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Erinnerungen an Reinhold Wittig (1937 – 2026)

Von: HilkMAN
11. April 2026 um 23:37

Ich habe früher bei der Volkshochschule Göttingen gearbeitet. Dadurch hatte ich die Möglichkeit, pro Semester einen kostenlosen Volkshochschulkurs zu besuchen. 2007 fiel mein Blick auf einen Kurs namens „Spiele erfinden – wie geht das?“ von Reinhold Wittig. Ich kannte seinen Namen und seine ikonische Spielepyramide „Spiel“ seit den Achtzigern, und hatte mit anderen Leuten zusammen auch schon hier und da an Spielideen herumgebastelt, also schien das für mich das perfekte Angebot zu sein.
Der Kurs fand ungewöhnlicherweise in Reinholds Wohnung statt, die wohl jeden, der je dort war, in ihren Bann gezogen hat. Jeder Winkel war voll mit Marionetten, selbstgebauten Möbeln, anderen Kunstwerken von ihm, Kunst aus Afrika, Büchern, Dokumenten zur Spielgeschichte und was nicht noch alles. Die Empore in seinem Keller bestieg man über eine Flugzeug-Gangway, sein Spieltisch stand felsenfest auf großen Schiffsturbinen, und so weiter und so weiter. Und mittendrin war Reinhold, der aus seinem reichhaltigen Erfahrungsschatz erzählte.

Reinhold Wittig vor einem seiner Kunstwerke

Knobelspiel aus sogenannten Blindseelen, gebaut von Reinhold Wittig
Knobelspiel aus sogenannten Blindseelen


Der Kurs war kein gewöhnlicher Kurs, sondern eher eine Aufforderung, kreativ zu sein, mit ein paar Hilfestellungen. Aber: seine Vorstellung war, in jenem Semester Mathematik-Spiele zu erfinden. Ich hatte Magie und Fabelwesen und sowas im Kopf (und mit Mathe nur mäßig viel am Hut) und war erst mal etwas enttäuscht, aber nach ein paar Wochen schaffte ich es, einen spielbaren Prototyp zu basteln. Nach einigen Testpartien sagte Reinhold: „Das gefällt mir, das veröffentliche ich.“ Ich war völlig perplex. Wir haben dann innerhalb seines Verlages Edition Perlhuhn eine Kleinauflage von 100 Stück hergestellt, ich hatte spannende Erfahrungen gesammelt, eine erste Spiele-Veröffentlichung und vor allem: einen Freund gewonnen.

Von jenem Wintersemester an war ich regelmäßig bei Reinhold, sowohl während der Kurse (es gab noch ein paar Nachfolgekurse, aber wir haben uns auch anschließend einfach weiter wöchentlich getroffen) als auch zwischendurch. Wir haben viel gespielt, gemeinsam Spiele entwickelt oder uns gegenseitig unsere Ideen gezeigt und natürlich viel geredet. Es gab wohl kaum eine bessere Quelle, um über die Geschichte der Spielebranche in Deutschland zu lernen, als ihn. Schon in den späten Fünfzigern hatte er seinem Großvater einen alten Zaunpfahl abgeschwatzt (den dieser lieber als Brennholz verwenden wollte), um daraus ein erstes Spiel zu bauen, das legendäre Wikingerschach (nein, nicht das oft salopp so bezeichnete Kubb mit den Wurfhölzern; das ist viel jünger). Auch das grandiose Piratenbillard entstand um diese Zeit – interessanterweise hat er über das genaue Datum keine Aufzeichnungen gemacht, denn damals hatte er das Thema Spieleentwicklung selbst noch gar nicht so ernst genommen – in seinen Tagebüchern aus dieser Zeit hat er eher andere künstlerische und wissenschaftliche Werke vermerkt. Beide Spiele wurden erst wesentlich später in Verlagen veröffentlicht.

Als er 1974 vom Göttinger Kunstverein gebeten wurde, eine „spielbare Grafik“ zu veröffentlichen, tat er das, was er schon mit seinen Marionetten vielfach getan hatte: Er nutzte Alltagsmaterialien dafür, in diesem Fall Schraubenmuttern. Die Wabenform inspirierte ihn zu dem Titel Wabanti. Eine Schachtel gab es noch nicht, die Muttern und die Würfel waren in einem Beutel. 24 durchnummerierte Exemplare gab es, und die Reaktionen waren so gut, dass er zwei Jahre später zusammen mit seinem Freund Hubertus Porada einen Spieleverlag gründete, nämlich die Edition Perlhuhn. Der Name hing mit den Afrika-Reisen der beiden zusammen. Reinhold, der inzwischen als Geologe an der Universität Göttingen arbeitete, war seit 1970 häufig in Afrika unterwegs, vor allem in Namibia. Er forschte dort unter anderem zu prähistorischen Erdbeben, brachte aber neben wissenschaftlichen Erkenntnissen, viel Gestein und unglaublich spannenden Geschichten und Anekdoten auch viele Fotos mit. Aus diesen Fotos machten die beiden für 1974 einen wunderschönen großformatigen Schwarz-Weiß-Silhouetten-Kalender. Auf einem Foto sind ein paar der im südlichen Afrika verbreiteten Perlhühner zu sehen, und eine der Silhouetten wurde dann zum Logo für den neuen Verlag.

