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Ein unwahrscheinliches Finale bei Hitster Christmas

21. Dezember 2025 um 08:00

Der Zufall macht das Unwahrscheinliche möglich. Zumindest an diesem Spätherbstabend:

Wir sitzen zu viert bei Freunden auf der Terrasse. Eingemümmelt in dicken Jacken, Lebkuchen in Griffweite, Dampf steigt auf über den mit Glühwein gefüllten Tassen. Und wir spielen „Hitster“. Frauen gegen Männer. Das hat mittlerweile fast den Traditionsstatus von Weihnachten erreicht. Umso passender, dass wir erstmals die Songs der neuesten Erweiterung aus dem Smartphone dudeln lassen: „Hitster Christmas“. Gut 150 Weihnachtslieder aus den vergangenen rund 100 Jahren.

Manche davon habe ich noch nie gehört:

🎶 Wonderland, wonderland, shining stars, jingle bells …

Heidi Klum

Andere sind Wiederentdeckungen:

🎶 There’s something about Christmas time …

Bryan Adams

Oder Klassiker:

🎶 I’m dreaming of a white Christmas …

Bing Crosby

Und einige natürlich unvermeidlich:

🎶 All I want for Christmas is you, yeah

Mariah Carey

Häufigstes Intro: das Bimmeln von Glöckchen. So wie man es von Schlitten kennt, die von Rentieren gezogen werden. Wie etwas bei Frank Sinatras Version von „Jingle Bells“. Wie bei „Christmas in Hollis“ von Run DMC. Oder bei der „Petersburger Schlittenfahrt“ von James Last. Zudem begegnen uns zahlreiche Weltstars, die irgendwann einmal im Laufe ihrer Karriere Weihnachtssongs aufgenommen haben. Queen, Taylor Swift oder Whitney Houston. Deutschsprachige Sängerinnen und Sänger sind natürlich auch zu hören: etwa Helene Fischer, Reinhard Mey und Die Toten Hosen als Die Roten Rosen.

Hitster Christmas

Wie das ursprüngliche „Hitster“, holt auch „Hitster Christmas“ durch die Musik Erinnerungen zurück. Wobei Weihnachtslieder nun einmal vor allem an Weihnachten erinnern. Die Zeitreise in die eigene Vergangenheit ist dabei nicht so intensiv wie beim normalen „Hitster“, nicht so konkret mit Lebensabschnitten verbunden. Weil man Weihnachtslieder halt jedes Jahr hört, ist es gar nicht so einfach, die angespielten Songs chronologisch in die richtige Reihenfolge zu bringen. Und das ist ja gerade das Ziel bei „Hitster“ (Wer mehr zu den Regeln lesen möchte, findet Infos in der Hitster-Rezension).

Hitster Christmas und das eine Lied, das nicht fehlen darf

Zurück auf die Terrasse, zu Glühwein und Lebkuchen. Es steht mittlerweile 2:2. Wir sind mitten in der fünften Partie und der Kartenvorrat wird immer kleiner. Und kleiner. Neun Karten liegen bei uns schon in Reihe, es fehlt nur noch eine. Eine letzte Karte im Vorrat, alle anderen haben wir an diesem Abend schon gespielt. Wir sind dran. Es zaubert sich eine Grinsen in meine Gesicht – noch ehe wir den QR-Code scannen und das Lied anspielen. Ich bin mir sicher, was gleich zu hören ist. Es muss einfach so sein. Es kann ja wohl keine „Hitster Christmas“-Ausgabe sein, wenn der Weihnachtssong schlechthin fehlen sollte. Dass es die letzte Karte ist? Zufall eben. Ohne auch nur eine Note zu hören, sortiere ich die Karte ein und sage: „1984. ‚Last Christmas‘ von Wham.“ Dann ertönt:

✌🏻

Hitster Christmas | Jumbo | 2 bis 10 Personen | ab 16 Jahren | 30 Minuten | Meine Bewertung: ★★★★☆ (stark)

Sky Team

20. Dezember 2025 um 08:00

Als Jugendlicher habe ich davon geträumt, Pilot zu werden. Im Zwei-Personen-Spiel „Sky Team“ gehört mir nun endlich ein Cockpit – und ich erfahre, wie wichtig es ist, mit dem Co-Piloten zu harmonieren.

