Normale Ansicht

Vom Wandel und Wandlungen

08. September 2024 um 13:14
In seinem Buch “Wie Musik wirkt” beschreibt Talking-Heads-Sänger David Byrne im ersten Kapitel wie sich die Musik durch den technologischen Wandel verändert hat. Dabei beschränkt sich dieser Wandel niemals auf die qualitative Ebene. Die Technologie beeinflusst vielmehr auch immer den künstlerischen Schaffensprozess an sich: Etwa die Länge der Stücke, welche Höhen- und Tiefen gut gespielt […]

Strategischer Turnierspaß: ›Glory: A Game of Knights‹

05. September 2024 um 18:43
Ritterturniere gehören in unserer Vorstellung so fest zum Mittelalter wie die Pest und die Inquisition – kein Wunder also, dass das Thema überaus beliebt ist in der populärkulturellen Inszenierung der Epoche. Mit ›Glory: A...

“Wie spielt man das eigentlich?”

01. September 2024 um 12:01
Brettspiele können die unterschiedlichsten Spielerlebnisse bieten. Das gilt als eine ihrer Stärken. Wenn man jedoch genug unterschiedliche Brettspiele probiert hat, fällt auf, dass diese Erlebnisvielfalt auch eine Hürde sein kann. Denn Brettspiele sind partizipativ, nicht nur interaktiv. Wie wir am Spiel teilnehmen ist, trägt viel dazu bei wie das Spiel erlebt wird. Wenn wir uns […]

Passt nicht!

29. August 2024 um 16:43

Wer liebt es nicht… unmittelbar vor dem eigenen Zug ändert die Mitspielerin die Farbe des ausliegenden Kartenstapels und ebnet uns damit unwissend den Weg. Mit einem verschmitzten Grinsen wandert die letzte Karte von der eigenen Hand in die Mitte… passt. Über Jahrzehnte wurden ganze Generationen so erzogen… Gleiche Zahl oder gleiche Farbe? Passt. Und jetzt? Jetzt kommen Thomas Weber und Schmidt daher und behaupten einfach so das Gegenteil. Auf einmal lassen wir mit einem süffisanten Grinsen im Gesicht verlauten: „Passt nicht!“

 

 

 

Altbekanntes…

Wer in seinem Leben schon einmal Mau-Mau oder Uno gespielt hat, dürfte wenig Schwierigkeiten mit Passt nicht! haben. Denn hier wie da legen wir Handkarten mit gleicher Zahl oder Farbe auf den zentralen Stapel. Hat eine Spielerinn keine Karten mehr auf der Hand endet die Runde, nicht gespielte Karten bringen Minuspunkte entsprechend ihres Werts. Bis hierhin nichts Neues. 
 
 
… und etwas Neues
Spannend wird`s, wenn es (wer hätte das gedacht) nicht passt. Denn wenn die ausgespielte Karte weder in Farbe noch Zahl übereinstimmt, wandert diese in meine Auslage, wo sie mir am Ende der Runde Pluspunkte bringt. Klingt toll, hat aber leider zwei Haken. Denn einerseits muss ich sofort eine Karte nachziehen, was wiederum potenzielle Minuspunkte bedeutet und mich dem Rundenende keinen Schritt näherbringt. Andererseits darf ich nur dann eine Karte in meine Auslage legen, wenn neben der gespielten Karte auch meine Auslage nicht passt. Liegt dort etwa eine grüne Fünf und der zentrale Stapel ist grün, muss ich entweder eine Handkarte oder eben eine passende Karte aus meiner Auslage ablegen. Gerade letzteres will man natürlich um jeden Preis vermeiden, gehen so doch mühsam gesammelte Punkte verloren. 
 

Fazit

Genau hier entsteht der große Reiz von Passt nicht!, der das Spiel dann eben doch zu so viel mehr macht als vergleichbare Kartenspiele. Denn wo ähnliche Spiele überwiegend solitär sind, kommen die Mitspielerinnen bei Passt nicht! sehr schnell auf die Idee, die Auslage gezielt zu nutzen. Warum nicht eine gelbe Karte auf den zentralen Stapel legen, wenn der Spieler nach mir eine gelbe Fünf in der eigenen Auslage hat? Oder gleich mit der Jokerkarte eine Vier wünschen, wenn fast alle Mitspielenden eine solche vor sich liegen haben. Ebenso beliebt ist der Schutz der eigenen Auslage. Eine rote Fünf vor mir ist deutlich sicherer, wenn ich selbst noch rote Karten in der eigenen Hand halte. So entwickelt das eigentlich simple Spiel eine überraschende taktische Tiefe, ohne dass der Spielfluss und insbesondere der Spielspaß darunter leiden. Einzig gegen Ende sinken die Optionen spürbar. Denn die letzte Karte passt eben… oder auch nicht.
 