Reinhold Wittig mit Afrika-Kalender 1974
Aus diesem Foto entstand das Logo (und wohl auch der Name) der Edition Perlhuhn.
Reinhold Wittig mit Riesenausgabe seines Spiels Wabanti
Riesenausgabe Wabanti zu „50+4“ – fünfzig Jahre und vier Monate nach der Erstausgabe, mit 54mm-Muttern

Der richtige Durchbruch kam einige Jahre später mit der Würfelpyramide „Spiel“. Diese war eigentlich weniger ein Spiel als eine Aufforderung zum Spiele erfinden, denn zu Beginn enthielt sie gar kein Regelwerk. Wie Reinhold mir erzählte, hatte er mit einigen Exemplaren auf dem Göttinger Kunstmarkt gestanden und kaum welche verkauft. Irgendwie muss sich das aber herumgesprochen, denn einige Monate später, vor Weihnachten, klingelte sein Telefon und jemand fragte ihn: „Sind Sie der mit den Würfeln?“ Am gleichen Tag kamen weitere Anrufe, und zu Weihnachten waren die ersten 100 verkauft. Bald fingen Leute an, ihre eigenen Regeln für das Spiel mit „Spiel“ einzuschicken, und viele davon landeten in späteren Ausgaben auch in einem Regelheft. Franckh-Kosmos machte dann eine Edition-Perlhuhn-Serie bei sich auf, die durch opulente Ausstattung auf sich aufmerksam machte und lange Zeit zu ihren Bestsellern gehörte. Die Verbindung von Spiel und Kunst blieb ihm immer ein Anliegen – gleich fünfmal wurden seine Spiele mit dem Sonderpreis für das schöne Spiel der Jury Spiel des Jahres ausgezeichnet wurde.

Ermutigt von den ersten Erfolgen beschloss Reinhold, für Januar 1983 zu einem Spieleautor(inn)entreffen in Göttingen einzuladen. In diesem Zusammenhang prägte er auch erstmals das Wort Spieleautor, das sich im deutschsprachigen Raum heute weitgehend durchgesetzt hat. Dieses Treffen wird nach wie vor jährlich abgehalten und ist von seinen moderaten Anfängen kräftig gewachsen und zu einem Zugpferd der Stadt Göttingen geworden, die schnell als Partnerin dazukam – jedes Jahr im Juni treffen sich einige Hundert Menschen dafür hier. Für einige Jahre habe ich es mit ihm zusammen organisiert. Als er 80 wurde, hat er es an die Spieleautorenzunft übergeben, die es seither (weiterhin gemeinsam mit der Stadt Göttingen) veranstaltet, sodass das weitere Bestehen einigermaßen gesichert sein sollte.

Katalog zum ersten Spieleautoren-Treffen in Göttingen 1983
Von den Anfängen …

 

Banner der Spieleautorentreffens in Göttingen
… bis in die Neuzeit.

Zu diesen Spuren, die Reinhold in der Spielewelt hinterlassen hat, kam dann 1988 die wohl wichtigste und nachhaltigste hinzu. Auf dem Perlhuhn-Abend bei der Nürnberger Spielwarenmesse nahm er sich einen Bierdeckel und schrieb darauf:

Keiner von uns gibt ein Spiel an einen Verlag, wenn sein Name nicht oben auf der Schachtel steht!

Diesen Bierdeckel unterschrieben am gleichen Abend und am nächsten Tag 13 damals bekannte und aktive Spieleautor:innen. Wie Reinhold mir erzählte, bekam er zweimal das Angebot eines richtig schönen Vertrags, wenn er den Deckel vernichten würde. Tat er aber nicht – und das ist der Grund, warum es heute üblich ist, dass die Namen der Autor:innen mehr oder weniger prominent auf den Spieleschachteln stehen und überhaupt viel stärker beachtet werden als zuvor. Der legendäre Bierdeckel wird heute im Deutschen Spielearchiv in Nürnberg aufbewahrt.

Reinhold Wittig mit Auszeichnung Hall of Fame der Academy of Adventure Gaming Arts & Design.
2020 wurde Reinhold in die Hall of Fame der Academy of Adventure Gaming Arts & Design (GAMA) aufgenommen.

Als ich Reinhold kennenlernte, war er 70 und zwar noch immer voller Ideen, aber inzwischen weitgehend dazu übergegangen, Spiele nur noch in Handarbeit und in Kleinserie herzustellen. Das hing mit einer anderen Leidenschaft von ihm zusammen, nämlich der Kunst aus Schrott. Nahezu jedes Wochenende fuhr er auf den Schrottplatz eines Freundes und stöberte da nach interessanten Objekten; meist aus Metall. Aus diesen Teilen baute er seine Marionetten, seine beeindruckenden Tierskulpturen und gelegentlich eben auch Spiele. Ich erinnere mich daran, wie er 2009 mit 31 gleichen Aluminiumteilen vom Schrottplatz zurückkam. Scheinbar beliebige Teile – aber Reinhold bohrte sie an, steckte eine Metalllanze hinein und hatte damit den Ritter für Matthias Schmitts „Don Q. und der Dreh mit den Windmühlen“ erschaffen. Die Auflage des Spiels belief sich entsprechend auf 31 Exemplare (heute gesuchte Sammelobjekte). Andere Spiele baute er aus Holz, verwendete Rest-Material von früheren Perlhuhn-Spielen oder erschuf gleich Einzelstücke, oft auch zu bereits anderswo veröffentlichten Spielen. Ich habe Auto-Fußmatten gesehen, unregelmäßig geformte Tonklötze, Bräter, Waagen, Kuhtränken und was nicht noch alles.

