Normale Ansicht

Backrooms Map auf Kickstarter: Lohnt das Escape-Spiel?

21. Juli 2026 um 16:35
Backrooms Map auf Kickstarter: Lohnt das Escape-Spiel?

Eine reale Karte, ein Pop-up und Rätsel in endlosen gelben Räumen: Backrooms Map auf Kickstarter bringt seit dem 21. Juli 2026 liminalen Horror als Escape-Spiel auf den Tisch. Key Enigma nutzt ein starkes Thema, bleibt bei wichtigen Spieldaten aber auffällig vage.

So funktioniert Backrooms Map als Escape-Spiel

Der spanische Anbieter Key Enigma beschreibt Backrooms Map als Escape-Spiel, das eine echte Karte und ein Pop-up-Element verwendet. Die Spielenden sollen einen fremden, menschenleeren Ort erkunden und durch Rätsel einen Ausweg finden. Damit steht die räumliche Untersuchung des Materials vor klassischer Brettspiel-Aktionsökonomie. Einen Vergleich zu einem anderen rätselbetonten Crowdfunding-Projekt bietet unsere Vorstellung von Chronicles of Crime: Beyond Doubt.

Mehr lässt sich aus dem öffentlich auslesbaren Kampagnentext derzeit nicht belastbar ableiten. Weder eine vollständige Zugstruktur noch die genaue Funktion von Karten, Hinweisen oder möglichen Würfeln werden erklärt. Auch wie einzelne Ziele ausgeschaltet oder Gefahren überwunden werden, bleibt offen. Die Kampagne zeigt das Material vor allem in Bildern und kurzen Animationen, liefert aber keinen ausreichend konkreten Regelabriss. Ob alle gemeinsam an einer Lösung arbeiten oder Entscheidungen getrennt treffen, ist ebenfalls nicht eindeutig beschrieben.

EckdatumStand der Kampagne
ArtEscape-Spiel mit realer Karte und Pop-up-Element
Spielerzahlnicht öffentlich angegeben
Solo-Modusnicht öffentlich beschrieben
Spielzeitnicht öffentlich angegeben
Alternicht öffentlich angegeben
SprachenEnglisch, Spanisch, Deutsch und Französisch
AnbieterKey Enigma, Barcelona
Lead Designernicht namentlich genannt
Lieferunglaut Pledges September 2026

Gerade für eine Kaufentscheidung sind diese Lücken relevant. Eine angegebene Spielerzahl fehlt, deshalb lässt sich auch kein Solo-Modus bestätigen. Spielzeit und Alter nennt der öffentlich zugängliche Kampagnendatensatz ebenfalls nicht. Der Lead Designer, Co-Designer und die Illustration werden nicht namentlich ausgewiesen. Wer vor allem ein präzise erklärtes Spielsystem sucht, erhält damit vorerst weniger Informationen als bei vielen Brettspielkampagnen.

Nach dem derzeit belegbaren Stand wirkt Backrooms Map eher wie ein einmaliges Escape-Erlebnis als wie ein Spiel mit strategischer Entwicklung über mehrere Partien. Das ist eine vorsichtige Einordnung, keine bestätigte Produkteigenschaft: Die Kampagne und ihr öffentlich auslesbarer Text erklären weder den Wiederspielwert noch, ob sich Rätsel nach einer Lösung erneut sinnvoll spielen lassen.

Kickstarter-Kampagne: Preise, Pledges und Lieferung

Die Kampagne startete am 21. Juli 2026 und soll am 19. August 2026 um 21:59 Uhr UTC enden. Bei unserer Abfrage am 21. Juli 2026 lagen 3.686 Euro von angestrebten 5.000 Euro vor. 52 Unterstützende entsprachen 73,72 Prozent des Ziels. Das ist eine Momentaufnahme am Starttag, kein Urteil über die spätere Finanzierung oder die Qualität des Spiels. Weitere laufende Projekte ordnen wir in der Brettspiel-Crowdfunding-Wochenschau KW 30 ein.

Für das Grundspiel verlangt Key Enigma regulär mindestens 55 Euro. Ein auf 24 Stunden begrenztes Frühbucher-Pledge kostet 50 Euro. Die Erweiterung ist in beiden Stufen nicht enthalten. Das Frühbucherpaket aus Grundspiel und Erweiterung kostet 65 Euro, die reguläre Fassung dieses Pakets 75 Euro. Auf spielerischer Ebene ergänzt die Erweiterung einen weiteren Inhalt; welche neuen Regeln oder Rätselarten sie einführt, erklärt der auslesbare Pledge-Text nicht.

Damit stehen 55 bis 75 Euro plus später berechneter Versand einem Rätselprodukt gegenüber, das nach dem belegbaren Stand eher einmal konsumierbar wirkt. Ob dieses Preis-Tiefe-Verhältnis trägt, lässt sich ohne Angaben zu Umfang, Spieldauer und Wiederspielwert nicht abschließend beurteilen. Gerade diese Punkte klären weder die Kampagne noch ihr öffentlich auslesbarer Text.

Daneben gibt es drei Bündel. Für 120 Euro umfasst das Kartenpaket Backrooms Map und ein Piraten-Escape-Spiel mit Karte samt Erweiterungen. Das Horrorpaket für 180 Euro kombiniert Grundspiel und Erweiterung mit weiteren Horrorspielen von Key Enigma. Das Gesamtpaket für 530 Euro enthält laut Anbieter alle bisher veröffentlichten 20 Ermittlungs- und Escape-Spiele. Diese Bündel erweitern also vor allem den Spieleumfang. Eine reine Materialveredelung des Backrooms-Spiels versprechen sie nicht.

Der Versand ist in keinem dieser Preise enthalten. Key Enigma will ihn erst nach Kampagnenende über den Pledge Manager berechnen. Die Belohnungen sind laut Kickstarter weltweit versandfähig, womit Deutschland, Österreich und die Schweiz grundsätzlich eingeschlossen sind. Eine konkrete DACH-Versandpauschale fehlt jedoch. Die für September 2026 genannte Lieferung liegt nur wenige Wochen nach Kampagnenende und sollte deshalb als Schätzung des Anbieters verstanden werden.

Deutsch wird für eine zusätzliche Kopie des Grundspiels ausdrücklich neben Englisch, Spanisch und Französisch genannt. Die Haupt-Pledges selbst führen in ihren Beschreibungen nur englischen und spanischen Text. Interessierte aus dem DACH-Raum sollten daher vor Abschluss prüfen, ob die deutsche Ausgabe bereits im jeweiligen Pledge gewählt werden kann. Die Kampagne nennt öffentlich keine belastbare Zuordnung der Sprachfassungen zu allen Belohnungsstufen.

Stretch-Goals und Erweiterung der Kampagne

Eine öffentliche Liste mit freigeschalteten Stretch-Goals ist im auslesbaren Kampagnentext zum Abfragezeitpunkt nicht vorhanden. Deshalb lassen sich weder mechanische Zusatzinhalte noch Komponenten-Upgrades als Stretch-Goals bestätigen. Die separat angebotene Erweiterung ist kein automatisch freigeschaltetes Stretch-Goal: Sie gehört nur zu den entsprechend bezeichneten Pledges ab 65 Euro.