 

“Was verdient man denn so?”

25. August 2024 um 13:37
Eine der Fragen, die mir fast unweigerlich gestellt werden, wenn jemand erfährt, dass ich Spieleautor bin, ist “Was verdient man denn da so?”. “Applaus” liegt mir als Antwort dann zwar auf der Zunge, aber antworten tue ich dann meistens mit etwas in der Kategorie “Das variiert stark, aber in meinem eigentlichen Beruf verdiene ich deutlich […]

ESCAPETOUR 2024 – NIEDERLANDE UND BELGIEN, ICH FLIEHE!

Endlich wieder eine Escapetour! Es zieht mich erneut in die Niederlande, dieses Mal ergänzt um Belgien. In der Terpeca-Liste, die jährlich die besten Escaperäume prämiert, finden sich auffällig viele Räume in diesen beiden Ländern. Während unseres Wochenendtrips haben wir sage und schreibe zehn Anbieter besucht, und ich muss sagen: Alle Räume lagen weit über dem Niveau, das ich sonst gewohnt bin. Nach so vielen außergewöhnlich guten Erlebnissen wird man natürlich etwas verzogen. Daher sollten meine folgenden Bewertungen auch vor diesem Hintergrund betrachtet werden.

Freitag ging es los mit:
Terpeca-Listen-Rang 49: Lost & Found (Kamer 237, Volkel, NL)
Wir werden als Personen begrüßt, die ihren Koffer suchen. Passend zum Thema tritt unsere Spielleiterin in Hotelpagenkleidung auf. Da unser Koffer nicht gefunden werden kann, müssen wir selbst auf die Suche gehen und finden uns in einer schick eingerichteten Szenerie wieder. Überwiegend Zuordnungsrätsel führen uns zu einer interessanten Geschichte, die in hochwertigen Videoclips nach und nach präsentiert wird. Das hat mir richtig gut gefallen.
Meine Bewertung: 9

Am nächsten Tag hatten wir gleich vier Räume auf unserer Liste. Unser erster Fehler: Der Anbieter hat mehrere Standorte, und wir sind beim falschen aufgeschlagen. Ups! Zehn Minuten später standen wir unserer richtigen Gamemasterin gegenüber.
Terpeca-Listen-Rang 5: Han’s Revenge (De Gouden Kooi, Mechelen, BEL)
Wir treten unseren neuen Job als Techniker für Klimaanlagen an und werfen uns in unsere blauen Overalls. In einem stimmigen Video werden wir von unserem Chef zu einem Laden geschickt, doch zuerst müssen wir überhaupt hineinkommen. Besonders die ersten 45 Minuten bestanden für mich aus einer herausragenden Kombination aus Rätselhighlights und immersiven Kulissen. Am Ende wurde meiner Meinung nach etwas zu weit über das Ziel hinausgeschossen, aber nichtsdestotrotz gehört dieser Raum zu meinen drei liebsten auf dieser Reise.
Meine Bewertung: 9,5

Wenn man schon mal da ist, kann man auch gleich den weiteren Raum des Anbieters spielen. Auch wenn dieser nicht mehr in den Top 100 ist, rangiert er dennoch weit über dem üblichen Niveau:
Terpeca-Listen-Rang 122: Das Geheimnis von Sankt-Rumoldus (De Gouden Kooi, Mechelen, BEL)
Das einführende Video fand ich sogar noch etwas stimmiger als bei Han’s Revenge. In einer Kirche beobachtet ein Pfarrer seltsame Vorkommnisse und ruft uns um Hilfe. Auch wenn die Kulissen wieder weit über den deutschen Escaperäumen liegen, fiel es mir hier etwas schwerer, in die Story hineingezogen zu werden. Die Rätsel waren solide. Zum Glück gab es trotz des Themas keine Horrorelemente.
Meine Bewertung: 8,5

