Aspens

Nach den ersten Minuten waren wir ziemlich überrascht: Aspens sieht aus wie ein entspanntes Spiel über wachsende Wälder, Sonnenlicht und Natur. Am Tisch fühlte es sich dann aber eher wie ein permanenter Schlagabtausch um jeden freien Flecken Land an. Wer hier nicht aufpasst, verliert plötzlich ganze Gebiete – und schaut seinem Gegenüber dabei zu, wie dessen Wald immer größer wird.
Darum geht’s beim Brettspiel Aspens
Mit Aspens veröffentlicht Ludivore Games ein reines Zwei-Personen-Spiel von Luke Roberts und Neil Edwards. Die Aufgabe klingt zunächst simpel: Wir lassen unseren Wald wachsen, breiten uns über das Spielfeld aus und versuchen am Ende mehr Felder zu kontrollieren als die gegnerische Seite. Der Weg dorthin hat allerdings einige interessante Haken.
Schon die Ausstattung macht einen starken Eindruck. Die großen Holzbäume türmen sich im Laufe der Partie zu kleinen Wäldern auf und sorgen dafür, dass Aspens auf dem Tisch deutlich mehr hermacht, als man bei einem Spiel dieser Größenordnung erwarten würde.
Aufbau und Spielablauf
Das Spielfeld entsteht aus sieben modularen Hexfeldern, ergänzt durch Wasserplättchen, die dauerhaft unbespielbar bleiben. Beide Seiten starten mit kleinen Waldgebieten rund um diese Wasserflächen.
Der eigentliche Spielablauf beim Grundspiel ist angenehm schlank. Zu Beginn eines Zuges werden ein Sonnen- und ein Windwürfel geworfen. Der Sonnenwürfel bestimmt, wie viele neue Bäume beide Spielenden erhalten. Felder mit vielen Bäumen produzieren dabei zuverlässiger Nachschub als kleine Waldstücke.
Mit den neu erhaltenen Bäumen stehen anschließend zwei Möglichkeiten offen:
- Vorhandene Wälder verdichten (und bei künftigen Würfelwürfen bessere Chancen haben, Bäume zu erhalten)
- Neue Felder besiedeln und das eigene Gebiet erweitern.
Dabei gibt der Windwürfel vor, in welche Richtungen die Ausbreitung überhaupt möglich ist. Das sorgt dafür, dass sich keine Partie exakt gleich entwickelt und man seine Pläne regelmäßig anpassen muss.
Besonders wichtig sind die sogenannten Kaskaden. Gelingt es, einen Bereich des Spielplans komplett abzuschneiden, sodass die gegnerische Seite ihn nicht mehr erreichen kann, übernimmt man die Kontrolle über das gesamte eingeschlossene Gebiet. Das kann schlagartig große Teile des Spielplans sichern und eine Partie massiv beeinflussen

Wer nur expandiert, produziert später oft zu wenige neue Bäume
Genau hier liegt für uns der spannendste Aspekt von Aspens. Das Spiel verkauft sich optisch als gemütliches Waldspiel, spielt sich aber deutlich konfrontativer.
Fast jede Entscheidung dreht sich um die Frage: Investieren wir in bestehende Gebiete oder versuchen wir möglichst schnell neue Flächen zu besetzen? Beides gleichzeitig geht meist nicht. Wer zu lange in die eigene Infrastruktur investiert, verliert wertvolles Terrain. Wer nur expandiert, produziert später oft zu wenige neue Bäume.
Das sorgt für viele interessante Entscheidungen und einen ständigen Blick auf die Pläne des Gegenübers. Besonders im Mittelspiel entwickelt sich oft ein regelrechter Wettlauf um Schlüsselpositionen am Rand des Spielplans.
Allerdings hat das System auch seine Schattenseiten, und damit sind nicht die Schatten der Bäume gemeint. Mit zunehmender Spieldauer wird das Brett ein wenig unübersichtlich. Immer wieder müssen Felder mit zwei, drei oder vier Bäumen gezählt werden, um den Ertrag korrekt zu bestimmen. Das funktioniert zwar, unterbricht aber regelmäßig den Spielfluss.
Hinzu kommt, dass einzelne Würfelwürfe durchaus spürbare Auswirkungen haben können. Zwar bietet Aspens genügend Entscheidungen, um nicht beliebig zu wirken, dennoch entstehen gelegentlich Situationen, in denen günstige Windrichtungen oder passende Sonnenwerte einen merklichen Vorteil verschaffen.