Auch zur Erweiterung bleibt die Kampagne mechanisch knapp. Sie bringt dem Pledge zufolge zusätzlichen Spielinhalt. Angaben zu neuen Regeln, Spieldauer oder Materialverbesserungen fehlen. Eine Trennung zwischen mechanischen Stretch-Goals und bloßen Komponenten-Boni ist daher nicht möglich, weil die Kampagne keine solchen Ziele ausweist.

Warum die Backrooms längst mehr als ein Netzbild sind

Die Backrooms entstanden 2019 aus einem anonymen Bildbeitrag auf 4chan. Kane Parsons machte das Motiv eines endlos wirkenden Labyrinths aus gelblicher Tapete, Rasterdecke und leerer Büroästhetik später mit seiner YouTube-Reihe als Found-Footage-Horror sichtbar. A24 zeichnet im Gespräch mit Parsons und Produzent James Wan den Weg vom viralen Kurzfilm zum Langfilm nach, nennt aber keine belastbare aktuelle Abrufzahl.

Dass das Motiv auch Spiele trägt, zeigt Escape the Backrooms. Das PC-Spiel unterstützt Einzelspiel und Online-Koop für bis zu vier Personen. Steam wies bei unserer Prüfung am 21. Juli 2026 rund 156.000 Rezensionen in allen Sprachen aus. Die Zahl belegt Reichweite, sagt aber nichts über die Qualität von Backrooms Map aus. A24 führt zudem einen Backrooms-Film von Kane Parsons aus dem Jahr 2026. Belastbare Einspielergebnisse veröffentlicht die offizielle Seite nicht, weshalb ein Kinoerfolg nicht belegt ist.

Fazit: Starkes Backrooms-Motiv, offene Regelfragen

Backrooms Map übersetzt die zentrale Idee sinnvoll in ein haptisches Format: Eine Karte wird zum unsicheren Raum, ein Pop-up macht das Erkunden räumlich. Das passt zum Stoff. Ob daraus auch ein gutes Escape-Spiel entsteht, lässt sich anhand der Kampagne noch nicht beurteilen.

Vor einer Unterstützung sollten Sie besonders Spielerzahl, Spieldauer, Altersangabe, genaue Solo-Tauglichkeit und den vollständigen Regelablauf klären. Hinzu kommen die erst später berechneten Versandkosten. Für 55 bis 75 Euro wirkt das Angebot nach heutigem Kenntnisstand eher wie ein einmaliges Rätselerlebnis als wie ein strategisch wachsendes Spiel. Weil die Kampagne Umfang und Wiederspielwert nicht erklärt, bleibt diese Einordnung ausdrücklich vorläufig. Das Thema und die Materialidee sind klar, für ein belastbares Preis- und Spielurteil fehlen jedoch zentrale Angaben.

The Isle of Penguins: Frank Wests Rettungsmission aufs Eis

12. Juli 2026 um 09:57
The Isle of Penguins: Frank Wests Rettungsmission aufs Eis

Mit The Isle of Penguins bringt Designer Frank West sein Draft-und-Platzier-Prinzip von der Katzeninsel in den eisigen Norden: Sie bergen möglichst viele Pinguine, bevor das Eis schmilzt, und stapeln sie auf ein selbst geformtes Floß. Die Kickstarter-Kampagne des britischen Verlags The City of Games läuft noch bis zum 30. Juli 2026.

Eckdaten

  • Spielerzahl: 1 bis 4 (6 mit der Erweiterung „Late Arrivals“)
  • Spieldauer: 60 bis 90 Minuten
  • Alter: ab 8 Jahren
  • Designer: Frank West
  • Illustration: Dragolisco und Frank West
  • Verlag: The City of Games (Bristol, UK)
  • Auslieferung (Verlagsangabe): Juni 2027

Was Sie am Zug tun

Das Herzstück ist ein offener Draft, im Fachjargon Open Drafting: eine gemeinsame, offene Auslage, aus der die Spielenden reihum die Entdeckungen nehmen, die sie gerade brauchen. Dabei verwalten Sie Ihr Tempo. Wer langsamer unterwegs ist, wählt in der Zugreihenfolge früher (stat-basierte Zugreihenfolge). Direkte Interaktion läuft vor allem über das Wegdraften und das Tempo: Wer eine Entdeckung nimmt, nimmt sie den anderen weg, und wer schnell vorprescht, kommt später an die Reihe. Einen Markt- oder Mehrheitenkampf gibt es nicht. Anschließend legen alle gleichzeitig los: The Isle of Penguins setzt auf simultanes Spiel, jede Person platziert ihre Plättchen zeitgleich auf das eigene Floß. Die Pinguine kommen als Polyominos ins Spiel, also als unterschiedlich geformte Legeteile. Sie puzzeln sie so auf Ihr individuell geschnittenes Floß, dass Familien zusammenbleiben und Eier geschützt sind, räumen Felsen weg und sammeln Fische als Ressource. Aufgabenkarten (im Original „lessons“) geben vor, welche Muster am Ende Punkte bringen. Mechanisch mischt das Open Drafting, Flächenpuzzle (Grid Coverage, Pattern Building), Set Collection und Auftragskarten. Die angegebenen 60 bis 90 Minuten sind am ehesten für die fortgeschrittenen Stufen realistisch; am Familientisch, mit Erklärrunde und jüngeren Mitspielenden, planen Sie für die erste Partie eher das obere Ende ein.

Ein Geschwisterspiel, kein Reskin

Wer „Die Insel der Katzen“ (2019, ebenfalls Frank West) kennt, erkennt die DNA sofort: Drafting plus Polyomino-Platzierung. The Isle of Penguins ist aber ein eigenständiges Spiel, kein Umlackieren. Die Alleinstellung liegt nicht im neuen Anstrich, sondern in zwei konkreten Punkten: dem simultanen Legen, bei dem alle zeitgleich platzieren statt nacheinander, und den drei wählbaren Komplexitätsstufen. Diese Stufen (Familie, Fortgeschritten, Experte, vom jungen Entdecker bis zum erfahrenen Retter) skalieren die Schwierigkeit: Der Familienmodus ist der sanfte Einstieg, der Expertenmodus zielt auf erfahrene Spielende. Darauf bezieht sich auch die Altersangabe: Die 8 Jahre gelten für den Familienmodus als Einstieg, nicht für die anspruchsvolleren Stufen. Wie genau sich die Regeln zwischen den Stufen unterscheiden, zeigt der Verlag bislang nur in den Kampagnengrafiken; als ausformulierter Regeltext liegt das noch nicht vor. Belegt ist damit die skalierende Komplexität von Familien-Einstieg bis erfahrenem Retter, nicht der genaue Umfang der Regeländerungen je Stufe.

Ein Solo-Modus ist offiziell enthalten: Die BGG-Einträge führen „Solo / Solitaire“ als Mechanik und ordnen das Spiel der Familie „Games with Solitaire Rules“ zu. Ob dahinter ein eigenständiger Gegner (Automa), eine Highscore-Jagd gegen die eigene Bestleistung oder ein schlicht angehängter Modus steckt, geht aus dem bislang veröffentlichten Material nicht hervor.