Nach kurzer Autofahrt kamen wir nachmittags zu einem etwas abseits gelegenen Anbieter nahe Antwerpen.
Terpeca-Listen-Rang 25: Toy Factory (Torchdale, Zoersel, BEL)
Wir wurden von der Gamemasterin direkt als die neuen Mitarbeiter begrüßt. Sie erklärte uns unsere Aufgabe in der Spielzeugfabrik und verwies auf den an der Wand befestigten Zeitplan. Diese Einführung war mit so vielen humorigen Elementen gespickt, dass ich bereits in dem Moment spürte, dass ich diesen Raum besonders mögen würde. Was allerdings folgte, übertraf meine Erwartungen nochmals. Nicht nur die Rätsel waren sehr passend gewählt, sondern es gab auch handfeste gruppendynamische Überraschungen. Hochwertige Kulissen machten diese Reise hochimmersiv. Auch wenn ich ein Rätsel trotz thematischer Einbettung nicht so gelungen fand und wir einmal bei völliger Dunkelheit nicht wussten, wie es weitergehen sollte, war dieses Erlebnis einzigartig und das einstimmige Highlight unserer Gruppe.
Meine Bewertung: 10

Schnell über die Grenze in die Niederlande zu unserem nächsten Raum:
Terpeca-Listen-Rang 86: Illusion (Epic Escape, Waalwijk, NL)
Mit einer ausführlichen Einführung werden wir als Rechercheexperten bezeichnet, die mehr über einen bekannten Zauberer herausfinden sollen, der plötzlich verschwand. Dazu wird uns ein hochwertig produziertes Video gezeigt. Mit ein paar Effekten befanden wir uns mitten im Zauberatelier. Allerdings störte mich die Verwendung von künstlichem Rauch im Raum, der meiner Meinung nach nicht ausreichend belüftet war. Die Rätsel hätten etwas besser in die Thematik passen können. Trotzdem gilt auch hier: Die Kulissen und technischen Effekte waren sehr gut, und die begleitende Geschichte war stimmig.
Meine Bewertung: 8

Am nächsten Tag stand direkt die Nr. 1 auf unserer Agenda:
Terpeca-Listen-Rang 1: Molly’s Game (Down the Hatch, Voorburg, NL)
Schon beim Betreten war ich beeindruckt, da wir in einer imposanten Kulisse standen. Der Spielleiter erklärte uns, dass wir neben den Rätseln die Story nicht außer Acht lassen sollten. Auch wenn man vom Schriftzug denken könnte, dass MOLLY’S GAME an STRANGER THINGS angelehnt ist: Nein! Bis auf die Lichterkette handelt es sich um eine völlig andere Geschichte, und ich habe auch keine 80er-Vibes gespürt. Dafür erlebten wir ein herausragend gutes Erlebnis, das mich auch Tage danach noch beschäftigt hat, da die Geschichte außergewöhnlich war. Im Nachhinein war es vielmehr ein Krimithriller, bei dem man schon währenddessen die losen Enden zusammenfügen muss. Beeindruckende Elemente und Übergänge erklären völlig, warum dieser Raum ganz oben steht. Einziges Manko: Einige Rätsel waren schlichtweg zu lang. Neun- oder sogar zwölfmalige Zuordnungen waren mir einfach zu viel und unnötig. Dadurch fühlte ich, dass ich nicht genug Zeit hatte, um die Geschichte zu erleben, und ich deswegen nicht die Höchstwertung zücken kann.
Meine Bewertung: 9,5

Nach diesem Erlebnis ging es weiter zu einem Anbieter, den wir vor vier Jahren schon mal besucht hatten (The Execution, #295).
Terpeca-Listen-Rang 71: Jason’s Legacy (OuterGround Escape Rooms, Rijswijk, NL)
Der freundliche Gamemaster gab uns einen kurzen Überblick: Wir besuchen als Nachbarschaftswache das Haus eines Pfarrers und sollen Hintergründe zum verschwundenen Jason erfahren. Irgendwie fiel es mir schwer, in die Geschichte einzutauchen, und sie wurde durch die weitestgehend abstrakten Rätsel nicht vertieft. Kulissenmäßig kann man allerdings wieder nur den Hut ziehen.
Meine Bewertung: 8

