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Wildwuchs

10. April 2026 um 16:00

Kosmos, 2025
Autor:innen: Kasper Lapp
2-5 Spieler:innen, ab 10 Jahre, 30 Minuten

Ihr nehmt euch eine Blume, setzt einen Samen ein und auf einmal wächst nicht nur eure Wiese, sondern auch die der anderen mit. Genau dieses gemeinsame Aufblühen macht „Wildwuchs“ sofort greifbar. Das Thema ist eine bunte Wildblumenwiese, die im Lauf der Partie tatsächlich vor euch entsteht, weil fertige Blumen in kleine 3D-Aufsteller gesteckt werden. Statt abstrakter Punktejagd schaut ihr am Ende auf ein Beet, das sichtbar voller, höher und farbiger geworden ist. Autor Kasper Lapp und Illustrator Fachri Maulana verbinden ein zugängliches Naturthema mit einem sehr einladenden Look. Dazu kommen echte Pflanzenarten und passende Insektenmotive, was dem Ganzen mehr Charakter gibt als ein bloß dekoratives Blumenmotiv. Für ein Familienspiel ist das überraschend einprägsam.

Im Kern ist dieses Spiel angenehm klar. In eurem Zug nehmt ihr eine ausliegende Blume und legt sie vor euch ab. Entscheidend ist dann nicht die gezogene Blume selbst, sondern das frei gewordene Farbfeld auf dem Plan. Diese Farbe löst Wachstum bei allen aus, die entsprechende Blumen besitzen. Danach kommen die Effekte ins Spiel. Bienen beschleunigen einzelne Blumen, Ameisen bündeln Wachstum auf einer Pflanze, Schmetterlinge helfen den höchsten, Raupen den niedrigsten Blumen und andere Symbole sorgen für Zusatzblumen oder kleine Kettenreaktionen. Das Schöne daran ist, dass fast immer etwas passiert und ihr ständig mitdenkt, auch wenn jemand anderes am Zug ist. Die Regelseite bleibt überschaubar, aber in der Partie entstehen überraschend viele kleine Abwägungen. Nehmt ihr jetzt die Farbe, die euch sofort hilft, oder öffnet ihr damit einer anderen Person eine noch bessere Vorlage?

Was bei „Wildwuchs“ besonders überzeugt, ist der Spielfluss. Die Wartezeit bleibt niedrig, weil alle am Wachstum beteiligt sind und die Züge schnell bleiben. Das Spiel ist damit klar im Bereich Familienspiel, mit genug taktischer Würze für erfahrene Runden, aber ohne die Hürde eines schweren Kennerspiels. Die Spannung entsteht weniger aus großer Konfrontation als aus wachen Blicken auf die Auslage und aus dem richtigen Moment für kleine Kombos. Wer sehr direkte Gemeinheiten, maximale Planungskontrolle oder lange Grübelzüge sucht, wird hier eher nicht fündig. Manches hängt vom Nachziehen und von der aktuellen Auslage ab und genau darin liegt auch eine kleine Reibung.
Für strategische Perfektionist:innen kann das bisweilen zu locker sein. Beim Material hinterlässt „Wildwuchs“ einen starken Eindruck. Die Blumenformen sind auffällig, die Farben freundlich, die Symbolik nach kurzer Eingewöhnung gut lesbar und die 3D-Wiesen geben dem Tisch echte Präsenz. Holzsteine für Samen und Insekten passen haptisch gut zum Thema. Dass die Blumen und Aufsteller aus Pappe bestehen, ist völlig üblich, nur bei häufigem Spielen mit jüngeren Händen dürfte man ein wenig auf Knicke achten. Insgesamt wirkt das aber liebevoll produziert und erfreulich charaktervoll. Wenn ihr kurze, interaktive Aufbauspiele mit schöner Tischwirkung mögt, werdet ihr hier viel Freude haben. Für Gruppen, die entspanntes Tüfteln mit ständiger Beteiligung suchen, ist dieses Spiel besonders geeignet.

