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Published — 20. Juli 2026 ⏭ Brettspiel-News.de - Magazin für Brettspieler

Tiny Epic Dungeons: $1-Millionen-Kickstarter ohne Updates für Monate — die Community forderte mit Erfolg Antworten

Tiny Epic Dungeons: $1-Millionen-Kickstarter ohne Updates — die Community fordert Antworten

17.025 Unterstützende, über eine Million Dollar eingesammelt, und dann Monate Funkstille. Der Tiny-Epic-Dungeons-Kickstarter entwickelt sich zum Präzedenzfall für die Schattenseiten des Crowdfundings. Es begann als eines der erfolgreichsten Brettspiel-Crowdfundings des Jahres: Tiny Epic Dungeons Adventures sammelte auf Kickstarter 1.001.081 US-Dollar von 17.025 Unterstützenden ein. Der Verlag Gamelyn Games, bekannt für die beliebte Tiny-Epic-Reihe, versprach Auslieferung im Dezember 2025. Doch was folgte, war eine Kette von Verschiebungen, Funkstille, und eine immer lauter werdende Community, die Antworten fordert.

Die Chronologie einer Erosion des Vertrauens

Der ursprüngliche Zeitplan sah die Auslieferung für Dezember 2025 vor. Dieser Termin verstrich ohne Ergebnis. Im März 2026 gab es dann das bislang letzte offizielle Update: Am 31. März informierte der Verlag die Unterstützenden, dass die Spiele Mitte April per Schiff zu den globalen Fulfillment-Zentren aufbrechen, im Juni dort eintreffen und nach der Bestandsverarbeitung ausgeliefert werden sollten. „Sobald diese Meilensteine erreicht sind, informieren wir Sie hier mit einem Kampagnen-Update", hieß es wörtlich.

Seitdem: nichts. Kein Update, keine Erklärung, keine Reaktion auf die wachsende Unruhe. Fast vier Monate Funkstille, für ein Projekt mit über einer Million Dollar an zugesagten Mitteln.

 

„Wie bringen wir solche Betrüger zur Rechenschaft?"

Am 7. Juni 2026 riss dem Unterstützer RVS70 der Geduldsfaden. In einem inzwischen 70 Beiträge umfassenden Thread auf BoardGameGeek fragte er: „Are we going to let them just walk away with $1,001,081?" - zu Deutsch: „Lassen wir sie einfach mit 1.001.081 Dollar davonkommen?"

Seine Anklage ist deutlich: „Ich bin einer der 17.025 Unterstützenden, die den Tiny Epic Dungeons Kickstarter mit 1.001.081 Dollar finanziert haben. Das letzte Update erhielt ich am 31. März 2026, und seitdem herrscht Funkstille. Wie bringen wir solche Betrüger zur Rechenschaft?"

Der Vorwurf wiegt schwer, und er fiel auf fruchtbaren Boden. Innerhalb weniger Stunden entbrannte eine hitzige Debatte, die die tiefe Spaltung der Crowdfunding-Community offenlegt.

Update vom 21.7.: Im Juni 2026 kam dann ein Update, nach dem sich wahrscheinlich so viele Menschen darüber beschwert hatten. Fazit: die Spiele sind auf dem Weg. Jetzt Im Juli 2026, kam nach Abschluss unserer Recherche das Update die Spiele seien nun in der Auslieferung. Es wurden Bilder der Spiele gezeigt und gesagt es brauche einige Wochen bis alles ausgeliefert werde. Wie mir ein Unterstützender der Kampagne mitteilte sei die Kommunikation aber durchaus kritikwürdig. Es erscheint so, da erst durch öffentlichen Druck Bewegung in die Sache gekommen ist. Immerhin: die Spiele werden wohl bald ausgeliefert und am Ende wird noch alles gut. 

Zwischen Verteidigung und Empörung: Die Community ist gespalten

Die Reaktionen im BGG-Thread zeigen ein breites Spektrum. Auf der einen Seite stehen erfahrene Crowdfunding-Unterstützende, die Gelassenheit predigen. „Zwei Monate ohne Update sind bei weitem nicht das Schlimmste", schreibt Nutzer jujulautre. „Es ist nicht ungewöhnlich, dass Projekte mit noch selteneren Updates ausliefern." Green Angel ergänzt: „Ich hatte Kickstarter, die über zwei Jahre verspätet waren. Ein paar Monate sind nichts."

Auch der Nutzer odie73 verweist auf die Kommentarspalte des letzten Updates, wo der Verlag mehrfach erklärte, dass die Hauptauslieferung im Juli stattfinden werde. „Das klingt mit dem veröffentlichten Zeitplan auch recht plausibel", so odie73. „Anders als der Thread-Ersteller glaube ich nicht, dass dies ein betrügerischer Kickstarter ist."

Auf der anderen Seite steht RVS70, der seine Position in mehreren Folgebeiträgen verteidigt. Er verweist auf den ursprünglichen Liefertermin Dezember 2025 - inzwischen ein halbes Jahr überfällig. „Keiner von euch wurde im Voraus für Möbel bezahlen und hoffen, dass sie in sechs Monaten geliefert werden. Keiner würde ein Auto bezahlen und hoffen. Keiner würde Lebensmittel oder Medikamente im Voraus bezahlen und hoffen."

Sein eigentlicher Kritikpunkt aber zielt tiefer, auf die neuen Eigentümer von Gamelyn Games.

