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Fromage

Von: Andreas
16. Januar 2026 um 00:30

Fromage ist ein klassischer Euro mit einem ungewöhnlichen Kniff: Ein Worker-Placement, das sich über einen rotierenden Spielplan organisiert und damit das Timing der Aktionen ins Zentrum rückt. Man produziert Käse verschiedener Sorten, lässt ihn reifen und versucht, ihn in vier unterschiedlichen Bereichen möglichst punktträchtig zu platzieren. Das Thema wirkt zunächst charmant folkloristisch, aber der Kern ist klar mechanisch: Ressourcenmanagement, Planung und eine gute Portion Vorausschau.


Der zentrale Moment entsteht durch das Setzen und Zurückholen der eigenen Arbeiter. Wer in einem Quadranten aktiv wird, lässt seine Figur dort stehen – und bekommt sie erst zurück, wenn der gesamte Spielplan weitergedreht wird und der betreffende Bereich wieder vor dem eigenen Tableau liegt. Das bedeutet: Kurze Reifedauer liefert schnelle Zugriffsmöglichkeiten, längere Reifung bringt wertvollere Plättchen, blockiert aber die eigenen Arbeiter länger. Diese Verzögerung schafft einen angenehmen Spannungsbogen zwischen kurzfristigem Bedarf und langfristiger Punktekalkulation.


Die vier Bereiche, in denen der eigene Käse am Ende landet, verfolgen unterschiedliche Wertungslogiken. Man kämpft um Mehrheiten auf einer Landkarte, baut Muster im Bistro, legt Ketten im Festival-Bereich oder stapelt Regale in der Fromagerie. Nichts davon ist neu, aber die Kombination wirkt stimmig, weil man nicht alles gleichzeitig bedienen kann. Das Spiel fordert also eine klare Strategie – oder zumindest die Bereitschaft, situativ umzuschwenken, wenn der Rotationsrhythmus die eigenen Pläne durchkreuzt.


Spielerisch siedelt sich Fromage im mittleren Euro-Segment an. Der Einstieg ist unkompliziert, die eigentliche Tiefe entsteht durch Timing, Adaption und die richtige Einschätzung, wann man einen Arbeiter länger „bindet“. Interaktion entsteht vor allem über knappe Platzierungsfelder und die Konkurrenz um Wertungsräume. Material und Präsentation unterstützen das Thema solide, ohne groß auf Effekte zu setzen.

Unterm Strich fühlt sich Fromage angenehm frisch an, ohne die bekannte Euro-Komfortzone zu verlassen. Es ist kein Schwergewicht, aber eines der Spiele, bei denen man während der Partie stetig kleine Entscheidungen trifft und am Ende das Gefühl hat, ein richtiges Produktionssystem aufgebaut zu haben. Wer Worker-Placement mag und ein Spiel sucht, das über Timing statt über Komplexität funktioniert, findet hier eine sehr gelungene Mischung. Für Vielspieler mit Hang zum brillanten Optimieren bietet Fromage genug Raum, ohne überladen zu wirken. Für reine Gelegenheitsspieler dürfte das Rotationskonzept aber ein kurzes Eingewöhnen erfordern.

Für mich eine Empfehlung!
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Fromage von Matthew O´Malley und Ben Rosset
Erschienen bei Asmodee
Für 1 bis 4 Spieler in ca. 30 Minuten ab 14 Jahren

sämtliche Bilder sind von uns selbst erstellt oder vom jeweiligen Pressematerial des Verlages (hier Asmodee)
*es handelt sich um einen Affiliate Link. Für Euch entstehen dabei keine Kosten, wir erhalten jedoch eine kleine Provision

Shinjuku

Von: Andreas
02. Dezember 2025 um 00:30


Shinjuku – Kunden, Karten & Chaos im Tokyoter Nahverkehr

Stell dir vor, du bist mitten in Tokio, genauer gesagt in Shinjuku. Überfüllte Bahnhöfe, hektische Menschenmassen und ein Kundenstrom, der nur darauf wartet, in deine Läden gespült zu werden. Klingt nach Stress? Ist es – aber ein ziemlich unterhaltsamer!

In Shinjuku dreht sich alles um dein persönliches Schienennetz, clever platzierte Geschäfte und den Kampf um die lukrativsten Kunden. Jede Runde ziehst du Karten, die dir sagen, in welchem Bezirk du aktiv werden darfst. Mit diesen Karten eröffnest du neue Läden (Bücher, Kleidung, Elektronik und Co.), baust Gleise oder schnappst dir Kunden, die du quer durch die Stadt in deine Geschäfte leitest. Klingt simpel, hat aber diesen „Ach verdammt, hätte ich doch letzte Runde…!“-Faktor, der dich sofort wieder an den Tisch holt.

Der Clou liegt im Kartenmanagement: Du bist auf Bezirkskarten angewiesen, kannst aber durch Wildcards und clevere Upgrades ordentlich tricksen. Wenn du deine kleinen Shops zu mächtigen Warenhäusern aufwertest, wird’s erst richtig spaßig – nicht nur, weil du plötzlich alle Kunden bedienen kannst, sondern auch, weil diese Upgrades am Ende wie Joker zählen und dir wertvolle Sets sichern.



Dazu kommt das Netzwerkbauen: Dein Schienennetz ist dein Motor. Kunden bewegen sich entlang deiner Gleise – aber wehe, du nutzt fremde Strecken! Dann freut sich der Mitspieler über Gratisaktionen. So entsteht ein schönes Maß an Interaktion: Man gönnt sich nichts, aber man kommt auch nicht ohne den anderen aus.

