Lese-Ansicht

Cozy Stickerville

Siegpunkte sammeln, Gegner besiegen, die Ziellinie zuerst erreichen… kurz: Gewinnen. Fast alle Spiele lassen sich schlussendlich auf dieses Ziel reduzieren, selbst kooperative Spiele sind nur selten eine Ausnahme. Aber es gibt sie. Jene Spiele, die das Spielen, das Erleben selbst in den Vordergrund stellen. Bei Cozy Stickerville (Corey Konieczka / Unexpected Games) wird nicht optimiert, nicht konkurriert und schon gar nicht gewonnen. Stattdessen klebt man Sticker, erlebt Geschichten und erfreut sich am Erblühen des gemeinsamen Dorfes. 
 
 
 
 
 
 
 
Ein leeres Dorf und ein Stapel Karten
Trotz des idyllischen Settings beginnt Cozy Stickerville direkt mit einem handfesten Skandal. Unser Vater ist mit unseren bisherigen Lebensleistungen nicht zufrieden, schmeißt uns raus und vermacht uns nur ein armseliges Stück Land mit viel Grünfläche, einem Fluss und ein paar Büschen: Den Spielplan. Zehn Jahre (Partien) haben wir nun Zeit, dort ein blühendes Dorf zu errichten. Dabei läuft jedes dieser Jahre nach dem gleichen Schema. Über mehrere Runden ziehen wir Ereigniskarten, die Situationen in unserem Dorf beschreiben. Von unerwarteten Besuchern über Katastrophen bis hin zu erfreulichen Wendungen ist hier alles vertreten. Häufig geht das Ereignis mit neuen Gebäuden, Einwohnern oder Dekoration einher. Hier kommen die Sticker ins Spiel, die auf den Plan geklebt werden und unsere anfängliche leere Landschaft vor unseren Augen erblühen lassen. Doch die Sticker beglücken nicht nur das Auge, sie bieten im Anschluss auch Optionen.
 
 
Alles blüht und gedeiht
Nach jeder Ereigniskarte dürfen wir eine Aktion ausführen. Von Anfang an sammeln wir Nahrung, fällen Holz, sprechen mit Einwohnern oder gehen den Geheimnissen verschiedener Orte nach. Fast immer geht dies mit dem Lesen eines Abschnittes im umfangreichen Storyheft und nicht selten mit weiteren Entscheidungen einher. Schnell merken wir, dass es unmöglich ist, alles zu entdecken. Das Dorf wächst rasant, Schwerpunkte müssen gesetzt werden. Minispiele und kleinere Rätsel heischen zusätzlich um Aufmerksamkeit. Dabei bedeutet jede Aktion, jedes gebaute Gebäude einen Verzicht an anderer Stelle. Und unser quengeliger Vater lässt es sich natürlich nicht nehmen, unsere Leistungen zu bewerten. Umso erfreulicher ist es, dass Cozy Stickerville einen zweiten Durchlauf ausdrücklich ermöglicht. Einfach den Plan wenden und ein neues, unbeflecktes Stück Natur entdecken. Und diesmal wird unser Dorf bestimmt noch beeindruckender.
 
Fazit
Cozy Stickerville ist ein ruhiges, entschleunigtes Spiel, das bewusst auf klassische Spielziele verzichtet. Es lebt von Atmosphäre, von Gesprächen und von dem Gefühl, gemeinsam etwas Bleibendes zu erschaffen. Die Einwohner wachsen einem schnell ans Herz, und nicht selten ertappt man sich dabei, größere Ziele zugunsten des Happy Ends einzelner Figuren zu vernachlässigen. In Cozy Stickerville muss man Freude daran haben, ohne Eile zu spielen und Entscheidungen unabhängig vom Ergebnis zu erleben. Wer sich ganz auf die Geschichte und die Entwicklung des Dorfes einlassen kann, der findet hier ein ganz besonderes Erlebnis.
 
Wer dagegen eine echte Herausforderung, Wettbewerb oder strategische Tiefe sucht, wird bei Cozy Stickerville nicht glücklich. Die Zahl der Entscheidungen ist begrenzt und nimmt gerade im zweiten Durchgang noch einmal deutlich ab, der entsprechend nicht viel mehr als ein Bonus ist. Auch die Geschichte selbst hakt hier und da. Je nach Reihenfolge, in der man die Events angeht, kann es durchaus kleinere Logikbrüche geben. All das ändert aber wenig am sehr positiven Gesamteindruck. Cozy Stickerville ist perfekt, um nach einem hektischen Tag gemütlich und in positiver Atmosphäre zu entspannen. Ein Spiel, das ich jedem nur wärmstens empfehlen kann.
 

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Formidabel!

Schon beim ersten Blick auf Formidabel! (Friedemann Friese / 2F) kann man regelrecht die Marktschreier hören. „Frische Tomaten, im Doppelpack billiger“. „Ein Stapel Gurken, besonders frisch und lecker“. Oder aber „Ein Schwein… kostet nur drei Tomaten… dafür dürft ihr aber Weizen in Schafe tauschen“. Häh? Ja, OK. Ganz so nach Marktschreier klingt das irgendwie dann doch nicht. Aber auch so geht es am Tisch häufig laut zu. Auch wenn eigentlich jeder für sich allein spielt.
 
 
 
 
 
 
 
Eine Aktion und ein paar Karten
Das Grundprinzip ist denkbar einfach: Es gewinnt, wer den eigenen Stapel an Handelskarten zuerst erfüllt hat. Jede Karte zeigt oben die Kosten, üblicherweise in Form von Feldfrüchten. Unten auf den Karten ist die Belohnung abgebildet. Feldfrüchte, neue Karten, Tauschaktionen und noch einiges mehr. Doch ich greife vor. Denn bevor wir die Karten nutzen, besuchen wir den zentralen Nachschubplan. Dort platzieren wir unseren Marker auf einem freien Feld und erhalten so einen kleinen Ertrag, etwa drei Weizen, zwei Gurken oder eine Karte. Erst jetzt erfüllen wir Handelskarten, maximal drei in einer Runde. Dabei können wir sowohl Karten auf unserer Hand nutzen, womit wir dem Spielsieg näherkommen. Oder wir greifen auf den zentralen Markt zurück, wo vielleicht interessante Tauschgeschäfte locken.
 
 
Münzen zur freien Entfaltung
Erfüllte Karten dienen nicht nur als erledigte Aufträge, sondern auch als Währung für Sonderaktionen. Auf diesem Weg lassen sich etwa zusätzliche Ressourcen erwerben, Karten ziehen oder besetzte Felder auf dem Nachschubplan nutzen. Was nicht nach viel klingt, bietet gerade die zusätzlichen Optionen, die mitunter beeindruckende Kettenzüge ermöglichen oder ansonsten verlorene Züge doch noch produktiv werden lassen. Denn schlussendlich kommt es auf die Geschwindigkeit und das optimale Nutzen der eigenen Möglichkeiten an.
 
Fazit
Einen Marker setzen, einige wenige Handkarten ausführen. Fertig. Sehr viel simpler kann ein Spielablauf fast nicht sein. Und dennoch überrascht Formidabel! mit seiner Vielfalt und Entscheidungsdichte. Das Management von Handkarten, Ressourcen und Aktionen verlangt ständiges Abwägen und wird auch nach vielen Partien nicht langweilig. In jedem Zug werden mögliche Wege zum Ziel abgewogen, Pläne erstellt und (nicht zuletzt aufgrund der Aktionen der Mitspielenden) wieder verworfen. Dazu das zumeist positive Spielgefühl. Stets kommen wir unserem Ziel näher, und sei es nur, weil wir eine weitere Ressource sammeln.
 
Allerdings kommt diese Vielfalt der Möglichkeiten nicht ohne einen Haken. Denn die vielen Symbole auf den Karten erfordern ein ständiges Nachschlagen. Selbst nach mehreren Partien wirken einige davon nicht immer intuitiv, dass es keine Spielerhilfen gibt, bremst den Spielfluss zusätzlich aus. So wird aus dem vermeintlich simplen Ablauf, insbesondere in der ersten Partie, ein ständiges Nachfragen. Gerade in Vollbesetzung kann sich eine Runde dann auch mal ziehen. Auch mit dem Glücksanteil muss man natürlich umgehen können. Tatsächlich ermöglicht gerade der Zufall bei den gezogenen Karten einen stets abwechslungsreichen Spielverlauf. Dennoch kann das Schicksal hier zuschlagen. Für mich bleibt ein Spiel, das trotz kleiner Stolpersteine gut zu unterhalten weiß. Wer bereit ist, sich durch den Symbolwald zu wühlen und dem Zufall nicht gleich den Marktplatz zu räumen, bekommt ein sehr unterhaltsames Tausch-Puzzle. 
 

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7 Wonders Dice

2011 wird 7 Wonders Kennerspiel des Jahres und entwickelt sich schnell zu einem modernen Klassiker. Fünf Jahre später gewinnt 7 Wonders Duel den DuAli und zeigt eindrucksvoll, wie gut sich das Grundprinzip auch auf zwei Personen zuschneiden lässt. Mit 7 Wonders Architects, das 2022 eine Empfehlung zum Spiel des Jahres erhält, setzt sich die Erfolgsgeschichte fort. Und nun? Nun versucht sich Antoine Bauza mit „7 Wonders Dice“ (Asmodee) an einer Umsetzung als Würfelspiel. 

 

 

 

Würfel statt Karten 
Der größte Unterschied zu den bekannten Vorgängern ist schnell erklärt: Karten gibt es keine mehr. Stattdessen landen Runde für Runde sechs Würfel im Forum, von denen wir einen wählen. Interaktion entsteht hier nicht, wir haben stets alle die volle Auswahl. Zumindest sofern wir diese bezahlen können. Denn je nach Position des Würfels entstehen Kosten. Gleiches gilt für die Verwendung auf unserem Tableau, auf dem die Ergebnisse eingezeichnet werden. Rohstoffe helfen, die Kosten niedrig zu halten. Und da diese, einmal erworben, dauerhaft zur Verfügung stehen, bestehen die ersten Runden üblicherweise aus dem Sammeln der entsprechenden Würfel. Erst im Anschluss rücken die farbigen Sechsseiter in den Fokus, die uns auf dem Markt, der Agora oder dem namensgebenden Weltwunder voranschreiten lassen. 
 
 
Jetzt wird es bunt
Je nach Würfelfarbe und Symbol markieren wir verschiedene Felder auf unseren Plan. Dabei bieten die roten Kasernen Punkte, indem unser Angriff mit der Verteidigung der Nachbarn verglichen wird. Am Markt können wir Geld oder Rohstoffe sammeln, die Akademie schaltet weitere Würfel und damit Spieloptionen frei. Zudem können wir unpassende Würfel stets zu Geld machen oder damit eine Stufe unseres Weltwunders voranschreiten. Neben kleinen Boni winken dabei überall Punkte, die über den Sieg entscheiden, sobald eine Spielerin drei der vier farbigen Bereiche abgeschlossen hat. 
 
Fazit 
7 Wonders Dice tritt in große Fußstapfen. Und ich kann direkt sagen: Aus meiner Sicht ist es der bislang schwächste Vertreter der Reihe. Dabei macht das Spiel Einiges richtig: Von Anfang an fühlt sich Vieles vertraut an. Ressourcen, Handel, Wissenschaft… der direkte Vergleich anhand militärischer Stärke… lila Gebäude, um zusätzlich zu punkten. Wer die Vorgänger kennt, fühlt sich sofort heimisch. Zudem ist der Spielablauf belohnend. Irgendwas kann ich eigentlich immer nutzen, gegenseitiges stören ist sowieso nicht möglich.
 