Nun ging es direkt in die niederländische Hauptstadt:
Terpeca-Listen-Rang 31: The Alchemist (OuterGround Escape Rooms, Amsterdam, NL)
Die Sterne stehen für uns günstig, sodass nur wir in der Lage sind, das von einer Wissenschaftlerin begonnene Ritual zu beenden. Viel Technik ist im Raum verbaut, und so staunt man nicht selten über die Überraschungen, die für uns bereitgehalten werden – sowohl rätsel- als auch effekttechnisch. Mir persönlich fehlte eine mitreißende Geschichte, und die meiste Zeit über befindet man sich in einem einzigen Raum, der dafür aber gigantisch ist. Einen so hochwertigen Raum mitten in Amsterdam zu haben, ist außergewöhnlich. Für Besuchende der Hauptstadt mit einer Affinität für Escaperäume ein Muss.
Meine Bewertung: 9

Der letzte Besuch an diesem Abend war ein Raum, der relativ neu ist und noch nicht in der Terpeca-Liste gerankt werden konnte.
Pray (Escape Room Katwijk, Katwijk, NL)
Das Konzept sieht vor, dass man zu Beginn keine Interaktion mit dem Gamemaster hat. Es hängt einfach ein Schlüssel am vereinbarten Ort. Thematisch begeben wir uns zu einer Beerdigung und müssen uns ins Kondolenzbuch eintragen. Doch recht schnell befinden wir uns, wie in den Niederlanden üblich, in beeindruckenden Kulissen und erleben eine ambitionierte Geschichte, die meiner Meinung nach leider etwas in den Hintergrund gerät. Zumindest hatte ich währenddessen nicht alle Schlüsselstellen verstanden, und erst in der darauffolgenden Erklärung haben sich mir diese erschlossen. Die Rätsel waren solide und könnten meiner Meinung nach verbessert werden. Trotzdem sticht dieser Raum positiv hervor.
Meine Bewertung: 9

Auf der Rückfahrt machten wir noch einen Zwischenstopp in Bochum.
Terpeca-Listen-Rang 115: Die Gasse (OuterGround Escape Rooms, Amsterdam, NL)
Unsere überaus freundliche Gamemasterin erklärte uns das Szenario sehr stimmig: Wir möchten uns dem dunklen Lord anschließen und müssen dafür vier Münzen stehlen. Der klar vom Harry-Potter-Franchise inspirierte Raum wartet mit, gerade für deutsche Verhältnisse, tollen Kulissen auf, und es war ersichtlich, wie viel Liebe in die Gestaltung geflossen ist. Einzig ein Raum hat mich etwas aus der Immersion gerissen, da nach der Gasse der Charakter eines Zimmers deutlich wurde. Solide Rätsel führten uns nach der vorgegebenen Zeit zum dunklen Lord.
Meine Bewertung: 8

Es war wieder ein einzigartiges Erlebnis, und wenn die Qualität der Räume in den Benelux-Ländern so weitergeht, wird es sicher nicht wieder vier Jahre dauern, bis ich meinen nächsten Besuch plane. Irgendwie konnte ich fast allen Räumen etwas abgewinnen, wie man an meinem Gesamtfazit sieht.

Die immersivste Geschichte: MOLLY’S GAME
Die beeindruckendste Technik: THE ALCHEMIST
Die besten Kulissen: PRAY
Die stimmigsten Rätsel: HAN’S REVENGE
Beste/r Gamemaster/in: DIE GASSE
Das schönste Gesamterlebnis: TOY FACTORY

Happy escaping!

Abstimmung zum DSP 2024

02. August 2024 um 23:00
Die Abstimmung zum Deutschen Spielepreis ist vorbei. Bis zum 31.7. konnten interessierte Spieler für ihre Lieblingsspiele aus dem vergangenen Jahr abstimmen. Wie immer nehme ich das zum Anlass um euche meine liebsten Spiele des vergangenen Jahres mitzuteilen. Platz 1: Great Western Trail: Neuseeland Great Western Trail war bereits 2017 auf Platz 2 beim Deutschen Spielepreis. […]

Slay the Spire

28. Juli 2024 um 16:15
Ein Spiel, das auf einem Videospiel basiert, das wiederum klar von Brettspielen inspiriert wurde. Klingt irgendwie immer noch seltsam, ist inzwischen aber gar nicht mehr so ungewöhnlich. Mit Dorfromantik wurde schließlich sogar ein entsprechendes Werk mit dem Preis „Spiel des Jahres“ ausgezeichnet. Auch Slay the Spire (Gary Dworetsky, Casey Yano, Anthony Giovannetti / Nice Game Publishing) geht den Umweg über PC und Konsole. Doch wo Dorfromantik eher klassische Familienspieler anspricht, richtet sich Slay the Spire mit seinem ausufernden Material und einer Spielzeit von mehren Stunden klar an erfahrene Spielerinnen.
 
