Lese-Ansicht

Linyo - Viele Wege - Ein Ziel

 

Bei Linyo handelt es sich um ein schnelles und leichtes Roll & Write aus der Feder der Autoren Florian und Steffen Benndorf (Qwixx, Sixto). Gespielt werden kann der Titel mit 2-6 Personen ab 8 Jahren. Etwa 15 Minuten sollte man für eine Partie einplanen und viel Zeit für die Regelerklärung braucht man nicht einrechnen. Diese sind wortwörtlich in wenigen Minuten erklärt. Man spürt deutlich, dass es sich um einen Benndorf-Titel handelt, denn es geht in eine ähnliche Richtung wie viele Titel, welche Steffen Benndorf bei NSV oder nun KENDi veröffentlich hat. Im Vergleich zu einem Qwixx ist Linyo jedoch ein noch etwas einfacherer Titel.

 

 

Ziel des Spieles ist es auf einem Spielzettel mit 7x11 Feldern am Spielende möglich viele Felder angeschlossen zu haben. Hierfür wählt man zu Spielbeginn vier Startfelder. Von diesen aus zeichnet man im Spielverlauf Strecken in angrenzende Felder hinein. Die Strecken dürfen sich nicht kreuzen und jedes Feld kann nur einmal angeschlossen werden. Alle Spielenden zeichnen dabei auf ihrem eigenen Spielzettel die gewünschte Strecke ein. Vorgegeben werden die Optionen dabei von einem Würfelwurf. Die 77 Felder des Spielzettels sind in drei unterschiedlichen Farben eingefärbt. Eben jene Farben finden sich auch auf den vier Würfeln des Spieles. Die Person am Zug wirft diese vier Würfel und bestimmt damit mit welchen Farben man eine Strecke verlängern kann. Dieser Wurf gilt für alle Mitspielenden. Es wird bei Linyo zwar auf identischen Spielzetteln gespielt. Durch die individuell gewählten Startpositionen, stehen alle Mitspielenden jedoch schnell vor unterschiedlichen Entscheidungen.

 


Beim Einzeichnen ist zu beachten, dass stets nur eine Strecke verlängert werden darf und Abzweigungen nicht erlaubt sind. Man kann bis zu vier der Würfel nutzen. Nutzt man jedoch keinen der Würfel, so muss man eine der eigenen Strecken abbrechen. Weiterhin muss man auch eine Strecke abbrechen, wenn man diese nur um ein Feld verlängert. Eine Extraverlängerung in ein beliebiges Feld ist möglich, sofern man das Einzeichnen auf einem Feld mit einem Stern beendet. Derer elf gibt es auf dem Spielzettel. Ein Ende findet das Spiel, wenn ein/e SpielerIn alle Strecken beenden musste. Sodann werden die nicht angeschlossenen Felder gezählt und miteinander verglichen. Es gewinnt die Person mit den wenigsten nicht angeschlossenen Feldern. Ein wenig schade finde ich, dass die Farbwahl meines Ermessens ein wenig ungünstig ist. Die mitgelieferten Bleistifte heben sich nicht wirklich gut von den Blau- und Grautönen des Spielzettels ab. Dies erschwert auch das Auszählen der noch offenen Felder. Zu Kulis o.ä. sollte man meiner Ansicht nach aber auch nicht greifen. Zu oft kommt man in die Situation korrigieren zu wollen.   

 