Genau das ist aber auch das Problem. Denn die Züge in 7 Wonders Dice fühlen sich überwiegend belanglos an. Im ersten Spieldrittel ist die Reihenfolge der gewählten Würfel und markierten Felder vielleicht noch relevant. Aber spätestens gegen Ende des Spiels ist der Ablauf nur noch monoton und enorm gleichförmig. Da das Spiel erst endet, wenn drei der vier Bereiche abgeschlossen sind, sind die Pläne gegen Ende sowieso weitestgehend gefüllt. Die sehr spärlichen Wettrennelemente oder die Möglichkeiten für Bonuspunkte über freischaltbare Würfel ändern daran wenig. In der ersten Partie werden vielleicht noch leicht unterschiedliche Wege zum Ziel gewählt, das ändert sich aber schnell. 7 Wonders Dice fehlt es schlicht an Konkurrenz, an Reibungspunkten oder Spannungselementen.  
 

 

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Castle Combo

Neun Charaktere? Was sollen wir den mit so wenig Personal anfangen? Das reicht ja noch nicht mal für eine Fußballmannschaft, geschweige denn, um ein ganzes Schloss am Laufen zu halten. Aber was solls. Wenn man uns Castle Combo (Grégory Grard, Mathieu Roussel / Kosmos) nur neun Edelleute und Tagelöhner zugesteht, dann müssen wir eben das Beste daraus machen. 
 
 
 
 
 
 
 
 
Die Qual der Wahl
Neun Charaktere, neun Entscheidungen, neun Runden Zeit. Castle Combo setzt auf Minimalismus. Entsprechend sind auch die Regeln erst mal gar nicht so kompliziert. Jede Runde kaufe ich eine Karte und lege sie in mein Raster, das am Ende aus dreimal drei Personen besteht. Welche Karte ich kaufen kann, bestimmt die Figur des Herolds. Steht er in der Schloss-Reihe, habe ich in erster Linie die Auswahl aus Adeligen, Gelehrten oder Gläubigen. Bei den Dorf-Karten sind eher Handwerker, Militär und Bauern zu finden, alles erkennbar an farbigen Wappen. Passt mir nichts davon so richtig, kann ich mit einem Schlüssel die Karten ersetzen oder die Reihe wechseln. Irgendjemand wird mir schon in den Kram (bzw. ins Raster) passen.
 
  
Das Personal und seine Eigenheiten 
Bis hierhin alles ganz simpel. Aber natürlich steckt die Herausforderung im Detail. Oder genauer: In den Personenkarten. Denn jede davon ist einzigartig, hat spezielle Funktionen oder Punktbedingungen. So reduziert die Steinhauerin in Zukunft die Kosten weiterer Dorf-Karten und bringt Punkte für Handwerker in der eigenen Spalte. Die Feldherrin dagegen liefert sofort einige Schlüssel und punktet für möglichst viele verschiedene Wappen. Dass die spannenden Karten entsprechend teuer sind, dürfte nicht überraschen. Wem das Geld ausgeht, darf eine Karte verdeckt auslegen und bekommt dafür eine kleine Entschädigung. Auf diese Art eine langersehnte Karte verschwinden zu sehen, rächt sich allerdings spätestens bei der Wertung.
 
Fazit 
Neun Entscheidungen klingt nicht mach viel. Aber tatsächlich sind diese alles andere als banal, die große Vielfalt an unterschiedlichen Charakteren macht sich schnell bemerkbar. Die ganzen Symbole wollen erst einmal verinnerlicht werden, wann welche Karte sinnvoll ist, ist selbst nach mehreren Partien nicht immer offensichtlich. Zumal wir mit dem leben müssen, was uns die Auslage bietet. Aber genau das macht auch den Reiz von Castle Combo aus. Denn das perfekte Vorgehen gibt es nicht. Stets hoffen wir auf eine passende Karte und beäugen die Mitspielenden skeptisch aus Angst, dass sie uns eine Wunschkarte vor der Nase wegschnappen. Jede aufgedeckte Karte, jeder genutzte Schlüssel ist ein kleiner Adrenalin-Schub. Auch das Haushalten mit dem eigenen Barvermögen ist alles andere als trivial, schließlich muss man sich eine lange ersehnte Karte am Ende auch leisten können. Dass das eigene Spiel dabei auch mal komplett schiefgehen kann, liegt in der Natur der Sache. Aufgrund der kurzen Spielzeit wirkt der Glücksanteil aber nicht störend. Vielmehr folgt direkt eine weitere Partie. Und diesmal sammle ich bestimmt die richtigen neun Leute für mein Schloss.
 

 

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Verso

Es gibt Spiele, die haben einfach einen kleinen, aber feinen Dreh. Verso (Alexis Allard & Joan Dufour / Strohmann Games) gehört genau in diese Kategorie. Eine Karte umdrehen und schon ändert sich nicht nur die eigene Auslage. Nein, auch die Pläne der Mitspielenden geraten schnell ins Wanken. 
 
 
 
 
 
 
 
 
Nur ein paar Karten
Ein Stapel aus Karten, jeweils mit einer von 3 unterschiedlichen Farben auf Vorder- und Rückseite,  Zahlenwerten von 1 bis 6 und Siegpunkten. Viel mehr braucht es nicht. Im eigenen Zug wandert die oberste Karte in die eigene Auslage. Bin ich mit der offenen Seite zufrieden, nutze ich diese. Oder aber ich wende die Karte und spiele damit auf Risiko. Gänzlich zufällig ist das Resultat allerdings nicht. Die Rückseite zeigt stets eine andere Farbe und eine benachbarte Zahl. Das ist insbesondere wichtig, weil ich keine 2 gleichen Karten in meiner Auslage haben darf. Ziehe ich eine Doppelte, wandert diese auf den Ablagestapel und der Zug ist verschwendet.
 
 
Zeit, an Punkte zu denken
Über Kurz oder Lang ist meine Auslage zu groß, passende Karten werden zunehmend unwahrscheinlicher. Zeit also, an Punkte zu denken. Anstatt eine weitere Karte zu ziehen, kann ich eine der farbigen Zahlenfolgen werten. Das bringt Punkte, allerdings muss ich zwei der genutzten Karten abwerfen. Da lange Reihen zudem mehr Punkte versprechen, ist an dieser Stelle das Timing entscheidend. Zumal das Werten einen weiteren Effekt hat. Denn meine Sitznachbarn müssen sofort ihre höchste Karte dieser Farbe umdrehen, was ihre Pläne gerne mal zerlegt. Und wem es gelingt, drei Reihen in drei Farben komplett auszufüllen, der bekommt ebenfalls ein paar Punkte. Ist der Nachziehstapel leer, zeigt sich, wer am cleversten gedreht, gesammelt und im richtigen Moment gepunktet hat.
 
Fazit
Verso ist eines dieser Spiele, bei denen die Regeln kaum Raum einnehmen, die Gedanken aber plötzlich um jede kleine Entscheidung kreisen. Das ständige Abwägen zwischen Sicherheit oder Risiko, das richtige Timing beim Werten und die Beobachtung der Mitspielenden erzeugen ein ruhige, aber dauerhafte Spannung. Dabei mischt sich Taktik immer wieder mit einer guten Portion Glück: Welche Karte gezogen wird, ob die Rückseite gerade passt, und ob eine Farbfolge entsteht, hängt wesentlich auch vom Zufall ab. Das kann durchaus zu Frustration am Tisch führen, wenn einfach gar nichts passen will.  Gleichzeitig macht genau dieser Zufall das Spiel aber auch lebendig und verhindert, dass es sich zu verkopft anfühlt. Gleiches gilt für die zwar überschaubare, aber alles andere als unbedeutende Interaktion. Frust und Schadenfreue liegen hier eng beieinander und schlussendlich hebt genau diese Mischung Verso aus der Masse ähnlicher Spiele hervor.
 

 

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Naishi

Kartenduelle für 2 Personen erfreuen sich aktuell einer großen Beliebtheit. Und der Verlag Board Game Circus hat daran sicher keinen kleinen Anteil. Allein in den vergangenen Monaten erschienen mit „Instinkt“, „WizardsCup“ und nun eben „Naishi“ (Mathieu Bieri, Alex Fortineau) drei Vertreter des Genres, von anderen Verlagen will ich da gar nicht erst anfangen. Insbesondere Letztgenanntes hat mir dabei in den vergangenen Wochen viel Spaß gemacht, weshalb ich das Duell am japanischen Kaiserhof hier vorstelle.

 
 
 
 
 
Du nach links vorne, du nach da rüber, das Tor dahin…
So ein Shogun ist gar nicht schwer zu verstehen. Eigentlich will er nur, dass seine Untergebenen das Beste aus den ihnen anvertrauten Provinzen herausholen. Dazu müssen die 10 Karten, aus mehr besteht unser Reich nicht, am Ende der Partie nur bestmöglich angeordnet sein. Burgmauern an den Rand, um die Verteidigung sicherzustellen. Ein paar Tore wären ganz nett, sonst staut es sich schnell während des Berufsverkehrs. Und große, zusammenhängende Reisfelder. Ach ja, wenn wir schon dabei sind, können wir auch noch eine Naishi im Zentrum und vielleicht einen oder zwei Mönche benachbart zu den Toren einplanen. Alles gar nicht so kompliziert…

Die seltsamen Wünsche des Shogun 
Bis zu diesem Punkt, kennen wir das Vorgehen aus vergleichbaren Spielen. Genau an der Stelle macht uns der Shogun nun aber einen Strich durch die Planung. Denn die 10 Karten, die unser Reich bilden, dürfen nur sporadisch anders angeordnet werden. Zu Spielbeginn liegen fünf Berge vor jedem Spielenden aus, dazu haben wir fünf weitere Karten (drei davon Berge) auf der Hand. Am Spielende werden diese Handkarten, ohne die Reihenfolge zu ändern, hinter die Auslage gelegt und dort gewertet. Und das ist noch nicht alles. Denn neue Karten bekommen wir über fünf zentrale Stapel und von dort wandern sie, ihr ahnt es schon, auf die identische Position in unserer Hand oder Auslage. Das lange ersehnte Reisfeld bringt uns also erst mal wenig, wenn es an der falschen Stelle auftaucht. 
 
 
Hilfreiche Berater 
Glücklicherweise hat uns der Shogun zwei Berater zu Seite gestellt. Diese können wir einsetzen, um die Position zweier Karten zu vertauschen. Der Nachteil: Sind beide Berater verbraucht, müssen wir eine komplette Runde aufwenden, um diese zurückzuholen. Eine Runde mag zwar nicht nach viel klingen, da Naishi aber zumeist nach nicht viel mehr als zehn Runden enden kann, können verlorene Züge wirklich schmerzen. Denn am Ende fehlt fast immer noch dieser eine Zug, um das Reisfeld zu vervollständigen, das Banner über den Reiter zu legen, den Bogenschützen… 
 
Fazit 
Naishi erinnerte mich in den ersten Partien stark an „Vergessene Reiche“, was ein großes Kompliment ist. Die Vielzahl der Möglichkeiten, das stetige Verbessern der Auslage und das Gefühl, dass nur noch ein klein wenig für eine Perfekte Runde fehlt, hat mich sofort begeistert. Dabei ist Naishi allerdings deutlich zugängiger, es gibt weit weniger verschiedene Karten und diese interagieren sehr klar miteinander. Nach einer Partie ist das Prinzip verstanden. Dazu kommt die Vorgabe, die Kartenreihenfolge nicht zu ändern. Das bietet ganz neue Herausforderungen, auf einmal sind eigentlich spannende Karten uninteressant oder nur mit viel Aufwand zu verwerten. Auch die Interaktion ist gelungen. So ziemlich alle Kartenarten sind knapp, dem Gegenüber eine davon wegzuschnappen und in der Folgerunde direkt wieder abzuwerfen kann durchaus zu fiesen Blicken führen. Diese Vielzahl von kleinen und spannenden Entscheidungen in einer so kurzen Spielzeit fesselt.  
 
