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Trekking: Reise durch die Zeit

29. Dezember 2023 um 11:14
Die Entstehung der ersten Höhlenmalereien bewundern, Martin Luther Kings berühmter Rede vor Ort lauschen oder Queen bei Live Aid bestaunen… Zeitreisen bieten uns schier unendliche Möglichkeiten. Ganz so einfach ist es aber am Ende doch nicht. Denn wie uns Trekking: Reise durch die Zeit (Charlie Bink /Game Factory) zeigt, sollten wir uns als Zeitreisende besser an einige Regeln halten. 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Zurück in die Vergangenheit
Unsere erste Zeitreise beginnt ganz trivial: Wir wählen schlicht eine der Karten aus der Auslage, die ein Ereignis, dessen zeitliche Einordnung sowie einige Symbole zeigt. So starten wir unsere Reise etwa im Jahr 1271 an der Seite von Marco Polo. Für die Karte selbst zahlen wir mit Zeit, die wir auf einem Rundkurs abtragen. Leisten wir uns eine hochwertige Karte, kostet das mehr Zeit. Und da immer die Spielerinn am Zug ist, die bislang am wenigsten Zeit verbraucht hat, kann sich die Konkurrenz mit ähnlichem Aufwand auch mal mehrere günstige Karten schnappen. Sind wir wieder am Zug, wählen wir die nächste Karte, die hoffentlich zeitlich später angesiedelt ist. Denn solange wir immer näher an die Gegenwart springen, dürfen wir die Karten als eine Zeitreise stapeln. Je mehr Karten in einer Reise liegen, desto mehr Punkte ist diese wert. Über Kurz oder Lang kommen wir aber nicht daran vorbei, eine Reise ad Acta zu legen und eine Neue zu beginnen.
 
 
Reise-Erfahrung
Das Sammeln chronologisch aufsteigender Zeitkarten ist eine Möglichkeit, bei Trekking zu punkten. Eine andere sind die Reise-Tableaus. Denn mit jeder Karte sammeln wir auch Erfahrungsmarker in verschiedenen Kategorien, die auf das Tableau gelegt werden und uns mit Punkten belohnen. Bei der Wahl einer Karte müssen also auch die erhaltenen Marker berücksichtigt werden. Insbesondere, da die Tableaus sehr unterschiedlich aufgebaut sind.
 
Drei Epochen
Insgesamt spielen wir so drei Epochen, für die wir jeweils neue Reise-Tableaus sowie ein neues Kartendeck bekommen. Dadurch tauchen zu Spielbeginn eher Karten mit frühen Daten auf, in der dritten Epoche kommen dagegen eher spätere Ereignisse vor. Dennoch gilt es, ständig zwischen passenden Erfahrungsmarkern, den Kosten und der Zeit abzuwägen. Und wem das noch nicht genug ist, der kann noch die kleine Erweiterung integrieren. Anstatt eine Karte zu kaufen können wir damit Zeit ausgeben, um eine Sonderfähigkeit auszulösen.
 
 
Fazit
Trekking beeindruckt bereits mit dem Öffnen der Schachtel. Einerseits durch das hochwertige Material, bis hin zu einer Neoprenmatte. Andererseits und insbesondere aber auch durch die Auswahl und Aufbereitung der historischen Ereignisse. Von prägenden Momenten der Geschichte bis hin zu eher unbekannten Personen wird hier eine bunte Mischung präsentiert und stets mit einem kleinen Text auf der Rückseite der Karte erläutert. Wer während einer Partie etwas Zeit hat, wird hier bestens unterhalten. Allerdings dürfte das eher selten vorkommen, denn bei Trekking gibt es kaum Leerlauf und schon gar keine Langeweile. Vielmehr bietet das simple Regelwerk spannende Entscheidungen und Abwägungen. Da es zwei sich häufig widersprechende Punktequellen gibt, sind Entscheidungen selten offensichtlich. Gerade gegen Ende einer Epoche steigt die Spannung, ob das Tableau noch gefüllt wird. Jeder falsch genutzte Zeitmarker (der die Kosten für die Karten senkt), kann hier schmerzhaft zu Buche schlagen. Zugleich fühlt sich das Spiel aber belohnend an, irgendetwas fällt fast immer ab. Entsprechend positiv und begeistert ist auch immer die Stimmung am Tisch.
 
Natürlich spielt der Zufall bei der Auswahl der Karten eine Rolle. Manchmal passe es, manchmal eben nicht. Als störend empfinde ich das aber nicht. Gleiches gilt für die Wartezeit, die allenfalls in Vollbesetzung mal ein klein wenig länger ausfallen kann. Aber dafür gibt es dann ja die Erklärungen der historischen Ereignisse. Für Vielspieler fehlt es zudem etwas an Abwechslung. Das ändert aber wenig am sehr positiven Gesamteindruck.
 

 

Imperial Miners

24. November 2023 um 08:52
Spätestens seit Imperial Settlers wissen wir, dass die Welt zu klein für all die Völker ist. Tim Armstrong hat nun offensichtlich genug von all dem Hauen und Stechen und geht einen anderen Weg. Denn bei Imperial Miners (Pegasus Spiele / Portal) graben wir unsere eigenen Minen. Und wenn wir schon mal da sind, sammeln wir doch direkt noch all die schönen bunten Edelsteine.
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Sie haben zu tief gegraben
Das Leben als Minenarbeiter ist offensichtlich eine sehr einsame Angelegenheit. Denn selbst wenn wir zu viert am Tisch sitzen, bastelt jede Spielerin an der eigenen Mine, die anfänglich nur aus einem kleinen Tableau besteht, dass den Eingang in den Stollen zeigt. Gerade einmal 10 Runden haben wir Zeit, daraus ein einträgliches (und insbesondere punkteträchtiges) Bergwerk zu machen. Jede Runde spielen wir dafür eine Karte aus, die unsere Schächte nach unten oder zur Seite erweitern. Die ersten Plättchen sind dabei recht günstig, wer tiefer buddelt muss auch tiefer in die Tasche greifen. Aber das lohnt sich. Denn einerseits sind solche Karten lukrativer, andererseits aktivieren diese beim Anlegen auch alle Karten, die auf dem Weg an die Oberfläche passiert werden. Und da sind wir auch schon beim interessanten Aspekt von Imperial Miners.
 
 
Von Schotten und Barbaren
Alle Minenkarten die wir spielen verfügen über Funktionen, die bei Aktivierung Boni ausspucken. Das reicht von bloßem Gold über punkteträchtige Loren bis hin zu Edelsteinen (Siegpunkten). Es versteht sich von selbst, dass dabei versucht wird, lukrative Kombinationen zu erstellen. Dafür gehören die Karten jeweils einem der sechs Völker an, die ganz unterschiedliche Vorteile bieten. So sind die Barbaren besonders mächtig, führen aber immer wieder Tunneleinstürze herbei. Die Atlanter bauen Maschinen, wodurch ihre Karten mit der Zeit stärker werden. Und die Schotten treten am liebsten in großen Gruppen auf.
 
Da war doch noch was
Neben den Völkern sorgen Ereigniskarten sowie Entwicklungspläne für Abwechslung. Von den Plänen sind immer drei verschiedene im Spiel, auf denen wir unseren Marker (über Minenkarten oder am Rundenende gegen Geld) bewegen können. Je nach Plan warten dort erneut Siegpunkte, Geld oder allerlei Effekte. Von den Ereigniskarten wird zu Beginn jeder Runde eine gezogen und bietet entweder sofortige Effekte oder kleinere Anpassungen für die aktuelle Runde. Zugleich wirken diese als Rundenzähler. Denn nach den 10 Karten endet die Partie und es gewinnt, wer am meisten Edelsteine sammeln konnte.
 
