Normale Ansicht

THE SAME GAME – SAME SAME, BUT DIFFERENT

Vielleicht nicht der cleverste Titel für ein Spiel, schließlich ist THE SAME GAME schon anders als vergleichbare Assoziationsspiele. Das fängt schon beim Erklären an. Denn es ist nicht gerade einfach zu verstehen, was das Spiel fordert. Deswegen bringe ich meinen Mitspielenden das Konzept näher, indem ich sie anweise, folgendes zu tun: „Du bekommst eine Karte, auf der ein Gegenstand steht. Außerdem wird diesem Gegenstand eines der ausliegenden Attribute zugewiesen. Du musst dir nun ein Objekt überlegen, sodass beide Objekte in diesem Attribut übereinstimmen, aber anders zu allen anderen ausliegenden Eigenschaften ist. Beispiel: Du hast eine Armbrust und das Attribut Preis, also musst du etwas aufschreiben, dass ungefähr den gleichen Preis hat. “

Kooperativ versucht die Gruppe zu ermitteln, welches die verbindende Eigenschaft ist. Dazu werden nach und nach die vermeintlich unpassenden Attribute ausgeschlossen. Zu Armbrust wurde Bohrmaschine aufgeschrieben. Die Gruppe ist sich sicher, dass die „Häufigkeit weltweit“ unterschiedlich ist und öffnet den die Lösung verbergenden Becher. Ziel ist, möglichst alle falschen Eigenschaften auszuschließen, bis nur noch die richtige Zahl übrigbleibt.

THE SAME GAME regt zu kreativen Denkprozess an. Und zwar nicht nur bei der tippgebenden Person, sondern auch bei der Gruppe. Wie denkt mein Gegenüber über Staffeleien? Ist eine Armbrust wichtiger für den Menschheit als eine Bohrmaschine? Und wie sieht es beim Verwendungszweck aus – beides produziert Löcher in der Wand! Die daraus resultierenden herrlich absurden Diskussionen sind das Herzstück des Spiels.

Die Regeln sind nicht so intuitiv wie man meinen möchte. Es verlangt eine gewisse Abstraktionsfähigkeit, ein passendes Objekt zu finden. Dies führt erstaunlich oft dazu, dass die Menschen verbotene Dinge aufschreiben. Eine Miniaturkutsche zu notieren, wenn der ursprüngliche Begriff Kutsche war, raubt dem Spiel die Seele. Oder eben kein Objekt aufzuschreiben, sondern eine Person, die beide Dinge benutzen würde.
Weiterhin verliert das Spiel seinen Reiz, wenn die Objekte sehr eindeutig zuzuordnen sind: ein Kühlschrank und eine Klimaanlage verraten schon klar, dass es wohl um den gleichen Verwendungszweck geht. Da verkommt das Ausschlussverfahren.

Gut gelungen ist, dass Leerphasen optimiert werden. Während man bei CODENAMES zwischenrein ein anderes Spiel zocken könnte, weil jemand ewig überlegt, ist diese Phase hier geschickt vorverlagert. Alle werfen gleichzeitig ihre Gedankenmaschine an und danach gibt es quasi keine Wartezeit mehr.

Besonders schön sind die kurzen emotionalen Schockmomente, wenn der Becher das Geheimnis lüftet. Da wird es für Sekundenbruchteile ganz still am Tisch, nur um sich dann erleichtert zu bestätigen oder verwundert den bis dahin stillen Tippgeber fragend anzublicken. Reines Gimmick sind diese Becher wirklich nicht.
Grafisch wurde viel aufgefahren – manch einen schreckt das überladene Cover ab und lädt eher wenig zum Spielen ein.

THE SAME GAME verbindet geschickt kreative Prozesse mit absurden Diskussionen. Sind die Verbindungen jedoch zu eindeutig, dann kann das Spiel nicht zeigen, was es kann. Und man darf nicht unterschätzen, dass das Konzept oft schwierig zu verstehen ist. Nimmt man diese Hürde, wird man mit einem tollen Gruppenerlebnis belohnt. THE SAME GAME ist trotz seines Namens nicht wie jedes andere Spiel, sondern durchaus besonders!

 

Comet

29. Januar 2024 um 13:58
Die Welt nähert sich dem Ende. Ein riesiger Komet rast der Erde entgegen und droht, alles Leben zu vernichten. Und wenn wir uns das Cover von Comet (Peter Prinz / Funtails) anschauen, stürzt er unglücklicherweise auch direkt noch in einen ausbrechenden Vulkan. Was für ein Overkill. Aber glücklicherweise gibt es in fußläufig zu erreichender Entfernung eine kleine Höhle, die uns vor Druckwelle, Lava und Sauerstoffmangel gleichermaßen schützt. Unser Ziel ist also klar… rette, was zu retten ist.
 