Pledges: was bringt die nächste Stufe?

Vier Stufen stehen zur Wahl. „Just the game“ (45 Pfund) enthält allein das Grundspiel. Die „Kickstarter Edition“ (56 Pfund) liefert aufgewertete Komponenten plus zusätzliche Spielinhalte, hier wächst also die Ausstattung samt Inhaltsboni, aber ohne echten Erweiterungssprung. Klarer Bestseller ist die „Big Penguin Edition“ (74 Pfund): Rund 1.987 der 2.597 Unterstützenden haben sie gewählt. Sie packt zur Kickstarter Edition den „Bag'o'Penguins“ (40 große Holzpinguine, reines Komponenten-Upgrade) und die Erweiterung „Late Arrivals“ (zwei neue Floße, mehr Karten, neue Pinguine und Unterstützung für 5 und 6 Personen in allen drei Modi, also echter Spielzuwachs). Die Sammlerstufe „Cats & Penguins“ (180 Pfund) legt zusätzlich „Die Insel der Katzen“ samt Erweiterungen bei.

Für die Kaufentscheidung heißt das: Spielerisch mehr Spiel bekommen Sie erst mit der „Big Penguin Edition“, denn sie ist die einzige Stufe mit einer echten Erweiterung („Late Arrivals“). „Just the game“ liefert das Grundspiel, die „Kickstarter Edition“ legt vor allem Ausstattung und Inhaltsboni obendrauf. Dass die Big Penguin Edition mit Abstand am häufigsten gewählt wird, passt zu diesem Bild. Kalkulieren Sie den Einstiegspreis aber nicht nur nach dem Pledge-Betrag: Versand nach Deutschland und die EU-Einfuhrsteuern erhöhen die Endsumme spürbar.

Komponenten oder Mechanik?

Bei den freischaltbaren Extras lohnt der genaue Blick. Deluxe-Elemente wie der „Bag'o'Fish“ (70 Holzfische) und der „Bag'o'Penguins“ (40 Holzpinguine) werten allein das Material auf. Neue Regeln bringen dagegen die Erweiterungen: „Late Arrivals“ hebt die Spielerzahl auf sechs und ergänzt Floße und Karten, „Tablets + Bonuses“ fügt neue Aufgabenkarten sowie variable Tafeln und Bonusfelder für mehr Wiederspielwert hinzu.

DACH-Check: bisher nur Englisch

Für den deutschsprachigen Tisch wichtig: Eine deutsche Ausgabe oder ein Lokalisierungspartner ist bislang nicht angekündigt. BGG führt aktuell nur eine englische Ausgabe (2027). Das ist relevant, weil das Material sprachabhängig ist: Die Aufgabenkarten tragen Text, den man am Tisch verstehen muss. Immerhin liefert die Kampagne laut Verlag „anywhere in the world“, Pledges nach Deutschland und in die EU sind also möglich. Der Vorgänger erschien später auf Deutsch („Die Insel der Katzen“), eine Garantie für Penguins ist das aber nicht.

Stand der Kampagne

Zum Snapshot am 12. Juli 2026 stand die Kampagne bei rund 208.830 Pfund gegenüber 23.500 Pfund Ziel, das sind etwa 888 Prozent, getragen von 2.597 Unterstützenden und ausgezeichnet als Staff Pick. Die Zahlen sind eine Momentaufnahme, kein Endstand: Die Kampagne läuft noch bis zum 30. Juli 2026, ausgeliefert werden soll ab Juni 2027.

Cult of the Lamb als Brettspiel: Worker Placement statt Roguelite

10. Juli 2026 um 11:29
Cult of the Lamb als Brettspiel: Worker Placement statt Roguelite

Am 21. Juli startet Paper Fort Games die Kickstarter-Kampagne zu „Cult of the Lamb: The Board Game“, der offiziellen Brettspiel-Adaption des Videospiels von Massive Monster und Devolver Digital. Am Tisch entsteht daraus kein Roguelite, sondern ein kompetitives Wettrennen um den größten Kult, das nach vier Runden entschieden ist.

Eckdaten
VerlagPaper Fort Games, Nottingham
LizenzMassive Monster (Entwicklung), Devolver Digital (Publisher)
Spielende1 bis 4, kompetitiv, mit Solo-Modus
MechanikWorker Placement, Würfelkampf, leichter Dungeon-Crawl
Partiedauervier Runden
Spielzeitnennt Paper Fort Games mit dem Kampagnenstart
Alternennt Paper Fort Games mit dem Kampagnenstart
Kampagnenstart21. Juli 2026, Kickstarter

Spielablauf: zwei Phasen, vier Runden

Eine Partie läuft über genau vier Runden, und jede Runde zerfällt in zwei Hälften. Diese Struktur begrenzt die Partie nach oben, eine Minutenangabe nennt Paper Fort Games erst mit dem Kampagnenstart. In der einen ziehen Sie los: Der Verlag nennt diesen Teil „Crusade“, einen leichten Dungeon-Crawl, in dem Sie sich durch Gegner arbeiten und Kämpfe über Würfel entscheiden. Vorher wählen Sie Ihre Waffe. Das Spektrum reicht laut Vorab-Update von nekromantischen Äxten bis zu göttlichen Dolchen, das Kampfsystem selbst beschreibt Paper Fort Games ausdrücklich als einfach gehalten.

In der anderen Hälfte kehren Sie in Ihr Lager zurück, und das Spiel wird zum Worker-Placement-Spiel (Sie setzen Ihre Anhänger auf Aktionsfelder, jedes Feld ist meist nur einmal belegbar). Sie schicken Ihre Anhänger zur Arbeit, zum Gebet oder auf Wanderschaft und erzeugen so Rohstoffe und Glauben. Predigten, Doktrinen und Rituale bilden den Überbau. Wer nach vier Runden den stärksten Kult vorweist, gewinnt.

Die Anhänger sind die Wirtschaft

Der interessanteste mechanische Baustein ist die Follower-Wirtschaft. Ihre Anhänger sind zugleich Ihre Arbeiter und Ihr Material: Holzköpfe, die in farbige Roben-Miniaturen gesteckt werden. Jeder Anhänger trägt einen Namen und Charakterzüge, mehr als sechs aktive Anhänger führt niemand. Die Anhänger lassen sich auf Stufe 2 und Stufe 3 aufwerten, indem Heiligenschein- und Altar-Aufsätze aufgesteckt werden, und schalten dadurch stärkere Aktionsfelder frei. Wer die Hygiene im Lager vernachlässigt, dessen Anhänger erkranken oder sterben, so das Vorab-Update.

Aus dieser Kopplung ergibt sich die eigentliche Spannung: Arbeiter sind endlich, Aufwertungen kosten Runden, und jede Runde, die Sie in den Ausbau stecken, fehlt Ihnen auf dem Kreuzzug.