 
Fazit
Die Imperial-Reihe war schon immer eher ein Spiel für Solisten, Interaktion kam nur sporadisch vor. Imperial Miners treibt das nun auf die Spitze. Denn ob ihr das Spiel allein oder zu viert spielt, macht absolut keinen Unterschied. Es gibt nicht die geringste Interaktion, nicht mal Karten oder Rohstoffe kann man sich wegschnappen. Und das ist für mich hier schon mal einer der großen Kritikpunkte. Ich habe nichts gegen Solo-Spiele, warum ich mich dafür aber zu viert an den Tisch setzen soll, um hinterher Punkte zu vergleichen, erschließt sich mir nicht wirklich. Zumal, und das ist gleich die nächste Kritik, das Ergebnis hier in hohem Maße Zufall ist. Da nur 10 Runden gespielt werden, entscheiden oft schon die ersten Karten, in welche Richtung ich meine Mine entwickle. Manchmal kommen die Karten passend nach, manchmal auch nicht. Da wir zudem möglichst viele Kettenaktivierungen erzielen wollen (und dafür Karten in den tiefen Regionen benötigen), ist der generelle Verlauf des Minenbaus immer sehr ähnlich. Zwar kann ich gezielt Karten für tiefere Bereiche ziehen, ob diese dann aber zu anderen passen ist, mal wieder, Glück.
 
Und dabei will ich gar nicht sagen, dass das Puzzeln der bestmöglichen Auslage gar keinen Spaß machen kann. Die 10 Entscheidungen sind alle durchaus relevant und gerade die Kettenzüge fühlen sich sehr belohnend an. Zudem kann man sich nicht wirklich in eine Sackgasse graben, irgendetwas bekommt man eigentlich immer. Aber das macht das Spiel eigentlich nur noch beliebiger. Dass das Thema dabei nicht durchkommt und die Edelsteine farblich kaum zu unterscheiden sind, rundet das Gesamtbild ab.
 

 

Schnitzeljagd

01. November 2023 um 14:53

Das Leben kann schon unfair sein. Da wollte man eigentlich als großer und stattlicher Bär geboren werden, um sich als Spitze der Nahrungskette an seinen Mittbewohnern gütlich tun zu können. Und was wurde daraus? Als kleine Feldmaus erblicken wir das Licht der Welt, selbst Luchse und Eulen sehen in uns eine leckere Proteinquelle. Und doch kann das auch Vorteile haben. Denn wenn sich die größeren Tiere nicht einigen oder Jagd auf die Konkurrenz machen, kommen die kleinen Tierchen bei Schnitzeljagd (Brett J. Gilbert & Matthew Dunstan / Edition Spielwiese) plötzlich ganz groß raus.

 

 

 

Die Qual der Wahl

Anders als in der Natur herrscht bei Schnitzeljagd zu Beginn Chancengleichheit. Denn jede Spielerinn bekommt ein Set aus fünf Tierkarten (Bär, Wolf, Luchs, Eule und Maus) auf die Hand. Gleichzeitig wählen wir nun verdeckt ein Tier aus, dass wir diese Runde spielen. Wenig überraschend sind Bären und Wölfe dabei deutlich weniger gefährdet, Eulen und Mäuse bringen aber potenziell mehr Punkte.
 
 
Die Großen fressen die Kleinen
Von oben (beginnend mit dem Bären) werden nun nach und nach alle gewählten Karten aufgedeckt. Ist eine Tierart mehrmals vertreten, gönnen sich die Exemplare eine Pause und es passiert nichts. Ist dagegen ein Tier nur einmal vorhanden, wählt die entsprechende Spielerinn eine Tierart, die bejagt wird. Alle Spieler mit dem gewählten Tier scheiden aus der aktuellen Runde aus. Wer bis zum Ende nicht gefressen wurde, schafft es in den nächsten Durchgang. Nach maximal drei Durchgängen bekommen diejenigen Punkte, die durchgehalten haben, wobei schwächere Tiere lukrativer sind.
 
Fazit
Schnitzeljagd ist ein Hauch Pokern, ein wenig „Ich denke, dass du denkst…“, eine ordentliche Prise Glück und natürlich ganz viel Emotion. Der Ablauf ist denkbar einfach, Gründe um auch mal etwas länger zu Grübeln gibt es eigentlich nicht. Und doch ertappt man sich selbst immer wieder dabei, zu versuchen, in die Gedankengänge des Gegenübers einzudringen. Und genau das macht den Reiz aus. Wenn der Bär drei Eulen auf einmal erwischt oder eine Mitspielerin zum wiederholten Mal die Maus ins Ziel bringt, sind Lacher garantiert. Anders als angegeben sollten dabei aber mindestens 3 (besser 4 oder 5) Spielende mit am Tisch sitzen, ansonsten geht ein großer Teil der Emotionen verloren.

Obwohl Schnitzeljagd immer wieder und fast garantiert für Lacher sorgt, bleibt bei mir aber dennoch das Gefühl, das alles schon mal gesehen zu haben. Vergleichbare Spiele gibt es zur Genüge, Schnitzeljagd punktet allenfalls mit der wirklich sehr vereinfachten Herangehensweise. Und der Grafik. Denn die fällt auf, auch wenn ich sie persönlich absolut fürchterlich finde. Aber über Geschmack… Gleiches gilt natürlich auch für den Glücksanteil. Denn auch wenn man versucht die Mitspielerinnen zu übertölpeln ist am Ende natürlich sehr viel Glück mit von der Partie. Spätestens beim nächsten großen Lacher ist es aber eigentlich egal, ob das jetzt Zufall war. Und im Zweifel ist es immerhin eine gute Ausrede, wenn die eigene Jagd mal wieder vollkommen misslungen ist.


 

SPIEL ’23 Tag 3

08. Oktober 2023 um 23:26
Am vorletzten Tag der SPIEL 23 standen bei mir hauptsächlich kleinere Spiele auf dem Programm. Plätze bei den großen Euro-Titeln zu ergattern war heute jedenfalls sehr schwierig. Trotzdem habe ich wieder einiges gespielt, unter anderem im Rahmen des Meet and Play, und berichte über meine Ersteindrücke. Verplant & Zugestellt Der Tag begann mit einer Partie […]

SPIEL ’23 Tag 2

06. Oktober 2023 um 22:07
Der Freitag gilt auf der SPIEL als der Tag mit dem wenigsten Publikumsandrang. Sollte das wirklich so sein wird der Samstag wohl alle Rekorde brechen. Denn heute schon kam man zum Teil kaum von Halle zu Halle. Dennoch habe ich wieder einige Spiele ausprobieren können. Surfosaurus MAX Tag 2 begann schon vor dem Einlass mit […]

SPIEL ’23 Tag 1

05. Oktober 2023 um 23:25
Heute war der erste Besucher-Tag der ersten SPIEL der Nach-Dominique-Metzler-Ära. Wie immer habe ich die Zeit auf der SPIEL genutzt um möglichst viele neue Spiele kennenzulernen. Welche das am ersten Tag waren lest ihr hier. Dschinn Der Tag begann für mich mit einer Partie Dschinn, dem neuen Spiel von Benjamin Schwer bei Hall Games. Bei […]

Top 30 Neuheiten SPIEL ’23

03. Oktober 2023 um 03:24
Essen steht vor der Tür. Zeit diesen Blog mal wieder aus dem Winter- bzw. eher Sommerschlaf erwachen zu lassen und wie in jedem Jahr die 30 Spiele vorzustellen, auf die ich mich am meisten freue. Dabei habe ich mich in diesem Jahr wieder auf Titel beschränkt, die ich noch nicht gespielt habe und die voraussichtlich […]

QE

02. Oktober 2023 um 08:41
Müsst ihr zur Finanzierung des neuen All-In-Crowdfunding-Spiels eure kulinarischen Genüsse auf Instant-Nudeln beschränken? Reicht es während der Spielemesse nur entweder für Hotel oder Großeinkauf? Frisst die Versicherung des Zweitporsche euch die Haare vom Kopf?
 