Eine kleine Schwäche ist für mich, dass man doch recht schnell alles gesehen hat. 12 verschiedene Karten, die stets alle mit von der Partie sind, lässt die Entdeckerfreude nach einiger Zeit abkühlen. Hier hätte ich mir etwas mehr Abwechslung, etwa durch Austauschkarten, gewünscht. Aber das ist Jammern auf hohem Niveau.
 

 

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Wilmot`s Warehouse

Alte Lagerhäuser haben ja schon etwas Romantisches. Übereinandergestapelte Holzkisten anstelle von Real-Time-Bestandsverfolgung, Jahresvorräte an Schrauben, Einmachgläsern und Backfisch anstelle von On-Demand. Einfach alles irgendwo in die Ecke packen… wird sich schon irgendwie wiederfinden. Und genau da kommen wir ins Spiel. Denn der Eigentümer von Wilmot`s Warehouse (Ricky Haggett, Richard Hogg, David King / CMYK) hatte wohl ähnliche Gedanken. Nur, dass er für den anstrengenden Teil lieber auf Hilfe zurückgreift. Uns.

 

 

Am Samstag geht es rund
Eine arbeitsreiche Woche steht uns in Wilmot`s Warehouse bevor, was nicht zuletzt an der etwas irritierenden Verkaufsstrategie des Besitzers liegt. Denn gehandelt wird hier nur samstags, dafür aber so ziemlich alles, was der Kunde sich nur wünschen kann. Lange schwarze Stäbe mit einem roten Punkt an der Spitze? Kein Problem. Ein weißer Kreis mit 4 Strichen darüber? Drei Ovale mit farbigen Rauten darin? Haben wir alles. Jetzt wäre es nur hilfreich, wenn wir auch noch wüssten, wo wir das alles hin geräumt haben.
 

Stressige Arbeitsstage 
Zu Wochenbeginn sieht es noch so aus, als wäre das gar nicht so wild. Denn das Lagerhaus ist leer. An jedem Wochentag ziehen wir nun aber nacheinander 7 Plättchen, die allerlei verwirrende Bilder zeigen. Die gezogene Ware platzieren wir im Lagerhaus, natürlich verdeckt. Als Mitarbeiter sind wir angehalten, uns das Bild und die genaue Position zu merken. Wie wir das schaffen, ist uns überlassen. Allerdings haben sich Geschichten bewährt. Und damit das nicht zu einfach wird, ziehen wir regelmäßig Ideen-Karten, die mit besonderen Regeln aufwarten. So dreht sich plötzlich das Lagerhaus, wir sehen nur Teile der Karten oder die Kommunikation wird eingeschränkt. Glücklicherweise findet all das kooperativ statt, kleinere Gedächtnislücken können die Mitspielenden ausbügeln.
 
Der Kunde ist… nervig
Wenn das Lagerhaus gefüllt ist und der Verkauf startet, wird es hektisch. Denn nun bekommt jeder einen Stapel mit Kundenwünschen, die wir korrekt den verdeckten Waren zuordnen müssen. Allerdings kann selbst das größte Lagerhaus nicht alles fassen, weshalb viele der gewünschten Produkte gar nicht vorrätig sind. Das macht es deutlich schwieriger, insbesondere da sich einige der Bilder stark ähneln. Das knappe Zeitlimit führt ebenfalls nicht zu Entspannung und bestimmt, zusammen mit Fehlern, unsere finale Wertung. 
 
 
Fazit 
Einen Berg verschiedener Bildkarten merken und diese dann auch noch unter Zeitdruck den korrekten Waren zuordnen? Ich sehe große Teile aller Spielenden direkt das Weite suchen. Aber das wäre ein Fehler. Denn Wilmot`s Warehouse schafft es, auch Memory-Muffel und Hektik-Hasser zu begeistern. Schütteln zu Beginn alle noch den Kopf und verzweifeln ob der unlösbar erscheinenden Aufgabe, ist die Begeisterung nach der Partie umso größer. Es beeindruckt, wie viel wir uns tatsächlich merken können. Dazu tragen auch die absolut gelungenen Bilder bei, die viele Interpretationen erlauben. Ob Schloss, Tasse oder Halskette ist oft nur eine Frage des Blickwinkels. Den fantasievollen Geschichten sind dadurch kaum Grenzen gesetzt.

Auch der kooperative Ansatz weiß zu gefallen. Einerseits kommen eigene Wissenslücken weniger zum Tragen, Fehler sind selten die Schuld Einzelner. Dadurch steigt die Begeisterung über das gemeinsam erreichte. Andererseits fordert gerade die hektische Schlussphase auch jeden heraus, sofern man den Highscore im Blick hat. Wobei gerade das Zeitlimit für die Bestwertung doch etwas sehr knapp zu sein scheint. Zudem wirken die Ideen-Karten hier und da etwas uninspiriert und die Regeln sind nicht immer ganz klar. Trotz dieser kleinen Schwäche hat mich Wilmot`s Warehouse begeistert wie wenige Memory-Spiele zuvor. Allerdings nur für maximal 2 Partien in Folge… mehr bekommt mein Gehirn dann doch nicht sortiert.


 

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Kurz gefasst 2.25

Kooperative Spiele liegen im Trend. Gemeinsam die Welt retten, ein Flugzeug landen, eine wunderschöne Landschaft errichte. Das wohlige Gefühl, dass alle an einem Strang ziehen. Aber manchmal will man seinen Mitspielenden auch einfach nur mal zeigen, wo der Hammer hängt. Die gegnerischen Truppen dem Erdboden gleichmachen, Reichtümer stehlen oder einfach mal wieder gut Essen… den Mitspieler, versteht sich. Genau das bieten „Für die Krone“ (Reichtümer stehlen), „Kelp“ (Mitspieler fressen) und „Rumblebots“ (Einheiten schrotten).

 

 

Für die Krone (Maxime Rambourg / Repos)

Wir kennen das: Viele Adelshäuser aber nur ein Thron. Das muss geklärt werden. Am besten wählen wir einfach die Person zum neuen König, die die meisten Rubine besitzt. Genau hier wird es bei „Für die Krone“ aber spannend. Denn unser Vorrat an Rubinen ist anfänglich recht erquicklich, wird im Laufe des Spiels aber massiv abnehmen. Bleibt zu hoffen, dass er bei den Mitspielenden schneller schrumpft. Und dafür kaufen wir Karten, die in eine unserer persönlichen Hüllen gesteckt werden und dann in einen gemeinsamen Stapel wandern. Nach und nach wird dieser in jeder Runde abgearbeitet. Dabei wissen wir zwar, welche Karten wir selbst besitzen und damit aktivieren dürfen, wann diese erscheinen ist aber Zufall. Die Wahl der Karten ist dabei entscheidend. Rubine sammeln, den Geldvorrat für bessere Karten aufstocken oder die Mitspieler zu Zielen für den maskierten Dieb machen? 
 
Zu leiden haben bei Für die Krone alle. Zu lachen aber auch. Denn „Für die Krone“ ist gemein, ständig wird geflucht und andere Spielerinnen als viel besseres Ziel angepriesen. Dennoch sind die Aktionen selten so hinterhältig, dass sich wirklich jemand schlecht fühlt. Dabei passt auch die Spiellänge. Die Runden sind flott gespielt, selbst wer früh als Verlierer feststeht, kann sich schon mal auf die Revanche freuen. Dennoch muss man die negative Interaktion natürlich abkönnen. Wer nicht damit leben kann, dass die eigenen Reichtümer schrumpfen und die Mitspielenden daran eine diebische Freude haben, der ist hier falsch.

 

Kelp (Carl Robinson / Wonderbow)

Fressen. Ob Hai oder Oktopus, die oberste Devise in Kelp lautet, sich den Bauch vollzuschlagen. Entweder mit Futtersteinen (im Falle des Oktopusses) oder mit dem Oktopus selbst (im Falle des Hais). Hier geht es also gleich richtig zur Sache. Doch nicht nur darin unterscheiden sich die beiden Seiten des Duells. Schon auf dem Spielplan befinden sich 9 Oktopus-Steine, die (anfänglich) für den Hai verdeckt sind. Hinter einem befindet sich der Oktopus, das Ziel der Begierde. In seinem Zug bewegt sich der Hai mit der Strömung, entwickelt Fähigkeiten oder greift verdeckte Steine an. Immer vorausgesetzt, wir haben dafür die passende Würfelfarbe und einen ausreichend hohen Wert, weshalb wir den Würfelbeuten nach unseren Vorstellungen anpassen. Der Oktopus dagegen manipuliert die Steine auf dem Spielbrett, stellt mit diesen Fallen und versucht unentdeckt zu bleiben. Dafür müssen allerdings immer wieder Steine offengelegt und Informationen geteilt werden. Wenn er alle Futtersteine frisst oder bis zum Ende überlebt, geht er als Sieger aus diesem Duell hervor. 
 
Kelp ist eine Herausforderung. Und das im positiven wie im negativen Sinne. Denn die unterschiedlichen Vorgehensweisen beider Parteien machen den Einstieg wirklich schwer. Es benötigt mehrere Partien mit beiden Seiten, um die Möglichkeiten verinnerlicht zu haben. Doch dann entsteht ein packendes Mind-Game. Bei ähnlich starken Spielenden nimmt Kelp Runde für Runde Fahrt auf, immer wieder kommt es zu kleinen, aber kniffligen Entscheidungen und die Nerven liegen blank. Wenn der Hai den möglicherweise entscheidenden Würfel würfelt oder eine Konfrontationskarte zieht, dann ist die Spannung mit Händen zu greifen. In solchen Momenten verzeihe ich dann auch den durchaus vorhandenen Glücksfaktor gerne.

 

Rumblebots (Michele Piccolini / dv Games)

Roboter lösen die Apokalypse aus, versklaven die Menschheit und klauen unsere letzten Süßigkeiten. Wie es in den kommenden Jahren weitergeht, scheint klar. Dabei ist die Lösung so einfach. Wir lassen die Roboter einfach gegeneinander kämpfen. Bis zum letzten Bot. Und Süßigkeiten gibt es auch keine. Dafür aber Schrott, mit dem wir neue Roboter für unser Kartendeck kaufen. Je nach Werkstattstufe sind die mal besser, mal schlechter und gehören verschiedenen Fraktionen an. Zwischen den Werkstattrunden kämpfen die mechanischen Kolosse weitestgehend automatisiert gegeneinander, indem wir stets eine Karte aufdecken und deren Stärke gegen die Verteidigung des Gegners schicken. Unsere Aufgabe ist es, das Deck möglichst schlagkräftig zusammenzustellen, passende Karten zu kaufen und auch Upgrades nicht aus dem Blick zu verlieren. Und wenn ein Roboter unseren Ansprüchen nicht mehr genügt, wird er einfach wieder zu Schrott. Und damit zur Grundlage für den nächsten Kauf. 
 
Ein Autobattler mit Einheiten verschiedener Fraktionen? Wo habe ich das schon mal gehört? Ja, den Ansatz kennt man von Challengers!. Allerdings hat Rumblebots durchaus eigene Ideen.  Etwa, dass zwischen dem Kauf neuer Einheiten und dem Aufwerten der eigenen Werkstatt (und damit Zugang zu bessern Karten) abgewogen werden muss. Oder dass Einheiten der gleichen Fraktion gemeinsam verteidigen, was eine Spezialisierung fördert. Auch der Kampf selbst läuft zwar weiter in Duellen ab, aber nach jedem besiegten Roboter wechselt reihum der Herausforderer. Dadurch entsteht zwar etwas mehr Leerlauf, dafür dürfen wir uns stets mit allen Mitspielenden duellieren. Was dabei allerdings stört, ist die Punktevergabe. Denn als Sieger einer Runde bekommt man so einige Boni, die den Abstand zu den schwächeren Kontrahenten immer weiter vergrößern. Auch wenn nur die letzte Runde für den Gesamtsieg zählt, geht die Stärke der Decks zu dieser Zeit oft schon massiv auseinander. Das haben wohl auch die Autoren bemerkt, weshalb das Spiel auch endet, wenn der Unterschied zu massiv ist. Keine gänzlich befriedigende Lösung.