Vier Bischöfe, vier Kämpfe

Gegner der Kreuzzüge sind die vier Bischöfe der alten Religion, aus dem Videospiel bekannt als Leshy, Heket, Kallamar und Shamura. Jeder Bischofskampf steht für sich und wirft eine eigene Belohnung ab. Am Ende wartet, wie in der Vorlage, „The One Who Waits“. Zur Auswahl stehen vier Prophetinnen und Propheten: Lamm, Ziege, Eule und Schlange.

Den Solo-Modus beschreibt das Vorab-Update als Quest-Struktur: Sie führen allein das Lamm durch Quests, bis alle vier Bischöfe besiegt sind. Die Regeln dazu sind noch nicht öffentlich.

Videospiel gegen Brettspiel: Wer das Original liebt, bekommt etwas anderes

Das Videospiel ist ein Roguelite: Sie sterben, Sie starten neu, der Lauf beginnt von vorn, und der Fortschritt sickert langsam durch. Das Brettspiel ist nichts davon. Es ist eine kompetitive Vier-Runden-Partie mit Aufbau-Ökonomie und einem Kampfsystem, das laut Verlag bewusst leicht bleibt. Wer Atmosphäre, Bischöfe und die Anhänger-Sammelei sucht, findet sie. Wer das rastlose Sterben-und-neu-Anfangen des Originals erwartet, sucht am falschen Tisch.

Über 7.000 Menschen hatten sich zum Stand des Verlags-Updates vom 30. Dezember 2025 für die Startbenachrichtigung eingetragen. Das ist ein Reichweitensignal, kein Qualitätsurteil. Wer der Kampagne vorab folgt und später eine physische Ausgabe unterstützt, soll zusätzlich ein Geschenk zur Individualisierung der eigenen Anhänger erhalten: Kampagnen-Marketing, kein Produktmerkmal.

Erfahrung mit großen Lizenzen hat das Studio: Zuletzt brachte Paper Fort Games „Terraria: The Board Game“ und „Cosmoctopus“ heraus. Einen ersten öffentlichen Blick aufs Material gab es auf der UK Games Expo 2026.

Deutsche Ausgabe, Preise, Stretch Goals

Preise, Pledge-Stufen und Stretch Goals gibt Paper Fort Games mit dem Kampagnenstart am 21. Juli bekannt.

Für den deutschsprachigen Raum gibt es bislang keine angekündigte Ausgabe, keinen Lokalisierungspartner, keinen Termin. Wir prüfen die Kampagnenseite nach dem 21. Juli erneut und tragen nach, was dann belegt ist. Bis dahin gilt: Wer hier mitspielen will, spielt vorerst auf Englisch. Am Familientisch heißt das: englische Karten und ein englisches Regelheft.

Crowdfunding-Wochenschau KW 28/2026: Drunagor kehrt zurück, Kemet wächst und zwei Strategie-Schwergewichte

06. Juli 2026 um 12:40
Crowdfunding-Wochenschau KW 28/2026: Drunagor kehrt zurück, Kemet wächst und zwei Strategie-Schwergewichte

Auf den Crowdfunding-Plattformen fällt in dieser Woche vor allem eines auf: Gamefound bestimmt das Geschehen. In dieser Ausgabe der Crowdfunding-Wochenschau stellen wir Ihnen vier laufende Kampagnen vor, die für Brettspielerinnen und Brettspieler im deutschsprachigen Raum einen zweiten Blick wert sind. Zwei davon sind erst am 30. Juni gestartet und haben ihr Finanzierungsziel bereits weit hinter sich gelassen, zwei weitere laufen seit dem 23. Juni und steuern auf ihr Kampagnenende zu. Die Auswahl folgt festen Kriterien und ist keine Kaufempfehlung: Eine hohe Finanzierungsquote sagt etwas über die Aufmerksamkeit aus, nicht über die Qualität am Spieltisch.

Chronicles of Drunagor: Aftermath (Gamefound)

Den auffälligsten Start legte Chronicles of Drunagor: Aftermath hin. Gestartet am 30. Juni, steht die Kampagne von Creative Games Studio am 6. Juli bei rund 712.000 US-Dollar und damit bei etwa 1.400 Prozent des Ziels von 50.000 US-Dollar. Sie läuft noch bis zum 16. Juli.

Aftermath ist ein eigenständiger kooperativer Dungeon-Crawler für 1 bis 5 Personen, empfohlen ab 16 Jahren, mit einer Spielzeit von rund 45 Minuten pro Szenario. Herzstück ist das über ein Jahrzehnt entwickelte Aktions-Cube-System, über das Sie die Aktionen Ihrer Helden planen und auslösen, dazu kommen taktische Kämpfe und dreidimensional aufgebaute Begegnungen. Als Standalone setzt der Titel keinen der Vorgänger voraus, richtet sich mit seiner Materialfülle aber klar an ein Vielspiel-Publikum.

Kemet: The Gates of Thonis (Gamefound)

Die zweite Neuvorstellung des 30. Juni ist Kemet: The Gates of Thonis. Der Verlag Kolossal Games sammelte bis zum 6. Juli rund 210.000 US-Dollar ein, das entspricht etwa 1.400 Prozent des mit 15.000 US-Dollar niedrig angesetzten Ziels. Die Kampagne läuft noch bis zum 21. Juli.

Anders als die Drunagor-Box handelt es sich hier nicht um ein eigenständiges Spiel, sondern um eine große Erweiterung für Kemet: Blut und Sand, den Area-Control-Titel von Jacques Bariot und Guillaume Montiage. Gates of Thonis bringt neue Karten und Spielplan-Felder sowie eine zentrale neue Mechanik rund um das titelgebende Tor, gedacht für 2 bis 6 Personen und rund 90 Minuten Spielzeit ab 14 Jahren. Für den deutschsprachigen Raum relevant: Das Basisspiel ist als Kemet: Blut und Sand auf Deutsch bei Pegasus Spiele erschienen, für die Erweiterung wird dieses Grundspiel benötigt.

Siege Perilous (Gamefound)

Siege Perilous läuft bereits seit dem 23. Juni und steht am 6. Juli bei rund 76.000 US-Dollar, das sind etwa 510 Prozent des Ziels von 15.000 US-Dollar. Bis zum 17. Juli bleibt noch Zeit.

Das Spiel des Studios Play to Z schickt 1 bis 4 Ritter durch zwölf Königreiche des sagenhaften Britanniens von König Artus. Mechanisch bewegt es sich im Euro-Bereich mit Worker-Placement- und Würfelelementen: Sie reisen zwischen Orten wie Burgen, Häfen, Märkten und dem Wald Sauvage, nehmen Aufgaben an und sammeln Ansehen. Auffällig ist die Optik, die Illustrationen sind nach Verlagsangaben von Hand gemalt und an mittelalterliche Buchmalerei angelehnt. Die Spielzeit gibt der Verlag mit rund 120 Minuten an, empfohlen ab 14 Jahren.

Nippon: Genro und Nippon: Zaibatsu (Kickstarter)

Der einzige große Kickstarter-Vertreter dieser Woche ist Nippon: Genro und Nippon: Zaibatsu von CrowD Games. Seit dem 23. Juni sind rund 295.000 US-Dollar zusammengekommen, etwa 590 Prozent des Ziels von 50.000 US-Dollar. Die Kampagne endet am 16. Juli.