Das Spiel kommt mit zwei verschiedenfarbigen Spielzettelseiten. Auf diesen sind die Anordnungen der Farben jeweils unterschiedlich. So ist ein wenig Abwechslung gegeben. Weiterhin kann man den Schwierigskeitsgrad über die Abbruchregeln der Strecken leicht anpassen. Es ist hierbei auch möglich mit einem Handicap zu arbeiten, so dass stärkere SpielerInnen stets mehr Würfel nutzen müssen damit Linien nicht abgebrochen werden müssen. Linyo ist ein stark glücksabhängiges Spiel, bei dem die Kunst darin besteht so einzuzeichnen, dass man sich möglichst viele Optionen offen zu halten. Am Ende fallen die Würfel, wie sie eben fallen und das Spiel sieht nahezu keine Möglichkeit vor diese zu manipulieren. Einzig bei einem Viererpasch kann der oder die Würfelnde das Ergebnis fast frei einstellen. Dies geschieht aber freilich äußerst selten. Linyo ist ein leichtes Absackerspiel mit Kniffelkomplexität, welches man gut in der Bahn oder mal im Urlaub spielt. Meines Ermessens ist das Spielprinzip aber nicht interessant genug, dass es lange trägt. Schnell haben erfahrenere Runden den Dreh raus, wie man sehr wenig Felder offen lässt. Dann entscheiden nur noch Nuancen oder eben realistischer der Zufall über das Ergebnis. Dementsprechend würde ich Linyo nur als leichtes Familienspiel oder Absacker empfehlen. Persönlich würde ich zudem auch stets zu Qwixx greifen. Für Familien mit Kindern oder WenigspielerInnen ist Linyo aber durchaus eine Option.

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Linyo - Viele Wege - Ein Ziel

AutorInnen: Florian & Steffen Benndorf 

Erschienen bei KENDi

Für 2-6 Spieler*innen ab 8 Jahren.

Spieldauer etwa 15 Minuten



Sämtliche Bilder sind von uns selbst erstellt oder vom jeweiligen Pressematerial des Verlages (KENDi

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Cut It

 

 


An die Scheren, fertig, los: Wer dachte, er oder sie hätte schon alles gesehen, kann bei Cut It staunen. Wie ein Roll’n‘Write-Spiel mit Scheren statt Stiften funktioniert, kann hier in familientauglicher Verpackung getestet werden.

Cut It ist ein Roll‘n’Cut-Spiel von Günter Burkhardt und Elisabeth Burkhardt für 1-4 Spieler*innen und dauert circa 10-20 Minuten.

[Spielmaterial: Klassisch, nur eben mit Scheren]


So innovativ die Grundidee mitsamt der Scheren sein mag, so sehr schreit das restliche Design von Cut It nach seiner Zielgruppe: Familienspieler*innen sollen sich von der bunten Verpackung bestenfalls an liebgewonnene Klassiker wie Qwixx, Ganz schön Clever und co abgeholt fühlen. 

Da diese Entscheidung automatisch auch zu einer übersichtlichen Gestaltung geführt hat, gibt es daran gar nichts zu bestanden. In der Box warten also ein Block, vier Stifte, vier Würfel und vier Scheren auf euch. Es kann losgeschnibbelt werden!

[Spielablauf: Ungewöhnlich, aber klar]


Das Schöne: Die Redaktion hinter Cut It hat es geschafft, das Spiel trotz völlig ungewöhnlichem Mechanismus so eindeutig aufzumachen und in ein super Regelwerk zu packen, dass (fast) jede Familie schnell mit dem Spielen starten kann.

Dabei warten in Cut It zwei Phasen auf euch:

1.    Die Schneide-Phase
Hier schneidet ihr gleichzeitig eure Zettel in kleinere Häppchen. Dafür orientiert ihr euch an den vier Würfeln, die reihum je eine Person würfelt. Die vier Würfel stehen dabei für die vier Farben, die auf den Bögen zu sehen sind und geben an, wofür es bei diesem Schnitt Punkte gibt.

Zeigt der blaue Würfel eine 2, müsst ihr mindestens zwei blaue Felder abschneiden, um mindestens 2 Punkte zu erhalten – ein Fragezeichen heißt, es gibt so Punkte pro z.B. grünem Feld. Bei jedem Schnitt gibt es also eine andere Voraussetzung, die Punkte bringt.

Wichtig: Ihr müsst jede Runde mindestens einen Punkt erzielen, indem ihr je ein Feld abschneiden – und das mit maximal zwei Schnitten! Klingt erstmal recht stupide, ist aber in der Praxis doch ein ungewöhnliches Denken. Vor allem für Leute, die im Alltag nur selten mit Scheren hantieren.