 



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Sherlocks Spürnasen

221B Baker Street. Sherlock Holmes, John Watson, Inspector Lestrade. Namen, die fast jedem bekannt sein dürften. Aber was ist mit Toby? Mit Clay, Calabash oder gar Cherrywood? Die tierischen Helfer des weltberühmten Detektivs fristeten bislang ein Schattendasein. Das  ändert sich nun. Denn mit Sherlocks Spürnasen (Dave Neale & Clémentine Beauvais / Mirakulus) kommen die Kleinen ganz groß raus.
 
 
 
 
 
 
 
 

Die Tiere sind los
Das Spielprinzip von Sherlocks Spürnasen ist sicher nicht neu. Vor jedem der 6 Fälle (+ Intro) bekommen wir von Toby (Sherlocks Hund) einen Fall, der sich in oder nahe der Baker Street zugetragen hat. Sherlocks Mütze ist verschwunden, eine Maus wird vermisst oder unglücklich Verliebte brauchen Hilfe. Die Themen sind meist eher kindgerecht, können aber durchaus auch etwas düsterer werden. Wir ermitteln auf einem zentralen Spielplan, der mehrere Orte zeigt, die wir besuchen können. Wir? Das sind in diesem Fall unter anderem eine Maus und eine Vogelspinne, die über unterschiedliche Fähigkeiten verfügen. 
 
 
Benutze Maus mit Katze
Um in einem Fall zu ermitteln, besuchen wir einen der Orte auf dem Plan und lesen die entsprechende Karte. Zumeist bringt das schon einige Infos. Um aber wirklich voranzukommen, müssen wir die Karten kombinieren. Treffen wir etwa an einem Ort ein anderes Tier, kann Clay der Frosch diesem gut zureden, Calabash die Vogelspinne setzt eher auf Einschüchterung. Oder wir haben unterwegs Informationen oder einen nützlichen Gegenstand gefunden, denn wir mit dem neuen Ort kombinieren. Stellenweise gibt es auch kleinere Logikrätsel, die meiste Zeit klappern wir aber Orte ab, nutzen Fähigkeiten oder kombinieren Gegenstände. Stets haben wir nur begrenzt Zeit, wobei ein Wechsel von Tag zu Nacht auch neue Erkenntnisse und Möglichkeiten bringen kann. Generell ist das Spiel aber auch hier sehr verzeihend. Die Zeit geht eher selten aus. Und selbst wenn… dann machen wir einfach trotzdem weiter, bis das Rätsel gelöst ist.
 

Fazit
Der Spielverlauf von Sherlocks Spürnasen klingt recht klassisch und wenig innovativ. Und ehrlich gesagt ist er das auch nicht. Texte lesen, Dinge kombinieren, kleinere Rätsel lösen… das hat man alles schon gesehen. Zumal sich die Schwierigkeit hier eher an unerfahrene Spieler richtet, Krimi-Veteranen pflügen geradezu durch das Spiel. Aber das macht nichts. Denn Sherlocks Spürnasen wird nicht durch das Spielprinzip zu etwas Besonderem, sondern durch die packenden Geschichten, die durchweg liebevollen Charaktere und die fantastischen Texte. Selten sind mir Charaktere so ans Herz gewachsen wie die schroffe Calabash oder Rossetti, das hyperaktive Eichhörnchen. Wenn man bei einem Spiel unbedingt einen eigentlich irrelevanten Standort besuchen will, nur weil dort einer der Lieblingscharaktere wohnt, dann sagt das schon viel aus.
 
Obendrein greift das Spiel durchaus ernste Themen wie Rassismus auf, hält sich dabei aber mit dem erhobenen Zeigefinger angenehm zurück. Dennoch sind es die teilweise düsteren Themen, die das Spiel nicht für alle Kinder geeignet machen. Gleiches gilt für den großen Umfang an Text, der gelesen und verstanden werden muss. Andererseits muss Sherlocks Spürnasen auch nicht nur mit Kindern gespielt werden. Wir hatten in reinen Erwachsenenrunden sehr viel Spaß und werden die Umgebung in der Baker Street in Zukunft sicher genauer im Auge behalten. 
 

 

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Bomb Busters

Die Zeit tickt unaufhörlich, Schweiß rinnt über unser Gesicht, in den Augen unserer Mitstreiter ist pure Panik zu erkennen… Oder wäre sie zumindest, wenn die übergroßen Kulleraugen nicht viel zu niedlich schauen würden. Denn in Bomb Busters (Hisashi Hayashi / Pegasus Spiele) müssen wir zwar Bomben entschärfen, als comic-hafte Tiergestalten wirkt das Alles aber direkt viel weniger bedrohlich.
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Eine Vielzahl von Bomben
Trotz der niedlichen Grafik hat es Bomb Busters in sich. Denn offensichtlich gibt es hier nicht nur einen Bombenleger, sondern direkt ein ganzes Rudel. Das hat auch zur Folge, dass uns insgesamt 66 Missionen erwarten, natürlich mit steigendem Schwierigkeitsgrad. Aber beginnen wir von vorne. Oder besser, fast von vorne. Denn erst ab Mission 4 sind zumindest alle Grundregeln enthalten, alles davor gilt als Sicherheitstraining und dient eher dem Vermitteln der Regeln.
 
 
Ab Mission 4 wird es heiß
Um eine Bombe zu entschärfen, müssen Kabel mit den Werten von 1 bis 12 durchgeschnitten werden. Die Kabel liegen dabei jeweils in Form von Pappplättchen und in aufsteigender Folge auf den Tableaus der Spielerinnen. Die genauen Werte sind nur für den Besitzer sichtbar, was die Mitspielenden auf dem Tableau haben, können wir nur raten. Wobei… eigentlich nicht. Denn schon vorweg wird eine Zahl markiert, wir haben also erste Anhaltspunkte. Dazu kommt jede Zahl nur viermal vor, wir können also auch mit den Wahrscheinlichkeiten spielen. Und das müssen wir auch. Denn abwechselnd zeigen wir nun auf ein Plättchen und nennen hoffentlich die korrekte Zahl. Ziel dabei ist es, Paare mit unseren eigenen Plättchen zu bilden. Nur wenn ich selbst eine 6 habe, darf ich auch bei einem Mitspieler auf eine vermeintliche 6 zeigen. Ist die Ansage korrekt, werden beide Kabel aufgedeckt. Ein Fehler kostet ein Leben, bringt dafür aber einige Informationen. Denn einerseits benennt der Mitspieler das Plättchen, andererseits ist auch klar, dass die entsprechende Nummer auf meinem Tableau vorhanden ist.
 
Die Herausforderungen nehmen zu
Die ersten Missionen sind ein gelungener Einstieg, auf Dauer benötigen wir aber schon größere Herausforderungen. Welch Glück also, dass sich in der Schachtel mehrere Boxen mit zusätzlichem Material und neuen Regeln befinden. So bekommen wir besondere Ausrüstung, müssen Kabel in der richtigen Reihenfolge durchtrennen oder erhalten Anweisungen über das Smartphone. Für Abwechslung ist also gesorgt.
 
 
Fazit
Das grundlegende Prinzip von Bomb Busters ist sicherlich nicht neu. Zahlen anhand begrenzter Informationen und ohne Kommunikation zu entschlüsseln, konnten wir in den vergangenen Jahren an viele Stellen üben. Und doch schafft es Bomb Busters, ähnlichen Werken mindestens eine weitere Ebene hinzuzufügen. Denn während die ersten Missionen noch recht Simpel ausfallen und einen schnellen Einstieg ermöglichen, bietet die Kampagne langfristig Spaß. Hier will eigentlich niemand nach nur einer Partie aufhören. Viel zu schnell ist man im Ablauf gefangen, will die nächste Box öffnen und die neuen Ideen erkunden. Neue Ansätze sorgen für Abwechslung und variieren den Spielverlauf, ohne zu sehr am Grundprinzip zu kratzen. Dazu kommt, dass die Spielenden mit dem Spiel wachsen. Anfänglich steht das eigene fehlerfreie Spiel im Vordergrund, später wird mit den Tipps gezielt den Mitspielern geholfen. Und so können am Ende sogar Herausforderungen gemeistert werden, die anfänglich unmöglich gewirkt haben.
 
Wenn man unbedingt über etwas meckern will (und natürlich will ich das), dann bietet sich das Material an. Die Kabel sind etwas klein und verrutschen leicht, stellenweise wird es etwas unübersichtlich. Aber das ist schon Jammern auf hohem Niveau. Gleiches gilt für ein paar Missionen, die für meinen Geschmack etwas zu sehr vom Glück abhängig sind. Aber dass bei 66 Missionen nicht alle jeden Geschmack treffen, ist wohl kaum zu vermeiden. 
 

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Kurz gefasst 1.25

Tempus fugit… Die Zeit flieht. Nachdem gefühlt gerade erst die Spielemesse in Essen war, steht bald schon wieder die Spielwarenmesse in Nürnberg an. In größeren Maßstäben scheine ich kaum noch nachzukommen. Vielleicht also eher mal vorsichtig Anfangen und mein Zeitgefühl in kleinen Hektik-Spielen schulen. Möglicherweise helfen mir Fast Blast, Penguin Airlines und Quabbl dabei, im nächsten Jahr etwas früher an die Weihnachtsgeschenke zu denken.

 

 

 

Fast Blast (Peggy Brown / Schmidt)

 
Eine Karte liegt in der Mitte, wenn Zahl oder Farbe passen dürfen wir eine unserer Karten draufspielen. So klassisch, so bekannt. Und bislang auch sehr unhektisch. Das ändert sich aber jetzt. Denn bei fast Blast spielen wir nicht reihum, sondern alle gleichzeitig. Vier Karten unseres persönlichen Stapels liegen dazu offen vor uns, wandern schnellstmöglich in die Mitte und werden vom persönlichen Talon ergänzt. Wer diesen leerspielt, gewinnt. Und damit das nicht ganz so einfach ist, gibt es noch die kecken Schnecken. Sobald eine davon in der Mitte landet, wird reihum gezählt und wer die Nummer der Schnecke nennt, muss eine passende Karte spielen oder Karten nachziehen.
 
 
Spiele, in denen wir möglichst schnell unsere Karten loswerden wollen, gibt es reichlich. Und eigentlich sollte ich an dieser Stelle erwähnen, was Fast Blast anders macht. Eigentlich. Allerdings fällt mir beim besten Willen nichts ein. Das Spiel fühlt sich wie der X-te Abklatsch eines bekannten Konzepts an. Allenfalls die kecke Schnecke ist eine kleine Variante, die das Spiel allerdings eher ausbremst und für genervte Blicke sorgt. Klar, Fast Blast funktioniert so halbwegs und Fans des Genres werden möglicherweise ihren Spaß haben… aber das war es dann auch schon mit den guten Nachrichten. 
 

 

Penguin Airlines (Javier Martinez & Chuz / TOPP) 

 
Kooperativ ein Flugzeug landen? In einem Team aus genau zwei Personen? Wo habe ich so etwas nur schon mal gehört? Bei wem nun nichts klingelt, der sollte dringend mal HIER vorbeischauen. Für alle anderen: Penguin Airlines spielt sich deutlich anders als der aktuelle Spiel des Jahres-Sieger. Und das nicht nur, weil wir in die Haut von Pinguinen schlüpfen. Dabei sitzt der Pilot vor einer großen Auslage verwirrender Schalter, Hebel und Knöpfe… der Fluglotse andererseits zieht Karte um Karte mit Anweisungen, wie diese einzustellen, zu drücken oder zu drehen sind. Anweisungen werden nur verbal mitgeteilt, zeigen oder präzise Aussagen wie „das dritte Schaltpult von links“ sind verboten. Andererseits ist „Drücke den roten Knopf!“ nur begrenzt hilfreich, wenn es davon gleich ein Dutzend gibt. Geht die Zeit aus oder es wurden fünf Karten erfüllt, startet das nächste Paar den Durchgang. Oder ihr spielt gleich kooperativ und versucht, möglichst viele Punkte zu erreichen. 
 
