Normale Ansicht

Kreativität vs. Disziplin: Warum beides wichtig ist

Von: Mimi
12. Februar 2026 um 14:45

»Kreativität muss fließen und kann nicht erzwungen werden«. So ein weitverbreiteter Konsens. Doch stimmt das?

Natürlich gibt es verschiedene Phasen im kreativen Alltag. Jene, in denen Kunstschaffende nur so vor Ideen sprudeln und nicht wissen, welches Projekt sie als Erstes in Angriff nehmen sollen. An anderen Tagen sitzen Autor*innen vor einem weißen Dokument und beobachten den schwarzen Cursor, weil sie nicht wissen, wie sie anfangen sollen.

Was tun, wenn es nicht »fließt«?

In diesen Momenten gibt es meiner Meinung nach zwei mögliche Konsequenzen: Man klappt den Laptop zu oder packt den Brettspiel-Prototypen weg und findet sich mit dem Schicksal ab, dass aus der Idee niemals etwas werden wird.

Doch das wäre einfach nur traurig. Stattdessen könntest du Variante zwei wählen: Den Laptop schließen, einen Spaziergang machen oder mit Freund*innen über dein Projekt sprechen. Mit frischem Kopf und neuen Ideen kannst du dich dann wieder dem »Problem« widmen. Du wirst merken, der Knoten platzt irgendwann und die Kreativität sprudelt wieder. Doch bis dahin heißt es: durchziehen.

Kreativität alleine reicht (oft) nicht

Meiner Meinung nach gehört neben Kreativität auch eine Portion Disziplin dazu, um ein Projekt – sei es ein Brettspiel, ein Bild oder einen Roman – in Form zu bringen. Man könnte es auch weniger hart formuliert Kontinuität nennen, denn es braucht meistens viele Stunden Arbeit, um ein Ergebnis zu erhalten.

Du siehst Zeichnen oder Schreiben als Ausdruck deiner Gefühle und als Entspannung? Dann mach genauso weiter und genieße deine Zeit!

Möchtest du aber, dass deine Werke von anderen Menschen gespielt, gelesen oder gesehen werden, wirst du irgendwann an den Punkt kommen, an dem aus dem Hobby, Arbeit wird. Von da an werden auch Aufgaben auf dich zukommen, die keinen Spaß machen oder die deine Kreativität nicht direkt fordern.

Dein eigenes Tempo

Das bedeutet aber nicht, dass Menschen, die Tag und Nacht an ihrem Projekt arbeiten, erfolgreicher sind. Nur zu gern vergessen wir, dass jede Person eine andere Lebensrealität hat. Es erfordert viel Kraft und Zeit, sich nach beispielsweise einem 40-Stunden-Brotjob noch an den Laptop oder die Staffelei zu setzen.

Mach es in deinem Tempo, aber mach es! Dabei ist es egal, ob du dich täglich für 10 Minuten hinsetzt oder dir einmal im Monat einen Tag aussuchst, um dich dem Projekt zu widmen. So wird deine Idee zu einem Plan und schließlich zu deinem Werk heranwachsen. Und bevor du dich versiehst, wird es den Menschen ein Lächeln auf die Lippen zaubern, so wie es dir Freude bereitet hat, es zu erschaffen.

Autor*innen-Tipp 

Wenn du die Möglichkeit hast, nimm dir morgens eine Viertelstunde Zeit, um zu schreiben. Ohne feste Wortanzahl und ohne Druck. Schreib einfach drauf los.

Glaub mir, du wirst das Gefühl lieben, wenn du schon vor der Arbeit, Uni etc. Worte aufs Papier gebracht hast.

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Erkenntnisse, die sich (vermutlich) auf die Brettspielwelt übertragen lassen (TEIL 1)

12. Februar 2026 um 12:39

„Warum gibt es so viel weniger Autorinnen?“

„Spielen Vorurteile wirklich in der Brettspielwelt eine Rolle?“

„Sind Frauen* wirklich unterrepräsentiert?“

Das werden wir echt häufig gefragt. 

Andere fragen gar nicht erst, sondern präsentieren gerne gleich (ungefragt) die Lösung:

“Dann müssen Frauen* eben mal bessere Spiele machen!”