Punkte gibt es darüber hinaus noch dafür, wenn ihr es in einer Runde schafft, mehr Punkte zu erzielen als in der vorigen – und für jeden Schnipsel, den ihr mit nur einem Schnitt abtrennt.

2.    Die Puzzle-Phase:
Sind einmal alle 10 Runden gespielt, geht es um die nächste Ebene: Jetzt möchtet ihr die abgeschnittenen Schnipsel wieder zusammensetzen – und das möglichst schnell. Während eine Sanduhr läuft, schnappt ihr euch dafür eure Schnipsel und fügt sie zusammen.

Allerdings kann ein Schnipsel nur mit dem nächsten verbunden werden, wenn ihr auch die Schnittstellen farblich passend aneinander anlegen könnt. Das bringt eine weitere Ebene in die Schnibbelei.

Wer am schnellsten in dieser Runde alle Schnipsel wieder zusammengesetzt hat, bekommt am meisten Punkte. Für jeden Schnipsel, der nicht angelegt werden konnte, gibt es Minuspunkte. Am Ende gewinnt die Person mit den meisten Punkten.

[Fazit: Ziemlich gut abgeschnitten]


Cut It schafft etwas ziemlich Ungewöhnliches: In der heutigen Brettspielwelt zu überraschen. Natürlich sind die Scheren das Gimmick das Spiels, das heraussticht, noch über den Mechanismus heraus. Aber es bleibt nicht bei einem Gag, sondern wird zu einem Spiel, das man auch durchaus gerne für zwischendurch auf den Tisch bringt.

Dabei sollte man das Ganze auch nicht zu ernst nehmen: Die zweite Phase hat einen recht hohen Frustfaktor, gerade weil die Schnipsel in der ersten Runde theoretisch alle gemerkt werden müssten, um Phase 2 wirklich einwandfrei überstehen zu können.

Solange sich aber keine Strategie-Expert:innen grün und blau ärgern möchten, kann man mit Cut It für einige Runden echt Spaß haben. Schön!

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Cut It von Günter und Elisabeth Burkhardt 
Erschienen bei Game Factory
Für 2-4 Spieler in 10-20 Minuten ab 10 Jahren
Boardgamegeek-Link

sämtliche Bilder sind von uns selbst erstellt oder vom jeweiligen Pressematerial des Verlages (hier Game Factory)

*es handelt sich um einen Affiliate-Link. Für Euch entstehen keine weiteren Kosten. Wir erhalten eine Provision.






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Mexiko in Spielen – flüssiges Gold

Schnell runterkippen, weil das Zeug nicht schmeckt – als Shot mit Salz und Zitrone oder Zimt und Orange. Wie schade, die Tequila-Kultur ist leider nur in durchsichtigen Flaschen mit Hut nach Deutschland gekommen. Dabei wird einem jede/r Mexikaner/in als erstes hier im Land sagen: Du musst den Tequila geniessen. Trink ihn pur, langsam und vorsichtig, nur je ein winziges Schlückchen!

Warum? Tequila ist eine lokale Variante des Mezcals – in Kurzform ist das hochprozentiger Schnaps, der aus verschiedenen Agaven-Arten gewonnen wird. Tequila durfte sich ursprünglich nur nennen, was aus dem gleichnamigen Ort im Bundesstaat Jalisco und ausschliesslich aus der blauen Agave hergestellt wird. Mittlerweile ist das Anbaugebiet erweitert worden. In Mexiko gibt es mehr als 100 verschiedene Produzenten mit einem x-fachen an unterschiedlichen Marken.

Wenig bekannt in Deutschland ist, dass der Tequila (ebenso wie der Mezcal aus anderen Landesteilen übrigens auch) eine ähnliche Aromenvielfalt abdeckt wie guter schottischer Whisky. Es lohnt sich mal ein Tasting zu machen und sich die Unterschiede erklären zu lassen: vom einfachen klaren (blanco/plata) über goldenen (oro/joven) und in Eichenholzfässern gelagerten (reposado) bis zum gut gereiften (añejo) sind die vier wesentlichen Produktions- und Qualitätsstufen.