Im Kern geht es um zwei Dinge: die große Erweiterung Nippon: Genro und eine Neuauflage des Grundspiels Nippon: Zaibatsu. Zaibatsu ist ein anspruchsvolles Wirtschafts-Euro von Nuno Bizarro Sentieiro und Paulo Soledade, in dem Sie im Japan der Meiji-Ära ein Firmenkonglomerat aufbauen, in Industrien investieren, Fabriken und Bahnlinien errichten und Märkte mit Waren sättigen. Die Erweiterung ergänzt neues Material und wendet sich an Vielspielerinnen und Vielspieler, die das Grundspiel bereits kennen oder es gemeinsam mit der Erweiterung neu erwerben möchten. Angeboten werden englischsprachige Ausgaben, für Französisch gibt es ein separates Regel-Add-on.

Einordnung

Auf der Spieleschmiede lief in dieser Woche keine Brettspiel-Kampagne, die unsere Kriterien erfüllt, die dort auffindbaren Titel waren bereits abgeschlossen. Kickstarter steuerte mit Nippon einen einzigen, dafür gewichtigen Beitrag bei, das übrige Feld gehört klar Gamefound. In der kommenden Woche werten wir die nächsten Neustarts wieder nach denselben Kriterien aus.

Rolling Deep: Solo-Würfel-Roguelike auf Kickstarter

28. Juni 2026 um 13:21
Rolling Deep: Solo-Würfel-Roguelike auf Kickstarter

Rolling Deep ist ein reines Solospiel und ein Balatro-inspiriertes Würfel-Roguelike: Sie führen ein Trio von Würfelkopf-Abenteurern durch einen unruhigen Vulkan hinab zum Erdmittelpunkt. Auf Kickstarter hat der US-Verlag Bitewing Games sein Finanzierungsziel schon um rund das 25-Fache übertroffen. Hinter der Hype-Zahl steckt allerdings vor allem ein Dice-Building, bei dem Sie Ihre Würfel über viele Läufe Stück für Stück umbauen.

Eckdaten

  • Spielerzahl: 1 (reines Solospiel)
  • Spielzeit: 45 Minuten (Verlagsangabe)
  • Alter: ab 10 Jahren
  • Komplexität (BGG-Gewicht): 2,5 von 5
  • Designer: Peter C. Hayward
  • Illustration: Alexandra Preda, Caitlin Russell
  • Verlag: Bitewing Games
  • Erscheinung: 2027

Was Sie im Spiel tun

Jede Runde würfeln Sie mit den Würfeln Ihres Teams, die für dessen Aktionen beim Abstieg stehen. Sie entscheiden, wann Sie handeln, also einen Wurf werten, und wann Sie es auf einen neuen Versuch ankommen lassen. Mit Reroll Potions werfen Sie einzelne Würfel neu, bevor Sie sich festlegen. Werten Sie einen Wurf, bringt sein Wert Sie näher an die Zielpunktzahl der aktuellen Etappe. Zwei Ressourcen steuern Ihr Vorgehen: Zeit legt fest, wie viele Wertungen Ihnen pro Runde bleiben, Reroll Potions bestimmen, wie oft Sie Ihr Glück herausfordern dürfen. Das ist klassisches Push Your Luck, denn das Scheitern kennt nur eine Richtung: Verfehlen Sie in einer Runde die Zielpunktzahl, verlieren Sie sofort (Sudden Death). Dieses ständige Abwägen kennen Solo-Fans etwa aus Mini Rogue: The Council, einem weiteren Solo-Roguelike mit Push Your Luck.

Kapitel, Bosse, Shop

Der Abstieg gliedert sich in fünf Kapitel mit je drei Runden. Mit jedem Kapitel steigt die Schwierigkeit, und die letzte Runde eines Kapitels ist ein Boss, der die Regeln genau dieser Runde verändert. Solche Bossbegegnungen, die mitten im Lauf die Regeln umschreiben, kennt man auch von Solo-Titeln wie Jason and the Argonauts. Zwischen den Runden besuchen Sie den Shop. Dort geben Sie Münzen für zweierlei aus: für permanente Würfel-Upgrades, die einzelne Würfelseiten verändern, etwa indem sie neue Werte zeigen oder beim Werten Münzen und Reroll Potions erzeugen, sowie für Verbrauchs-Ausrüstung. Wer alle fünf Kapitel übersteht und den finalen Boss bezwingt, erreicht den Kern des Vulkans und gewinnt.

Dice-Building als Herzstück

Strategisch lebt Rolling Deep von eben diesem Umbau der eigenen Würfel. Über viele Läufe hinweg formen Sie aus Standardwürfeln eine Maschine, die Münzen, Neuwürfe und Punkte aufeinander abstimmt. Konkret tauschen Sie etwa eine schwache Würfelseite gegen eine, die beim Werten Münzen abwirft, und finanzieren damit im nächsten Shop das nächste Upgrade; oder Sie setzen auf Seiten, die Reroll Potions erzeugen, und spielen dadurch aggressiver auf hohe Würfe. Über Achievements schalten Sie nach Verlagsangabe Hunderte weiterer Karten frei. Die Tiefe eines einzelnen Laufs bleibt dabei überschaubar; der Wiederspielreiz entsteht laut Verlag vor allem aus diesem wachsenden Fundus an Karten und Herausforderungen. Genau diese Verzahnung aus Würfelwürfen, Risikoabwägung und langfristigem Aufbau ist die Anleihe bei der Videospiel-Vorlage Balatro.

Der Verlag

Bitewing Games wurde von den beiden Zahnärzten Nick Murray und Kyle Spackman gegründet; der Name spielt auf eine zahnmedizinische Röntgenaufnahme an. Der Verlag fiel zuvor mit Titeln wie Trailblazers und dem von Reiner Knizia gestalteten Zoo Vadis auf. Designer Peter C. Hayward hat sich zuvor vor allem mit kompakten, ideenreichen Spielen einen Namen gemacht. Rolling Deep ist der erste Titel der neuen Solo-Reihe Table for One.

Zwei Spiele in einer Kampagne

Die Kampagne bündelt zwei eigenständige Solospiele. Neben Rolling Deep steckt mit Eureka! ein zweites, laut Verlag Yahtzee-inspiriertes Würfelspiel in den Pledges, in dem Sie Edelsteine schürfen und Ihren Würfelvorrat verwalten. Für Rolling Deep selbst gibt es zudem die Erweiterung Rolling Deeper, die in den Premium-Pledges enthalten ist und laut Verlag vor allem zusätzliche Karten und Achievements ergänzt.

Pledges: Was bringt welche Stufe?