Im Rampenlicht: Heckmeck am Bratwurmeck

10. April 2026 um 08:00

Heckmeck am Bratwurmeck | Reiner Knizia | 30 – 45 Minuten | 2 -6 Personen | ZOCH

Knusprig gebratene Würmer, würfelnde Hühner und eine ordentliche Portion Glück sorgen bei Heckmeck am Bratwurmeck direkt für gute Laune am Spieltisch. Die Spielenden würfeln reihum und müssen sich dabei immer wieder entscheiden, ob sie ein weiteres Risiko eingehen oder lieber mit ihrer aktuellen Ausbeute zufrieden sind, um sich eine der begehrten Bratwurm-Portionen zu sichern. Doch Vorsicht: Wer zu gierig wird und sich verzockt, geht leer aus und die Konkurrenz schläft nicht, sondern schnappt sich im Zweifel sogar bereits erbeutete Portionen wieder vom Teller. So entsteht ein kurzweiliges Spiel voller Schadenfreude, kleinen Triumphen und überraschenden Wendungen. Warum das Würfelspiel langfristig begeistern kann, schildern einige Mitglieder im aktuellen Rampenlicht.

 

 

 

Dafne (Bretter Late Then Never)

Dafne (Bretter Late Than Never)
Heckmeck bringt Würfelglück, Nervenkitzel und ein bisschen Schadenfreude auf den Tisch – man ist nie ganz sicher, und die anderen auch nicht, und genau das macht den Reiz aus.

Fabian (Bretter Late then Never)

Fabian (Bretter Late Than Never)
„Heckmeck“ ist ein cooles Wort, finde ich. „Bratwurmeck“ hingegen geradezu abstoßend. Dementsprechend skeptisch stand ich dem Spiel „Heckmeck am Bratwurmeck“ gegenüber, als ich es zum ersten Mal spielte. Die Bratwürmer habe ich aber bald schon ins Herz geschlossen, weil sie mir zahlreiche lustige Runden an Würfelspaß beschert haben. Toller Absacker, toll für große Runden und eine lustige, interaktive Zocker-Alternative zu Kniffel & Co.
Christoph - Brettspielbox

Christoph (Brettspielbox)

Christoph (Brettspielbox)
Ein Spiel, was nie in die Jahre gekommen ist. Einfache Regeln, schnell gespielt, kompakt im Transport und immer ein wenig Schadenfreude im Gepäck.

Daniel (Spielträumers)

Daniel (Spielträumers)
Eine klasse Push-your-luck-Würfelei. Knizia-typisch auf das Wesentliche reduziert – und der Kniff, dass man immer mindestens einen Wurm benötigt aber den höheren Punktzahlen nachjagt („Nur ein Wurm? Nee, den schmeiß ich noch mal weg!“) ist großartig. Besonders in der Minifassung in der roten Klick-Blechdose zu empfehlen – damit wird das Spiel auch restauranttauglich. Ewiger Klassiker, der immer in meinem Rucksack bzw. in meiner Jackentasche residiert.
Oliver Sack – Spielevater

Oliver (Spielevater)

Oli (Spielevater)
Heckmeck geht immer! Ein bewährter Aufwärmer, Absacker und Eisbrecher – Emotionen inklusive. Bei uns auch seit vielen Jahren ein unverzichtbarer Urlaubsbegleiter. Egal ob Kuba, Sri Lanka, Tunesien, Griechenland oder Capverde – unsere Würmer waren schon an vielen Stränden und manch eine Box blieb auch dort bei Einheimischen Spielefans und Freunden. Unvergessen auch die Heckmeck WMs in München.
Jürgen - Spielbar

Jürgen (Spielbar)

Jürgen (spielbar.com)
„Schau gefälligst auf Deine eigenen Würmchen und hör‘ auf, mir meine zu klauen …“ Heckmeck eignet sich bestens zum Lamentieren. Und das nochmal viel mehr, wenn die eigenen Würfel so gar nicht fallen wollen, wie gewünscht. Oder sie fallen, aber es fehlt ein Würmchen. Was ein Ärger. Und aus solchen einem ‚ärgern‘ kann manchmal ein wundervolles Spiel werden. Reiner Knizia ist hier seinerzeit wirklich etwas außergewöhnliches gelungen. So toll, dass das Spiel sogar ungefragt ‚raubkopiert‘ wurde. Und das zu Zeiten, als wir noch nicht über Brettspielkopien von Temu/AliExpress geschimpft haben. Tolles Ding und ein Evergreen meiner Sammlung.

 

Wenn Ihr Euch nun etwas intensiver mit Heckmeck am Bratwurmeck befassen wollt, dann schaut Euch doch mal die folgenden verlinkten Artikel an:

Brettspielbox (Christoph)

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