Tequila ist nun – wie der Name unschwer erraten lässt – ein Spiel, das sich thematisch mit der Produktion und dem Verkauf des gleichnamigen Getränks beschäftigt. „Thematisch“ – das einschränkend vorne weg gesagt – soweit das in einem ziemlich klassischen und gut verzahnten Roll&Write möglich ist:

In diesem Spiel vom Rubén Hernández übernimmt man die Rolle von einem der vier Jimadores – das sind diejenigen, die von Hand die Agavenblätter abschneiden (jimar), um das Herz (piña) der Pflanze zu ernten, dass für die Destillation verwendet wird. Im Grundspiel haben alle vier Jimadores die gleichen Fähigkeiten. Für fortgeschrittene Spielende gibt es eine B-Seite, in der jeder unterschiedliche Fähigkeiten besitzt.

Alle spielen gleichzeitig. Der Spielzug unterteilt sich in zwei Phasen: In der ersten Phase kann jede/r Gebiete einzäunen, damit Ressourcen (Agaven, Arbeiter, Esel, Geld) erhalten und Gebäude wie eine Destille oder einen Laden bauen (in Form der klassischen unterschiedlichen Tetris-Teile).

In der zweiten Phase geht es dann auf den Markt und zum Verkauf des Tequilas. Auf dem Markt lassen sich Ressourcen tauschen, aber auch Siegpunkte gewinnen. Der Tequilaverkauf ist unten auf dem Bild zu sehen. Die vier unterschiedlichen Qualitätsstufen benötigen aufsteigend jeweils mehr Ressourcen und bringen zugleich mehr Punkte.

Das Beispiel zeigt sehr deutlich wie sehr das Thema aufgesetzt ist: Es braucht nicht mehr Reifezeit für guten Tequila, sondern mehr bzw. wertvollere Ressourcen und bestimmte Voraussetzungen an errichteten Gebäuden. Für den besten Tequila braucht es eine „Geschäft“ (blaues Fähnchen), das am schwierigsten zu bauen ist – spielmechanisch völlig in Ordnung, thematisch einigermassen sinnfrei.

Das zieht sich durch das ganze Spiel. Tequila bietet ein wirklich gutes Roll&Write-Spiel auf Kennerniveau. Ein im Kern thematisches Spiel sollte niemand erwarten.

Was mir gut an dem Spiel gefällt, sind die unterschiedlichen Spielmechanismen, die auf den beiden Spielplänen miteinander kombiniert werden: vor allem das geschickte Abgrenzen geschlossener Gebiete und das Puzzlen der der Gebäude mit Tetromino-Formen. Zunächst hat man gefühlt zu wenig Ressourcen und Aktionen. Beides wächst im Spiel so an, so dass zunehmend Kettenzüge möglich sind und höherwertiger Tequila produziert werden kann. Das vermittelt ein positives Spielgefühl, und auch solo macht es Spass, die Verzahnungen zu erkunden und auf Highscore-Jagd zu gehen. Angesichts der in der Anleitung genannten Werte sehe ich auch, wieviel Potential da noch drinsteckt und wie weit ich davon noch entfernt bin…

Das Gesagte deutet schon darauf hin: Das Spiel ist sehr solitär. Nur der Würfelwurf des Startspielers ist für alle zugleich relevant, danach beschäftigen sich alle Spielenden relativ lange mit der optimalen Umsetzung ihrer wenigen Aktionen, wobei in den ersten Partien immer wichtige Verzahnungen und Möglichkeiten übersehen werden. Das Spiel ist fordernd in der Menge der angebotenen Optionen. Wer das alles mag, findet ihr ein wirklich sehr gutes Spiel – und geniesst beim Knobeln neben vielleicht einen leckeren Tequila 😉

Das war der dritte Beitrag in der kleinen Reihe über Mexiko in Spielen. Im nächsten werfe ich – jahreszeitlich passend, die Vorbereitungen laufen und überall findet sich schon entsprechende Deko in der Stadt und geschmückte Häuser – einen Blick auf den mexikanischen „Día de los muertos“ in einigen Brett- und Kartenspielen.

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