Wichtig vorab: Der mit 15 US-Dollar günstigste Eintrag ist ein reiner Händler-Pledge (Retailer) und kein Einstieg für normale Unterstützer. Für Backer beginnt es so:

  • Eureka! allein: ab 25 US-Dollar.
  • Rolling Deep als Basisspiel: ab 59 US-Dollar, inklusive des gratis Swip Swap Promo Packs und der Kickstarter-exklusiven Ultimate Achievement Box.
  • Standard-Bundle beider Spiele: 84 US-Dollar, also vor allem der Zugewinn eines kompletten zweiten Spiels.
  • Red Hot Edition: 129 US-Dollar. Spielerisch zählt hier die enthaltene Erweiterung Rolling Deeper; der Rest (Deluxe-Upgrade-Pack, Deluxe-Würfelturm, Metallfolien-Box) ist Komponenten-Aufwertung.
  • All-In 2-Game Deluxe Bundle: 149 US-Dollar, die Red Hot Edition plus Eureka! Diese Stufe wählten mit Abstand die meisten Unterstützer.

Die Zusatzinhalte trennen sich damit sauber: spielverändernd sind die Erweiterung Rolling Deeper, das Swip Swap Promo Pack und die über Achievements freigeschalteten Karten; rein kosmetisch sind die Deluxe-Komponenten und die Metallfolien-Box.

Finanzierung mit Augenmaß

Seit dem 23. Juni 2026 ist die Kampagne live. Stand 28. Juni 2026 stehen 375.586 US-Dollar von 3.104 Unterstützern zu Buche, rund 2.500 Prozent des mit 15.000 US-Dollar bewusst niedrig angesetzten Ziels. Mitgründer Nick Murray feierte den Auftakt als den nach eigener Aussage größten Launch-Tag in der Geschichte des Verlags. Laut Kampagne schaltete eine Vormerk-Marke von 8.000 Followern die Ultimate Achievement Box frei, die nun gratis und Kickstarter-exklusiv in allen Rolling-Deep-Pledges liegt. Die Kampagne läuft noch bis Mitte Juli 2026. Weitere laufende Kampagnen sammeln wir in unserer Crowdfunding-Wochenschau.

So beeindruckend die Zahlen sind: Eine hohe Finanzierungsquote belegt Nachfrage, nicht Qualität. Rolling Deep ist noch nicht erschienen, eine unabhängige Wertung steht aus.

Für Solo-Fans im DACH-Raum

Eine deutsche Ausgabe ist bislang nicht angekündigt; BGG führt allein eine englische Edition. Die Kampagne läuft auf Englisch, Bitewing versendet weltweit. Für Solo-Fans aus Deutschland, Österreich und der Schweiz heißt das: ausreichende Englischkenntnisse und internationalen Versand einplanen.

Crowdfunding-Wochenschau KW 26/2026: Concordia, A Life und drei weitere Kampagnen

22. Juni 2026 um 12:24
Crowdfunding-Wochenschau KW 26/2026: Concordia, A Life und drei weitere Kampagnen

In der Kalenderwoche 26 vom 22. bis 28. Juni 2026 stehen gleich mehrere große Brettspiel-Kampagnen kurz vor dem Ziel oder haben Rekordsummen gesammelt. Wir haben fünf Projekte auf Gamefound, Kickstarter und der Spieleschmiede herausgesucht, die für Sie im deutschsprachigen Raum besonders interessant sind. Drei davon enden noch in dieser Woche, also bleibt nur wenig Zeit. Alle Zahlen geben den Stand vom 22. Juni 2026 wieder.

Gamefound

Concordia Special Edition

Der Euro-Klassiker Concordia Special Edition von Designer Mac Gerdts ist auf Gamefound zurück und hat bis zum Abschluss am 30. Juni bereits über 3,5 Millionen Euro von mehr als 14.000 Unterstützenden eingesammelt, gut 7.000 Prozent des Ziels. Concordia erschien ursprünglich 2013 beim deutschen PD-Verlag und steht mit Platz 29 der BoardGameGeek-Rangliste seit Jahren weit oben unter den Aufbau-Strategiespielen.

Im Kern ist Concordia ein kartengesteuertes Wirtschaftsspiel im Römischen Reich für 1 bis 6 Personen. Jede Person startet mit demselben kleinen Kartensatz, kauft im Spielverlauf weitere Karten und nutzt sie sowohl für Aktionen als auch als Siegpunkte am Spielende. Würfel oder Zufallseffekte gibt es nicht, gewonnen wird über vorausschauende Planung. Die Special Edition bündelt das Grundspiel mit überarbeiteter Gestaltung, einer Holzausstattung und der neuen Erweiterung Barbarica.

A Life

A Life vom hessischen Verlag Skellig Games läuft noch bis zum 25. Juni, also rund drei Tage, und hat mit etwa 46.300 Euro schon 462 Prozent des Ziels erreicht. In dem Spiel für 1 bis 4 Personen ab 8 Jahren durchlaufen Sie ein ganzes Leben, von der Geburt bis ins Alter, und sammeln dabei Ressourcen wie Wissen, Erfahrung, Träume und Geld.

Welche Erfahrungen Sie wählen, prägt die inneren Werte Ihrer Figur, und genau diese Werte entscheiden am Ende, wofür Sie Punkte bekommen. Nicht die reichste oder erfolgreichste Person gewinnt, sondern wer am stimmigsten nach den eigenen Werten gelebt hat. Eine Partie dauert etwa 60 Minuten. A Life erscheint auf Deutsch.

Altera

Altera von IV Studio, den Machern von Tend und Moonrakers, läuft noch bis zum 29. Juni und steht aktuell bei rund 631.000 US-Dollar, mehr als dem Zwölffachen des Ziels. Es ist ein kompetitives Euro-Spiel für 1 bis 6 Personen mit einer Spielzeit von etwa 90 Minuten ab 14 Jahren.

Altera kombiniert klassisches Worker Placement mit einem Beutelbau-Mechanismus für Würfel: Statt nur Arbeiter einzusetzen, ziehen Sie Würfel aus einem Beutel, den Sie über die Partie hinweg verändern. Wechselnde Sonderfähigkeiten sorgen laut Verlag dafür, dass sich der Aufbau von Partie zu Partie unterscheidet. Die Kampagne läuft auf Englisch.

Kickstarter

War of the Dragon: The Wheel of Time

Mit War of the Dragon: The Wheel of Time bringt Dire Wolf, bekannt für Dune: Imperium und Clank!, das erste Brettspiel zu Robert Jordans Fantasy-Reihe Das Rad der Zeit auf den Tisch. Die Kickstarter-Kampagne endet bereits am 23. Juni und hat über 1 Million US-Dollar von mehr als 5.200 Unterstützenden gesammelt, rund das Zwanzigfache des Ziels.

Mechanisch verbindet das Spiel Tableaubau, Set Collection und Gebietskontrolle. Sie spielen Karten aus, um Rohstoffe zu erzeugen, Verbündete zu rekrutieren und Truppen über die Karte zu bewegen, während ein Rad den Fortschritt Ihrer Figur anzeigt. Es gibt zwei Modi: einen Helden-Modus für 2 bis 4 Personen und einen Epos-Modus für genau 2 Personen.

Spieleschmiede

A Place for All My Books

Gemütlich wird es bei A Place for All My Books von Smirk & Dagger, das in Deutschland über den Kobold Spieleverlag läuft. Die Spieleschmiede-Kampagne endet in zwei Tagen und steht bei rund 18.250 Euro, gut 300 Prozent des Ziels. In dem Sammel- und Sortierspiel für 1 bis 4 Personen ab 10 Jahren räumen Sie Bücherstapel in die Zimmer Ihrer Wohnung ein.