“Frauen* müssen eben besser verhandeln.”

True story!

Was ist da dran?

Anders als in anderen Medien- und Kulturbranchen fehlen uns die belastbaren Daten, um diesen Aussagen auf den Grund zu gehen, da es in der Brettspielwelt schlichtweg kaum wissenschaftliche Analysen gibt. 

Schauen wir uns also mal Erkenntnisse aus anderen Bereichen an, die sich (vermutlich) auf die Brettspielwelt übertragen lassen.

Blind Auditions

In der klassischen Musik hat sich in 40 Jahren der Anteil von Frauen in deutschen Orchestern von 6% auf 46% erhöht.

Einer der Hauptgründe für diese Entwicklung sind die Einführung von Blind Auditions, also dem Vorspielen hinter einem Vorhang. Die Auswahl-Jury hatte also keinen Anhaltspunkt auf das Geschlecht.

Mehr dazu
Die Zeit: Wer alle hören will, muss wohl doch sehen (27.08.2020)

Studie: Orchestrating Impartiality: The Impact of “Blind” Auditions on Female Musicians

Bias bei Beurteilung von Kompetenz

Zwei Personen bewerben sich auf eine Stelle, die eine heißt John, die andere Jennifer. Beide Bewerbungen sind fiktiv – und absolut identisch. Sie werden an Hochschulprofessor*innen geschickt.

Das Ergebnis: John wurde als kompetenter beurteilt, er wurde auf einer Skala von 1 bis 7 mit 4 Punkten (überdurchschnittlich), Jennifer hingegen mit 3,3 Punkten (unterdurchschnittlich) bewertet, ihm wurde ein um 14% höheres Gehalt angeboten und mehr Leute erklärten sich bereit, ihn zu betreuen und einzuarbeiten.

Mehr dazu:

Der Spiegel:John sticht Jennifer aus

Yale: John vs. Jennifer – a battle of sexes

Frauen* am Verhandlungstisch

Frauen erleben bei Verhandlungen häufig soziale und finanzielle Nachteile („Backlash“), wenn sie sich durchsetzungsstark, fordernd oder selbstbewusst verhalten. 

Zum einen als sozialer Backlash: Frauen werden als weniger „nett“, „angenehm“ oder kooperationsbereit wahrgenommen. Zum anderen als ökonomischen Backlash: Forderungen von Frauen (z. B. Gehalt, Ressourcen) werden seltener erfüllt. Beide Effekte treten bei männlichen und weiblichen Beurteilenden auf – meist unbewusst.

Weitere Erkenntnisse der Studie: 

  • Frauen, die für sich selbst verhandeln, werden stärker sanktioniert als Männer.
  • Frauen, die für andere verhandeln (Team, Klient:innen, Organisation), erzielen bessere Ergebnisse und erfahren kaum oder keinen Backlash
  • Frauen antizipieren Backlash. Sie fordern vorsorglich weniger und machen mehr Zugeständnisse.

Mehr dazu:

Management Science: Bohnet, I., van Geen, A., & Bazerman, M. (2016). When performance trumps gender bias: Joint vs. separate evaluation. Management Science, 62(5), 1225–1234. https://doi.org/10.1287/mnsc.2015.2186

Wichtig ist:

Diese Vorurteile und Verzerrungen passieren auch ohne Absicht. Der Großteil ist unbewusst. Die Studien zeigen, dass gleiche Kompetenz, Qualität und Fakten nicht für gleiche Chancen sorgen. 

Sie zeigen auch, dass wir Strukturen brauchen, um diese Verzerrung nachweislich zu reduzieren. Und, dass “Dann müssen Frauen* mal besser Spiele machen” oder “Dann müssen Frauen* mal besser verhandeln” weder Problem noch Lösung sind.

So viel sollte klar sein.

Disclaimer: Wir sprechen hier von Frauen* und nicht von FLINTA*, da die zugrunde liegenden Studien meist auf einer binären Geschlechterbetrachtung basieren. Wir möchten jedoch darauf hinweisen, dass diese Diskriminierungsformen viele FLINTA*-Personen betreffen und sich intersektional zusätzlich verstärken können.

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