Die Aufgabe von Penguin Airlines ist, gerade in den ersten Partien, durchaus interessant. Die Vielzahl an Knöpfen, Schaltern und Hebeln verwirrt, es benötigt einige Partien um sich aufeinander einzustellen. Gerade diese Partien sind auch am unterhaltsamsten und sorgen immer wieder für Lacher. Allerdings lässt dieses Gefühl schnell nach. Auch wenn eine kleine Erweiterung mit höherem Schwierigkeitsgrad direkt mitgeliefert wird, bietet diese doch kaum neue Ideen. Um langfristig Anreize zu bieten, fehlt es dieser Airline schlicht an Abwechslung.

 

Quabbl (Jacques Zeimet / Drei Magier) 

 
Eine Mischung aus Memory und Hektik! Panische Blicke am Tisch, die ersten Mitspieler schielen nach dem Notausgang, andere greifen zu Hochprozentigem. Ja, Quabbl kann schon vor dem ersten Zug zu Schweißausbrüchen führen. Aber warum nur? Es beginnt doch alles so harmlos, indem eine der 100 Karten offen in die Mitte gelegt wird. Stets zeigen diese entweder ein Bild (etwa einen Anker) oder das entsprechende Wort. Würde es dabei bleiben, wäre das aber doch recht langweilig. Also gesellen sich zu diesem paar ein weiteres Bild (in diesem Fall: Das Tattoo eines Ankers) sowie das rückwärts geschriebene Wort (also REKNA) hinzu. Liegen zwei dieser vier Karten in der Mitte, gilt es schnell zu sein. Denn wer zuerst auf die bereits ausliegende Karte haut, gewinnt das Paar und kommt dem Spielsieg etwas näher.
 
Zugegeben, einige Abschnitte über diesem habe ich darüber geklagt, dass Fast Blast sich sehr ähnlich zu bekannten Titeln spielt. Etwas, das man auch Quabbl vorwerfen kann. Will ich aber gar nicht, denn dazu macht das Spiel viel zu viel Spaß. Indem unterschiedliche Bilder verwendet werden, muss gerade in den ersten Partien immer mal wieder um die Ecke gedacht werden („DAS ist ein Pferd?“). Indem vier Karten und damit zwei Paare vorkommen, steigt die Verwirrung im Laufe einer Runde („Lag da nicht vorhin noch eine Brücke?“). Und auch die Geschickte Auswahl der Begriffe, führt zu einigen Lachern. Haus und Maus sehen sich in der Hektik einfach zu ähnlich… insbesondere rückwärts geschrieben. Jacques Zeimet hat es mit Quabbl erneut geschafft, einem sehr verbreiteten Genre, spannende neue Impulse zu verpassen. Eine Kritik muss allerdings sein. Denn die Altersangabe ab acht Jahren halte ich zumindest für sehr grenzwertig. Ein schnelles Lesen / Erkennen der Worte ist für konkurrenzfähiges Spielen unverzichtbar. Und das eben auch noch Rückwärts. Daran scheitert selbst manch Erwachsener.
 

 

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Dreamteam

Vor inzwischen fast 10 Jahren erschien Kneipenquiz und begeistert durch seinen kooperativen Ansatz und die kreativen wie unterhaltsamen Fragen Viel- wie Wenigspieler gleichermaßen. Es ist also sicher kein Zufall, dass die Neuheit des Göttinger Kleinverlages Noctis einige Parallelen zum Platzhirsch aufweist. Doch bei Dreamteam (Lukas Setzke, Martin Student & Verena Wiechens / Noctis Verlag) wissen auch die neuen Ideen durchaus zu gefallen.

 

 

Aller Ablauf ist ähnlich
Anders als bei Kneipenquiz können wir Dreamteam sowohl kooperativ als auch gegeneinander in Teams spielen. Der generelle Ablauf ist dabei aber vergleichbar. Stets spielen wir 5 Runden, in denen jeweils 5 Fragen beantwortet werden. Dabei reicht die Auswahl der Fragen von Allgemeinwissen über Multiple-Choice bis hin zu obskuren und sehr unterhaltsamen Absurditäten. Stets bekommen wir für dir richtige Antwort einen Punkt.

Kooperativ gegen den Fuchs 
Spielen wir gemeinsam, führt jede falsche Antwort dazu, dass unser Gegenspieler, der „schlaue Fuchs“, auf einer Zählleiste voranschreitet. Wie weit, das bestimmt ein vorher zusammengestalltes Kartendeck. In den leichten Schwierigkeitsgraden besteht dieses in erster Linie aus Nullen, Einsen und Zweien. Solange wir mehr Fragen richtig als falsch beantworten, steht dem Sieg also nichts im Wege. Mutige Gruppen können aber auch höhere Karten (bis hin zu Fünfen) einmischen, wodurch der Sieg deutlich anspruchsvoller wird. Unterwegs können wir zudem Joker freischalten, die uns extra Punkte, Hilfestellungen oder etwas Kontrolle über das Kartendeck des schlauen Fuchses geben.
 

Kompetitiv gegen die Mitspieler
Spielen wir Gegeneinander, beantworten alle Gruppen die gleichen Fragen, kontrollieren die Antworten und Punkten entsprechend. Das war es aber noch nicht. Denn auch hier gibt es Joker, bei denen es in erster Linie auf das Einschätzen der Mitspieler ankommt. So können wir Extrapunkte abstauben, wenn sonst niemand die Frage beantworten konnte. Oder wir kopieren ganz einfach die Antwort einer Gruppe, die allzu selbstsicher wirkt. So oder so endet das Spiel nach 25 Fragen.

Fazit 

Dreamteam macht Spaß. Das dürfte schon mal die wichtigste Aussage sein. Denn was bei Kneipenquiz funktioniert, dass kommt auch hier sehr gut an. Gerade die kooperative Variante überzeugt viele Spielenden. Anstatt bei Unwissenheit bloßgestellt zu werden, freut man sich hier, wenn die Mitstreiter mit obskurem Wissen um die Ecke kommen. Und wo eine Spielerinn ein geographisches Wunderkind ist, punkten andere damit, die Titelmelodie von Schloss Einstein auswendig zu können. Dabei ist die Auswahl der Fragen wirklich gelungen, auch wenn sie bezüglich des Unterhaltungswerts vielleicht nicht ganz mit Kneipenquiz mithalten kann. Leider schleichen sich aber immer wieder Rechtschreibfehler oder (deutlich nerviger) ungenaue Formulierungen ein. Bei manch einer Frage war die Antwort unklar, da schon die Frage nicht eindeutig formuliert war.

Andererseits kann die Punktewertung im kooperativen Spiel, gerade im Vergleich zu Kneipenquiz, wirklich überzeugen. Das System über aufgedeckte Karten ist einfacher und lenkt nicht vom eigentlichen Spiel ab. Auch die Joker sind eine clevere Idee. Wer weniger beantwortet, bekommt mehr Joker. Ein kleiner Ausgleich für schwächere oder glücklosere Runden. In der kompetitiven Version führen die Joker dagegen zu etwas Interaktion, die Punktewertung selbst ist eher funktional als spannend.

Gerade im gemeinsamen Spiel hat mich Dreamteam, trotz kleinerer Schwächen, durchaus überzeugt. Schade, dass der Block so dünn ist. Für die noch anstehenden Partien wird das sicher nicht ausreichen.


 

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The Gang

Mit Poker Geld zu verdienen ist sicherlich nicht die einfachste Berufswahl. Zumindest fallen mir direkt einige Erwerbsmöglichkeiten ein, die einfacher und vermutlich sogar risikoärmer sind. Einbrecher zum Beispiel. So ein großer Safe alle paar Jahre kann schon ausreichen, wenn man sich geschickt anstellt. Und genau da kommt „The Gang“ (John Cooper & Kory Heath / Kosmos) ins Spiel.

 

 

 

 

 

Texas Hold´Em 
Eigentlich ist so ein Einbruch eine simple Sache. 3 Tresor-Türen müssen wir öffnen, um uns mir den erhofften Reichtümern zur Ruhe zu setzen. Lösen wir allerdings vorher 3-mal den Alarm aus, sitzen wir auch… allerdings hinter schwedischen Gardinen. So viel zum Thema, das im weiteren Verlauf allerdings keine Rolle mehr spielt und auch nicht wirklich spürbar ist. Vielmehr spielen wir ab jetzt Poker. Oder genauer: Texas-Hold’em. Wem das nichts sagt: Jede Spielerin hat am Ende der Runde 2 Karten auf der Hand, 5 Gemeinschaftskarten liegen in der Mitte. Von diesen sieben Karten basteln wir unsere Stärkste Kombination aus 5 Karten. Allerdings steht ja schon auf der Schachtel, dass es sich um ein „kooperatives Pokerspiel“ handelt. Also fehlt da wohl noch etwas.
 

 A Chip and a chair

Anders als im klassischen Poker geht es uns bei „The Gang“ nicht darum, am meisten Geld anzuhäufen. Vielmehr wollen wir die Wertigkeit aller Pokerhände am Tisch korrekt sortieren, natürlich ohne direkt über diese zu sprechen. Dazu liegen Spielchips mit Sternen bei. Wer am Ende der Runde die schwächste Hand hat, sollte im besten Falle den Chip mit einem Stern vor sich liegen haben. Wer eine starke Hand hat, sollte zu einem hohen Chip greifen. Doch woran erkennen wir das? Nun, die ersten Chips werden bereits vergeben, wenn wir nur unsere beiden Handkarten haben. Nun greifen sich alle den Chip ihrer Wahl, gerne auch wenn dieser schon vor einer Mitspielerin liegt. Sind alle zufrieden, kommen die ersten 3 Gemeinschaftskarten und die nächsten Chips. So sammeln wir stetig mehr Informationen, bis schlussendlich alle Karten ausliegen und die finalen roten Chips verteilt werden, deren richtige Reihung über Sieg oder Niederlage entscheidet.

 

Mehr Herausforderungen
Bereits in der Basisvariante kann es bei „The Gang“ wild werden, wenn niemand den hohen Chip will, die Handkarten nahe beieinander liegen oder man schlicht keine Ahnung hat, was die Mitspieler so auf der Hand haben könnten. Wem das aber noch nicht ausreicht, der kann direkt zu den beiliegenden Challenge- und Spezialisten-Karten greifen. Je nachdem, ob wir die vorherige Runde gewonnen oder verloren haben, bekommen wir jetzt kleinere Hilfen oder weitere Steine in den Weg gelegt. Mit jeweils 10 Karten pro Bereich ist damit für zusätzliche Abwechslung auf unseren Raubzügen gesorgt.

 

Fazit 
„The Gang“ ist ein in vielerlei Hinsicht spezielles Spiel. Kaum eine Neuheit haben wir in den vergangenen Wochen so oft und mit so viel Begeisterung gespielt. Das deduktive Element beim Einschätzen der Mitspieler, die intensiven Momente beim Aufdecken der Karten und die Freude, wenn es allen Widrigkeiten zum Trotz mal wieder funktioniert hat. Es ist einfach faszinierend, wie aus einem hochkompetitiven Spiel ein kooperatives Werk wurde. Die Challenge- und Spezialisten-Karten sorgen zudem für Abwechslung und bieten auch die Möglichkeit, den Schwierigkeitsgrad anzupassen. Das kann insbesondere durch die Spielerzahl notwendig werden. Zu dritt ist „The Gang“ sehr einfach, zu sechst dagegen eine echte Herausforderung. Ich bevorzuge Partien zu viert oder fünft. Auch der Regelaufwand ist, für erfahrene Pokerspieler, denkbar gering.