Reinhold Wittig mit seinem Spiel Göttinger Ploppfrosch
Der Göttinger Ploppfrosch entstand aus einer Kuhtränke.
Matthias Schmitts Brettspiel Don Q. und der Dreh mit den Windmühlen
Unscheinbare Metallteile werden zu Rittern

Viele Autor:innen gehen bei ihren Spielideen von Themen aus, andere von Mechanismen. Reinhold kam sehr oft über das Material oder ein Objekt zum Spiel.
Auch wenn das mit den Hochglanzausgaben moderner Spiele nichts zu tun hatte, konnte ich von seiner Arbeitsweise und seinen Visionen unheimlich viel lernen. Einige Spiele entwickelten wir zusammen und veröffentlichen sie teils in der Edition Perlhuhn, teils anderswo. Unser gemeinsames Spiel Topfrosch beispielsweise ist auf diese für ihn typische Weise entstanden – wir saßen an seinem Tisch und spielten mit Metall-Eisschälchen und Murmeln herum, bis es plötzlich klickte und wir merkten, dass wir ein Spiel erfunden hatten. Und er hatte immer ein offenes Ohr für meine eigenen Spielideen, wovon ich natürlich sehr profitiert habe. Dafür half ich ihm mit seiner alten Webseite oder mit internationalen Kontakten. Wenn ich von einem Perlhuhn-Spiel wirklich begeistert war, habe ich versucht, das ein bisschen bekannt zu machen. Ihm waren Verkaufszahlen inzwischen herzlich egal und er betrieb das Ganze nur noch aus Leidenschaft, freute sich aber immer, wenn er mal wieder eine Anfrage aus Japan oder den USA für eins oder gleich mehrere seiner Spiele bekam.

Noch später baute er immer weniger neue Spiele, und wenn doch, dann nur noch für den Eigenbedarf oder hier und da als Geschenke. Trotzdem ging ich, wann immer ich nicht auf Reisen war, ein bis zweimal die Woche zu ihm, zum Reden und vor allem auch zum Spielen. Einmal unter der Woche abends mit anderen, sonntagsmorgens dann in der Regel mit ihm allein. Es gibt Spiele, die wir beide vermutlich öfter zusammen gespielt haben als irgendwer sonst auf der Welt. Ich habe diese Spiele auch zu Hause, aber ich kann kaum hoffen, sie jemals mit anderen Leuten auch nur annähernd so häufig zu spielen. Diese Spiele gehören einfach zu meiner Geschichte mit Reinhold und werden mich immer an ihn erinnern.

Reinhold Wittig mit dem Spiel Don Q. von Dirk Hanneforth
Dirk Hanneforths Spiel Don Q. habe ich jahrelang nahezu jeden Sonntag mit ihm gespielt, oft mehrfach.

Unter den mehreren Hundert Spielen, die Reinhold in seinen rund sieben Jahrzehnten als Spieleautor entwickelt hat, wirken einige heute veraltet. Andere finde ich immer noch zeitlos, und das sind vor allem seine Geschicklichkeitsspiele. Piratenbillard war wie schon erwähnt eins seiner Frühwerke, noch aus den späten Fünfzigern. Breitseite entstand auf mein Drängen hin als verbesserte Neuausgabe eines Spiels, das er 30 Jahre zuvor innerhalb der Spielesammlung Ombakado veröffentlicht hatte, die inzwischen völlig in Vergessenheit geraten war. Noch bis vor wenigen Wochen konnte er mich in diesem Spiel in den meisten Fällen souverän besiegen, obwohl das Spielen einigen physischen Kraftaufwand erfordert. Sein Meisterstück ist für mich persönlich allerdings Volta, das eins der ganz wenigen Spiele ist, die ich für rundheraus perfekt halte. Ein Brett, zwei Holzklötze, zwei Kugeln – Nervenkitzel und Lachen garantiert.

Reinhold Wittigs Spiel Breitseite
Breitseite ist ein Spiel, das geradezu unglaubliche Momente erschafft. Wie kann dieses Schiff noch zusammenhalten?
Reinhold Wittigs Brettspiel Volta
Reinholds Meisterwerk Volta

Auch wenn für mich seine Spiele und sein Wirken für das Spielen im Mittelpunkt standen, war Reinhold auch vielfältig anders künstlerisch aktiv. Im Göttinger Stadtbild fällt schnell der von ihm gestaltete Planetenweg ins Auge, der sich vom Bahnhof bis ins Dorf Diemarden erstreckt (Reinhold hatte immer den Wunsch, den eines Tages bis zum ersten Exoplaneten fortzuführen, der nach dem Maßstab des Göttinger Planetenwegs in Neuseeland anzusiedeln wäre), oder die Bronzelokomotive in der Fußgängerzone. Mir noch näher stehen neben unzähligen kleineren Skulpturen (man denke an die unglaubliche kinetische Banane) seine fantastischen Marionetten, von denen er über die Jahrzehnte hinweg um die 200 gebaut hat.

Reinholds Wohnung lag zwischen Saturn und Uranus.

