Panda Royale
Ich erinnere mich an eine frühere Catan-Partie, in der mir eine Familie ihre Hausregel erklärt hat. Erhalte ich in einer Runde keine Rohstoffe, dann gibt’s zumindest ein Streichholz. Oder wie sie sagten: ein Mitleidsstäbchen. Wer vier davon hat, darf sie gegen einen beliebigen Rohstoff tauschen. Eine schöne Regel, um vor allem bei Kindern Frust zu vermeiden. Warum schreibe ich das? Ich habe bei Panda Royale nun Bekanntschaft gemacht mit dem Mitleidswürfel. Anderes Spiel, ähnliches Prinzip: Wer Mist würfelt, bekommt für die nächste Runde einen Würfel mehr.

Und an Würfeln mangelt es bei Panda Royale bei Weitem nicht. Mehr als einhundert sind in der Schachtel enthalten. Gelbe. rote, blaue, grüne, pinkfarbene, violette, durchsichtige. Sechsseiter, Achtseiter, Zwölfseiter, Zwanzigseiter. Jeder fängt mit einem gelben Sechsseiter an und erhält dann Runde für Runde einen weiteren Würfel hinzu. Am Ende hat jeder zehn in der Hand. Diese auf den Tisch klackern zu lassen, fühlt sich einfach gut an. Was für eine Würfel-Orgie – insbesondere in Vollbesetzung zu zehnt!
Bei Panda Royale kann es auch negative Werte geben
Jede Runde würfele ich all meine Würfel und berechne mein Ergebnis. Für jede Farbe gilt eine andere Formel. Die Summe der blauen wird verdoppelt, wenn ich einen glitzernden Würfel habe. Lila wird per se verdoppelt. Und bei den roten ziehe ich die Summe der schwarzen Zahlen von der Summe der weißen Zahlen ab und multipliziere das Ergebnis mit der Zahl meiner roten Würfel. Letzteres kann durchaus einen negativen Wert ergeben.

Auf Rot zu setzen, rentiert sich erst in den späten Runden, wenn der Multiplikator hoch ist. Dafür muss ich aber auch konsequent diese Strategie verfolgen. Blau zu favorisieren, ohne einen Glitzerwürfel zu haben, ist unklug. Betrachte ich den mathematischen Erwartungswert, ist es schlauer, auf die Zwanzigseiter zu setzen, bei denen jeder Wurf zwischen 1 und 20 schwankt. Noch besser: ein violetter Zwölfseiter. Oder ich wähle einen gelben, um mit der höchsten gelben Summe in der kommenden Runde als Erster aus dem Pool neuer Würfel auswählen zu dürfen. Das früh zu tun, bringt mich wahrscheinlich häufiger in die Pole Position und erleichtert es mir folglich, einen Würfel zu erhalten, der bessere Ergebnisse verspricht als andere.
Mit Berechnung oder mit Bauchgefühl?
Nun habe ich es bislang eher selten erlebt, dass sich Neulinge über die Erwartungswerte von Würfeln Gedanken machen. Folglich wählen sie eher nach Bauchgefühl aus. Das ist freilich in Ordnung, schließlich zähle ich Panda Royale zu den Fun-Spielen. Doch wer ein bisschen rechnet, wird schnell eine immer wieder ähnliche Vorgehensweise bei der Würfelwahl präferieren. Manche Farben sind halt attraktiver als andere.

Dass diese Rechnereien nicht zwingend zum Sieg leiten, liegt in der Zufälligkeit des Würfelns begründet. Und auch darin, welche neuen Würfel für mich überhaupt noch im Pool zur Verfügung stehen. Doch ich kann meine Chancen durchaus erhöhen, wenn die Konkurrenz mich lässt.
Warum Panda Royale zu bürokratisch ist
Wie welche Farben zu werten sind, ist schnell verinnerlicht. Dennoch ist der Rundenablauf nicht eingängig, weil er sich in viele Phasen gliedert. Würfeln, dann Summe der gelben Würfel ausrechnen, um die Reihenfolge zu bestimmen, wer wann in Phase fünf einen neuen Würfel erhält. Bevor das geschieht, rechnen wir aber erst das Rundenergebnis aus, um dann den Schlechtesten einen Mitleidswürfel für die kommende Runde auszuhändigen. Wer jetzt noch einen durchsichtigen Würfel hat, darf ihn mit einem Würfel einer anderen Person tauschen. Danach gibt es neue Würfel. Um dieses sperrige, langatmige und bürokratische Procedere in Panda Royale zu steuern, hätte ich mir für jeden Spieler zumindest einen Ablaufplan gewünscht. Als Karte etwa.

Das ist jedoch nicht die einzige redaktionelle Schwäche. In meiner Version wurde die Verwendung des durchsichtigen Würfels nicht klar genug formuliert, sodass sich merkwürdige Züge entwickelt haben. Der Würfel berechtigt, ihn mit einem beliebigen Würfel einer anderen Person zu tauschen. Erst in der überarbeiteten Anleitung wird nun aber ausgeschlossen, einen erhaltenen Tauschwürfel in derselben Runde erneut einzusetzen (und sich seinen verlorenen Würfel zurückzuholen).
Und was ist mit dem Mitleidswürfel? Nun, er gleicht Würfelpech zumindest ein bisschen aus. Oder die falsche Würfelwahl.
Panda Royale | Spiel das! | Nate & Jake Jenne | 2 bis 10 Personen | ab 8 Jahren | 20 bis 30 Minuten | Spielanleitung | Meine Einschätzung: ★★☆☆☆ (ordentlich)