Über mehrere Runden legen Sie Bücher nach Mustern und Themen ab und erfüllen persönliche Projekte, die Punkte bringen. Die Spielzeit liegt bei etwa 15 bis 20 Minuten pro Person. Für Solospielende ist eine eigene Variante mit der Figur Penelope Eveready enthalten.

8 Dragons: Drachenschwarm und Höhlenbau aus Hohnstorf

09. Juni 2026 um 21:15
8 Dragons: Drachenschwarm und Höhlenbau aus Hohnstorf

Wonderbow Games aus dem niedersächsischen Hohnstorf sammelt auf Kickstarter für „8 Dragons”, ein Kennerspiel um Drachenschwärme, Höhlenbau und einen Flugpfad in Form einer Acht. Der deutsche Designer Sönke Schmidt verbindet darin Schwarm-Placement mit Set-Collection, und eine deutschsprachige Ausgabe ist im Pledge bereits mitgedacht.

Eckdaten

Spieleranzahl2 bis 4
Solo-Modusnein
Spielzeit40 bis 60 Minuten
Alterab 10 Jahren
Komplexität (BGG-Gewicht)3,0 / 5 (bei noch wenigen Bewertungen)
DesignerSönke Schmidt
IllustrationPauliina Hannuniemi
VerlagWonderbow Games (Hohnstorf, DE)

Ein Schwarm, ein Flugpfad in Achterform

Sie spielen einen von acht Drachen, der über zwei Königreiche zieht. Das Spielfeld bildet einen Rundkurs in Form einer liegenden Acht. Ihre Figur darf pro Zug so weit fliegen, wie Sie möchten, die Trennlinie zwischen Nord- und Südhälfte aber nur einmal überqueren. Daher der Titel: Die Acht steht für den Flugpfad.

Allein fliegen Sie nicht. Am zentralen Dragon Rock warten frisch geschlüpfte Wyrmlinge, die sich an vorbeiziehende Drachen hängen und einen Schwarm bilden, in dem auch die Jungdrachen der Mitspielenden mitfliegen. Halten Sie an einem Ort, lösen Sie dessen Effekt nicht nur für sich aus, sondern für jeden Wyrmling im Schwarm. Fliegen Ihre Wyrmlinge im Zug eines anderen Drachen mit, profitieren auch Sie davon. Wo klassisches Worker Placement wie bei der Placement-Kampagne Prestige jede Figur fest an ihren Platz bindet, bleibt der Schwarm hier geteiltes Gut, und genau daraus entsteht die Interaktion am Tisch. So bleibt die Wartezeit zwischen den Zügen kurz, ein Punkt, den der Verlag mit „minimal downtime” bewirbt. Schiebt Ihr Zug einen fremden Schwarm an, dürfen Sie ihn ein Stück weiterbewegen, was sich taktisch ausnutzen lässt.

Höhle bauen, Sets sammeln, Gold horten

Unterwegs helfen freundliche Dorfbewohner beim Ausbau Ihrer Höhle, Kammer für Kammer. An den Orten sammeln Sie Plättchen aus vier Reichen (Elfen, Gnome, Goblins, Feen) und legen daraus Ihr Tableau. Gold, die einzige Währung und zugleich der Siegpunkt, bringen abgeschlossene Gruppen aus drei gleichen oder drei verschiedenen Reich-Plättchen. Missionsplättchen kosten fünf Gold und zählen doppelt: Sie punkten für bestimmte Plättchengruppen oder abgebildete Artefakte und wirken zugleich als Joker beim Vervollständigen von Sets. Wer am Spielende den größten Hort angehäuft hat, gewinnt. Mechanisch verbindet „8 Dragons” damit Schwarm-Placement mit Set-Collection und Tableau-Bau.

Aus Hohnstorf, mit deutscher Ausgabe

Hinter „8 Dragons” steht ein DACH-Team: Designer Sönke Schmidt und der Verlag Wonderbow Games sind in Hohnstorf an der Elbe beheimatet, die Illustrationen stammen von Pauliina Hannuniemi. Neu ist das Projekt nicht: Auf der SPIEL Essen 25 zeigte der Verlag bereits den fast fertigen Prototyp. Für Backer aus Deutschland, Österreich und der Schweiz wichtig: Die Sprachversion, Englisch oder Deutsch, wählen Sie laut Kampagne nach dem Ende im Pledge-Manager. Eine eigene Pledge-Stufe für die deutsche Ausgabe gibt es nicht, die Sprache ist eine Option innerhalb jeder Stufe. EU- und UK-Mehrwertsteuer sind in den Pledge-Preisen enthalten, Versand und weitere Steuern rechnet der Verlag nach der Kampagne über den Pledge-Manager ab.

Die Pledge-Stufen

Drei Stufen stehen zur Wahl (Stand: 9. Juni 2026):

  • Standard Edition (49 €): das Grundspiel inklusive aller freigeschalteten Stretch Goals.
  • Deluxe Edition (65 €): Kickstarter-exklusiv und spielerisch identisch zum Standard. Der Aufpreis kauft ausschließlich Material-Upgrades: Holzmünzen, holografische Plättchen, einen hölzernen Aktiv-Spieler-Drachen, ein passgenaues Inlay und Goldfolie auf der Schachtel.
  • Deluxe Bundle (75 €): Deluxe Edition plus die Mini-Erweiterung „Wondrous Places”. Nur diese Stufe bringt zusätzliche Spielinhalte, nämlich neue Orte für den modularen Spielplan. Es ist mit Abstand die beliebteste Wahl: Der Großteil der bisherigen Backer hat hier zugegriffen.

Wer einzeln aufrüsten will, findet drei Add-ons: Die Holzmünzen (12 €) und die Metall-Drachen samt Wyrmlingen (25 €) werten nur das Material auf, die Mini-Erweiterung „Wondrous Places” (14 €) fügt wie im Bundle neue Orte hinzu.

Kampagnenstand

Stand 9. Juni 2026, dem Starttag, hat „8 Dragons” sein Ziel von 8.000 € klar übertroffen: rund 57.000 € von etwa 730 Unterstützenden, also etwa 712 Prozent der Zielsumme. Kickstarter führt die Kampagne als Staff Pick. Sie läuft noch bis zum 6. Juli 2026, die Auslieferung ist für März 2027 angekündigt. Alle Live-Werte sind Momentaufnahmen und ändern sich im Verlauf der Kampagne.