Sein Marionettentheater Collegium Magicum erweckte in den Sechzigern viel Aufmerksamkeit. Reinhold wusste, dass ihm nicht mehr so sehr viel Zeit blieb, und war sehr froh, dass ein Museum in München einige seiner frühen Marionetten übernehmen wollte. Zum Abschied wurden diese im März im Kunsthaus Göttingen noch einmal ausgestellt. Reinhold war kurz zuvor im Krankenhaus gelandet und wir hatten Sorge, dass er diese wunderbare Ausstellung nicht mehr selbst miterleben könnte. Doch im Gegenteil: Seine Freude darüber war so groß, dass er pünktlich aus dem Krankenhaus kam und an der Eröffnung teilnehmen konnte. Auch später ließ er sich mehrfach hinfahren und stand den zahlreichen Besucher:innen für Fragen und Konversation zur Verfügung. Das hat er unheimlich genossen, und ich glaube, das hat ihm noch einen Kräfteschub gegeben.

Poster für Reinhold Wittigs Ausstellung "Marionetten für München"

Ich habe auf der Ausstellung noch angefangen, ein Video-Interview mit ihm zu führen. Das wollten wir anschließend bei ihm zu Hause fortsetzen. Dazu ist es leider nicht mehr gekommen. Am 11. April 2026 ist Reinhold Wittig verstorben. Nicht nur auf mich persönlich wird sein Vermächtnis in vieler Weise nachwirken.

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Persian Game Jam 2025

Von: HilkMAN
05. Februar 2026 um 00:04

Ich hab hier viel zu lange nichts mehr geschrieben, dabei ist es nicht so, dass nichts passiert wäre. Es hatten sich einfach andere Aktivitäten in den Vordergrund gedrängt. Lust habe ich eigentlich noch. Und aktuell brennt mir was auf der Seele. Trigger-Warnung für alle, die das für skandalös halten: Ich vermische heute mal wieder Spiel und Politik,.

Kurz vor Weihnachten war ich nämlich zum zweiten Mal eingeladen worden, mich als Juror an einem Persian Game Jam zu beteiligen (aus der Ferne). Ein Game Jam ist eine Veranstaltung, auf der Leute Spiele erfinden. In der Regel ist sie gezielt zu kurz für eine ausgereifte Entwicklung (einen Tag lang zum Beispiel, wie auch hier). Es geht also darum, nach einer Vorgabe (Thema, Material, oder etwas anderes) ein Spiel zu entwickeln und einen spielbaren Prototyp herzustellen und damit hinnerhalb der kurzen Zeit möglichst weit zu kommen. Oft werden eine oder mehrere der dabei herausgekommenen Ideen prämiert.
Und ja, solche Game Jams gibt es auch im Iran. Bei der vorherigen Ausgabe 2024 war ich auch schon als Juror dabeigewesen. Damals war die Vorgabe gewesen, eine Variante von UNO zu entwickeln. Von relativ zahmen Varianten bis zu Call of Cthuno war alles dabei gewesen, und es hat Spaß gemacht, mir das alles anzusehen. Spielen konnte ich es nicht, wir Juror:innen kriegten jeweils ein Video und die Regeln für die Begutachtung. Nicht alle Regeln waren immer so klar, was nicht verwunderlich ist, da für Blindtests auf so einem Game Jam nicht viel Zeit bleibt. Aber es war ein großer Spaß, und es hatte mich gefreut, dabeisein zu können.
Ebenso habe ich mich gefreut, als ich für den Game Jam 2025 wieder angefragt wurde,. Der Iran hat, seit ich vor gut 30 Jahren mal für ein paar Wochen durchgereist bin, einen besonderen Platz in meinem Herzen bewahrt. Nicht nur wegen der Sehenswürdigkeiten und der freundlichen Menschen, denen wir begegnet sind, sondern auch wegen der ständig spürbaren Kultur des Aufbegehrens und Brechens von Regeln. Ich habe damals gedacht, dass der Iran sich von der Diktatur irgendwann würde befreien können, aber leider ist das noch imer nicht passiert. Die spektakulären Spielecafés, die es dort gibt, wären ein Traumziel von mir, wenn ich dort eines Tages noch mal hinkommen sollte.
Wie dem auch sei, nachdem ich als Juror zugesagt hatte, wurde mir das Thema des neuen Game Jams mitgeteilt, und ich habe nicht schlecht gestaunt: Sagaland. Natürlich ist Sagaland ein Klassiker, aber von allen Spielen des Jahres (es war Preisträger 1982) war es das Spiel mit der niedtrigsten Altersangabe und war daher ein bisschen aus meinem Fokus verschwunden. Ich hatte irgendwann, als meine Kinder klein waren, hatte ich mir mal wieder eine alte Ausgabe auf einem Flohmarkt gekauft und war ziemlich enttäuscht gewesen – ich empfand es inzwischen als viel zu lang und oft zu frustrierend, insbesondere bei größeren Personenzahlen. Also war ich davon ausgegangen, dass es einfach nicht besonders gut gealtert sei. Erst durch die Einladung habe ich mir die Regeln wieder angeguckt und festgestellt, dass sie schon vor langer Zeit überarbeitet worden. Inzwischen dürften ganze Generationen herangewachsen sein, die das Spiel nur in der neuen Variante kennen: Gut so. Aber dass das Spiel im Iran so bekannt war, hatte ich natürlich nicht geahnt.