 

Der Elefant im Raum: Tycoon Games und Dan Yarrington

Im Juli 2025 wurde Gamelyn Games an Tycoon Games verkauft, das Unternehmen von CEO Dan Yarrington. Die Übernahme umfasste die gesamte Tiny-Epic-Reihe sowie die Heroes-of-Land,-Air,-and-Sea-Serie. Yarrington kommentierte damals: „Diese Titel haben Spielende mit ihren innovativen Mechaniken und immersiven Welten begeistert. Wir fühlen uns geehrt, Tiny Epic und Heroes of Land, Air, and Sea in der Tycoon-Games-Familie willkommen zu heißen."

Doch Yarringtons Ruf in der Brettspiel-Community ist alles andere als makellos. Auf Reddit wird er als „notorisch für fragwürdige Geschäftspraktiken" beschrieben. RVS70 spricht im BGG-Thread von „neuen Eigentümern, die nicht gerade eine herausragende Reputation mit solchen Projekten haben". Selbst der Nutzer Relax, der die Kampagne ansonsten verteidigt, räumt ein: „Ich bin nicht jemand, der irgendetwas verteidigt, das mit Dan Yarrington zu tun hat."

Tycoon Games hat in den letzten Jahren eine aggressive Expansionsstrategie verfolgt: Übernahmen von CMON-Spielen, des Erfolgstitels Canvas von R2i Games und der Trailblazer-Reihe von Mariposa Games. Die Gamelyn-Übernahme war Teil dieser Strategie - doch mit dem Tiny-Epic-Dungeons-Kickstarter steht nun das bislang größte Projekt auf dem Spiel.

 

Was ist tatsächlich passiert?

Die Faktenlage ist dünn, und genau das ist das Problem. Der letzte offizielle Meilenstein-Plan vom 31. März sah vor: Verschiffung Mitte April, Ankunft in den Fulfillment-Zentren im Juni, Auslieferung nach Bestandsverarbeitung. In den Kommentaren zu diesem Update präzisierte der Verlag, dass die Hauptauslieferung im Juli 2026 erfolgen solle.

Ob die Schiffe tatsächlich abgelegt haben, ob sie angekommen sind, ob die Fulfillment-Zentren mit der Verarbeitung begonnen haben - all das ist unbekannt. Einige Kommentierende verweisen auf geopolitische Faktoren: Die Straße von Hormus, eine der wichtigsten Schifffahrtsrouten der Welt, ist seit Monaten ein Krisengebiet. „Schiffe wurden versenkt", schreibt Nutzer HarryPouncer. „Dinge passieren. Atmen Sie tief durch und entspannen Sie sich."

Doch geopolitische Ereignisse erklären keine viermonatige Kommunikationspause. Ein kurzes Update - selbst wenn es nur sagt „wir warten noch auf Neuigkeiten von der Reederei" - hätte die Gemüter beruhigen können. Dass es nicht kam, nährt den Verdacht.

 

Crowdfunding: Investition, nicht Kauf

Der BGG-Nutzer cicerunner bringt die rechtliche Realität auf den Punkt: „Sie haben keine Bestellung aufgegeben, Sie haben Geld zugesagt, um ein Projekt zu unterstützen. Es gibt keinen Vertrag. Es besteht ein erhebliches Risiko, weil es sich nicht um einen Kauf handelt, sondern um eine Investition in ein Projekt."

Diese Unterscheidung ist zentral, und wird von vielen Crowdfunding-Neulingen übersehen. Kickstarter ist kein Online-Shop. Wer Geld zusagt, kauft kein Produkt, sondern beteiligt sich an der Finanzierung einer Idee. Dass Projekte scheitern, sich verzögern oder nie ausliefern, ist Teil des Risikos, dem alle Unterstützenden zustimmen.

Dennoch: Gamelyn Games, und jetzt Tycoon Games - ist kein unbekannter Newcomer. Die Tiny-Epic-Reihe hat über 25 erfolgreiche Projekte hervorgebracht, viele davon sind im Handel erhältlich. UvulaBob fragt im Thread sarkastisch: „Ist das echt? Die haben irgendwo zwischen 25 und 30 Projekte erfolgreich ausgeliefert - viele davon können Sie jetzt gerade kaufen. Wie lange soll dieser Betrug denn schon laufen?"

Ein berechtigter Einwand. Und doch: Der Ruf eines Unternehmens ist nur so gut wie sein letztes Projekt. Und bei Tiny Epic Dungeons Adventures steht dieser Ruf auf dem Spiel.

 

Fazit: Ein Testfall für die Crowdfunding-Kultur

Der Fall Tiny Epic Dungeons Adventures ist mehr als ein verspätetes Brettspiel. Er ist ein Testfall dafür, wie viel Kommunikationslosigkeit eine Community toleriert, und was passiert, wenn ein Traditionsverlag unter neuer Führung das Vertrauen seiner treuesten Unterstützenden verspielt.

Noch ist nichts verloren. Die Spiele könnten tatsächlich auf Schiffen unterwegs sein, die Fulfillment-Zentren könnten in diesen Tagen mit der Verarbeitung beginnen. Ein einziges Update, ein Foto von Paletten in einer Lagerhalle, ein Scan eines Frachtbriefs - würde die Wogen glätten. Dass es nicht kommt, ist die eigentliche Geschichte.

Für die 17.025 Unterstützenden bleibt vorerst nur das Warten. Und die Frage, die RVS70 am 7. Juni stellte, hallt nach: Lassen wir sie einfach mit über einer Million Dollar davonkommen?

Quellen

Richtigstellung: DIe 

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