Dabei liegt die Lösung für all eure finanziellen Engpässe so nah. Denn in QE (Gavin Birnbaum bei Strohmann Games / BoardGameTables.com) folgen wir dem Prinzip der expansiven Geldpolitik. Ganz im Sinne des Quantitative Easing (Quantitative Lockerung) drucken wir einfach neues Geld, um das Ziel unserer Begierde zu erwerben.
 
 
 
 
 
Kaufsucht als oberste Prämisse
Natürlich haben wir als globale Großmacht (von Europa über die USA bis China) etwas höher gesteckte Ambitionen als ein Dreigängemenü oder einen Bollerwagen voller Spieleneuheiten. Sogar der Zweitporsche ist etwas kurz gegriffen. Wir greifen direkt ins oberste Regal und bringen Großunternehmen in unseren Besitz. Und das ist viel einfacher als es klingt. Runde für Runde versteigert eine Spielerin eines der Unternehmensplättchen, indem sie ein offenes Startgebot vorgibt. Alle anderen Spielerinnen geben nun geheim ebenfalls ein Gebot ab, das Höchste bekommt den Zuschlag. Also einfach eine absurd hohe Summe bieten und das chinesische Agrarunternehmen kehrt zurück in die Arme der heimatlichen Volksrepublik. 
 
 
Verschwendungssucht als Sargnagel
Ausgehen kann uns das Geld dabei nicht. Und das ist durchaus wörtlich gemeint: In der Box von „QE“ befinden sich weder Scheine noch Münzen, die Grenze der gebotenen Summe ist einzig unsere Fantasie… naja, fast. Denn sobald alle Unternehmen versteigert wurden, wird geprüft, wer am meisten verprasst und sich damit aus dem Spiel befördert hat. Alle anderen addieren den Wert ihrer Plättchen, Bonuspunkte für Unternehmen der eigenen Länder sowie Unternehmenszweige, um die Siegerin zu ermitteln.
 
 
Fazit
Das eigentlich überraschende an „QE“ ist, dass es tatsächlich funktioniert. Ein Versteigerungsspiel ohne Währung, jede noch so abwegige Summe darf geboten werden. Das kann doch eigentlich nicht klappen. Doch, tut es. Denn die Spielerinnen regulieren sich über kurz oder lang selbst. Gewinnt eine Spielerinn anfänglich gleich mehrere Unternehmen, werden die Mitspieler irgendwann ihre Gebote deutlich aufstocken. Zu groß ist die Angst, gar nichts abzubekommen. Da die Gebote allerdings nicht öffentlich sind und stets nur Auktionator und Siegerin die genauen Beträge kennen, übernimmt irgendwann die Angst, sich zu überreizen. In dieser Grauzone den optimalen Weg zu finden, macht den großen Reiz aus.
 
Zugleich lässt uns „QE“ als Spieler auch einen Blick auf die wirtschaftliche Realität werfen. Und was wir während der Partie noch als Spielreiz empfinden, jagt bei genauerem Nachdenken durchaus einen Schauer über den Rücken. Zwar funktioniert die Rettung ruinöser Unternehmen von staatlicher Seite nicht ganz so wie in dem Spiel, das naturgemäß abstrahieren muss. Dies aber so pointiert tut, dass eben keine hochkomplexe Wirtschaftssimulation dabei herauskommt – sondern ein schnell erlerntes Spiel, das auch abseits der spielerischen Qualitäten etwas zum Grübeln bietet. 
 

 

Lacrimosa

29. September 2023 um 14:02

Verlag: Kosmos

Autor: Gerard Ascensi / Ferran Renalias

Spieleranzahl: 1 – 4

Alter: ab 12 Jahren

Spieldauer: 90 Minuten

 

 

Einleitung:

 

Wir schreiben das Jahr 1791. Wolfgang Amadeus Mozart ist gestorben bevor er sein letztes Werk fertigstellen konnte. Seine Witwe Constanze beauftragt die großzügigsten Mäzene ihres Gatten, um das Lacrimosa des Requiems in D-Moll zu vollenden. Diese Mäzene sind wir. 1 – 4 Spieler versuchen durch diverse Aktionen die meisten Siegpunkte zu ergattern, um so der bedeutendste Förderer dieses musikalischen Genies zu werden.

 

Ablauf:

 

Zunächst wird der Spielplan in die Mitte gelegt und mit allen benötigten Materialien (Marker, Plättchen, Karten) bestückt. Die restlichen Utensilien wie Geld und Ressourcen bzw. Story-Scheiben werden neben dem Hauptplan bereitgelegt. Jeder Protagonist erhält ein eigenes Spielertableau inkl. Marker, seine Startkarten und abhängig von der Spielerposition 10 oder 11 Dukaten (Spieler 3+4 auch einen Start-Siegpunkt).

 

Lacrimosa verläuft über fünf Runden (= Epochen). Jede Runde ist aufgeteilt in eine Hauptphase und eine Verwaltungsphase. In der Hauptphase führen die Spieler reihum ihre Aktionen aus. Als erstes ziehen sie Erinnerungskarten vom eigenen Deck bis sie vier Karten auf der Hand haben. In einem Spielzug wählt der aktive Spieler zwei Karten aus. Eine Karte schiebt er in den oberen Slot seines Tableaus und die andere Karte in den unteren Slot. Mit der oberen Karte wird eine Aktion ausgelöst, die untere Karte liefert Einkommen für die nächste Runde / Epoche. Folgende Aktionen stehen den Spielern zur Verfügung:

 

  • Erinnerungen aufschreiben

Der Spieler kauft eine Erinnerungskarte von der Auslage und bezahlt mit Dukaten und Storypunkten. Diese Karte ersetzt die Karte des unteren Slots, die sofort aus dem Spiel kommt.

 

  • Opus in Auftrag geben

Der Spieler kauft eine Opus-Karte von der Auslage und bezahlt die Kosten mit Dukaten und Talent-Storypunkten. Er erhält die angegebenen Siegpunkte und legt die gekaufte Opus-Karte vor sich ab.

 

  • Opus aufführen oder verkaufen

Der Spieler wählt eine seiner Opus-Karten und führt sie entweder auf oder er verkauft sie. Verkaufte Karten kommen aus dem Spiel. Aufgeführte Karten können in der nächsten Runde wieder verwendet werden.

 

  • Reisen

Der Spieler zieht mit der Mozart-Figur auf ein beliebiges Ziel und bezahlt die Reisekosten in Dukaten. In Städten führt er die entsprechende Aktion aus. In Königshöfen ebenfalls und er nimmt zusätzlich dieses Königshof-Plättchen an sich. Darauf befinden sich Aufträge, deren Erfüllung in der Schlusswertung weitere Siegpunkte einbringen.

 

  • Am Requiem arbeiten

Der Spieler platziert gegen Abgabe von Dukaten und Kompositions-Storypunkten einen Noten-Marker passend auf den Spielplan. Er erhält eine einmalige Belohnung und schaltet ggf. weiteres Einkommen für die Verwaltungsphase frei. Ausliegende Noten-Marker bringen außerdem in der Schlusswertung zusätzliche Siegpunkte.

 

Nachdem jeder Spieler vier Aktionen ausgeführt hat endet die laufende Runde. Je nach gespielten Aktionen gibt es einen Epochenbonus und die Spieler erhalten ihr Einkommen für die nächste Runde anhand der unteren Kartenslots plus evtl. Einkommen für die Arbeiten am Requiem. Anschließend werden die Reiseplättchen aufgefrischt und die Kartenauslage für die neue Epoche aktualisiert. Der Startspieler-Marker wandert weiter und die nächste Runde beginnt.