Allerdings ist genau das auch schon das Problem. Denn wer keine Übung mit Poker hat, kommt nur mit viel Mühe ins Spiel. Die Regeln sind zwar nach wie vor überschaubar, das Einschätzen der eigenen Hand gestaltet sich, gerade in den ersten Partien, aber fast unmöglich. Zwar liegt eine Hilfekarte mit der Reihung der Hände (von High Card bis Royal Flush) bei, aber die macht die Sache eher noch schlimmer. Laut Karte gehört ein Drilling in den unteren Stärkebereich, in der Realität hat man damit aber fast immer eine der stärksten Hände. Wem da die Erfahrung fehlt, der stochert schlicht im Nebel. Gerade in gemischten Runden wird das noch schlimmer. Wer planlos vorgeht und damit das Erlebnis für die ganze Runde ruiniert, wird so schnell kein Pokerblatt mehr anfassen. Ob man sich durch diese Phase durchbeißen will oder nicht, ist sicherlich eine persönliche Entscheidung. Aus meiner Sicht lohnt es sich aber, denn „The Gang“ ist ein wirklich unterhaltsames und ungewöhnliches Spiel.


 

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Kurz gefasst 2.24

Würfel, die ewigen Gleichmacher. Sinnbild des Schicksals, beinerner Glücksbote und Unglückbringer zugleich. Seit tausenden von Jahren eine Quelle für Flüche und Stoßgebete, Jubelarien und tiefste Trauer. Ob wir all das auch bei Lucky, Spots und Pikit erleben? Zumindest müsst ihr nicht weiter meine philosophischen Ergüsse ertragen, wenn wir uns die drei Würfelspiel-Neuheiten näher anschauen.

 

 

 

 

Lucky (Drew Richards / Kosmos)

Gold, Silber, Edelsteine… Lucky bietet alles, was das Piratenherz begehrt. Und um es zu bekommen, müssen wir nur ein paar Sechsseiter werfen. Oder genauer: Ebenso viele Würfel, wie die gewünschte Schatzreihe enthält. Zeigt der Wurf nur Totenköpfe, wandert die Auslage zu uns. Nieten können wir dagegen mit passenden Beutekarten von unserer Hand erneut werfen. Da gerade einmal jede zweite Würfelseite einen Erfolg zeigt, ist das auch dringend erforderlich. Gleiches gilt für ein passende Handmanagement. Mit vielen Rubinen auf der Hand, lässt sich viel entspannter auf eine große Reihe würfeln. Am besten noch auf eine der Mitspielerin. Denn wie es sich für Piraten gehört, klauen wir am liebsten bei der Konkurrenz.

Lucky ist simpel, schnell gespielt und kann wirklich emotional werden. Kurz vor dem Ende die langen Reihen der Mitspieler zu mopsen, sorgt garantiert für reichlich Flüche auf der Gegenseite. Durch das Stehlen bei den Mitspielern können die Spielstände innerhalb einer Runde komplett kippen, es bleibt fast bis zum Ende spannend. Dennoch hält sich die Begeisterung in argen Grenzen. Um langfristig zu gefallen ist der Ablauf zu repetitiv und bietet wenig Mehrwert gegenüber ähnlichen Würfelspielen. Das eigene Schicksal hat man nur selten in der Hand, das Spiel mit den Wahrscheinlichkeiten bleibt belanglos.  

 

Pikit (Corentin Brand / Repos Production)

Zwei Würfel. Mehr braucht es nicht, um eines der monströsen Kaiju zu fangen. Denn wenn die gewürfelten Zahlen, deren Summe oder Differenz mit einer der acht ausliegenden Karten übereinstimmen, wandert diese auf unsere Hand und punktet damit am Spielende. Zumindest, sofern wir sie nicht als Sonderkarte ausspielen und uns damit Neuwürfe erkaufen oder bei der Mitspielerin Karten stehlen. Das ist besonders lukrativ, wenn diese vorab mit einem Pasch einen der punkteträchtigen Mechas auf die Hand genommen hat. Denn schließlich geht es auch den größten Monstern am Ende nur um Punkte.

Zwei Würfel werfen und dem Ergebnis entsprechend Karten auf die Hand nehmen. Viel mehr ist Pikit nicht. Klar, die Handkarten kann man auch für Effekte wieder ausspielen. Aber da Handkarten am Ende gleich Punkte sind, lohnt sich das auch nur bedingt. Interessanter wird es allenfalls, wenn mittels Pasch die ersten Mechas ins Spiel kommen und etwas gezielter versucht wird, diese von der Hand zu ziehen. Wirklich viel Spannung kommt aber auch dann nicht auf. Positiv ist dementsprechend allenfalls das Material hervorzuheben, das sogar einen Kartenhalter beinhaltet. Das war es dann aber auch schon.

 

Spots (Jon Perry, Alex Hague & Justin Vickers / Pegasus)

Schätze sammeln? Monster zähmen? Warum zu solch ausgefallenen Themen greifen, wenn wir die Würfel auch einfach als Hundeflecken nutzen können. Dabei zeigt jeder Hund in unserem Rudel bis zu drei leere Stellen auf seinem Fell, die mit passenden Würfelergebnissen gefüllt werden. Um das zu erreichen, müssen wir ihnen Tricks beibringen. Sechs davon liegen aus, abwechselnd wählen wir einen und nutzen die entsprechende Aktion. So werfen wir Würfel und platzieren die Ergebnisse auf den Hunden, holen neue Tiere in unser Rudel oder sammeln Leckerli für Neuwürfe. Und die benötigen wir dringen. Denn wenn wir einen Würfel nicht platzieren können, landet dieser im Garten und kann dort Unruhe auslösen. Alle Hunde, die wir noch nicht zum Spielen geschickt haben, schütteln ihre Flecken wieder ab. Und das gilt es unbedingt zu vermeiden, gewinnt doch, wer zuerst ein Rudel aus sechs Hunden erreicht.

Spots ist das komplexeste der drei vorgestellten Würfelspiele. Unerfahrene Spieler benötigen sicher einen Moment, um mit den nicht immer intuitiven Regeln zurechtzukommen. Zugleich kann das Spiel sehr unverzeihlich sein, einzelne Fehlwürfe können die Arbeit mehrere Runden zunichtemachen. Allerdings macht das auch den Reiz aus. Die richtigen Tricks zu wählen, auch mal etwas zu riskieren und dabei die Möglichkeiten der Mitspielerinnen im Blick zu behalten, kann entscheidender sein als pures Würfelglück. Zugleich gibt es eine Vielzahl von Tricks, was auch nach mehreren Partien noch für Abwechslung sorgt. Insgesamt damit zwar kein Highlight, aber ein ordentliches Spiel.


 

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Passt nicht!

Wer liebt es nicht… unmittelbar vor dem eigenen Zug ändert die Mitspielerin die Farbe des ausliegenden Kartenstapels und ebnet uns damit unwissend den Weg. Mit einem verschmitzten Grinsen wandert die letzte Karte von der eigenen Hand in die Mitte… passt. Über Jahrzehnte wurden ganze Generationen so erzogen… Gleiche Zahl oder gleiche Farbe? Passt. Und jetzt? Jetzt kommen Thomas Weber und Schmidt daher und behaupten einfach so das Gegenteil. Auf einmal lassen wir mit einem süffisanten Grinsen im Gesicht verlauten: „Passt nicht!“

 

 

 

Altbekanntes…

Wer in seinem Leben schon einmal Mau-Mau oder Uno gespielt hat, dürfte wenig Schwierigkeiten mit Passt nicht! haben. Denn hier wie da legen wir Handkarten mit gleicher Zahl oder Farbe auf den zentralen Stapel. Hat eine Spielerinn keine Karten mehr auf der Hand endet die Runde, nicht gespielte Karten bringen Minuspunkte entsprechend ihres Werts. Bis hierhin nichts Neues. 
 
 
… und etwas Neues
Spannend wird`s, wenn es (wer hätte das gedacht) nicht passt. Denn wenn die ausgespielte Karte weder in Farbe noch Zahl übereinstimmt, wandert diese in meine Auslage, wo sie mir am Ende der Runde Pluspunkte bringt. Klingt toll, hat aber leider zwei Haken. Denn einerseits muss ich sofort eine Karte nachziehen, was wiederum potenzielle Minuspunkte bedeutet und mich dem Rundenende keinen Schritt näherbringt. Andererseits darf ich nur dann eine Karte in meine Auslage legen, wenn neben der gespielten Karte auch meine Auslage nicht passt. Liegt dort etwa eine grüne Fünf und der zentrale Stapel ist grün, muss ich entweder eine Handkarte oder eben eine passende Karte aus meiner Auslage ablegen. Gerade letzteres will man natürlich um jeden Preis vermeiden, gehen so doch mühsam gesammelte Punkte verloren. 
 

Fazit

Genau hier entsteht der große Reiz von Passt nicht!, der das Spiel dann eben doch zu so viel mehr macht als vergleichbare Kartenspiele. Denn wo ähnliche Spiele überwiegend solitär sind, kommen die Mitspielerinnen bei Passt nicht! sehr schnell auf die Idee, die Auslage gezielt zu nutzen. Warum nicht eine gelbe Karte auf den zentralen Stapel legen, wenn der Spieler nach mir eine gelbe Fünf in der eigenen Auslage hat? Oder gleich mit der Jokerkarte eine Vier wünschen, wenn fast alle Mitspielenden eine solche vor sich liegen haben. Ebenso beliebt ist der Schutz der eigenen Auslage. Eine rote Fünf vor mir ist deutlich sicherer, wenn ich selbst noch rote Karten in der eigenen Hand halte. So entwickelt das eigentlich simple Spiel eine überraschende taktische Tiefe, ohne dass der Spielfluss und insbesondere der Spielspaß darunter leiden. Einzig gegen Ende sinken die Optionen spürbar. Denn die letzte Karte passt eben… oder auch nicht.
 

 

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Slay the Spire

Ein Spiel, das auf einem Videospiel basiert, das wiederum klar von Brettspielen inspiriert wurde. Klingt irgendwie immer noch seltsam, ist inzwischen aber gar nicht mehr so ungewöhnlich. Mit Dorfromantik wurde schließlich sogar ein entsprechendes Werk mit dem Preis „Spiel des Jahres“ ausgezeichnet. Auch Slay the Spire (Gary Dworetsky, Casey Yano, Anthony Giovannetti / Nice Game Publishing) geht den Umweg über PC und Konsole. Doch wo Dorfromantik eher klassische Familienspieler anspricht, richtet sich Slay the Spire mit seinem ausufernden Material und einer Spielzeit von mehren Stunden klar an erfahrene Spielerinnen.
 
 
 
 
 
Rogue-Like-Brettspiel
Wer das Videospiel kennt, fühlt sich beim Brettspiel sofort zu Hause. Für alle anderen: Bei Slay the Spire handelt es sich um ein kooperatives Rogue-like-Spiel. Wir wählen also einen Charakter, bekämpfen mit diesem Gegner, leveln, sammeln Ausrüstung, besiegen mächtigere Gegner… bis wir entweder den finalen Boss bezwingen oder unterwegs das Zeitliche segnen. In beiden Fällen beginnen wir im nächsten Anlauf wieder bei null, Legacy-Elemente oder eine Kampagne gibt es (fast) nicht.
 