Vorab haben wir kleine Grußbotschaften auf Video aufgenommen. Auch Michel Matschoss, der Sagaland ja damals zusammen mit Alex Randolph entwickelt hatte, hat ein solches Video geschickt, was mich sehr gefreut hat.

Nun also ging es für die Telnehmenden am aktuellen Game Jam ebenfalls genau darum: Um eine Modernisierung oder Abwandlung von Sagaland. Und sie lieferten ab. Es gab insgesamt 13 Gruppen von meist 4 Leuten (mit seit dem letzten Jahr klar gestiegenem Frauenanteil, was mich besonders gefreut hat), und wieder spannende Ideen, von naheliegend bis wild. Diesmal hatte ich das Gefühl, dass die Gruppen sich auch analytischer mit Sagaland auseinandergesetzt hatten als letztes Jahr mit UNO. So gab es diverse Beiträge, in denen das gelegentlich langwierige Würfeln verkürzt wurde, mit verschiedenen und verschieden sinnvollen Methoden. In einem anderen Beitrag hatten die einzelnen Märchenkarten, die man einsammelt, noch besondere Fähigkeiten, was die thematische Einbindung gestärkt hat (auch wenn das normalerweise nicht ganz mein Stil ist). Den Vogel abgeschossen hat aber „—“, das die Würfel gleich ganz weglässt – man schnippst stattdessen seine Spielsteine durch den Wald. Das war schon eine wilde Idee, und die hat am Ende auch gewonnen. Innerhalb der Jury gingen die Meinungen zum Teil deutlich auseinander, was sicherlich auch ein Stück weit daran gelegen hat, dass wir die Spiele eben nicht direkt ausprobieren konnten. Ich hoffe aber, dass wir ein bisschen dazu beigetragen haben, Nachwuchsautor:innen zu ermutigen.

Aber natürlich ist mir die Freude an diesem Event nur wenige Tage später jäh vergangen, als das iranische Regime die Proteste blutig niedergeschlagen und Tausende Menschen ermordet hat. Es bleibt nicht aus, dass man sich Gedanken darüber macht, ob jemand von denen dabei war, die einem direkt zuvor noch spannende Spielkonzepte vorgestellt haben. Das werde ich vermutlich nie erfahren, mir aber noch lange Gedanken darüber machen. Ich wünsche mir einfach, dass die Verbrecherbande an der Spitze dieses Staates endlich verjagt werden kann und dass die Menschen wieder mehr Gelegenheiten haben, sich an der Schönheit des Lebens zu erfreuen.

زن، زندگی، آزادی

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Der Drude am Dienstag

Von: HilkMAN
22. März 2025 um 21:42

Hier kommt ein Hinweis in eigener Sache. Ich arbeite ja beim frechverlag in der Abteilung Spiele & Rätsel. Seit kurzem hat unsere Abteilung einen eigenen Instagram-Kanal. Als da die Planung für Inhalte und Programm gemacht wurde, haben meine geschätzten Kolleg:innen immer mal von einem wöchentlichen Video namens „Der Drude am Dienstag“ gesprochen. Ich habe ein bisschen mitgeblödelt, bis mir aufging: Die meinen das ernst. Aber da es keine anderen Freiwilligen gab, ist das jetzt tatsächlich in die Tat umgesetzt worden. Jede Woche (ratet selbst, an welchem Tag) erzähle ich für eine Minute oder so aus meinem Leben als Produktmanager. Eigentlich sind Videos ja gar nicht so mein Metier, und diese Minifetzen auch nicht, aber so ist halt die moderne Welt.

Screenshot aus meiner Videokolumne "Der Drude am Dienstag" auf Instagram.
Vielleicht interessiert es ja die eine oder den anderen, was ich da so mache. Dann findet Ihr das Ganze hier. Falls Ihr bestimmte Themenwünsche haben solltet, könnt Ihr Euch natürlich vertrauensvoll an mich wenden. Und wir freuen uns natürlich, wenn Ihr uns folgt, das ist nämlich bisher noch etwas schleppend losgegangen. Danke!

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Nachbericht Göttinger Stichtage

Von: HilkMAN
21. Februar 2025 um 14:00

Letzte Woche haben nun nach langer Vorfreude hier die Göttinger Stichtage stattgefunden. Und was soll ich sagen – es war klasse. Es waren 16 Leute aus vielen Teilen Deutschlands dabei (und kurzfristig ein paar Tagesgäste). Grob geschätzt standen so 120 bis 150 Spiele zur Verfügung, also weit mehr, als wir überhaupt schaffen konnten. Darunter waren viele Perlen, die man sonst nicht so oft zu Gesicht kriegt. Hier ist ein kleiner Eindruck (noch vom Aufbau, da kamen noch einige dazu):

Tische mit Spielen drauf. Das waren die Spiele, die bei den ersten Göttinger Stichtagen zur Verfügung standen.

Ich weiß nicht, ob wirklich alle diese Liste benutzt haben, aber viele haben ihre gespielten Spiele hier notiert:

Abfotografierte Liste der Spiele, die bei den Göttinger Stichtagen gespielt wurden.

Was die Highlights waren, lässt sich gar nicht allgemein beantworten, da gibt es natürlich verschiedene Meinungen. Stella Quest war mit vier Partien mein meistgespieltes Spiel. Das ungewöhnlichste war wohl Nendorite, bei dem man statt Karten mit Knetgummikügelchen spielt.