 

Lacrimosa endet nach der fünften Epoche. Dann erfolgt die Schlusswertung. Die Spieler erhalten jetzt noch ihre Punkte für erfüllte Königshof-Plättchen und ihre Arbeit am Requiem. Verbliebenes Geld und Storypunkte sind ebenfalls noch ein paar Siegpunkte wert. Der Spieler mit den meisten Punkten hat dann gewonnen

 

Meinung:

 

Primär ist Kosmos für Familienspiele und gehobene Familienspiele bekannt, aber in der Vergangenheit hat der Verlag auch sehr gute reinrassige Kennerspiele herausgebracht (z.B. Helvetia, Nauticus, Die Tore der Welt…). Lacrimosa ist ebenfalls ein lupenreines Kennerspiel, und zwar ein verdammt gutes!

 

Beim ersten Durchlesen der Anleitung wirkt die Veröffentlichung sogar komplizierter als sie letztendlich ist, und damit sind wir auch schon bei einem der wenigen Kritikpunkte am Spiel. Die Regel ist sicherlich nicht schlecht geschrieben und sie lässt auch keine Fragen offen, aber die Struktur ist ein bisschen umständlich konzipiert. Hinzu kommen Begrifflichkeiten, die zwar thematisch passen, aber zumindest ungewohnt sind. Beispiel: im gesamten Regelwerk kommt kein einziges Mal der Begriff „Ressourcen“ vor. Es wird von Anfang an immer von Story-Punkten gesprochen. De facto sind diese Story-Punkte aber klassische Ressourcen. Meiner Meinung nach hätte man das in einem Nebensatz erwähnen können, denn dann würde sich die Anleitung leichter zugänglich lesen lassen. Aber wie gesagt … thematisch passt es so besser.

 

Sobald die Regeln erstmal verinnerlicht wurden, spielt sich Lacrimosa flüssig und problemlos. Das heißt aber nicht, dass die Spielzüge einfache Selbstläufer sind. Ganz im Gegenteil. Die Spieler müssen sich schon sehr genau überlegen, welche Aktion sie zu welchem Zeitpunkt ausführen wollen. Und welche Karte sie dabei in den unteren Slot legen! Denn die dazugehörige obere Aktion kann in dieser Runde dann natürlich nicht mehr verwendet werden. Alle Aktionen sind in den Startkarten zwar zweimal vertreten, aber manchmal möchte man eine Aktion halt doppelt in einer Runde ausführen. Also Augen auf bei der Positionierung. Wichtig und sinnvoll sind übrigens durchweg alle Aktionsmöglichkeiten. Ich empfehle, sich möglichst breit aufzustellen und nach Möglichkeit die besten Optionen mitzunehmen (z.B. beim Reisen ein paar Aufträge, die idealerweise mit den Arbeiten am Requiem einhergehen).

 

Macht das Ganze Spaß? Ja, definitiv! Lacrimosa kann jedem Kennerspieler ans Herz gelegt werden. Wer Spiele wie Newton und Konsorten mag, der wird auch Lacrimosa lieben. Der Solomodus der Veröffentlichung ist ebenfalls zu loben. Der Solospieler tritt hier gegen einen Automa an, für den in seinem Zug Karten aufgedeckt werden. Der Schwierigkeitsgrad ist einstellbar auf Leicht, Anspruchsvoll und Schwer. Genauso wie ein Spiel gegen Mitspieler macht der Solomodus Freude und ist abhängig vom gewählten Schwierigkeitsgrad nicht locker-leicht zu gewinnen.

 

Hinsichtlich der Optik sind die aufklappbaren Spielertableaus zweifellos die Eye-Catcher. Diese Double-Layer Tableaus sind qualitativ hochwertig und machen echt was her. Die restliche Aufmachung (Hauptspielplan, Karten, Marker…) finde ich persönlich weder hübsch noch hässlich, sondern im durchschnittlichen Mittelmaß angesiedelt. Aber Optik ist bekanntlich immer Geschmackssache. Die Symbolik ist problemlos verständlich, besonders wenn man das Spiel schon mal gespielt hat.

 

Fazit:

 

Unter dem Strich ist Lacrimosa ein gutes bis sehr gutes Spiel geworden, das eine Weiterempfehlung absolut verdient. Eurogame-Kennerspieler kommen hier voll auf ihre Kosten. An die oberste Elite dieses Genres kommt Lacrimosa jedoch nicht ganz heran, und deshalb bleibe ich auch knapp unter der Höchstpunktzahl. Der Weiterempfehlung tut das aber keinen Abbruch.

 

Heiße Hexenkessel

03. September 2023 um 12:12
Jeder Spieletitel ist besser mit Alliteration. Und so wird aus Whirling Witchcraft (dem Original-Titel) dann eben Heiße Hexenkessel (Erik Andersson Sundén / Schwerkraft). Dabei wäre Wirbelnde Hexenkessel doch eigentlich die beste Option, denn genau darum geht es. Hexenkessel in denen Zutaten herumwirbeln und die gleichzeitig zwischen den Spielern wirbeln.
 
 
 
 
 
 
 
 
Hexen hassen Hexen
Als erfahrene Hexe startet jede von uns mit einem dreidimensionalen Hexenkessel sowie einer Werkbank, auf dem bereits einige Kröten, Spinnen und Pilze liegen (dargestellt als formschöne und bunte Holzklötze). Gleichzeitig brauen wir damit nun Runde für Runde unsere Tränke. Kooperativ ist daran allerdings nichts, vielmehr gönnen wir unseren konkurrierenden Hexen nicht das glibberige unter dem Fingernagel. Stattdessen ist es unser Ansporn, den Kessel der Hexe rechts von uns überkochen zu lassen, ohne selbst das gleiche Schicksal zu erleiden.
 
 
Kreiselnde Kessel
Wie genau bewerkstelligen wir das? Nun, ganz einfach. Runde für Runde draften wir aus einigen Karten ein neues Rezept, das die eigene Auslage ergänzt. Die Rezepte erlauben uns, Zutaten von unserer Werkbank umzuwandeln und in den Kessel zu legen. So nehmen wir etwa einen Pilz und zwei Spinnen und machen daraus eine Alraune und drei Kröten. Das treibt nicht nur die Naturwissenschaftlerin in uns in den Wahnsinn, sondern hoffentlich auch die Mitspielerin zur Rechten. Denn genau dahin wandert der Kessel mit unserem Brauergebnis. Die erhaltenen Zutaten müssen nun auf der Werkbank untergebracht werden, wofür allerdings nur begrenzt Plätze verfügbar sind. Ist das nicht möglich, werden überschüssige Zutaten zu Siegpunkten, bei deren fünf der Sieger feststeht. Da wir gleichzeitig aber auch immer von links einen gefüllten Kessel bekommen, muss stets zwischen der Leerung der eigenen Werkbank und der Chance auf Punkte abgewogen werden. Etwas erfahrenere Hexen sollten zudem nach den ersten Partien zu den asymmetrischen Charakteren wechseln, die euch dann noch mit besonderen Fähigkeiten versorgen.
 
Fazit
Wer mit dem Draften von Karten und dem Bau einer Engine vertraut ist, der findet sich in Heiße Hexenkessel schnell zurecht. Denn die Regeln selbst sind angenehm schlank, bereits nach ein paar Minuten des Erklärens werden die ersten Tränke gebraut. Das tolle Material tut dabei sein Übriges. Dass in diesem Kessel allerdings auch spielerisch einiges steckt, das fällt erst nach ein paar Runden auf. Anfänglich versucht man zumeist, die Mitspieler gezielt mit einzelnen Farbwürfeln zu Fluten und jedes mögliche Rezept auszulösen. Erfahrene Spieler hungern die Konkurrenz dagegen aus oder horten Würfel, um in den Folgerunden mehr Möglichkeiten zu haben. Zusammen mit dem ständigen Abwägen zwischen dem Schutz der eigenen Werkbank und dem Drang zu punkten ergibt sich hier ein ganz besonderer Reiz.
 