Was wir bei „Sky Team“ zu tun haben

Wir sind im Landeanflug auf den Airport Montréal-Trudeau. Unser Jet ist auf einer Höhe von 6000 Fuß. Noch 20 Minuten bis zum Aufsetzen. Zeit, in der wichtige Aufgaben zu erledigen sind. Sieben Runden bleiben, um Fahrwerk und Landeklappen auszufahren. Um mit dem Tower zu kommunizieren, sodass andere Flugzeuge den Weg freimachen. Zugleich müssen wir Kurs halten und den Schub der Triebwerke steuern. Verlieren wir eine Anforderung aus dem Blick, müssen wir notlanden – und haben verloren.

Sky Team

Wie lösen wir Aufgaben? Indem wir abwechselnd Würfel einsetzen. Zu Beginn jeder Runde werfen Co-Pilot und ich je vier Würfel – verdeckt hinter einem Sichtschirm. Durften wir uns bis eben noch abstimmen, gilt ab nun Sprechverbot. Jeder bestimmt selbst, wo im Cockpit er einen Würfel platziert. Ich als Pilot muss etwa vorgegebene Zahlen haben, um nach und nach das Fahrwerk auszufahren. Ähnlich verfährt der Co-Pilot bei den Landeklappen.

Mal ist die Differenz wichtig, mal die Summe

Manche Funktionen können wir nur zu zweit aktivieren, ja müssen wir sogar. Der Co-Pilot legt eine 3 zum Seitenruder, ich habe dafür nur noch eine 5 übrig. Wegen der Differenz legen wir uns in eine deutliche Linkskurve. Kippen wir weiter ab – Notlandung. Beim Triebwerk indes kommt es auf die Summe an. Sind wir zu schnell, crashen wir womöglich in ein anderes Flugzeug. Sind wir zu langsam, erreichen wir den Flughafen nicht mehr. Hinzu kommt, dass die notwendige Aktivierung von Fahrwerk und Landeklappen fortan mehr Schub erfordert, um vorwärtszukommen.

Sky Team

Wie soll das klappen, wenn wir während der Einsetzphasen nicht sprechen dürfen? Wir müssen ein Team werden und mittels der Würfel kommunizieren. Habe ich nur hohe Werte, lege ich die 6 früh aufs Seitenruder. Dann hat mein Partner noch Optionen, zu reagieren. Oder wir helfen uns. Wird ein Würfel zur Kaffeetasse, darf ein anderer Würfel vorm Einsetzen manipuliert werden. Oder wir nutzen eine der wenigen Gelegenheiten, neu zu würfeln.

Wie es uns im Cockpit von „Sky Team“ ergeht

Wie auch immer: Die Abstimmung im Cockpit setzt uns unter Spannung. Wir bangen, kämpfen mit den Widrigkeiten der zufälligen Würfelergebnisse, gewinnen Zuversicht, improvisieren, behalten (hoffentlich) die wichtigen Instrumente im Blick. In manchen Runden schnurrt die Kooperation wie ein Uhrwerk, in anderen ist kühler Kopf und Mut zum Risiko nötig. Entsprechend schlagen die Gefühle aus wie ein Seitenruder: mal leicht, mal stark.

Sky Team

Ist die Landebahn in Sicht, müssen wir waagerecht in der Luft liegen, Fahrwerk und Landeklappen komplett ausgefahren sein, die Bremsen aktiviert, die Geschwindigkeit gedrosselt. Geschafft! Herzlich willkommen in Montréal! Doch die Landung in Kanada stellt lediglich die Einstiegsmission dar. Die Vielfalt, wie „Sky Team“ die Anflüge auf verschiedene Flughäfen simuliert, ist großartig. Mal Links-Rechts-Kurven, mal erhöhter Flugverkehr. Mal müssen wir auf den Kerosinverbrauch achten, mal den starken Wind ausgleichen. Und mitunter will nebenbei auch noch ein Praktikant ausgebildet werden.

Sky Team

Die Anforderungen ans Pilotenteam steigen, die Würfel müssen zunehmend effektiv platziert werden. Und das ist gut so, denn auch wir als Team stellen und immer besser aufeinander ein und suchen nach neuen Herausforderungen. Die schwierigsten Missionen sind dann sogar unter Zeitdruck zu meistern. Und doch bleibt der Kernmechanismus immer gleich. Faszinierend, welche Spieltiefe sich mit dem Einsatz von acht Würfeln ergibt. „Sky Team“ ist damit auf Höhenflug gegangen: Es ist das Spiel des Jahres 2024.

Sky Team | Kosmos, Scorpion Masqué | Luc Rémond | 2 Personen | ab 10 Jahren | 20 Minuten | Meine Bewertung: ★★★★☆ (stark)

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