 
 
 
 
Rogue-Like-Brettspiel
Wer das Videospiel kennt, fühlt sich beim Brettspiel sofort zu Hause. Für alle anderen: Bei Slay the Spire handelt es sich um ein kooperatives Rogue-like-Spiel. Wir wählen also einen Charakter, bekämpfen mit diesem Gegner, leveln, sammeln Ausrüstung, besiegen mächtigere Gegner… bis wir entweder den finalen Boss bezwingen oder unterwegs das Zeitliche segnen. In beiden Fällen beginnen wir im nächsten Anlauf wieder bei null, Legacy-Elemente oder eine Kampagne gibt es (fast) nicht.
 
 
Das Kartendeck
Was Slay the Spire so interessant macht, das sind die Charaktere und deren Entwicklung. Gerade einmal vier verschiedene gibt es in er Box, doch zu jedem gehört ein großer Stapel Karten. In den meisten Fällen beginnen wir unser Abenteuer mit 10 recht schwachen Basiskarten. Nach besiegten Gegnern ziehen wir 3 neue, wählen eine davon aus und fügen sie unserem Deck hinzu. Jeder Charakter hat dabei sehr unterschiedliche Möglichkeiten und Strategien. So kann etwa die Stille mit Dolchen oder Gift Schaden verursachen, der Eiserne teilt eher heftige Schläge aus und kann sich selbst heilen. Welchen Weg ihr einschlagt, variiert stark mit den gezogenen Karten, was in jeder Partie zu gänzlich neuen Spielerlebnissen führt.
 
Der Kampf
Während die Entwicklung unseres Decks den wesentlichen Reiz des Spiels ausmacht, verwenden wir einen Großteil der Zeit auf den Kampf. Dieser fällt zwar eigentlich recht simpel aus, bietet aufgrund der großen Zahl an Sonderfähigkeiten, Statuseffekten und Gegnern aber reichlich Abwechslung. Immer gleich ist dabei, dass wir Karten ziehen und diese ausspielen, indem wir sie mit Energie bezahlen. Wie gewohnt sind bessere Karten teurer und da Energie stets knapp ist, will jede Karte wohl überlegt sein. Die meisten Effekte drehen sich darum, dass die Karte entweder Schaden verursacht oder Schild aufbaut. Denn wenn wir den Gegner nicht direkt erschlagen, sollten wir uns gegen den einkommenden Schaden wappnen. Und hier ist auch ein wesentlicher Unterschied zum Videospiel. Denn am Spieltisch können wir kooperativ vorgehen, uns gegenseitig schützen und einzelne Gegner schnell ausschalten. Das senkt etwas die Schwierigkeit, extrem unausgewogene Kartenhände können durch die Mitspielerinnen kompensiert werden.
 
Und noch so einiges mehr
Natürlich gäbe es über Slay the Spire noch einiges mehr zu sagen. So sammeln wir etwa nicht nur neue Karten, wir können diese auch aufwerten und in den enthaltenen Kartenhüllen wenden. Zudem stärken Tränke und Gegenstände unsere Kampfkraft, nach ein paar Partien schalten wir neue Karten frei und auch an einen ansteigenden Schwierigkeitsgrad mit immer neuen Herausforderungen wurde gedacht. Gerade letzteres ist eine sehr willkommene Dreingabe. Denn nachdem der letzte Boss gelegt war, hatten wir noch lange nicht genug.
 
 
Fazit
Bei der Entwicklung von Slay the Spire wurde offensichtlich sehr viel Mühe darauf verwendet, möglichst nah am Original zu bleiben. Und das ist wirklich herausragend gut gelungen. Ein paar kleinere Anpassungen gibt es natürlich, problematisch ist aber keine davon. Gerade die Möglichkeit mit mehreren Spielern zu spielen, empfinde ich sogar als enorme Bereicherung. Für Fans des Videospiels also eine klare Empfehlung. Doch auch alle anderen sollten mal einen Blick riskieren. Denn die Mischung aus Charakterentwicklung, spannenden Kämpfen und interessantem Teamwork empfinde ich als wirklich reizvoll. Vier Charaktere klingt nicht nach viel, aber dennoch entwickelt sich jede Runde anders auch nach einem Dutzend Partien habe ich bei Weitem nicht das Gefühl, alles entdeckt zu haben.
 