Andererseits muss auch klar gesagt werden, dass dieses Gefühl keinesfalls in jeder Partie zum Tragen kommt. Schlussendlich entscheiden die Karten über Wohl und Wehe, selbst das Drafting kann manchmal nicht verhindern, dass einfach nichts zusammenpasst. Gerade solche Partien fallen dann auch häufig kurz aus, wirklich Einfluss hat man in diesen Momenten nicht. Das fühlt sich dann entsprechend unbefriedigend an. Gleiches passiert häufig, wenn Spieler mit unterschiedlicher Erfahrung gegeneinander antreten. Heiße Hexenkessel hat eine Lernkurve und kann frustrieren, wenn man von erfahrenen Hexen an die Wand gekocht wird. Das Durchbeißen lohnt sich allerdings, mit steigender Erfahrung wird das Spiel immer besser.
 

 

Revive

14. August 2023 um 15:49

Verlag: Pegasus

Autoren: Kristian A. Ostby / Helge Meissner / Anna Wermlund / Eilif Svensson

Spieleranzahl: 1 - 4

Alter: ab 12 Jahren

Spieldauer: 90 - 120 Minuten

 

 

Einleitung:

 

Revive ist ein Zivilisationsspiel, in dem jeder Spieler einen individuellen Stamm repräsentiert. Anfangs ausgehend vom Abgrund breiten sich die Völker sukzessive auf der Oberfläche der Erde aus, indem sie vereiste Welten erkunden, Gebäude errichten und Städte bevölkern. Dabei schalten die Protagonisten hilfreiche Maschinen sowie verschiedene Technologien frei. Außerdem werben die Spieler im Laufe der Partie neue Gefolgsleute an, und das Zusammenspiel all dieser Faktoren führt am Ende für den erfolgreichsten Stamm zum Sieg mittels der meisten Siegpunkte

 

Ablauf:

 

Zunächst wird der Spielplan in die Mitte gelegt und mit allen Gebietsplättchen bestückt. Lediglich die fünf Startgebiete liegen offen aus, alle anderen Gebiete sind verdeckt. Die sonstigen Spielmaterialien werden bereitgelegt (Bürgerkarten, Maschinenplättchen, Slot-Modul-Plättchen usw.). Jeder Spieler erhält ein eigenes Spielertableau und ein Set von sechs Startkarten (Bürgerkarten). Die Felder der Maschinenleisten und die fünf Plätze des Stammestableaus werden mit Fortschrittsmarkern bedeckt. Last not least gibt es eine zufällige Artefaktkarte mit Sonderaufträgen, die Startressourcen und eine Energie. Dann kann es auch schon losgehen.

 

In seinem Zug kann der aktive Spieler entweder ein oder zwei Aktionen ausführen oder überwintern. Folgende Aktionsmöglichkeiten stehen den Spielern zur Verfügung:

 

  • Karte spielen

  • Den Schalter nutzen

  • Verdeckte Gebiete erkunden

  • Ein Ortsfeld bevölkern

  • Ein leeres Wüstenfeld bebauen

 

Zusätzlich zu diesen Hauptaktionen können die Spieler auch diverse Nebenaktionen ausführen wie eine Maschine aktivieren, eine Kiste öffnen oder einen Kristall in eine andere Ressource umtauschen.

 

Eine Karte wird immer aus dem aktiven Bereich ausgespielt. Dazu wird sie in einen freien Slot geschoben und der obere bzw. untere Effekt wird ausgeführt. Liegen bereits farblich passende Karten mit Slotsymbol und/oder Slot-Module aus, so werden deren Effekte ebenfalls aktiviert. Oftmals erhält man Ressourcen, aber es gibt auch Umtauscheffekte oder die Aktivierung der eigenen Stammesfähigkeit usw. Mit der Nutzung des Schalters erhält man im Grundspiel eine Ressource seiner Wahl. Durch die Kampagne werden jedoch diverse Sonderregeln optional freigeschaltet. Dadurch wird im Falle des Schalters die Aktion stärker (aus Spoilergründen wird der optionale Effekt nicht beschrieben). Das Erkunden verdeckter Gebietsplättchen erfordert Getreide und ggf. auch Bücher. Dadurch erhält man neue Karten von der Auslage sowie sofortige Siegpunkte. Das entdeckte Gebiet wird dann umgedreht und offen angelegt. Durch die Bevölkerung von Orten schalten die Spieler Technologien ihres Stammestableaus frei, außerdem sind eingesetzte Figuren am Schluss Siegpunkte wert. Baut ein Spieler ein Gebäude auf einem leeren Wüstenfeld, rückt er auf seiner entsprechenden Maschinenleiste voran. Dabei werden ggf. Fortschrittsmarker vom Maschinenfeld entfernt und auf das Tableau gelegt. An bestimmten Stellen werden auch Maschinen freigespielt, die ab sofort genutzt werden können. Für die Aktionen Bauen, Bevölkern und Erkunden gilt, dass Entfernungen zu eigenen Figuren oder Gebäuden mit Getreide bezahlt werden müssen.

 

Wer keine Aktion ausführen kann oder nicht ausführen will, der muss überwintern. Dieser Spieler erhält jetzt all seine Energie zurück, die er für seine Maschinenaktivierung verwendet hat. Alle Karten im Ruhebereich wandern in den aktiven Bereich und die ausgespielten Karten werden von den Slots in den Ruhebereich verschoben. Das Schalterplättchen wird reaktiviert und der Überwinterungsmarker wird ein Feld hochgeschoben. Im Verlauf des Spiels erhalten die Spieler immer mal wieder neue Energie, Artefakte und Kisten mit unterschiedlichen Effekten. In der Schlusswertung werden u.a. die Punkte auf der Fortschrittsleiste, freigeschaltete Technologien, Punkte von großen Orten und Spielende-Kartenboni hinzugezählt. Der Spieler mit den meisten Punkten hat dann gewonnen.

 

Hinweis: Revive kann auch als Kampagne gespielt werden. Hierbei kommen sukzessive neue Regeln hinzu. Im Solospiel geht es um die Steigerung des eigenen Highscores, außerdem gibt es eine Bewertung anhand des erspielten Ergebnisses.

 

Meinung:

 

Im Internet wird Revive frenetisch abgefeiert, und diesen Lobeshymnen kann ich mich zum Großteil anschließen. Es gibt meiner Meinung nach aber auch verschiedene Kritikpunkte, auf die ich später zu sprechen komme. Fangen wir jedoch mit dem Positiven an.

 

Obwohl Revive die Bezeichnung „Expertenspiel“ trägt ist die Veröffentlichung erstaunlich leicht zugänglich. Die Regeln halten sich in überschaubaren Grenzen und bieten trotzdem jede Menge Grübelpotential. Von den fünf Hauptaktionen sind Erkunden, Bevölkern und Bauen zweifellos am interessantesten. Vor allem das Bauen ist mMn eminent wichtig. Das Voranschreiten auf den Maschinenleisten ist fast schon Pflicht, denn dadurch spielt man Maschinen frei und generiert natürlich Siegpunkte am Schluss (plus Erhalt von Energie und Artefakten bei verschiedenen Stufen). Je früher, desto besser. Andererseits sind einige Technologien mittels Bevölkern ebenfalls superwichtig. Kommt auch auf den Stamm und dessen individuelle Vorteile an. Besonders in Zusammenhang mit bereits errichteten Gebäuden ist das Erkunden wichtig. Schließlich darf man das erkundete Gebiet nach Belieben anlegen, was wiederum einen weiteren Fortschritt auf den Maschinenleisten ergeben kann. Außerdem gibt es Siegpunkte und neue Karten von der Auslage. Die Abwägungen dieser Möglichkeiten machen tierisch Spaß ohne aber dabei das Gehirn zu überfordern.

 

Neben der tollen Spielmechanik ist auch die Spielanleitung in höchsten Tönen zu loben. Alle Möglichkeiten werden perfekt erklärt sowie kurz und knackig mit guten Beispielen erläutert. Da bleiben keine Fragen offen. Aber Achtung – dies gilt wohlgemerkt für den Text und die Struktur der Spielregel. Nicht für die Symbolik / Ikonografie! Ein weiteres Lob gebührt der Materialqualität der Tableaus und den optionalen Regeln, die nach Belieben hinzugefügt werden können. Vor allem die optionale Schalterregel würde ich immer dazu nehmen. Auch die Rückseiten der Spielertableaus mit dem Mondsymbol würde ich zur Auswahl offenlassen. Diese sind zwar teilweise schwerer zu spielen, aber es gibt bestimmt genug Leute, denen es so besser gefällt.

