Ein Zugüberfall für Zwei
Manchmal braucht es für einen guten Plan nur zwei Dinge: einen cleveren Kopf – und einen Komplizen. Genau darum geht es in „The Glasgow Train Robbery“ von Salt & Pepper Games. Das kooperative Brettspiel für zwei Personen lief kürzlich auf Gamefound – und der Coup ist gelungen: Die Kampagne konnte über 40.000 Euro einsammeln und mehr als 400 Unterstützer überzeugen.
Für mich persönlich war das übrigens ein eher ungewöhnlicher Klick auf den „Back“-Button. Crowdfunding funktioniert für mich inzwischen nur noch in sehr engen Grenzen. Zu viele Projekte, zu lange Wartezeiten, zu viele Deluxe-Varianten. „The Glasgow Train Robbery“ gehörte aber zu den wenigen Kampagnen der letzten Zeit, die ich tatsächlich unterstützt habe. Aber das Thema, das Artwork und der Fakt, dass es ein kooperatives Spiel für zwei ist, hat mich einfach überzeugt mal wieder ein Projekt zu unterstützen. Davon abgesehen mag ich die Spiel von Salt and Pepper Games sehr. Auch deren letztes Spiel Onoda hatte ich bereits unterstützt und der Verlag ist u.a. auch für diese besonders ausgefallenen Solo-Spiele (u.a. Conservas) bekannt. Aber auch Spiele für zwei sind eine Spezialität des Verlages.
Warum genau ich auf Crowdfunding nicht mehr so gut zu sprechen bin, darüber habe ich übrigens auch ausführlich mit Uli Blennemann von Spielworxx gesprochen – im „Beyond the Table“-Podcast. In der Episode geht es unter anderem darum, warum Crowdfunding für viele Spieler inzwischen schwieriger geworden ist und welche Projekte trotzdem noch überzeugen können.
Der historische Hintergrund
Die Vorlage für das Spiel ist übrigens einer der berühmtesten Kriminalfälle Großbritanniens. In den frühen Morgenstunden des 8. August 1963 stoppte eine Bande einen Postzug auf der Strecke von Glasgow nach London. Mithilfe manipulierten Signals wurde der Zug an einer abgelegenen Stelle zum Halten gebracht, die Crew überwältigt und gezielt der Geldtransport-Waggon geplündert.
Die Beute betrug rund 2,6 Millionen Pfund, damals eine astronomische Summe. Das entspricht heutzutage in etwa einem Gegenwert von etwa 80 Millionen Euro. Doch obwohl der Coup zunächst perfekt verlief und ohne einen einzigen Schuss abzugeben, verrieten sich einige der Täter später selbst – unter anderem durch Fingerabdrücke, die sie beim Spielen von Monopoly in ihrem Versteck hinterließen. Klingt wie ein schlechter Witz ist aber wahr. Und einer der bekanntesten Gauner Großbritanniens hatte seine Finger im Spiel (im wahrsten Sinne des Wortes) – Ronald Biggs. Dem gelang nach seiner Inhaftierung die Flucht und er lebte 35 Jahre im Ausland, u.a. lange Zeit in Brasilien. Doch 2001 kehrte er zurück nach Großbritannien, wo er 2013 auch starb. Natürlich gibt es zig Dokumentationen zu dem Überfall und einige Verfilmungen, die vom Raub inspiriert wurden oder diesen zum Vorbild hatten. Hervorzuheben ist aus deutsche Sicht der Film Die Gentlemen bitten zur Kasse mit Horst Tappert und Kurt Conradi, der unter dem Namen Arthur Finegan Ronald Biggs verkörperte.
Ein Zugüberfall für genau zwei Personen
Diese Geschichte bildet die Grundlage für „The Glasgow Train Robbery“, ein kooperatives Spiel speziell für zwei Personen. Dabei übernehmen beide Spielende unterschiedliche Rollen innerhalb der Bande:
- Coordinator – das strategische Gehirn im Safehouse, das den Plan organisiert und Ressourcen verteilt
- Operator – der Mensch draußen an den Gleisen, der den Plan tatsächlich umsetzt
Besonders spannend: Kommunikation ist stark eingeschränkt. Spieler dürfen nur über bestimmte Aktionen ein paar Worte austauschen – ansonsten müssen Bewegungen, Karten und Entscheidungen als Hinweise interpretiert werden. Ein bisschen Gedankenlesen gehört also zum perfekten Coup.
Der Plan in fünf Schritten
Der Überfall selbst läuft über mehrere Plan-Karten, die die echten Schritte des historischen Coups widerspiegeln:
- Signale manipulieren
- den Zug stoppen und die Crew überwältigen
- die Lok bewegen
- das Geld umladen
- mit dem Fluchtfahrzeug verschwinden
Währenddessen tickt ständig die Uhr: Jede Aktion kostet Zeit und der Zug bewegt sich unaufhaltsam Richtung London. Gleichzeitig sorgen unerwartete Ereignisse und mögliche Spuren – etwa Fingerabdrücke – dafür, dass der perfekt geplante Coup schneller eskalieren kann als gedacht.
Stretch Goals und Extras
Die Gamefound-Kampagne brachte auch einige zusätzliche Inhalte. Freigeschaltete Stretch Goals erweitern das Spiel unter anderem um zusätzliche Karten und Varianten, die neue Herausforderungen in den Ablauf des Überfalls bringen und für mehr Wiederspielwert sorgen.
Zugüberfall zum Mitnehmen
Neben dem klaren Fokus auf zwei Spieler punktet das Spiel auch mit seiner kompakten Box. Damit eignet sich „The Glasgow Train Robbery“ perfekt für unterwegs – egal ob im Urlaub, im Café oder (stilgerecht) im Zug.
Das Spiel befindet sich bereits in Produktion (Crowdfunding mal wieder „nur“ Marketing) und sollte dann auch pünktlich eintreffen, sofern es keine Komplikationen bei der Verschiffung gibt. Aus Sicherheitsgründen hat man von einem Versand per Zug abgesehen… 🙂 Einen Late Pledge wird es somit wohl nicht geben, aber ich bin mir sicher, dass man das Spiel zeitnah erwerben kann.



