisse, tollen Kulissen auf, und es war ersichtlich, wie viel Liebe in die Gestaltung geflossen ist. Einzig ein Raum hat mich etwas aus der Immersion gerissen, da nach der Gasse der Charakter eines Zimmers deutlich wurde. Solide Rätsel führten uns nach der vorgegebenen Zeit zum dunklen Lord.
Meine Bewertung: 8
Es war wieder ein einzigartiges Erlebnis, und wenn die Qualität der Räume in den Benelux-Ländern so weitergeht, wird es sicher nicht wieder vier Jahre dauern, bis ich meinen nächsten Besuch plane. Irgendwie konnte ich fast allen Räumen etwas abgewinnen, wie man an meinem Gesamtfazit sieht.
Die immersivste Geschichte: MOLLY’S GAME
Die beeindruckendste Technik: THE ALCHEMIST
Die besten Kulissen: PRAY
Die stimmigsten Rätsel: HAN’S REVENGE
Beste/r Gamemaster/in: DIE GASSE
Das schönste Gesamterlebnis: TOY FACTORY
Happy escaping!
Abstimmung zum DSP 2024
Slay the Spire
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Boardgame Historian
- “Mönch, ärgere dich nicht“ – Ausstellung/Brettspielaktion und Vortrag in der Abtei Brauweiler am 24./25.08.2024
“Mönch, ärgere dich nicht“ – Ausstellung/Brettspielaktion und Vortrag in der Abtei Brauweiler am 24./25.08.2024
310 Brettspielradio – Redebedarf 27 – Der vor der Sommerpause
Wer hätte Interesse an einem Stichspielcon?
Stichspiele erleben zu meiner Freude in letzter Zeit eine Renaissance. Japan hat dabei sicherlich eine große Rolle gespielt, aber auch an anderen Orten ist das nicht zu übersehen. Daher trage ich mich seit einer Weile mit dem Gedanken, mal einen kleineren Con zu organisieren, bei dem sich alles um diese Art von Spielen dreht. Die Definition von Stichspiel sehe ich dabei nicht so eng, alles, was man im Englischen als Shedding Games oder Ladder Climbing Games bezeichnen würde, rechne ich mit ein (eine Liste mit Beispielen aus meiner Sammlung folgt ganz unten).

Ich denke da an ein Wochenende mit vielleicht 20 bis 50 Personen. Stattfinden würde es in Göttingen, und terminlich habe ich Februar 2025 im Auge. Ich würde dann hier Räumlichkeiten organisieren und die Kosten auf alle umlegen (der Anteil an der Raummiete sollte 10 Euro pro Person nicht übersteigen). Übernachtungen kann ich nicht stellen, darum müssten sich alle selbst kümmern (aber ich helfe natürlich gern dabei, wo ich kann). Verpflegung, ebenfalls auf Selbstkostenbasis, könnten wir organisieren, darüber würde ich mir etwas später Gedanken machen beziehungsweise das mit denen besprechen, die dabei sein wollen. Es wäre also kein Con der Art, wo ich morgens die Tür aufmache und hoffe, dass jemand kommt, sondern einer mit vorheriger Anmeldung (vermutlich auch mit einer Vorabüberweisung, das würde ich dann rechtzeitig ankündigen). In jedem Fall geht es mir nicht drum, damit Geld zu verdienen, ich will nur ohne Minus rauskommen.
Jetzt möchte ich einfach erst mal ausloten, wie viel Interesse überhaupt an so etwas besteht. Wo sind die Stichspielfans, die sich vorstellen könnten, an so einem Con teilzunehmen? Schreibt mir bitte an stichspielcon@lidude.net. Ich würde jetzt erst mal ein bisschen sammeln und dann beizeiten eine Mail mit weiteren Details und/oder einer Umfrage rumschicken. Keine Angst, ich mülle Euch nicht mit Mails zu, und Ihr verpflichtet Euch auch noch zu nichts, ich will nur sehen ob sowas überhaupt funktionieren kann.
Fragen und Vorschläge könnt Ihr natürlich ebenfalls schicken. Jetzt möchte ich einfach erst mal wissen, wie groß das Interesse so ist – ich bin gespannt, was da so hereinkommen mag.