 

Spielerisch bekommt Revive von mir einen klaren „Daumen hoch“. Die Züge gehen leicht von der Hand, machen Spaß, erfordern Hirnschmalz und arten dabei nie in Arbeit aus. Klare Empfehlung für alle Kennerspieler und Experten.

 

Nichtsdestotrotz gibt es aber auch ein paar Punkte, die mir nicht so gefallen haben. Da wäre zum einen die Ikonografie. Ja, ein paar Grafiken sind selbsterklärend, aber es gibt auch viele Symbole, die nachgeschlagen werden müssen. Diesbezüglich hätte ich mir lose Kurzregeln für alle Spieler gewünscht. Wohlgemerkt mit Symbolerläuterungen! Es gibt zwar vier kleine Karten mit den fünf Hauptaktionsmöglichkeiten, aber diese Kärtchen sind in dieser Weise echt überflüssig. Ergo: im Laufe einer Partie wird folgender Satz öfters fallen: „Gib mir mal bitte die Spielanleitung“. Oder alternativ die klassische Frage an den Erklärbär: „Was bedeutet das“?

 

Auch die Anordnung der Maschinenleisten ist nicht gerade ideal gelöst. Man muss schon genau hinschauen, um wichtige Schnittpunkte nicht zu übersehen. Als nächstes kommen die Farben hinzu. Die pastellfarbenen Spielermaterialien und Marker sind nicht gerade ein Augenschmaus und ähneln sich zu sehr. Ich kenne mich gesundheitlich überhaupt nicht aus, aber ich kann mir vorstellen, dass farbenblinde Personen damit ein echtes Problem haben.

 

Kommen wir nun zu den letzten beiden Kritikpunkten. Ein subjektiver Kritikpunkt ist, dass die Völker meiner Meinung nach unterschiedlich stark sind. Einige Stämme sind einfach leichter zu spielen mit besseren Individualvorteilen. Aber zum Glück sind die Unterschiede relativ gering. Eine so eklatante Balanceungleichheit wie z.B. bei Marco Polo 2 gibt es Gott sei Dank nicht. Die letzte Kritik gilt der Kampagne. Ich bin grundsätzlich ein großer Freund von Kampagnen, aber das hier ist für die Füße. Eigentlich ist sie gut gemeint und funktioniert beim ersten Mal auch, aber freigespielte Materialien haben keine entsprechende Kennzeichnung. Die kommen dann größtenteils einfach zu den Basismaterialien dazu. Auf diese Weise kann die Kampagne also nicht mit einer anderen Gruppe wiederholt werden, es sei denn, die besonderen Stanzbögen wurden vorher fotografiert und die entsprechenden Teile werden wieder herausgesucht. Sorry, aber das ist nicht gut durchdacht. Empfehlung meinerseits: sucht Euch die optionalen Regeln aus den Kampagnenkarten heraus und vergesst die Kampagne.

 

Fazit:

 

Obwohl die Kritikpunkte relativ viel Platz im Meinungsblock in Anspruch genommen haben, ist Revive ein tolles Spiel und definitiv eine Weiterempfehlung wert. Aufgrund der Kritikpunkte kann ich allerdings nicht die Höchstpunktzahl vergeben.

 

Bloodborne: Das Brettspiel - Verbotener Wald

03. Juli 2023 um 20:06

Verlag: CMON / Asmodee

Autor: Michael Shinall / Eric M. Lang

Spieleranzahl: 1 – 4

Alter: ab 14 Jahren

Spieldauer: 60 – 90 Minuten

 

 

Einleitung:

 

Verbotener Wald ist eine Erweiterung für Bloodborne: Das Brettspiel. Ähnlich wie Verlassenes Schloss Cainhurst bietet die Erweiterung zwei neue Kampagnen plus ein Bonus-Kapitel, das einer beliebigen Kampagne hinzugefügt werden kann. In dieser Veröffentlichung verschlägt es die Jäger in die Wälder abseits von Yharnam, wo neue Gegner und neue Gefahren auf sie warten.

 

Ablauf:

 

Die Regeln des Bloodborne Grundspiels und der Cainhurst-Erweiterung gelten weiterhin unverändert. Verbotener Wald beinhaltet 21 Miniaturen, 12 Kartenteile und etliche neue Karten (unter anderem 131 Kampagnenkarten, 11 Belohnungskarten und diverse Ritual-Karten). Neue Jäger gibt es nicht. Das Kernstück des Verbotenen Waldes sind natürlich die zwei neuen Kampagnen. Im Gegensatz zu Verlassenes Schloss Cainhurst teilen sich die beiden Kampagnen kein Kapitel. Es handelt sich also um zwei vollständig-eigenständige Kampagnen wie die Abenteuer vom Grundspiel.

 

Ein gänzlich neues Kartenteil ist die Schlammgrube. Auf diesem Feld erscheint statt des normalen Gegners immer ein Menschenfresser-Eber mit acht Lebenspunkten. Unangenehm ist auch die Hexen-Behausung, denn auf diesem Kartenteil erhalten Jägerangriffe und Ausweichen -1 Geschwindigkeit.

 

Das Bonus-Kapitel Verbotener Wald wird nie eigenständig gespielt, sondern zu einer Kampagne hinzugefügt. Achtung Spoiler! Dieses Kapitel hat keine eigene Jagd-Mission. Die Spieler versuchen einfach, so viele Einsicht-Missionen wie möglich abzuschließen. Die Jagdleiste wird in diesem Kapitel immer ein zusätzliches Feld vorgerückt und es gibt keine Blutechos für das Besiegen von Gegnern. Wie gewohnt müssen die Spieler alle Kapitel am Stück gewinnen. Ansonsten geht es mit Kapitel 1 wieder von vorne los.

 

Meinung:

 

Ebenso wie Verlassenes Schloss Cainhurst ist auch Verbotener Wald eine klasse Erweiterung im Bloodborne-Universum. Genau wie bei Cainhurst gibt es auch hier keine Überraschungen oder gravierende Mechanik-Experimente. Alles wie gehabt, und das ist auch gut so!

 

Die beiden vollwertigen Kampagnen wissen auf ganzer Linie zu überzeugen. Ich finde sie ein bisschen schwerer als die Cainhurst-Kampagnen, aber das ist wohlgemerkt positiv gemeint. Cainhurst war vielleicht einen Tacken zu einfach zu gewinnen. Die Vipernhöhle aus der Verbotenen Wald Erweiterung ist ein bisschen anspruchsvoller, aber immer noch locker zu schaffen. Dunkle Rituale hingegen ist deutlich heftiger, wenngleich die Kampagne trotzdem keinen so schwierigen Endboss wie die Bluthungrige Bestie hat (dieses Drecksvieh hat mir im Basisspiel böse den Arsch aufgerissen … war trotzdem geil) J

 

Auch der Schwierigkeitsgrad der neuen Gegner ist in etwa zwischen Cainhurst und dem Grundspiel angesiedelt. Ein besonderer Leckerbissen hierbei ist der Menschenfresser-Eber. Aufgrund seiner erhöhten Lebenspunkte dauert es länger, ihn zu besiegen. Gut so, denn viele andere Feinde sind eher Opfer als vollwertige Gegner. Hinzu kommt die endgeile Optik, denn die Miniatur des Ebers sieht schweinegut aus (man beachte den Wortwitz, Lach) J Generell sind die Modelle wieder sehr gut geworden und passen sich perfekt in den typischen Bloodborne-Look ein. Bemalt macht das Ganze natürlich nochmal mehr her.