Einordnung

Die hohe Frühförderung ist ein Signal, kein Urteil: Mit gerade einmal zehn BGG-Bewertungen und ohne Rang ist „8 Dragons” noch zu jung für eine belastbare Einschätzung, auch das Komplexitätsgewicht von 3,0 ruht erst auf wenigen Stimmen. Reizvoll wirkt das Spiel vor allem durch den gemeinsam genutzten Schwarm: Dass Ihre Jungdrachen in fremden Zügen mitpunkten, dreht das übliche Placement-Prinzip ins Kooperativ-Kompetitive und hält die Wartezeit kurz. Mit Gewicht 3,0 und Freigabe ab 10 Jahren zielt „8 Dragons” dabei auf erfahrene Familien und Kennerspielrunden, nicht auf das schnelle Absacker-Spiel; einen Solo-Modus bietet es nicht, gespielt wird zu zweit bis viert. Wer Kennerspiel-Crowdfunding ohnehin verfolgt, etwa Endeavor: Deep Sea, findet hier einen frischen Schwarm-Twist. Für DACH-Tische ist die mitgedachte deutsche Ausgabe ein zusätzliches Argument, sich die Kampagne vor dem 6. Juli anzusehen.

Plants vs. Zombies Brettspiel: Mantic-Kickstarter Herbst 2026

26. Mai 2026 um 12:54
Plants vs. Zombies Brettspiel: Mantic-Kickstarter Herbst 2026

Mantic Games hat ein Brettspiel zu Plants vs. Zombies angekündigt. Die Kickstarter-Kampagne soll im Herbst 2026 starten; bis dahin gibt es eine Vorab-Kampagnenseite mit „Coming Soon"-Status und eine offizielle Pressemeldung des Verlags. Aus der bisherigen Kommunikation lässt sich das Spiel als kooperatives Tower-Defense mit Lizenz-Schwerpunkt einordnen; wieviel echte Systemtiefe dahintersteckt, zeigt sich erst zum Kampagnenstart.

Eckdaten

PunktStand
Spielende1 bis 4 (kooperativ)
Spielzeit60 Minuten laut BoardGameGeek-Eintrag; ob es sich um eine Session-, Level- oder Frühschätzung handelt, geht aus dem Eintrag nicht hervor. Mantic nennt in den Pressemitteilungen bisher keine eigene Angabe
Mindestalternoch nicht kommuniziert; Mantic spricht von „fun for all ages"
VerlagMantic Games (Nottingham, UK), in Lizenzkooperation mit PopCap (Electronic Arts)
Designerbislang nicht öffentlich benannt
KampagnenstartHerbst 2026 auf Kickstarter, konkretes Datum noch nicht kommuniziert
Geplante Auslieferung2027 laut BoardGameGeek-Eintrag

Was Mantic über das Spiel sagt

Mantic Games adaptiert das Tower-Defense-Prinzip des PopCap-Originals: Pflanzen halten Zombiewellen vom Haus fern, und sobald ein Untoter durchkommt, ist das Spiel verloren. Die Verlagsbeschreibung formuliert die Verlustbedingung knapp: „If any zombies reach the house, the players lose." BoardGameGeek listet als Kernmechaniken Hand Management und Cooperative Game und ordnet den Eintrag zugleich der Tower-Defense-Familie zu.

Wie der konkrete Zugablauf aussieht, bleibt in der Vorab-Kommunikation offen: Ob Karten aus der Hand gespielt werden, wie eine Aktionsökonomie aussieht und ob das Spielfeld dem klassischen Rasenraster mit fünf Reihen folgt, beantworten die bisher veröffentlichten Quellen nicht. Namentlich genannt sind die Klassiker aus dem Videospiel: Peashooter, Wall-nut und Cherry Bomb erscheinen in der Mantic-Meldung und im Bericht von Wargamer, dazu wird ein Sortiment unterschiedlicher Zombietypen versprochen.

Vom Anspruch her wirkt das Vorhaben eher wie ein zugängliches lizenziertes Koop-Spiel als wie der mechanische Brocken, den etwa der Tower-Defense-Klassiker Cloudspire auf den Tisch bringt; das ist allerdings ein Erwartungshorizont, kein Befund, weil belastbare Systemdetails zum Vergleich erst zum Kampagnenstart vorliegen werden.

Kampagnenmodus „Zen Garden Campaign"

Herzstück ist laut Mantic ein Kampagnenmodus mit dem Titel „Zen Garden Campaign": Spielende arbeiten sich durch eine Levelfolge, die nach und nach neue Pflanzen, Zombies und Herausforderungen freischaltet. Mantic verspricht eine Schwierigkeit, die sich an die Gruppe anpasst, damit das Spiel laut Verlag sowohl für Vielspieler als auch für Familien funktioniert. Ob die Freischaltungs-Kette in der Praxis eine echte mechanische Eskalation trägt oder primär neue Inhalte staffelt, lässt sich aus der bisherigen Beschreibung noch nicht ableiten.

Solo-Modus

Der Solo-Modus ist beidseitig belegt: Mantic, Wargamer und Toy Book nennen einhellig „1 bis 4 Spielende, kooperativ"; BoardGameGeek führt die Mechanik „Solo / Solitaire Game" für den Eintrag. Wie der Solo-Modus konkret skaliert, ob etwa eine Person mehrere Pflanzen steuert, der Schwierigkeitsgrad verschlankt wird oder eine eigene Kampagnenkurve greift, führt Mantic in der Vorab-Kommunikation nicht aus.

Komponenten

Plants vs. Zombies Brettspiel: Mantic-Kickstarter Herbst 2026
Produktrender der Box. Bildquelle: Mantic Games (Pressebild zur Ankündigung).

Bestätigt sind „pre-assembled miniatures", also vormontierte Plastikfiguren ohne Klebearbeit; in Bild und Text werden konkret Peashooter und Wall-nut als Miniaturen gezeigt, auf dem Schlüsselbild taucht zudem unter anderem ein Venus Fly Trap auf. Eine vollständige Komponentenliste, ein Spielplan-Auszug oder eine Auflistung der Zombie-Miniaturen liegt zum Pre-Launch noch nicht vor.

Pledge-Stufen, Stretch-Goals, deutsche Ausgabe

Die Vorab-Kampagnenseite auf Kickstarter zeigt aktuell Titel, Verlagsangabe und einen „Notify me"-Button; konkrete Pledge-Stufen, Preise und Stretch-Goals stehen dort nicht. Mantic kündigt für Backer eine Collector's Edition mit „exclusive content" und „early access" an; alle weiteren Details, einschließlich der Stretch-Goals, will der Verlag mit Kampagnenstart im Herbst 2026 kommunizieren. Ein Lead Designer ist in keiner der von Würfelreich gesichteten Quellen namentlich genannt. Auch zu einer deutschen Ausgabe oder einem DACH-Lokalisierungspartner findet sich in der Mantic-Pressemeldung, im BoardGameGeek-Eintrag und in den ausgewerteten Branchenmeldungen bislang keine Angabe.

Ausblick

Bis zum Kampagnenstart bleibt offen, wie weit Mantic den Brettspiel-Zug vom Tower-Defense-Klick-Original wegrückt und ob deutsche Käuferinnen und Käufer beim Launch eine deutschsprachige Ausgabe pledgen können. Wie schon bei der Kickstarter-Vorstellung zu SHUG und beim laufenden kooperativen Tower-Defense-Crowdfunding zu VANEA kommt Würfelreich mit einem Kampagnen-Update zurück, sobald Mantic im Herbst 2026 den Kickstarter scharfschaltet.

❌