 
Das Kartendeck
Was Slay the Spire so interessant macht, das sind die Charaktere und deren Entwicklung. Gerade einmal vier verschiedene gibt es in er Box, doch zu jedem gehört ein großer Stapel Karten. In den meisten Fällen beginnen wir unser Abenteuer mit 10 recht schwachen Basiskarten. Nach besiegten Gegnern ziehen wir 3 neue, wählen eine davon aus und fügen sie unserem Deck hinzu. Jeder Charakter hat dabei sehr unterschiedliche Möglichkeiten und Strategien. So kann etwa die Stille mit Dolchen oder Gift Schaden verursachen, der Eiserne teilt eher heftige Schläge aus und kann sich selbst heilen. Welchen Weg ihr einschlagt, variiert stark mit den gezogenen Karten, was in jeder Partie zu gänzlich neuen Spielerlebnissen führt.
 
Der Kampf
Während die Entwicklung unseres Decks den wesentlichen Reiz des Spiels ausmacht, verwenden wir einen Großteil der Zeit auf den Kampf. Dieser fällt zwar eigentlich recht simpel aus, bietet aufgrund der großen Zahl an Sonderfähigkeiten, Statuseffekten und Gegnern aber reichlich Abwechslung. Immer gleich ist dabei, dass wir Karten ziehen und diese ausspielen, indem wir sie mit Energie bezahlen. Wie gewohnt sind bessere Karten teurer und da Energie stets knapp ist, will jede Karte wohl überlegt sein. Die meisten Effekte drehen sich darum, dass die Karte entweder Schaden verursacht oder Schild aufbaut. Denn wenn wir den Gegner nicht direkt erschlagen, sollten wir uns gegen den einkommenden Schaden wappnen. Und hier ist auch ein wesentlicher Unterschied zum Videospiel. Denn am Spieltisch können wir kooperativ vorgehen, uns gegenseitig schützen und einzelne Gegner schnell ausschalten. Das senkt etwas die Schwierigkeit, extrem unausgewogene Kartenhände können durch die Mitspielerinnen kompensiert werden.
 
Und noch so einiges mehr
Natürlich gäbe es über Slay the Spire noch einiges mehr zu sagen. So sammeln wir etwa nicht nur neue Karten, wir können diese auch aufwerten und in den enthaltenen Kartenhüllen wenden. Zudem stärken Tränke und Gegenstände unsere Kampfkraft, nach ein paar Partien schalten wir neue Karten frei und auch an einen ansteigenden Schwierigkeitsgrad mit immer neuen Herausforderungen wurde gedacht. Gerade letzteres ist eine sehr willkommene Dreingabe. Denn nachdem der letzte Boss gelegt war, hatten wir noch lange nicht genug.
 
 
Fazit
Bei der Entwicklung von Slay the Spire wurde offensichtlich sehr viel Mühe darauf verwendet, möglichst nah am Original zu bleiben. Und das ist wirklich herausragend gut gelungen. Ein paar kleinere Anpassungen gibt es natürlich, problematisch ist aber keine davon. Gerade die Möglichkeit mit mehreren Spielern zu spielen, empfinde ich sogar als enorme Bereicherung. Für Fans des Videospiels also eine klare Empfehlung. Doch auch alle anderen sollten mal einen Blick riskieren. Denn die Mischung aus Charakterentwicklung, spannenden Kämpfen und interessantem Teamwork empfinde ich als wirklich reizvoll. Vier Charaktere klingt nicht nach viel, aber dennoch entwickelt sich jede Runde anders auch nach einem Dutzend Partien habe ich bei Weitem nicht das Gefühl, alles entdeckt zu haben.
 
Kleinere Kritikpunkte gibt es aber natürlich dennoch. Und einer davon fällt leider schon vor der Partie auf. Denn die Anleitung ist nicht wirklich gelungen. Wer das Video-Spiel nicht kennt, wird nach dem Lesen sicher einige Fragezeichen über dem Kopf haben. Und auch nach mehreren Spielstunden kommen immer wieder Fragen zu Effekten, Sonderfähigkeiten und deren Zusammenspiel auf, die sich schlicht nicht einwandfrei beantworten lassen. Auch die Spielzeit ist eine Herausforderung und fällt deutlich länger aus als beim Videospiel. Klar, ein Akt lässt sich von erfahrenen Spielerinnen durchaus in 90 Minuten spielen. Allerdings sind es eben 3 Akte, bis man den finalen Boss erreicht. Zwar lässt sich das Spiel zwischen den Partien speichern, kann dann aber nicht in einer anderen Gruppe gespielt werden. Fairerweise muss man aber sagen, dass das nur sehr selten ein Problem ist. Denn zumindest bei mir wollte noch keine Gruppe nach dem ersten Akt aufhören.
 

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Captain Flip

Es gibt Spiele, da genügt ein Blick aufs Schachtelcover und schon ist eigentlich alles klar. Ein Piratenschiff und ein „Captain“ im Namen? Das Thema hätten wir schon mal… Dazu ein „Flip“ vor einem Wendepfeil, der mehr als nur einen Ausblick auf den spielerischen Ablauf bietet. Zuletzt noch die verspielt kindliche Grafik, die wohl nicht unbedingt Expertenspieler anspricht. Alles durchaus korrekte Annahmen. Darüber hinaus bietet Captain Flip (Paolo Mori, Remo Conzadori / Play Punk, Asmodee) aber auch ein emotionales und packendes Spielerlebnis, das den neuesten Teil des Covers erklärt: Das Logo für die Nominierung zum Spiel des Jahres.
 
 
 

Die Crew flippt

Die Regeln lassen sich im Wesentlichen anhand des Namens erklären. Denn vor jedem Spielenden liegt ein Piratenschiff aus, das wir Zug für Zug mit Crewmitgliedern füllen. Dazu ziehen wir entsprechende Plättchen aus dem Beutel und betrachten eine Seite. Gefällt uns diese nicht, dürfen wir das Plättchen flippen, wodurch ein anderes Crewmitglied sichtbar wird. Mit diesem müssen wir dann allerdings leben und das Plättchen auf das unterste Feld einer der fünf Spalten unseres Schiffes legen. 
 


Das Schiff füllt sich

Sowohl vollständig gefüllte Spalten als auch jedes gelegte Plättchen lösen Effekte aus. So lässt der Ausguck am Spielende nur dann Dublonen springen, wenn er an der Spitze seiner Spalte liegt. Der Matrose andererseits wird lukrativer, wenn er in mehreren Spalten vertreten ist. Einen unmittelbaren Effekt hat der Affe, der ein benachbartes Plättchen wendet. Ein besonders beliebtes Ziel dafür ist der Kanonier, der zwar sofort fünf Dublonen springen lässt, gemeinsam mit zwei Kollegen am Ende aber das eigene Schiff versenkt. Das Spielende triggert, sobald auf einem Schiff vier Spalten gefüllt sind. Da das recht schnell geht, besuchen wir im Anschluss üblicherweise einen der drei alternativen Pläne, die uns auf einer verlassenen Insel aussetzen oder einen Kraken bekämpfen lassen. Alle mit eigenen kleinen Regeln und Boni, die für etwas Abwechslung sorgen.

 

 

Fazit

Captain Flip hält, was das Cover verspricht: Ein schnelles Spiel, das man nicht zu ernst nehmen sollte. Der Ablauf ist denkbar einfach und nach wenigen Sätzen verstanden, einzig die verschiedenen Funktionen der Plättchen müssen mitunter noch mal nachgelesen werden. Aber dazu gibt es ja die gelungene Spielhilfe. Und dann sind es genau die vielen unterschiedlichen Charaktere, die den Reiz ausmachen. Mit jedem gezogenen Plättchen wird gehofft und gebangt, gejubelt und geflucht. Auch wenn die Entscheidungen trivial klingen, ist die Spannung gegen Ende doch stets greifbar. Insbesondere, wenn die Spielenden mit den Emotionen nicht hinter den Bug halten. Trash-Talk gehört an dieser Stelle einfach dazu. Gleiches gilt für den Zufall, der natürlich eine gewichtige Rolle einnimmt. Erfahrene Spielende werden dementsprechend vielleicht etwas den Einfluss vermissen oder über zu wenig Abwechslung klagen… aber wer sich einfach mal auf die emotionale Kaperfahrt einlässt, wird garantiert viel Spaß damit haben.
 

 

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Sky Team

Zugegeben, Fluggesellschaften genießen aktuell nicht den allerbesten Ruf. Umweltverschmutzung, Milliardensubventionen und jetzt fallen auch noch Teile ab… glücklicherweise sind das so ziemlich die einzigen Bereiche, die wir in Sky Team (Luc Rémond / Kosmos) nicht kontrollieren. Denn als Pilotin und Copilot sind wir „nur“ für die sichere Landung zuständig. Was kann da schon schiefgehen?
 
 
 
 
 
 
 
Spontanes Stimmversagen
Eigentlich ist so eine Landung gar nicht kompliziert. Pilotin und Copilot bekommen jede Runde vier Würfel, mit denen verschiedene Systeme des Flugzeugs aktiviert werden müssen. Manche davon müssen wir jede Runde aktivieren, bei anderen kann man sich etwas Zeit lassen. Das Triebwerk etwa sollte stets laufen, peilt man nicht eine ungeplante Landung an. Beim Ruder sollten beide Personen sogar ähnliche Würfelzahlen platzieren, damit das Flugzeug nicht in Schieflage gerät. Dumm nur, dass wir genau in der heiklen Phase des Flugs offensichtlich unsere Stimme verloren haben. Denn Kommunikation ist nur zwischen den Runden erlaubt.
 
 
Viel zu tun
Haben wir die Pflichtaufgaben einer Runde erfüllt, kommt die Kür. Die Pilotin muss bis zur Landung die Landeklappen ausgefahren haben und bremsen wären auch nicht schlecht. Um das Fahrwerk kümmert sich dagegen der Copilot, wobei die Würfel hier in der passenden Reihenfolge gelegt werden müssen. Obendrein bedingen sich manche der Systeme auch noch gegenseitig. Fahren wir Landeklappen oder Fahrwerk zu früh aus, wird das Flugzeit langsamer und wir benötigen höhere Werte für das Triebwerk. Sind wir dagegen zu schnell, können wir möglicherweise nicht rechtzeitig die Flugzeuge vor uns anfunken, damit diese den Weg freimachen. Es gibt also einiges im Blick zu behalten. Glücklicherweise können wir auch Kaffee kochen, mit dem wir unsere Würfel manipulieren.
 
Seitenwind, Berge und vereiste Landebahnen
Der erste anzufliegende Flughafen läuft relativ stressfrei. Sofern wir in der vorgegebenen Zeit (und ohne Kollision oder sonstige Unfälle) am Ziel ankommen, ist alles gut. Das klappt vielleicht noch nicht im ersten Versuch, glücklicherweise sind die langfristigen Auswirkungen eines Crashs hier aber deutlich weniger endgültig. Entsprechend wagen wir uns nach ein paar Flügen auch gerne an weitere Herausforderungen. Und hier beginnt Sky Team wirklich zu glänzen. Denn in der Box liegen haufenweise zusätzliche Flughäfen und sonstige Herausforderungen. Plötzlich müssen wir bei der Landung Berge umfliegen, mit einem Treibstoffleck zurechtkommen und Seitenwind einkalkulieren. Wobei mein persönlicher Favorit der Praktikant ist. Dieser unterstützt uns bei allen aufgaben… mit Ausnahme des Kochens von Kaffee.
 

Fazit
Ein gutes Würfelmanagement und nonverbale Kommunikation sind in Sky Team die Kompetenzen, die wir für eine sichere Landung brauchen. Die Zahl der Aktionen ist stark eingeschränkt, gerade mit steigendem Schwierigkeitsgrad kommt es auf jeden Würfel an. Die Partnerin und deren Aktionen dabei im Blick zu behalten ist ähnlich wichtig, wie die Systeme des Flugzeugs zu kennen. Denn gerade weil wir nicht sprechen dürfen, ist es essentiell, die Würfelergebnisse zumindest grob einschätzen zu können. Sonst passiert es schnell, dass man selbst zu heftig am Ruder zieht und das Flugzeug damit abstürzen lässt. Entsprechend empfehle ich auch, mehrfach in gleicher Besetzung zu spielen. Wobei das eigentlich sowieso keine Frage ist, denn wer den ersten Flughafen geschafft hat, der will garantiert auch noch den nächsten versuchen.
 