 

Das Bonus-Kapitel ist nett, aber die dahinterstehende Idee kann mich nicht gänzlich überzeugen. Ein Kapitel ohne echte Jagdmission ist halt wie ein Schnitzel ohne Pommes (oder wie Nightwish ohne Tarja Turunen). Mein Eindruck ist einfach, dass hier primär das Grinding im Mittelpunkt steht, um die Belohnungen ins nächste reguläre Kapitel mitzunehmen, was letztendlich eine Vereinfachung der Gesamtkampagne ist. Andererseits macht es natürlich keinen Sinn, das Bonus-Kapitel an den Schluss zu stellen, weil es ja keine Jagd-Mission hat. Naja … Ansichtssache. Man muss das Bonus-Kapitel ja nicht zwangsweise in eine Kampagne einbauen.

 

Last not least noch ein kleiner Hinweis. In der Kampagne Dunkle Rituale hat sich ein kleiner Fehlerteufel eingeschlichen. Im Aufbau wird in den Kapiteln 2 und 3 von „Verbotenes Grab“ gesprochen. Ein solches Kartenteil gibt es gar nicht. Gemeint ist sicherlich „Verbotener Friedhof“. Diese Kleinigkeit hat aber natürlich keine Auswirkung auf den Spielspaß, der wieder mal absolut super ist.

 

Fazit:

 

Klare Weiterempfehlung! Wer das Grundspiel und Verlassenes Schloss Cainhurst mochte, der wird auch den Verbotenen Wald lieben. Die Erweiterung ist wieder klassisch „more of the same“ und genau das haben sich Bloodborne-Fans wie meinereiner gewünscht. Top!

 

Bloodborne: Das Brettspiel - Verlassenes Schloss Cainhurst

07. Juni 2023 um 12:12

Verlag: CMON / Asmodee

Autor: Michael Shinall / Eric M. Lang

Spieleranzahl: 1 – 4

Alter: ab 14 Jahren

Spieldauer: 60 – 90 Minuten

 

 

Einleitung:

 

Verlassenes Schloss Cainhurst ist eine Erweiterung für Bloodborne: Das Brettspiel.

Eingehüllt in Dunkelheit und bitterer Kälte liegt Schloss Cainhurst verlassen auf einem hohen Gipfel. Noch immer lauert im Schloss ein Geheimnis aus vergangener Zeit. In dieser Erweiterung stellen sich 1 – 4 Jäger aus Yharnam dem Eid der Henker oder dem Eid der Ekelblüter.

 

Ablauf:

 

Die Regeln des Bloodborne Grundspiels gelten weiterhin unverändert. Verlassenes Schloss Cainhurst beinhaltet 11 neue Kartenteile, 7 Gegnerkarten, zwei Bosskarten plus dazugehörige Aktionskarten, 7 Belohnungskarten, zwei Schusswaffenkarten sowie 20 Gegner-Miniaturen. Neue Jäger sind in der Erweiterung nicht enthalten. Kernstück von Cainhurst sind aber natürlich die zwei neuen Kampagnen, die sich das erste Kapitel teilen. Dieses erste Kapitel wird ausschließlich mit Gegnern und Kartenteilen des Grundspiels bestritten. Gegen Ende des Kapitels können sich die Spieler wahlweise den Henkern oder den Ekelblütern anschließen. Anschließend muss der jeweilige Endboss besiegt werden und dann beginnt Kapitel 2 des ausgewählten Eids (Der Henker-Eid -> Erbe des Märtyrers oder Der Ekelblut-Eid -> Erbe der Königin). Wie gewohnt müssen dann alle Kapitel am Stück gewonnen werden. Ansonsten geht es mit Kapitel 1 wieder von vorne los.

 

Die Erweiterung beinhaltet aber auch noch einen speziellen Verbrauchsgegenstand. Die Karte Cainhurst-Vorladung wird in den Verbrauchsgegenstands-Kartenstapel einer Nicht-Cainhurst Kampagne eingemischt. (also Grundspiel oder Verbotener Wald). Wird die Karte im Verlauf der Kampagne gefunden, wird ein Bonus-Kapitel hinzugefügt. Dieses Kapitel bringt den Jägern diverse Belohnungen und ist quasi die optionale Einladung, mit der Cainhurst-Erweiterung fortzufahren.

 

Meinung:

 

Über zwei Jahre mussten die Freunde des Grundspiels auf die deutschsprachigen Erweiterungen warten, aber dieses Warten hat sich gelohnt. Verlassenes Schloss Cainhurst macht genau da weiter, wo das Grundspiel endete, und in dieser Erweiterung wurden keine Experimente gemacht. Alles wie gehabt, und das ist auch gut so! Die Idee eines einleitenden Kapitels, das sich dann in zwei Kampagnen teilt, ist meiner Meinung nach absolut gelungen. Andererseits fehlt mathematisch quasi ein Kapitel, das jedoch durch die Bonuskampagne ausgeglichen wird. Insofern gibt es rechnerisch trotzdem sechs Kapitel, was zwei vollwertigen Kampagnen entspricht.

 

Die beiden Hauptkampagnenstränge gefallen mir sehr gut. Allerdings sind sie meinem Erachten nach nicht unbedingt schwer. Das erste Kapitel mit den Materialien des Grundspiels ist am schwersten zu gewinnen. Hat man dieses Kapitel erstmal geschafft und ist man mit verbesserten Attributskarten und Verbrauchsgegenständen ausgestattet, sind die Kapitel 2 und 3 für erfahrene Jäger eigentlich kein größeres Problem. Das liegt in erster Linie an den neuen Gegnern, die deutlich einfacher (und schneller) zu besiegen sind als die meisten Gegner des Grundspiels. Gleiches gilt auch für die Bosse. Dem Spielspaß tut das aber natürlich keinen Abbruch. Im Gegenteil … Erfolge hinterlassen bekanntlich ein positives Gesamtgefühl. Das heißt aber nicht, dass die Erweiterung ein Spaziergang ist. Auch Cainhurst verlangt den Spielern taktische Überlegungen und kluge Entscheidungen ab. Spielerisch ist Verlassenes Schloss Cainhurst also absolut super und macht tierisch Spaß.

 

Auch die Miniaturen sind wieder zu loben. Die Modelle sehen sehr gut aus, wobei Logarius und Annalise sowie der Einsame Schlossgeist ein bisschen herausragen. Die Illustration der Kartenteile ist sogar schöner als die Optik der Grundspiel-Kartenteile. Die Bonuskampagne ist ebenfalls ein gelungenes Gimmik, so dass unter dem Strich selbstredend eine uneingeschränkte Weiterempfehlung rauskommt. Top.

 

Fazit:

 

Wer das Bloodborne Grundspiel mochte kommt um das Verlassene Schloss Cainhurst nicht herum. Diese Erweiterung ist klassisch „more of the same“, und genau das haben sich Bloodborne Fans wie meinereiner gewünscht. Keine gravierenden Experimente und kein moderneres Schnickschnack, sondern nur zwei neue Kampagnen, die einfach Bock machen. So, und jetzt freue ich mich auf den Verbotenen Wald, der die nächsten Kampagnen im Boodborne Universum bereithält.

Bloodborne - Das Brettspiel

 Verlag: CMON / Asmodee

Autor: Michael Shinall / Eric M. Lang

Spieleranzahl: 1 – 4

Alter: ab 12 Jahren

Spieldauer: 60 – 90 Minuten

 

 

Einleitung:

 

Bloodborne – Das Brettspiel basiert auf dem beliebten Videospiel gleichen Namens und ist laut Aussagen von Kennern eine hervorragende Umsetzung der digitalen Vorlage. Ich selbst kenne das Videospiel nicht und beziehe mich in den nachfolgenden Abschnitten ausschließlich auf das Brettspiel.