 
 
 
 
 
 
Vom Schlüpfen…
In Comet starten alle Spielerinnen mit 5 Karten auf der Hand, die verschiedene Tiere zeigen. Dass dabei Dinosaurier einträchtig neben Säbelzahntiger und Dodo unterwegs sind, lässt zwar die Naturwissenschaftler unter uns verzweifeln, tut dem Spielspaß aber keinen Abbruch. Denn egal um welches Tier es sich handelt, alle wollen schnellstmöglich in die rettende Höhle. Und dieses Unterfangen starten wir, indem wir eine der Handkarten ausspielen und aus einem Ei schlüpfen lassen. Und ja, mir ist durchaus bewusst, dass Säugetiere eher selten aus Eiern schlüpfen. Dennoch platzieren wir einen unserer drei Marker auf dem Spielplan, die entsprechende Karte legen wir an unser Tableau. 
 
 
…über die ersten Schritte…
Das Schlüpfen ist eine von drei Aktionsmöglichkeiten, für die wir uns jede Runde entscheiden. Die zweite ist das Bewegen der Steine auf dem Spielplan. Dazu zeigen die Karten zumeist zwei Geländesymbole. Anstatt ein Tier schlüpfen zu lassen, können wir die Karte abwerfen und unsere Tiere auf passende, angrenzende Symbole auf dem Plan bewegen. Viel effektiver ist es aber, wenn wir dabei über benachbarte Spielsteine springen. Denn so müssen wir nur das Zielfeld bezahlen und können günstig große Strecken zurücklegen. Erreichen wir die rettende Höhle, wird der Spielstein wieder auf unser Tableau gelegt und wir können ihn erneut zum Schlüpfen verwenden. Das gerettete Tier aber wandert in unsere Auslage und belohnt uns mit Siegpunkten und besonderen Fähigkeiten. Von nun an verfügen wir über Joker-Bewegungen, können Karten der Mitspieler nutzen oder haben ein größeres Handkartenlimit.
 
…bis hin zur Rast.
Apropos Handkartenlimit. Früher oder später gehen uns die Karten aus oder wir können nichts mehr damit anfangen. Dann ist der Zeitpunkt für eine Rast gekommen. Anstelle des normalen Zuges wird auf 5 Karten aufgezogen, eine davon sogar ein goldenes (und damit punkteträchtigeres) Exemplar. Obendrein werden alle benutzen Tiere wieder spielbereit und deren Sonderfähigkeit erneut nutzbar gemacht. Über eine solche verfügt auch das Starttier, dass für einen leicht asymmetrischen Verlauf sorgt. Zudem bestimmt die Startkarte auch, für welche Karten am Ende, das bei Aufbrauchen des Kartenstapels eintritt, zusätzliche Punkte ausgeschüttet werden. 
 

 
 
Fazit
Was anfänglich recht einfach klingt entwickelt sich bei Comet schnell zu einem hochemotionalen Wettstreit. Die ersten Runden laufen dabei eher behäbig. Erste Eier werden ausgebrütet, hier und da wird mal ein gegnerischer Spielstein übersprungen oder ein eigenes Tier gerettet. Schnell wachsen aber unsere Möglichkeiten, unsere Tiere rasen durch Sonderfähigkeiten und Kettenzüge der Höhle entgegen. Der Spielverlauf nimmt auf diese Art wunderbar Fahrt auf, fast immer entsteht eine sehr befriedigende Engine. Zudem ist die Interaktion eine sehr positive. Man kann sich kaum gegenseitig behindern, versucht aber natürlich, das Überspringen der eigenen Spielsteine zu verhindern. Umso schöner, wenn der eigene Zug, mit Hilfe der Mitspielerinnen, über den halben Plan führt. 
 
Natürlich ist Comet aber immer noch ein Kartenspiel und unterliegt als solches einem gewissen Zufallsfaktor. Der Kartendurchsatz ist zwar recht hoch, dennoch kann es passieren, dass manche Karten einfach nicht kommen. Will ich etwa ein Set Echsen sammeln und die Dritte kommt einfach nicht, kann das schon frustrieren. Gerade die erste Partie kann generell etwas anstrengender sein. Die Vielzahl verschiedener Tiere bietet zwar reichlich Abwechslung, all die Möglichkeiten und Symbole müssen aber erst mal verinnerlicht werden. Etwas schwächer ist das Spiel zudem zu zweit. Das Überspringen der Mitspieler gelingt deutlich seltener, häufiger werden die eigenen Steine als Sprungbrett genutzt. Dadurch ist der Verlauf solitärer, der Aufbau der Engine aber nicht weniger spaßig. 
 
 

 

❌