Hier ist noch die angekündigte Liste meiner Spiele, die wir auf so einem Con spielen könnten – natürlich hoffe ich drauf, dass auch noch viele weitere mitgebracht werden, denn es soll ja auch die Möglichkeit geben, neue Spiele kennenzulernen:
Symbols, and 7 Nations
Charms
Chimera
Cobra
Cosmic Eidex
Cryptrick
Enemy Anemone
Fibonachos
Inflation
Joias
luz
La Macarena
Macaron
Magic Trick
Maskmen
Nokosu Dice
The Other Hat Trick
Partout
Pikoko
Primar
ReCURRRing
Road to Lord
Salvage
Tall Tales
Tricky Bid
Upset Kakumei
Volltreffer
(Da kommt und geht auch immer mal was. Und gängigere Spiele wie Scout oder Tichu habe ich natürlich auch noch.)
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Unser Ferienprogramm
Interview: Exotic Cancer – Sex und Brettspiele
Ich kann es nicht glauben!
309 Brettspielradio – Redebedarf 26 – Der mit der Überlänge
Das Wichtigste an Spielen
Captain Flip
Die Crew flippt
Das Schiff füllt sich
Fazit
Mozarts Schwanengesang – Musikgeschichte im Brettspiel
308 Brettspielradio – Auf ein Wort 55 – Absacker
Interaktive Gedanken
Was für ein Spiel ist Slay the Spire?
Aufgepasst ihr daheim – Es ist SdJ-Rate-Time!
307 Brettspielradio – Redebedarf 25 – Der mit den Beschreibungen
Ich habe einen Vogel.
Dieses Blog war eine Weile online – ich muss mir dringend einen neuen Anbieter suchen, Midphase ist mittlerweile wirklich schlecht geworden. Besonders schade, dass das gerade jetzt passiert ist, denn es gibt etwas Schönes zu erzählen, und das hätte ich auch vorher schon machen können.
Letztes Wochenende fand nämlich das 42. Spieleautor:innentreffen in der Stadthalle statt. Ich habe hier ja schon verschiedentlich darüber berichtet; es gehört zu meinen Lieblingsveranstaltungen in der Spielewelt (obwohl ich natürlich auch gern mal an der UKGE oder gar an DOFF teilnehmen würde, die zeitgleich stattgefunden haben). Für mich war es diesmal aber vor allem deshalb eine besondere Veranstaltung, weil dort jedes Jahr der Göttinger Spatz verliehen wird, eine Auszeichnung der Stadt Göttingen für besondere Verdienste und das Spiel als Kulturgut. Und den habe dieses Jahr ich bekommen. Das hängt nicht ausschließlich, aber doch in hohem Maße mit diesem Blog zusammen – und damit mit Euch allen.

Wenn ich die Jahre seit dem Start dieses Blogs mal Revue passieren lasse, tauchen ganz viele tolle Menschen vor meinem geistigen Auge auf, die dazu beigetragen haben, dass ich die Lust am Schreiben nicht verloren habe. Ich erinnere mich noch an den allerersten Monat (November 2015), in dem ich insgesamt 205 Klicks auf Du bist dran! verzeichnet habe … aller Anfang ist schwer, und ich habe damals wahrscheinlich viel zu viel über so was nachgedacht. Erst, als ich meine Nische gefunden hatte und angefangen habe, gezielt über internationale Spielemärkte zu berichten, wusste ich wirklich, warum ich das Blog überhaupt betreibe. Das hat mir sehr gut getan. Und dazu haben halt sehr viele Leute einen Beitrag geleistet. Zum Einen natürlich all die Menschen rund um die Erde, die auf meine ständigen Nachfragen hin nicht nur ausführlich über ihre eigenen Spiele gesprochen haben (das tun ja viele Leute gern), sondern auch geduldig über die Hintergründe und die Situation der Spielebranche in ihren Ländern berichtet haben. Ohne diese Auskunftsfreudigkeit hätte ich ja auch nicht viel zu schreiben gehabt. Zum Anderen aber natürlich diejenigen, die das Ganze anschließend gelesen und kommentiert haben und mir damit das Gefühl gegeben haben, dass sich das Ganze überhaupt lohnt. Wahrscheinlich hätte ich mehr Besuche auf meiner Webseite gehabt, wenn ich jeweils über die aktuellsten deutschen Spiele geschrieben hätte, aber dafür wäre ich letztes Jahr sicherlich nicht nach Chile eingeladen worden und hätte dieses Jahr nicht den Göttinger Spatz gekriegt. Für solche Erlebnisse bin ich natürlich besonders dankbar, und darum gehört der Spatz auch ein Stück weit Euch allen.
¡Muchas gracias! Obrigado! 謝謝! Thank you! ありがとう! Vielen Dank!
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