Das japanische Stichspiel Nendorite im Einsatz - dabei spielt man statt mit Karten mit Knetgummikügelchen.
Blau ist angespielt – es herrscht Bedienzwang.

Aber es gab auch noch viele andere Highlights. Und ich habe es erfreulicherweise geschafft, diverse Spiele aus meinem Ungespielt-Stapel auf den Tisch zu kriegen. Außerdem standen ein paar Prototypen zur Verfügung, von denen auch eniige gespielt wurden.

Organisatorisch war es letztlich nicht fürchterlich aufwendig für mich, nachdem die lange Ungewissheit, ob sich genügend Leute anmelden würden, vorbei war. Ein bisschen einkaufen, ein paar Ansagen auf dem Treffen, hinterher den Raum putzen (letzteres dankenswerterweise mit Hilfe). Ansonsten haben wir einfach gespielt und zwischendurch gegessen und uns unterhalten. Mit Leuten, mit denen man eine Leidenschaft teilt, kann es manchmal so einfach sein. 🙂

Soll heißen: Das machen wir nächstes Jahr wieder. Voraussichtlicher Termin der zweiten Göttinger Stichtage entweder 21./22 Februar oder 28. Februar/1. März 2026. Wer auf die Mailingliste möchte, schreibt mir bitte unter stichspielcon/at/lidude.net. Dann erfahrt Ihr den genauen Termin, sobald er steht, und auch sonstige Details. Der Raum bietet auf jeden Fall noch genügend Platz für Wachstum. Ich freu mich jetzt schon drauf.

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Termin steht fest: Göttinger Stichtage sind am 15./16. Februar 2025

Von: HilkMAN
28. Oktober 2024 um 22:30

Ich hatte neulich schon mal vorgefühlt, jetzt wird es konkreter: Am 15. und 16. Februar 2025 veranstalte ich die Göttinger Stichtage, einen kleinen Con für Fans von  Stichspielen sowie Shedding und Climbing Games. Wer noch Interesse hat, dabei zu sein, möge sich gern direkt bei mir melden (stichspielcon/at/lidude.net), dann schicke ich Euch die Details zu.

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Wer hätte Interesse an einem Stichspielcon?

Von: HilkMAN
22. Juli 2024 um 16:37

Stichspiele erleben zu meiner Freude in letzter Zeit eine Renaissance. Japan hat dabei sicherlich eine große Rolle gespielt, aber auch an anderen Orten ist das nicht zu übersehen. Daher trage ich mich seit einer Weile mit dem Gedanken, mal einen kleineren Con zu organisieren, bei dem sich alles um diese Art von Spielen dreht. Die Definition von Stichspiel sehe ich dabei nicht so eng, alles, was man im Englischen als Shedding Games oder Ladder Climbing Games bezeichnen würde, rechne ich mit ein (eine Liste mit Beispielen aus meiner Sammlung folgt ganz unten).

So Sachen halt.

Ich denke da an ein Wochenende mit vielleicht 20 bis 50 Personen. Stattfinden würde es in Göttingen, und terminlich habe ich Februar 2025 im Auge. Ich würde dann hier Räumlichkeiten organisieren und die Kosten auf alle umlegen (der Anteil an der Raummiete sollte 10 Euro pro Person nicht übersteigen). Übernachtungen kann ich nicht stellen, darum müssten sich alle selbst kümmern (aber ich helfe natürlich gern dabei, wo ich kann). Verpflegung, ebenfalls auf Selbstkostenbasis, könnten wir organisieren, darüber würde ich mir etwas später Gedanken machen beziehungsweise das mit denen besprechen, die dabei sein wollen. Es wäre also kein Con der Art, wo ich morgens die Tür aufmache und hoffe, dass jemand kommt, sondern einer mit vorheriger Anmeldung (vermutlich auch mit einer Vorabüberweisung, das würde ich dann rechtzeitig ankündigen). In jedem Fall geht es mir nicht drum, damit Geld zu verdienen, ich will nur ohne Minus rauskommen.

Jetzt möchte ich einfach erst mal ausloten, wie viel Interesse überhaupt an so etwas besteht. Wo sind die Stichspielfans, die sich vorstellen könnten, an so einem Con teilzunehmen? Schreibt mir bitte an stichspielcon@lidude.net. Ich würde jetzt erst mal ein bisschen sammeln und dann beizeiten eine Mail mit weiteren Details und/oder einer Umfrage rumschicken. Keine Angst, ich mülle Euch nicht mit Mails zu, und Ihr verpflichtet Euch auch noch zu nichts, ich will nur sehen ob sowas überhaupt funktionieren kann.

Fragen und Vorschläge könnt Ihr natürlich ebenfalls schicken. Jetzt möchte ich einfach erst mal wissen, wie groß das Interesse so ist – ich bin gespannt, was da so hereinkommen mag.

Hier ist noch die angekündigte Liste meiner Spiele, die wir auf so einem Con spielen könnten – natürlich hoffe ich drauf, dass auch noch viele weitere mitgebracht werden, denn es soll ja auch die Möglichkeit geben, neue Spiele kennenzulernen:

Symbols, and 7 Nations
Charms
Chimera
Cobra
Cosmic Eidex
Cryptrick
Enemy Anemone
Fibonachos
Inflation
Joias
luz
La Macarena
Macaron
Magic Trick
Maskmen
Nokosu Dice
The Other Hat Trick
Partout
Pikoko
Primar
ReCURRRing
Road to Lord
Salvage
Tall Tales
Tricky Bid
Upset Kakumei
Volltreffer

(Da kommt und geht auch immer mal was. Und gängigere Spiele wie Scout oder Tichu habe ich natürlich auch noch.)