Die Erweiterungen
Neben dem Grundspiel sind drei Erweiterungen erhältlich, die das Grundspiel zum Teil deutlich verändern.
Wild Weather
Unsere Lieblings-Erweiterung: Hier kommen Wettereffekte ins Spiel, die einmalige Sonderaktionen ermöglichen. Tornados, Windböen oder Erdrutsche sorgen dafür, dass sich festgefahrene Situationen aufbrechen lassen. Das Spiel wird dadurch etwas chaotischer, gleichzeitig aber auch abwechslungsreicher. Aber: Ein Balancing ist hier nicht vorhanden. Wer bei der Auswahl der asynchronen Effekte vor Spielbeginn nicht aufpasst, kann ins Hintertreffen geraten.
Ancient Artifacts
Auf dem Spielplan erscheinen Relikte, die besondere Fähigkeiten freischalten. Dadurch entstehen zusätzliche Ziele und neue Möglichkeiten, Einfluss auf das Spielgeschehen zu nehmen.
Majestic Marvels
Dieses Modul verändert sogar die Siegbedingung. Statt ausschließlich auf die Gesamtmehrheit zu achten, konkurrieren beide Seiten um einzelne Regionen des Spielplans und deren Prestigepunkte.
Fragen und Antworten
Aspens ist ausschließlich für zwei Personen ausgelegt.
Die meisten Partien liegen bei etwa 30 Minuten.
Trotz des Naturthemas spielt sich Aspens erstaunlich direkt. Gebietskontrolle und Kaskaden sorgen regelmäßig dafür, dass beide Seiten um dieselben Bereiche kämpfe

Mein Fazit nach vielen Testrunden
Aspens hat uns positiv überrascht. Hinter dem hübschen Waldthema steckt ein überraschend direktes und stellenweise sogar ziemlich fieses Duellspiel. Die Regeln sind schnell erklärt, die Partien dauern selten länger als eine halbe Stunde und trotzdem entstehen interessante Entscheidungen.
Nicht alles überzeugt gleichermaßen. Das häufige Nachzählen von Baumstapeln wirkt unnötig umständlich, die Schlusswertung hätte eleganter ausfallen dürfen und der Einfluss der Würfel ist durchaus spürbar.
Trotzdem hat Aspens bei uns vor allem durch sein spannendes Gebietskontroll-System gepunktet. Wer ein entspanntes Naturspiel erwartet, sollte seine Erwartungen anpassen. Wer dagegen ein schnelles, interaktives Zweierspiel mit hübscher Optik und überraschend viel Konkurrenzkampf sucht, findet hier einen interessanten Kandidaten.
Pro & Contra
Was mir gut gefällt:
- Tolle Materialqualität und starke Tischpräsenz
- Schnell erklärt und flott gespielt
- Überraschend direkte Interaktion
Was ich weniger mag:
- Schlusswertung etwas mühsam
- Fehler werden oft sehr hart bestraft
- Grundspiel allein etwas repetitiv
Hinweis: Wertungen vergeben wir im Bereich 0 bis 4 Sternen. Spiele mit 0-1,5 Sternen sind sind schlecht, mit 2 bis 2,5 Sternen durchschnittlich. Ab 3 Sternen beginnen die empfehlenswerten Spiele. Nur außergewöhnliche Titel erhalten 4 Sterne („Four-Star Game“).
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