Dewan
Day one – Einleitung nuuuull.
Wie geht DEWAN? Wir bauen Lager, um damit Aufträge zu erfüllen. Beispielsweise soll ich drei Lager in unterschiedlichen Berggebieten haben, zwei in unterschiedlichen Wüstengebieten. Besitze ich weitere Aufträge, die Lager in Bergen oder Wüsten verlangen, könnte ich dieselben Lager nochmals werten.
Um zu bauen, spiele ich Terrainkarten. Ich wähle irgendeines meiner Lager als Ausgangspunkt. Und dessen Feld, mein Zielfeld und jedes Feld, das ich dazwischen überbrücken muss, kosten mich eine passende Terrainkarte. Baue ich ein Lager gleich auf dem Nachbarfeld, kostet dies zwei Karten. Sind zwei Felder dazwischen, kostet es vier.
Bin ich am Zug, nehme ich entweder zwei nebeneinander liegende Terrainkarten aus dem Markt oder ich baue. Das Bauen schaltet üblicherweise einen Effekt frei: Entweder darf ich einen weiteren Auftrag wählen. Oder ich darf eine Karte halb unter mein Tableau schieben. Sie zählt fortan wie ein Lager im abgebildeten Terrain.
Was passiert? DEWAN mutet harmlos an. Ähnlich wie bei etwa ZUG UM ZUG sammelt man Farbkarten, um damit Distanzen zu überbrücken. Allerdings: Ganz so easy ist es nicht. Will man gewinnen, sollte man die Angelegenheit schon ab dem ersten Zug durchplanen.
Es zahlt sich aus, den zufällig arrangierten Spielplan zu analysieren und die ausliegenden Aufträge damit abzugleichen. Es zahlt sich ebenso aus, entscheidende Felder im Gelände auszumachen, die passenden Karten für den Weg dorthin zu sammeln und rasch zu bauen, bevor das Feld besetzt ist. In manchen Gebieten liegen auch noch Beerenchips. Sie zählen Punkte, und es bekommt sie, wer dort das erste und das zweite Lager baut. Natürlich will ich Punkte, deshalb versuche ich, auch die Beeren in meinen Plan zu integrieren.
In DEWAN entscheiden Timing und Tempo. Muss ich einmal zu häufig Karten nehmen, habe ich ein Lager weniger als die anderen. Das muss nicht total schlimm sein, aber gut ist es sicherlich nicht. Auch Kartenpech kann einen Strich durch die Rechnung machen. Im Kartenmarkt ist mitunter wenig Bewegung, und ich darf Karten auch nicht vom Stapel ziehen oder 2:1 tauschen. Es kann vorkommen, dass ein benötigtes Terrain schlichtweg nicht auftaucht.
Sobald ich einen Auftrag erledige, erhalte ich eine zufällige Karte vom Stapel. Mit Glück kann ich sie gebrauchen, mit Pech nicht. Sie kann mir einen kompletten Zug (in dem ich sonst nachgezogen hätte) ersparen – oder eben nicht. Einen einzigen Zug im Finale noch machen zu dürfen oder nicht, kann in DEWAN entscheidend sein. Das macht das Spiel spannend. Jede Einzelheit ist wichtig. Es gibt keine Spielphase, in der es mal weniger drauf ankommt. (Höchstens ganz am Schluss, wenn ich alle Aufträge erledigt habe und weitere Lager nur noch baue, um das Spiel schnellstmöglich zu beenden.)
Was taugt es? DEWAN ist ein elegantes Spiel. Hauptverantwortlich dafür ist der kleine Kettenmechanismus, dass das Bauen von Lagern Nebeneffekte auslöst. Nur auf diese Weise erhalte ich weitere Aufträge, deshalb kommt das Spiel mit zwei Hauptaktionen (Karten nehmen oder bauen) aus. Zudem genügen pro Person gerade mal neun Lager, weil – wieder initiiert durch das Bauen – drei quasi virtuelle Lager hinzukommen, indem wir Karten unter unsere Tableaus schieben.
DEWAN wird auf diese Weise verdichtet und beschleunigt, ebenso durch die Art der Aufträge. Manche Aufträge beziehen sich auf Gebietsarten, andere auf Feldsymbole. Etwa soll ich vier Lager angrenzend an unterschiedliche Kristall-Symbole bauen. Im Bestfall mache ich das so, dass ein Lager sowohl an ein Kristall angrenzt als auch in einem Terrain steht, das für einen anderen Auftrag wichtig ist.
Es steckt nach meiner Auffassung eine Menge Autorenkönnen in DEWAN. Für DEWAN spricht auch, dass es gleich vier weitere Spielmodi und das dafür benötigte Zusatzmaterial mitliefert. Und doch: Das Spiel packt mich nur auf der intellektuellen Ebene, mein Herz erreicht es nicht.
Letztendlich ist dafür wohl die Strenge des Spiels verantwortlich, die geringe Fehlertoleranz, das punktgenaue Durchrechnen. Ich mag es mehr, wenn ich zur Analyse nicht gezwungen bin und auch mit halb guter Planung zumindest halb gute Gewinnchancen habe. Und ich mag es nicht, wenn in Spielen mit starkem Planungscharakter im Finale dann Unplanbares wie der Kartenmarkt oder ein von irgendwem und ohne böse Absicht in den Weg gesetztes Lager über viele Punkte entscheiden. Meine Spielegruppen sind da weniger nörgelig als ich. DEWAN gehört zu den beliebtesten Spielen des Jahrgangs.
Übrigens ist auch die Gestaltung sehr schön, und die doppellagigen Tableaus und die Szenarioübersichten unterstützen das Spiel sehr gut. Zweifellos steckt in DEWAN auch redaktionelles Können.
**** solide
DEWAN von Johannes Goupy und Yoann Levet für zwei bis vier Spieler:innen, Space Cowboys.



