Das Spiel bleibt dabei angenehm flott. Karten ziehen, zwei Aktionen, Kunden bewegen – fertig. Trotzdem steckt genug Tiefe drin, um dich ständig zwischen „Baue ich noch eine Strecke?“ und „Greife ich jetzt die Kunden ab?“ hin- und herzuzerren.

Fazit

Shinjuku ist kein Brainburner, aber ein cleveres, interaktives Spiel: kurzweilig, taktisch, mit genug Ärgerpotenzial, um am Tisch zu lachen und zu fluchen. Wer Zugnetze mag, aber keine Lust auf epische Wirtschaftskrimis à la Age of Steam hat, ist hier goldrichtig.

Pro: flott gespielt, hohe Interaktion, elegantes Kartenmanagement.
Contra: Thema ist sehr abstrakt, und wer kein Freund von Kartenglück ist, muss etwas schlucken (auch wenn Wildcards das gut abfedern).
Unterm Strich: Shinjuku ist wie Tokio selbst – wuselig, bunt und voller kleiner Tricks.

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Shinjuku von Gary Kacmarcik
Erschienen bei Heidelbär Games
Für 2 bis 4 Spieler in ca. 60 Minuten ab 10 Jahren

sämtliche Bilder sind von uns selbst erstellt oder vom jeweiligen Pressematerial des Verlages (hier Heidelbär Games)
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Spielboxcast Vol. 011: Triple Layer Boards für Generationen

29. Mai 2024 um 12:24
Interviews mit Ralf zur Linde und Petra Fuchs. Spielebesprechung Captain Flip (PlayPunk/Asmodee)

Wer gewann 1964 bei den Olympischen Spielen in Tokio die Goldmedaille in der Disziplin Finn-Dinghy? a) Rolf Schafstall – b) Charly Gaul – c) Willi Kuhweide oder d) Bartholomäus Ziegenbalg? Diese und andere Fragen klären Manuel Fritsch und Andreas Becker in Folge 11 des spielboxcasts mit Ralf zur Linde, der mit Schätz it – if you can ein Quizspiel erfunden hat, bei dem es nicht primär um Wissen geht. Und deswegen lässt es sich wahrscheinlich auch generationenübergreifend gut spielen. Was ein perfektes Stichwort ist: Mit Petra Fuchs sprechen die beiden über das Siegel „Generationenspiel“, also Titel, die Jung und Alt bestens miteinander spielen können. In diese Kategorie dürfte auch das Spiel der Sendung: Captain Flip von Remo Conzadori und Paolo Mori fallen, das Herr Fritsch sehr schätzt. Für Herrn Becker ist es eher Captain Flop. Und sonst? Die Award-Saison nähert sich ihrem Höhepunkt im Juli in Berlin, derweil lässt sich trefflich spekulieren, ob die Golden Geek Awards und die Auszeichnung Mensa Select bereits Vorboten für den Spiele-Oscar sind. Zu guter Letzt blättern die Hosts noch durch spielbox-Ausgabe #3/94 und schauen, was vor 30 Jahren die ganzen heißen Szenethemen waren.

Shownotes

Ein Erklärvideo zu Schätz it – if you can findet sich hier: https://www.moses-verlag.de/Schaetz-it-if-you-can-Quizspiel/090152

Wer tiefer eintauchen möchte ins Thema generationenübergreifend spielen, der findet hier jede Menge Lesestoff: https://www.jungundaltspielt.de/generationenspiel-siegel/

Hintergründiges über die Entsteheungsgeschichte von Play Punk, dem Verlag von Captaion Flip: https://boardgamewire.com/index.php/2023/07/19/i-began-to-be-a-little-bored-by-designing-games-why-launching-a-board-game-publishing-house-has-renewed-7-wonders-creator-antoine-bauzas-spark/ [Englisch]

Die Gewinner des 18. Golden Geek Awards: https://boardgamegeek.com/thread/3300892/18th-annual-golden-geek-winners-for-2023 [Englisch]

Die Sieger von Mensa Select: https://www.mensamindgames.com/about/winning-games/

Und wer spielbox lesen möchte, kauft sich an diesem Online-Kiosk das neue Heft: https://www.nostheide.shop/de/

Musik: Jazzi Reloaded by Frank Schroeter Link: https://filmmusic.io/song/7633-jazzi-reloaded Lizenz: https://filmmusic.io/standard-license

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spielboxcast Vol. 005: Das hölzerne Podcastläum

13. November 2023 um 15:30
Interviews mit Michael Menzel und Uwe Bursik (Skellig Games). Spiele Mischwald, Drachenhüter & Trekking - Reise durch die Zeit

In Folge #5 des Podcasts zur spielbox gibt es wieder einen bunten Themenmix. Die Hosts Manuel Fritsch und Andreas Becker haben sich in Morschen mit Illustrator und Autor Michael Menzel unterhalten, nicht nur über sein neues Spiel Drachenhüter, sondern auch über Künstliche Intelligenz und Nominierungen zum Spiel des Jahres. Zweiter Interviewpartner der Sendung ist Uwe Bursik, Kopf des jungen Verlages Skellig Games, der zuletzt auf der Spielemesse in Essen mit reichlich Standfläche auf sich aufmerksam machte, aber natürlich vor allem mit seinem Portfolio die Herzen vieler Spieler schneller schlagen lässt. Selbstverständlich spielen auch Spiele eine Rolle: Fritsch und Becker haben unter anderem MISCHWALD erkundet und in TREKKING eine Zeitreise unternommen. Zu guter Letzt schauen sie, was vor 30 Jahren so in der Szene los war.

Musik: Jazzi Reloaded by Frank Schroeter Link: https://filmmusic.io/song/7633-jazzi-reloaded Lizenz: https://filmmusic.io/standard-license

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