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Ich habe einen Vogel.

Von: HilkMAN
05. Juni 2024 um 18:40

Dieses Blog war eine Weile online – ich muss mir dringend einen neuen Anbieter suchen, Midphase ist mittlerweile wirklich schlecht geworden. Besonders schade, dass das gerade jetzt passiert ist, denn es gibt etwas Schönes zu erzählen, und das hätte ich auch vorher schon machen können.

Letztes Wochenende fand nämlich das 42. Spieleautor:innentreffen in der Stadthalle statt. Ich habe hier ja schon verschiedentlich darüber berichtet; es gehört zu meinen Lieblingsveranstaltungen in der Spielewelt (obwohl ich natürlich auch gern mal an der UKGE oder gar an DOFF teilnehmen würde, die zeitgleich stattgefunden haben). Für mich war es diesmal aber vor allem deshalb eine besondere Veranstaltung, weil dort jedes Jahr der Göttinger Spatz verliehen wird, eine Auszeichnung der Stadt Göttingen für besondere Verdienste und das Spiel als Kulturgut. Und den habe dieses Jahr ich bekommen. Das hängt nicht ausschließlich, aber doch in hohem Maße mit diesem Blog zusammen – und damit mit Euch allen.

Göttinger Spatz 2024
Der Göttinger Spatz mit mir, der SAZ (Christian Beiersdorf und Hartmut Kommerell) und dem Bürgermeister (Ehsan Kangarani). Foto: Rita Modl

Wenn ich die Jahre seit dem Start dieses Blogs mal Revue passieren lasse, tauchen ganz viele tolle Menschen vor meinem geistigen Auge auf, die dazu beigetragen haben, dass ich die Lust am Schreiben nicht verloren habe. Ich erinnere mich noch an den allerersten Monat (November 2015), in dem ich insgesamt 205 Klicks auf Du bist dran! verzeichnet habe … aller Anfang ist schwer, und ich habe damals wahrscheinlich viel zu viel über so was nachgedacht. Erst, als ich meine Nische gefunden hatte und angefangen habe, gezielt über internationale Spielemärkte zu berichten, wusste ich wirklich, warum ich das Blog überhaupt betreibe. Das hat mir sehr gut getan. Und dazu haben halt sehr viele Leute einen Beitrag geleistet. Zum Einen natürlich all die Menschen rund um die Erde, die auf meine ständigen Nachfragen hin nicht nur ausführlich über ihre eigenen Spiele gesprochen haben (das tun ja viele Leute gern), sondern auch geduldig über die Hintergründe und die Situation der Spielebranche in ihren Ländern berichtet haben. Ohne diese Auskunftsfreudigkeit hätte ich ja auch nicht viel zu schreiben gehabt. Zum Anderen aber natürlich diejenigen, die das Ganze anschließend gelesen und kommentiert haben und mir damit das Gefühl gegeben haben, dass sich das Ganze überhaupt lohnt. Wahrscheinlich hätte ich mehr Besuche auf meiner Webseite gehabt, wenn ich jeweils über die aktuellsten deutschen Spiele geschrieben hätte, aber dafür wäre ich letztes Jahr sicherlich nicht nach Chile eingeladen worden und hätte dieses Jahr nicht den Göttinger Spatz gekriegt. Für solche Erlebnisse bin ich natürlich besonders dankbar, und darum gehört der Spatz auch ein Stück weit Euch allen.

¡Muchas gracias! Obrigado! 謝謝! Thank you! ありがとう! Vielen Dank!

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Blockits – das erste argentinische Spiel auf dem deutschen Markt

Von: HilkMAN
12. Mai 2024 um 13:42

Hier kommt mal wieder eine kleine Werbung in eigener Sache. Etwas, das ich an meinem Job mag, ist, dass ich Spiele aus fernen Ländern nach Deutschland bringen kann. Im Januar hatte ich das schon mit Drachentanz und Veggie Crash aus Taiwan machen können, und Mitte April erstmals mit einem Spiel aus Lateinamerika, nämlich mit Blockits von Alejandra Pini. Das ist zuerst 2022 unter dem Titel Juanito Blockits in Argentinien erschienen und war auch auf meiner Reise nach Chile schon überall zu sehen. Warum Juanito? Es gibt ein argentinisches Videospiel namens Juanito Arcade Mayhem, in dem eine Figur namens Juanito unter anderem Tetris-Blöcke abschießt. Die Leute dahinter waren mit dem Verlag El Dragón Azul befreundet, der nach einer passenden Einbettung für ihr Spiel Blockits suchten und dann die Optik des Videospiels übernommen haben (Illustrationen von María Paolo). Wir haben den Namen Juanito nicht mit nach Deutschland gebracht, sondern es bei Blockits belassen (wie übrigens auch der chilenische Verlag Salta pal lao).

Blockits - deutsche und argentinische Ausgabe
Links die argentinische, rechts die deutsche Ausgabe.