 

Ablauf:

 

In diesem kooperativen Spiel für 1 – 4 Personen übernimmt jeder Spieler die Rolle eines Jägers, um in der Stadt Yharnam schreckliche Monster zu bekämpfen und geheimnisvolle Mysterien zu ergründen. Das Bloodborne Grundspiel beinhaltet vier Kampagnen. Jede Kampagne besteht aus drei Kapiteln, die allesamt gelöst werden müssen, um die Kampagne zu gewinnen.

 

Nach Auswahl der zu spielenden Kampagne werden sämtliche Karten und sonstige Materialien bereitgelegt. Jeder Spieler wählt einen Jäger und erhält ein Jägertableau inkl. Trickwaffentableau sowie ein Kartendeck mit 12 Standard-Attributskarten. Außerdem bekommen die Protagonisten eine Schusswaffenkarte und sechs Lebenspunkte. Die Aktionskarten (= Attributskarten) werden gemischt und als verdeckter Nachziehstapel bereitgelegt. Anschließend wird die Einführungskarte der Kampagne vorgelesen und das erste Kapitel gemäß Anweisung aufgebaut. Um eine Jagdmission überhaupt abschließen zu können, müssen zunächst diverse Nebenmissionen (= Einsicht-Missionen) erfüllt werden. Erst dann wird das letztendliche Jagdziel freigegeben und kann von den Spielern angegangen werden. In der Regel muss dann ein Endboss mehrmals besiegt werden.

 

Eine Runde besteht immer aus den zwei Phasen Jägerzug und Gegneraktivierung. Jeder Spieler zieht von seinem Nachziehstapel drei Karten auf die Hand. Als Aktionen kann er einen Gegner angreifen, sich zwei Felder bewegen, mit Markern interagieren, seine Waffe transformieren oder in den Traum des Jägers gehen. Für die Aktionen werden Karten von der Hand abgelegt bzw. im Kampf ausgespielt.

 

Beim Kampf wird eine Handkarte auf einen freien Slot des Trickwaffentableaus gelegt und eine Gegnerkarte aufgedeckt. Die Aktionen von Jäger und Gegner werden nach Schnelligkeit abgehandelt, ggf. auch simultan (bei gleicher Geschwindigkeit). Für getötete Monster erhält der Spieler ein Blutecho. Mit diesen Markern kann der Spieler im Traum des Jägers bessere Attributskarten kaufen, allerdings muss er dafür Standardkarten ablegen. Nach jeder Runde und bei jedem Gang in den Traum des Jägers schreitet der Marker der Jagdleiste voran. Überschreitet der Marker das letzte Feld dieser Leiste, ist das Kapitel verloren und die Spieler müssen komplett neu beim ersten Kapitel der Kampagne anfangen. Natürlich gibt es viele weitere Detailregeln, aber für den ersten Überblick soll es an dieser Stelle erstmal reichen. Wichtig zu wissen ist lediglich noch, dass alle Ereignisse und Ziele von den Missionskarten beim Aufdecken bekanntgegeben werden. Diese Karten führen die Spieler chronologisch durch die Kampagne.

 

Meinung:

 

Bloodborne – Das Brettspiel ist für mich eine der positivsten Überraschungen aller Zeiten. Aufgrund der eher nüchternen Optik lag die Veröffentlichung lange auf meinem Pile of Shame (= Stapel der ungespielten Brettspiele) brach, bis ich es eines Tages zum erstenmal auf den Tisch brachte. Wow … was für ein geiles Spiel! Gehen wir nun alle Punkte Schritt für Schritt durch und beleuchten die Aspekte im Einzelnen.

 

Die Figuren von Bloodborne sind allesamt gut bis sehr gut ausmodelliert. Natürlich werden die Feinheiten moderner Kickstarter-Veröffentlichungen nicht erreicht, aber die Minis sehen klasse aus und machen echt was her. Das gilt neben der Modellierung auch für die Größe der Figuren. Im bemalten Zustand wirken die Miniaturen natürlich noch schöner und eindrucksvoller. Die Kartenteile sind übersichtlich und stimmungsvoll konzipiert. Sicherlich nicht fotorealistisch, aber atmosphärisch und funktional. Alle Marker-Punkte sind deutlich erkennbar und auch die Texte bei entsprechenden Kartenteilen fallen ins Auge ohne dabei das Flair zu beeinträchtigen. Die Jägertableaus inkl. Trickwaffentableaus wirken wie erwähnt etwas schmucklos, aber dafür sind die Zeichnungen der Jäger erste Sahne und die Funktionalität ist top. Alle Informationen sind kompakt zu erkennen und lassen keine Fragen offen. Gleiches gilt für die Spielanleitung, die ausgezeichnet geschrieben wurde. Die Regeln sind klar erläutert und sind auch leicht zugänglich konzipiert. Auch die Missionskarten führen sauber durch die Kampagne.

 

Der Spielspaß ist super. Bloodborne ist teilweise bockschwer zu gewinnen, wobei die empfohlene erste Kampagne „Die Lange Jagd“ am einfachsten zu bewältigen ist. Spielerisch halten sich taktische Überlegungen und Glück in etwa die Waage, wenngleich die Taktik/Strategie langfristig überwiegt. Das Glück hängt vor allem davon ab, welche Kartenteile zu welchem Zeitpunkt aufgedeckt werden. Je früher benötigte Teile auftauchen, desto einfacher wird das Kapitel, weil man einfach mehr Zeit zur Verfügung hat. Der Kampf mit den Gegnern ist schlank, verständlich und trotzdem spannend, weil die nächste Gegneraktion durchaus entscheidend sein kann. Je mehr Aktionen aufgedeckt sind, desto berechenbarer wird die nächste Kampfhandlung, und dieses System ist verdammt gut. Oftmals wird eine Mission bzw. ein Kapitel erst im letzten Moment geschafft, und dieser Nervenkitzel weiß auf ganzer Linie zu gefallen.

 

Der Preis für das Spiel erscheint auf den ersten Blick vielleicht etwas hoch, aber man muss sich auch überlegen, was man alles dafür bekommt. Fast 40 schöne Miniaturen, gutes Spielmaterial und eine sehr gute Spielregel, was meiner Meinung nach extrem wichtig ist. Insofern hält sich der Preis also durchaus im fairen Rahmen, wenngleich das Spiel natürlich trotzdem keine billige Veröffentlichung ist. Qualität hat nun mal seinen Preis, und die Qualität von Bloodborne – Das Brettspiel kann sich wahrlich sehen lassen.

 

Fazit:

 

Schlanke Regeln, großer Spielspaß, Spannung, Anspruch, (teilweise) hoher Schwierigkeitsgrad, gute Qualität … Crawlerherz, was willst du mehr? Bloodborne – Das Brettspiel ist definitiv eine glasklare Weiterempfehlung wert. Ich freue mich jetzt schon auf die Erweiterungen mit den neuen Kampagnen, neuen Gegnern und neuen Herausforderungen.

 

Helvetiq kündigt weitere kleine Kartenspiele an

16. Januar 2023 um 00:00

Neue Kartenspiel von Helvetiq

Der Schweizer Verlag Helvetiq hat für das Frühjahr 2023 weitere kleine Kartenspiele angekündigt. Das Spiel „Watch out“ im Retrostil verlangt von Euch ein gutes Auge und ein schnelles Reaktionsvermögen, um auf die jeweilige Situation reagieren zu können, wenn Ihr mit Eurem Auto durch Corkcity fahrt! Das Spiel ist für zwei bis sechs Spielerinnen und Spieler.

Helvetiq kündigt weitere kleine Kartenspiele an

15. Januar 2023 um 23:00

Der Schweizer Verlag Helvetiq hat für das Frühjahr 2023 weitere kleine Kartenspiele angekündigt. Das Spiel „Watch out“ im Retrostil verlangt von Euch ein gutes Auge und ein schnelles Reaktionsvermögen, um auf die jeweilige Situation reagieren zu können, wenn Ihr mit Eurem Auto durch Corkcity fahrt! Das Spiel ist für zwei bis sechs Spielerinnen und Spieler.

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