Beeindruckend dabei ist die enorme Variation, die aus diesem eigentlich simplen System herausgeholt wird. Jeder Flughafen, jedes Element stellt uns vor neue Herausforderungen. Mal sollten wir anfänglich Gas geben, um dann etwas über dem Zielflughafen zu kreisen. Beim nächsten Mal führt ein solche Vorgehen garantiert zur Katastrophe. Dabei steigt der Schwierigkeitsgrad eher gemächlich an, in den ersten Missionen finden sich auch etwas weniger erfahrene Spielende zurecht. Zusätzlich hilft die gelungene thematische Einbindung. Fahr ich die Landeklappen aus, wird das Flugzeug langsamer. Reise ich zu heftig am Ruder, kippt das Flugzeug in meine Richtung. All das macht Sinn und lässt sich logisch herleiten. Dennoch werden in den ersten Partien gerne Elemente vergessen, was sich aber kaum auf den Spielspaß auswirkt. Gleiches gilt für den Glücksanteil. Natürlich können einem die Würfel einen Strich durch die Rechnung machen, chancenlos dem Schicksal ausgeliefert ist man aber selten. Und selbst wenn… bei Sky Team gibt es immer eine weitere Chance und noch viele Flughäfen zu entdecken.
 

 

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Kurz gefasst 1.24

Asmodee, Kosmos, Ravensburger, Pegasus… wer sich ein klein wenig mit Gesellschaftsspielen beschäftigt, der kennt sie. Die großen Namen der Branche, die Veröffentlichungen wie Messehallen gleichermaßen dominieren. Dennoch gibt es sie noch immer: Die winzig kleinen Verlage, die häufig von nur ein oder zwei Personen geführt werden. Geschäftsführer, Redakteur und Vertrieb in Personalunion. Und auch diese kleinen Verlage bringen Jahr für Jahr Spiele heraus, auf die sich ein Blick durchaus lohnen kann. Darum will ich heute drei Veröffentlichungen vorstellen, die sich durchaus nicht hinter den großen Werken verstecken müssen. Mit dabei sind Spiele von Boardgame Racoon, Wonderbow und Loosey Goosey. 

 

Clou Roll & Heist Again! (Benjamin Schultz / Boardgame Racoon) 

 
Fassadenkletterer, Schlossknacker und Fluchtfahrer… Bei Roll & Heist ist der Name Programm. Denn nachdem wir uns für ein Einbruchsziel entschieden haben, rollen auch schon die Würfel. Runde für Runde nutzen wir die Ergebnisse, um verschiedene Symbole freizuschalten und uns damit im Zielobjekt zu bewegen, Alarmanlagen auszuschalten, Türen einzuschlagen und Safes knacken. Je nach gewähltem Einbrecher (vier sind verfügbar) und Vorgehensweise gelten individuelle Regeln beim Platzieren der Würfel, stets sollte aber schon ein paar Züge vorausgeplant werden. Die Einbrüche sind dabei eine Jagd nach der maximalen Beute (Punkte), wobei der Einbruch allein oder zu zweit kooperativ erfolgen kann.

Roll & Write-Spiele gibt es inzwischen reichlich, neue Ideen sind selten. Hier ist es insbesondere das Thema, das sich tatsächlich anders anfühlt. Gerade zu zweit gestalten sich die Einbrüche spannend, mit dem Platzieren der Würfel können Schwerpunkte gesetzt und sich auf kommende Herausforderungen vorbereitet werden. Mehrere verschiedene Einbrecher und Zielobjekte sorgen zudem für Abwechslung und zwingen, die verschiedenen Einbrüche unterschiedlich anzugehen. Stets ist das Ziel aber der persönliche Highscore. Ob das als Motivation ausreicht, muss jeder selbst entscheiden. Gleiches gilt für das Material. Die kleine Schachtel ist zwar prall gefüllt, die Blöcke sind aber (nicht zuletzt aufgrund deren schierer Anzahl) eher dünn geraten. Gerade bei einem sehr kleinen Verlag verzeihe ich das aber gerne, ebenso wie die nicht wirklich optimale Anleitung. Aber solange die Partien Spaß machen und zu weiteren Raubzügen animieren… was soll`s.

 

Seedrachen (Kahana, Shekhter, Luciani / Wonderbow) 

 
Das Erste, was beim Öffnen der Box von Seedrachen ins Auge fällt, sind ganz sicher… die Seedrachen. Wunderschön gestaltete Köpfe und Körper, die nach und nach auf dem Meer platziert werden. Genutzt werden dazu Karten, die die Form des zu platzierenden Drachen vorgeben. Stets legen wir einen Kopf und einige Körperteile auf den Plan und versuchen dabei lukrative Felder zu besetzen. Was uns dabei einschränkt: Eigene Drachen dürfen nur benachbart zur zentralen Seerose oder gegnerischen Drachen gelegt werden, eigene Artgenossen dürfen dagegen nicht berührt werden. Das grenzt die eigenen Züge mit der Zeit mindestens so stark ein wie der Wunsch, gleichermaßen während des Spiels zu punkten als auch bei den Mehrheiten am Spielende eine Drachennase vorne zu sein.

Das Abwägen zwischen großen und damit raumgreifenden Drachen und den kleineren Exemplaren macht einen Teil des Reizes von Seedrachen aus. Der andere Teil entsteht durch die Interaktion, die in erster Linie im Einschränken der Mitspieler besteht. Ist man zu Beginn zu gierig, geht gegen Ende schnell der Platz aus. Hier muss das richtige Maß gefunden werden. Gleiches gilt für die Punkte. Die Mehrheiten für die einzelnen Viertel dürfen ebenso wenig ignoriert werden wie die unterwegs zu sammelnden Schiffe. Eine gute Mischung ist zumeist der Schlüssel zum Sieg. Gleichzeitig bedeutet das aber auch einiges an Hirnschmalz. Eine Partie kann durchaus anstrengen. Zudem ist Seedrachen ein im Kern abstraktes Spiel, abseits von der Optik wird wenig Neues geboten. 

 

Surfosaurus Max (Ikhwan Kwon / Loosey Goosey)

 
Auffallen um jeden Preis. Nur so kann ich mir die Gestaltung von Surfosaurus Max erklären. Dabei haben die surfenden Dinosaurier in knallbunten Neonfarben doch auch spielerisch etwas zu bieten. Pokerhände beispielsweise. Denn genau die bilden wir gemeinsam, indem die Spielenden reihum Karten aus der Hand vor sich legen. Liegen genug Karten aus, wird aus dieser Auswahl die bestmögliche Pokerhand gebildet. „Straight Flush“ schlägt „Fünf Gleiche“, was wiederum besser ist als ein „Paar“. Jede Karte, die an der Gewinnerhand beteiligt ist, bringt dem Spielenden Kokosnüsse. Ja, ihr habt richtig gehört. Punkte sind hier Kokosnüsse. Was könnten wir als surfender Dinosaurier auch sonst wollen?

Temporäre Allianzen, gebrochene Absprachen, Emotionen und mitunter auch einiges Gefluche… Surfosaurus Max bietet all das. Denn natürlich sollen möglichst die eigenen Karten (und davon die lukrativsten) in der Gewinnerhand sein. Aber das wissen auch die Mitspielerinnen… und schnell wird aus der angepeilten Straße auf ein Set umgeschwenkt. Sich alle Möglichkeiten offenhalten, die Mitspieler richtig einschätzen oder im Zweifel zu bequatschen… so gewinnt man Surfosaurus Max. Und so macht das Spiel auch am meisten Spaß. In Runden, die sich eher schweigend gegenübersitzen, Zünden die Dinos dagegen kaum. Dann kann auch der Glücksanteil nerven, der ansonsten eher für Hohn und Gelächter sorgt. Was dagegen in allen Gruppen stört, ist die Optik. Generell ist so etwas ja Geschmackssache, die knalligen Farben erschweren aber tatsächlich die Zuordnung und stören den Spielablauf.


 

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Jekyll & Hyde vs. Scotland Yard

Gut gegen Böse, Vernunft gegen Wahnsinn, Ordnung gegen Chaos. Die Geschichte von Dr. Jekyll und Mr. Hyde ist heute noch fast so modern wie vor 140 Jahren. Und sie eignet sich ausgesprochen gut gilt als Thema für ein Zwei-Personen-Spiel, in dem wir unsere gespaltene Persönlichkeit in Balance halten müssen. Insbesondere, da Jekyll & Hyde vs. Scotland Yard (Olivier Cipière & Geonil / Nice Game) gleich die passende Kampagne bietet.

 

 

 

 

 

Aller Anfang ist leicht
Im Kern ist Jekyll vs. Hyde eigentlich ein recht simples Stichspiel. Karten in drei Farben und mit Zahlen von eins bis acht, Bedienpflicht, Trumpffarben. Erfahrene Spieler nicken sofort wissend. Doch bereits beim kooperativen Ansatz stutzen die Ersten. Dabei erklärt sich das doch wunderbar mit dem Thema. Denn wir wollen die beiden Hälften unserer Persönlichkeit im Gleichgewicht halten. Sprich: Beide möglichst gleich viele Stiche machen. Denn die niedrigere Zahl der Stiche bestimmt, wie viele Felder wir uns auf der beiliegenden Leiste bewegen. Erreichen wir in der vorgebenden Zeit das Ziel, gewinnen wir. Natürlich ist auch der im Roman so wichtige Trank mit von der Partie und erlaubt uns die Trumpffarbe zu ändern, Handkarten zu tauschen oder gar Stiche weiterzugeben. 
 
 
Die Herausforderung wächst
Trotz des fast schon obligatorischen Sprechverbotes klingt das soweit simpel. Allerdings entspricht der eben beschriebene Ablauf nur dem ersten von insgesamt 10 Szenarien. Erst Kapitel vier ist so etwas wie das Standardspiel. Nun ist auch Scotland Yard als dritte Partei involviert und spielt selbst jede Runde eine Karte aus, die wir den Inspektoren vorab zugeteilt haben. Zudem wollen wir nun gar nicht mehr jeden Stich gewinnen, können doch manche Karten dazu führen, dass die Scotland Yard Figur uns auf dem Plan einholt, was zur sofortigen Niederlage führt. Spätestens ab diesem Moment kommen wir mit simplem Sammeln von Stichen nicht mehr durch.

Fazit
Jekyll & Hyde wird seiner literarischen Vorlage in vielen Bereichen gerecht. Das Spiel ist alles andere als banal, trotz der weithin bekannten Stichspielregeln gibt es erst mal Einiges zu verstehen. Dabei neigen gerade die ersten Partien dazu, dass man am eigenen Verstand oder dem des Mitspielers zweifelt. Denn trotz der sehr kurzen Spielzeit und eigentlich simplen Regeln gibt es unheimlich viel zu bedenken. Der korrekte Moment für einen Trank, das Wechseln der Trumpffarbe, welche Karten an Scotland Yard abgegeben werden. Eine Vielzahl von Entscheidungen prägen jede Partie und machen den Reiz des Spiels aus. Die Kampagne macht dabei zwar einen guten Job und baut einige der Elemente erst im späteren Verlauf ein, dennoch enden die ersten Versuche häufig im Fiasko. Umso besser fühlt es sich aber an, wenn man Scotland Yard nach mehreren Fehlversuchen tatsächlich in die Schranken weist. Mit jeder Partie wächst das Verständnis von Spiel und Mitspielerin, neue Möglichkeiten offenbaren sich. Vielleicht benötigt es gerade deshalb auch für die gesamte Kampagne etwas Geduld. Denn mehr als eine Handvoll Partien am Stück schafft kaum jemand. Dafür ist der Konflikt mit meinem anderen ich einfach zu anstrengend.
 

 

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