Kleinere Kritikpunkte gibt es aber natürlich dennoch. Und einer davon fällt leider schon vor der Partie auf. Denn die Anleitung ist nicht wirklich gelungen. Wer das Video-Spiel nicht kennt, wird nach dem Lesen sicher einige Fragezeichen über dem Kopf haben. Und auch nach mehreren Spielstunden kommen immer wieder Fragen zu Effekten, Sonderfähigkeiten und deren Zusammenspiel auf, die sich schlicht nicht einwandfrei beantworten lassen. Auch die Spielzeit ist eine Herausforderung und fällt deutlich länger aus als beim Videospiel. Klar, ein Akt lässt sich von erfahrenen Spielerinnen durchaus in 90 Minuten spielen. Allerdings sind es eben 3 Akte, bis man den finalen Boss erreicht. Zwar lässt sich das Spiel zwischen den Partien speichern, kann dann aber nicht in einer anderen Gruppe gespielt werden. Fairerweise muss man aber sagen, dass das nur sehr selten ein Problem ist. Denn zumindest bei mir wollte noch keine Gruppe nach dem ersten Akt aufhören.
 

“Mönch, ärgere dich nicht“ – Ausstellung/Brettspielaktion und Vortrag in der Abtei Brauweiler am 24./25.08.2024

27. Juli 2024 um 10:52
Geschichte kann Spaß machen. Vor allem, wenn man sie sich spielerisch erschließt und auf diesem Weg das Leben im Kloster kennenlernt. Am 24. und 25.08. steht in der Abtei Brauweiler das moderne Brettspiel im Mittelpunkt.

Wer hätte Interesse an einem Stichspielcon?

Von: HilkMAN
22. Juli 2024 um 16:37

Stichspiele erleben zu meiner Freude in letzter Zeit eine Renaissance. Japan hat dabei sicherlich eine große Rolle gespielt, aber auch an anderen Orten ist das nicht zu übersehen. Daher trage ich mich seit einer Weile mit dem Gedanken, mal einen kleineren Con zu organisieren, bei dem sich alles um diese Art von Spielen dreht. Die Definition von Stichspiel sehe ich dabei nicht so eng, alles, was man im Englischen als Shedding Games oder Ladder Climbing Games bezeichnen würde, rechne ich mit ein (eine Liste mit Beispielen aus meiner Sammlung folgt ganz unten).

So Sachen halt.

Ich denke da an ein Wochenende mit vielleicht 20 bis 50 Personen. Stattfinden würde es in Göttingen, und terminlich habe ich Februar 2025 im Auge. Ich würde dann hier Räumlichkeiten organisieren und die Kosten auf alle umlegen (der Anteil an der Raummiete sollte 10 Euro pro Person nicht übersteigen). Übernachtungen kann ich nicht stellen, darum müssten sich alle selbst kümmern (aber ich helfe natürlich gern dabei, wo ich kann). Verpflegung, ebenfalls auf Selbstkostenbasis, könnten wir organisieren, darüber würde ich mir etwas später Gedanken machen beziehungsweise das mit denen besprechen, die dabei sein wollen. Es wäre also kein Con der Art, wo ich morgens die Tür aufmache und hoffe, dass jemand kommt, sondern einer mit vorheriger Anmeldung (vermutlich auch mit einer Vorabüberweisung, das würde ich dann rechtzeitig ankündigen). In jedem Fall geht es mir nicht drum, damit Geld zu verdienen, ich will nur ohne Minus rauskommen.

Jetzt möchte ich einfach erst mal ausloten, wie viel Interesse überhaupt an so etwas besteht. Wo sind die Stichspielfans, die sich vorstellen könnten, an so einem Con teilzunehmen? Schreibt mir bitte an stichspielcon@lidude.net. Ich würde jetzt erst mal ein bisschen sammeln und dann beizeiten eine Mail mit weiteren Details und/oder einer Umfrage rumschicken. Keine Angst, ich mülle Euch nicht mit Mails zu, und Ihr verpflichtet Euch auch noch zu nichts, ich will nur sehen ob sowas überhaupt funktionieren kann.