Blockits ist ein Roll & Draw, also ein Spiel, bei dem man würfelt und dann das Würfelergebnis auf einem Block einzeichnet. Am Ende zählt man dann seine Punkte. Gibt’s schon zigfach und ist eigentlich gar nicht meine Art Spiel, weil es meist eine ziemlich solitäre Angelegenheit ist. Aber Blockits hat mich dann doch in seinen Bann gezogen, weil es eine Sache fundamental anders macht als die anderen Spiele dieses Genres. Man hat nämlich zwei Zettel vor sich, einen Spielzettel zum Einzeichnen der Tetris-Figuren, die erwürfelt und gedraftet werden, und einen zweiten, um die Punkte zu notieren. Nur letzteren behält man das ganze Spiel hindurch, während man den Spielzettel nach jedem Wurf nach links weiterreicht. Und damit versteht man auch den Titel: Es geht nämlich vor allem darum, den anderen keine guten Vorlagen zu liefern, um Querreihen komplett zu füllen, und für das Blockieren von Kästchen kriegt man sogar Punkte. Sozusagen das Gegenteil von Tetris.

Blockits - Spielmaterial der deutschen und der argentinischen Ausgabe
Und hier noch mal das Spielmaterial im Vergleich.

Blockits ist, wenn man’s einmal raus hat, ein sehr flottes Spiel, die Spielzettel flutschen nur so über den Tisch. Das mag ich einfach. Bisher läuft das Spiel in Deutschland noch ein bisschen unter dem Radar, obwohl die ersten Reaktionen sehr gut sind. Vielleicht hat ja der eine oder die andere von Euch Lust, sich das mal anzugucken. Danke. 🙂

(Und im Herbst kommt bei uns dann das nächste argentinische Spiel raus. Freu mich schon.)

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Was kosten Spiele in der spanischsprachigen Welt?

Von: HilkMAN
08. April 2024 um 22:28

Neulich habe ich auf Instagram ein paar interessante Zahlen zum Spielemarkt in einigen spanischsprachigen Ländern gefunden. Dort wurden nämlich nicht nur die absoluten Preise einiger ausgewählter Spiele verglichen, sondern diese auch in Relation zum Mindestlohn gesetzt. Und das sind ziemlich beeindruckende Zahlen, wie ich finde.

Wer kein Spanisch beherrscht, kann sich einfach mal zur dritten Folie durchklicken. Da sind die absoluten Preise für sechs ausgewählte Spiele (Terraforming Mars, Catan, Zug um Zug, Monopoly, Uno und Exploding Kittens) in Argentinien, Chile, Kolumbien, Spanien, Mexiko und Peru aufgeführt, umgerechnet in US$. Es geht dabei nicht um Importspiele, sondern um die spanischsprachigen Ausgaben. Argentiniens Krise wird einem dabei deutlich vor Augen geführt: Da wird man plötzlich ziemlich still, wenn man sieht, dass Terraforming Mars dort umgerechnet 206 Dollar kostet, mehr als das Vierfache des Preises in Spanien.

Noch wesentlich dramatischer ist der Anblick 2 Folien weiter. Dort wird der Gesamtpreis der sechs Spiele nämlich mit dem einheimischen Mindestlohn verglichen. Wer in Spanien den Mindestlohn verdient, muss 5 Tage lang schuften, um sich das ganze Spielepaket kaufen zu können. Wer mit dem argentinischen Mindestlohn gestraft ist, braucht hingegen 144 Tage dafür.

Als ich letztes Jahr in Chile war, kamen mir die Spiele, die ich dort gekauft habe, weder sonderlich teuer noch besonders billig vor. Im Vergleich zum deutschen Mindestlohn haben wir es aber in jedem Fall hier einfacher, selbst im Vergleich zu Chile, das innerhalb Lateinamerikas noch am besten abschneidet.

 

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Beeple-Osterauktion für einen guten Zweck

Von: HilkMAN
30. März 2024 um 18:26

Liebe Alle,
im Beeple-Netzwerk gibt es seit heute wieder eine Auktionswoche. Aus dem Fundus der Beeple-Mitglieder sowie aus Spenden von Verlagen werden vor allem Spiele und Spiele-Pakete versteigert, darunter auch einige Besonderheiten, die Ihr sonst nicht so einfach kaufen könnt. Der Erlös fließt dieses Jahr wieder an die Deutsche Kinderkrebsstiftung.

Ich selbst habe diesmal auch etwas beigetragen, nämlich ein gut erhaltenes Exemplar von Erwin Gloneggers Das Spiele-Buch, das von elf Leuten signiert ist, die in dem Buch erwähnt werden. Die meisten Signaturen waren schon drin, als ich es vor Jahren von Reinhold Wittig geschenkt bekommen haben, ich habe nur noch eine weitere aufgetan. Signiert haben:

Werner Hodel
Reiner Knizia
Max Kobbert
Wolfgang Kramer
Michel Matschoss
David Parlett
Alex Randolph
Hans Rüttinger
Klaus Teuber
Karin und Reinhold Wittig

Alex Randolph und Klaus Teuber sind bereits verstorben, einige der anderen altersbedingt nur noch selten auf Veranstaltungen anzutreffen. Ist also eine ziemlich einmalige Gelegenheit, würde ich sagen. Vielleicht interessiert es ja jemanden von Euch.

Aber auch die anderen 37 Versteigerungsposten sind nicht zu verachten, da gibt es einiges zu entdecken. Den direkten Link zur Auktion findet Ihr hier.

Der Beitrag Beeple-Osterauktion für einen guten Zweck erschien zuerst auf Du bist dran!.

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