Fragen und Vorschläge könnt Ihr natürlich ebenfalls schicken. Jetzt möchte ich einfach erst mal wissen, wie groß das Interesse so ist – ich bin gespannt, was da so hereinkommen mag.

Hier ist noch die angekündigte Liste meiner Spiele, die wir auf so einem Con spielen könnten – natürlich hoffe ich drauf, dass auch noch viele weitere mitgebracht werden, denn es soll ja auch die Möglichkeit geben, neue Spiele kennenzulernen:

Symbols, and 7 Nations
Charms
Chimera
Cobra
Cosmic Eidex
Cryptrick
Enemy Anemone
Fibonachos
Inflation
Joias
luz
La Macarena
Macaron
Magic Trick
Maskmen
Nokosu Dice
The Other Hat Trick
Partout
Pikoko
Primar
ReCURRRing
Road to Lord
Salvage
Tall Tales
Tricky Bid
Upset Kakumei
Volltreffer

(Da kommt und geht auch immer mal was. Und gängigere Spiele wie Scout oder Tichu habe ich natürlich auch noch.)

Der Beitrag Wer hätte Interesse an einem Stichspielcon? erschien zuerst auf Du bist dran!.

Unser Ferienprogramm

22. Juli 2024 um 09:56
Guten Abend, Freunde, Feinde und Mikroenzyklopen-jagende Weichorganismen, gestern abend wurden das Spiel des Jahres vergeben. Heute nehmen Georgios und Peer noch dazu und zu anderen Themen (Berlin Con und ein paar Überraschungen)(also Dinge, die wir noch nicht geplant haben) eine Redebedarffolge auf, die vermutlich im Laufe der Woche online geht. Dann ist für den Rest […]

Interview: Exotic Cancer – Sex und Brettspiele

14. Juli 2024 um 12:00
Spiele mit sexuellen Inhalten sind selten und wenn dann entweder auf dem Niveau von flachen Penälerwitzen oder Dr. Sommer – Ratgebern. Nicht zuletzt deswegen wird die Kickstarterkampagne Nightshift es auf Anhieb in die Hotness auf Boardgamegeek geschafft haben: Hier hat eine ehemalige Stripperin sich ernsthaft mit dem Thema “Stripclub” beschäftigt und ein vollwertiges Brettspiel kreiert, […]

Ich kann es nicht glauben!

07. Juli 2024 um 12:00
Im Zusammenhang mit Filmen und Büchern wird im englischen der Ausdruck “Suspension of disbelief” benutzt, bei Wikipedia etwas holprig mit “Willentliche Aussetzung der Ungläubigkeit” übersetzt (wobei das wohl die “offizielle” Übersetzung ist). Damit ist gemeint, dass man, um in einer Geschichte eintauchen zu können, wieder besseren Wissens gewisse Dinge akzeptieren muss: Sowohl in der  Metaebene […]

Das Wichtigste an Spielen

01. Juli 2024 um 08:30
Als ich neulich in meiner Musikbox blätterte (d.h. Podcasts hörte), da stieß ich auf folgenden Gedanken. Es wurden Spiele dafür gelobt, dass sie die Spieler*innen ermutigten neue Strategien zu probieren oder riskante Züge zu machen. Die Spiele wurden gelobt, weil in diesen Spielen durch solche Aktionen immer etwas passiert. Auch wenn diese dann nicht perfekt […]

Captain Flip

30. Juni 2024 um 11:19
Es gibt Spiele, da genügt ein Blick aufs Schachtelcover und schon ist eigentlich alles klar. Ein Piratenschiff und ein „Captain“ im Namen? Das Thema hätten wir schon mal… Dazu ein „Flip“ vor einem Wendepfeil, der mehr als nur einen Ausblick auf den spielerischen Ablauf bietet. Zuletzt noch die verspielt kindliche Grafik, die wohl nicht unbedingt Expertenspieler anspricht. Alles durchaus korrekte Annahmen. Darüber hinaus bietet Captain Flip (Paolo Mori, Remo Conzadori / Play Punk, Asmodee) aber auch ein emotionales und packendes Spielerlebnis, das den neuesten Teil des Covers erklärt: Das Logo für die Nominierung zum Spiel des Jahres.
 
 
 

Die Crew flippt

Die Regeln lassen sich im Wesentlichen anhand des Namens erklären. Denn vor jedem Spielenden liegt ein Piratenschiff aus, das wir Zug für Zug mit Crewmitgliedern füllen. Dazu ziehen wir entsprechende Plättchen aus dem Beutel und betrachten eine Seite. Gefällt uns diese nicht, dürfen wir das Plättchen flippen, wodurch ein anderes Crewmitglied sichtbar wird. Mit diesem müssen wir dann allerdings leben und das Plättchen auf das unterste Feld einer der fünf Spalten unseres Schiffes legen. 
 


Das Schiff füllt sich

Sowohl vollständig gefüllte Spalten als auch jedes gelegte Plättchen lösen Effekte aus. So lässt der Ausguck am Spielende nur dann Dublonen springen, wenn er an der Spitze seiner Spalte liegt. Der Matrose andererseits wird lukrativer, wenn er in mehreren Spalten vertreten ist. Einen unmittelbaren Effekt hat der Affe, der ein benachbartes Plättchen wendet. Ein besonders beliebtes Ziel dafür ist der Kanonier, der zwar sofort fünf Dublonen springen lässt, gemeinsam mit zwei Kollegen am Ende aber das eigene Schiff versenkt. Das Spielende triggert, sobald auf einem Schiff vier Spalten gefüllt sind. Da das recht schnell geht, besuchen wir im Anschluss üblicherweise einen der drei alternativen Pläne, die uns auf einer verlassenen Insel aussetzen oder einen Kraken bekämpfen lassen. Alle mit eigenen kleinen Regeln und Boni, die für etwas Abwechslung sorgen.

 

 

Fazit

Captain Flip hält, was das Cover verspricht: Ein schnelles Spiel, das man nicht zu ernst nehmen sollte. Der Ablauf ist denkbar einfach und nach wenigen Sätzen verstanden, einzig die verschiedenen Funktionen der Plättchen müssen mitunter noch mal nachgelesen werden. Aber dazu gibt es ja die gelungene Spielhilfe. Und dann sind es genau die vielen unterschiedlichen Charaktere, die den Reiz ausmachen. Mit jedem gezogenen Plättchen wird gehofft und gebangt, gejubelt und geflucht. Auch wenn die Entscheidungen trivial klingen, ist die Spannung gegen Ende doch stets greifbar. Insbesondere, wenn die Spielenden mit den Emotionen nicht hinter den Bug halten. Trash-Talk gehört an dieser Stelle einfach dazu. Gleiches gilt für den Zufall, der natürlich eine gewichtige Rolle einnimmt. Erfahrene Spielende werden dementsprechend vielleicht etwas den Einfluss vermissen oder über zu wenig Abwechslung klagen… aber wer sich einfach mal auf die emotionale Kaperfahrt einlässt, wird garantiert viel Spaß damit haben.
 

 

Mozarts Schwanengesang – Musikgeschichte im Brettspiel

25. Juni 2024 um 08:41
Nach Mozartfestspielen, Mozartfilmen, Rap über Mozart, Mozartkugeln und Mozartmüsli nun auch noch ein Brettspiel? In Lacrimosa geht es um die Vollendung von Wolfgang Amadeus Mozarts letztem Stück. Ob das funktioniert untersuchen Sophie Sczepanek und Philipp Wilhelm Kranemann.

308 Brettspielradio – Auf ein Wort 55 – Absacker

23. Juni 2024 um 19:11
Logo-Auf ein WortShownotes Auf ein Wort - Zwei Mal im Monat fordern sich Georgios Panagiotidis und Peer Sylvester gegenseitig auf Stellung zu beziehen. Ein Begriff aus dem Brettspielbereich, ein Name oder auch nur eine Idee wird im Gespräch durchleuchtet, kommentiert und in Frage gestellt. Mal mehr und mal weniger ernsthaft.

Interaktive Gedanken

23. Juni 2024 um 13:25
Eigentlich wollte ich untersuchen, ob die ewige Beschwerde, Spiele seien früher interaktiver gewesen, zutrifft. Ich hätte als Datengrundlage die Spiele in der SdJ-Datenbank verwendet, weil diese immer einen gewissen Querschnitt des Jahrganges abbilden. Weit bin ich nicht gekommen, denn schon bald war mir klar: Die Überprüfung scheitert an der Unschärfe des Begriffes “Interaktion”. Ich hatte […]
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